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Veröffentlicht am 17.06.2021

Ozeane der Zeit

Bram Stoker's Dracula - Comic zum Film
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Dracula. Ein Klassiker. Wer kennt diese Geschichte nicht? Es geht um Vlad Dracula, einen rumänischen Adligen, der im 15. Jahrhundert eine weitaus größere türkische Armee besiegt, aber das Liebste verliert, ...

Dracula. Ein Klassiker. Wer kennt diese Geschichte nicht? Es geht um Vlad Dracula, einen rumänischen Adligen, der im 15. Jahrhundert eine weitaus größere türkische Armee besiegt, aber das Liebste verliert, was er hat: seine Frau Elisabeta. Wütend auf einen Gott, der ihn im Stich ließ, entsagt er sich allem Christlichen und wird zu einem Wanderer in der Zeit. Im 19. Jahrhundert trifft ein junger Anwalt auf ihn, tief in den Karpaten. Er soll ihm Grundstücke in England verkaufen. Jonathan Harker, so der Name des Anwalts, wird noch viel Zeit haben, diese Reise zu bereuen, denn so holt er einen Vampir nach England und bringt damit auch seine Verlobte Mina Murray in höchste Gefahr. Erst als sich Professor van Helsing der Sache annimmt, kommt Licht ins Dunkel ...

Ein bisschen Licht im Dunkel wäre auch bei den Zeichnungen manchmal angebracht gewesen. So sind sie eigentlich wirklich gut gelungen, aber es gab Szenen, wo ich lange hinsehen musste, um zu begreifen, was jetzt dargestellt werden sollte. Und was ich persönlich ärgerlich fand, war das teilweise miese Lektorat. Wenn gleich mal auf Seite 1 Jonathan Harker als Jonathan Hacker bezeichnet wird, lässt das nicht auf nötige Sorgfalt schließen. Ansonsten hat mir die Graphic Novel des Klassikers gut gefallen.

Veröffentlicht am 13.06.2021

So hoch wie zwei Pferde

Der Ickabog
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Es war einmal ...

... ein Königreich namens Schlaraffien. Das wurde von einem schönen, blonden König namens Fred dem Furchtlosen regiert. Der war bei der Bevölkerung sehr beliebt. Allerdings war er auch ...

Es war einmal ...

... ein Königreich namens Schlaraffien. Das wurde von einem schönen, blonden König namens Fred dem Furchtlosen regiert. Der war bei der Bevölkerung sehr beliebt. Allerdings war er auch recht dumm. Und er hatte zwei Freunde, zwei mächtige Lords, die ihn berieten. Diese beiden Lords wurden immer gieriger und gieriger, und um ihre Machtpositionen zu sichern, dachten sie sich das Märchen von einem furchtbaren Ungeheuer aus, das bekämpft werden musste. Immer mehr und mehr Geld floss in ihre Taschen und das Land und die Leute wurden immer ärmer. Doch ein paar Menschen wollten nicht mehr zusehen. Ein paar standen auf und wehrten sich. Ein paar wollten die Wahrheit hören und keine Lügen mehr und aus den paar wurden immer mehr und mehr ... Und der Ickabog? Das grässliche Ungeheuer aus dem Norden war wirklich grässlich. Aber nur äußerlich. Denn innerlich war es wie jedes Ungeheuer im eigenen Herzen: Es ist genau das, was man aus ihm macht. Und wie man es füttert. Gibst du ihm Hass, wird es hassen. Gibst du ihm Liebe, wird es lieben.

Und so muss jeder, nicht nur im Königreich Schlaraffien, für sich selbst entscheiden, wie er die Ungeheuer in sich füttert.

Ich mochte das Märchen. Schön geschrieben, teilweise sogar düster und brutal wie die alten Grimmschen Geschichten, nicht so weichgespült wie von Walt Disney. Hübsche Kinderzeichnungen zu den Ereignissen. Was ich nicht mochte, war die Eindeutschung der Namen. Hört nicht auf die Erbsenprinzessinnen, die im Li-La-Laune-Land aufgewachsen sind und sich über die Grausamkeit des Buches beschweren. Kinder können das ab und echte Märchen beinhalten auch immer einen Hauch von Dunkelheit. Denn Kinder müssen lernen: Es gibt nicht nur Ungeheuer, die so aussehen. Die anderen, die, die man auf den ersten Blick nicht erkennt, die sind viel schlimmer und gefährlicher. Genau das wird hier vermittelt.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Happy End

Veröffentlicht am 13.06.2021

Who dares, wins

Das Lied der Wölfe
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Der exzentrische schottische Milliardär Alistair MacKinley hat vor, Wölfe in Schottland (wieder) anzusiedeln und sucht sich daher die junge, deutsche Wolfsforscherin Kaya aus, um das Projekt zu leiten. ...

