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Veröffentlicht am 05.12.2019

Kochen für jeden Tag

Rachs Rezepte für jeden Tag
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„Rachs Rezepte für jeden Tag - Große Küche für kleines Geld“ ist im November 2019 im Gräfe und Unzer Verlag erschienen und zeigt auf über 200 äußerst ästhetischen und appetitanregenden Seiten Rezepte für ...

„Rachs Rezepte für jeden Tag - Große Küche für kleines Geld“ ist im November 2019 im Gräfe und Unzer Verlag erschienen und zeigt auf über 200 äußerst ästhetischen und appetitanregenden Seiten Rezepte für Hauptmahlzeiten, die laut den extra angegebenen Zeiten in 20- 60 Minuten zubereitet sind. Zusätzlich gibt es noch Rezepte für Desserts und „Grundrezepte“. Die „Grundrezepte“ sind zum Beispiel zum Herstellen von veganer Mayonnaise, Brühen oder Vinaigrette.

Wie ich koche:
Da ich histaminarm kochen muss, aber auch weil ich sehr leidenschaftlich koche, koche ich sehr selten genau nach Rezept. Ich koche nach dem, was der Kühlschrank hergibt, worauf ich Lust habe und wie ich es vertrage. Gute Rezepte zeichnen sich für mich dadurch aus, dass sie gute Inspirationsquellen sind und dass sie wandelbar sind. Ich denke, dass die meisten Leute so denken, da es immer mal Dinge in Rezepten gibt, die man nicht mag oder verträgt. Außerdem ist Geschmack sehr subjektiv. Damit ein Rezept perfekt zu einem passt, sollte es perfekt nach eigenem Geschmack umgeändert werden können.

Das habe ich unter anderem gekocht :
S.60 Pellkartoffeln mit Quark, Leinöl und Rohkost
Dieses Rezept habe ich jetzt schon zum 2. Mal gekocht. Ich habe immer den im Rezept stehenden Löwenzahnsalat durch Chicorée ersetzt und diesen mit den gekochten Kartoffeln angebraten. Das Rezept ist sehr einfach und trotzdem sehr lecker. Ein Gericht, welches man jeden Tag zubereiten kann, weil es sehr einfach ist.

S. 105 Ofengemüse mit Ziegenkäsedip
Nach dem Originalrezept werden Zucchini, Aubergine, Paprikas, Zwiebeln und Kartoffeln im Ofen gebacken, und dann mit Ziegenfrischkäse, mit Milch zur Soße gerührt, gegessen. Hier habe ich die Aubergine durch Kürbis ersetzt und den Ziegenfrischkäse einfach 5 Minuten vor Schluss auf das Ofengemüse gegeben. Die Zwiebeln hab ich durch Schalotten ersetzt. Ich liebe solche Rezepte, da sie alle meine Anforderungen erfüllen: einfach, schnell, individuell umsetzbar, sehr lecker.

S. 106 Gebackene Süßkartoffeln mit Feta, Zucchini und Tomatensalat
Hier hab ich den Tomatensalat weggelassen. Ich wäre vermutlich niemals auf die Zutatenzusammenstellung (Süßkartoffel, Feta und Zucchini) gekommen. Aber es schmeckt so gut, dass ich es unbedingt wiederholen möchte.

S.134 Kürbisrisotto mit Birne, Walnuss und Radicchio
Das war unglaublich lecker! Ich liebe Risottos, da sie meist sehr einfach zuzubereiten sind und dafür aber nach ganz großer Küche schmecken. Dieses hier ist ein glänzendes Beispiel dafür. Im Rezept steht, dass man erst ein Kürbispüree aus der Hälfte des Kürbis herstellt, welches man später unterrührt, damit das Risotto schön cremig wird. Schlotzig, wie man oft im Fernsehen bei Kochsendungen hört. Das habe ich nicht gemacht, ich wollte es so schnell und so einfach wie möglich machen. Auch habe ich Walnüsse durch Pecanüsse und Parmesan durch jungen Gouda ersetzt. Es wurde ein voller Erfolg. Cremig und köstlich.

