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Veröffentlicht am 15.03.2025

Zu viel und gleichzeitig zu wenig

Vor hundert Sommern
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In „Vor hundert Sommern“, der neue Roman von Katharina Fuchs, bin ich sehr leicht reingekommen. Die Autorin schreibt sehr flüssig und angenehm, außerdem hatte ich große Lust auf einen historischen Roman. ...

In „Vor hundert Sommern“, der neue Roman von Katharina Fuchs, bin ich sehr leicht reingekommen. Die Autorin schreibt sehr flüssig und angenehm, außerdem hatte ich große Lust auf einen historischen Roman. Katharina Fuchs bedient sich dem Konzept von zwei verschiedenen Zeitebenen, welches für mich immer wieder gut funktioniert.
Allerdings stelle ich nach einer Weile fest, dass mir die Anzahl der Perspektiven hier zu viele sind.
Mir hätte es gereicht, wenn die Geschichte abwechselnd aus Sicht von Lena und Clara erzählt worden wäre.
Außerdem war ich überrascht, dass es doch weniger historischer Roman ist, als gedacht. Mehr als die Hälfte der Handlung spielt in der Gegenwart. Hier ist es dafür wirklich sehr aktuell, denn die Geschichte spielt 2024 und behandelt politische Themen, die gerade sehr aktuell sind. Dadurch war „Vor hundert Sommern“ schon etwas besonderes für mich, denn ich lese selten Bücher, die so sehr im hier und jetzt sind, wie dieses.
Die Autorin arbeitet die erschreckenden Parallelen von damals und heute heraus und schafft somit ein Werk, was den Leser nachdenklich stimmt.

In der Gegenwart studiert Lena im ersten Semester, doch ihre Introvertiertheit und Kontaktscheue machen es ihr schwer, Anschluss zu finden. Beim Stöbern auf dem Dachboden ihrer Oma findet sie alte Unterlagen und Gegenstände, wodurch ihre Neugierde, mehr über ihre Vorfahrin Clara zu erfahren wächst.
Vor hundert Jahren lebte Clara in ärmlichen Verhältnissen. Geld verdiente sie mit der sehr beschwerlichen Tätigkeit des Flaschenputzens. Als sie ihren Job verliert, stellt sich dies als ihr größtes Glück heraus, denn die wohlhabende Familie Gerling engagiert sie als Hundesitter, wodurch sie Zugang zu neuen Kreisen und Welten erhält.

Das Buch hat fesselnd und voller Potenzial begonnen. Leider entwickelt sich die Geschichte nur sehr gemächlich und rückblickend hatte ich das Gefühl, dass kaum etwas passiert und dass es einfach wahnsinnig lange dauert, bis es Antworten auf offene Fragen gibt. Zum Beispiel findet Lena ganz am Anfang des Buches eine Waffe auf dem Dachboden und dieses Thema vergisst man mit der Zeit fast wieder.
Einerseits passiert nicht wirklich etwas aufregendes und auf der anderen Seite passiert so viel, teilweise belangloses, dass es schwer fällt, den Überblick zu behalten. Insbesondere die Handlungsstränge um Lenas Schwester Anabel und Mutter Anja fand ich leider nicht besonders interessant. Anja schlägt sich durchaus mit realistischen Problemen herum, die aus dem Leben gegriffen sind, wie soll sie Familie und Karrierewünsche unter einen Hut bekommen, aber für mich waren weder ihre Überlegungen noch die von Influencerin Anabel fesselnd. Eine Verbindung zu Claras Leben konnte ich nicht wirklich erkennen und weiß deswegen nicht, warum wir über all diese Lebenskrisen so genau Bescheid wissen müssen.
Seltsam fand ich außerdem, dass Claras Geschichte von Lenas Oma Elisabeth erzählt wird und zwar wahnsinnig detailliert, obwohl diese zu der Zeit noch nicht mal auf der Welt war. Das Erzählttempo von Elisabeth ist extrem gemächlich was kurioser Weise von Anja und Lena ebenfalls bemängelt wird.
Mir ist es schwer gefallen, mich länger auf das Buch zu konzentrieren, weil es einfach keinen Spannungsbogen gibt und man sich so überschüttet mit Themen fühlt, die irgendwie nirgendwohin führen. Das Ende konnte es für mich dann auch nicht mehr rausreißen.

