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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.05.2023

Intensives Leseerlebnis

Lieblingstochter
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In der Familie von Jeanne ist häusliche Gewalt an der Tagesordnung. Der Vater drangsaliert seine Ehefrau und Töchter, während das Umfeld sämtliche Anzeichen für die Misshandlungen ignoriert und wegschaut. ...

In der Familie von Jeanne ist häusliche Gewalt an der Tagesordnung. Der Vater drangsaliert seine Ehefrau und Töchter, während das Umfeld sämtliche Anzeichen für die Misshandlungen ignoriert und wegschaut.
Jeanne kann Dank eines Stipendiums auf ein Internat und damit der häuslichen Hölle frühzeitig entfliehen. Für die Mutter und ihre Schwester Emma gibt es jedoch kein Entkommen, keine Hilfe. Sie sind weiter den Aggressionen ihres Vaters schutzlos ausgeliefert. Welche privilegierte Stellung Jeanne mit dem Wegzug tatsächlich zuteil wurde, erfährt sie erst viel später.
Trotzdem wirken sich die Erlebnisse auf toxische Weise in ihrem Liebesleben aus, die erst in der Beziehung zu Freundin Marine langsam anzukommen scheint. Dann fühlt sie plötzlich aber auch eine starke Anziehung zu ihrem Kollegen Paul, der sie aber nicht nachgeben kann.

Obwohl die Handlung zahlreiche ungeschönt beschriebene, verstörende Gewaltexzesse beinhaltet, bannt mich die Geschichte von der ersten Seite an. Mich berühren gerade die Schicksale der Frauen sehr, die durch die Augen von Protagonistin Jeanne beinahe sachlich und nüchtern geschildert werden. Genau diese Erzählweise wirkt allerdings um so intensiver auf mich und verursacht von Beginn an eine Gänsehaut, die über das ganze Buch hinweg bestehen bleibt. Realistisch wird das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Opfer und Peiniger beschrieben und wie schnell aus Opfern Täter werden können. Ich bin gefangen zwischen Wut, Mitleid und der vergeblichen Hoffnung auf ein gutes Ende für die Beteiligten.

Sicherlich kein Buch für schwache Gemüter, aber trotzdem ein nachhallendes Highlight für das ich eine Leseempfehlung geben möchte.

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Veröffentlicht am 25.05.2023

Unbedingt lesenswert

Lebendige Nacht
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Nachts sind alle Katzen grau… oder etwa nicht?!
Hand aufs Herz - Wem ist tatsächlich bewusst, wie lebendig die Nacht in Wirklichkeit ist?!
Autorin und Biologin Sophia Kimmig kennt die wahren Hotspots und ...

Nachts sind alle Katzen grau… oder etwa nicht?!
Hand aufs Herz - Wem ist tatsächlich bewusst, wie lebendig die Nacht in Wirklichkeit ist?!
Autorin und Biologin Sophia Kimmig kennt die wahren Hotspots und nimmt uns in ihrem Buch mit auf einen Streifzug durch das tierische Nachtleben.
Die wahren Nachtschwärmer sind nämlich am ehesten in der Tierwelt zu finden. Daher kann es schon mal passieren, dass man sich mitten in der Großstadt an der Bushaltestelle plötzlich neben einer Rotte Wildschweine wiederfindet.
Und auch in Sachen Alkoholkonsum sind einige Tierarten diesem Rauschmittel ähnlich zugetan, wie so mancher Homo sapiens beim abendlichen Kneipenbesuch. Darauf erstmal einen guten Schluck aus den Blütenkelch!
Das ganze Buch steckt voller solcher skurriler, interessanter Fakten, aber auch Informationen, die den ein oder anderen zum Nach- und vielleicht auch Umdenken anregen.
Gerade in Bezug auf die Auswirkungen unserer Müllentsorgung und die Gefahren durch Lichtverschmutzung kann man noch etwas dazulernen.
Mich hat ebenfalls beeindruckt, welche spannenden Specialeffects viele der Tiere und Pflanzen zu bieten haben. Nur soviel sei verraten - Spiderman existiert tatsächlich!
Und auch auf die Frage, warum die Augen von Tieren leuchten, sobald Scheinwerferlicht darauf trifft, habe ich hier eine Antwort gefunden.
Für ein Sachbuch sind die Fakten wohl dosiert, kurzweilig, schön verpackt und weder anspruchslos noch zu fachlich. Ich hätte mir zu den ein oder anderen erwähnten Tierart vielleicht zusätzlich ein paar Bilder gewünscht, die leider ein wenig sparsam ausgefallen sind.

