Cover-Bild Verraten
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12,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Dressler
  • Genre: Kinder & Jugend / Jugendbücher
  • Seitenzahl: 336
  • Ersterscheinung: 19.10.2020
  • ISBN: 9783791501642
  • Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Grit Poppe

Verraten

Als seine Großmutter ins Altenheim muss, zieht Sebastian zu seinem Vater, der die Familie verlassen hat, als er noch ein Kind war. Nichts verbindet ihn mit diesem Mann, der eine Haftstrafe verbüßen musste und kaum mit ihm spricht. Aber immer noch besser, als wieder in diesem schrecklichen Heim zu landen, in das er zunächst von der Jugendhilfe gebracht wurde - und aus dem Katja geflohen ist, um die er sich jetzt heimlich kümmert. Doch eines Tages taucht ein Mann in seiner Schule auf und drängt ihn, Lehrer und Mitschüler zu beobachten. Er macht ihn zum IM der Stasi und bringt ihn dazu, seinen eigenen Vater zu bespitzeln.
Der große DDR-Roman für Jugendliche.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.01.2021

Das Verborgene der DDR Geschichte

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Inhalt

Ost-Berlin 1986 Sebastian wird nach Tod seiner Mutter in ein sogenanntes Durchgangsheim gesteckt. Es ist aber eher Gefängnis als Heim. Sebastians Vater, der die Familie verlassen hatte, holt ihn ...

Inhalt

Ost-Berlin 1986 Sebastian wird nach Tod seiner Mutter in ein sogenanntes Durchgangsheim gesteckt. Es ist aber eher Gefängnis als Heim. Sebastians Vater, der die Familie verlassen hatte, holt ihn dort raus. Doch der Vater ist eigenartig. Kurze Zeit später bekommt Sebastian Besuch von einem Stasimitarbeiter. Er will, das Sebastian unteranderem seinen Vater bespitzelt. Ihm bleibt keine Wahl, da er auch noch Katja versteckt, die geflüchtet ist. So nimmt die Geschichte ihren Lauf.....

Meine Meinung

Selbst in der DDR aufgewachsen, interessiere ich mich sehr für das Thema. Vieles wurde totgeschwiegen und man wusste nur das es Heime und Jugendwerkhöfe für schwererziehbare Jugendliche gab. Über das" Warum" wurde geschwiegen. Der Schreibstil gefiel mir ausgesprochen gut, flüssig und verständlich zu lesen. Obwohl Sebastian und Katja in der Ich-Form erzählen, empfand ich es hier als nicht anstrengend und irritierend. Die Erzählweise machte es mir einfach, ins Geschehen einzutauchen. Manche Situation hatte ich direkt vor Augen, weil sie mir in abgewandelter Form sehr ähnlich zu meinen damaligen Wahrnehmungen vorkamen. Grit Poppe sind mit ihren zwei Hauptprotagonisten Sebastian und Katja, zwei tolle, sympathische und authentische und in ihrer Art liebenswürdige Charaktere gelungen. Die Story ist gut recherchiert, authentisch und nicht überspitzt. Traurig macht mich immer noch, das in der damaligen Zeit Unwissenheit, Angst, der Drang um Vorwärts zukommen skrupellos ausgenutzt wurde. Und es ist gut so, das das Thema auch nach über 30 Jahren noch aufgegriffen und darüber geschrieben wird. Besonders hervorheben möchte ich noch das Interview mit einem selbst betroffenen Jugendlichen und den mit eingebundenen Schriftverkehr und das Glossar am Ende des Buches.

Fazit

Ein absolut lesenswerter Roman, der authentisch ist und die Missstände der Stasivergangenheit aufdeckt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 31.12.2020

Das DDR Dilemma

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Verloren, verborgen, verpflichtet und verraten- durch diese Etappen schlittert Sebastian, mehr unfreiwillig als gewollt, sehenden Auges und doch überraschend. Er sieht sich mit der Komplexität der DDR ...