Es tut mir leid, aber diese Buch war für mich leider eine Enttäuschung.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Charaktere mit Ecken und Kanten

Schmerz
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Durch den beschrifteten Farbschnitt sticht Jon Atli Jonassons „Schmerz“ direkt ins Auge. Die ansonsten minimalistische Covergestaltung verleiht dem Buch eine edle Optik.
Ich mag es, wenn Charaktere Ecken ...

Durch den beschrifteten Farbschnitt sticht Jon Atli Jonassons „Schmerz“ direkt ins Auge. Die ansonsten minimalistische Covergestaltung verleiht dem Buch eine edle Optik.
Ich mag es, wenn Charaktere Ecken und Kanten haben und die beiden Hauptfiguren Dora und Rado sind alles andere als 08-15. Dora wurde bei einem Einsatz schwer verletzt. Seit dem arbeitet ihr Hirn in seiner eigenen Logik. Ihre Emotionen sind ständig over the top, sie schwankt zwischen Gleichgültigkeit und überlaufenden Emotionen. Gerade weil sie so speziell ist, habe ich Dora schnell ins Herz geschlossen. Ich mochte, wie ehrgeizig sie an Fällen arbeitet und wie sie hinterfragt, ob ihre Kollegen vielleicht Recht haben, in dem sie ihr Ermittlungen außerhalb des Schreibtisches nicht mehr zutrauen. Was Dora in der Vergangenheit widerfahren ist, ist schlimm, aber was ihr in „Schmerz“ passiert, war noch heftiger und ich war schockiert, welche Wendung der Autor sich hat einfallen lassen. Dadurch wurde Dora definitiv zu einem Charakter, den man so schnell nicht vergisst.

Am Anfang konnte ich mir nicht vorstellen, wie aus Dora und Rado ein Team werde soll. Denn obwohl Rado Dora nur vom sehen kannte, begegnet er ihr zunächst mit Vorurteilen und etwas abfällig. Dies ändert sich allerdings schnell, als etwas Einschneidendes passiert. Ich fand es schön, wie aus Schuldgefühlen echte Zuneigung wurde und wie Rado Dora unterstützt und ihr hilft, sich im Leben zu integrieren.

Was die beiden Hauptcharaktere anbelangt, fand ich diese neue Serie sehr gelungen und ungewöhnlich.
Hinsichtlich des Kriminalfalls hat mir der rote Faden gefehlt. Um was genau soll es gehen?
Um ein verschwundenes Kind oder um eine Drogenbande?
Die Sache mit dem Kind ist zwar das ganze Buch über präsent aber es geht bis kurz vor Schluss nie etwas vorwärts und die Handlung um Morgan nimmt generell sehr wenig Raum ein.
Außer Dora scheint sich sich niemand für das Verschwinden zu interessieren und aus gesundheitlichen Gründen kommt sie auch nicht groß dazu, an dem Fall zu arbeiten.

„Schmerz“ legt den Fokus zu 90 % darauf, dass wir die Charaktere dieser neuen Serie und deren Background kennenlernen. Dass es außerdem noch einen aktuellen Kriminalfall gab, habe ich teilweise sogar vergessen.
Macht aber eigentlich nichts. Ich fand es sogar gut, dass der Aufbau und die Protagonisten ganz eigenen Regeln folgen. An diesen Krimi kann ich mich sicherlich länger erinnern und ich freue mich, dass auf der Innenseite des Umschlags bereits eine Werbung für Band 2 „Gift“ abgebildet ist.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Diese Flut reißt mit

Nachtflut
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Es ist erst Januar und ich habe bereits ein erstes Highlight gelesen. Stina Westerkamps Thriller „Nachtflut“ hat mich ab der ersten Seite mitgerissen und ich war völlig in der Geschichte versunken.

