Zu viel Chaos, zu wenig Entwicklung
ChaosDieses Buch hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Einerseits fand ich die Grundidee spannend, andererseits konnte mich die Geschichte nicht durchgehend überzeugen.
Was mir gut gefallen hat, ...
Dieses Buch hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Einerseits fand ich die Grundidee spannend, andererseits konnte mich die Geschichte nicht durchgehend überzeugen.
Was mir gut gefallen hat, war der Blick auf drei Generationen und darauf, wie sich bestimmte Muster innerhalb einer Familie immer wiederholen. Das wurde nachvollziehbar und stellenweise auch sehr eindrücklich dargestellt. Vor allem durch die zwei Zeitebenen – Heddas Kindheit und ihr heutiges Leben – versteht man nach und nach, warum die Figuren so handeln, wie sie handeln.
Hedda selbst war für mich die Figur, mit der ich am meisten mitgefühlt habe. Sie trägt unglaublich viel mit sich herum und wirkt oft, als würde sie mit ihren Sorgen und Problemen allein gelassen werden. Gerade die Enttäuschungen rund um ihren Vater haben mich beim Lesen beschäftigt. Seine großen Versprechungen, seine Fantasie und seine Ideen klangen oft wunderschön, wurden aber nur selten eingelöst. Das hat mich beim Lesen immer wieder traurig gemacht und erklärt vieles von Heddas späterem Verhalten.
Generell sind die Figuren gut ausgearbeitet. Selbst wenn ich manche Entscheidungen überhaupt nicht nachvollziehen konnte oder beim Lesen nur den Kopf geschüttelt habe, waren die Charaktere nicht eindimensional. Man versteht, woher ihre Verhaltensweisen kommen.
Gleichzeitig war genau dieses ständige Chaos auch mein größtes Problem mit dem Buch. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass wirklich niemand einmal zur Ruhe kommt oder aus den eigenen Mustern ausbrechen kann. Das machte die Geschichte zwar realistisch, war für mich aber auf Dauer auch anstrengend. Statt Spannung oder Entwicklung empfand ich manche Situationen irgendwann eher als Wiederholung derselben Probleme.
Dadurch fiel es mir teilweise schwer, eine echte Verbindung zur Geschichte aufzubauen. Ich habe das Buch zwar gerne weitergelesen, weil ich wissen wollte, wie sich alles entwickelt, aber emotional hat es mich nicht so stark erreicht, wie ich es mir erhofft hatte.
Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, sodass sich das Buch insgesamt gut lesen lässt. Auch das Cover gefällt mir sehr gut und passt für mich zur Stimmung der Geschichte.
Am Ende bleibt für mich eine interessante Familiengeschichte mit gut gezeichneten Figuren und einer nachvollziehbaren Darstellung generationsübergreifender Prägungen. Gleichzeitig war mir das dauerhafte Chaos stellenweise zu viel, und ich hätte mir mehr Entwicklung, mehr Hoffnung oder zumindest etwas mehr Leichtigkeit gewünscht.
Wer gerne turbulente Familiengeschichten liest, in denen Menschen mit ihren Fehlern, Verletzungen und familiären Altlasten kämpfen, könnte hier durchaus fündig werden. Für mich war es ein solides Buch mit Stärken und Schwächen