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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2025

Pageturner

Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
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„Die Kollegin“ von Freida McFadden übersetzt von Astrid Gravert
Verlag: Heyne

Zwei Frauen. Schreibtisch neben Schreibtisch. 
Und plötzlich ist eine von ihnen verschwunden.
„Die Kollegin“ hat mich sofort ...

„Die Kollegin“ von Freida McFadden übersetzt von Astrid Gravert
Verlag: Heyne

Zwei Frauen. Schreibtisch neben Schreibtisch. 
Und plötzlich ist eine von ihnen verschwunden.
„Die Kollegin“ hat mich sofort gecatcht – nicht nur wegen des richtig coolen Farbschnitts (ja, auch das Auge liest mit), sondern wegen dieser unterschwelligen Spannung, die sich von Seite zu Seite aufbaut.
Dawn ist… anders. Still, unbeholfen, schräg und doch irgendwie verloren. Ihre Kollegin Natalie beobachtet sie, ein bisschen von oben herab – bis Dawn plötzlich nicht mehr zur Arbeit erscheint. Ab da kippt alles. Natalie wird in ein Netz aus Lügen, Schuld und Gewalt gezogen, das immer enger wird.
Und man denkt ständig: Wer ist hier eigentlich Opfer – und wer Täter? Wer lügt und was ist die Wahrheit?
Der Thriller punktet auch mit einem spannend aufgebauten Spannungsbogen, der sich Kapitel für Kapitel steigert. Die Charaktere sind unfassbar präzise und intensiv beschrieben – ich hatte beim Lesen das Gefühl, ihnen direkt gegenüberzusitzen. Die Autorin überzeugt auch mit ihrem Schreibstil: Flüssig, packend, sehr gut lesbar – man fliegt regelrecht durch die Seiten.

Ich mochte besonders die Perspektivwechsel und Zeitsprünge – sie sorgen dafür, dass man niemals wirklich sicher ist, was gerade passiert oder wem man trauen kann. Man verdächtigt, verwirft, überlegt neu – und steht am Ende ziemlich sprachlos da.
Das Finale? Grandios. Schockierend, heftig, aber stimmig.
Ein richtig starker Thriller mit Tiefgang und klugem Aufbau. Für mich ganz klar 5 Sterne.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.04.2025

Zarter Roman

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen
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„Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen“ von Ito Ogawa
aus dem Japanischen von Sabine Mangold
Verlag: Droemer

„Alles, was lebt, wird irgendwann einmal vergehen.
Das ist der Lauf der Dinge.“ (Seite 233) ...

„Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen“ von Ito Ogawa
aus dem Japanischen von Sabine Mangold
Verlag: Droemer

„Alles, was lebt, wird irgendwann einmal vergehen.
Das ist der Lauf der Dinge.“ (Seite 233)

Ein stilles, sanftes Buch – wie ein leiser Fluss, der einen mitnimmt, 
ohne je laut zu werden.

Hatoko kehrt nach Jahren zurück nach Kamakura, um den Schreibwarenladen ihrer verstorbenen Großmutter zu übernehmen – und mit ihm das Amt der öffentlichen Schreiberin. Eine Aufgabe, für die sie schon als Kind vorbereitet wurde – mit Strenge, mit Disziplin, aber auch mit einer Form von Liebe, die sie damals nicht verstehen konnte.
Erst durch alte Briefe, die ihre Großmutter an eine Frau in Italien schrieb, beginnt Hatoko zu begreifen, was hinter der kühlen Fassade steckte: Zuneigung, Stolz, Sorge. Die Worte der Großmutter, von denen sie nie wusste, dass sie existieren, helfen ihr, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen.
Die Geschichte entfaltet sich ruhig, achtsam, poetisch. Es geht um Verlust, um Neuanfang, um Heilung. Und um die besondere Kraft geschriebener Worte.
Die japanische Kultur, die Kunst der Kalligrafie und die Rituale rund um das Briefeschreiben sind liebevoll verwoben mit Hatokos innerem Weg. Kleine Gesten, feine Beobachtungen und Figuren, die einem ans Herz wachsen – besonders Barbara und die kleine QP.

Ein zarter Roman, der nicht laut sein muss, um zu berühren.
Eine Leseempfehlung für alle, die ruhige, tiefgründige Geschichten lieben – und Schreibkunst als Lebenskunst verstehen.

