Cover-Bild Überleben

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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Kremayr & Scheriau
  • Themenbereich: Biografien, Literatur, Literaturwissenschaft - Biografien und Sachliteratur
  • Genre: Sachbücher / Geschichte
  • Seitenzahl: 224
  • Ersterscheinung: 01.10.2018
  • ISBN: 9783218011297
Gerhard Zeillinger

Überleben

Der Gürtel des Walter Fantl
Walter Fantl ist vierzehn, als Hitler in Österreich einmarschiert, mit 18 wird er nach Theresienstadt, mit 20 nach Auschwitz deportiert. Gemeinsam mit seinem Vater geht er am 29. September 1944 über die Rampe von Birkenau, ahnungslos, was geschehen wird. Als der 21-Jährige im Juli 1945 nach Wien zurückkommt, ist ihm nichts von seinem Leben geblieben als ein breiter Ledergürtel: das Einzige, was er nach der Selektion behalten durfte. Bis zur Befreiung ist der Gürtel für ihn ein Überlebenssymbol, an das er sich jeden Tag klammert. Und bis heute ein Stück Erinnerung an die dunkelste Zeit seines Lebens: als er seine gesamte Familie verlor.
Heute ist Walter Fantl einer der letzten noch lebenden Zeitzeugen in Österreich. Basierend auf jahrelangen Gesprächen und zahlreichen Originaldokumenten zeichnet der Historiker und Journalist Gerhard Zeillinger den bewegenden Lebensweg nach, der von der behüteten Kindheit in Bischofstetten in Niederösterreich direkt in den Horror der NS-Zeit und in die Stunde null nach der Befreiung mündet. Zeillingers dokumentarischerzählender Stil macht diese berührende Geschichte achtzig Jahre später noch einmal lebendig und schildert sehr eindringlich das Bild einer Zeit, die uns bis heute beschäftigt.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.12.2018

Wenn ein Gürtel alles ist, was bleibt

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Der Historiker und Journalist Gerhard Zeillinger ist der Autor dieses bewegenden, zutiefst erschütternden Buches. In Gesprächen mit Walter Fantl und durch gründliche Recherche hat er dessen Lebensgeschichte ...

