Cover-Bild Wenn wir lächeln
(41)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
23,00
inkl. MwSt
  • Verlag: DuMont Buchverlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 11.02.2025
  • ISBN: 9783755800361
Mascha Unterlehberg

Wenn wir lächeln

Roman | »Dieser Roman beschleunigt den Puls und lässt den Atem stocken.« Ruth-Maria Thomas
Jara steht auf der alten Eisenbahnbrücke über der Ruhr und starrt ins tiefdunkle Gewässer. Anto, die gerade noch neben ihr saß, ist in den Fluss gesprungen und taucht nicht wieder auf. Das Einzige, was Jara von hier oben erkennen kann, ist der Baseballschläger, mit dem sie in dieser Nacht ein Autofenster eingeschlagen haben und der jetzt nicht sinken will.
Als Jara zum ersten Mal auf Anto trifft, ist diese zwar die schlechteste Spielerin auf dem Fußballplatz, aber trotzdem mit Abstand die mutigste. Die beiden freunden sich an, und schnell ist klar: Ihre Schwesternschaft steht über allem – sie teilen Lipgloss, Cherry Cola und Gewaltfantasien. Jeden Abend ein neuer Plan, sie haben alles im Blick und alles im Griff. Bis ihnen Stück für Stück die Kontrolle entgleitet. Es bleibt die Frage: Wohin mit all der Wut?
In ihrem Debütroman zeichnet Mascha Unterlehberg das bestechende und kraftvolle Porträt einer zarten Freundinnenschaft, die sich gegen den Druck von außen und eine stets drohende Gewalt behaupten muss – bis es Zeit ist, zurückzuschlagen …

»Ein Rausch, flirrend und intensiv. Ein Buch über die Kraft der Freundschaft, über bedrohliche Momente beim Erwachsenwerden und über junge Frauen, die nicht länger still bleiben.« EMOTION

Weitere Formate

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.02.2025

Am Puls der Erwartungen

0

„Wenn wir lächeln“ von Mascha Unterlehberg, erschienen 2025 bei DuMont, ist ein Roman, der sich auf eine ganz eigene Art mit der Erwartungshaltung an Frauen auseinandersetzt, die davon ausgeht, dass diese ...

„Wenn wir lächeln“ von Mascha Unterlehberg, erschienen 2025 bei DuMont, ist ein Roman, der sich auf eine ganz eigene Art mit der Erwartungshaltung an Frauen auseinandersetzt, die davon ausgeht, dass diese nach wie vor bitte vor allem dafür da sind, Männern zu gefallen.

Mascha Unterlehberg erzählt die Geschichte von Anto und Jara, zwei Besties, die das Leben zusammenwürfelt und die beide genau das Gegenteil von dem sind, was zu sein sie den Anschein haben: Anto, das toughe Rap-Chick, immer lässig, immer wütend, immer klauend, trinkend, herumlungernd, ohne Ziel – doch eigentlich ein Richkid mit allen Möglichkeiten. Jara, aus sozial schwachem Umfeld, per Klischee genau für Antos Karriere gemacht, die jedoch versucht, sich hochzuziehen, Gymnasium, abhängen mit den zukünftigen Jurastudenten, weiterkommen. Aus einer Begegnung wird eine enge Abhängigkeitsbeziehung, in der beide sich ein Zuhause geben – und doch alles andere als das Beste aus der anderen herausholen. Dennoch strahlt die Nähe aus jeder Zeile ihres Seins.

Gemein ist ihnen das Leben in einer patriarchalen Männerwelt, in der beide immer Erwartungen erfüllen sollen. Lächel mal, sei doch nicht so, mach dich mal locker, willst du f***en? Hey, war doch nur Spaß. Beide erleben in diesem Kosmos immer wieder die Reduktion auf ihren Körper, beide erleben immer wieder, dass Nettsein die kleine Schwester von Missbrauch ist. Bis eines Tages vollkommen unerwartet nicht Anto auf Gewalt mit Gegengewalt reagiert.

Unterlehberg schreibt kraftvoll und wütend, jeder Satz gedrängt und voller Beat, das Buch peitscht scheinbar chaotisch in Fetzen voran und macht es einem nicht immer leicht zu verstehen, was genau passiert. Es ist der Puls einer langen Partynacht und eines bösen Katers danach, es ist der Kampf, ein System zu durchbrechen, dass dich immer nach unten drückt. An einer Stelle stellt Mascha Unterlehberg eine Liste der vielen Momente mit Männern zusammen, der wir Frauen täglich begegnen. Es ist eine deprimierende Liste, eine wütend machende Liste, die nachvollziehbar macht, dass der Baseballschläger, der lässig durch die Nacht getragen wird, handeln möchte. Damit die Schreie nicht mehr unsere Schreie sind.