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Schrille Satire

Daily Soap
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„Daily Soap“ der Debütroman von Nora Osagiobare
Verlag: Kein & Aber

Das Cover und der Klappentext haben mich sofort gecatcht.

Die Autorin liefert eine schrille Satire über Familienchaos, Rassismus ...

„Daily Soap“ der Debütroman von Nora Osagiobare
Verlag: Kein & Aber

Das Cover und der Klappentext haben mich sofort gecatcht.

Die Autorin liefert eine schrille Satire über Familienchaos, Rassismus und Homosexualität – voller Absurditäten.
Toni hat stechende Kopfschmerzen, und ihre Mutter – eine Impf- und Abtreibungsgegnerin – behandelt diese abartigen Schmerzen mit Globuli. Ruhe für ihren Kopf findet Toni nur beim Fernsehen.
Sie liebt die Soap „Sturm der Triebe“ und verdrängt damit die chaotischen Verhältnisse in ihrer Familie, in der ständig Streit herrscht.
Ihr Vater Thor, ein zeugungsunfähiger Nigerianer, und ihre Schweizer Mutter leben in einer Ehe aus Leidenschaft und Eifersucht. Nach der Trennung ziehen Toni und ihre Mutter mit dem Pornodarsteller und Schwager Prince Okiti zur betrügerischen, jedoch reichen Tante Frieda.
Gleichzeitig gerät das Modeunternehmen Banal & Bodeca in einen Shitstorm aufgrund von Rassismusvorwürfen. Die eiskalte Geschäftsführerin Zita Bodeca versucht verzweifelt, das Image zu retten – auf Kosten ihres Sohnes Paul. Doch die Farce wird Realität, und das Chaos nimmt seinen Lauf.
Als sich die Wege beider Familien kreuzen, überschlagen sich die Ereignisse. Der Roman erinnert an eine überdrehte TV-Serie mit grotesken Figuren.
Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig; erst im letzten Drittel fand ich Zugang dazu.
Die Geschichte selbst ist mit schrägem Humor ausgestattet, was nicht jedermanns Sache ist. Auch gibt es viele fragwürdige Fußnoten, die teils lustig, teils sarkastisch sind.
Die Charaktere sind sehr außergewöhnlich gezeichnet – alle ProtagonistInnen sind schräge und ungewöhnliche Persönlichkeiten.
Schallend lachen musste ich nicht; vielleicht fehlt mir hier der Humor für diese Satire.
Man wird unterhalten, und sobald man sich an den extravaganten Schreibstil der Autorin und ihre Erzählweise gewöhnt hat, plätschert die Story dahin. Man möchte erfahren, wie diese chaotische Geschichte weitergeht bzw. endet. Ob die Liebe oder die Scham siegt, ob Leidenschaft von Obsession zu Liebe wird und ob eine tief verwurzelte Liebe die Krater des verrückten Alltags überbrücken kann.
Jedoch wurde es mir im letzten Drittel zu viel an bizarren Handlungen.
Ich verstehe die satirische Überspitzung: Die Kritik an Rassismus, alten Denkmustern, Homöopathie, Machtgier und Abhängigkeiten ist klar erkennbar. Dennoch konnte mich die Geschichte nicht vollends überzeugen.
Das Ende war für mich eher traurig. Auf jeden Fall ein ungewöhnliches Buch, das sicherlich seine Fans findet.
Auf dem Cover wird es als „das lustigste, schlaueste, coolste Buch in diesem Frühjahr“ angepriesen – für mich trifft das leider nicht zu.
Für LeserInnen von skurrilen Satiren sicher ein Lesegenuss, für mich jedoch zu chaotisch. 





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Veröffentlicht am 28.03.2025

Sein dürfen!

Wild wuchern
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„Wild wuchern“ von Katharina Köller
Verlag: Penguin

„Es war so schön im Sturm, es war so schön, ein Spielball zu sein und selbst nichts entscheiden zu müssen.“

Marie flieht aus ihrem luxuriösen, aber ...

„Wild wuchern“ von Katharina Köller
Verlag: Penguin

„Es war so schön im Sturm, es war so schön, ein Spielball zu sein und selbst nichts entscheiden zu müssen.“

Marie flieht aus ihrem luxuriösen, aber grausamen Leben in Wien – weg von ihrem wohlhabenden, aber gewalttätigen Ehemann Peter. Zuflucht sucht sie bei ihrer Cousine Johanna, die seit Jahren einsam auf einer Berghütte lebt.
Ein intensiver Roman über zwei Cousinen, die sich in ihrer Kindheit entfremdet haben und nun auf einer abgelegenen Tiroler Alm mit ihren eigenen Wunden und Ängsten konfrontiert werden.

