Cover-Bild Mittagsstunde

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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Random House Audio
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Ersterscheinung: 15.10.2018
  • ISBN: 9783837142785
Dörte Hansen

Mittagsstunde

Hannelore Hoger (Sprecher)

Was bleibt von uns, wenn alles, was wir kannten, untergeht? Der große Roman über Verlust und Neuanfang

Die Wolken hängen schwer über der Geest, als Ingwer Feddersen, 49, in sein Heimatdorf zurückkehrt. Er hat hier noch etwas gutzumachen. Großmutter Ella ist dabei, ihren Verstand zu verlieren, Großvater Sönke hält in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung. Er hat die besten Zeiten hinter sich, genau wie das ganze Dorf. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Hecken und dann die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und den Alten mit dem Gasthof sitzen ließ? Mit großer Wärme erzählt Dörte Hansen vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust, Abschied und von einem Neubeginn.

„Man kann sich als Vorleserin eigentlich niemanden anderen als Hannelore Hoger vorstellen." hr2 Hörbuchzeit über "Altes Land"

(9 CDs, Laufzeit: ca. 11h 31)



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Lesejury-Facts

  • Dieses Buch befindet sich in 3 Regalen.
  • 2 Mitglieder haben dieses Buch gelesen.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.04.2019

liebevoll erzählte Geschichte eines norddeutschen Dorfes und ihrer Bewohner

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Dörte Hansens Roman „Mittagsstunde“ ist eine Hommage an ihre norddeutsche Heimat, vergleichbare Charaktere und Szenarien gibt es sicher auch in anderen ländlichen Gegenden, die windgepeitschte norddeutsche ...

Dörte Hansens Roman „Mittagsstunde“ ist eine Hommage an ihre norddeutsche Heimat, vergleichbare Charaktere und Szenarien gibt es sicher auch in anderen ländlichen Gegenden, die windgepeitschte norddeutsche Geest ist aber schon etwas Besonderes. Die Menschen sind es gewohnt, den Widrigkeiten der Natur zu trotzen, schon zu Schulzeiten sind die „Kapuzenkinder“ Wind und Regen ausgesetzt, während sie auf den „Kartoffelroder“ warten, den Bus, der sie zu den weiterführenden Schulen bringt und dabei in den Dörfern die Kinder aufliest.
Ingwer Feddersen ist Ende 40, als er aus Kiel für ein Sabbatjahr in sein Heimatdorf zurückkehrt, um seine Großeltern zu pflegen, auf der Fahrt über das raue Land kehren Erinnerungen an seine Kindheit zurück. Sönke und Ella Feddersen sind über 90, Ella wird zunehmend dement, ihr Mann Sönke akzeptiert nur zögernd, dass seine besten Zeiten ebenso vorbei sind, wie die des Dorfkrugs, den er in der dritten Generation führt.
Dörte Hansen zeichnet mit viel Liebe zu ihren Figuren und zu Details die Geschichte des fiktiven Brinkebülls nach, das sich ebenso wie seine Bewohner im Laufe der Zeit vielen Veränderungen stellen musste. Viele ist verschwunden, wie die Pflastersteine, die kleinen Höfe, der Kaufmannsladen oder auch die Mittgasstunde, die früher den Dorfbewohnern heilig war.
Durch die Augen Ingwer Feddersens, der das Dorfleben ebenso kennt wie das in der Stadt, bekommt der Leser einen Einblick in die Geschichte des Dorfes und ihrer zum Teil sehr speziellen bis eigenwilligen Bewohner, wie Hanni Thomsen der tagtäglich mit seinem Mofa durch das Dorf düst oder Ingwers Mutter Marret, die mit ihren Klapperlatschen durch das Dorf läuft und auch jedem, der es nicht hören will, den nahenden Untergang voraussagt. "Man konnte Marret Feddersen von Weitem hören, wenn sie in ihren weißen Klapperlatschen angelaufen kam. Sie trug die alten Dinger immer. Schiefgetretene Holzsandalen, auch bei Schnee und Eis. Wozu noch Schuhe kaufen. Die Leute seufzten, wenn sie das Klappern auf der Straße hörten. Dor kummt de Ünnergang al wedder. Es passte manchmal schlecht." Aber auch Marret mit ihrer speziellen Art hat ihren Platz in der Gemeinschaft, das Dorf hält zusammen in guten und in schweren Zeiten. Beispielhaft dafür stehen Ingwers Großeltern, die einige Schicksalsschläge haben meistern müssen und trotz einiger tragischer Erlebnisse auf die Gnadenhochzeit zusteuern, die groß gefeiert werden soll.
Der Roman vereint Melancholie und Witz, Hannelore Hoger liest ihn pointiert und mit viel Gefühl für die Charaktere. Stellenweise hat mich bei ihrem Vortrag die Tendenz zum Nuscheln gestört, Dörte Hansen großartiger Erzählstil hat mich wieder vollauf begeistert.

