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Veröffentlicht am 10.11.2025

3 Sätze bis zur Wahrheit - Selbstoptimierung im Brennglas

Gym
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Meine Meinung

Ich liebe es selbst, einige Stunden meiner Freizeit im Gym zu verbringen und war neugierig auf das Werk.

Es geht um eine namenlose Ich‑Erzählerin, welche eine Stelle als Tresenkraft im ...

Meine Meinung

Ich liebe es selbst, einige Stunden meiner Freizeit im Gym zu verbringen und war neugierig auf das Werk.

Es geht um eine namenlose Ich‑Erzählerin, welche eine Stelle als Tresenkraft im Fitnessstudio „MEGA GYM“ übernimmt , obwohl sie augenscheinlich nicht in das dort erwartete Körperbild passt.

Im Vorstellungsgespräch behauptet sie, sie habe gerade ein Kind bekommen – eine Lüge, die sich im weiteren Verlauf zu einer Art Ausgangspunkt ihrer Selbstoptimierung entwickelt. Eine Lüge, die sich bis zum Schluss durchzieht, bis die Bombe platzt.

Mich hat besonders gefesselt, wie wenig über ihre Bewährung / Bewährungshelferin, ihren Exfreund und die Trennung preisgegeben wird. Ich wusste nicht sofort, welche Rolle Vergangenheit, Schuld und emotionale Konflikte im Hier und Jetzt spielen.

Im Verlauf des Romans verändert sich ihr Verhältnis zu Körper, Leistung und Anerkennung dramatisch, denn die anfänglich vermeintlich lockere Position im Fitnessstudio wandelt sich in einen Sog aus Ehrgeiz, Kontrollzwang bis hin zur Selbstzerstörung. Dabei dient das Studio nicht nur als Arbeitsort, sondern zunehmend als Metapher für eine Gesellschaft, in der Performance, Körper und Selbstbild zur Währung werden.

Sprachlich überzeugt das Buch durch Knappheit, ein hohes Tempo und eine Erzählweise, die sich kaum Pausen gönnt. Das passt zur Thematik des ständigen „Dranbleibens“, des Trainings und der Wiederholungen.

Gym ist ein relevantes, provokantes Buch, das in meiner Wahrnehmung sehr gut gelungen ist in der Darstellung einer Kultur von Körper, Leistung und Selbstoptimierung.



Über die Autorin

Verena Keßler, geboren 1988 in Hamburg, lebt in Leipzig, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studierte. Ihr Debütroman, Die Gespenster von Demmin, wurde für zahlreiche Preise nominiert und mit dem Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium ausgezeichnet. Eva ist ihr zweiter Roman.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Der lange Weg an die Spitze

Die Frau der Stunde
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Meine Meinung

Der Roman" Die Frau der Stunde" hat mich vor allem aufgrund des Klappentextes angesprochen. Das Buch bietet eine kräftige Verbindung aus politischer Brisanz und persönlichem Schicksal.

Die ...

Meine Meinung

Der Roman" Die Frau der Stunde" hat mich vor allem aufgrund des Klappentextes angesprochen. Das Buch bietet eine kräftige Verbindung aus politischer Brisanz und persönlichem Schicksal.

Die Protagonistin Catharina Cornelius beweist Zielstrebigkeit und Intelligenz im Ringen um Einfluss und Position und verbindet damit eine starke Präsenz mit glaubhafter Verletzlichkeit.

Mir hat gefallen, wie klar und ruhig die Geschichte erzählt wird. Man spürt, dass alles gut recherchiert ist, ohne dass es trocken wirkt. Bei mir hat es allerings etwas gedauert in die Geschichte sofort einzusteigen.

Die Atmosphäre der späten Siebzigerjahre kommt deutlich rüber. Ich konnte mir gut vorstellen, wie es damals war, als Macht, Männer und Medien das politische Geschehen bestimmten.

Ich hätte mir allerdings gewünscht dass einige Wendungen noch mutiger gestaltet wären und die innere Entwicklung der Hauptfigur noch prägnanter herausgearbeitet würde.

Persönlich hätte ich mir ein anderes, möglicherweise weniger offenes Ende gewünscht.

"Die Frau der Stunde" bietet einen kraftvollen Blick auf Macht, Identität und Wandel. Wer sich für politisch geprägte Geschichten mit starken Charakteren interessiert wird hier gut bedient. Für alle, die wissen, wie viel Stärke es braucht, gehört zu werden


Über die Autorin

Heike Specht studierte Geschichte und Literaturwissenschaft in München, promovierte über die Familie Lion Feuchtwangers und arbeitete mehrere Jahre als Verlagslektorin.

Geschichte und Geschichten – zwischen zwei Buchdeckel gepackt, zum Anhören oder Ansehen, vorgelesen oder erzählt – sind ihre Leidenschaft. In Städten sucht sie stets das Dorf und wurde sowohl in München, als auch in New York und Zürich fündig.

