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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2025

Gibt es realistische Krimis?

Fisch Land Tod
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Natürlich nicht, denn die wären schließlich stinklangweilig. Da ich einen der beiden Autoren von anderen Büchern und das Fischland gut kenne, wollte ich die ersten beiden Bände dieser Reihe mit in den ...

Natürlich nicht, denn die wären schließlich stinklangweilig. Da ich einen der beiden Autoren von anderen Büchern und das Fischland gut kenne, wollte ich die ersten beiden Bände dieser Reihe mit in den Urlaub nehmen. Eigentlich kam mir Fischland immer vor wie ein paradiesischer Zipfel an der Ostsee vor, so ganz ohne Kriminalität. Kürzlich jedoch las ich von einer Schießerei in Zingst, was zwar nicht mehr auf dem Fischland liegt, aber gleich dahinter. Und da war auch von Banden und Mafia die Rede, was meine ganze Illusion zum Einsturz brachte.

In diesem Krimi geht es also auch um eine Mafia, diesmal aus Albanien. Vorher aber bringen die Autoren erst einmal ihre beiden Hauptfiguren in Stellung. Ganz nach alter Schule sind beide Figuren höchst unterschiedlich und wollen rein gar nicht zueinander passen. Und mal ehrlich: Welch seriöser Bestatter würde einen Punk beschäftigen, der auch noch vorlaut ist und gerne ins Risiko geht. Natürlich ist das nicht realistisch, aber eben aus dramaturgischer Sicht genau so gewollt.

Die ganze Geschichte ist in Wirklichkeit recht albern, aber eine passende Urlaubslektüre, die man schnell hinter sich bringen kann. Die Orte wurden ein wenig verfremdet, was aber auch normal für einen Krimi ist. Man soll nichts wiedererkennen. Mit zugedrückten Augen vier Sterne, sonst eher drei.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

"Am Borner Strand wird ein Toter angespült" Echt jetzt?

Fisch Land Grab
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Erst dachte ich die Klappentext-Schreiber haben das Buch nicht gelesen, aber dann tauchte dieser Unsinn auch im Text auf. Und das, nachdem am Anfang etwas ganz anderes behauptet wurde. Kennen die Autoren ...

Erst dachte ich die Klappentext-Schreiber haben das Buch nicht gelesen, aber dann tauchte dieser Unsinn auch im Text auf. Und das, nachdem am Anfang etwas ganz anderes behauptet wurde. Kennen die Autoren ihr eigenes Buch nicht?

Nach ihrer Darstellung wurde der Tote aus der Ostsee angeschwemmt und dann in die Rostocker Rechtsmedizin geschafft. So steht es am Anfang des Buches. Und tatsächlich ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass am Borner Strand, wo immer der auch in Born zu finden ist, eine Leiche aus der Ostsee angespült wird, denn Born liegt am Bodden. Später wird Jesper Stein schwimmen wollen. Und dazu fährt er zum Weststrand, der etliche Kilometer von Born entfernt ist. Warum springt er nicht vom Borner Strand ins Wasser? Ich finde das etwas peinlich, ist aber wohl die Strafe, wenn man in Wirklichkeit nicht die komplette Ahnung von den örtlichen Gegebenheiten besitzt.

Der zweite Band dieser Reihe versucht etwas verkrampft die Geschichte aus dem ersten Teil in anderer Form zu wiederholen. Einzelheiten erspare ich mir. Diesmal also die russische Mafia, nicht die albanische. Offenbar wissen die Autoren nicht, was eine Mafia ist, denn in Wirklichkeit beschreiben sie die Handlungen eines Russen, der lediglich Boss einer kleinen Bande ist.

Während man im ersten Band noch einiges Wissenswerte aus dem Umfeld von Bestattern erfährt, versuchen die Autoren nun ihren selbstauferlegten Bildungsauftrag anders zu erfüllen. Und so erfährt man am Anfang jedes Kapitels irgendwelches Zeug, das oft nur in loser Verbindung zum Geschehen steht. Etwa zum "Raubtierkapitalismus". Gibt es den irgendwo wirklich? Oder ist er einfach nur eine Erfindung linker Ideologen. Bei uns jedenfalls existiert er nicht. Aber vielleicht in Russland, das soll ja sowieso die Hölle sein.

Was man hier bekommt ist ein seichter Abklatsch des ersten Teils, voller Klischees und Ungereimtheiten.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Herumstochern in Anekdoten in einer seltsamen Sprache

Heimweh im Paradies
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Als ich Auszüge aus den verschiedenen Presse-Rezensionen las, musste ich oft lachen. Da ist von "skeptisch-ironischer Distanz, aber auch zartem Verständnis", von einer "angenehm beschwingte Erzählmelodie ...