S. 217 Gemüsebrühe
Hier habe ich Tomaten und Champignons durch mehr vom anderen Gemüse und die Zwiebeln durch Schalotten ersetzt und es wurde eine wirklich gute Gemüsebrühe. Ich werde sie noch häufiger auf Vorrat kochen. Sie landete teilweise im traumhaft guten Risotto.

Meine kulinarische Reise mit diesem Kochbuch ist noch lange nicht zuende. Es gibt noch viele weitere Rezepte, die ich unbedingt kochen möchte. Aber das, was ich gekocht habe, hat mir sehr geschmeckt.

Fazit:
Es gibt hier vermutlich für jeden etwas. Vom Veganer bis zum Vegetarier bis zum Fleischesser. Die Schwierigkeitsgrade reichen von einfach bis mittel. Die Zutaten sind einfach zu erhalten mit sehr wenigen Ausnahmen wie zum Beispiel Topinambur oder Löwenzahnsalat. Die Dessertecke ist sehr klein geraten, aber da man das Kochbuch höchstwahrscheinlich eher wegen Rachs gutem Namen, der eher für Hauptgerichte und weniger für Desserts steht, kauft, kann ich dies nicht als Minuspunkt sehen. Ich möchte dieses Rezeptbuch jedem empfehlen, der einfache Rezepte für Hauptmahlzeiten sucht, welche nach gehobenerer Küche schmecken. Das Motto „Große Küche für kleines Geld“ wird für mich erfüllt.

Veröffentlicht am 27.10.2019

Kochen nach Serien &Filmen

Filmreif kochen
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Das Kochbuch "FIlmreif Kochen" von Eva Dotterweich, welches im September 2019 im Verlag Ehrenwirth erschienen ist, vereint gleich drei gesellige Abendbeschäftigungen. So kann man sich mit dem Buch für ...

Das Kochbuch "FIlmreif Kochen" von Eva Dotterweich, welches im September 2019 im Verlag Ehrenwirth erschienen ist, vereint gleich drei gesellige Abendbeschäftigungen. So kann man sich mit dem Buch für einen schönen Abend mit Freunden verabreden, um dort erst gemeinsam nach den Rezepten zu kochen und dann, während man einen der zahlreichen Film- oder Serientipps aus dem Buch kuckt, das Gekochte zu genießen. Von Snacks bis Hauptmahlzeiten ist hier alles vorhanden, was Süß- oder Salzigmäuler begeistern wird. Da man gewisse Zutaten ohne Probleme weglassen kann, um viele Rezepte vegan, vegetarisch oder histaminarm zu machen, eignet sich dieses Kochbuch für eine breite Leserschaft. Die dazugehörigen Bilder regen dabei schon vor dem Kochen den Appetit an.

Die Fotographien sind stimmungsvoll und passen immer zu dem vorgestellten Film oder der vorgstellten Serie. So sieht es zum Beispiel so aus, als würden sich bekannte Figuren aus den vorgestellten Serien auf das Essen freuen. Da die Fotos außerdem sehr appetitanregend sind, bekommt man auch als Betrachter große Lust mit dem Kochen loszulegen. Die Idee zu Filmen und Serien oder Büchern ein Kochbuch zu machen ist zwar nicht neu, aber hier stehen keine Rezepte zu Gerichten, die in den Serien oder Filmen gegessen werden, sondern Rezepte zu denen Eva Dotterweich durch die Filme und Serien inspiriert wurde. Viele verschiedene Serien und Filme werden vorgestellt und ansprechend mit den Fotos und Rezepten in Szene gesetzt.

