Profilbild von Elohym78

Elohym78

Lesejury Star
offline

Elohym78 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Elohym78 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.08.2026

das Morden geht weiter

King Sorrow II
0

Jedes Jahr zu Ostern fordert King Sorrow weitere Opfer. Und das seit nun mehr über zwanzig Jahren. Und jedes Jahr fällt es der Gruppe leichter, die Opfer zu benennen. Doch jetzt sind sie ins Visier des ...

Jedes Jahr zu Ostern fordert King Sorrow weitere Opfer. Und das seit nun mehr über zwanzig Jahren. Und jedes Jahr fällt es der Gruppe leichter, die Opfer zu benennen. Doch jetzt sind sie ins Visier des Staates geraten. Eine geheime Organisation hat erkannt, wie wertvoll es sein kann, so eine Macht in Händen zu halten und entführen Donna und Donovan McBride. Doch keinem ist klar, welches Ungeheuer wirklich geweckt worden ist!

Das Cover ist wieder denkbar einfach gehalten. Drachenschuppen, die sich aus purer Dunkelheit ins Licht drängen. Mehr zu erahnen, als wirklich zu sehen. Diesmal schimmern sie grünlich und wechseln in einen Blauton. Es passt hervorragend zu Band eins und zeigt die Zugehörigkeit an.

Ich hätte nie damit gerechnet, dass mich die Fortsetzung von King Sorrow dermaßen packen und fesseln könnte! Joe Hill schreibt mit einer unbändigen Kraft, einer Urgewalt und eines Einfallsreichtums, der mich einfach mit gerissen hat! Und ja, auch überrascht hat! Teil eins fand ich stellenweise etwas langatmig. Die Fortsetzung kennt dies überhaupt nicht! Schon zu Beginn des Buches war ich richtig gehend geflasht von der Entwicklung, die das Buch plötzlich nahm: Temporeich, voller Action, wandelbar, unvorhersehbar und immer wieder entwickelten sich die Geschehnisse anders, als ich gedacht hätte! Auch wenn ich mir das Ende so in etwa gewünscht habe, war der Weg bis dahin bei weitem alles andere als vorhersehbar. Joe Hill überraschte mich ein ums andere Mal.
Vielleicht lag es an den sehr kurzen Kapiteln und des oft wechselnden Erzählstrangs, ich weiß es nicht. Allerdings weiß ich mit Sicherheit, dass ich mich nur allzu gerne in die morbide Welt von King Sorrow entführe ließ.
Ist es überhaupt King Sorrows Welt? In den Lesepausen war ich mir sehr sicher, dass alles einer Art Massenhysterie entsprungen ist. Und dann dachte ich, dass doch etwas aus der Dunkelheit in unsere Welt entkommen ist. Jedes Knacken war plötzlich unheimlich und ein Schauer rann mir den Rücken hinunter. Ich liebe Bücher, die so eine starke Reaktion in mir hervorrufen können!

Neben der eigentlichen Handlung wird das Buch meiner Ansicht nach von den Protagonisten getragen. Jeder der Freunde ist absolut einzigartig und keiner von ihnen dürfte in dem Gespinst fehlen. Sie hängen wie Pech und Schwefel aneinander und sind auch genauso giftig. Die anfänglich gute Freundschaft unter ihnen wird immer toxischer. Der Geschmack der Macht, der Missgunst und die Qual der Schuld hat ihre Stacheln tief in das Fleisch der Freunde gebohrt. Reich, arm, klug, unterprivilegiert, Täter, Opfer, Entscheider. Alles klar definierte Begriffe, die Joe Hill ganz selbstverständlich umzudrehen weiß. Ich war und bin völlig fasziniert.

Keine Ahnung, ob es kluge Horror-Romane gibt. King Sorrow würde ich darunter zählen! Durchdachte Bösartigkeit trifft Naivität. Irgendwie so.
Eins ist klar: Absolut lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.07.2026

überzogen und unglaubwürdig

Killer Trail – Dreh dich nicht um
0

Drei Freundin gönnen sich zu ihrem jährlichen Urlaub eine Wanderung durch die Wälder. Sie gehen den Bones Hollow Trail, auf dem schon viele junge Frauen ihr Leben gelassen haben und hören sich dazu den ...

