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Veröffentlicht am 04.01.2026

Zwei Frauen kämpfen für ihre Träume

Montmartre - Traum und Schicksal
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Traum und Schicksal, zwei Begriffe, die diesen Roman meiner Meinung nach gut zusammenfassen. Valérie Dumas muss aus familiären Gründen den älteren und nicht besonders sympathischen Künstler Baptiste Germain ...

Traum und Schicksal, zwei Begriffe, die diesen Roman meiner Meinung nach gut zusammenfassen. Valérie Dumas muss aus familiären Gründen den älteren und nicht besonders sympathischen Künstler Baptiste Germain heiraten. Elise Lambert, die andere Hauptprotagonistin, muss lernen, dass Freundschaften nicht alle Krisen überstehen und dass Machenschaften und Neid unter Frauen anders als bei Männern, aber nicht minder bösartig ablaufen können.

Valérie versucht trotz der schwierigen Eheverhältnisse, ihren Traum von der Malerei weiterzuleben. Genau darin liegt einer der großen Treiber der Handlung, die gut zeigt, wie es Frauen zu dieser Zeit erging. Es war ein harter Kampf in einer Männerdomäne, und Frauen hatten kaum Möglichkeiten, ihre Wünsche und Vorstellungen zu artikulieren. Elise hingegen erkennt, dass der Alltag im Tanz aus Freundinnen Rivalinnen machen kann und dass das Leben seine eigenen Gesetze schreibt.

Beide Frauen sind sehr starke Persönlichkeiten und hatten meine Sympathie. Für mich ist Valérie jedoch die größere Heldin, weil sie es schafft, das Beste aus ihrem Schicksal zu machen, und eine Entwicklung durchläuft, die für mich noch stärker wirkt als die von Elise.

Die vielen Nebenfiguren, teilweise reale Persönlichkeiten wie z.B. der Kunstmaler Henri de Toulouse-Lautrec, sorgen für eine Vielfalt an Charakteren, die den Roman tragen. Henri hat mir in diesem Band besser gefallen als im ersten. Er zeigt in einigen Passagen seinen im Innersten liebevollen Charakter, auch wenn er insgesamt eine sehr tragische Figur dieser Dilogie bleibt.

Der Schreibstil der Autorin ist gut lesbar und verständlich. Besonders gefallen hat mir die Darstellung der politischen Situation in Paris und Frankreich zu dieser Zeit, die die Autorin anpassenden Stellen in den Roman einfließen lässt.

Das Ende des Romans hat mir persönlich nicht ganz so zugesagt, aber das ist natürlich immer eine subjektive Sache. Insgesamt bleibt der Eindruck aber sehr positiv. Ein Roman über die Träume von Frauen und ihr Schicksal in einer Epoche großer Umwälzungen und Veränderungen.

9/10 P.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Rückkehr nach Leipzig

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Auch der vierte Band rund um das Graphische Viertel in Leipzig hatte es wieder in sich. Wir kehren zurück in die Bücherstadt Sachsens, und Bücher stehen natürlich erneut im Mittelpunkt des Romans.

Diesmal ...

Auch der vierte Band rund um das Graphische Viertel in Leipzig hatte es wieder in sich. Wir kehren zurück in die Bücherstadt Sachsens, und Bücher stehen natürlich erneut im Mittelpunkt des Romans.

Diesmal geht es um den fiktiven Club Casaubon: Vier Freunde und eine junge Frau stehlen besondere okkulte Bände. Geheime Mächte ziehen sie dabei immer tiefer in ihren Bann. Die zweite Zeitebene spielt 15 Jahre später. Die Alliierten haben Deutschland besetzt, und Felix kehrt nach Deutschland zurück. Seit seiner Flucht hat er Leipzig nicht mehr betreten. Er war einst Mitglied des Club Casaubon und muss sich nun seiner Vergangenheit stellen.

Der Roman ist in zwei Teile sowie einen Prolog und einen Epilog gegliedert. Die Zeitsprünge werden jeweils im Vorfeld kenntlich gemacht. Größtenteils wird die Geschichte aus der Sicht von Felix erzählt. Zusätzlich kommt im späteren Verlauf noch eine dritte Zeitebene während des Zweiten Weltkriegs hinzu.

