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Veröffentlicht am 16.06.2025

𝗙𝗮𝗻𝘁𝗮𝘀𝘆 trifft auf 𝗖𝗿𝗶𝗺𝗲: 𝗺𝘆𝘀𝘁𝗶𝘀𝗰𝗵, 𝗵𝘂𝗺𝗼𝗿𝘃𝗼𝗹𝗹 & 𝗱𝘂𝗲𝘀𝘁𝗲𝗿

Die Arcyrion-Akten – Fall 1: Die Straße im Nichts
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~ 𝐀𝐫𝐜𝐲𝐫𝐢𝐨𝐧-𝐀𝐤𝐭𝐞𝐧: 𝗙𝗮𝗻𝘁𝗮𝘀𝘆 trifft auf 𝗖𝗿𝗶𝗺𝗲: 𝗺𝘆𝘀𝘁𝗶𝘀𝗰𝗵, 𝗵𝘂𝗺𝗼𝗿𝘃𝗼𝗹𝗹 & 𝗱𝘂𝗲𝘀𝘁𝗲𝗿 ~


𝐊𝐢𝐚𝐫𝐚 𝐁𝐫𝐨𝐜𝐤𝐬 hasst ihr Leben – sie hat weder Freunde noch Hobbys und wohnt zudem mit ihrer bevormundenden, immer traurigen ...

~ 𝐀𝐫𝐜𝐲𝐫𝐢𝐨𝐧-𝐀𝐤𝐭𝐞𝐧: 𝗙𝗮𝗻𝘁𝗮𝘀𝘆 trifft auf 𝗖𝗿𝗶𝗺𝗲: 𝗺𝘆𝘀𝘁𝗶𝘀𝗰𝗵, 𝗵𝘂𝗺𝗼𝗿𝘃𝗼𝗹𝗹 & 𝗱𝘂𝗲𝘀𝘁𝗲𝗿 ~


𝐊𝐢𝐚𝐫𝐚 𝐁𝐫𝐨𝐜𝐤𝐬 hasst ihr Leben – sie hat weder Freunde noch Hobbys und wohnt zudem mit ihrer bevormundenden, immer traurigen Mutter zusammen. Den Lebenslauf der 19-Jährigen zieren bisher lediglich ein abgebrochenes Studium und unzählige Therapiestunden – nicht die besten Zukunftsaussichten –, aber zum Glück hat sie einen unterbezahlten Praktikumsplatz in einem monotonen Bürojob – mit der Chance auf eine Festanstellung. Yay! Nicht … Dass sich gerade in diesem Gebäude eine neue Tür – wortwörtlich – für Kiara öffnet, die sie zwar an ihrem Verstand zweifeln lässt und sie fast umbringt, ihr jedoch auch Welten und Möglichkeiten offenbart, die es doch eigentlich nur in Büchern gibt … nun, damit hätte sie niemals gerechnet … genauso wenig wie mit Daemonen, fremden, nicht irdischen Kulturen, Taschendimensionen und der Schwarzes-Loch-mäßigen Leere …
Bereit für einen aufregenden Job, Miss Brocks?

In ihrer neuen urbanen Fantasy-Reihe über die 𝐀𝐫𝐜𝐲𝐫𝐢𝐨𝐧-𝐀𝐤𝐭𝐞𝐧 verbindet Evelyne Aschwanden mystische Elemente mit Witz und Crime. Die Protagonistin ist wahnsinnig sympathisch, nicht auf den Kopf gefallen und besitzt eine unterhaltsame Veranlagung zur (Selbst-)Ironie. Zudem scheint das Menschenmädchen erpicht auf Gefahren und Risiken – wieso sonst sollte sie einem seltsamen Kerl vertrauen und sein fragwürdiges Assistenz-Angebot annehmen? Nachdem wir einen Überblick über ihren Alltag bekommen haben und Teil ihrer Gedanken waren, ist die Antwort klar: Sie will mehr und überhaupt irgendetwas.

