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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.04.2021

Unter Menschen

Undercover Robot – Mein erstes Jahr als Mensch
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Dotty ist ein hochgeheimes Forschungsprojekt. Obwohl sie aussieht wie ein Mensch, redet wie ein Mensch, sich bewegt wie ein Mensch, ist sie keiner, sondern ein hochentwickelter Android. Ihr Entwickler, ...

Dotty ist ein hochgeheimes Forschungsprojekt. Obwohl sie aussieht wie ein Mensch, redet wie ein Mensch, sich bewegt wie ein Mensch, ist sie keiner, sondern ein hochentwickelter Android. Ihr Entwickler, ein Philosophieprofessor, beschließt, sie nicht nur undercover in seine Familie einzuführen, sondern auch in die Schule. Und ab da beginnen Dottys Probleme. Sie kann nämlich nur die Wahrheit sagen und muss feststellen, dass nicht einmal Lehrer immer gern die Wahrheit hören möchten. Auch sind ihr viele Denkweisen und Handlungen der Menschen mehr als unverständlich, obwohl sie über einen Hochleistungsprozessor verfügt. Doch je mehr Dotty Zeit unter diesen seltsamen Wesen verbringt, desto mehr beginnt sie, sich wie eine von ihnen zu benehmen. Oder umgekehrt? Doch dann besteht auch immer noch die Gefahr, dass sie auffliegt und die Forschungsgruppe kein Preisgeld erhält ...

Die Idee ist wirklich gut und viele Sachen haben zum Nachdenken angeregt, wobei ich fast eher glaube, dass es interessanter für Erwachsene als für Kinder ist. Manche Situationen sind beinahe absurd, weil Dotty ihre Sätze gern mit "Wir Menschen" oder "Wir Menschenkinder" beginnt, bis sie begreift, dass genau das sie verdächtig macht. Oder dass es für das Umgebungsklima nicht immer gesund ist, die Wahrheit zu sagen. Aber manchmal wurde es auch ein bisschen langweilig und zog sich dahin, denn so viele verschiedene Dinge kann ein Roboter ja nicht verkehrt machen, um in ein Fettnäpfchen zu treten. So fand ich das Gedankenexperiment wirklich mega, aber die Umsetzung nicht durchweg fesselnd. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 24.04.2021

62 years away from Gretchen

Stay away from Gretchen
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Tom Monderath ist ein berühmter Fernsehmann, der sich nur für sich selbst interessiert. Mit Mitte vierzig lebt er allein in seiner teuren Eigentumswohnung in Köln mit Blick auf den Dom. Eines Tages erhält ...

Tom Monderath ist ein berühmter Fernsehmann, der sich nur für sich selbst interessiert. Mit Mitte vierzig lebt er allein in seiner teuren Eigentumswohnung in Köln mit Blick auf den Dom. Eines Tages erhält er einen Anruf aus einer Klinik - seine 84jährige Mutter Greta zeigt Anzeichen beginnender Demenz. Tom, der immer ein gespaltenes Verhältnis zu seiner scharfsinnigen, aber distanzierten Mutter hatte, fängt an, sich mehr um sie zu kümmern. Dabei stellt er fest, dass seine Familiengeschichte alles andere als das ist, was er zu wissen geglaubt hat, und er fängt an nachzuforschen. Bald erfährt er, dass Greta kurz nach dem Krieg in einen schwarzen GI verliebt war und er eine 20 Jahre ältere Halbschwester hat. Je mehr Tom nachforscht und in die Vergangenheit von Gretchen eintaucht, desto mehr erfährt er auch über sich und die Gegenwart.

