Bloody Cruel Wonderland: Ein Psychotrip ins verdrehte Kaninchenloch
Die Story: Ab in den Abgrund
Statt eines Märchens erwartet uns ein Albtraum. Die Geschichte beginnt auf der Flucht: Alice und ihre Schwester Ally jagen einem unbekannten Schrecken davon. Die wahre Katastrophe ...
Die Story: Ab in den Abgrund
Statt eines Märchens erwartet uns ein Albtraum. Die Geschichte beginnt auf der Flucht: Alice und ihre Schwester Ally jagen einem unbekannten Schrecken davon. Die wahre Katastrophe bricht jedoch aus, als Alice in eine verstörende, düstere Spiegelung des Wunderlandes gerät und Ally spurlos verschwindet. In dieser albtraumhaften Kulisse, dominiert von Manipulation, Täuschung und purem Wahnsinn, muss Alice nicht nur ihre Schwester finden, sondern auch verzweifelt versuchen, ihre eigene Vernunft zu bewahren. Dabei wird sie von Figuren begleitet, die nur noch vage an die uns bekannten Charaktere erinnern: der chaotische Hutmacher Tarrant, die unheimliche Grinsekatze und die tyrannische Herzkönigin, die ihre eigenen perfiden Fäden zieht. Die zentrale Frage bleibt: Was ist die grausame Realität und was entspringt lediglich Alices zerbrechlichem Geist?
Gesamteindruck & Pacing
Von der ersten Seite an hat mich Liz Rosen in dieses zerrissene Wunderland gesogen. Die Erzählung entfaltet sich wie ein komplexes, verwinkeltes Labyrinth aus Illusionen und fragmentierten Erinnerungen, in dem die Grenzen zwischen Vernunft und psychischem Abgrund verschwimmen. Die Spannung ist durchgehend greifbar; das Buch lässt nie nach. Es gab Momente, in denen ich dachte, ich hätte endlich das Geheimnis durchschaut, nur um mich im nächsten Augenblick von einer weiteren brillanten Wendung komplett überraschen zu lassen. Besonders das emotionale und völlig unerwartete Finale hat mich schlichtweg überwältigt und sprachlos zurückgelassen.
Figuren: Wahnsinn mit Charme
Alice ist eine herausragende Protagonistin. Sie ist hin- und hergerissen zwischen der verzweifelten Suche nach Ally und dem Kampf um ihre eigene Identität. Im Verlauf der Geschichte wächst sie von einer anfangs überforderten und unsicheren Figur zu einer beeindruckenden Kämpferin heran. Tarrant, der verrückte Hutmacher, stiehlt jedes Mal die Show. Seine Mischung aus charmantem, unberechenbarem Wahnsinn und einer überraschenden, verletzlichen Tiefe sorgt immer wieder für Momente des Lachens und der Reflexion. Auch die gesamte Nebenbesetzung – von der bizarren Grinsekatze bis zum skurrilen Flicker – ist perfekt in dieses düstere, exzentrische Ensemble integriert und trägt maßgeblich zur einzigartigen, schaurigen Atmosphäre bei.
Schreibstil: Poesie des Chaos
Liz Rosens sprachliche Meisterschaft ist ein echtes Glanzstück. Ihre Prosa ist poetisch, visuell beeindruckend und tief atmosphärisch. Es gelingt ihr meisterhaft, das Wunderland lebendig werden zu lassen, ohne dabei in die Falle bekannter Klischees zu tappen. Besonders hervorzuheben sind die Dialoge: Sie sind oft rätselhaft und kryptisch, aber stets tiefgründig – man möchte sie am liebsten zweimal lesen, um alle Nuancen zu erfassen.
Fazit: Psychologisches Meisterwerk
"Bloody Cruel Wonderland" ist keine leichte Märchenadaption, sondern ein kompromissloser, düsterer Abstecher in die Untiefen des menschlichen Geistes. Es ist blutig, brutal und gnadenlos, doch gleichzeitig voller intensiver Emotionen, die den Leser bis zur letzten Seite in ihrem Bann halten. Liz Rosen hat ein Werk geschaffen, das die Geschichte von Alice im Wunderland nicht nur neu interpretiert, sondern auch die psychologische Komplexität ihrer Charaktere meisterhaft auslotet. Wer bereit ist, seinen Verstand auf die Probe zu stellen und sich in diesem Netz aus Wahnsinn, Manipulation und Illusionen zu verlieren, sollte unbedingt in dieses Wunderland eintauchen. Für mich ein unbestrittenes Highlight und eine uneingeschränkte Leseempfehlung!
P.S: Man sollte die Trigger-Warnungen beachten!