Dorothee Elmigers neuer, bildgewaltiger Roman – eine mitreißende Erfahrung. Wer diesen Text betritt, fällt in den Abgrund unserer Welt und blickt mit aufgerissenen Augen in die Finsternis. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2025
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter Theatermacher, der sie für sein neuestes Vorhaben zu gewinnen versucht – ein in den Tropen angesiedeltes Stück, die Rekonstruktion eines Falls. Wenige Wochen später bricht sie auf, um sich der Theatergruppe auf ihrem Gang ins tiefe Innere des Urwalds anzuschließen. Dorothee Elmiger erzählt eine beunruhigende Geschichte von Menschen und Monstren, von Furcht und Gewalt, von der Verlorenheit im Universum und vom Versagen der Erzählungen.
Mit "Die Holländerinnen" legt Dorothee Elmiger einen dichten und atmosphärischen Roman, der auf Grund seiner Sprachgewalt mit dem Deutschen Buchpreis 2025 ausgezeichnet wurde. Der Erzählstil des Romans ...
Mit "Die Holländerinnen" legt Dorothee Elmiger einen dichten und atmosphärischen Roman, der auf Grund seiner Sprachgewalt mit dem Deutschen Buchpreis 2025 ausgezeichnet wurde. Der Erzählstil des Romans ist kunstvoll, aber nicht leicht zugänglich - insbesondere auf Grund der durchgängigen Verwendung der indirekten Rede. Elmiger erzählt ausschweifend und assoziativ mit Schwerpunkt auf Atmosphäre und starken Bildern, während die Handlung eher ein Hintergrundaspekt bleibt.
Kurz aber dennoch von bemerkenswerter Tiefe präsentiert sich Dorothee Elmigers neuer Roman „Die Holländerinnen“. Was sofort ins Auge fällt, ist die ungewöhnliche und zugleich äußerst präzise durchdachte ...
Kurz aber dennoch von bemerkenswerter Tiefe präsentiert sich Dorothee Elmigers neuer Roman „Die Holländerinnen“. Was sofort ins Auge fällt, ist die ungewöhnliche und zugleich äußerst präzise durchdachte Konstruktion des Textes. Die eigentliche Handlung wird nicht in klassischer Erzählform vermittelt, sondern erscheint den Lesern als Bericht. Eine namenlose Schriftstellerin, deren beruflicher Erfolg angedeutet wird, trägt im Rahmen eines Vortrags die Aufzeichnungen einer Reise in einen südamerikanischen Urwald vor. Auslöser für diese Expedition war die Bitte eines bekannten Theatermachers, ihr bei der Erarbeitung eines Kriminalfalls behilflich zu sein: Zwei Holländerinnen sind in dieser abgeschiedenen Gegend spurlos verschwunden. Es geht dabei jedoch nicht nur um die bloße Nachahmung einer realen Recherche für ein Schauspiel, sondern vielmehr um den Versuch, Kunst in ihrer ganzen Tiefe und Vielschichtigkeit greifbar zu machen.
Die Erzählerin begibt sich jedoch nicht allein in die Wildnis. Begleitet wird sie von einer Gruppe weiterer Reisender, die ebenfalls Teil des Projekts werden. Während das ursprüngliche Ziel – die Rekonstruktion des Verschwindens – zunächst den Anstoß liefert, tritt es im Verlauf zunehmend in den Hintergrund. Denn die Mitreisenden beginnen, ihre eigenen Lebensgeschichten preiszugeben. Schlag auf Schlag eröffnen sich neue Erzählungen, die sich übereinanderlegen und die Schriftstellerin nicht nur tiefer in den Dschungel führen, sondern zugleich in die unauflösbaren Verwicklungen menschlicher Existenz. Abgründe, Geheimnisse und Widersprüche tun sich auf, die weit über die äußere Reise hinausweisen.
Die literarische Raffinesse Elmigers zeigt sich vor allem in der vielschichtigen Konstruktion des Romans. Da der Text ausschließlich aus dem Bericht der Schriftstellerin besteht, wird alles in indirekter, vermittelter Rede erzählt. Diese Form wirkt zunächst ungewohnt und mitunter sperrig, entfaltet jedoch nach einer kurzen Eingewöhnung ihren eigenen Reiz. Die Distanz, die dadurch entsteht, ist kein Mangel, sondern ein bewusst eingesetztes Stilmittel: Sie schafft eine Sprachfärbung, die dem Werk seine besondere Note verleiht.
