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Veröffentlicht am 14.07.2020

In dieser Zeit großes Theater!

»Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten« und »Einladung zum Klassentreffen«
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Vor zwei Jahren fragte mich Martin Schörle, ein bis dahin für mich unbekannter Autor, ob ich Interesse hätte sein Buch zu lesen und euch dieses vorzustellen. Die Umstände damals machten es mir leider nicht ...

Vor zwei Jahren fragte mich Martin Schörle, ein bis dahin für mich unbekannter Autor, ob ich Interesse hätte sein Buch zu lesen und euch dieses vorzustellen. Die Umstände damals machten es mir leider nicht möglich mich näher mit seinem Werk zu beschäftigen.
Ich gebe zu, ich verlor ihn und sein Buch dann wieder vollständig aus den Augen. Nun hat er mich glücklicherweise erneut gefragt, sodass ich und seine beiden Theaterstücke doch noch zueinander fanden.

Im Gegensatz zu vielen anderen las ich bereits zu Schulzeiten sehr gerne diese kleine gelben Reclam-Heftchen. Viele davon sind ja auch Theaterstücke und ich liebe es bis heute diese zu lesen und mir die Szenen bildlich vorzustellen. Vielleicht spielt da tatsächlich mein Aufwachsen im Theater eine Rolle.

Hier hatte ich nun zwei Theaterstücke vorliegen, die im Aufbau sehr unterschiedlich sind.
,,Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten” ist im groben ein Monolog, gehalten von Hans Fredenbek, einem Verwaltungsbeamten, der sich selbst scheinbar in seiner Arbeit verloren hat und wie in einem Gefängnis, dieser Arbeitswelt nicht mehr entkommen kann. Fredenbek spricht zwar das Publikum und ab und an einen Kollegen an, doch befindet er sich die gesamte Zeit hindurch allein auf der Bühne.
Charakterlich hat mich Fredenbek sehr fasziniert, nicht nur seine wirklich sehr verschachtelte Satzformulierungen, sondern vor allem sein Umgang mit der Außenwelt, die er genauso analysiert und beurteilt, wie einen seiner Fälle vor sich auf dem Schreibtisch. In einigen Szenen musste ich laut lachen, was ich nicht so erwartet hatte, doch der Humor zwang mich dazu.

Auch das zweite Stück ,,Einladung zum Klassentreffen” war sehr unterhaltsam. Hier begegnen wir doch ein paar mehr Figuren. Eigentlich ist es ein Telefonat in der Bahn, das nicht nur bei den Telefonierenden so einige Gedanken und Gefühle beschwört. Das Abitur liegt 20 Jahre zurück und das Klassentreffen steht an. Natürlich dreht sich das Gespräch und man beginnt darüber zu reden, wie das Leben danach weiterging. Von der inhaltlichen Entwicklung fand ich das Stück doch etwas vorhersehbar, doch hat es mich wirklich gut unterhalten.

Satirisch und doch an einigen Stellen sehr realistisch zeigt uns Martin Schörle mit Tempowechsel und Leidenschaft in seinen Texten oder Stücken eine moderne, intensive Theaterwelt. Grade im Hinblick auf die Corona-Beschränkungen, die zur Zeit die Stückauswahl so kompliziert gestalten, sind solche Stücke eine wunderbare Möglichkeit mit Abstand Theater zu gestalten. Ich würde mich jedenfalls freuen, besonders Herrn Fredenbek mal auf der Bühne zu sehen, stellt er doch für mich eine sehr komplizierte Rolle mit viel Rollenstudium dar.

Ich kann wirklich nur empfehlen sich mit beiden Stücken einmal auseinander zusetzen. Ich könnte mir allerdings auch wirklich vorstellen, dass die verschachtelten Sätze des Herrn Fredenbek viele Leser stören könnten. Ich fand sie, genau wie das gehobene Sprachniveau eine tolle Abwechslung zu meinem restlichen Leseweg der letzten Zeit.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.04.2020

Wunderbar umgesetzt

Auf einer Skala von 1 bis 10
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Da ich selbst so einige Erfahrungen mit psychischen Problemen, Psychiatern und Psychiatrien habe, bin ich immer zu haben für Bücher über diese Thematik.
Dementsprechend habe ich mich sehr gefreut, als ...

Da ich selbst so einige Erfahrungen mit psychischen Problemen, Psychiatern und Psychiatrien habe, bin ich immer zu haben für Bücher über diese Thematik.
Dementsprechend habe ich mich sehr gefreut, als ich dieses Buch in Händen halten durfte.