Elsa ...

Es ist erst Januar und ich habe bereits ein erstes Highlight gelesen. Stina Westerkamps Thriller „Nachtflut“ hat mich ab der ersten Seite mitgerissen und ich war völlig in der Geschichte versunken.

Elsa leidet an Panikattacken und ist stark medikamentensüchtig. Ihre Gedanken kreisen permanent um die nächste Dosis oder um den tragischen Unfalltod ihrer Schwester. Als eine Sturmflut angekündigt wird, wartet sie viel zu lange mit der Evakuierung, so dass sie letztendlich gemeinsam mit ihren undurchsichtigen Nachbarn auf Rettung wartet. Der vermeintliche Retter, ihr Ex-Mann Max ist auf dem Weg. Außerdem ist ihre Ex-Affäre Paul aus dem Gefängnis entflohen.
Wer ist Freund und wer ist Feind? Eine Frage, die Elsa möglichst schnell beantworten muss, wenn sie überleben will.

Die Geschichte konzentriert sich auf eine handvoll Charaktere. Tatsächlich waren mir die beiden Männer Max und Paul am sympathischsten und dass, obwohl Paul wegen Totschlag im Gefängnis sitzt. Bei seiner Flucht geht es teilweise nicht zimperlich zu, aber die meiste Zeit wirkte er viel zu rücksichtsvoll und freundlich, so dass ich mir nicht richtig vorstellen konnte, dass er ein Krimineller ist.
Elisa hat mir leid getan. Sie hat ihre Eltern und ihre Schwester verloren. Ihre Ehe ist zerbrochen. Sie führt ein Leben hinter dicken Mauern und verbringt ihre Tage zugedröhnt. Obwohl ich ihr Schicksal ohne Frage schlimm fand, fand ich ihre Art und ihr Auftreten nervig. An ihrer Notlage war sie im Grunde selber Schuld, denn es war ja lange bekannt, dass der Deich mit hoher Wahrscheinlichkeit brechen wird. Deswegen hielt sich mein Mitleid in Grenzen, zumal sie von ihrem Ex erwartet, dass er ins Überflutungsgebiet kommt und sein Leben aufs Spiel setzt.

Die Nachbarn fand ich sehr interessante Charaktere. Es war mir schnell klar, dass diese beiden nicht sind, was sie nach außen suggerieren. Sie geben eine Menge Anlass zu Spekulationen. Am Ende war ich etwas enttäuscht, dass die Handlung mit den Nachbarn letztendlich keinen Bezug zur restlichen Geschichte hatte. In meiner Vorstellung war die Verschwörung viel größer. Das ist aber mein einziger Mini-Kritikpunkt. Ansonsten fand ich „Nachtflut“ einfach mega fesselnd. Die Autorin beschreibt sehr anschaulich das steigende Wasser. Die Vorstellung, dass das eigene Haus mit eisigem Wasser und Schlamm überflutet werden könnte ist schrecklich und beängstigend. Durch den hohen Spannungsfaktor bin ich in einen richtigen Leserausch geraten. Erst auf den letzten Seiten hat man alles durchschaut und das Ende war in dieser Form so nicht vorhersehbar.
Von mir gibt es eine große Leseempfehlung für alle, die Lust auf einen kurzweiligen Thriller haben.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Unkonventionelle Ermittler

Dorn. Hotel der Angst
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„Dorn – Zimmer 103“ ist der Auftakt einer neuen Thrillerreihe von Jan Beck.
Der Kriminalpsychologe Simon Dorn ist am Tiefpunkt seines Lebens angekommen. Nach mehreren Schicksalsschlägen hat er sich komplett ...

„Dorn – Zimmer 103“ ist der Auftakt einer neuen Thrillerreihe von Jan Beck.
Der Kriminalpsychologe Simon Dorn ist am Tiefpunkt seines Lebens angekommen. Nach mehreren Schicksalsschlägen hat er sich komplett von der Außenwelt zurückgezogen und lebt in einem baufälligen leer stehenden Hotel. Seine einzige Kontaktperson außerhalb dieser Mauern ist die Kommissarin Karla Hofer, mit der er inoffiziell an Fällen arbeitet. Als diese ermordet wird und plötzlich deren Kollegin Lea Wagner vor seiner Tür steht, wird aus Dorns sorgsam eingerichteter Ordnung ein gefährliches Chaos.

Die Kapitel sind sehr kurz, wodurch man das Gefühl hat, die Geschichte sehr schnell zu lesen. Die Perspektive wechselt zwischen ca. 5. Charakteren hin und her. Da diese streckenweise namenlos bleiben, ist der Thriller sehr mysteriös und man weiß lange nicht genau, wie diese Menschen zusammenhängen.
Tatsächlich dauerte es fast bis zum Schluss, bis sich eine wage Idee in mir formte, womit wir es hier zu tun haben. Die Auflösung fand ich originell und hat mir gut gefallen.

Dorn fand ich als Charakter sehr speziell und dadurch interessant. Er hat eine grantige Art und ist auf den ersten Blick kein Sympathieträger. Auf jeden Fall bin ich neugierig, ob es ihm gelingen wird, sich aus seinem selbst gewählten Gefängnis zu befreien. Wie er und Lea ein Team werden sollen ist mir noch nicht ganz klar. In diesem Band sind beide eher Einzelkämpfer, deren Wege sich zufällig kreuzen. Auch scheint es keine große Sympathie zwischen den beiden zu geben. Lea und ihre engagierte Art mochte ich ganz gerne.
Beide zusammen könnten auf jeden Fall ein interessantes und unkonventionelles Gespann abgeben und so bin ich schon jetzt neugierig auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 25.01.2025

Abschluss einer Familiensaga

Die Töchter der Ärztin
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„Die Töchter der Ärztin – Zeit des Vertrauens“ habe ich mit Vorfreude, aber auch mit Wehmut erwartet. Da ein Teil des Autorenduos letztes Jahr verstorben ist, wird es nun leider keine weiteren Bücher von ...

„Die Töchter der Ärztin – Zeit des Vertrauens“ habe ich mit Vorfreude, aber auch mit Wehmut erwartet. Da ein Teil des Autorenduos letztes Jahr verstorben ist, wird es nun leider keine weiteren Bücher von Helene Sommerfeld mehr geben.
Zum Glück konnte der dritte Band fertiggestellt werden und wir erfahren, wie es der Familie Thomasius inzwischen geht.

Die beiden Schwestern Henny und Antonia hadern noch immer, wie sie ihr Leben gestalten wollen. Henny ist hin und her gerissen zwischen Berlin und Los Angeles. Wo möchte sie mit ihrer Familie dauerhaft sesshaft werden?
Toni weiß nicht, ob sie ihren Beruf auf Eis legen soll um mit Gundram eine Familie zu gründen und Mutter Ricarda wird damit konfrontiert, dass sie und ihr Mann auf das Lebensende zu gehen.

Der Wechsel zwischen den Charakteren hat mir wieder gut gefallen. Diesmal hat mich Hennys Handlungsstrang am Meisten gefesselt, was mich überrascht hat, denn in den beiden vorherigen Büchern mochte ich sie am Wenigsten.
In „Zeit des Vertrauens“ ist bei ihr einfach immer etwas los. Besonders den Teil in Amerika und ihren Einsatz für die Mexikaner fand ich interessant. Schade, dass diese Handlung aufgrund der Rückkehr nach Berlin ein abruptes Ende nahm.
Toni war mir diesmal etwas zu blass.
Sie sorgt sich um andere, ihre Cousine, ihre Freundinnen... aber bei ihr persönlich passiert nicht viel.

„Zeit des Vertrauens“ ist ein guter Mix aus Liebesgeschichte und Familienroman mit historischen Einschüben.
Die 480 eng beschriebenen Seiten unterhalten gut und ich bin froh, dass ich diese Reihe entdeckt habe.

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