Bemerkenswert ist zudem, dass der Roman nahezu ohne klassische Hauptfigur auskommt. Zwar fungiert die Schriftstellerin als berichtende Instanz, doch sie selbst tritt kaum als handelnde Figur auf. Stattdessen übernehmen die Erzählungen der Begleiter die Führung. Eine Geschichte geht in die nächste über, Figuren aus einer vorangegangenen Episode beginnen selbst wieder zu erzählen. Auf diese Weise entsteht ein „Bericht im Bericht“, der das Werk zu einem literarischen Geflecht aus mehreren Erzählebenen macht. Elmiger jongliert gekonnt mit diesen Überlagerungen, sodass die Vielzahl der Stimmen und Episoden nicht zerfasert, sondern in eine komplexe, aber stringente Gesamtarchitektur mündet.
Gerade durch diese Bauweise entfaltet „Die Holländerinnen“ eine neuartige Komplexität, die Elmiger bis zum Ende souverän durchhält. Die vielen kleinen Anekdoten und Episoden verdichten sich nicht nur zu einem Gesamtbild, sondern beginnen dieses am Ende beinahe zu sprengen: Das Erzählte läuft über, wird mehr als die Summe seiner Teile. Der Kriminalfall um die verschwundenen Holländerinnen, der an einen True-Crime-Stoff erinnert, bleibt dabei eher Kulisse. Er dient als Bühne, auf der unterschiedliche Formen von Existenz, Realität und Fiktion zusammentreffen – teils realistisch, teils surreal.
Insgesamt ist „Die Holländerinnen“ ein Roman, der vor allem durch seine Erzählweise fasziniert. Das Ineinandergreifen von Einzelgeschichten und die Verknüpfung zu einem großen Ganzen eröffnen eine neue Perspektive auf Literatur. Nicht jede Episode ist gleich stark, manche Themen wie Kapitalismus oder Kolonialismus werden eher angerissen als vertieft. Dennoch überzeugt die Ausführung durch Präzision und Geschlossenheit. Es ist kein gefälliger Roman, den man leicht „liebgewinnt“, sondern ein Experiment, das herausfordert – und gerade deshalb zur näheren Beschäftigung einlädt.
Für mich ist dieses Buch das erste, das ich von den Preisträgern des Deutschen Buchpreises gelesen habe und leider muss ich festhalten, dass das Buch meinen Geschmack nicht getroffen hat und ich die Handlung ...
Für mich ist dieses Buch das erste, das ich von den Preisträgern des Deutschen Buchpreises gelesen habe und leider muss ich festhalten, dass das Buch meinen Geschmack nicht getroffen hat und ich die Handlung an der ein oder anderen Stelle nicht nachvollziehen konnte.
Die namenlose Erzählerin berichtet über eine Reise nach Südamerika und die Erlebnisse, die sich bei einem Theaterprojekt über das Verschwinden zweier Holländerinnen im Urwald, gesammelt hat.
Das Buch ist ein wenig anders als gewohnt, die namenlose Schriftstellerin erzählt die Geschichte als Vortrag auf einer Tagung in indirekter Rede, im Konjunktiv, wodurch es mir sehr schwer fiel in die Geschichte zu finden. Das Thema der verschwundenen Holländerinnen spielt eher eine nebengeordnete Rolle, und immer wieder wird die Erzählung von weiteren kleinen Geschichten oder Anekdoten, die die Lebensgeschichten anderer Menschen erzählen, aufgebrochen, deren Beitrag zum Gesamtwerk ich nicht wirklich nachvollziehen konnte. Es fiel mir über die gesamte Länge des Buches schwer, in die Geschichte zu finden und mich auf die Erzählung einzulassen, die ich ehrlich gesagt einfach nur verwirrend fand. Das Erzählte konnte gar nicht so richtig auf mich wirken, weil es sprunghaft von einer Szene in die nächste ging und die gesamte Erzählung sehr hastig und stumpf auf mich wirkte.
Leider gar nicht mein Fall, aber es wird bestimmt Leute geben, die diese Art des Erzählens nachvollziehen und würdigen können, meinen Geschmack hat es aber leider nicht getroffen.
Die Schriftstellerin sollte einen Vortrag über Literatur halten, doch da sie seit einer Expedition vor drei Jahren in einer Schreibkrise stecke, will sie nun über ihre damaligen Erlebnisse berichten. Seinerzeit ...