Der exzentrische schottische Milliardär Alistair MacKinley hat vor, Wölfe in Schottland (wieder) anzusiedeln und sucht sich daher die junge, deutsche Wolfsforscherin Kaya aus, um das Projekt zu leiten. Ein ehrgeiziges Projekt, denn die Schotten hassen alles, was ihren Schafen gefährlich werden könnte, und äußern das auch lautstark. Kaya hat keine einfache Aufgabe und dass Alistairs gleichaltriger Sohn Nevis im Herrenhaus wohnt, macht die Aufgabe nicht einfacher. Er torpediert alles: die Pläne seines Vaters, seine Genesung von einer schweren Kriegsverletzung, die Annäherung der jungen Deutschen.

Was soll ich sagen? Ich mag Rena Fischers Fantasybücher. Sie hat einen eigenen, sehr angenehmen Schreibstil und neigt normalerweise nicht zu Kitsch, weshalb ich zu diesem Buch gegriffen habe, obwohl das nicht so ganz mein Genre ist. Zum Positiven: Es waren schon interessante Infos über Wölfe dabei. Auch die Kriegseinsätze und Traumata hat sie gut recherchiert. Der Rest jedoch war mir persönlich zu viel Kitsch und Drama und wie sich jemand in ein Ar... wie Nevis verlieben kann, ist mir rätselhaft. Aber hier hilft natürlich wieder mal das heiße Aussehen. Charakter egal, wenn einer nur heiß ist. Bei Nevis hat mich alles abgestoßen. Er behandelt Kaya wie Dreck, aber egal. Er ist schuld an dem Tod eines Wolfes. Aber egal. Ach ja, er ist natürlich ein schottischer Soldatenheld, der Schottland am Hindukusch oder sonstwo in der Welt gegen Terroristen verteidigt hat. Offizier ja, Gentleman nein. Aber egal. Er ist heiß. Außerdem gab es mehr Drama als bei Supermodels und mit der Logik war es auch nicht immer weit her. In einem Moment noch ist Kaya ein Störfaktor, im nächsten schreibt Nevis beinahe Gedichte über ihre Schönheit. Und wie praktisch, dass Kaya dauernd Leute hat, die ihr sagen, wie heiß sie ist.

Ginge ja nicht an, dass ein graues Mäuschen mit einem heißen Milliardässohn rummacht. Sie hat natürlich auch ihr Päckchen zu tragen. Alle schleppen also einen Rattenschwanz an Problemen mit sich rum, die sich aber genauso leicht lösen wie die Schleife um ein Geburtstagsgeschenk. Konnte mich daher nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen und ich bleibe wohl zukünftig bei den Fantasybüchern der Autorin. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 12.06.2021

Mortem obire

Partem. Wie die Liebe so kalt
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Xenia ist kein ganz normales sechzehnjähriges Mädchen. Sobald sie andere Menschen berührt, hört sie Geräusche. Löwenbrüllen bei ihrem besten Freund, klirrendes Glas bei einer zufälligen Berührung in der ...

Xenia ist kein ganz normales sechzehnjähriges Mädchen. Sobald sie andere Menschen berührt, hört sie Geräusche. Löwenbrüllen bei ihrem besten Freund, klirrendes Glas bei einer zufälligen Berührung in der Bahn. Doch ausgerechnet da streift sie das Bein eines megaheißextremübergutaussehenden Jungen - und plötzlich ist da Stille. Der Junge, Jael, ist megaheißextremgutaussehend und außerdem der Anführer einer Gruppe, die einer megageheimen Organisation angehört, die Gefühle klaut. Und er bekommt Herzklopfen bei Xenia - und wie sollte es anders sein, umgekehrt ist es genauso. Dabei haben die drei Jungs und das eine Mädchen aus Jaels Gruppe nicht nur megaheißextremgutes Aussehen, sondern auch megageheime Aufträge.