Ein spannendes Stück Literatur, eine begabte Stimme. Lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.02.2025

Über Schwesternschaft und Female Rage

0

Mit "Wenn wir lächeln" ist Mascha Unterlehberg ein so zartes und gleichzeitig so kraftvolles Debüt gelungen. Das Cover spiegelt für mich genau die Gefühle und die Stimmung des Roman wider. So traurig und ...

Mit "Wenn wir lächeln" ist Mascha Unterlehberg ein so zartes und gleichzeitig so kraftvolles Debüt gelungen. Das Cover spiegelt für mich genau die Gefühle und die Stimmung des Roman wider. So traurig und zart und wütend zugleich.

In der ersten Hälfte hatte ich immer wieder das Bedürfnis, Jara in den Arm zu nehmen. Neben Anto wirkte sie so unsicher und zerbrechlich. In der zweiten Hälfte wechseln die Hierarchien ein bisschen und die Figuren entfernen sich etwas vom Leser. Ich konnte Jaras Handlungen dann nicht mehr so nachvollziehen und konnte mich eher in Anto hineinfühlen.

In den Schreibstil muss man sich erst einmal ein wenig einfinden, aber die kurzen Kapitel machen es wirklich leicht, immer weiter zu lesen, und ich habe das Buch in einem Rutsch verschlungen.

Was für ein Banger! Wer Lust auf einen Roman hat, der unbequem und direkt ist, ist hier genau richtig. Für mich bisher mein liebstes Buch 2025.

Veröffentlicht am 11.02.2025

Sehr kraftvoll

0

Jara und Anto teilen alles, Klamotten, Lipgloss, Kajal und Cola-Rum. Sie sitzen mit Schlagringen und Baseballschlägern in Bars und wenn jemand sie beobachtet:

Wir stehen dann auf, wir drehen uns um, ...

Jara und Anto teilen alles, Klamotten, Lipgloss, Kajal und Cola-Rum. Sie sitzen mit Schlagringen und Baseballschlägern in Bars und wenn jemand sie beobachtet:

Wir stehen dann auf, wir drehen uns um, und wenn wir können, dann lächeln wir. S. 75

Jara steht auf der Eisenbahnbrücke. Sie ist jetzt allein, weil Anto gesprungen ist. Jara schaut in die Ruhr, sieht aber nur den Baseballschläger, den Anto zuerst ins Wasser geworfen hat. Jara weiß nicht, was sie machen soll. Was, wenn sie den Notdienst völlig umsonst ruft, weil Anto wie immer gleich hinter ihr stehen wird.

Jara besucht Anto zu Hause, ihre Mutter ist nicht da, jettet um die Welt und bietet Ayurveda und andere Kurse zur Selbstfindung an. Der Küchentisch steht voller billiger Spirituosen. Anto schüttelt ihr einen Cocktail, den sie selbst erfunden hat. Er schmeckt scheiße.

Wenn sie unterwegs sind, wetten sie manchmal: „Wetten, dass du es nicht schaffst, in zwei Minuten alle Scheiben des fetten BMW da vorne zu zertrümmern?“ Und Anto schlägt zu.

Jara hat Anto zum ersten Mal beim Fußballtraining getroffen. Antos Pässe waren übel, trotzdem haben ihr alle Jungs den Ball zugespielt. Nach dem Training schoss Leo auf eine Krähe. Niemand hatte geglaubt, dass er aus der Entfernung trifft, auch Leo nicht. Aber der Ball fand sein Ziel und der Vogel taumelte. Jara sprintete los und rief: „Dem gehts nicht gut“. Anto stapfte ins Gebüsch, holte einen Stein und erschlug den Vogel.

Auf der Eisenbahnbrücke sucht Jaras Blick noch immer die Wasseroberfläche ab, wie lange kann man unter Wasser bleiben? Sie muss irgendetwas tun.