Veröffentlicht am 21.01.2019

Brinkebüll im Wandel

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Inhalt:
Brinkebüll, ein kleines Dorf in Norddeutschland und die Heimat von Ingwer Feddersen. Er ist vor Jahren zum Studium weggegangen und kehrt nun zurück in sein Heimatdorf, um sich um seine demente ...

Inhalt:
Brinkebüll, ein kleines Dorf in Norddeutschland und die Heimat von Ingwer Feddersen. Er ist vor Jahren zum Studium weggegangen und kehrt nun zurück in sein Heimatdorf, um sich um seine demente Großmutter Ella und seinen immernoch geistig sehr klaren, aber körperlich abbauenden grummeligen Großvater Sönke zu kümmern. Doch in der Zwischenzeit hat sich einiges geändert. Brinkebüll wie es einst war gibt es nicht mehr. Und auch das Dorfleben von damals hat sich verändert...

Meine Meinung
Brinkebüll - ein kleines norddeutsches Dorf, in dem die Zeit langsamer zu gehen scheint. In dem die Mittagsstunde noch immer heilig ist und an alten Traditionen festgehalten wird.
Brinkebülls Dorfbewohner sind allesamt sehr eigenwillig und speziell, aber auf ihre Art und Weise auch liebenswert. Sei es Marit, die mit ihren Klapperlatschen durch das Dorf zieht und alle vor dem drohenden Unheil warnt. Oder aber Lehrer Stehnsen, der trotz seiner mürrische und strengen Art doch eigentlich nur das Beste für seine Schüler möchte. Doch so verschieden sie auch sind und so rau der Umgangston manchmal ist, sind sie doch einen eingeschworene Gemeinschaft.

Sehr unaufgeregt, aber doch eindringlich erzählt die Autorin Dörte Hansen am Beispiel des Dorfes Brinkebüll und seinen Bewohnern vom Untergang des herkommlichen Dorflebens. Von der Flurbereiningung und dem anschließenden Überlebenskampf der kleinen Höfe... Kurzum von dem Wandel auf dem Dorf, der unaufhaltsam scheint, sowohl Gutes als auch Schlechtes mit sich bringt.

Die Geschichte spielt zum Teil in der Gegenwart. Zwischendurch nimmt Dörte Hansen den Leser jedoch auch mit in die Vergangenheit. Auch wenn man sich beim Hören des Hörbuch zunächst an die Zeitsprünge gewöhnen muss, lockern sie die Geschichte auf und ermöglichen dem Leser einen weitreichenden Einblick in das Dorfleben und die Geschichten der Charaktere.

Einziger (sehr kleiner) Kritikpunkt ist meiner Meinung nach die Wahl der Hörbuchsprecherin. Als Hörer muss man sehr aufmerksam sein, um alle Details und Andeutungen mitzubekommen. Und auch wenn die Stimme von Hannelore Hoger sehr gut zur Geschichte passt und sie auch die plattdeutschen Passagen problemlos meistert, fiel es mir aufgrund ihres Nuschelns stellenweise zusätzlich schwer zu folgen.

Fazit:
Ein unglaublich tolles Buch über das Sterben der Dörfer und den Wandel der Landwirtschaft. Unaufgeregt aber gleichzeitig eindringlich schildert sie Autorin sehr authentisch die Veränderungen, die in den letzten Jahren stattgefunden haben. Besonders gefallen haben mir die sehr eigenen, aber unglaublich authentischen Charaktere. Definitiv eines meiner Jahreshighlights!

Veröffentlicht am 26.12.2018

Ein wunderbar authentisches Hörbuch, das den Wandel eines Dorfes und seiner Bewohner beschreibt

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Ein Dorf hoch im Norden, das geprägt wird von den Eigenheiten seiner Bewohner, steht im Mittelpunkt der Erzählung von Dörte Hansen, die das Leben innerhalb der eingeschworenen Gemeinschaft beschreibt. ...