Der Historiker und Journalist Gerhard Zeillinger ist der Autor dieses bewegenden, zutiefst erschütternden Buches. In Gesprächen mit Walter Fantl und durch gründliche Recherche hat er dessen Lebensgeschichte zusammengefasst.
Als einer der letzten Überlebenden des Holocaust erzählt der Österreicher Walter Fantl von seinem Leben während der Naziherrschaft. Als Jude in den beschaulichen, kleinen Ort Bischofstetten in Niederösterreich hineingeboren, bekommt er zunächst von der Schreckensherrschaft unter Hitler nicht viel mit. Das ändert sich jedoch schlagartig, als die Familie sich Anfeindungen, Beschimpfungen und der Enteignung ihres Lebensmittelladens gegenüber sieht. Aus vermeintlich wohlgesinnten Nachbarn und Freunden werden schnell Feinde und Verleumder. Es gibt aber auch Menschen, die der Familie heimlich Nahrungsmittel zukommen lassen. Für mich ist es kaum vorstellbar, dass es extra Einkaufstellen für Juden gab. Der Abtransport vieler Freunde von Walter muss schlimm gewesen für ihn gewesen sein und doch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben. Die wenigen Glücksmomente der jungen Leute beim Friedhof fand ich sehr berührend. Als Walter 18 Jahre alt ist, werden seine Familie und er ins Ghetto Theresienstadt gebracht. Von dort aus geht es für ihn und seinen Vater zwei Jahre später weiter nach Auschwitz-Birkenau.
Das Buch setzt mit Walters Rückkehr aus dem KZ in die Stadt Wien an und kehrt dann in seine Jugendzeit zurück, um im weiteren Verlauf über die vielen Stationen seines Leidensweges zu berichten. Alleine die Kapitelüberschriften hinterließen bei mir schon ein sehr bedrückendes und bedrohliches Gefühl. Hier seien nur zwei erwähnt: „Ghettoisiert“ und „Krepierlager“. Grausam finde ich das ständige Bangen und Hoffen, dass sich doch noch alles zum Guten wendet und die Familie in die USA gelangt. Eine wirklich eindrucksvolle Stelle im Buch ist Walters Frage nach dem Verbleib seines Vaters: „Dann bin ich zu einem Kapo hin und habe gefragt: ‚Was ist mit den anderen? Wo ist mein Vater?‘ Und er schaut mich an und zeigt auf einen der Schornsteine und sagt: ‚Siehst du den Rauch? Das sind die anderen, das ist dein Vater?‘“ Völlig emotionslos beschreibt dieser Mann die Vorkommnisse im Lager und es zeigt, wie selbstverständlich und je nach Lust und Laune Menschen von den Schergen Hitlers gefoltert (emotional und körperlich), erniedrigt und getötet wurden.
Ergänzend zu den Aufzeichnungen finden sich viele Fotos, die von Pepi, der Haushaltshilfe der Fantl-Brumliks, aufbewahrt wurden. Für Walter sind sie bestimmt eine wertvolle Erinnerungen neben seinem alten Gürtel. Der alte Ledergürtel ist für Walter lebenswichtig geworden. Zum einen steht er als Erinnerung für sein altes Leben und zum anderen ist er für ihn die Hoffnung, dass er den Wahnsinn überleben wird. Er hält Walters Leben zusammen und nicht nur seinen zerlumpten Klamotten an seinem ausgemergelten Körper.
Dieses Buch hat mich unfassbar traurig, sprachlos und wütend gemacht. Es ist das erste Mal, dass ich einen Zeitzeugen dieser grausamen Zeit „gehört“ habe und ganz unterschiedliche Gefühle haben sich während des Lesens abgewechselt: da war Fassungslosigkeit und Trauer, neben Entsetzen, Scham und auch Hass auf das unmenschliche Verhalten jener Zeit. Es war mir unmöglich, das Buch an einem Stück zu lesen. Ich musste mich immer wieder von den starken Eindrücken und Gefühlen erholen.
Am Ende bleibt nur die Hoffnung, dass solch eine Zeit sich niemals mehr wiederholen wird.

Veröffentlicht am 22.11.2018

Die Geschichte eines Holocaust-Überlebenden

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Der Roman „Überleben – Der Gürtel des Walter Fantl“ von Gerhard Zeillinger ist im Gedenkjahr 2018 im Verlag Kremayr & Scheriau erschienen.

Walter Fantl lebt mit seiner Familie in Niederösterreich und ...

Der Roman „Überleben – Der Gürtel des Walter Fantl“ von Gerhard Zeillinger ist im Gedenkjahr 2018 im Verlag Kremayr & Scheriau erschienen.

Walter Fantl lebt mit seiner Familie in Niederösterreich und ist vierzehn Jahre alt, als Hitler in Österreich einmarschiert. Vier Jahre später wird er nach Theresienstadt deportiert, bevor er mit seinem Vater nach Auschwitz kommt. Walter Fantl wird als Einziger seiner Familie den Holocaust überleben. Als er im Juli 1945 nach Wien zurückkommt, ist ihm nichts von seinem Leben geblieben als ein breiter Ledergürtel.

Gerhard Zeillinger hat in vielen Gesprächen und anhand zahlreicher Originaldokumente Walter Fantls Geschichte erzählt. Sein Schreibstil macht Walter Fantls berührende Geschichte achtzig Jahre später noch einmal lebendig. Die beschriebenen Misshandlungen und die Grausamkeiten der damaligen Zeit sind so bildhaft beschrieben, dass ich beim Lesen mehrmals eine Pause einlegen musste. Ich konnte, ja ich wollte das Gelesene gar nicht glauben. Zeitzeugenberichte wie dieser, in denen Krieg und Unmenschlichkeit ein Gesicht bekommen, sollten uns immer daran erinnern, dass wir die Vergangenheit, niemals vergessen dürfen, damit sich die Geschichte niemals wiederholt. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde ein Satz gesprochen, der immerwährend sein sollte: Nie wieder Krieg! „Überleben“ von Gerhard Zeillinger zeigt auf beeindruckende und intensive Weise auf, wie wichtig dieses Credo ist.