Fazit: Wow! Mascha Unterlehberg hat ein fein konstruiertes Debüt geschaffen. Der Schreibstil ist besonders. Einzelne Szenen werden nicht auserzählt, die Autorin überlässt es den Leserinnen, ihr individuelles Kopfkino zu fahren. Die Protagonistinnen werden von der gleichen Wut getrieben, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Jara findet in der charismatischen Anto eine Verbündete, mit der sie sich auflehnen kann, gegen die komischen Blicke der Männer, der Männer, die einer einfach ungefragt an den Hintern fassen. Die unangenehm den Arm um eine legen, die Frauen Drinks ausgeben, weil sie sie f**** wollen. Dennoch ist die Stimmung zwischen den beiden fragil und droht jederzeit zu kippen. Im Grunde spielt die Geschichte auf der Eisenbahnbrücke und schickt uns dank Jaras Gedanken in deren jüngste Vergangenheit mit Anto. Diese Geschichte zeigt eine neue Generation junger Frauen, die nicht mehr bereit sind, das schwache Geschlecht zu mimen. In der Story steckt eine kraftvolle Energie und ganz viel Wut, die ausagiert wird. Das war flirrend und spannend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2025

Lipgloss und Cherry Cola

0

Mascha Unterlehberg erzählt in "Wenn wir lächeln" die Freundschaft von Anto und Jara, die recht abrupt beginnt, schnell Fahrt annimmt und in einer toxischen Abhängigkeit endet. Für mich war lange nicht ...

Mascha Unterlehberg erzählt in "Wenn wir lächeln" die Freundschaft von Anto und Jara, die recht abrupt beginnt, schnell Fahrt annimmt und in einer toxischen Abhängigkeit endet. Für mich war lange nicht absehbar, in welche Richtung sich das Buch entwickelt und was ich daraus mitnehmen werde.

Jara bewundert Anto. Anto möchte von Jara bewundert werden. Aus dieser Dynamik entsteht eine Freundschaft, die durch unterdrückte Wut, Macht, Kriminalität, Gewalt und Verletzlichkeit gezeichnet ist. Ein Wettlauf gegen die Zeit, weil sich die Geschehnisse nicht aufhalten lassen und Folgen für ihr gesamtes Umfeld, allen voran für Anto und Jara selbst, bedeuten.

Mascha Unterlehberg erzählt die Geschichte von Anto und Jara sehr rau, aufwühlend und intensiv. Die Kapitel sind kurz, dadurch zum Teil sehr schwer und bedrückend. Nachdem ich das Buch beendet und zugeklappt hatte, habe ich eine große Schwere verspürt. Die beschriebenen Situationen und das Ende hallen noch lange in mir nach.


Das Buch hat seine Wirkung nicht verfehlt. Lipgloss und Cherry Cola hinterlassen einen bitteren Beigeschmack.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.02.2025

Rau und schön

0

Mascha Unterlehbergs Debütroman „Wenn wir lächeln“ ist ein rasanter, sprachlich eindringlicher Roman über Freundinnenschaft, Wut und das Aufwachsen als Mädchen in einer Welt, in der sie ständig patriarchaler ...

Mascha Unterlehbergs Debütroman „Wenn wir lächeln“ ist ein rasanter, sprachlich eindringlicher Roman über Freundinnenschaft, Wut und das Aufwachsen als Mädchen in einer Welt, in der sie ständig patriarchaler Gewalt ausgesetzt sind.

Es sind die Nullerjahre: Jara und Anto trinken Wodka, fahren ins CentrO, klauen Lipgloss. Sie verbindet aber noch mehr – sie sind eine Einheit, eine Schwesternschaft, die gemeinsam gegen eine feindliche Umwelt kämpft und die Wut über eine Welt auslebt, in der Mädchen nicht einfach nur sein können, sondern sich ständig behaupten müssen. Jara fixiert bald ihr gesamtes Leben auf Anto. Sie bewundert Anto, weil die immer alles im Griff hat. Doch nach und nach wird klar: Kontrolle ist eine Illusion – irgendwann entgleitet ihnen alles.

Unterlehberg erzählt diese Geschichte in einer rauen, ungeschönten Sprache, die zugleich voller Gefühl ist. Die kurzen Kapitel und präzisen Absätze wirken fast wie Gedichte, weil so intensiv und komprimiert komplexe Themen wie Freundinnenschaft, Verletzungen und Wut verhandelt werden. Ich mochte dabei besonders die vielen Zeitsprünge zwischen und innerhalb der Kapitel, weil sich dann die Zusammenhänge erst nach und nach entfaltet haben.

„Wenn wir lächeln“ ist ein aufwühlendes Porträt einer Freundinnenschaft, die an ihrer eigenen Intensität zu zerbrechen droht. Auch sprachlich hat mir der Roman sehr gut gefallen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere