Humorvolle Geschichte über Moral mit reduzierter Gestaltung
📖 Inhalt:
Bär ist auf der Suche nach seinem Hut. Er vermisst ihn schmerzlich und fragt daher jeden danach, der ihm begegnet: den Fuchs, den Frosch, den Hasen, ... . Doch niemand will den Hut gesehen haben. ...
📖 Inhalt:
Bär ist auf der Suche nach seinem Hut. Er vermisst ihn schmerzlich und fragt daher jeden danach, der ihm begegnet: den Fuchs, den Frosch, den Hasen, ... . Doch niemand will den Hut gesehen haben. Erst, als ihm der Hirsch eine entscheidende Frage stellt, fällt Bär ein, wo er seinen Hut zuletzt gesehen hat.
🗣 Meine Meinung:
Kennt ihr schon Jon Klassen? Der kanadische Schriftsteller und Illustrator wurde kürzlich mit dem Astrid Lindgren Memorial Award ausgezeichnet – einem Preis, der auch als „Nobelpreis für Kinderliteratur“ bezeichnet wird. Nachdem mir seine Bücher in den letzten Jahren immer wieder in der Buchhandlung begegnet und durch ihren ganz eigenen Stil aufgefallen sind, nun also Grund genug, sich eines der Werke endlich näher anzusehen.
„Wo ist mein Hut“ erschien erstmals 2012 in deutscher Übersetzung. Es erzählt die Geschichte von einem Bären, der seinen verlorengegangenen Hut sucht. Der Autor umreißt die Geschehnisse mit nur wenigen Sätzen – im Übrigen ausschließlich wörtliche Rede – und behandelt dennoch bedeutende Themen: Hier geht es um Eigentum und Diebstahl ebenso wie um Ehrlichkeit und Lügen. Die Geschichte veranlasst seine Leser und Leserinnen also dazu an, moralische Werte zu reflektieren. Vor allem das Ende, das eine unerwartete und witzige Pointe bereithält, lädt zum gemeinsamen Austausch ein. Mit diesem feinen Humor spricht „Wo ist mein Hut“ Kinder und Erwachsene gleichermaßen an.
Die Illustrationen Jon Klassens gehen Hand in Hand mit dem Text: Dort, wo der Künstler kein Wort zu viel schreibt, ist auch keiner seiner Pinselstriche überflüssig. Die Bilder sind schnörkellos und reduziert auf das Wesentliche. Durch diesen fast schon plakativen Stil wirken die Zeichnungen überaus kraftvoll. Besonders mag ich ja den Ausdruck der Tiere in ihren Augen – manche Blicke sprechen Bände. Zum Schießen komisch!
Unbedingt erwähnt werden muss außerdem das Zusammenspiel von Illustration und Textgestaltung. Die direkte Rede ist beispielsweise mit Farben so akzentuiert, dass man genau zuordnen kann, welches Tier welche Worte spricht. Einige Sätze sind zudem in Großbuchstaben geschrieben, was die Emotionen der Figuren in der jeweiligen Situation treffend transportiert. An genau solchen vermeintlichen Kleinigkeiten merkt man, dass sich jemand Gedanken gemacht hat, denn sie machen ein gutes (Bilder-)Buch aus!
Vollkommen zu Recht brachte „Wo ist mein Hut“ Jon Klassen im Jahr 2013 den Deutschen Jugendliteraturpreis und verhalf ihm zu seinem Durchbruch. Seither sind etliche weitere Bücher erschienen, auf die ich nun umso neugieriger bin!