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Veröffentlicht am 01.11.2025

Eine Liebesgeschichte, die mit Milchflaschen anfängt, kann nur weh tun.

Öffnet sich der Himmel
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Jeden Morgen, bevor die Schule beginnt, fährt James im Jahr 2003 mit dem Fahrrad durch den Nebel von Thornmere und liefert Milch aus. Doch dann taucht Luke auf, mit dieser Art von Präsenz, die man nur ...

Jeden Morgen, bevor die Schule beginnt, fährt James im Jahr 2003 mit dem Fahrrad durch den Nebel von Thornmere und liefert Milch aus. Doch dann taucht Luke auf, mit dieser Art von Präsenz, die man nur einmal im Leben erlebt und von der man sich nie ganz erholt.

Seán Hewitt schreibt, als wäre jede Grashalmspitze ein Gedicht. Das ist schön, aber auch anstrengend. Man verliert sich leicht in der Poesie, bevor etwas wirklich passiert. Die Natur, der Himmel, die Dämmerung, alles wird so detailreich beschrieben, dass man fast vergisst, dass es eigentlich um Liebe geht.

Diese Liebe, oder was James dafür hält, steht im Zentrum Sie ist roh, delulu. Dieses „Ich weiß nicht, was ich da fühle, aber es muss wichtig sein“-Gefühl, das man nur mit 17 hat. Beim Lesen dachte ich immer wieder: „Ja, genau so fühlt es sich an, wenn man glaubt, das Leben beginnt genau jetzt.“

Man spürt, wie sehr James ausbrechen will, nicht nur aus dem Dorf, sondern aus sich selbst. Dieses Bedürfnis, irgendwas Echtes zu spüren, zieht sich durch das ganze Buch. Doch Hewitt zeigt auch, wie gefährlich das sein kann. James ist so obsessiv und klammert sich an Luke wie an eine Idee von Freiheit, und merkt zu spät, dass er sich darin verliert.

„Öffnet sich der Himmel“ ist ein poetischer Fiebertraum über erste Liebe, Scham und das Erwachsenwerden, das sich weniger groß anfühlt, als man gehofft hatte. Trotzdem bleibt dieses Gefühl, das nur gute Coming-of-Age-Romane hinterlassen: dass man wieder kurz siebzehn ist, irgendwo zwischen Hoffnung und Schmerz, und alles möglich scheint.

Veröffentlicht am 19.10.2025

Wenn man alles unter Kontrolle haben will

Madwoman
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„Die Welt ist nicht für Mütter gemacht. Und doch haben Mütter die Welt gemacht. Die Welt ist nicht für Kinder gemacht. Und doch sind Kinder die Zukunft.“

Clove lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in ...

„Die Welt ist nicht für Mütter gemacht. Und doch haben Mütter die Welt gemacht. Die Welt ist nicht für Kinder gemacht. Und doch sind Kinder die Zukunft.“

Clove lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Portland. Sie meditiert, macht Yoga, alles, was in unserer heutigen Gesellschaft „Heilung“ versprechen soll. Aber hinter dieser Routine steckt Angst. Als plötzlich ein Brief von ihrer Mutter auftaucht, die im Gefängnis sitzt, gerät alles ins Wanken. Clove hat ihre Vergangenheit verborgen, und selbst ihr Mann weiß nicht, wer sie wirklich ist. Dann trifft sie Jane nach einem kleinen Autounfall. Die beiden kommen sich schnell näher, aber genau das wird gefährlich.

Ich war überrascht, wie nah mir das Buch ging. Ich dachte zuerst, es wäre einfach ein Roman über Mutterschaft, aber es ist viel mehr und härter, als ich erwartet hatte (unbedingt vorher die Triggerwarnungen lesen). Clove ist keine typische Heldin, sie versucht einfach, alles zusammenzuhalten. Ihre Angst ist fast körperlich spürbar, und man versteht, warum sie sich an Routinen, Bio-Food und Online-Bestellungen klammert.

Bieker schreibt, als würde sie einen direkt anschauen. Sehr bildhaft, tolles Tempo, ich habe mich nicht eine Sekunde gelangweilt. Es fühlte sich stellenweise so an, als würde man heimlich jemanden beobachten.
Auch wie der Plot insgesamt aufgebaut war, hat mir sehr gut gefallen. Es war immer eine unterschwellige Spannung zu spüren. Schon auf den ersten Seiten hat man das Gefühl, dass etwas nicht stimmt.

Kurz gesagt: Dieses Buch hat mich komplett reingezogen. Ich wollte gar nicht aufhören zu lesen, nur drinbleiben und mitfühlen. Klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Wie ein Song ohne Refrain

Deep Cuts
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Ein Roman über eine Studentin, die Songs auseinandernimmt, als wären sie Anatomie, und über einen Typen, der ihr Talent sofort erkennt. Es geht um Musik, um eine Liebe und um die frühen 2000er. Das klingt ...

Ein Roman über eine Studentin, die Songs auseinandernimmt, als wären sie Anatomie, und über einen Typen, der ihr Talent sofort erkennt. Es geht um Musik, um eine Liebe und um die frühen 2000er. Das klingt hart nach Leidenschaft und Nostalgie, aber für mich hat es nicht funktioniert.

Schon nach den ersten Kapiteln wusste ich, dass ich emotional nicht andocken kann. Percy blieb mir fremd. Ich sah sie in Bars über Jukebox-Hits reden und Songs zerlegen, aber ich habe nichts dabei gespürt. Die Gespräche über Akkorde und Bridges waren mir zu spezifisch und irgendwann einfach zäh. Ich habe sogar die Playlist parallel gehört, um näher ranzukommen, aber es hat nichts verändert.