Ich mag die Bücher rund um das Graphische Viertel bekanntermaßen sehr gern, doch dieser Band hat es mir vor allem zu Beginn recht schwer gemacht. Die okkulten und esoterischen Elemente konnten mich zunächst überhaupt nicht abholen und haben mich eher gelangweilt. Erst als alte Bekannte in Form von Figuren aus den vorherigen Romanen auftreten, war ich gefesselt und wollte unbedingt wissen, was damals geschehen ist und was Felix letztlich zur Flucht bewogen hat.

Der Schreibstil des Autors ist flüssig und gut lesbar. Auch die Ausarbeitung der Charaktere ist gelungen. Man erfährt vieles über okkulte Strömungen, Sekten sowie über sogenannte Kreuzkorrespondenzen.

Für mich ist dieser Band leider der schwächste der Reihe. Dennoch würde ich mich sehr über einen weiteren Roman rund um das Graphische Viertel freuen.

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Veröffentlicht am 24.12.2025

Pinguine, Wissenschaft and a little bit spice

The Penguin Paradox
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Emerie, Beckett und die Pinguine. Dieses Hörbuch hat mir viele sehr schöne Stunden beschert. Eine gelungene Enemies-to-Lovers-Geschichte, die sich zugleich mit ernsten Themen auseinandersetzt ...

Emerie, Beckett und die Pinguine. Dieses Hörbuch hat mir viele sehr schöne Stunden beschert. Eine gelungene Enemies-to-Lovers-Geschichte, die sich zugleich mit ernsten Themen auseinandersetzt und dazu eine gute Portion Spice bietet, so ließe sich das Rezept dieses Hörbuchs wohl beschreiben.

Mir haben zum einen die wissenschaftlichen Aspekte rund um die Pinguine gefallen, zum anderen fand ich die Antarktis als Schauplatz eines Romans besonders reizvoll. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten ist gut ausgearbeitet, besitzt Tiefe und viele Facetten. Beide Figuren haben mir sehr gut gefallen. Emerie hat zunächst ein recht festes Bild von Beckett, ist jedoch bereit, dieses im Verlauf der Geschichte zu hinterfragen und zu revidieren. Beckett ist zwar der Leiter der Expedition, begegnet seinem Team jedoch zugleich sehr fürsorglich und verständnisvoll.

Auch die übrigen Mitglieder der Forschungsstation sind wunderbar gezeichnet, sodass sich das Bild einer eingeschworenen Gemeinschaft ergibt, aus der Freundschaften fürs Leben entstehen. Durch den dualen Perspektivwechsel gelingt es der Autorin, den Hauptfiguren sehr nahe zu kommen. Die beiden Sprecherinnen und Sprecher tragen ihr Übriges dazu bei, indem sie den Figuren durch ihre Interpretation zusätzliche Tiefe und weitere Facetten verleihen.

Ich habe das Hörbuch in kurzer Zeit durchgehört, da mich auch die ernsteren Themen wie die Pinguinforschung, der wissenschaftliche Alltag, Gebärdensprache, Freundschaft und Urheberrechtsdiebstahl sehr gefesselt haben. Die Geschichte spielt kurz vor Weihnachten und an den Weihnachtstagen, wodurch sich das Hörbuch hervorragend für den Jahresausklang eignet.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Historischer True-Crime im historischen Berlin

Die an den Tod nicht glauben
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Ein spannender Fall in Berlin, der uns tief in mysteriöse Kreise katapultiert und eine ganz eigene Welt offenbart.

Ein historischer Kriminalroman für True-Crime-Fans und alle, die sich für die Gerichtsmedizin ...

Ein spannender Fall in Berlin, der uns tief in mysteriöse Kreise katapultiert und eine ganz eigene Welt offenbart.

Ein historischer Kriminalroman für True-Crime-Fans und alle, die sich für die Gerichtsmedizin interessieren. Mich fasziniert seit Jahren vor allem die Zeit und das gesellschaftliche Leben in Berlin um die Jahrhundertwende. Es besteht deshalb immer die Gefahr, dass einen viel Altbekanntes langweilt, doch das war hier Gott sei Dank nicht der Fall.

Im Mittelpunkt des Romans steht Perdita Menke, die Totenleserin. Sie ist Gerichtsmedizinerin, auch wenn ihr, wie sie selbst sagt, das Zertifikat fehlt. In der Gerichtsmedizin aufgewachsen, ist sie früh mit dem Metier vertraut. Sie will beweisen, dass die junge Frau nicht den Freitod gewählt hat, sondern ermordet wurde. Bei ihren Ermittlungen trifft sie auf den Bestatter Charon Czerny. Zwischen unbestreitbarer Anziehungskraft und vielen Geheimnissen müssen Perdita und Charon ermitteln.

Der Roman gliedert sich in drei Teile und wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, sodass wir zu mehreren Figuren eine gute Verbindung aufbauen können. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm zu lesen; er überzeugt vor allem durch eine recht authentische Sprache und den Berliner Dialekt. Besonders gut gefallen hat mir das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Perdita und Charon, aber auch das Interagieren und die Rolle von Kriminalanwärter Schultz und seiner Verlobten. Für mich haben diese vier Personen den Kriminalroman zu etwas Besonderem gemacht. Insgesamt muss man jedoch sagen, dass die Autorin mit sehr vielen Figuren arbeitet, was es ihr leicht macht, die Lesenden in die Irre zu führen, wer „gut“ und wer „böse“ ist. Ein Kriminalroman, der neben der Ermittlungsarbeit auch ein Sittengemälde der Zeit zeichnet und damit zusätzliche Informationen bietet.

Ich würde mich wirklich freuen, wieder von den „Vieren“ zu lesen. Ein Tipp für alle Fans von René Anour, Anne Stern, Alex Beer und Susanne Goga.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Ich hatte die große Freude, Vea Kaiser auf einer Veranstaltung der Frankfurter Buchmesse kennenlernen zu dürfen. Sie hat mich so neugierig auf ihren Roman gemacht, dass ich einfach nicht widerstehen konnte. ...

Ich hatte die große Freude, Vea Kaiser auf einer Veranstaltung der Frankfurter Buchmesse kennenlernen zu dürfen. Sie hat mich so neugierig auf ihren Roman gemacht, dass ich einfach nicht widerstehen konnte.

Angelika Moser arbeitet in der Buchhaltung eines Grandhotels in Wien. Sie ist eine echte Partymaus, macht die Nacht zum Tag, und ihr Job entführt sie tagsüber in eine völlig andere Welt. Als ihr Chef sie bittet, ihm bei der Rettung des Hotels zu helfen, sieht Angelika ihre Chance auf einen beruflichen Aufstieg gekommen. Mit Fleiß, Einfallsreichtum und Engagement arbeitet sie sich bis zur Abteilungsleiterin hoch. Privat hingegen ist sie als alleinerziehende Mutter ständig knapp bei Kasse und weiß oft nicht, wie sie ihrem Kind geben soll, was es braucht. So beginnt sie schließlich, Rechnungen zu manipulieren und Geld auf ihr eigenes Konto zu transferieren. Erst Jahre später kommt ihr Tun ans Licht.

Vea Kaiser erzählt nach einer wahren Begebenheit von einer Mutter, die wie eine Löwin für ihr Kind kämpft und sich nimmt, was sie eines Tages zurückgeben will, um ihrem Kind und sich selbst ein besseres Leben ermöglichen zu können.

Die Figuren sind gut gezeichnet, wirken facettenreich und entwickeln sich im Laufe des Romans weiter. Auch ernste Themen wie Demenz oder die Wohnverhältnisse in Wien werden angesprochen, was eine stimmige Mischung ergibt und einen guten Gegenpol zum humorvollen Ton des Romans bildet.

Der Roman gliedert sich in drei Akte sowie Prolog und Epilog. Mehrere Einschübe finden sich ebenfalls, in denen die Autorin selbst zu Wort kommt, von ihren Besuchen im Gefängnis erzählt und Einblicke in ihre Recherchen gibt.

Die Geschichte ist sehr authentisch geschildert und hält sich größtenteils an die Fakten des wahren Falls. Die Wiener Lebensart und das spezifische Flair transportiert Kaiser hervorragend; ein kleines Wiener Wörterbuch im Anhang unterstützt zusätzlich. Der Schreibstil ist humorvoll und lebendig, lediglich mit den ersten rund 100 Seiten hatte ich etwas Schwierigkeiten – hier hätte man meiner Meinung nach etwas straffen können. Man erfährt viel über das Leben in Wien in den 80er- und 90er-Jahren, aber auch darüber, wie es auf dem berühmten Opernball tatsächlich zugeht.

Für mich war es der erste Roman von Vea Kaiser, aber sicherlich nicht der letzte, denn gerade durch ihre Authentizität hat die Autorin mich überzeugt.

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