Cover-Bild Der europäische Frühling

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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Heyne
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 400
  • Ersterscheinung: 13.05.2019
  • ISBN: 9783453271708
Kaspar Colling Nielsen

Der europäische Frühling

Günther Frauenlob (Übersetzer)

Die Insel Lolland ist zum Hort der Glückseligen geworden. Hier regieren Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Menschlichkeit. Intelligente Drohnen haben viele der alltäglichen Arbeiten übernommen. Doch die Idylle hat ihren Preis, und der Eintritt ist nicht jedem gewährt. In den Städten herrscht Anarchie. Probleme werden nicht gelöst, sondern auslagert. Dänemark pachtet in Mozambique eine riesige Landfläche und baut dort für Flüchtlinge und unliebsame Asylanten eine riesige Containerstadt. Am Ende ist die Zukunft auch nur ein Geschäft.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2019

Dystopie oder Utopie?

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"Der europäische Frühling" startete für mich beschwerlich. Die ausufernden Rückblicke, ohne dass sich absehen ließ, worauf das alles hinaus läuft. Die Altmännerphantasiewelt von Christian. Die seltsamen ...

"Der europäische Frühling" startete für mich beschwerlich. Die ausufernden Rückblicke, ohne dass sich absehen ließ, worauf das alles hinaus läuft. Die Altmännerphantasiewelt von Christian. Die seltsamen Blicke in die Zukunft.
Aber keine Angst: nach und nach nimmt das alles Form an, die Zusammenhänge werden klar und Emma bildet endlich einen Gegenpart zur Weltsicht der Elterngeneration. Mit den gegensätzlichen Kolonien Lolland und Frederiksstad, gesellschaftlichen Konflikten und der Entwicklung intelligenter technischer Systeme wird eine Zukunftsvision gezeichnet, die durchaus möglich scheint, Anlehnungen an unsere Realität hat und die dabei auch ziemlich zynisch ist. Das ganze wird aus der Perspektive einer privilegierten weißen Oberschicht beschrieben, die sich abgrenzt und wenig bis keine Verantwortung für die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen übernimmt - ob man sich als Leser davon nun persönlich angesprochen fühlt (oder genau das Gegenteil) hängt wohl von einem selbst ab.
"Der europäische Frühling" ist für mich keine übliche Dystopie - die positiven (zumindest für den Teil der Bevölkerung, die hier im Mittelpunkt steht), utopischen Elemente nehmen dafür zu viel Raum ein.

Nicht alle Erzählstränge werden zu Ende erzählt und die Geschichte um die künstliche Intelligenz fand ich nicht ganz überzeugend, teilweise fast schon slapstickartig. Allerdings ist das mal etwas neues - so eine Zukunftsvision habe ich noch nie gelesen.

Insgesamt betrachtet hat Kaspar Colling Nielsen ein Buch geschrieben, das eine bitterböse Zukunftsvision zeichnet, das überaus kontroverse Charaktere hat und das zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 24.06.2019

Kein Frühling

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Der Titel "Der europäische Frühling" könnte auf Aufbruch oder Neuanfang schließen lassen. Das Gegenteil ist der Fall. Der Autor beschreibt exemplarisch ein Europa, das am Ende ist, das zerfällt und in ...

Der Titel "Der europäische Frühling" könnte auf Aufbruch oder Neuanfang schließen lassen. Das Gegenteil ist der Fall. Der Autor beschreibt exemplarisch ein Europa, das am Ende ist, das zerfällt und in dem die bisher gültigen Konventionen keinen Wert mehr haben. In den Städten herrscht Chaos, es gibt trotz Überwachung ständig Unruhen und Übergriffe. Die es sich leisten können, leben auf der Insel Lolland, Migranten bzw die, die sich nicht integrationswillig zeigen, deportiert man nach Mozambique in eine umzäunte, gut bewachte und bestens organisierte Containerstadt.
Zu den menschlichen Protagonisten gehören Elizabeth, ihr Mann Stig und die gemeinsame Tochter Emma. Elizabeth ist Wissenschaftlerin und arbeitet an dem interdisziplinären Forschungszentrum auf Lolland an der Erforschung und Entwicklung der künstlichen Intelligenz. Stig, der ehemals aus der Punkszene kommt, ist längst schon zum angesagten Galeristen avanziert, den an der Kunst vor allem sein Gewinn interessiert. Ihre Tochter Emma hat psychische Probleme, die sich unter anderem in Essstörungen und ihrer ständigen Todessehnsucht äußern.
Ein weiterer Bewohner Lollands ist der Künstler Christian, eine Figur, auf die ich gern verzichtet hätte. Er hält sich für seine sexuellen Bedürfnisse ein geistig zurückbebliebenes Mädchen. Die drastischen Sexszenen hätten für meinen Geschmack kürzer gehalten sein sein können.
Ein Highlight des Romans ist die Reihe von Gesprächen zwischen Jack (Jagdhund) und Wilhelm (Elster), die in der nahen Zukunft stattfinden, beide sind Geschöpfe von Elisabeths Forschungsarbeit. In den Einschüben tauschen sich die beiden Tiere sehr reflektiert über ihr Leben aus und lassen beim Leser keinen Zweifel daran, dass sie die einzigen sind, die sich überhaupt Gedanken über die Verhältnisse machen, die Vor- und Nachteile ihrer Lebensumstände.
Alles in allem ist "Der europäische Frühling" ein interessanter Roman, der dadurch versteht zu verstören, dass viele Figuren, Situationen und Verhältnisse durchaus vertraut sind und aus dem Hier und Jetzt stammen könnten.