Sie ist Autorin mehrerer Sachbücher. Am 1.10.2025 erscheint ihr erster Roman "Die Frau der Stunde".

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Veröffentlicht am 07.11.2025

Entschleunigung im Schnee

Drei Tage im Schnee
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Meine Meinung

"Drei Tage im Schnee" von Ina Bhatter hat mir wirklich gut gefallen. Es erzählt von Hannah, die aus ihrem hektischen Alltag ausbricht und sich für ein paar Tage in eine einsame Hütte im ...

Meine Meinung

"Drei Tage im Schnee" von Ina Bhatter hat mir wirklich gut gefallen. Es erzählt von Hannah, die aus ihrem hektischen Alltag ausbricht und sich für ein paar Tage in eine einsame Hütte im Schnee zurückzieht. Diese einfache Entscheidung wird zu einer Reise zu sich selbst. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, mitten in dieser Winterlandschaft zu stehen. Die Autorin schafft es, mit wenigen Worten eine dichte und ruhige und tolle Atmosphäre aufzubauen.

Was mich besonders angesprochen hat, war die Stimmung. Dieses Gefühl von Rückzug, von Abstand zur Welt, hat mich sehr berührt. Das Buch ist sicherlich auch gerade zu dieser Jahreszeit toll, denn so kurz vor Weihnachten bringt nochmal zusätzlicher Stress aus. Ich konnte Hannah gut verstehen, wie sie mit der kleinen Sophie und auch sich selbst ins Gespräch kommt, Erinnerungen zulässt und plötzlich wieder Dinge wahrnimmt, die sie lange übersehen hat. Viele Sachen haben mich auch zum Schmunzeln gebracht und auch selbst angesprochen z.B. das Thema "Sparen". Sophie ist einfach niedlich, ich hatte richtig Lust sie selbst kennenzulernen.

Die Sprache fand ich angenehm und klar. Ina Bhatter schreibt ruhig, aber nicht langweilig.

Für mich war "Drei Tage im Schnee" ein schönes, stimmungsvolles Buch, das nachhallt. Es erinnert einen selbst daran, dass man sich mal eine Auszeit gönnt, entschleunigt, mal öfter das Handy weglegt usw.


Klappentext

Hannah führt ein turbulentes Großstadtleben. Sie hetzt von einem Termin zum nächsten und verbringt ihre Tage damit, auf Dinge zu reagieren, die von außen auf sie einströmen, findet kaum Zeit für sich selbst. Um abzuschalten, mietet sie sich für ein paar Tage ein kleines Holzhaus an einem See, eingebettet in weiß verschneite Natur. Plötzlich taucht dort ein Kind in einem roten Schneeanzug auf: die kleine Sophie. Die beiden freunden sich an.

Während sie in der entrückten Winterwelt Iglus bauen und Schneeengel machen, kommt Hannah so allerlei in den Kopf, was sie längst verloren glaubte: alte Freundschaften, vergessene Sehnsüchte und Talente. Etwas verschiebt sich und alles ordnet sich neu an. Allmählich beginnt Hannah, ihr Leben und die Welt in einem neuen Licht zu sehen: bunt und echt wie in ihrer eigenen Kindheit.


Über die Autorin

Ina Bhatter hat Journalistik, Romanistik und Internationale Beziehungen in Leipzig und Paris studiert und beim Radio und in den Pressestellen verschiedener Unternehmen gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Berlin. »Drei Tage im Schnee« ist ihr erstes Buch.

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Veröffentlicht am 05.11.2025

Empathie

I feel you
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Meine Meinung

Ich habe das Buch "I feel you" von Yasmine Mbarek gelesen und fand es sehr interessant. Es geht darum, was Empathie heute bedeutet und wie schwer es manchmal ist, wirklich zuzuhören. Sie ...

Meine Meinung

Ich habe das Buch "I feel you" von Yasmine Mbarek gelesen und fand es sehr interessant. Es geht darum, was Empathie heute bedeutet und wie schwer es manchmal ist, wirklich zuzuhören. Sie selbst sagt auch, dass viele mit dem Begriff um sich werfen, ohne wirklich zu wissen was Emphatie bedeutet. Besonders in sozialen Medien reagieren viele schnell, ohne wirklich zu verstehen.

"Man denkt dann ja vermutlich auch, dass man empathisch sei. Das ist immer eine 50/50-Chance, dass das tatsächlich so ist und man sich nicht nur selbst darstellt. Es ist ein wenig verblendet und zeugt vielleicht auch von Naivität. Das hier ist kein Appell, sondern ein unterschwelliger Dauerbeweis, wie schön Empathie ist, wenn man ihr eben nicht verblendet entgegensteht, voller Erwartung und Gutgläubigkeit." (ZITAT)

Mir gefällt, dass Mbarek Empathie nicht als etwas Schönes und Einfaches beschreibt. Sie zeigt, dass es Kraft kostet, andere wirklich zu verstehen. Besonders spannend fand ich ihre Idee von den "empathischen Egoisten". Das sind Menschen, die andere verstehen wollen, auch wenn sie dabei auch etwas für sich selbst erreichen. Das wirkt ehrlich und realistisch.