Ein Dorf hoch im Norden, das geprägt wird von den Eigenheiten seiner Bewohner, steht im Mittelpunkt der Erzählung von Dörte Hansen, die das Leben innerhalb der eingeschworenen Gemeinschaft beschreibt. Dort grüßt jeder jeden, zum Feierabend gibt es im Dorfkrug ein Bier und Alt und Jung verstehen sich ohne, dass viel geredet wird. Doch ganz allmählich schleichen sich in das geregelte Dorfleben Änderungen ein und die Dinge sind plötzlich nicht mehr so, wie man sie kennt. Denn nicht nur die Kinder werden flügge und ziehen weg, auch das Land fällt einer Flurbereinigung zum Opfer und wird neu aufgeteilt. Und mittendrin verrichten die Alten ihr Tagwerk, als wäre nichts geschehen, während um sie herum neue Wohngebiete und Straßen entstehen.

"Mittagsstunde" ist nach "Altes Land" der zweite Roman von Dörte Hansen, in dem es um das veränderte Leben auf dem Land und um seine neuen und alten Bewohner geht. Mit viel Empathie versteht sie es, ihren Figuren einen nachvollziehbaren Charakter zu verleihen und sie so zu schildern, wie sie sind. Angefangen mit Söhnke, der im Alter noch einmal die Rolle des Vaters annimmt und sein im Stich gelassenes Enkelkind wie den eigenen Sohn aufzieht. Über seine Tochter Merit, die nicht ganz richtig im Oberstübchen ist, im Dorf aber einen festen Platz einnimmt oder Ella, die plötzlich in fließenden Gewässern lebt und ihn mit Vorliebe kneift. Und dann gibt es da noch die Kinder, die ihren Nachbarn ähnlicher, als den eigenen Eltern sehen und den Pfarrer, der mehr Herzblut in die Bestattung der toten Tiere legt, als in den Gottesdienst zuvor. Ein sehr eigenes Volk, das über Jahrzehnte zusammengewachsen ist und nun den Ausläufern des Fortschritts weichen muss.

Gelesen wird der von einem unumgänglichen Neubeginn erzählende Roman von Hannelore Hoger, die das authentische Geschehen in einer eher emotionslosen Weise darzubieten versteht. So drängt sie den völlig unterschiedlichen Figuren und den mit ihnen einhergehenden Begebenheiten weder einen eigenen Stempel auf, noch wertet sie diese. Vor allem dadurch verhilft sie ihnen zum Leben, weil sie sie in ihrer ganzen Knorrigkeit in Erscheinung treten lässt und ihnen die ans Licht drängenden Mängel in gewisser Weise verzeiht. Manchmal dadurch, indem sie für sie singt, ein anderes Mal, weil sie ihren Dialekt annimmt. Eine Interpretation, die vor allem wegen ihrer Schlichtheit als gelungen bezeichnet werden kann und viel von den Gefühlen und Eigenheiten der Dorfbewohner verrät.

Fazit:
Ein wunderbar authentisches Hörbuch, das völlig unspektakulär den Wandel eines Dorfes und seiner Bewohner beschreibt und dabei angenehm kurzweilig und unterhaltsam ist.

Veröffentlicht am 10.12.2018

Ein schönes Relikt aus einer anderen Zeit

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In Brinkebüll ticken die Uhren anders. Oder doch nicht so anders, eher stellvertretend. Stellvertretend für viele Dörfer im hohen Norden, die einstmals von Landwirtschaft geprägt waren, in denen es nicht ...

In Brinkebüll ticken die Uhren anders. Oder doch nicht so anders, eher stellvertretend. Stellvertretend für viele Dörfer im hohen Norden, die einstmals von Landwirtschaft geprägt waren, in denen es nicht viel mehr gab, als einen Dorfladen und eine Wirtschaft.
Orte, an denen heute Zugereiste mit modernsten Viehbetrieben und Pendler aus der Stadt ihren Traum vom Landleben verwirklichen oder zumindest dem, was sie unter Dorfromantik verstehen.
Nicht die zugige Lebensart bei der Mensch und Natur dicht beieinander hockten und man während der Mittagsstunde annehmen musste, das Dorf sei ausgestorben.
Als Lehrer noch Heimatkunde unterrichteten und die Schüler gerne mal ein Heft um die Ohren bekamen und die Lautstärke des Mopeds, das Einzige war, was die Stille störte.