Es war von Anfang bis Ende spaßig, Kiaras neuer Realität, den kryptischen Worten von Draven – »Spezialist für Übernatürliches, Ungewöhnliches und Unerwartetes.« – auf den Grund zu gehen und die einzelnen Figuren, ihre Talente und „Funktionen“ kennenzulernen. Wir wandeln durch das wundersame Arcyrion, treffen zwielichtige Dreuaner und sammeln allerhand Informationen über diverse Spezies. Statt sich von all dem Unglaublichen und Fantastischen verzaubern – an den Rand des Nervenzusammenbruchs treiben – zu lassen, geht sie Draven zur Hand. Dieser soll – am besten diskret und sofort – herausfinden, was es mit einem Vermissten auf sich hat. Denn dessen plötzliches Verschwinden rief nicht nur die interne Behörde der übernatürlichen Zuwanderer – Monroe Safekeeping – auf den Plan, sondern auch V.A.U.L.T. – die menschlichen Verschleierer. Dieser Auftrag führt das frisch zusammengefundene Team in eine ziemliche Misere … inkl. allerhand Verstrickungen …

Aschwanden verstreut inmitten der chaotisch-amüsanten Spurensuche Wissenswertes, das dem angedachten Worldbuilding zuträglich ist, lässt uns – also das ErmittlerInnen-Duo – zahlreiche Hürden überwinden, konfrontiert uns mit undurchschaubaren Gesellen und Bedrohungen, fanatischen Fraktionen und etlichen Hintergründen.
Neben der Protagonistin sorgen einige andere Charaktere für Abwechslung und Neugier: Arik Draven – total schräg, ein wenig verpeilt und, obgleich er ein engagierter Detektiv zu sein scheint, den sogar höhere Instanzen wertschätzen, wird er von anderen seiner „Art“ vehement gemieden. Je mehr Eindrücke wir von dem mysteriösen Spezialisten bekommen, umso sicherer ist: Er verbirgt etwas.
Unnahbar, loyal, taff und mit einem der seltenen Talente der „Versiegelung“ gesegnet: Gina Monroe. Eine führende Persönlichkeit des Arcyrions und unfreiwillig dazu auserkoren, die neu Eingeweihte zu unterrichten.
Zudem muss sich Kiara mit der ebenso wenig von ihrem Auftauchen begeisterten Neith – insbesondere mit deren unfreundlichem, abweisendem Verhalten – und ihrem außergewöhnlichen Mitbewohner auseinandersetzen.
JedeR war toll gezeichnet, und die Einblicke in ihre persönliche und in die Geschichte – das Kastensystem – von Dreua sorgten für berührende Momente.

Der Verlauf steht nie still, wird nicht langweilig und animiert dazu, mitzurätseln. Wie üblich für Bücher der Autorin existiert ein leichtes, funken schlagendes Knistern, doch der Fokus weicht zu keiner Zeit von Kiaras Entwicklungen, all ihren Entdeckungen und dem Auftrag ab. Lebendig, temporeich und interessant, nicht ohne Ernst, Spannung und Gefühl, begleiten wir die junge Frau auf ihrer ersten Mission, in der sie Überraschendes über das Universum, ihre neuen FreundInnen und über sich selbst erfährt. Evelyne erdachte sich ein recht komplexes, jedoch logisch und griffig dargelegtes System und schlägt mit der Situation der Dreuaner – ihrer Entwurzlung, ihrem Verlust und den Vorurteilen, mit denen die Erde den „Fremden“ begegnet – einen Bogen zu unserer Gesellschaft.

„𝐃𝐢𝐞 𝐒𝐭𝐫𝐚ß𝐞 𝐢𝐦 𝐍𝐢𝐜𝐡𝐭𝐬“ ist quasi abgeschlossen, doch es warten bereits weitere Probleme, die einer adäquaten Lösung bedarfen, Geheimnisse, die gelüftet, und Talente, die gefördert werden müssen. Im Juli erscheint das zweite Abenteuer von Kiara Brocks, Arik Draven und Co.!

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Eine gute Fantasy-Story, in der brisante Themen zu finden sind.

Lessons of Hearts and Magic
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Lou will unter allen Umständen Teil vom „Herzen der Magie“ werden – jener Akademie, an der die besonderen Fähigkeiten gelehrt und trainiert werden. Doch diese ist, genau wie viele andere Sachen des Landes, ...

Lou will unter allen Umständen Teil vom „Herzen der Magie“ werden – jener Akademie, an der die besonderen Fähigkeiten gelehrt und trainiert werden. Doch diese ist, genau wie viele andere Sachen des Landes, für Frauen tabu. Als die Magie in der 22-Jährigen erwacht, wird Lous Leben um einiges brenzliger, denn weiblichen, magisch begabten Menschen droht eine regelrechte Hexenverfolgung …
Um dieser Tortur zu entgehen und unter dem Radar der Obigen von Olresa zu bleiben, fasst die junge Frau einen waghalsigen Entschluss. Nicht ahnend, dass sie an der Akademie auf weitreichende Unterdrückung, Ungereimtheiten und Geheimnisse stößt, die alles verändern könnten …