Drei Freundin gönnen sich zu ihrem jährlichen Urlaub eine Wanderung durch die Wälder. Sie gehen den Bones Hollow Trail, auf dem schon viele junge Frauen ihr Leben gelassen haben und hören sich dazu den Podcast einer beliebten True Crime Autorin an. Sie wandeln auf den Spuren der Toten, könnte man sagen.
Und plötzlich kippt die Stimmung: Aus wohligem Nervenkitzel wird Panik.
Denn Stef verletzt sich am Knöchel und die drei geraten in die Fänge eines Einsiedler. Und ob dessen Absichten wirklich so gut sind...

Das Cover ist in einem Girlypink gehalten. Ein stolzer Hirsch in der Mitte, umringt von Ästen. Ich finde es gut zu Titel und Inhalt des Buches gewählt, da es sich hier um verschwundene junge Frauen dreht. Zusammen mit dem Klapptext macht es mich neugierig auf das Buch.

Die Atmosphäre, als die drei Frauen durch die urtümlichen Wälder zogen, gefiel mir ausgesprochen gut! Eliza Jabore baute eine intensive und dichte Stimmung auf, die hervorragend zu dem Wald passte. Genauso stelle ich es mir vor! Dazu die wunderbare Stimme von Ann-Kathrin Hinz, die den Zeilen Leben einhauchte und mir das Geschehene näher brachte. Ich lief quasi an der Seite von Jade, Stef und Zoe, atmete die holzige Luft, hörte das Knacken der Zweige und die Rufe der Tiere. Eine urige, tolle Stimmung! Dazu das leichte Schauern des Podcast, der von den wahren Morden berichtete.

Doch dann kippte die Stimmung. Nicht nur bei den Protagonistinnen, sondern leider auch bei mir. Das Zusammentreffen mit dem Einsiedler und den darauf folgenden Geschehnissen war einfach nur noch unglaubwürdig und überzogen. Eine Mischung aus Naivität, grenzenloser Dummheit und Überheblichkeit, die aufeinander prallten. Mir machte es überhaupt keine Freude mehr, Ann-Kathrin Hinz beim Vorlesen zuzuhören. Auch wenn die Sprecherin wirklich alles gab, das Gelesenen irgendwie glaubhaft und interessant rüber zu bringen. Aber wenn ein merkwürdiger Zufall den anderen jagt, ist es für meine Geschmack einfach zu viel des Guten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.07.2026

allumfassende Dunkelheit

Voidverse
0

Dunkelheit.
Allumfassende Dunkelheit.
Das ist alles, was die einzelnen Bruchstücke umfängt, auf der die Menschen leben. Die Welt ist zersplittert und die einzelnen Teile treiben in der Leere.
Die Sinkerin ...

Dunkelheit.
Allumfassende Dunkelheit.
Das ist alles, was die einzelnen Bruchstücke umfängt, auf der die Menschen leben. Die Welt ist zersplittert und die einzelnen Teile treiben in der Leere.
Die Sinkerin will verhindern, dass dieses fragile Gefilde noch mehr zerbricht, denn das Konstrukt verschlingt eine Heimstatt nach der nächsten. Stets auf der Suche nach mehr Energie, um aufzusteigen und der nach oben rasenden Ebene zu entgehen. Denn ein Kollision mit der Ebene bedeutet den Tod aller.

Das Cover ist sehr dunkel, düster und bedrohlich gehalten. Es zeigt ein in sich verschachteltes V, das in der Leere und den unendlichen Bruchstücken dahin treibt. Die einzige Lichtquelle sind die Bruchstücke, die wie Sterne glitzern.
Ich bin mir nicht sicher, ob es auf mich nach unendlichen Möglichkeiten oder unendlicher Verzweiflung aussieht. Vermutlich beides.