Die Schriftstellerin sollte einen Vortrag über Literatur halten, doch da sie seit einer Expedition vor drei Jahren in einer Schreibkrise stecke, will sie nun über ihre damaligen Erlebnisse berichten. Seinerzeit bekam sie den Anruf eines Theatermachers der sie bat, sich seiner Expedition anzuschließen, in der er mit Mitteln des Theaters einen Fall rekonstruieren wolle. Zehn Jahre zuvor hätten sich zwei junge Holländerinnen im Dschungel Panamas verirrt, die bis heute nicht gefunden wurden. Sie wagt das Abenteuer und schließt sich der skurrilen Reisegruppe an, die aus Regisseur, Kameramann, Tonmann, Kostümbildnerin, Assistentin, einer Schweizerin die eine Holländerin spielen soll, und einem Mädchenchor aus der holländischen Stadt Leiden besteht. Ein irrer Marsch durch die Wildnis beginnt, Hitze und Regen machen ihnen zu schaffen, Angst und Panik bringt sie ins Schwitzen und zu alle dem erzählen sie sich am Lagerfeuer noch schaurige Geschichten aus ihrem Leben …
Dorothee Elminger, geb. 1985 in Wetzikon im Kanton Zürich, ist eine Schweizer Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie studierte an verschiedenen Universitäten Literatur, Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft. Bisher schrieb sie drei Romane, für die sie zahlreiche Auszeichnungen erhielt. „Die Holländerinnen“ ist ihr vierter Roman, der den Deutschen Buchpreis 2025 erhielt und für den Bayerischen Buchpreis 2025 nominiert ist. Die Autorin lebte bis 2022 in Zürich und zog dann nach New York.
Dem Roman liegt ein mysteriöser Fall aus dem Jahr 2014 zugrunde, als zwei junge Holländerinnen sich beim Wandern im Dschungel von Panama verirrten – vier Wochen später fand man ihre Digitalkamera mit den letzten Fotos und Jahre später ihre Skelette.
Wieder einmal hat mich ein Buch, das den Deutschen Buchpreis erhalten hat, enttäuscht. Die Jury und ich haben wohl einen verschiedenen Lesegeschmack. Ein Roman sollte mich gut unterhalten, eine nachvollziehbare Handlung sowie einen angenehmen Schreibstil beinhalten – was ich hier leider vermisse. Das Thema ist zwar interessant, die Umsetzung jedoch nach meinem Verständnis nicht gelungen. Fast ausschließlich im Konjunktiv entstand ein chaotisches Durcheinander von Gesprächen und Selbstgesprächen, Anspielungen zu Schlingensief und Herzog, Bezüge zu Joseph Conrad und Klaus Kinski, kulturellen Strukturen und grenzwertigen Erfahrungen – alles in indirekter Rede, vage und unsicher. Die titelgebenden Holländerinnen sind nicht mehr relevant, der Fokus verlagert sich auf den Vortrag der Schriftstellerin, die im Roman, wie übrigens alle Personen, namenlos bleibt. Der angekündigte ‚Sog in die Angst‘ und der ‚faszinierende Trip ins Herz der Finsternis‘ blieb bei mir aus!
Fazit: Interessantes Thema, jedoch ist das Buch leider nicht das, was ich unter guter Literatur verstehe!
Das Buch ist ausschließlich in indirekter Rede geschrieben, was es sehr mühsam zu lesen macht. Die namenlose Schriftstellerin hält einen Vortrag über das Theater-Projekt, für das sie nach Südamerika gereist ...
Das Buch ist ausschließlich in indirekter Rede geschrieben, was es sehr mühsam zu lesen macht. Die namenlose Schriftstellerin hält einen Vortrag über das Theater-Projekt, für das sie nach Südamerika gereist ist. Es wimmelt von skurrilen Kunstschaffenden, in Tischgesprächen und Erzählungen schildern Personen des internationalen Teams abstruse, teils unfertige Geschichten aus ihrem Privat- und Berufsleben, ja auch Träume. Es gibt also die indirekte Rede mehrfach ineinander verschachtelt. Das soll wohl Kunst sein, aber ich fand es einfach unangenehm und unnötig. Das Thema der Holländerinnen findet nur am Rande statt und das Ende ist wirklich komisch. Viele der Teilgeschichten wirken auf mich unfertig, als hätte die Autorin den Faden verloren und dann wird das Thema einfach beendet. Die Personen sind schillernd und manche sind auch interessant, aber der Rahmen hat mir nicht gefallen. Ich stand bisher mit den Gewinnern des Deutschen Buchpreises auf Kriegsfuß und das hat sich leider durch dieses Buch wieder bestätigt.