Cover-Bild Was man unter Wasser sehen kann

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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Rütten & Loening Berlin
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 320
  • Ersterscheinung: 15.02.2019
  • ISBN: 9783352009242
Henriette Dyckerhoff

Was man unter Wasser sehen kann

Roman
Damals, im Tal.

Als ihre Mutter verschwindet, kehrt die junge Luca in ihre Heimat zurück, nach Ronnbach, jenen kleinen Ort zwischen waldigen Hügeln und tiefhängendem Himmel, wo sie zwischen Mutter und Großmutter aufwuchs, zwischen zwei Frauen, die einander das Leben schwermachten. Luca verstand nie, warum, doch nun sucht sie nach Antworten, und bald erkennt sie, dass die Geschichte ihrer Familie ihren Anfang nahm, als das Ronnetal in den Sechzigern gegen den Willen einiger geflutet werden und ein ganzes Dorf versinken sollte.

Henriette Dyckerhoff erzählt von drei Frauengenerationen und einer Liebe zwischen zwei Heimatlosen und lässt dabei ein Stück Zeitgeschichte lebendig werden – klug, berührend, eigenwillig.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.04.2019

Entwurzelt

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Die fast dreißigjährige Luca ist vor fünf Jahren aus dem sauerländischen Ronnbach nach Berlin gezogen. Sie fühlt sich dort wohl. Dann will ihre Mutter Marion sie besuchen, aber sie kommt nicht an. Das ...

Die fast dreißigjährige Luca ist vor fünf Jahren aus dem sauerländischen Ronnbach nach Berlin gezogen. Sie fühlt sich dort wohl. Dann will ihre Mutter Marion sie besuchen, aber sie kommt nicht an. Das Auto der Mutter stand auf einer Brücke bei Ronnbach, aber Marion ist einfach verschwunden. Oma Grete, mit der Marion zusammenlebte, ist besorgt. Also macht sich Luca auf ins Sauerland. Luca verbindet mit ihrem Heimatort nicht gerade glückliche Gefühle. Ihre Großmutter und ihre Mutter hatten ein schwieriges Verhältnis.
Diese Geschichte dreht sich um Menschen, die entwurzelt wurden, als man ihnen ihre Heimat nahm, um eine Talsperre zu bauen. Wie sich Menschen fühlen, wenn sie alles aufgeben müssen, was seit langer Zeit im Besitz der Familie ist, was ihnen Heimat ist, das wissen wir in NRW rund um den Braunkohletagebau zur Genüge. Wie oft habe ich gehört, nur nicht darüber nachdenken, einfach weitermachen, sonst verzweifelt man. In den neuen Orten wohnen die ehemaligen Nachbarn und einige neue Bewohner, doch trotzdem sind die Dörfer seelenlos.
Die Geschichte der Frauen geht zurück bis in die fünfziger Jahre, als der Ort geflutet wurde. Die Charaktere sind gut und authentisch ausgearbeitet, sie haben Ecken und Kanten und sind sehr menschlich. Dazu kommt ein gutes Stück der Sauerländer Mentalität.
Erst jetzt, als sich Luca auf die Suche nach ihrer Mutter macht, versteht sie Marion und Grete besser. All die Jahre war da etwas präsent, aber es wurde geschwiegen. Daher war es für Luca auch nie fassbar. Nun aber begreift sie so nach und nach und das nimmt sogar Einfluss auf ihr eigenes Leben.
Es ist eine spannende Geschichte über Verluste und traumatische Erlebnisse, über Heimat und Identitätssuche. Sie hat mich von Anfang an in den Bann gezogen. Am Ende klärt sich Vieles, aber nicht alle Fragen werden beantwortet.
Ein fesselndes Familiendrama. Ich kann das Buch nur empfehlen.

Veröffentlicht am 14.03.2019

unbedingt lesen

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Über den Inhalt des Buches möchte ich gar nicht zu viel erzählen, denn die Spannung entsteht tatsächlich vor allem dadurch, dass man mit der Hauptdarstellerin Luca nach und nach den Geheimnissen von Großmutter ...