Eigentlich ist das gar nicht mein Genre. Aber nachdem ich die Leseprobe gelesen hatte, wollte ich unbedingt mehr erfahren, und ich habe es nicht bereut. Dieses Buch ist ziemlich dick, aber ich habe mich keine Sekunde lang gelangweilt. Man erfährt etwas über die Zeit des 2. Weltkrieges, als Greta noch ein Mädchen war, über die unglaublich harte Nachkriegszeit, über Liebe und Ausgrenzung, über Hass, der auch nach Ende des Krieges weitertobt, über Rassismus und die Parallelen zwischen den Flüchtlingen von 1945 und 2015. Und man hat das Gefühl, dass sich die Menschheit einfach niemals weiterentwickelt. Im Gegensatz zu dem, was der Klappentext behauptet, erzählt Greta ihrem Sohn gar nichts, er muss sich alles selbst erarbeiten und zusammenreimen, während der Leser Rückblenden in die Zeit zwischen 1939 und 1953 erhält. Die Autorin hat hier ein berührendes Werk geschaffen, das noch lange nachhallen wird und lediglich für den kitschigen Schluss gibt es einen halben Punkt Abzug. 4,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 21.04.2021

Goldraub

Zara und Zoë - Die Tochter des Paten
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Seit dem letzten Treffen ist nicht viel Zeit vergangen und eigentlich hatte Zoe mit Zara endgültig gebrochen, macht sie diese doch für den Tod ihres Vaters verantwortlich. Doch dann wird die Tochter des ...

Seit dem letzten Treffen ist nicht viel Zeit vergangen und eigentlich hatte Zoe mit Zara endgültig gebrochen, macht sie diese doch für den Tod ihres Vaters verantwortlich. Doch dann wird die Tochter des Paten entführt und der arabische Clanführer Al-Hamsi verlangt von Zoes Boss das französische Gold. Um dieses Gold zu bekommen, verliert Bolatelli sein Onkelgehabe und zeigt Zoe sein wahres Gesicht. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als wieder einmal ihre Zwillingsschwester zu bitten, mit ihr zu tauschen. Doch dieses Mal geht es nicht nur um Geld - ein paar Leute wollen auch Rache nehmen und so sehen sich die Schwestern wieder einmal höchst lebensgefährlichen Situationen gegenüber.

Wo Oetker draufsteht, ist auch Oetker drin. Man bekommt viele wechselnden Perspektiven, viel Mafiosiflair und zwei perfekte Schwestern, die alles können - außer es geht darum, der Handlung einen anderen Weg aufzuzwingen. Das Buch lebt von seinem guten Schreibstil und natürlich dem Personentausch, aber wie üblich darf man hier nicht allzu oft oder allzu tiefgehend nach Logik fragen. Anfangs ein bisschen zäh entwickelt es sich ab der Hälfte rasant und nimmt auf einem Trip mit, bis man am Schluss beinahe atemlos ist - aber auch ein bisschen genervt, weil gerade das Ende wieder sehr schnell kommt und sich vieles ein bisschen zu happy entwickelt. Mich ärgern bei der Reihe immer viele kleine Dinge, die wie Nadelspitzen sind, und dennoch hänge ich an dieser Nadel und werde wiederum die nächsten Bücher der Reihe lesen, von denen ich sicher bin, dass sie kommen. Die Geschichte von Zara und Zoe ist noch lange nicht zu Ende erzählt.

Veröffentlicht am 20.04.2021

Der Wolf in uns

Vardari - Eisenwolf (Bd. 1)
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Es hat eine Zeit gegeben, als die Blutleserinnen Kriegerinnen und Beschützerinnen waren. Jetzt sind sie nur noch Betrügerinnen, die den Leichtgläubigen vorgaukeln, hellsichtig zu sein. Juva will nichts ...