Verloren, verborgen, verpflichtet und verraten- durch diese Etappen schlittert Sebastian, mehr unfreiwillig als gewollt, sehenden Auges und doch überraschend. Er sieht sich mit der Komplexität der DDR konfrontiert, den Agentenspielchen der Stasi, dem Vermächtnis seines Vaters und seiner eigenen Rolle in diesem Spiel um Macht, Loyalität und Treue.

Sebastian erwartet nach dem Tod seiner Mutter nicht etwa ein wohliges Kinderheim, sondern vielmehr ein Auffangbecken für schwer erziehbare Jugendliche, in dem die Methodiken denen eines Gefängnisses gleichen. Fassungslos wird er in diese Welt gestoßen und versucht auf dem rauen Pflaster zurechtzukommen, bis ihn schließlich sein Vater abholt, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Hin- und Hergerissen zwischen Dankbarkeit und Wut finden Vater und Sohn in einen Alltag zusammen, der viele Fragen offenlässt. Als dann auch noch Sebastian in die Fänge der Stasi gerät und seinen Vater bespitzeln soll, der zum Staatsfeind mutiert ist, sieht er sich in einer ausweglosen Situation, zumal Sebastian sein eigenes Geheimnis auf dem Dachboden versteckt: Katja, die mit seiner Hilfe aus dem Heim ausgebrochen ist und auf keinen Fall entdeckt werden darf.

Grit Poppe skizziert mit "Verraten" mehr als nur einen unterhaltsamen, spannenden Jugendroman, sondern vielmehr eine authentische Skizzierung der damaligen Verhältnisse, vor denen ich bisher die Augen verschlossen habe. Die Schilderungen sind grausam, brutal und die Methoden der Stasi komplett rechtswidrig und doch basieren viele Elemente des Buchs auf wahren Begebenheiten. Die Beklemmung zwischen den Zeilen, die Angst und Verzweiflung Sebastians zum einem in Bezug auf den Staat, aber auch hinsichtlich seiner Familie überwiegen. Die innere Zerrissenheit spannt den Bogen soweit, dass die Sehnen zu reißen drohen, immer und immer wieder. Das Gefühl Sebastians dem Ganzen Spiel seines Lebens nicht gerecht zu werden, wird so phänomenal emotional gesteigert, dass ich nicht aufhören konnte mit zu fiebern. Viele Passagen regen zum Nachdenken an und lassen den Leser innehalten. Der Stil ist dabei leicht, der Perspektivwechsel erfrischend und die Charaktere nahbar gezeichnet. Eine klare Empfehlung für alle Fans von guten recherchierten DDR-Romanen, Freunden von spannungsgeladenen Agentengeschichten und denen, die immer schon mal wissen wollte, was das Gefühl von Macht in einem Menschen auslösen kann.

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Veröffentlicht am 13.12.2020

Authentisches Jugendbuch, das in den Schulunterricht gehört

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Der 16jährige Sebastian lebt 1986 in der DDR, als das Schicksal gnadenlos zuschlägt: Seine Mutter stirbt an Krebs und seiner Oma traut die Jugendfürsorge nicht zu, auf den Heranwachsenden aufzupassen. ...

Der 16jährige Sebastian lebt 1986 in der DDR, als das Schicksal gnadenlos zuschlägt: Seine Mutter stirbt an Krebs und seiner Oma traut die Jugendfürsorge nicht zu, auf den Heranwachsenden aufzupassen. So wird Sebastian in einem Durchgangsheim untergebracht, in dem schreckliche Verhältnisse herrschen. In diesem „Kinderknast“ lernt er flüchtig Katja kennen, eine Ausreißerin, die sich alles andere als gesellschaftskonform verhält. Glücklicherweise gelingt es einem der Erzieher des Heimes, Sebastians Vater ausfindig zu machen, welcher die Familie vor langer Zeit verlassen hat. Der quasi Unbekannte holt Sebastian aus dem Heim und nimmt ihn bei sich auf. Was Sebastian nicht weiß: Sein Vater gilt in der DDR als Staatsfeind und saß im Gefängnis. Schnell wird die Staatssicherheit somit auf Sebastian aufmerksam und möchte, dass Sebastian für sie arbeitet, indem er seinen Vater, aber auch seine neuen Mitschüler bespitzelt. Die Drohung: Sollte er nicht kooperieren muss er zurück ins Heim. Eine schwierige Situation für Sebastian, der noch dazu ein Geheimnis birgt: Er versteckt Katja, die seine Abholung zur Flucht genutzt hat, auf seinem Dachboden – und bringt sich somit auch selbst in größte Gefahr.