Über den Inhalt des Buches möchte ich gar nicht zu viel erzählen, denn die Spannung entsteht tatsächlich vor allem dadurch, dass man mit der Hauptdarstellerin Luca nach und nach den Geheimnissen von Großmutter und Mutter aber auch einem einschneidenden Ereignis in der Geschichte ihres Heimatdorfes auf die Spur kommt. Ihre Suche beginnt, als die Mutter plötzlich spurlos verschwindet und die junge Frau heimkehrt und allen, die sie kennen und kannten Fragen stellt. Dabei erkennt sie nach und nach nicht nur, warum es immer Spannungen und Ungesagtes in ihrer Familie gab, sondern ihr gelingt es Stück für Stück auch, ihre eigene Entwicklung zu reflektieren und neue Zukunftspläne zu finden, die verschüttet in ihr schlummerten.

Ich bin restlos begeistert von dieser Geschichte. Die Story ist so viel mehr als eine einfache Familiengeschichte. Der Autorin Henriette Dyckerhoff gelingt in ihrem Erstling eine gekonnte Mischung aus Zeitgeschichte, Generationenkonflikt, Spurensuche nach der Familienvergangenheit und einem Hauch Crime, der durch das rätselhafte Verschwinden der Mutter genährt wird. Dazu eine Sprache, die nah dran ist an den Charakteren, den Facetten der Darsteller nachspürt aber auch die raue Landschaft und die dörfliche Gemeinschaft gut widergibt.

Diese Autorin werde ich mir merken und hoffe, bald wieder etwas von ihr zu lesen.

Veröffentlicht am 01.03.2019

Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland

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Luca, Ende 20, aus dem (fiktiven) Ronnbach im Sauerland, kann diesem begeisterten Statement nicht zustimmen. Im Gegenteil, seit es sie vor fünf Jahren nach Berlin verschlug, genießt sie ihr provisorisches ...

Luca, Ende 20, aus dem (fiktiven) Ronnbach im Sauerland, kann diesem begeisterten Statement nicht zustimmen. Im Gegenteil, seit es sie vor fünf Jahren nach Berlin verschlug, genießt sie ihr provisorisches Leben dort und denkt nicht einmal daran, das zu ändern. Sie arbeitet in einem Laden und teilt Ladentheke und Matratze (ein Bett hat sie nicht) mit dem Ladenbesitzer Vinz. Manchmal jedenfalls. Sonst weiß sie nicht viel über ihn und denkt auch nicht daran, diese Situation zu ändern.

Bis sie eine SMS von ihrer alles andere als mütterlichen Mutter Marion erhält, die sie in Berlin besuchen will. Gleich am nächsten Tag. Sie kommt aber nicht an, auch nicht ein wenig später. Nach einem besorgten Anruf von Oma Grete, die mit Marion in einer Art Hausgemeinschaft lebt, begibt sich Luca nach drei Jahren Pause nach Ronnbach. Heim ins Sauerland.

Welches ihr zunächst sauer aufstößt, denn an ein glückliches Familienleben in Ronnbach, gleich an der Talsperre, kann sie sich nicht erinnern.

Ihre Großmutter Grete hingegen, deren Schicksal in einem zweiten Erzählstrang rückblickend bis in die 1950er und 60er Jahre beschrieben wird, umso mehr: sie erinnert sich noch an ein anderes Ronnbach, genauer gesagt da, wo jetzt der See bzw. die Talsperre ist. Das eigentlich Ronnbach nämlich wurde abgerissen, die Einwohner zwangsumgesiedelt.

Ich als Nordrhein-Westfälin jaule dabei gleich schmerzverzerrt auf, sind diese Zwangsumsiedlungen bei uns doch an der Tagesordnung, aktuell hauptsächlich aufgrund von Braunkohle-Tagebau. Ich bin also den Umgang mit zwangsumgesiedelten Menschen gewohnt und konnte den Verlust, den die Kriegs- und Nachkriegsgeneration bei der Überflutung von Ronnbach erlitt, sehr gut nachvollziehen.

Besonders aufgrund der eindringlichen Schilderung der Autorin Henriette Dyckerhoff. Selbst ein Kind der 1970er, trifft sie den Nagel auf den Kopf in ihrer sauerländisch-kargen, dennoch empathischen Schilderung der Vorfälle damals.

Und der Ereignisse der Gegenwart (bzw. 2015), als Luca auf der Suche nach ihrer Mutter zurückkommt ins Dorf.

