Langsame Liebe, viel Wissenschaft
Dieser Roman hat mich im positiven Sinne überrascht. Denn trotz des comic-artigen Covers und kleiner Schwächen versteckt sich dahinter ein dramaturgisch gutes Werk. Ich hab's gern gelesen.
Worum geht ...
Dieser Roman hat mich im positiven Sinne überrascht. Denn trotz des comic-artigen Covers und kleiner Schwächen versteckt sich dahinter ein dramaturgisch gutes Werk. Ich hab's gern gelesen.
Worum geht es?
Celina forscht an einem Mittel gegen Krebs, wird aber kaum beachtet. Schwester Elsie wurde vom Freund verlassen und musste ihr Doktorarbeit abbrechen. Nun schlägt sie sich mit Gelegenheitsjobs durch. Als Celina durch einen Unfall im Krankenhaus liegt, übernimmt Elsie ihre Forschung. Und dann kommt die Liebe.
Wie hat mir das Buch gefallen?
Das Buch schreitet langsam voran: Das erste Love-Interest deutet sich relativ früh an, ich wusste aber nicht, welche der beiden Schwestern den Mann bekommen. Auf die zweite Liebe bin ich erst in der Mitte gekommen, weil der dazugehörige Handlungsstrang erst nach einem Drittel entwickelt wird. Die Liebe ist wichtig, aber nicht das Hauptthema. Das unterscheidet den Roman von vielen Werken des Genres.
Daher gibt es wenig Liebesszenen und fast gar keine Erotik - ideal für Leute, die so etwas nicht mögen.
Ansonsten behandelt der Text die Benachteiligung von Frauen in der Wissenschaft und Menschen im Krankenhaus. Dass Leute, die nach einem Unfall heilen müssen, auch psychologisch betreut werden sollten, spielte eine wichtige Rolle, daher findet ich es gut, dass der Roman das anspricht. Ein bisschen Selbstfindung, Familie und Sabotage-Versuche sind aus dramaturgischen Gründen drin und machen den Roman etwas bunter.
Dafür wird es auch ziemlich wissenschaftlich. Leser:innen, die schon einmal in einem Labor gearbeitet haben, werden das wohl besser verstehen als Laien. Mich hat's nicht gestört, aber es könnte Leser:innen geben, die sich davon erschlagen fühlen.
Herzstück des Textes sind die beiden Schwestern, deren Beziehung greifbar wird. Sie sind sehr plastisch beschrieben und der Kontrast aus der überarbeiteten Celina und der chaotischen Elsie macht Spaß.
Dass im Labor keinem auffällt, dass Elsie Celinas Rolle spielt, finde ich etwas komisch, und auch das Familienthema spielt, obwohl viel angedeutet wird, eine eher kleine Rolle. Der Vater, den die beiden Schwestern beschützen wollen, taucht kaum auf. Auch das Deutsch-Englisch einer Figur fand ich nicht stimmig umgesetzt. Generell wirken manche Zufälle etwas gewollt.
Die Männer beschränken sich auf ihre Rolle als Love-Interest, sie sind sympatisch und etwas farblos, stört aber nicht. Ein paar lebendige Nebenfiguren ergänzen das Kollektiv.
Die Erzählung ist flott, die Dramaturgie gut, gelangweilt habe ich mich nicht. Auch sprachlich gibt's nichts zu meckern.
Fazit
Wer auf Romane steht, bei denen die Liebe sehr langsam ins Spiel kommt und wen Wissenschaft nicht schreckt, der wird hier ein Werk mit zwei tollen Schwestern und wichtigen Themen finden.