„Verraten“ ist ein Jugendbuch von Grit Poppe, die sich bereits in ihren anderen Büchern intensiv mit der Thematik der Jugendlichen in der ehemaligen DDR auseinandergesetzt hat. Bereits das Cover verdeutlicht für mich die innere Zerrissenheit, die Protagonist Sebastian verspürt: Die rissige Schrift, hinter der das Schwarzweiß-Foto eines resigniert blickenden Jugendlichen sowie das Wappen der DDR abgebildet ist, passt meiner Meinung nach perfekt zum Inhalt des Buches.

Die Geschichte selbst beginnt rasant, die wichtigsten Personen sowie ihre Hintergründe werden ausgiebig dargestellt. Inhaltlich ging es mir an manchen Stellen leider etwas zu schnell, z.B. das Auffinden und die sofortige Zusage des Vaters, Sebastian zu sich zu holen oder das Aufeinandertreffen mit Möller bereits am ersten Schultag. Manche Handlungen hätten sich für meinen Geschmack ruhig etwas langsamer entwickeln können. Überrascht war ich vom Schluss des Buches, da ich bei einem Jugendbuch mit einem Happy End gerechnet hätte – das von Grit Poppe gewählte ist meiner Meinung nach aber absolut realistisch und somit passend und mutig. Einige offene Fragen und Unstimmigkeiten sind geblieben, aber diese tun der Hauptstory keinen Abbruch.

Das Buch ist sowohl aus Sicht von Sebastian, als auch Katja geschrieben, was deren unterschiedliche Lebenserfahrung und Einstellungen verdeutlicht. Während Sebastians Kapitel beschreibend in der dritten Person verfasst sind wurde für Katja die Ich-Erzählperspektive gewählt. Beide erscheinen mir authentisch wie sympathisch und ich glaube, dass sie gerade für jugendliche Leser ein hohes Identifikationspotenzial bieten.
Sebastian ist behütet aufgewachsen und kennt die „harte Realität“ der DDR bisher nicht. Er ist höflich, wohlerzogen und glaubt an das Gute. Umso mehr hat er mir leidgetan, völlig unverschuldet in diese schreckliche Situation geraten zu sein, die er nur schwer fassen kann. Noch dazu ist er den psychologischen Tricks der Stasi hilflos ausgeliefert, da sie mit seinen Ängsten spielen und ihn regelrecht erpressen. Seine innere Zerrissenheit und Verzweiflung wird spürbar und die Veränderung, die mit dem ungeheuren Druck und seiner ungewollten Verantwortung einhergeht ist nachvollziehbar.
Katja hingegen ist mit allen Wassern gewaschen, sie hat in der Vergangenheit bereits lernen müssen, alleine zurecht zu kommen und sich durchzuschlagen – ein wahnsinnig taffes Mädchen! Sie lässt sich von niemandem etwas sagen und zeigt hohe Kreativität darin, sich den Erziehungsmethoden der DDR zu entziehen. Ein wirklich starker Charakter, der aber auch von Angst und Verzweiflung getrieben ist.
Es ist schön zu sehen, wie beide miteinander umgehen, einander helfen und eine Bindung zueinander entwickeln, da sie (zunächst) die einzigen beiden vertrauenswürdigen Menschen füreinander sind.
Auch Nebenfiguren wie Sebastians Vater oder seine Mitschülerin Sabine gewinnen im Laufe des Buches an Tiefe und werden in ihrem Denken und Handeln für den Leser begreifbar.
Eine spannende wenn auch unsympathische Figur war der MfS-Mitarbeiter Möller: Seine "zwei Gesichter" und perfiden Durchsetzungsmethoden einen Jugendlichen gegenüber sich schockierend wie faszinierend gleichermaßen. Erschreckend, welche Taktiken und Erpressungen er dabei ungeschoren anwenden kann und welche Macht er über Sebastian besitzt. Die früheren Stasi-Methoden werden anschaulich und eindrücklich dargestellt und schockieren den Leser umso mehr.