Ein eindringlicher Roman mit ebenso starken wie schwachen Charakteren, die eben lebensnah und damit nicht immer gleich "drauf" sind. Obwohl ich die Schilderung als sehr kraftvoll empfand, haben mich auf der anderen Seite ein paar Längen und Wiederholungen gestört. Das kann aber daran liegen, dass ich aus der schnellebigen Stadt Köln komme und trotz Nähe und Verbundenheit dem Sauerländer Naturell nicht in jeder Hinsicht folgen kann.

Ein Buch über Verluste, aber auch über das Überleben. Stark und schwach zugleich, wie das Leben eben. Ich empfehle es allen, die eine neue Autorin mit einem spezifischen Stil, einer besonderen Kraft kennenlernen wollen. Nicht nur Sauerländern!

Veröffentlicht am 26.02.2019

Ein großariges Werk

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Inhaltsangabe:
Damals, im Tal.

Als ihre Mutter verschwindet, kehrt die junge Luca in ihre Heimat zurück, nach Ronnbach, jenen kleinen Ort zwischen waldigen Hügeln und tiefhängendem Himmel, wo sie zwischen ...

Inhaltsangabe:
Damals, im Tal.

Als ihre Mutter verschwindet, kehrt die junge Luca in ihre Heimat zurück, nach Ronnbach, jenen kleinen Ort zwischen waldigen Hügeln und tiefhängendem Himmel, wo sie zwischen Mutter und Großmutter aufwuchs, zwischen zwei Frauen, die einander das Leben schwermachten. Luca verstand nie, warum, doch nun sucht sie nach Antworten, und bald erkennt sie, dass die Geschichte ihrer Familie ihren Anfang nahm, als das Ronnetal in den Sechzigern gegen den Willen einiger geflutet werden und ein ganzes Dorf versinken sollte.

Henriette Dyckerhoff erzählt von drei Frauengenerationen und einer Liebe zwischen zwei Heimatlosen und lässt dabei ein Stück Zeitgeschichte lebendig werden – klug, berührend, eigenwillig.

Meine Meinung zur Autorin und Buch
Henriette Dyckerhoff, ist mit ihrem Roman Debüt, ein wirklich großartiges Werk gelungen. Es ist eine Geschichte die drei Frauen Generationen umspannt, von Hass, Gleichgültigkeit, Verlusten, Geheimnisen und Ängsten. Ihre Protagonisten sind Getriebene, Menschen auf der Suche nach ihrem Platz, ein Stück Heimat, das sie verloren haben. Ihr Schreibstil ist sehr Bildhaft, berührend, tiefgründig und feinfühlend. Sie versteht es sich in ihre einzelnen Figuren und deren Charaktere hinein zu versetzen. Deren Gefühle, Ängste und Emotionen, kommen Glaubhaft rüber, es viel einem Leicht sich in sie hinein zu denken. Sehr schön hat sie die verschiedenen Zeitebenen von 1956 in Bosbach, bis 2015 miteinander zu verweben, und ein Stück Zeitgeschichte lebendig werden zu lassen.
„ Ein beeindruckendes , eigenwilliges und spannendes Werk, das einem fesselt“

Alles fängt in Berlin 2015 an, Luca die dort in einem Lebensmittelladen arbeitet, bekommt von ihrer Mutter Marion einen Anruf, das sie kommt. Aber Marion kommt nie an, langsam wird Luca unruhig, und als dann noch Oma Grete anruft, Marions Auto, steht verlassen auf dem Parkplatz der Ronnetalsperre, reist sie nach Bosbach ins Sauerland. Oma Grete scheint überhaupt nicht besorgt, über das verschwinden ihrer Tochter, man hat das Gefühl das ihr sie Gleichgültig ist, auch die Polizei macht keine große Anstalten. Aber Luca, lässt nicht locker, sie beißt sich regelrecht fest, und forscht und stochert herum. Sehr zum Missfallen von Grete. Gut das Luca, so starrköpfig ist, sonst wären wir nie im Jahr 1956 gelandet, und hätten nie von den Familiendramen erfahren. Den Verlusten und Ängsten den Menschen, als man ihre Häuser abreisen lässt, sie umsiedelt, um diese Talsperre, gegen ihren Willen zu bauen. Cord, ist besonders hartnäckig, Grete bewundert ihn, aber er scheint sie nicht zu beachten. Als es zum äußersten kommt, ist es Grete die ihn rettet. Hier beginnt das ganze Drama, aus Cord und Grete werden Feinde, warum, werden wir das am Schluss erfahren. Aber auch warum ist Grete, ihre Tochter Marion so gleichgültig, gut das Verhältnis der beiden war alles anderes als gut, das musste auch Luca als Kind erfahren, sie saß immer zwischen zwei Stühlen. Auch ist Grete außer sich, als sie erfährt das Luca, Cord besucht hat, und mit seinem Enkel Paul unterwegs ist, der ihr helfen will.
Eine sehr spannend Geschichte, mit schon etwas Kriminalistischen Zügen. Man erfährt von einem früheren Trauma und prägenden Erfahrungen, ein authentischer Roman, voller Hoffnung, der mich begeistert hat.