Veröffentlicht am 11.06.2019

Eine Zumutung

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Der europäische Frühling – Kaspar Colling Nielsen

Grundsätzlich bin ich ein großer Fan guter Dystopien. Und es liegt in der Natur der Sache, dass diese eher keine Wohlfühlromane sind. Die Grundidee von ...

Der europäische Frühling – Kaspar Colling Nielsen

Grundsätzlich bin ich ein großer Fan guter Dystopien. Und es liegt in der Natur der Sache, dass diese eher keine Wohlfühlromane sind. Die Grundidee von „Der europäische Frühling“ klang gut und brandaktuell. Dennoch empfand ich dieses Werk insgesamt als Zumutung. Zu einem beträchtlichen Teil kann man es als Satire betrachten, doch meiner Meinung nach sind auch hier irgendwann gewisse Grenzen des Erträglichen erreicht.

Der Plot ist großartig. Überspitzt, trotzdem erschreckend realitätsnah schildert Nielsen eine mögliche nahe Zukunft Dänemarks, in der insbesondere unerwünschte arabische Einwanderer auf eine eigene, überwachte und eingezäunte Landfläche in Mozambique ausquartiert werden. Dabei spielt der Autor mit Stereotypen und Vorurteilen. Einwanderer werden grundsätzlich als aggressiv und gewaltbereit dargestellt.
Die Wissenschaft ist auf dem Vormarsch, auch im medizinischen Bereich und der künstlichen Intelligenz wird mit Hochdruck geforscht. Die daraus resultierenden Privilegien, sind jedoch nur für Reiche und Künstler erreichbar.

Ein Grundproblem der Geschichte sind die allesamt extrem unsympathischen Protagonisten. Ausnahmslos haben alle einen an der Klatsche. Am Schlimmsten fand ich den Künstler Christian, der nur für Sex lebt, welcher dankenswerterweise auf ordinäre und sexistische Art und Weise beschrieben wird. Zu allem Überfluss ist seine Sexpartnerin für viele pornografische Szenen eine geistig behinderte 18jährige, die er am Ende noch kauft. Was das allerdings mit der durchaus guten Grundidee zu tun haben soll, blieb mir schleierhaft. Als hätte der Autor einfach ein Bedürfnis zu provozieren und zu schockieren.

Im krassen Widerspruch zu plumpen, abstoßenden sexuellen Beschreibungen stehen dann wieder anspruchsvolle, beinahe philosophische Abschnitte über künstliche Intelligenz und deren Schattenseiten, die Fortschritte der Forschung und die Künstlerszene.
Dann gibt es noch recht gelungene Einschübe aus viel späterer Zeit. Tiere wurden mit künstlicher Intelligenz ausgestattet und stehen dem Menschen grundsätzlich in nichts mehr nach. Auch das ein Bereich, ein Thema, das unheimlich spannend hätte ausgearbeitet werden können und das hier leider nur angerissen wurde. Das hier wäre doch wesentlich interessanter gewesen, als die sexuellen Verirrungen eines Künstlers!

Oft fragt man sich als Leser, meint der Autor das ernst? Nimmt er alle auf die Schippe? Ist es als einzige große Satire zu sehen? Auch wenn man es als sarkastische Überspitzung betrachtet, ist das Ganze eine Zumutung. Nielsen bricht genüsslich gleich mehrere Tabus. Scheinbar einfach nur aus Lust an der Provokation.

Im Endeffekt habe ich die Message nicht verstanden und der Humor, der vermutlich dahinter steckt, ist nicht meiner. Aus dem Klappentext glaube ich zu lesen, dass dieses Werk eine Warnung darstellen soll, dass die Kontrolle über gewisse gesellschaftliche Entwicklungen bereits außer Kontrolle geraten sei. Hm.
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Veröffentlicht am 11.06.2019

Wirres Buch über ein Land der Zukunft

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Inhalt:

Lolland, eine dänische Insel, hat sich zu einer Insel der Privilegierten entwickelt. Hier regiert Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Menschlichkeit. Die Insel ist streng bewacht, Drohnen haben ...