Die Rezepte sind leicht umzusetzen und passen gut zu gemeinsamen Filmeabenden. Mich haben die Rezepte an meine Studentenzeit erinnert und ich glaube, dass Studenten auch die Zielgruppe dieses Kochbuches sind. In meiner Studentenzeit hab ich mich weniger an Rezepte gehalten, sondern eher spontan gekocht. Auch heute benutze ich Rezepte eher als Inspiration. Scheinbar bin ich da aber nicht die Einzige. „Filmreif Kochen“ eignet sich als Inspirationsquelle hervorragend. Aufpassen sollte man unbedingt beim Abschmecken und sich nicht genau an Salzangaben halten, da Geschmäcker unterschiedlich sind und man sonst leicht etwas versalzen kann.

Ich persönlich habe, trotz Histaminintoleranz, gute Erfahrungen mit dem Kochbuch gemacht. Einige Zutaten musste ich zwar umstellen, aber dies fiel mir sehr leicht. Zum Beispiel habe ich Dilophosaurus, eine Art Pho, also asiatische Suppe, mit Huhn statt mit Schweinefleisch gekocht und werde sie bestimmt so noch einmal kochen. Mein Lieblingssnack sind die kleinen Feuerteufel, das sind Cashews, welche in Ahornsirup und Chilli (bei mir Cayennepfeffer) karamellisiert sind. Ich empfehle dabei das Sonnenblumenöl wegzulassen. Auch sehr lecker sind die Scones mit Frischkäse-Lachs Creme aus dem Kapitel Game of Scones und Salatbowl mit Maultäschlemotiv aus dem Cookbuster Tatort (bei beiden Rezepten müssen einige Zutaten, um es histaminarm zu machen, ausgetauscht werden, aber es gelingt trotzdem sehr gut!).

Ich empfehle dieses Kochbuch als Weihnachtsgeschenk für Studenten, die gerne Kochen, Serien und Filme lieben und gerne gesellige Abende mit Freunden ausrichten. Und ganz ehrlich? Auf welchen Student trifft das nicht zu?

  • Cover
  • Rezeptideen
Veröffentlicht am 14.10.2019

Dregs & Pures

Die Arena: Grausame Spiele
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Hayley Barker war Englishlehrerin bevor sie sich dem Schreiben widmete. „Die Arena“ ist die Übersetzung ihres englischsprachigen Debüts „Show Stopper“. Die beiden Titel, der Originaltitel und der Titel ...

Hayley Barker war Englishlehrerin bevor sie sich dem Schreiben widmete. „Die Arena“ ist die Übersetzung ihres englischsprachigen Debüts „Show Stopper“. Die beiden Titel, der Originaltitel und der Titel seiner deutschen Übersetzung, lassen schon ahnen, dass es sich in diesem Jugendbuchroman unter anderem um einen Zirkus handelt. Dieser befindet sich in einer Welt, in der die Menschen in Dregs und Pures aufgeteilt sind. Der Zirkus ist eine komfortable Möglichkeit für die Pures Dregs loszuwerden, auch wenn das einigen nicht schnell genug geht. Stellvertretend für beide Lager übernehmen Ben und Hoshiko die Hauptrollen. Aus ihren Blickwinkeln ist die Geschichte erzählt.

Hoshiko ist eine Dreg und der „Showstopper“ im Dregzirkus. Sie wurde als kleines Mädchen ihrer Familie entrissen, weil sie sich in einem Auswahlverfahren für den Zirkus qualifiziert hat. Die meisten Dregs nehmen an diesem Auswahlverfahren, genau wie Hoshiko, nicht freiwillig teil.
Ben ist ein Pure. Er kennt nur ein schönes, privilegiertes Leben und ist dementsprechend sehr naiv, als er das erste Mal in den Zirkus kommt, auch, wenn er schon vorher in ein leises Zweifeln über sein Leben gekommen ist. Doch, was er im Zirkus erlebt, verändert Stück für Stück seine Weltanschauung und damit sein Leben komplett.

Besonders erschreckend wird die Weltanschauung der Pures, wenn man aus Bens Sicht von seiner Familie liest. Hayley Barker schreibt so, dass man gewisse politische Meinungen heute und auch in der Geschichte in vielen Zeilen wiedererkennt. Somit wird dieses Buch leider immer aktuell bleiben und als Jugendbuch hoffentlich auch ein paar Jugendliche nachdenklich machen.