„Lessons of Hearts and Magic“ beginnt zwar eher slow, dafür lernen wir die Protagonistin und ihre Situation sowie die Gegebenheiten des hier erschaffenen Systems, welches hauptsächlich aus patriarchalischen Strukturen, Machtdemonstrationen und geschürter Angst besteht, kennen.
Marion Meister hat einen leichten, klaren Stil, der uns bildreich durch die Handlung, in der aktuelle Missstände angesprochen werden, führt – vor allem die Akademie kam vorstellbar und atmosphärisch, düster und unheilvoll zur Geltung.
Sobald Lou zum Herzen der Magie durchgedrungen ist, nimmt der Verlauf an Tempo zu; stets schwingen Vorsicht und die Sorge, enttarnt zu werden, mit.
Dass Tom, Lous Schwarm, ebenso an der Schule aufgenommen wurde, erschwert es ihr zusätzlich, unentdeckt zu bleiben, und gibt dem Roman eine weitere Komponente zum Mitfiebern. Leider finden sich auch immer wieder Längen, zähe Abschnitte und Wiederholungen im Text, die das Vergnügen schmälern.

Die Protagonistin selbst ist eine von den Guten, mutig, hin und wieder jedoch zu impulsiv und voreilig. Dennoch vollzieht sie im Laufe der Story eine Entwicklung, beginnt, die Gesetze und die Rolle der Frau zu hinterfragen, tiefer in den altbackenen Wirrungen der Akademie zu graben...
Hier und da sorgen Nebenfiguren für Abwechslung. Während Tom und Alan aktiv und hilfreich im Geschehen verankert waren, gab es auch Charaktere, deren Existenz einen bitteren Beigeschmack verursachte.
Die magischen Aspekte wurden langsam, aber dem Aufbau entsprechend, dargelegt. In den späteren Kapiteln ist neben Spannung und Mystik auch ein Hauch prickelndem Aufbegehren zu spüren.
Macht, Unterdrückung und Befreiung, Manipulation, Angst und Gleichberechtigung wurden gewissermaßen subtil, aber doch ersichtlich in die Geschichte eingeflochten – Punkte, die niemals an Relevanz verlieren.


„Lessons of Hearts and Magic“ endet rasant und meiner Meinung nach zu einfach – hier hätte ich mir, betrachtet man die brisanten Themen, mehr Raffinesse erhofft, statt des „erzwungen wirkenden“ Happy Ends. Ebenfalls interessant wäre ein Epilog („XY Jahre später“) gewesen, der die LeserInnen an möglichen gesellschaftlichen Veränderungen teilhaben lässt.

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Realitätsnah, bewegend und spannend

Lavender House
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»Es gibt kein homosexuelles Problem außer dem, das von einer heterosexuellen Gesellschaft geschaffen wurde«

Lev AC Rosen führt uns in klaren Worten durch ihre Geschichte, lässt uns an den Missständen ...

»Es gibt kein homosexuelles Problem außer dem, das von einer heterosexuellen Gesellschaft geschaffen wurde«

Lev AC Rosen führt uns in klaren Worten durch ihre Geschichte, lässt uns an den Missständen der Gesellschaft, an Homophobie und den notwendigen Versteckspielen teilhaben, schafft allein dadurch eine beklemmende Atmosphäre, eine dichte Storyline, die bewegt, und Mitgefühl für jene Menschen entfacht, denen „damals“ mit Hass und Abneigung begegnet wurde. Die eingesperrt, ausgeschlossen, verachtet wurden, weil sie liebten, wen sie liebten. Dass es noch immer Teile in der Welt gibt, in denen die Sexualität verurteilt, vorgeschrieben, verfolgt wird, in denen noch immer Vorurteile herrschen, holt diesen Roman, trotz des Settings der 1950er, auch in die Gegenwart.

