Rumpelstilzchen x Erlkönig
„Gilded“ kommt mit einer unterschwelligen Spannung und schauriger Märchenstimmung einher. Gekonnt verwebt die Autorin die Geschichte von Rumpelstilzchen, vom Erlkönig mit seiner wilden Jagd und ihre eigene ...
„Gilded“ kommt mit einer unterschwelligen Spannung und schauriger Märchenstimmung einher. Gekonnt verwebt die Autorin die Geschichte von Rumpelstilzchen, vom Erlkönig mit seiner wilden Jagd und ihre eigene Märchenwelt zu einem düsteren Leseerlebnis. Bis die Welt ihre Grundrisse beschrieben hat, dauert es jedoch ein bisschen und man befindet sich einige Zeit im Aufbau der Geschichte. Damit nimmt es etwas langsamer Fahrt auf, aber ich mochte die verzerrten, märchenhaften Vibes.
Serilda ist ein spannender und unperfekter Hauptcharakter. Sie ist bekannt für ihre Lügenmärchen. Nie weiß man, ob sie die Wahrheit sagt, eigentlich kann man sich meistens schon fast sicher sein, dass sie lügt wie gedruckt. Doch ihre fantasievollen, blumigen und dunklen Geschichten übten schnell eine Faszination auf mich aus.
Mich hat sie schnell vereinnahmt. Ich fand es super, wie sie nichts ernst nimmt und gefühlt mit dem Kopf in den Wolken, oder besser gesagt, in ihrer Fantasie steckt. Ihre vielen Geschichten fand ich alle super kreativ und ich mochte, wie diese ein Eigenleben entwickelten. Dass sie sich in der gefährlichen Welt mal um Kopf und Kragen reden oder besser gesagt lügen würde, war praktisch unvermeidbar.
So kommt es, dass sie den gefürchteten Erlkönig mitten ins Gesicht lügt und dieser sie fortan zur Vollmondnacht auf seine Burg holt. Sie soll Stroh zu Gold spinnen. Ihr Lügengeflecht wird unterstützt von einem Schabernack treibenden Geist namens Gild. Ab hier begann ein gefährlicher, brutaler Drahtseilakt voller Mystik und Geheimnisse.
Der Erlkönig und der Poltergeist Gild waren für mich sehr lebendig ausgearbeitet. Nach einer Weile habe ich mich auch gefragt, ob es mit einem von ihnen eine Lovestory geben würde. Es gab dann im späteren Verlauf romantische Elemente, sie standen jedoch nicht im Fokus und waren relevant für den Fortlauf der Handlung. Das hat für mich gut zur Geschichte gepasst und mit einem Kribbeln im Bauch habe ich dann auch mitgefiebert.
Die Parallelen zum altbekannten Märchen und der mythologischen Sagengestalt haben mir gut gefallen. Sie wurden originell und spannend ins Geschehen eingewogen. Doch gab es auch Twists und ungeheuerliche, originelle Details. Zum Beispiel die Wendung, wieso die Bauerntochter Stroh zu Gold spinnen soll, machte für mich etwas mehr Sinn als im Original. Am Ende führt die Autorin einige Handlungsstränge zusammen und malt ein spannendes Gesamtbild. Doch einige Rätsel hält sie sich noch offen, bei denen ich in der Fortsetzung noch auf Auflösungen gespannt bin.
Fazit:
Von mir gibt es eine Leseempfehlung für diese märchenhafte Neuerzählung. Vor allem, wenn es fantasievoll, dunkel und schaurig sein darf. Das Abenteuer steckt voller Lügen, Geheimnisse und mystischen Elementen. Unperfekte, gefährliche, lausbubige Charaktere füllen die Seiten mit leben. Ein kleiner, romantischer Schimmer rundet das Geschehen gelungen ab.