Veröffentlicht am 08.11.2018

Eine Leseempfehlung - gegen das Vergessen!

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Dieser biografischer Roman und Tatsachenbericht eines Zeitzeugens fiel mir alleine durch das Thema und Cover auf. Als ich jedoch in der Buchbeschreibung las, dass Hauptprotagonist Walter Fantl seine Kindheit ...

Dieser biografischer Roman und Tatsachenbericht eines Zeitzeugens fiel mir alleine durch das Thema und Cover auf. Als ich jedoch in der Buchbeschreibung las, dass Hauptprotagonist Walter Fantl seine Kindheit in unserem Nachbarort Bischofstetten verbracht hat, musste ich dieses Buch einfach lesen!
Der anerkannte Historiker Gerhard Zeilinger erzählt die Geschichte basierend auf jahrelanger Gespräche und Aufzeichnungen. Ich muss vorab sagen, dass ich schon viele Bücher zum Thema gelesen habe, aber dieses musste ich in "kleinen Happen" konsumieren, da es einem wirklich mitnimmt und verstört. Die sehr intensive Erzählung, besonders die Auszüge aus Ausschwitz, sind einfach nur schockierend.

Vorallem zu Beginn war es für mich überaus interessant zu lesen, da Orte genannt wurden, die sowohl mein Geburtsort, als auch mein jetziger Heimatort sind. Die anderen Nachbardörfer kenne ich natürlich ebenfalls und auch einige bekannte Namen sind aufgetaucht. Man liest automatisch anders, wenn man die Location kennt. Und man fragt sich zur selben Zeit, ob man heute noch einen Juden kennt...ich nicht....sagt doch schon viel aus....

Walter Fantl lebt mit seinen Eltern und der älteren Schwester in Bischofstetten im niederösterreichischen Mostviertel. Der Vater betreibt einen Gemischtwarenladebn und die Fantls sind im Dorf gut integriert. Das ändert sich als Hitler in Österreich einmarschiert. Walter ist zu dieser Zeit 14 Jahre alt. Die Ausgrenzung beginnt schleichend und die Lebensgrundlage der Fantls, das Geschäft, soll arisiert werden. Die gesamte Familie wird nach Wien in die jüdische Gemeinde umgesiedelt. Walters Vater wehrt sich lange dagegen und versucht durch den Widerstand Zeit zu gewinnen, um für seine Familie eine Ausreisegenehmigung zu erhalten. Die Fantls und alle anderen Juden bekommen allerdings kaum Geld für ihre ehemalige Lebensgrundlage und nur mit diesem und einem Bekannten im Ausland bekommt man eine bessere Chance eine Ausreisegenehmigung zu erhalten. 1942 wird die Familie nach Theresienstadt (im heutigen Tschechien) und 1944 werden Walter und sein Vater nach Ausschwitz, (im heutigen Polen) deportiert. Gleich bei der Ankunft werden sie getrennt....die berühmt berüchtigten Worte "links" oder "rechts" entscheiden zu diesem Zeitpunk über Leben und Tod. Walter bleibt nur sein Gürtel, der für ihn zum Symbol und Hoffnungsträger wird. Alles andere wurde ihm genommen.
Bereits im Prolog erfahren wir, dass Walter überlebt (er ist ja Zeitzeuge, also spoilere ich hier nicht) und nachdem er aus Ausschwitz entkommen und der Krieg beendet ist, nach Wien zurückkehrt. Wie verloren diejenigen waren, die überlebt haben, hat mich zutiefst bedrückt. Immer wieder liest man vom Roten Kreuz, das Menschen unterstützt und letzendlich auch die Überlebenden wieder zusammengeführt hat, aber Wien ist wohl doch anders...es gab für Walter Fantl keinerlei Hilfe oder Entgegenkommen....das machte mich wirklich sprachlos!

Die Fotos im Buch sind nicht wie oftmals üblich in der Buchmitte zu finden, sondern wurden perfekt zum jeweiligen Abschnitt platziert. Dass sie überhaupt gezeigt werden können verdankt Walter der damaligen (katholischen) Haushälterin, die übrigens aus meinem jetzigen Heimatort kam und 2016 mit 102 Jahren verstorben ist. Sie hat alles aufbewahrt und ich sage ihr dafür ein großes Dankeschön....auch wenn sie es nicht mehr hören kann.