Es hat eine Zeit gegeben, als die Blutleserinnen Kriegerinnen und Beschützerinnen waren. Jetzt sind sie nur noch Betrügerinnen, die den Leichtgläubigen vorgaukeln, hellsichtig zu sein. Juva will nichts mit ihrer Familie, einer berühmten Blutleserfamilie, zu tun haben. Sie lebt und arbeitet mit Jägern, die Wölfe erlegen - Wölfe, deren Blut wichtig für das Reisen durch die Steine ist, Wölfe, die Juva für all das Leid, das sie erleben musste, verantwortlich macht. Doch eines Tages stellt sie fest, dass alles, was sie geglaubt hatte zu wissen, falsch ist. Und plötzlich sieht sie sich einer Verantwortung gegenüber, die sie nie haben wollte, aber auch nicht ablehnen kann, denn sie ist die Einzige, die wirklich eine echte Gabe besitzt. Ihr Leben und das derer, die sie mag, ist in Gefahr, und Juva ist keine Jägerin, die feige davonläuft ...

Pettersen hat mich bereits mit ihrer ersten Trilogie, den Rabenringen, völlig überzeugt. Und sie beweist auch hier wieder, dass sie es drauf hat, nicht nur komplexe Welten zu entwerfen, sondern auch den Leser in die Irre zu führen. Nichts ist nur gut oder schlecht, das Leben ist hart, dreckig und grausam, Helden sind verängstigt, Mörder sympathisch, gewisse Ereignisse todtraurig und keiner ist jemals der, der er zu sein vorgibt. Und genau das ist die große Stärke der Autorin. Sie wirft in die Handlung hinein und man fragt sich erst einmal, wo das Ganze hinführen soll. Gleichzeitig fesselt sie mit ihrem Stil so an die Seiten, dass es fast egal ist, worum es geht und zum Schluss ergibt alles ein schlüssiges Bild. Großes Kino, und das in einer kinofreien Coronazeit.

Veröffentlicht am 17.04.2021

Die Facetten der Magie

Tale of Magic: Die Legende der Magie 1 – Eine geheime Akademie
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Brystal lebt in einem Königreich, in dem nicht nur Magie verboten ist, sondern auch dass Frauen und Mädchen etwas anderes werden als Hausfrauen und Mütter. Im Gegensatz zu ihren Mitschülerinnen kann sich ...

Brystal lebt in einem Königreich, in dem nicht nur Magie verboten ist, sondern auch dass Frauen und Mädchen etwas anderes werden als Hausfrauen und Mütter. Im Gegensatz zu ihren Mitschülerinnen kann sich Brystal nicht damit abfinden; heimlich liest sie Bücher und lernt. Dann wird sie dabei erwischt, wie sie aus Versehen Magie wirkt und sie kommt noch im letzten Moment der Todesstrafe davon, stattdessen landet sie in einem Erziehungsheim. Dort wird sie von Madame Weatherberry entdeckt und befreit und kommt zusammen mit anderen magisch begabten Kindern auf die Akademie, die die Madame gegründet hat. Dort lernen sie, dass es gute und schlechte Magie gibt - die der Feen und die der Hexen. Doch kann es wirklich so einfach sein? Der Kampf gegen die Schneekönigin des Nordens wird es beweisen ...

Dieses Buch hat mir weitaus besser gefallen als Land of Stories, schon allein von den Messages, die hier - wenn auch gern, häufig und manchmal unter Einsatz eines Holzhammers - vermittelt werden. Zumindest bis zur Hälfte ist mir Brystal sehr sympathisch, und das wäre auch so geblieben, wenn sich der Autor nicht entschieden hätte, aus ihr eine megamächtig auserwählte Fee zu machen, die nach ein paarmal Zauberstabschwingen die Obermagierin überhaupt ist. Das hat mir ab einen bestimmten Punkt das Buch ein bisschen verleidet, zumal keine der Feen an der Akademie eine vernünftige Ausbildung erhalten hat. Ein paar der anderen Protagonisten konnten das jedoch wieder gut ausgleichen, besonders Lucy, die sich zu meiner heimlichen Favoritin gemausert hat. Alles in allem war es eine schöne Lektüre mit einigen Dingen, die mich nicht so überzeugen konnten.