Damien Ober hat mich mit seinem Schreibstil überrascht. Mit einem so düsteren, so beklemmenden und so trostlosem Roman hätte ich nicht gerechnet! Alles scheint den Stempel des Verfalles und der Zerstörung zu tragen. Wenig Glück, wenig Unbeschwertheit, wenig friedvolles Zusammenleben. Kurz gesagt, die Hoffnung scheint den Menschen abhanden gekommen zu sein.
Die Sinkerin, deren Name lange im Verborgen bleibt, ist auf der Suche. Auf der Suche nach einer Lösung, das Ende herauszuschieben. Gefangen in der realen und der mentalen Dunkelheit. Sie reist von einem Bruchstück zum nächsten und nimmt mich dabei mit auf ihre Reise.
Und diese Reise hat es in sich. Ich darf einzelne Teilstücke und ihre Menschen kennenlernen. Etwas scheint - die Erde? - zerrissen, ja pulverisiert zu haben. Nur einzelnen Stücke sind übrig geblieben, die in der Leere treiben. Diese Stücke können durch einen einfachen Schritt über den Rand verlassen werden. Man treibt zum nächsten Stück und hofft, dort Handel zu treiben, Gleichgesinnte zu treffen, zu lernen, zu lehren, aufgenommen zu werden.
Ein Leben voller Bedrängnis und Eingeengt sein. Denn das eignen Zuhause ist kleiner als es sein sollte und das Draußen lockt mit tausenden Möglichkeiten, die gleichzeitig voller Gefahren sind.

Ich muss gestehen, dass diese Gefahren mich gefangen genommen haben. Ich las das Buch von Damien Ober und stellte fest, dass ich in der Leere verloren zu gehen drohte. Ich ließ mich mit den Protagonisten dahin und dorthin treiben. Kein Ziel, kein Sinn und gleichzeitig mit unendlichem Druck, etwas ändern zu müssen. Zu spät zu kommen. Angst zu haben vor der endgültigen Vernichtung.
Nein, dieses Buch mag ich überhaupt nicht! Es ist zu dunkel, zu beklemmend in seinen wahnwitzigen Möglichkeiten; einfach zu viel von allem und doch nie genug. Ich verlor mich in den Seiten, in der Leere und ließ mich treiben. Um am Ende auf einen Schluss zu blicken, der mich überrascht hat!

Mir ist es zu intensiv. Und gleichzeitig nicht genug. Ein merkwürdiges Gefühl. Es ist keine Sommerlektüre. Nichts für gemütliche Winterabende. Und doch kann ich jedem nur empfehlen, Voidverse zu lesen. Lesen und sehen, was passiert. Was macht das Buch mit dir?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.07.2026

TschuTschuKlickerDiKlack

Komm spielen
0

Nach dem Tod ihres Mannes, ist Annie wie gelähmt. Sie funktioniert noch, lebt allerdings nicht mehr. Ihr Verleger und Freund bietet ihr die Möglichkeit einer Auszeit. Gemeinsam mit ihrem Sohn Charlie nimmt ...

Nach dem Tod ihres Mannes, ist Annie wie gelähmt. Sie funktioniert noch, lebt allerdings nicht mehr. Ihr Verleger und Freund bietet ihr die Möglichkeit einer Auszeit. Gemeinsam mit ihrem Sohn Charlie nimmt sie sich eine Auszeit in dem ruhigen Örtchen Castle Creek. Doch die Merkwürdigkeiten nehmen überhand und bald stehen Leben auf dem Spiel.

Das Cover zeigt ein Haus. Der Abendhimmel schimmert dunkel und in einem blutigen Rotton, der direkt Unbehagen vermittelt. Der Himmel spiegelt sich in den Fenstern wieder, so dass man fast meinen könnte, dass das Haus den Betrachter böse anblickt; fast mit einer wahnwitzigen Vorfreude, es auf eigenen Gefahr zu betreten.
Ich finde, dass es gut zum Inhalt des Buches passt, da ich mir so das Haus von Annie und Charlie plastisch noch besser vorstellen kann.

Linwood Barclay hat einen düstern, atmosphärisch dichten und unheimlichen Roman geschaffen, der mich von der ersten Seite an fesselte. Vor allem, weil ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte! Ich kenne einige Werke der Autorin und bin überrascht, dass sie sich in die Horror-Sparte vorwagt. Überrascht und begeistert, denn sie hat genau meinen Geschmack getroffen!
Die Verflechtung zwischen Realität und Paranormalen ist ihr hervorragend gelungen! Ich hatte beim Lesen das Gefühl, nach und nach mit in den Abgrund gerissen zu werden. Dies gelang natürlich noch besser, weil die Sprecherin, Anne Düe, eine begnadete Stimme hat! Sie liest das Buch unfassbar lebendig und ich glaubte ihr alle Reaktionen der Protagonisten.