Fazit:
Was soll man noch über einen biografischen Roman sagen, der die Abgründe der Menschen zeigt? Normaler Weise bewerte ich Biografien und Bücher dieser Art nicht, aber hier kann ich mit gutem Gewissen ganze fünf Sterne vergeben und eine absolute Leseempfehlung aussprechen!

Veröffentlicht am 30.10.2018

Eine beeindruckende Biografie

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Walter Fantl lebt mit seinen Eltern und der Schwester in Bischofstetten, einem kleinen Ort im niederösterreichischem Mostviertel. Die Fantls betreiben einen von drei Gemischtwarenläden. Dass sie Juden ...

Walter Fantl lebt mit seinen Eltern und der Schwester in Bischofstetten, einem kleinen Ort im niederösterreichischem Mostviertel. Die Fantls betreiben einen von drei Gemischtwarenläden. Dass sie Juden sind, wissen alle im Dorf, doch keiner stört sich daran – vorerst. Mit der Machtübernahme Hitlers und dem Anschluss an Deutschland beginnt die Leidensgeschichte der Fantls. Walter ist gerade einmal 14 Jahre alt. Wie so viele Juden erkennen sie die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig. Die Ausgrenzung der Fantls, die Arisierung des Geschäftes, die Umsiedlung nach Wien und die verzweifelten Versuche des Vaters die nötigen Papiere und das Geld für die Schiffspassagen zu bekommen, werden von Walter Fantl eindringlich und detailliert geschildert.

Die Fantls werden zuerst 1942 gemeinsam nach Theresienstadt und 1944 dann nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Noch weiß niemand, dass Walter der einzige Überlebende seiner Familie sein wird.

"Dann bin ich zu einem Kapo hin und habe gefragt: Was ist mit den anderen? Wo ist mein Vater?
Und der schaute mich an und zeigt auf einen der Schornsteine und sagt: Siehst du den Rauch? Das sind die anderen, das ist dein Vater".

Was an dieser Biografie so fasziniert ist, dass es Walter, auch in den vielen Stunden der Schinderei und Demütigungen gelingt, einige wenige glückliche Momente mit Leidensgenossen zu erleben. Das Symbol seiner Hoffnung, den Wahnsinn zu überleben, ist sein Ledergürtel. Der ist das einzige, was ihm noch geblieben ist. Kleidung, Schuhe oder Wertsachen wurden ihm von Mithäftlingen gestohlen oder gegen Nahrungsmittel eingetauscht. Doch an den Gürtel klammert er sich mit all seiner Kraft.

Das Buch endet nicht – wie so viele – mit der Befreiung aus dem KZ sondern bietet den Lesern ein weiteres authentisches Kapitel:
"Nach dem Krieg und wir sind frei". Es beschreibt den Weg aus dem KZ zurück, verschweigt aber nicht, dass Walter und seiner Freunde im polnischen „Niemandsland“ herummarodieren und verlassene Häuser plündern. Das finde ich sehr mutig, denn bislang habe ich darüber nichts gelesen. Walter kommt nach Wien zurück, fühlt sich verloren, sucht nach Familie und Freunden und kehrt freiwillig nach Theresienstadt, dem scheinbar einzigen Fixpunkt, zurück. Seine Freunde wandern aus, der eine nach Palästina, der andere nach Amerika. Doch wirklich willkommen sind die Überlebenden nirgends.
Nach vielen Kämpfen mit der Bürokratie erhält er das elterliche Wohnhaus zurück, hat es aber niemals mehr betreten.

Meine Meinung:

Für mich als Wienerin, die im zweiten Bezirk, der Leopoldstadt, aufgewachsen ist, sind die Adressen an denen Walter mit seiner Familie gewohnt hat, alle geläufig. Von der Großen Mohrengasse über die Schreygasse bis zum Sammellager in der Kleinen Sperlgasse 2a.