Ehrlich gesagt hatte ich tatsächlich etwas mehr von dem Buch erwartet, auch wenn die Umsetzung der Thematik wirklich sehr gut ist. Besonders die Darstellung der Wechsel zwischen psychotischen Schüben und ruhigen Phasen fand ich sehr gelungen. Dieses Gefühl machtlos zu sein, obwohl man weiß, dass eigentlich alles ,,in Ordnung” ist…
Wer selbst solche Erfahrungen gemacht hat, wird wissen, dass man oft selbst denkt, wie schwachsinnig man sich gerade verhält… und doch kann man einfach nicht anders… Diese Gedanken, Ängste, Zwänge im Kopf, die einen beherrschen, von denen man doch oft weiß, dass sie unbegründet sind… und doch handelt man nach ihnen, weil es einfach nicht anders geht…

Ich habe selbst so einen Begleiter… chronische PTBS… Posttraumatische Belastungsstörung. Und oft verhalte ich mich für Mitmenschen, die mich nicht schon länger kennen, eigenartig… Ich weiß, dass einige Dinge Schwachsinn sind und doch kann ich nichts dagegen tun.
Ein Beispiel:
Ich liege abends in meinem Bett und schaue einen Film. Bis auf eine kleine Lampe, mit der ich auch schlafe, ist alles Licht aus. Ich schalte den Fernseher aus und lege mich hin zum Schlafen. Ich muss die Decke über meinen Kopf ziehen, weil ich Angst habe, dass mir sonst etwas passiert… Völliger Unsinn… Grade eben war der Fernseher noch an, da konnte ich ohne Decke über dem Kopf im Bett liegen. Die Grundsituation hat sich nicht verändert. Ich weiß es, aber meine Psyche sieht das ganz anders.

Diese Gedankenspirale ist wirklich beeindruckend in der Geschichte dargestellt worden.
Das gesamte Konzept des Buches wirkt sehr stimmig. So spiegelt auch die Erzählweise einen nicht strukturierten, klaren Geist. Der Schreibstil wirkt sprunghaft, durcheinander, schwankt zwischen längeren Episoden und nur kurzen Momentaufnahmen. Auch zeitlich springen wir immer wieder hin und her zwischen dem jetzigen Klinikgeschehen und den Ereignissen, wie es dazu überhaupt kommen konnte.
Auch das Zusammenspiel der verschiedenen Patienten und ihren jeweiligen Erkrankungen ergaben ein durchweg rundes Bild für mich. Die Atmosphäre und das Verhalten der Ärzte und Pfleger erinnerte mich an meinen eigenen Aufenthalt in der Psychiatrie, wenn es auch keine geschlossene war. Was nun allerdings nicht durchweg positiv zu verstehen sein soll, aber dazu gleich mehr.

Erst möchte ich nun einmal auf Tamar eingehen. Als die junge Protagonistin von dem Tod ihrer Freundin erfährt, steht für sie fest, sie sei Schuld an diesem. Sie fühlt sich wie Iris’ Mörderin! Sie rutscht in die Depression und beginnt sich selbst zu verletzen. Ihr Denken und ihre Gefühlswelt erschien mir im großen und ganzen sehr schlüssig, wenn man ihre Erkrankung miteinbezieht.
Letztlich landet sie in Lime Grove, einer geschlossenen Jugendpsychiatrie. Hierzu muss sich eigentlich jeder Leser selbst ein Bild machen, doch ich möchte noch ein paar negative Kritikpunkte anbringen:
Die Therapieart an sich fand ich persönlich unrealistisch. Wir erfahren recht wenig über die Klinikzeit an sich und Gruppentherapien, die zumindest in Deutschland, zu so gut wie jedem Psychiatrischen Therapieprogramm gehören, gibt es nicht. Ich weiß nicht, ob dies in anderen Ländern anders ist. Dies ist auch generell der Punkt von dem ich im Buch mehr erwartet hätte. Die Therapiesitzungen, also die Einzelgespräche weckten bei mir Erinnerungen an meine behandelnde Ärztin damals… Sie war eine Katastrophe… lach

Dies soll nun aber nicht das ganze Buch schlecht machen, denn es ist wirklich ein absolut gelungenes Debüt!

Zum Ende hin zeigt uns die Autorin, dann auch noch eine wichtige Seite, was Therapie an sich angeht: Vieles hängt einfach am Patienten. Ärzte und Therapien sind an sich ,,nur” Hilfestellungen. Der Patient trägt einiges zu seinem Genesen oder eben nicht bei.