Johanna – wortkarg, wild, in der Einsamkeit der Berge lebend.
Marie – gezeichnet von einem toxischen Ehemann, einer Welt des schönen Scheins und tiefen seelischen Narben.

Katharina Köller schafft es, mit ihrem drängenden, oft gehetzten Schreibstil, Maries innere Zerrissenheit spürbar zu machen. Ohne Kapitelabschnitte, ohne Pausen – als würde die Geschichte selbst atemlos nach Befreiung suchen.
Die Charaktere sind intensiv gezeichnet, die Kindheit der Cousinen geprägt von Ignoranz und Erwartungen.
Besonders beeindruckend: die Kontraste zwischen den beiden Frauen, die sich erst jetzt wirklich kennenlernen – und erkennen.
Die Tiroler Alm als Schauplatz verstärkt die Gegensätze: Freiheit und Enge, Natur und Trauma, Rückzug und Wiederfinden. Ein berührender, wilder, schmerzhafter Roman über das, was Kindheit aus uns macht – und wie schwer es ist, sich davon zu lösen. Wie sehr es unser erwachsenes Leben prägt.
Ein Roman über familiäre Erwartungen, tief sitzende Wunden und die Suche nach sich selbst.
Traurig, wütend, intensiv – aber auch voller Wahrheit. Zwei Frauen, zwei Leben, zwei Wahrheiten.

> Auf dem Berg ist man dem Himmeln viel näher und doch scheint es, als wäre der Himmel dort oben noch viel höher.<

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Pantheress

Ein ungezähmtes Tier
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„Ein ungezähmtes Tier“ von Joël Dicker ist 
ein Krimi der Extraklasse! 

Sprecher: Torben Kessler 

Dauer: 9 Stunden 56 Minuten

Ein geplanter Juwelenraub in Genf, ein scheinbar perfektes Ehepaar mit ...

„Ein ungezähmtes Tier“ von Joël Dicker ist 
ein Krimi der Extraklasse! 

Sprecher: Torben Kessler 

Dauer: 9 Stunden 56 Minuten

Ein geplanter Juwelenraub in Genf, ein scheinbar perfektes Ehepaar mit dunklen Geheimnissen und ein Polizist, der die Grenzen zwischen Recht und Obsession verschwimmen lässt. Joël Dicker zieht uns mit diesem meisterhaften Krimi in einen Strudel aus Lügen und Affären.

Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Sophie und Arpad Braun, die mit ihren Kindern in einem luxuriösen Haus am Genfer See leben. Doch hinter der gläsernen Fassade ihrer Ehe verbergen sich Geheimnisse, die nach und nach ans Licht kommen.
Das Ehepaar Braun feiert Geburtstag und auch die Nachbarn Greg und Karine sind eingeladen. Beide sind fasziniert von Sophie, Karine möchte mit ihr befreundet sein und Greg – ein Polizist – erliegt ihrer Schönheit in sexuellen Phantasie. Seine Faszination für Sophie nimmt unerwartete Züge an, bis er sich schließlich dazu hinreißen lässt, eine versteckte Kamera in ihrem Schlafzimmer zu installieren. Was er dort sieht, geht weit über verbotene Einblicke hinaus: Er bekommt Informationen über einen geplanten Juwelenraub, die seine Karriere beflügeln könnten. Doch wie weit ist er bereit zu gehen, um sich selbst zu profilieren?

Dicker erzählt die Geschichte auf mehreren Zeitebenen – mal springen wir Jahre zurück, mal nur wenige Tage – und genau dieses raffinierte Spiel mit der Zeit hält die Spannung konstant hoch. Mit jeder Enthüllung steigt man als Hörerin tiefer in diesen Krimi ein, und je tiefer man in das Netz aus Intrigen eintaucht, desto schwerer fällt es, das Buch oder Hörbuch zu pausieren.

Torben Kessler als Sprecher liefert eine herausragende Performance! Seine Stimme verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe und macht die elektrisierende Atmosphäre spürbar.

Ein Krimi, der unter die Haut geht, mit einem brillanten Erzählstil, faszinierenden Charakteren und unvorhersehbaren Wendungen.
Ein absolutes Muss für alle, die raffinierte Spannung lieben!

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