Insgesamt ist es aber ein sehr
unterhaltsames und ungewöhnliches Sachbuch, das mir ausgesprochen gut gefallen hat und ich daher auch wärmstens weiterempfehlen möchte!

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Veröffentlicht am 23.05.2023

Schöne Geschichte

Nordseeglitzern und Küstenträume
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Nachdem Nina nicht nur ihren Job verliert, sondern auch privat mit Freund Christian in einer Sackgasse landet, zieht es sie kurzerhand nach Bensersiel an die Nordsee. Hier lebt ihre Tante Trudi, bei der ...

Nachdem Nina nicht nur ihren Job verliert, sondern auch privat mit Freund Christian in einer Sackgasse landet, zieht es sie kurzerhand nach Bensersiel an die Nordsee. Hier lebt ihre Tante Trudi, bei der sie in ihrer Kindheit sehr viel Zeit verbracht hat. Es dauert auch nicht lange, bis sie hier auf ihre Jugendliebe Tjark trifft, durch den sie nicht nur ihre Liebe zu Pferden wiederentdeckt.
Gleichzeitig will Nina, mehr über das Leben ihrer Mutter erfahren . Durch deren Tagebuch findet sie heraus, dass auch ihre Mutter eine tiefere Verbindung zu dem ostfriesischen Ort hat.
Diesem Geheimnis will Nina auf den Grund gehen.
Gleichzeitig drängt sie ihre Freundin Anne zur Rückkehr und Aussöhnung mit Christian in Hamburg.

Es ist genau das richtige Hörbuch für die Vorsommerzeit, um sich vorab schon mal etwas Urlaubsstimmung auf die Ohren zu legen.
Der Erzählstimme von Hörbuchsprecherin Luise Georgi habe ich dabei auch gerne zugehört. Ihr ist es gut gelungen, die Story mit den Hauptcharakteren Nina und Tjark, so angenehm sympathisch und lebendig rüberzubringen, wie sie von Autorin Tina Martens geschrieben wurden.
Mit Bensersiel in Ostfriesland hat sich Letztere eine wirklich traumhafte Kulisse für ihre witzige und charmante Geschichte ausgewählt.
Auch das Nordseeflair kommt deutlich spürbar an.
Und obwohl der Handlungsverlauf im Groben vorhersehbar ist, erfüllt er gerade damit und ausschließlich im positiven Sinne, am Ende genau meine Erwartungen.
Durch den Part mit dem Schafe schubsen, ist die Story sogar etwas lehrreich für diejenigen, die bisher noch nicht wissen, warum dies unter Umständen sogar Leben retten kann.

Insgesamt ein toller, unterhaltsamer Wohlfühlroman für einen schönen (Gedanken-)Urlaub an der Nordseeküste!

Hörbuchempfehlung!

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Veröffentlicht am 23.05.2023

Mehr als nur ein Familienroman

Der Ruf des Eisvogels
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Am 1. April 1925 erblicken Olga und ihre beste Freundin Lotte in der beschaulichen Uckermark das Licht der Welt. Es ist auch der Moment, in dem Olgas Mutter stirbt und ein Eisvogel auftaucht. Olgas Großvater ...