Abschießend möchte auch ich noch einmal daraufhinweisen, das Buch hat nicht umsonst hinten auf dem Einband eine Trigger-Warnung stehen. Es enthält doch einige sehr harte Szenen und ich denke grade junge Leser, die ähnliche Probleme haben und mit diesen noch nicht wirklich abgeschlossen haben, werden beim Lesen doch einige unangenehme eigene Gedanken finden.
Ich selbst hatte doch mit einer noch heftigeren Geschichte gerechnet, doch darf man hier auch nicht die Altersempfehlung vergessen und gerade auch eben diese Trigger-Warnung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.08.2019

Schade, dass wohl keine Fortsetzung folgt.

Golden Darkness. Stadt aus Licht & Schatten
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Gleich von Beginn an fesselte mich die Geschichte!
Die Atmosphäre ist ziemlich düster und es fällt schwer zwischen schwarz und weiß zu unterscheiden. Ein Geheimnis jagt das nächste und auch die Figuren ...

Gleich von Beginn an fesselte mich die Geschichte!
Die Atmosphäre ist ziemlich düster und es fällt schwer zwischen schwarz und weiß zu unterscheiden. Ein Geheimnis jagt das nächste und auch die Figuren sind alle sehr undurchsichtig. Grade das hat mir hier sehr gefallen. Sie sind dennoch alle gut erarbeitet und wirken nicht oberflächlich, obwohl so viele Geheimnisse im Spiel sind.

Die Geschichte an sich ist dennoch zwischendrin etwas vorhersehbar, da sie doch in der Mischung aus Fantasy und Dystopie an sich nichts Neues ist. Da ich aber durchgehend einen Spannungsbogen vorfand und den magischen Aspekt

Lucie, die Protagonistin, mochte ich gleich, weil schnell deutlich wird, dass sie keine perfekte Heldin ist. Sie will auch eigentlich keine sein, da sie lieber im Hintergrund bleibt, was durch ihre Beziehung zu Ethan nicht wirklich gut funktioniert. Ihre Gefühlswelt, zerrissen zwischen zwei Welten, wurde wirklich gut geschildert und es war wirklich faszinierend wie klug und stark sie in ihren Überzeugungen und Ansichten ist.

Die Story wird relativ schnell und flüssig erzählt. Soweit ich weiß, ist dies ein Einzelband, was leider einiges an Potential verschenkt hat. Ich denke als Dilogie wäre einiges noch besser rübergekommen.
Das Ende hat mich dann doch noch einmal sehr überrascht, denn es ist kein Happy End. Auch lässt es einige Fragen offen, sodass man sich doch einen zweiten Band gewünscht hätte. Auch wenn die Botschaft des Endes eigentlich eine sehr interessante ist.
Zumal auch Lucies Entwicklung noch nicht abgeschlossen scheint.
UND ich hätte mir definitiv ein paar mehr Infos zur Magie und den beiden Städten gewünscht. Die vorhandenen Erklärungen waren einfach etwas unstrukturiert hatte man das Gefühl, dadurch fällt es einem etwas schwer vollständig und tief in die Geschichte einzutauchen. Dies ist dennoch ,,meckern” auf hohem Niveau.

Mich hat das Buch jedenfalls sehr gut unterhalten, was vor allem Lucies starkem Charakter zu zuschreiben ist, aber auch an den beiden Jungs Ethan und Carwyn. Wobei letzterer ziemlich klischeehaft jugendbuchmäßig daherkommt, was ja aber nicht nur schlecht sein muss.
Schade, dass wohl keine Fortsetzung folgt.

Veröffentlicht am 29.08.2019

“ Je länger die Stille andauerte, desto mehr fühlte sie sich wie eine Wand an, die zwischen ihnen aufragte und von der Rayne nicht wusste, wie sie sie einreißen sollte.“

Rayne - Die Macht der Schatten
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Dieses Buch ist sozusagen der Nachfolger von ,,Elathar – Das Herz der Magie”, dennoch muss man dieses nicht zwingend kennen, um Raynes Geschichte hier verfolgen zu können. Alle die Elathar und Rissa kennen, ...

Dieses Buch ist sozusagen der Nachfolger von ,,Elathar – Das Herz der Magie”, dennoch muss man dieses nicht zwingend kennen, um Raynes Geschichte hier verfolgen zu können. Alle die Elathar und Rissa kennen, werden sich sicherlich freuen, nun ihrer Tochter zwischen die Seiten folgen zu können.
An sich ist ,,Rayne” aber als Einzelband zu betrachten, was für mich zwischen all den Trilogien, Dilogien und so weiter eine schöne Abwechslung war.