Manche Gedanken über Songs waren ganz spannend, ja, manchmal auch fast augenöffnend, und genau da habe ich kurz gemerkt, was dieses Buch hätte sein können. Aber insgesamt gingen diese Momente unter, weil Figuren und Story für mich nicht genug Tiefe hatten. Percy sollte verletzlich wirken, doch das kam bei mir nicht an. Auch die Beziehung zu Joe blieb blass, ohne Knistern, und ich konnte emotional einfach nicht mitgehen.

Ich sehe, was die Autorin erzählen wollte, trotzdem hat die Geschichte für mich keine Wirkung entfaltet. Ich habe bis zum Ende durchgehalten, in der Hoffnung auf einen Moment, der mich packt. Aber er kam nicht. Ein paar Radiohead-Zeilen bleiben hängen, und einzelne Gedanken über Musik fand ich spannend, aber im Gesamtbild war es zu wenig für mich.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Mein Überraschungshighlight

Die Sache mit Rachel
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Ich war nicht vorbereitet. Ich dachte, das wird ein nettes Buch, das man eben liest und wieder vergisst. Aber schon nach den ersten Seiten war ich komplett drin und wollte nicht mehr aufhören.

Worum geht’s? ...

Ich war nicht vorbereitet. Ich dachte, das wird ein nettes Buch, das man eben liest und wieder vergisst. Aber schon nach den ersten Seiten war ich komplett drin und wollte nicht mehr aufhören.

Worum geht’s? Rachel studiert in Cork und arbeitet nebenbei in einem Buchladen. Dort trifft sie James. Er ist quirlig, direkt, ein bisschen zu schnell - und trotzdem mag man ihn sofort. Aus einem Gespräch wird Freundschaft und kurz darauf eine WG. Aber Rachel hat ein Auge auf ihren Literaturprofessor Fred Byrne geworfen. Deshalb organisieren James und sie eine Lesung, um ihm „näherzukommen“. Nur verfolgt Byrne ganz andere Pläne, und plötzlich sind die drei viel tiefer ineinander verstrickt, als sie es je wollten.

Ich habe diese Figuren geliebt. Rachel ist verletzlich, aber gleichzeitig so stur, dass man ihr einfach folgen muss. James bringt Witz und Chaos, die beiden zusammen sind elektrisierend. Deshalb tat es so weh, als die Geschichte langsam dunkler wurde. Ich hatte wirklich das Gefühl, nachts mit ihnen in der Küche zu sitzen, mit einem Glas Wein, und zu ahnen, dass alles kippen wird.

Und dann dieses 2010er-Cork als Setting. Die Bars, die Straßen, die Stimmung der Finanzkrise. Nichts wirkt aufgesetzt, es ist einfach da und macht die Geschichte lebendig. Das Beste ist aber Caroline O’Donoghues Sprache. Sie trifft genau den Punkt, ohne jemals kompliziert zu sein. Sie beschreibt Gefühle so, dass man sofort denkt: Genau, so ist es.

Fazit:
Ich habe das Buch verschlungen. Deshalb ist es für mich ein echtes Highlight. Wer Sally Rooney mag, wird hier sofort andocken, nur dass Caroline O’Donoghue leichter und schneller erzählt. Für mich ist klar: Das war mein erstes, aber sicher nicht mein letztes Buch von ihr.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Marnies Suche, die mich nicht gefunden hat

Crushing
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Ich hatte Erwartungen. Ein wunderschönes Cover, ein spannendes Thema - eine Frau auf der Suche nach Identität. Aber schon nach den ersten Kapiteln ahnte ich, dass das für mich kein Match wird.

Worum geht’s? ...

Ich hatte Erwartungen. Ein wunderschönes Cover, ein spannendes Thema - eine Frau auf der Suche nach Identität. Aber schon nach den ersten Kapiteln ahnte ich, dass das für mich kein Match wird.

Worum geht’s? Marnie, die sich selbst als Serien-Monogamistin bezeichnet, beschließt nach vielen gescheiterten Beziehungen: Es reicht. Keine verzweifelten Versuche, die perfekte Partnerin zu sein. Endlich frei. Aber dann tritt Isaac in ihr Leben - ein Mann, der sie wirklich versteht, allerdings vergeben ist. Und während die Freundschaft zu ihm wächst, steht für Marnie die eigentliche Frage im Raum: Wer ist sie wirklich, und was will sie vom Leben, wenn sie nicht gerade in einer Beziehung steckt?

Das klingt nach einer spannenden Ausgangslage. Aber die Umsetzung hat für mich nicht funktioniert. Statt einer echten Suche nach Identität hatte ich eher das Gefühl, dass sie stark von anderen Menschen abhängig bleibt und sich kaum alleine behaupten kann. Sie will unabhängig sein, aber gleichzeitig kann sie keine Sekunde allein sein und der ständige Griff zum Alkohol wird immer wieder wie eine Lösung präsentiert, was ich eher problematisch fand.

Mit dem Schreibstil bin ich ebenfalls nicht warm geworden. Der sarkastische Ton hat zwar hin und wieder für witzige Momente gesorgt, wirkte auf mich insgesamt aber eher angestrengt. Dadurch bin ich nie richtig in die Geschichte hineingekommen. Viele Szenen wirkten vorhersehbar und die Handlung bot für mich kaum Überraschungen.

Fazit:
Am Ende habe ich mich eher durch die knapp 400 Seiten gekämpft, als sie wirklich genossen. Ich hatte mir von der Identitätssuche mehr Tiefe und weniger Partyexzesse, One-Night-Stands und Selbstmitleid erhofft. Das ist schade, weil das Thema an sich unglaublich spannend ist. Für mich war es einfach nicht das richtige Buch.

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