"Der Versuch, empathisch zu sein, ist gleichzeitig auch der Versuch, Menschen zu lieben." (ZITAT)

Ich finde die Sprache insgesamt gut, allerdings fand ich die Menge am Denglisch zu viel / störend.

Die Gedanken im Buch sind spannend. Beim Lesen musste ich oft nachdenken, weil immer wieder neue Ideen kommen und oder weil ich mich angesprochen gefühlt habe, zum Beispiel bei dem Thema, dass man manchmal automatisch empathisch reagiert, weil man sehr sensibel ist und früh gelernt hat, Stimmungen und kleine Veränderungen wahrzunehmen. Dadurch stellt man oft die Bedürfnisse anderer vor die eigenen, um Konflikte und Stress zu vermeiden.

Besonders gefallen hat mir, dass Mbarek Beispiele aus dem Alltag, der Politik (u.a. AfD), Musik (u.a. Dua Lipa) und den sozialen Medien verbindet. Das macht das Thema verständlich. Ich hätte mir manchmal mehr Tiefe gewünscht, aber das Buch soll eher zum Nachdenken anregen, als alles genau zu erklären.

Die Zitate bei den Kapitelanfänge finde ich gut und passed gewählt.

Das Buch gibt tolle Einblicke und lässt einen selbst mehr über Empathie nachdenken.


Über die Autorin

Yasmine M’Barek, geboren 1999, ist Journalistin, Podcasterin und Autorin. Sie hat die Kölner Journalistenschule besucht und ist Redakteurin bei ZEIT Online. Regelmäßig ist sie in politischen Talkshows zu Gast und hostet den ZEIT-Podcast Ehrlich jetzt. Yasmine M’Barek lebt in Köln und Berlin.

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Ein Blick ins Moskau der frühen 2000er

Moscow Mule
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Meine Meinung

"Moscow Mule" von Maya Rosa ist nicht nur aufgrund des schönen Covers ein echter Blickfang. Für mich ist es ein Buch, das Sprache, Atmosphäre und Figuren auf eine Weise verbindet, die ich ...

Meine Meinung

"Moscow Mule" von Maya Rosa ist nicht nur aufgrund des schönen Covers ein echter Blickfang. Für mich ist es ein Buch, das Sprache, Atmosphäre und Figuren auf eine Weise verbindet, die ich selten so überzeugend erlebt habe.

Die Darstellung des Moskau der frühen 2000er Jahre wirkt glaubwürdig und lebendig. Man spürt die Widersprüche dieser Stadt in den Augen der jungen Frauen Karina und Tonya, ihre Sehnsucht nach Freiheit, die Enge ihrer Umgebung und die Einschränkungen des Alltags.

Ich habe mich sofort in die Figuren hineinversetzt gefühlt, besonders in Karina, deren Trotz und Lebensenergie die Geschichte trägt. Ihre Freundschaft zu Tonya fand ich spannend, authentisch und emotional nachvollziehbar, weil sie Nähe und Distanz gleichermaßen spiegelt.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist der Stil. Maya Rosa schreibt klar und echt direkt, schafft es aber trotzdem ein tolles Gespür für die Sprache zu haben, da sie eine gute Mischung aus Humor und Ernst wählt.

Die Szenen wirken wie Momentaufnahmen, die trotzdem ein stimmiges Ganzes ergeben.

Gut stellt die Autorin auch die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen Russlands dar. Es gibt Momente, in denen die Handlung etwas langsamer wirkt, was mich persönlich nicht sehr gestört hat.

Insgesamt hat mich Moscow Mule als Debüt sprachlich und inhaltlich sehr gut unterhalten können.


Klappentext

Karina und Tonya teilen alles — ihr Studium an einer Moskauer Uni, betrunkene Männer, leere Geldbörsen, aber vor allem: das ambitionierte Ziel, nach Europa auszuwandern. Während im jungen neuen Jahrtausend der eine Teil der russischen Gesellschaft zwischen Luxusautos und Kaviar versinkt, schummelt sich der andere mittellos durchs Leben. Auch Karina hat gelernt, mit Witz und Wahnsinn jede Situation zu meistern und an ihren Träumen festzuhalten, komme, was wolle. Doch mehr und mehr schieben sich ihre Träume vor die Freundschaft mit Tonya, und was einst nach einem großen ›Für immer‹ klang, wird plötzlich brüchig.


Über die Autorin

Maya Rosa, Jahrgang 1987, ist in Russland geboren und aufgewachsen. Sie hat in Moskau und Berlin studiert und ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. »Moscow Mule« ist ihr Debutroman. Maya Rosa lebt mit ihrer Familie in Berlin.


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