Spannend, zum Nachdenken anregend und mitreißend mit einer süßen Liebesgeschichte, aber auch dunkel und brutal, ist „Die Arena“ ein Buch, welches bestimmt eine breite jugendliche Leserschaft zum Lesen animieren wird. Während Ich glaube, dass dieses Buch zeitlos ist, ist es meiner Ansicht nach aber kein Buch für alle Altersgruppen. Ich empfinde es als ein spezifisches Jugendbuch. Die Liebesgeschichte entwickelt sich sehr schnell, die Charaktere und ihre Welt müssten für ein All-Age- Roman viel ausgeschmückter sein und die Sprache ist sehr einfach gehalten. Dies alles spricht aber nicht gegen das Buch. Ich würde es nur niemandem empfehlen, der lieber All-Age -Romane und weniger Jugendbücher liest. Jedem Jugendbuchfan möchte ich diese Distopie aber ans Herz legen und ich freue mich auf den zweiten Teil.

Veröffentlicht am 12.08.2019

Ein sehr lehrreiches Buch

Sal
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❗️Warnung: Im Folgenden geht es um ein Buch mit sehr vielen Triggern. Traumatisierten Menschen, die empfindlich auf Trigger reagieren, wird hiermit ans Herz gelegt weder dieses Buch, noch Rezensionen zu ...

❗️Warnung: Im Folgenden geht es um ein Buch mit sehr vielen Triggern. Traumatisierten Menschen, die empfindlich auf Trigger reagieren, wird hiermit ans Herz gelegt weder dieses Buch, noch Rezensionen zu diesem zu lesen. ❗️

„Sal“ ist das Debüt des Englischlehrers Mick Kitson und erschien im Original im März 2018 im Canongate Books Verlag. Dieses Buch gewann den „The Saltire Society First Book Of The Year Award“. Die Ausgabe, die ich im folgenden rezensieren möchte, erscheint im August 2019 im Kiepenheuer& Witsch Verlag und wurde von Maria Hummitzsch übersetzt. Mick Kitson schrieb „Sal“, weil er enttäuscht von den Büchern auf seinem Lehrplan war. Er wollte ein Buch schreiben, über das er gerne im Unterricht reden wollen würde. Mick Kitson hat zwei Töchter und einen Sohn. Er angelt gerne Meerforellen, baut Erdbeeren an und baut Boote. Als naturverbundener Vater weiß er also worüber er in „Sal“ schreibt und kann sich gut in seine Protagonistin Sal hineinversetzen und kann sich denken, was in deren Kopf vor sich geht.