Veröffentlicht am 25.02.2019

Beklemmendes Familiendrama und Spannungsroman mit Krimielementen in einem, der auch durch die bildgewaltige Beschreibung der Umgebung fessel

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Luca wohnt in Berlin und arbeitet bei ihrem Freund in einem kleinen Lebensmittelladen. Zu ihrer Familie im Sauerland, die davon ausgeht, dass Luca in Berlin studiert, hat sie kaum Kontakt. Umso überraschter ...

Luca wohnt in Berlin und arbeitet bei ihrem Freund in einem kleinen Lebensmittelladen. Zu ihrer Familie im Sauerland, die davon ausgeht, dass Luca in Berlin studiert, hat sie kaum Kontakt. Umso überraschter ist Luca, als ihre Mutter einen Besuch ankündigt. Luca wartet, doch Marion kommt nie bei ihr an. Ihr Wagen wird unweit ihres Wohnortes an der Ronnetalsperre gefunden. Luca fährt in ihre Heimat, wo sie wieder bei Oma Grete einzieht, bei der sie größtenteils aufgewachsen ist. Für sie ist die Rückkehr auch eine Reise in die Vergangenheit, denn die Zeit im Dorf scheint stehengeblieben zu sein.
Vor Ort versucht Luca herauszufinden, wo ihre Mutter sein könnte, da die Polizei nichts unternimmt und sich auch Grete keine Gedanken um den Verbleib ihrer Tochter macht. Marion ist zwar schon immer ein unsteter Charakter gewesen, von dem Luca sich ungeliebt und wenig beachtet fühlte, sie traut ihrer Mutter aber dennoch nicht zu, dass sie ohne ein Wort verschwindet, noch dazu, da sie sie in Berlin besuchen wollte.

"Was man unter Wasser sehen kann" ist eine fesselnde Familiengeschichte über drei Generationen Frauen, die schon immer ein angespanntes Verhältnis zueinander hatten sowie die Geschichte über ein Dorf, das dem Bau einer Talsperre zum Opfer gefallen ist. Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt: die Gegenwart im September 2015 aus der Sicht von Luca und in der Vergangenheit, eine Zeitspanne von Ende der 1950er bis Mitte der 1960er-Jahre aus der Perspektive von Cord, der wie so viele Dorfbewohner sein Eigentum für den Bau der Talsperre aufgegeben musste.

Der Schreibstil ist sehr bildlich und atmosphärisch. Die Abgeschiedenheit des Dorfes, in dem sich in den letzten fünf Jahren der Abwesenheit von Luca nicht viel geändert hat, ist durch ihre Wiederkehr und das Treffen auf alte Bekannte spürbar. Zudem geht von dem Stausee, in den sich schon Personen hinuntergestürzt haben sollen, eine sagenhafte Anziehungskraft aus.

Lucas Suche nach ihrer Mutter ist gleichzeitig eine Suche nach ihrer eigenen Identität und wo sie im Leben hin möchte. Mühevoll erfährt sie in Gesprächen mit den Dorfbewohnern, die lieber über als miteinander reden, Dinge aus ihrer Kindheit, die sie als Kind nicht einordnen konnte und aus der jüngsten Vergangenheit, wie sich Marion seit Lucas Auszug verhalten hat. Oma Grete ist keine Hilfe, sie hüllt sich in Schweigen und scheint mit ihrer Tochter endgültig gebrochen zu haben.

"Was man unter Wasser sehen kann" ist eine Mischung aus beklemmendem Familiendrama und einem Spannungsroman mit Krimielementen, der den Leser nicht nur durch die Suche nach und Sorge um Marion, sondern auch durch die bildgewaltige Beschreibung der Umgebung und die schwer einzuschätzenden Charaktere fesselt.