Insbesondere hier, aber auch an vielen anderen Stellen des Buches merkt man deutlich, wie intensiv und umfassend die Autorin recherchiert hat, um „Verraten“ möglichst authentisch zu gestalten – was ihr absolut gelungen ist! Dies ist zudem ihrem bildhaften Schreibstil zu verdanken, der die DDR mit all ihren Gegenständen, Häusern und Personen lebendig heraufbeschwört. Gerade junge Leser, die die DDR-Zeit lediglich aus dem Schulunterricht kennen, können somit den damaligen Alltag und die Repressalien, denen die Menschen ausgesetzt waren, nachempfinden. Auch gut gefallen hat mir, das reale Ereignisse wie die Tschernobyl-Katastrophe in die Handlung eingebaut wurden und der Umgang der Bevölkerung mit dieser Bedrohung dargestellt wurde.
Unterstützt wird der Eindruck der guten Recherchearbeit der Autorin noch zusätzlich durch den Anhang des Buches. Die Informationen inkl. Abdruck der Original-Dokumente und das Interview mit dem Zeitzeugen Christian Ansehl am Ende fand ich wahnsinnig interessant, auch wenn sie mich echt erschreckt haben. Unvorstellbar, wie damals strategisch und perfide die Anwerbung unschuldiger Jugendlicher durch die Stasi vonstattenging, das hat mich wirklich angewidert.

Mein Fazit:
„Verraten“ von Grit Poppe ist ein authentisch geschriebenes Jugendbuch, das auf bildhafte und anschauliche Weise den Alltag zweier junger Menschen in der DDR aufzeigt. Es bietet für die Zielgruppe zahlreiche Ansätze, über die innerhalb des Schulunterrichts diskutiert werden könnte – meiner Meinung nach eine gelungene Möglichkeit, SchülerInnen die damalige Zeit greifbar zu machen und gesellschaftskritisch zu betrachten. So können sich Jugendliche auch noch einmal intensiver mit scheinbar selbstverständlichen Errungenschaften und Werten der aktuellen Zeit auseinandersetzen und überlegen, wie sie sich wohl an Sebastians Stelle verhalten hätten. Ein absolut lehrreiches Buch, das unbedingt in den Schulunterricht gehört.

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Veröffentlicht am 12.12.2020

Zwischen den Stühlen

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"Verraten" von Grit Poppe ist ein Jugendbuch, dass auch nach dem Jugendalter sehr gut zu lesen ist.
Die Handlung beginnt in der DDR im Jahre 1986 und es geht hier abwechselnd um Sebastian und Katja. Mir ...

"Verraten" von Grit Poppe ist ein Jugendbuch, dass auch nach dem Jugendalter sehr gut zu lesen ist.
Die Handlung beginnt in der DDR im Jahre 1986 und es geht hier abwechselnd um Sebastian und Katja. Mir hat diese Perspektive mit den beiden Jugendlichen so gut gefallen. Als die Mutter von Sebstian verstirbt, landet er von einem Tag auf den anderen in einem Heim, dass sich für ihn anfühlt wie ein Gefängnis mit seinen kalten und unmenschlichen Zuständen. Dort lernt er Katja kennen, die zwar eine Familie hat, aber wegen sozialer Unangepaßtheit dort gelandet ist.
Sebastians Vater, vorher ohne Kontakt zu ihm, holt ihn zu sich und Katja kann fliehen.
Sebastian soll sich jetzt wieder einfügen in eine ihm vollkommen fremde Umwelt und Katja versucht sich versteckt zu halten. Und dann ist da ja auch noch die Stasi...
Dieses Buch erzählt sehr treffend von einigen Begebenheiten im Alltag dieser Jahre und auch von den Gedanken der Jugendlichen. Das Buch ist sehr gut recherchiert, wobei man aber nicht vergessen darf, dass es ein Roman ist, eine Geschichte, die Spannung erzeugen soll und es auch kann.
Mir hat es sehr gut gefallen und ich kann es jedem empfehlen, der sich für ein Stück der Geschichte der DDR interessiert. Die Autorin hat im Anhang noch umfangreiche Quellenangaben und ein Interview mit einem Betroffenem.

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Veröffentlicht am 08.12.2020

Spannend, erschütternd und zugleich überaus informativ

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Ost-Berlin, 1986: Nach dem Tod seiner Mutter wird Sebastian in ein Durchgangsheim gesperrt. Die Atmosphäre dort gleicht mehr einem Gefängnis als einem Heim, die Kinder dort werden Opfer täglicher Schikanen. ...

Ost-Berlin, 1986: Nach dem Tod seiner Mutter wird Sebastian in ein Durchgangsheim gesperrt. Die Atmosphäre dort gleicht mehr einem Gefängnis als einem Heim, die Kinder dort werden Opfer täglicher Schikanen.
Als sein Vater plötzlich auftaucht und ihn mit sich nach Hause nimmt, scheint es Sebastian zunächst nicht besser zu ergehen. Das Verhältnis der beiden ist kühl, zudem gerät Sebastian zunehmends in die Fänge der Stasi.
Wäre da bloß nicht Katja, die er versteckt hält und ihm scheinbar mehr bedeutet, als ihm lieb ist...

Als ich dieses Jugendbuch das erste Mal in der Hand hielt, war ich mir nicht sicher, mit welchen Erwartungen ich an die Geschichte herangehen sollte. Ich vermutete entweder eine informationsreiche Lektüre, die dafür umso zäher ist, oder aber ein Jugendbuch, welches sich sehr viele Freiheiten nimmt und nicht unbedingt auf authentischen Fakten basiert.
Bereits nach wenigen gelesenen Seiten war jedoch klar, dass "Verraten" so viel mehr ist. Nie hätte ich damit gerechnet, dass mich Grit Poppe mit ihrem Roman so sehr fesseln und zum Nachdenken anregen kann.

Dies beginnt bereits in den ersten Kapiteln im Durchgangsheim. Die Autorin schafft es, die Stimmung bemerkenswert authentisch und echt wiederzugeben. Als Leserin habe ich mich mindestens genauso beklemmt wie der Protagonist gefühlt, konnte mir den Horror, den Sebastian durchmachen musste, hautnah vorstellen.
Auch im weiteren Verlauf des Buches erging es mir ähnlich. Gerade bei Begegnungen mit der Stasi lief mir des Öfteren ein kalter Schauer über den Rücken, so wirklich fühlten sich diese Situationen an.

Beigetragen dazu hat sicherlich auch die hervorragende Recherche. Historisch schien mir alles sehr stimmig. Bis auf kleinste Details wurde geachtet, bis in die hinterste Schrankwand schien alles geplant.
Gerade die perfiden Strategien der Stasi bekamen so noch eine andere Bedeutung, waren nicht mehr bloß nackter Text, sondern wirkten lebendig und real.
Schön fand ich an dieser Stelle vor allem ein Interview am Schluss des Buches. In diesem berichtet ein Zeitzeuge, welcher in einer ähnlichen Situation wie der Protagonist steckte, von seinen Erfahrungen. Die Geschichte wurde auf diese Weise hervorragend reflektiert, das Bild des Lesers komplettiert.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass vor allem jugendliche Leser gerade durch den jungen Protagonisten Sebastian einen neuen Zugang in die Zeit der DDR erhalten.
Dieser Roman ist einerseits fesselnd und von vorne bis hinten überaus spannend, andererseits allerdings mehr als nur informativ. Unbedingte Leseempfehlung von mir - ich bin begeistert!
5/5 Sterne

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