Doch Sal hat keinen tollen Vater und befindet sich nicht freiwillig in der Wildnis Schottlands. Sie hat den Liebhaber ihrer suchtkranken Mutter umgebracht, weil der angedroht hat, bald auch ihre Schwester zu vergewaltigen. Sie hat sich über Monate, unter anderem mit YouTube Videos, vorbereitet mit ihrer Schwester in der Wildnis zu überleben, weil sie nicht von ihrer frechen kleinen Schwester Peppa getrennt werden möchte. Auch den Mord an ihrem Vergewaltiger hat sie sorgfältig geplant. Dieses Buch behandelt somit sehr wichtige Themen. Wie überlebt man in der Wildnis? Und tut Sal das Richtige? Gibt es andere Wege? Über diese Themen kann man unter anderem im Unterricht mit seiner Klasse bei Behandlung des Buches reden.
Mick Kitson hat „Sal“ aus der Sicht Sals geschrieben. Das macht das Buch einerseits so besonders, aber andererseits beschert es ihm auch gleich einen Minuspunkt. Kommen wir erst einmal zu den positiven Punkten. Dadurch, dass Sal aus der Sicht der 13jährigen geschrieben worden ist, erfährt der Leser wie reif das notgedrungen schon erwachsene Mädchen ist, aber auch, dass sie immer noch ein kleines Kind ist. Man erfährt, wie es sich anfühlt wegen eines furchtbaren Traumas an Dissoziationen zu leiden. (Ein weiteres sehr wichtiges Thema, wie ich finde.) Auch wie einsam und verloren sich Sal fühlt und wie dankbar sie für jedes bisschen Liebe und Zuneigung ist, wird gut beschrieben.
Negativ an der auf Sal beschränkten Sicht ist, dass die Spannung sich auf Dauer in Grenzen halten muss, aber auch, dass Ingrids Geschichte, welche eigentlich sehr spannend ist, sich liest, wie der Aufsatz einer 13jährigen. Das spricht zwar einerseits für den teilweise außerordentlichen Realismus des Buches, erweckt aber andererseits den Eindruck, als wäre das Buch falsch aufgebaut worden. Vielleicht hätte man Ingrids Geschichte als Erzählung am Lagerfeuer schreiben können. So hätte es nicht so gewirkt, als wäre es komplett aus der Geschichte gefallen, sondern man hätte sich in die Situation des Erzählens besser hinein versetzen können.
Mick Kitson erzählt wunderbar von der Natur und dem Überleben in der Wildnis. Man wünscht sich beim Lesen trotz aller Gefahren dort hin und lernt ganz viel. Jeder Leser, der sich schon einmal einen Survivaltrip erträumt hat, wird „Sal“ bestimmt gerne lesen.
Insgesamt ist „Sal“ also ein Buch, welches ich mit seinen Themen und Naturbeschreibungen, aber auch wegen seinen Protagonisten gerne empfehlen möchte.

Veröffentlicht am 15.04.2019

Witchmark

Witchmark. World Fantasy Award für den besten Fantasy-Roman des Jahres 2019
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Der Roman „Witchmark“ ist ein Debüt der Autorin C.L. Polk und könnte in unserer Welt spielen. Es herrscht eine Stimmung wie nach dem ersten Weltkrieg, was in unserer Welt 1918 geschah. Das Auto kommt gerade ...

Der Roman „Witchmark“ ist ein Debüt der Autorin C.L. Polk und könnte in unserer Welt spielen. Es herrscht eine Stimmung wie nach dem ersten Weltkrieg, was in unserer Welt 1918 geschah. Das Auto kommt gerade in Mode, die ersten Autos gab es in unserer Welt schon Ende des 19. Jahrhunderts. Auch liest sich die Zusammenfassung eines der Bücher, die erwähnt werden, wie „Rebecca“ von Daphne du Maurier, ein Buch, dass in unserer Welt 1938 erschienen ist.

Und doch merkt man, abgesehen von diesem scheinbaren Zeitenmix schnell, dass es sich hier um eine Parallelwelt handeln muss, denn der größte Unterschied, zu unserer Welt, ist, dass hier die Menschen nicht wegen Hautfarbe, Sexualität oder Gender diskriminiert werden, sondern wegen der Schwäche oder Stärke ihres magischen Talents. Und so dürfen sich die mit dem stärkeren magischen Talent, die Sturmsänger, Leute mit schwächerem magischen Talent, die Hexen, aussuchen und diese, auch gegen deren Willen, an sich binden. Diese Unfreiheit, die eine Art Sklavenhaltung ist, hat dementsprechend auch schlimme Auswirkungen auf die Hexen. Auch Hexenjagden gibt es, denn viele Hexen verstecken sich lieber, um in Freiheit zu leben. Wenn eine Hexe aber gefunden wird, wird sie in eine Irrenanstalt gebracht, bevor sie durch ihre, nicht mit einem Sturmsänger geteilte Magie, dem Wahn verfällt. Hexen erkennen einander an ihrem Hexenmal („Witchmark“), weswegen es wichtig ist, die Fähigkeit zu erwerben, dieses zu verstecken.