Als ich Auszüge aus den verschiedenen Presse-Rezensionen las, musste ich oft lachen. Da ist von "skeptisch-ironischer Distanz, aber auch zartem Verständnis", von einer "angenehm beschwingte Erzählmelodie in einem gut zu lesenden, lebensnahen Porträt der Exilantenszene" oder von der "Ehre, (Manns) ironischen Stil schön zu kopieren" die Rede. Das ist alles aus meiner Sicht gehobener Unfug. Um Thomas Mann zu verstehen, muss man Thomas Mann sein. Alles andere wird zwangsweise durch die eigene Brille gesehen und entsprechend umgedeutet. Selbst wenn man die Tagebücher des Schriftstellers liest, so weiß man dennoch nicht, wie er bei seiner Niederschrift empfunden hat.

Aber das Publikum liebt diese Boulevardgeschichten, sonst kämen sie nicht täglich im Fernsehen. Es wird dabei stets der Eindruck vermittelt, man wüsste über die jeweiligen Prominenten Bescheid. In Wirklichkeit befriedigt man nur die Neugier fremder Menschen und erfüllt damit offenbar ein Grundbedürfnis. Ob all die Geschichten um Thomas Mann in Kalifornien nun wahr sind oder nicht, ist eigentlich auch egal, denn man kann das nicht mehr nachvollziehen. Selbst bei der Entstehungsgeschichte des "Doktor Faustus" wird man verschiedene Varianten hören, könnte man Mann oder Adorno noch befragen. Und letztlich ist auch das egal, der Roman zählt und bleibt.

Immerhin gelingt es dem Autor dieses Buches wenigstens die Blase der deutschen Exilanten in Los Angeles zu beschreiben. Zum Beispiel bei ihrem eher lächerlichen Versuch, so etwas wie eine Exilregierung zu konstruieren, natürlich mit Thomas Mann an der Spitze. Der hat diesen Unsinn klugerweise abgelehnt. Wie groß diese grandiose Selbstüberschätzung war, zeigt die tatsächliche Bedeutungslosigkeit von Exil-Künstlern im Nachkriegs-Deutschland.

Man erhält mit diesem Buch einen gewissen Einblick, wie die Dinge damals in Kalifornien gelaufen sein könnten, sieht die Unterschiede der einzelnen Persönlichkeiten und bekommt vielleicht eine Vorstellung von den Beziehungen untereinander, die oft von kindlicher Eifersucht belastet waren.

Leider ist der Versuch des Autors, Manns Sprache nachzuahmen, wenn es denn einen solchen gegeben hat, gründlich danebengegangen: Da ist keine Sprachmelodie, sondern ein stotternder Sprachfluss. Der Autor liebt Aufzählungen, beispielsweise die von einigen Hauptsätzen hintereinander, nur durch Satzzeichen getrennt. Und in gewissen Teilen des Textes nehmen auch die Doppelpunkte überhand.

Das Buch ist kurz gesagt eine Enttäuschung, nicht einfach lesbar und an vielen Stellen auch spekulativ. Aber man glaubt am Ende doch, einen gewissen Eindruck erhalten zu haben, wenngleich auch das vermutlich eine Illusion sein wird. Siehe oben.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Wunder gibt es immer wieder … Oder doch nicht?

Laurentius' Wunder
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Bei Kirche und Wunder denkt man sofort an Heiligsprechung. Und um die geht es tatsächlich, aber eben nicht so vordergründig, wie man es vielleicht zunächst befürchten konnte.

Bruder Laurentius sieht, ...

Bei Kirche und Wunder denkt man sofort an Heiligsprechung. Und um die geht es tatsächlich, aber eben nicht so vordergründig, wie man es vielleicht zunächst befürchten konnte.

Bruder Laurentius sieht, als er eines Abends einsam in der Basilika des Klosters sitzt, den Heiligen Franziskus aus seinem Grab aufsteigen. Aufgeregt erzählt er das seinen Klosterbrüdern. Und die erklären ihn für verrückt. Damit setzt sich ein Albtraum fort, der schon in seiner Kindheit begann.

Seine Mutter verschwindet plötzlich ohne Nachricht an ihn. Und das ausgerechnet an seinem 12. Geburtstag. Mit dem Vater kommt er nicht zurecht. In seiner Lehre zum Koch wird er misshandelt, sodass er schließlich ins Kloster flieht. Und nun das.

Zweimal landet er nun in der Psychiatrie, weil er auf seinem Wunder beharrt, schließlich haben die Heiligen auch nie abgeschworen. Und das sind seine Vorbilder. Obendrein sammelt er Informationen wie Franziskus und andere Heilige in der Welt wirken. Natürlich glaubt ihm auch hier niemand. Schließlich landet er im Vatikan genau an der Stelle, die Wunder untersucht, um dem Papst dann Vorschläge zur Heiligsprechung zu unterbreiten.

Das scheint harte Arbeit zu sein, die im Text mit einer gewissen Ironie geschildert wird. Natürlich erweisen sich alle untersuchten Wunder als erlogen oder konstruiert. Schließlich darf Laurentius gemeinsam mit seinem Vorgesetzten seine gesammelten Informationen über das angebliche Wirken der Heiligen überprüfen. Sie reisen nach Bayern und Japan. Aber auch hier zeigt sich, dass es sich lediglich um Missverständnisse handelt. Was also bleibt vom Wunder, das Laurentius erlebt zu haben vorgibt?

Bis zu dieser Stelle erweist sich das Buch als eine ziemliche Überraschung, denn es befasst sich in literarischer Form mit Ereignissen, die scheinbar rational nicht erklärbar sind. Und immer wieder stellt sich heraus, dass all diese scheinbaren Wunder eine Erklärung besitzen oder erfunden wurden. Doch was ist mit der Erscheinung des Heiligen Franziskus, die Laurentius gesehen zu haben glaubt? Wie die Autorin dies auflöst, entscheidet letztlich über den Charakter des Buches. Wie zu erwarten war krönt sie ihren überraschenden Text mit einem zwar scheinbar halboffenen Ende, das aber in Wirklichkeit keine Fragen aufwirft.

Ein sehr unterhaltsames Buch, das sich auch noch gut liest.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Leidige Verwandtschaft

Merciful Truth - Erkennet die Wahrheit
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Agent Kilpatrick stammt aus einer Prepper-Familie, wurde mehr oder weniger vor allem von ihrem Vater verstoßen und ist nun beim FBI. Für ihren ersten Fall musste sie zurück in ihre Heimatstadt in Oregon. ...

Agent Kilpatrick stammt aus einer Prepper-Familie, wurde mehr oder weniger vor allem von ihrem Vater verstoßen und ist nun beim FBI. Für ihren ersten Fall musste sie zurück in ihre Heimatstadt in Oregon. Während der erste Band dieser Reihe vor allem davon lebte, dass das Prepper-Milieu in den USA detailliert beleuchtet wurde, versucht der zweite Band dort anzuschließen, indem er den Extremismus noch auf eine Stufe höher hebt. Regierungsfeindliche Milizen sind das Thema. Zwar ist auch das sicher von gewissem Interesse, aber andererseits leidet diese Fortsetzung etwas darunter, das immer das gleiche Milieu den Hintergrund bildet.

Hierzulande versteht man die Neigung vieler Amerikaner, sich zu bewaffnen, eher nicht. Doch die US-Verfassung besitzt eben einen anderen historischen Hintergrund und lässt den Bürgern deutlich mehr Freiheitsrechte als wir das gewohnt sind. Doch manchen US-Bürgern geht der ganze Staat auf die Nerven, der ihnen Steuern abverlangt, sie für alles Mögliche ausgibt und sie obendrein auch noch gängelt. Manche dieser Typen sammeln dann Gleichgesinnte um sich und versuchen den Staat auf die eine oder andere Weise auszuhebeln. Um eine solche Gruppe geht es in diesem Buch.

Erst werden Brände gelegt und dann auch noch Polizeibeamte erschossen, die zu diesen Bränden kamen. Das ruft Agent Kilpatrick wieder auf den Plan. Zu ihrem Leidwesen gehört auch ihr Bruder Owen zu dieser seltsamen Truppe, die nach dem Führerprinzip organisiert ist, also keineswegs nach irgendwelchen demokratischen Ideen, die sie angeblich verteidigen will.

Ähnlich wie im ersten Band bleibt der Spannungsbogen auch hier relativ flach, und man weiß schon ziemlich zeitig, worum es eigentlich geht, auch wenn gewisse Geheimnisse erst am Ende gelüftet werden. Natürlich bringt sich Mercy wieder in Gefahr, natürlich wird sie gerettet und natürlich bekommen die Bösewichte ihre Strafe. Wirklich interessant sind dagegen das Milieu und die Denkweise der Aufrührer, die wie so oft aus einem kriminellen Kopf und jeder Menge minderbemittelter Mitläufer besteht. Bleibt zu hoffen, dass der letzte Band dann etwas aus diesem Milieu ausbricht und Neues bringt.

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