Inhalt:

Lolland, eine dänische Insel, hat sich zu einer Insel der Privilegierten entwickelt. Hier regiert Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Menschlichkeit. Die Insel ist streng bewacht, Drohnen haben die täglichen Arbeiten übernommen.
Der Rest der Bevölkerung lebt unter deutlich schlechteren Bedingungen. Ihr tägliches Leben ist von islamischen Extremisten und Zuwanderern bedroht. Dänemark hat in Mozambique einen Landstrich gepachtet, um dort unwillkommene Menschen anzusiedeln und dort zu bewachen.
In dieser Welt leben Stig und Elisabeth mit ihrer Tochter. Als Mitarbeiterin des RAID Institut bekommt sie die Möglichkeit auf Lolland zu leben und sich mit der Forschung an intelligenten Tieren zu beschäftigen.

Meine Meinung:

Mir hat die Idee zu diesem Buch gefallen, die Umsetzung war einfach nur wirr und ich habe lange Zeit die versucht die Beschreibung wiederzufinden.
Das Buch besteht aus 3 Handlungssträngen.
1. Der Hund Jack, einer von den neuen Intelligenten Tieren und sein Freund die Elster, die darunter leidet, ständig gejagt zu werden. Ich habe lange Zeit nicht verstanden, was dieser Teil aussagen sollten, bis klar wurden, dass es sich wohl um eines der Tiere handelt, das aus Elisabeths Forschung hervorgegangen ist.
2. Der Maler Christian, der der Geschichte keinen Mehrwert stiftet und ein gestörtes Liebesleben mit kindlichen Frauen und Behinderten hat.
3. Die eigentliche Geschichte rund um Elisabeth, Stig und ihre Tochter, die das eigentliche Thema aufnehmen und mit ihrem Leben zeigen, wie sich das Leben verändert hat.

Leider kommt die Geschichte rund um die gesellschaftlichen Entwicklungen viel zu kurz, stattdessen werden zu viele Seiten auf sprechende Tiere und sexuell seltsam orientierte Maler verschwendet, die die Handlung nicht voran bringen. Über weite Teile des Buches habe ich mich gefragt, was will mir die Geschichte erzählen und wo ist die Gesamthandlung.
Die Teile, die sich mit Elisabeth und Stig beschäftigen waren interessant und hier wurde man auch zum Denken angeregt. Wohin können die derzeitigen Entwicklung führen? Was bedeutet es, wenn sich die Privilegierten in eine schöne, heile Welt zurückziehen und die anderen Menschen unter schlimmen Bedingungen weiterleben müssen?
Erschreckend fand ich auch, wie hier die Moslems dargestellt wurden. Es ist klar, dass der Autor versucht hat, die Situation überspitzt darzustellen, aber warum wurde das an einer existierenden Bevölkerungsgruppe festgemacht?
Die Idee zu diesem Buch hatte Potential, die Umsetzung hat mir nicht gefallen. Einzig für die Handlung rund um Stig und Elisabeth kann ich 2 Punkte geben.

Veröffentlicht am 09.06.2019

In naher Zukunft?

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Eine mögliche, sarkastische Darstellung von Europa, am Beispiel von Kopenhagen, Däne-mark. Das Leben in den Großstädten wirkt depressiv. Aber anhand von Stigs Geschichte weiß ich nicht, ob das früher in ...

Eine mögliche, sarkastische Darstellung von Europa, am Beispiel von Kopenhagen, Däne-mark. Das Leben in den Großstädten wirkt depressiv. Aber anhand von Stigs Geschichte weiß ich nicht, ob das früher in der Punkszene nun besser war als heute. Heute verdient er eher zufällig sein Geld als Galerist. Jeder scheint auf den anderen mit Herablassung zu blicken. Stigs Frau Elisabeth ist Forscherin und dadurch ziehen sie nach Lolland. Die Insel auf der alles Nachhaltig ist, keine Industrie in der heute bekannten Form und man muss eine hohe Summe als Eintritt zahlen.
Arbeiten werden von Drohnen erledigt, Probleme mit Immigranten werden nach Mosam-bique ausgelagert und an Tieren wird mit menschlicher Intelligenz experimentiert.
Mir war nicht einer der dargestellten Charaktere sympathisch. Viele Dinge wurden, höchstwahrscheinlich bewusst und absichtlich, überspitzt und klischeehaft dargestellt. Manche Personen, manche Handlungen fand ich nur daneben. Elisabeth wirkt, soweit sie in Erscheinung tritt, noch am vernünftigsten. Die gemeinsame Tochter ist sehr neben sich und andere Dinge, wie ein menschlich intelligenter Hund, der sich eine Zigarette ansteckt (wie auch immer) fand ich reichlich überspitzt.
Der Roman zeigt unsere Gesellschaft, oder wohin sie steuert in bisher noch überspitzter Form. Ja, das Buch regt zum Nachdenken an, ist gut geschrieben, aber es konnte mich nicht packen, es blieb irgendwie an der Oberfläche.