Am 1. April 1925 erblicken Olga und ihre beste Freundin Lotte in der beschaulichen Uckermark das Licht der Welt. Es ist auch der Moment, in dem Olgas Mutter stirbt und ein Eisvogel auftaucht. Olgas Großvater erzählt ihr später, dass die Seele eines Menschen 21 Gramm wiegt und damit genauso viel, wie die kleine Eisvogeldame, die fortan jedes Jahr am Geburtstag von Olga auftaucht und damit zum Sinnbild einer mütterlichen Präsenz wird. Da ihr Vater sie selbst indirekt für den Tod der Mutter verantwortlich macht, behandelt dieser Olga von Anfang an wie Luft. Die Rolle des Ersatzvaters übernimmt ihr Großvater, auch Pa genannt. Er ist Gynäkologe und erkennt schon früh Olgas Interesse an der Medizin. Er nimmt sie fortan bei seinen Untersuchungen mit, vermittelt ihr nebenbei viel medizinischen Fachwissen und stellt damit schon früh die Weichen für ihre spätere Berufswahl.
Olgas Jugend steht unter dem Schatten des Hakenkreuzes. Im Gegensatz zu einigen anderen lässt sie sich, auch dank der neutralen Einstellung ihres Großvaters, nicht von der Propaganda indoktrinieren. Stattdessen richtet sie eine geheimen Praxisraum ein, in dem sie heimlich verletzte Zwangsarbeitern medizinisch versorgt.Gleichzeitig wird der Erwartungsdruck größer, sich gegen ihr Herz und gegen ihre Träume zu entscheiden und die Rolle als Hausfrau und Mutter einzunehmen.
Nach Kriegsende sieht sie sich gezwungen, zusammen mit ihrer Tochter Becki in den Westen zu fliehen und möchte Ginsterburg gerne für immer hinter sich lassen.
Die schmerzhafte Vergangenheit holt sie erst wieder ein, als Tochter und Enkelin sie an ihrem 66. Geburtstag mit einer Fahrt in ihre Heimat überraschen.

Nicht nur für die Charaktere beginnt hier ein Wechselbad der Gefühle über den langen Zeitraum einer bewegenden, komplexen und lebendig erzählten Lebensgeschichte.
Die vielen Fragmente, aus denen diese besteht, setzt sich nach und nach, zu einen beeindruckenden Bild zusammen.
Die Handlung wechselt dabei immer wieder zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart im Jahre 1991. Zugegebenermaßen hatte ich zwar einen unterhaltsamen Familienroman erwartet und wurde von der enthaltenden Spannung, Lebendigkeit und Vielschichtigkeit etwas überrascht.
Der Fokus liegt auch nicht etwa auf die Thematik des Nationalsozialismus. Vielmehr werden der Kampf um Freiheit und Emanzipation gemeinsam mit der Zeitgeschichte zu einer emotional sehr berührenden Romanerzählung verwoben. Von mir gibt es für dieses Buch auf jeden Fall eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 21.05.2023

Spannend und mitreißend!

Wolfskinder
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Die Einwohner von Almenen stehen den Siedlern aus Jakobsleiter, sowie deren abgeschiedener, rauer und irgendwie auch geheimnisvoller Lebensweise mehr als skeptisch gegenüber.
Diese Ablehnung bekommen vor ...

Die Einwohner von Almenen stehen den Siedlern aus Jakobsleiter, sowie deren abgeschiedener, rauer und irgendwie auch geheimnisvoller Lebensweise mehr als skeptisch gegenüber.
Diese Ablehnung bekommen vor allem Jesse und Rebekka, die in der Schule in Almenen besuchen müssen, täglich am eigenen Leib zu spüren. Rebekka verschwindet nach einer solchen Attacke plötzlich spurlos und auch die Klassenlehrerin kehrt eines Tages nicht aus den Bergen zurück und ist damit nicht die Einzige. Auch die beste Freundin von Volontärin Smilla ist dort 10 Jahre zuvor bei einem Campingausflug wie vom Erdboden verschluckt worden und seit dem nicht wieder aufgetaucht.
Wer steckt hinter dem mysteriösen Verschwinden der Frauen?

Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven der einzelnen Protagonisten erzählt. Genau das sorgt dafür, dass ich die ersten Seiten noch mit mehreren Fragezeichen im Kopf lese, aber ehe ich mich versehe, bin ich mitten drin im spannenden Geschehen. Trotz der wechselnden Sichtweisen und Settings, fällt es dann doch recht leicht, den Überblick zu behalten. Wie sich herausstellt, haben vor allem die vermeintlich bibeltreuen Siedlern aus Jakobsleiter mehr zu verbergen, als zunächst angenommen. Dazu passt die düstere, beklemmende Grundstimmung, die von Anfang an und über das gesamte Buch hinweg, vorhanden ist. Wirklich gruselig finde ich die Geschichte zwar nicht, dafür hat sie aber ein angenehmes Spannungslevel, da nicht ganz klar ist, von wem letztlich die wahre Bedrohung ausgeht. Zum Ende werden dann sämtliche Geheimnisse und Verbindungen schrittweise aufgedeckt und sorgen für einen aufregenden Showdown.
Für mich ein gelungenes Gesamtpaket aus unterhaltsamen Plot und tollem Schreibstil, das ich gerne gelesen habe.
LESEEMPFEHLUNG für Thriller-Fans!

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