Davon erzählt uns Dörte Hansen in ihrer einzigartigen Weise. Sie schafft es Bilder, Stimmungen und Eigenheiten einzufangen und sie genau auf den Punkt zu bringen. Dabei sind ihre Wort gleichermaßen nordisch kühl wie warmherzig, ruppig wie liebevoll.
Hansen lässt einen miterleben was die Enge eines Dorfes bedeutet, im Guten wie im Schlechten. Was der Wandel der Zeit aus den Menschen macht und warum wir trotzdem nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind.
Und dem geneigten Zuhörer bleibt dabei nichts anderes übrig, als Teil dieses Dorfes zu werden - ein echter Brinkebüller. Der mit dem Lehrer auf den morgendlichen Spaziergang durch die Heide geht, mit Sönke den letzten Tanz genießt, mit Ella schweigt oder mit Ingwer neue Wege geht.

Nachdem ich diese Reise mit den Brinkebüllern gemacht habe, kann ich euch nur empfehlen dabei zu sein. Es wird nicht immer einfach, aber immer lohnenswert.

Veröffentlicht am 26.11.2018

Warnherziges Porträt eines Dorfes und seiner Bewohner

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Im Mittelpunkt dieses großartigen (Hör)Buchs von Dörte Hansen steht der 48jährige Ingwer Feddersen mit seiner Familie. Geboren und aufgewachsen in dem kleinen nordfriesischen Dorf Brinkebüll, schafft er ...

Im Mittelpunkt dieses großartigen (Hör)Buchs von Dörte Hansen steht der 48jährige Ingwer Feddersen mit seiner Familie. Geboren und aufgewachsen in dem kleinen nordfriesischen Dorf Brinkebüll, schafft er es auf die Oberschule und promoviert später sogar in Kiel. Die Großeltern Ella und Sönke, die ihn aufgezogen haben, waren damals nicht glücklich darüber, lieber wäre es ihnen gewesen, der Junge hätte die Gastwirtschaft der Familie, den alten Dorfkrug, weitergeführt. Jetzt sind die Großeltern alt und brauchen Hilfe, woraufhin Ingwer sich ein Sabbatjahr nimmt und nach Brinkebüll zurückkehrt. Für ihn bietet sich dadurch die Gelegenheit, sein bisheriges Leben Revue passieren zu lassen und zu überlegen, wie er sich seine Zukunft vorstellt.

Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt, wir lernen das heutige Brinkebüll ebenso wie das Dorf, wie es in den 70er Jahren war, kennen. Vieles hat sich in der Zeit verändert. Die alten Dorfkastanien mussten weichen, die Landwirtschaft rentierte sich plötzlich nicht mehr, in der Stadt eröffnet ein Supermarkt und der von Dora Koopmann straff geführte Dorfladen (keine Selbstbedienung!) muss zumachen. Auf den alten Höfen ziehen junge Familien ein, die aus der Großstadt kommen, ihre Kinder „Fidel“ (nach ihrem Idol Fidel Castro) nennen und in Brinkebüll das Landleben zelebrieren, während die alten Brinkebüller ihre Einfahren zubetonieren und froh darüber sind, dass der Fortschritt auch ihr Dorf erreicht hat. Die Beschreibungen sind von Wehmut durchzogen, aber viele davon sind auch urkomisch. Dörte Hansen hat eine ganz besondere Begabung, Menschen und ihre Eigenheiten warmherzig und genau zu beschreiben, ohne dabei jemals verletzend zu sein. Es ist schön, dieses Dorf und seine knorrigen Bewohner so genau kennenzulernen. Am Ende des Buchs hatte ich das Gefühl, mich von guten alten Bekannten verabschieden zu müssen.

Mit „Altes Land“ hatte Dörte Hansen die Messlatte schon sehr hoch gelegt, „Mittagsstunde“ hat mir sogar noch besser gefallen. Es ist ein Buch der leisen Töne, im übrigen auch sehr gut gelesen von Hannelore Hoger, deren ruhige, fast schon eintönige Sprechweise mir zunächst nicht gefallen hat, dann habe ich aber festgestellt, dass sie die Nordfriesen sehr gut darstellt (nur ihr Singen ist ziemlich gewöhnungsbedürftig). Ich habe das (Hör)Buch sehr genossen und kann es nur empfehlen.