Historiker Gerhard Zeilinger mit Walter Fantls Biografie ein bewegendes und bemerkenswertes Zeitdokument gelungen, das als Ergänzung im Geschichtsunterricht gelesen werden sollte. Neben dem einfühlsamen Text, der ohne Schnörkel die Dinge beim Namen nennt, bilden die perfekt platzierten Fotos eine eindrucksvolle Ergänzung. Wie haben die Fotos gerettet werden können? Das ehemalige (christliche) Kindermädchen hat die Kassette mit Fotos, Dokumenten und Erinnerungsstücken vor der Vernichtung bewahrt und für Walter aufgehoben.

Fazit:

Ein Buch, das unbedingt gelesen werden sollte. Gerne gebe ich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 24.10.2018

Wenn ein Gürtel das letzte ist, das einen am Leben erhält

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"Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon!" (Max Mannheimer)
Als Walter am 6. März 1938 seine Bar Mizwa feiert, ahnt er noch nicht, das wenig ...

"Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon!" (Max Mannheimer)
Als Walter am 6. März 1938 seine Bar Mizwa feiert, ahnt er noch nicht, das wenig später die ersten Truppen Hitlers in Österreich einmarschieren. Plötzlich ändert sich alles, auch auf dem Land wo die Familie Fantl einen Gemischtwarenladen hat. Dann wird ihr Laden enteignet und sie müssen mit mehreren anderen jüdischen Bewohnern nach Wien, als 1941 Walter gerade mal 18 Jahre alt war, wurden sie nach Theresienstadt deportiert. Doch Walter gute körperliche Verfassung und das er Schlosser gelernt hat, verhalfen ihnen, dass er und die Familie dort recht gut zurechtkamen. Als dann die arbeitenden Männer mit dem Zug in den Osten fahren mussten, wollte Walter seinen Vater nicht alleine lassen und meldet sich freiwillig. Keiner ahnt, bis dahin das ihr Ziel Auschwitz-Birkenau sein wird. Spätestens hier merkt Walter das Theresienstadt ein Paradies war gegen das, was sie in Auschwitz erleben würden. Alles was er besitzt wird abgenommen, lediglich sein Gürtel, den er aus seiner Schlosserzeit in Wien besitzt wird für ihn zum Überlebenssymbol an den er sich klammern kann. Heute ist Walter Fantl der letzte lebende österreichische Zeitzeuge.

Meine Meinung:
Da ich inzwischen viele Bücher und Lebensberichte über den Holocaust kenne und gesammelt habe, hat mich die Geschichte von Walter Fantl neugierig gemacht. Anhand vieler Gespräche und Dokumente hat Historiker und Journalist Gerhard Zeillinger dieses beeindruckende Lebenswerk niedergeschrieben. Dabei erfährt man auch von Walters Kindheit, seinen Eltern, über die Zeit in Wien, im Lager in Theresienstadt und seine Zeit in Auschwitz und dem Arbeitslager Gleiwitz bis hin zur Befreiung und anschließenden Suche nach Überlebenden. Wie immer, wenn ich solche Lebensberichte von Holocaustüberlebenden lese, war ich tief erschüttert, was diese Menschen alles ausgehalten und mitgemacht haben. Vor allem die Zeit in Auschwitz und Gleiwitz hat mich teilweise fassungslos gemacht, als ich las wie brutal die Kommandanten und Kapos mit den jüdischen Arbeitern umgingen. Auch der Todesmarsch, über den ich nicht das erste Mal gelesen hatte, hat bei Walter ganz andere Dimensionen angenommen. Ich habe mich bei diesem Buch mehrmals gefragt, was ein Mensch eigentlich alles aushalten kann, wenn er nur noch einen Funken Hoffnung hat, der ihn am Leben erhält. Walter ist hierfür das beste Zeugnis, oft hat der seinen Leidensweg sogar selbst bestimmt, weil er seine Familie oder den Vater nicht alleine gehen lassen wollte. Dass diese Erlebnisse einen Menschen präge, verändern und er danach nie wieder derselbe ist, gerade dafür ist Walters Geschichte ein gutes Beispiel. Viele Bilder aus dem Buch stammen aus den Hinterlassenschaften der Familie, die das ehemalige Dienstmädchen durch den Krieg aufbewahrt hat. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen und gebe 5 von 5 Sterne.