Die Geschehnisse bauen sich nach und nach auf, bzw. es findet ein Wechsel statt. Die Autorin, vom Leben gezeichnet, muss sich nach ihrem Schicksalsschlag erholen. Allein diese Schilderung ging mir schon unter die Haut, da jeder von uns schon Trauer und Verlust erleiden musste und die Gefühle nachempfinden kann. Aus Trauer, Niedergeschlagenheit und ja, auch Wut, wächst langsam aber sich die Zuversicht. Zuversicht, das Leben wieder meistern zu können! Ein neuer Tag, ein neuer Schritt, hin zu einem glücklichen Leben. Doch nach und nach kippt auch dies. Hin zu Unglaube, Angst und Panik. Ich finde, dass Linwood Barclay hervorragend mit ihren Lesern spielt und sie alles miterleben lässt.
Doch leider ist das Ende des Buches nicht meins. Mir persönlich wird es plötzlich zu abstrus, womit ich nicht gerechnet hätte.

Alles in allem hat mich Komm spielen überrascht, begeistert und in Schrecken versetzt! Für mich eine gelungenen Thriller-Horror-Mischung, die es sich zu lesen, und ganz besonders zu hören lohnt!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.06.2026

unbarmherziger Mars

Red Star Rebels
0

Hunter ist gerade auf der Mars Station angekommen, als der Evakuierungsalarm los geht. Er hetzt zu einer Rettungskapsel, doch er wird nicht mitgenommen. Er ist noch nicht registriert und somit steht ihm ...

Hunter ist gerade auf der Mars Station angekommen, als der Evakuierungsalarm los geht. Er hetzt zu einer Rettungskapsel, doch er wird nicht mitgenommen. Er ist noch nicht registriert und somit steht ihm kein Platz zu.
Cleo hingegen ist auf so ein Szenario vorbereitet. So wie sie auf alles vorbereitet ist. Oder besser gesagt: Sein muss! Denn sie ist eine Anhalterin und somit illegal auf der Station. Auch sie ist nicht registriert.
Für beide zählt der Countdown unbarmherzig runter...
Doch nicht mangelnd Luft macht den beiden Gestrandeten Sorgen, sondern die Piraten, die die Station entern. Und der Plan, den sie umsetzen wollen.

Das Cover zeigt Cleo in einem Raumanzug. Allerdings nur ihren Kopf, umrahmt von einem Helm. Das Visier ist durchsichtig, so dass man ihr verschmitztes Lächeln sehen kann. Die Szenerie ist in einem Rotton gehalten, der mich sofort an das Rot des Mars denken lässt, auf dem das Buch spielt.

Amie Kaufman hat einen lockeren und gut zu lesenden Schreibstil. Ich kam gut in die Situation und die Geschehnisse hinein und versetzte mich auf eine abgeschottete Mars Station. Amie Kaufman spielt gekonnt mit den erschreckenden Geschehnissen, die eine Evakuierung einer Station in einer lebensfeindlichen Umgebung mit sich bringt. Im Inneren lauert der Tod. Außen ist der Tod. Es scheint kein Entkommen, keine Alternativen zu geben.
Besonders gut gefielen mir die Schilderungen der Station. Ihr Aufbau und wie das Leben dort ist. Alles ist wertvoll und wird benötigt. Was muss das für ein Schlag für die Menschen sein, diese, ihre neue Heimat verlassen zu müssen, weil es einen Unfall gab? Alles stehen und liegen lassen und flüchten. Nichts von den wenigen Habseligkeiten mitnehmen zu können. Alles zurück zu lassen.

Und doch ist das Buch alles andere als beklemmend oder gar Angst einjagend. Vielmehr stehen die Geschehnisse der beiden Protagonisten im Vordergrund.
Hunter, reicher Erbe eines Imperiums auf der einen und auf der anderen Seite Cleo, die vor Kopfgeldjägern auf den Mars geflohen ist und dort als Anhalterin illegal lebt. Unterschiedlicher kann ein Lebensweg nicht sein. Und doch sind die beiden sich sehr ähnlich: Weder Reichtum noch Armut können etwas gegen Einsamkeit tun. Kein Geld der Welt kann einen vor dem Verrat der eigenen Familie schützen. Umso bemerkenswerter ist es, dass Cleo und Hunter charakterlich so stark sind und aneinander noch zu wachsen scheinen.
Die beiden versuchen sich gegen die Piraten und deren Machenschaften zu behaupten, was ein sehr spannendes Katz und Maus Spiel ist und mich gut unterhalten hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere