Zwei Frauen kämpfen für ihre Träume
Montmartre - Traum und SchicksalTraum und Schicksal, zwei Begriffe, die diesen Roman meiner Meinung nach gut zusammenfassen. Valérie Dumas muss aus familiären Gründen den älteren und nicht besonders sympathischen Künstler Baptiste Germain ...
Traum und Schicksal, zwei Begriffe, die diesen Roman meiner Meinung nach gut zusammenfassen. Valérie Dumas muss aus familiären Gründen den älteren und nicht besonders sympathischen Künstler Baptiste Germain heiraten. Elise Lambert, die andere Hauptprotagonistin, muss lernen, dass Freundschaften nicht alle Krisen überstehen und dass Machenschaften und Neid unter Frauen anders als bei Männern, aber nicht minder bösartig ablaufen können.
Valérie versucht trotz der schwierigen Eheverhältnisse, ihren Traum von der Malerei weiterzuleben. Genau darin liegt einer der großen Treiber der Handlung, die gut zeigt, wie es Frauen zu dieser Zeit erging. Es war ein harter Kampf in einer Männerdomäne, und Frauen hatten kaum Möglichkeiten, ihre Wünsche und Vorstellungen zu artikulieren. Elise hingegen erkennt, dass der Alltag im Tanz aus Freundinnen Rivalinnen machen kann und dass das Leben seine eigenen Gesetze schreibt.
Beide Frauen sind sehr starke Persönlichkeiten und hatten meine Sympathie. Für mich ist Valérie jedoch die größere Heldin, weil sie es schafft, das Beste aus ihrem Schicksal zu machen, und eine Entwicklung durchläuft, die für mich noch stärker wirkt als die von Elise.
Die vielen Nebenfiguren, teilweise reale Persönlichkeiten wie z.B. der Kunstmaler Henri de Toulouse-Lautrec, sorgen für eine Vielfalt an Charakteren, die den Roman tragen. Henri hat mir in diesem Band besser gefallen als im ersten. Er zeigt in einigen Passagen seinen im Innersten liebevollen Charakter, auch wenn er insgesamt eine sehr tragische Figur dieser Dilogie bleibt.
Der Schreibstil der Autorin ist gut lesbar und verständlich. Besonders gefallen hat mir die Darstellung der politischen Situation in Paris und Frankreich zu dieser Zeit, die die Autorin anpassenden Stellen in den Roman einfließen lässt.
Das Ende des Romans hat mir persönlich nicht ganz so zugesagt, aber das ist natürlich immer eine subjektive Sache. Insgesamt bleibt der Eindruck aber sehr positiv. Ein Roman über die Träume von Frauen und ihr Schicksal in einer Epoche großer Umwälzungen und Veränderungen.
9/10 P.