Findet jemand, dass das mega Sinn ergibt? Nein? Beruhigend, dann bin ich ja nicht allein. Anscheinend soll durch die megageheime Organisation Spannung aufgebaut werden, weil die auch so megaharte Vorschriften hat. Allerdings wird auch durch die hundertste Wiederholung von megageheimen Vorschriften nichts spannender, der geneigte Leser beginnt nur langsam, sich weniger geneigt zu fühlen. Zumal alles so aus- und durchgekaut ist. Jael ist zwar megaheißextremgutaussehend und hat irgendeine megaheiße Augenfarbe, die bestimmt auch megaoft erwähnt wurde, außerdem ist er megastark und megacool und megakannalles und dazu ist er ein Megaarschloch, aber ist ja egal, solange er megaheißextremgutaussehend ist, das Mädchen findet ihn gut. Warum? Keine Ahnung. Er benimmt sich ihr gegenüber, als hätten ihn Wölfe im Wald aufgezogen und er würde morgens zum Frühstück drei Kilo blutiges Fleisch fressen. Muss so. Ist männlich. Er schreckt auch vor Mord nicht zurück, aber muss auch so. Ist männlich. Und dafür, dass er und seine ebenso megaheißgutaussehenden anderen Teenies für eine megageheime Organisation arbeiten, erzählen sie das irgendwie unglaublich gern herum. Megageheime Organisation. Aber mehr dürfen wir nicht erzählen. Schade, dass die nur megaheißextremgutaussehend sind, aber megawenig Gehirnzellen abbekommen haben. Aber egal. Muss so. Sind ja megaheiß... Na, spätestens jetzt habt ihr es begriffen. Der Rest ist, um wenigstens einmal Niveau reinzubringen, Schweigen.

Veröffentlicht am 12.06.2021

Wassergeister und Wachhaie

Melyn – Leg dich nie mit einem Meeresgott an
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Eigentlich hat Cooper bald Prüfungen und somit gar keine Zeit für irgendwelche Dinge, die nicht mit Lernen zu tun haben. Doch beim Kopfdurchpusten oder Joggen am Strand findet er eine bewusstlose junge ...

Eigentlich hat Cooper bald Prüfungen und somit gar keine Zeit für irgendwelche Dinge, die nicht mit Lernen zu tun haben. Doch beim Kopfdurchpusten oder Joggen am Strand findet er eine bewusstlose junge Frau und nimmt sie mit zum Haus seiner Großmutter. Melyn, so der Name des Mädchens, ist seltsam. Sie versteht kein Englisch und nur wenig Walisisch, kennt das normale Essen nicht und ihre Sachen sind völlig anders als das, was Cooper kennt. Aber sie lernt schnell und weiß sich verständlich zu machen. Und mit meinem Mal ist der junge Student in einem Abenteuer gefangen, das ihn nicht nur auf Wassergeister in Pferdeform treffen lässt, sondern auch tief unter die Wasseroberfläche in ein versunkenes Reich führt. Das Wichtigste, was er lernt ist jedoch nicht, sich niemals mit einem Meeresgott anzulegen, sondern auf sein Herz zu hören - und das schlägt nicht für Melyn.

Ein Buch wie ein Ritt auf dem Wassergeist namens Daliwr, der in Form eines hübschen Pferdes daherkommt, listig zu verhandeln weiß, zuerst wie ein recht eigensinniger Geselle wirkt, aber dann doch der heimliche Held des Buches wird. Mich begeisterte jedoch nicht nur er, sondern auch das, was ich oben schrieb: Es gibt keine klischeehafte Liebesbeziehung zwischen Cooper und Melyn, denn beide haben ihr Herz anderweitig verschenkt, und das ist gut so. Trotzdem harmonieren sie gut miteinander, vielleicht gerade deswegen, weil eine erzwungene, aufdringliche Lovestory eben nicht vorkommt. Gut gefallen hat mir auch, dass walisische Mythologie eine große Rolle spielte und auf Umweltprobleme eingegangen wird, ohne den Zeigefinger zu heben. So erwarten einen ein rundum gelungenes (Unterwasser)Abenteuer und amüsante Stunden mit einem schlagfertigen Wasserpferd.