Wenn Kontrolle zur Illusion wird
„Algorithmus des Teufels“ ist kein Thriller, den man nebenbei liest. Es ist einer dieser Romane, die einen langsam, aber unaufhaltsam in ihre eigene Dunkelheit ziehen. Schon früh wird klar: Hier geht es ...
„Algorithmus des Teufels“ ist kein Thriller, den man nebenbei liest. Es ist einer dieser Romane, die einen langsam, aber unaufhaltsam in ihre eigene Dunkelheit ziehen. Schon früh wird klar: Hier geht es nicht nur um Mordfälle und Ermittlungsarbeit, sondern um ein Gefühl – das Gefühl, dass etwas Grundsätzliches aus dem Gleichgewicht geraten ist. Mich hat dieses Buch nicht nur gefesselt, sondern nachhaltig beschäftigt.
Ausgangspunkt sind zwei Todesfälle, die zunächst unabhängig voneinander wirken. Ein mutmaßlicher Suizid am Bodensee und ein Mord in einer Münchner Tiefgarage. Unterschiedliche Orte, unterschiedliche Ermittler, unterschiedliche Ausgangslagen. Doch je tiefer die Kommissarin Jennifer Häfele und der erfahrene Hauptkommissar August Wutz graben, desto deutlicher werden die Parallelen. Die Ermittlungen verlaufen nicht geradlinig, sondern entfalten sich wie ein Puzzle, bei dem jedes neue Teil das Gesamtbild beunruhigender macht.
Der Thriller lebt nicht von spektakulären Zukunftsvisionen oder überzeichneten Technikfantasien. Stattdessen entfaltet sich die Bedrohung schleichend. Die Künstliche Intelligenz steht nicht als allmächtiges Monster im Raum, sondern als logisches, effizientes System: emotionslos, konsequent, unaufhaltsam. Gerade diese Nüchternheit macht sie so unheimlich. Denn das Buch stellt nicht die Frage, ob KI böse ist, sondern was passiert, wenn wir Verantwortung abgeben, Prozesse automatisieren und Entscheidungen delegieren.
Was als Fiktion beginnt, fühlt sich erschreckend nah an der Realität an. Man ertappt sich immer wieder bei dem Gedanken, wie viel davon heute bereits denkbar wäre – oder morgen schon möglich sein könnte. Ich habe sogar ChatGPT gefragt, ob es möglich wäre grins Wollt Ihr es wissen? Die Antwort war: (noch) nicht.
Der Autor setzt statt auf reinen Nervenkitzel, auf Atmosphäre, psychologischen Druck und ein stetig wachsendes Gefühl der Ohnmacht. Als Leser wird man nicht geschont. Das Buch fordert Aufmerksamkeit, stellt unbequeme Fragen und zieht einen emotional in einen Abgrund, aus dem man so schnell nicht wieder auftaucht.
Absolute Leseempfehlung für alle, die Thriller mögen, die nachwirken, verunsichern und noch lange im Kopf bleiben.