Bevor ich nun die erste ,,Kritik” äußere, möchte ich gerne betonen, dass mir die Geschichte wirklich sehr gut gefallen hat und ich komplett im Buch abtauchen konnte.

Die Grundidee des Buches mit dem Todesschlaf muss ich sagen, hat mich etwas an ,,City of Bones” erinnert. Ja, ich weiß, die Sache mit dem Schlaf steht bereits im Klappentext, trotzdem kam mir dieser Gedanke beim Lesen und deshalb wollte ich ihn erwähnen.

Der Schreibstil und die Erzählperspektive fand ich super. Ich mag es, wenn man nicht nur eine Sichtweise bekommt. Hier wird die Story hauptsächlich aus den Blickwinkeln der 17-jährigen Rayne und dem etwas älteren Skandar erzählt. Ab und an kommen aber auch noch die Brüder von beiden zu Wort, was nochmal andere Blickwinkel in die Geschichte bringt.
Beide Protagonisten sind ziemlich starke Persönlichkeiten.
Rayne hat die magische Begabung ihrer Mutter geerbt. Sie ist empathisch, mutig und wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, versucht sie dieses auch umzusetzen. Sie weiß genau, was sie will und muss einem einfach ans Herz wachsen.
Skandar ist der Bruder von Raynes Verlobtem und gerade aus der Verbannung zurückgekehrt. Er ist Schuld am Tod seines ältesten Bruders und wie man sich vorstellen kann recht einsam. In Kombination mit Rayne gefiel er mir sehr, da er nicht nur einen großartigen Humor besitzt, sondern auch einiges an Temperament. Außerdem liegt ihm viel am Land und den Menschen, wo sich Rayne und er wohl einig sind.
Seine charakterliche Entwicklung im Laufe der Geschichte gefiel mir am besten!

Im Buch finden wir als Leser übrigens auch eine tolle Karte durch die es leichter ist der Handlung zu folgen, und diese zu visualisieren, allerdings sollte man diese fürs nächste Mal lieber vorne im Buch abdrucken.
Mir ist sie durch Zufall zwar schon zu Beginn aufgefallen, allerdings denke ich, blättern die meisten Leser nicht vorm Lesen auf die letzten Seiten, um zu schauen, ob sich dort eine Karte versteckt.

Veröffentlicht am 15.08.2019

„Es ist nur ein Buch!“ Nein, ist es eben nicht! „Das Reich der sieben Höfe“ ist viel mehr…! Es ist Zuhause…

Das Reich der sieben Höfe − Sterne und Schwerter
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Schon die vorherigen Bände waren etwas ganz besonderes, aber Band 3 toppt das Ganze noch einmal.

Feyre ist zurück an Tamlins Hof. Sie hat Rhys zum Schein hinter sich gelassen und spielt das arme Opfer…
Es ...

Schon die vorherigen Bände waren etwas ganz besonderes, aber Band 3 toppt das Ganze noch einmal.

Feyre ist zurück an Tamlins Hof. Sie hat Rhys zum Schein hinter sich gelassen und spielt das arme Opfer…
Es treibt sie die Rache…
Tamlin und der König von Hybern sollen vernichtet werden…
Doch dass sie sich selbst damit ein Bein stellt, hätte Feyre nie gedacht…

Eine Wendung jagt die nächste, die Spannung steigt in ungeahnte Höhen… Hoffnung und Verzweiflung geben sich auch in diesem Band die Klinke in die Hand…
Ich kann meine Emotionen beim Lesen kaum in Worte fassen!
Für mich ist Prythian mit all seinen Bewohnern ein Stück Heimat geworden.

Die Charaktere sind so wundervoll ausgearbeitet. Überhaupt beschreibt Sarah J. Maas so bildlich und einprägsam, dass man denkt, man stünde direkt neben den Protagonisten auf dem Schlachtfeld!
Gewalt, Sex, Liebe und Freundschaft… Die Autorin hat meiner Meinung nach in diesem Buch wirklich die perfekte Mischung gefunden!

Feyre, Rhys und die anderen sind tief in mein Leserherz vorgedrungen. Dieses musste beim Lesen wirklich viel erleiden: Stehen bleiben, Schneller schlagen, zu Stein erstarren…
Kurz vor Ende des Buches hatte ich dann tatsächlich Tränen in den Augen – was mir beim Lesen doch sehr selten passiert…

Ich muss wirklich jedem, der diese Reihe noch nicht begonnen hat, raten so schnell wie möglich den ersten Band zur Hand zu nehmen und sich von Prythian und den Charakteren gefangen nehmen zu lassen…!