Eine der Hexen ist Dr. Singer. Er ist die Hauptfigur des Fantasyromans „Witchmark“, der damit beginnt, dass ebendieser auffliegt. Ein Mann wurde ermordert und stirbt auf Dr. Miles Singers Tisch. Ab diesem Zeitpunkt schlüpft Dr. Singer in die Rolle einer Art Dr. Watson. Es findet sich auch schnell ein Gegenstück zu der Figur des Sherlock Holmes in „Witchmark“. Aber erstens entsteht hier eine Liebe von Watson zu Holmes und zweitens besteht ja immer noch die Gefahr aufzufliegen, weil Miles Hexe ist. Auch eine Art Moriaty und Irene Adler werden hier schnell gefunden.

Aber dies sind nicht die einzigen Anspielungen auf Werke anderer Autoren. So gibt es am Schluss eine Szene, die mich stark an eine Folge der ersten Staffel der neuen Doctor Who Serie erinnert hat. Wer sie kennt, dem wird es ähnlich gehen.

„Witchmark“, dessen Einband übrigens im Dunklen leuchtet, liest sich locker und leicht. Es ist angenehm zu lesen. Man fliegt von Seite zu Seite, da man unbedingt wissen möchte, wie alles sein Ende findet.

Zwar bleibt „Witchmark“ in seiner Spannung hinter den Werken, auf die es anspielt, jedoch ist es sehr innovativ. So werden die Fälle nicht auf die wunderbare Sherlock Art aufgedröselt, man erlebt kaum Ermittlungen. Auch in Dr. Who schleicht man mit den Hauptfiguren viel mehr auf die Lösung zu. Hier versteckt sich das alles hinter dem ewigen Wunsch Dr. Miles in Freiheit leben zu dürfen. Selbst gegen jegliche Vernunft oder Mitgefühl für andere seiner Art. Auch wird meiner Ansicht nach viel zu wenig Atmosphäre aufgebaut. Etwas von dem Dr. Who und Sherlock Holmes leben. Aber die Idee Sherlock Holmes und Magie zusammenzupacken ist wunderbar innovativ.

Andererseits entsteht so das Gefühl, als bliebe „Witchmark“ hinter seinem möglichen Potenzial zurück. C. L. Polk hat spannende Ideen, die sie leider nicht ausbaut. Man könnte durch mehr Atmosphäre und mehr sorgfältiges Fallaufbauen so viel mehr Spannung erzeugen. Magie und Ermittlungen könnten ein wunderbares Spiel erzeugen, dass einerseits Kontrast (zum Beispiel in Form von nichtmagischer Polizeiarbeit- wo ist Inspektor Lestrade?) und andererseits Harmonie (wie sieht magische Ermittlungsarbeit mit einem Gehirn, wie dem von Sherlock Holmes, aus?) zur Geltung bringt. So liest sich das Buch zwar gut und hinterließ ein zufriedenes Gefühl, dennoch entsteht bei genauerem Nachdenken bei mir auch Enttäuschung.

Ebenso, dass der Sherlock Holmes Part in seiner Schönheit so alles übertreffend ist, scheint stellenweise sehr aufgetragen, gleichwohl es diese Figur mysteriös macht. Doch da man hier kaum nennenswerte Ermittlungsarbeit von diesem erlebt, bleibt er eine mysteriöse, gut aussehende Hülle. Viel lieber hätte ich mehr von seiner Wut, wenn schon nicht von seinem Gehirnschmalz, oder anderen Emotionen gelesen, als Dr. Singers Bewunderung.

Und dennoch, weil es sich angenehm und sehr spannend gelesen hat, kann ich dieses Buch empfehlen. Ich bin gespannt, was wir von C. L. Polk noch erwarten können. Da „Witchmark“ jedoch für mich in sich abgeschlossen ist, wundert es mich sehr, dass es einen zweiten Teil geben soll. Einerseits würde ich diesen auch sehr gerne lesen, weil ich hoffe, dass in diesem das Potenzial der Ideen C. L. Polk endlich ausgeschöpft werden, andererseits kann ich mir nicht vorstellen, wie dies aussehen soll und befürchte einen verkrampften Versuch einen in sich abgeschlossenen Band in die Länge zu ziehen. Ich bin sehr gespannt und hoffe das Beste.