Nachdem das streng gehütete Geheimnis von Polizeiinspektor Evander Mills enthüllt, er aus dem Dienst entlassen und gesellschaftlich diffamiert wurde, nun perspektiv- und chancenlos, sieht er nur noch wenig Sinn im Leben. Als sich eine wohlhabende Frau zu ihm an die Bar gesellt und ihm ein mysteriöses Angebot macht, mit kryptischen Worten Neugier entfacht, ist er gewillt, seine Pläne aufzuschieben.
Mills kann sein Erstaunen nur schwerlich verbergen, als ihn Pearl Velez an einen Ort bringt, an dem die Menschen teilen, was der Cop so viele Jahre verbarg. Im „Lavender House“ wohnt eine queere Wahlfamilie, größtenteils abgeschottet und auf Vorsicht bedacht, doch zumindest privilegiert genug, um in den eigenen Mauern frei und unverstellt zu sein. Wäre da nicht der Todesfall, wegen dem der Anfang-Dreißiger überhaupt hier ist …
Könnte eine oder einer der „Eingeweihten“ den Kopf des erfolgreichen Seifen-Imperiums ausgeschaltet haben? Und wenn ja: warum? Oder war es nur ein unglücklicher Unfall, der Irene Lamontaine das Leben kostete?
Je mehr „Andy“ in die Familienbande eintaucht, sich in den öfter nicht eindeutigen Dynamiken verliert, Teil von subtilen Sticheleien, leisen Konflikten und schwelender Uneinigkeit wird, Vorteile sowie Gram des Einzelnen ergründet, umso schwieriger ist es für den ehemaligen, nicht schuldfreien Polizisten, etwaige Motive und den wahren Kern der BewohnerInnen herauszufiltern. Denn wie auch er selbst haben es diese Menschen perfektioniert, sich zu verstellen, eine Nuance ihrer selbst zu verbergen, sich anzupassen …

Wir verfolgen die Ermittlungen durch Evander Mills’ Augen. Lernen die Lamontaines, ihr Personal und die pompösen Räumlichkeiten kennen und werden durch ungeahnte Schwierigkeiten, übersehene Beweise; durch vorgetäuschtes Lachen und etliche Fragen mitten hinein in die unterhaltsame, nachdenklich stimmende, bewegende Story gezogen. Dass einige der hier flanierenden Personen weder von Pearls Plan, einen Außenstehenden in eine derart heikle Sache miteinzubeziehen, begeistert sind, noch davon, dass es sich bei diesen um einen Mann handelt, der durch Wegsehen selbst Täter war, lässt die Verdächtigen öfter reserviert und unnahbar erscheinen. Lev AC Rosen schenkt uns Einblicke in die harten Lebensumstände der Figuren, in ihre persönlichen Geschichten und Beziehungen, gibt uns einen Eindruck der gesellschaftlichen Abscheu und der drohenden Konsequenzen – malt Bilder, die schwer schlucken lassen.
Es war spannend, den Beweisen nachzugehen, mitzurätseln und Puzzleteile zusammenzusetzen – wenn mir auch die eine oder andere „Eingebung“ zu plötzlich kam und es der Ermittlungsarbeit insgesamt an Raffinesse fehlte, kann ich diesen queeren Roman, der Missstände thematisiert und realistisch darlegt, von herzerwärmender Found-Family, dem Risiko der Liebe und dem Mut, zu sich selbst zu stehen, erzählt, einfach nur empfehlen!

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Mystisch, tragisch, romantisch

A Tale of Foxes and Moons
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Aiko ist eine Medizinstudentin, die kurz vor ihrem Examen steht – doch statt Prüfungsstress und Versagensängste quälen die junge Frau des Nachts Alpträume, die von ihren vergangenen Toden erzählen, und ...

Aiko ist eine Medizinstudentin, die kurz vor ihrem Examen steht – doch statt Prüfungsstress und Versagensängste quälen die junge Frau des Nachts Alpträume, die von ihren vergangenen Toden erzählen, und am Tag die Angst, ihrem Mörder zu begegnen. Denn der Schicksalsfluch führt die Wege des Mondgottes Tsukuyomi und der Fuchsgöttin Inari in jedem Leben zusammen … Als plötzlich die Kodamas sterben, jene Naturgeister, die eine Reinkarnation gewährleisten, sorgt sich Aiko weniger um ihre Wiedergeburt als um ihren Vater – um einen anderen Kodama finden zu können, muss sie mit Chiaki, der mehr ist als ein akademischer Rivale, zusammenarbeiten. Doch je näher sich die beiden kommen, umso besser sie einander kennenlernen, desto weiter rücken Vorsicht und Feindschaft in den Hintergrund … Rebecca Humpert führt uns durch Aikos Augen in einem klaren, bildhaften und verständlichen Ton durch die Geschichte, was vor allem die Protagonistin zugänglich werden lässt – Inaris Reinkarnation ist intelligent, trotz einer zurückhaltenden und unsicheren Art schlagfertig, mutig und selbstlos. Wir bekommen ausreichend Hintergrundinformationen über den Fluch, dessen Wirkung sowie mythologische und fantastische Aspekte, was mich selbst in den langatmigen Abschnitten an die Handlung fesselte. Denn hier und da fehlte es mir an Schwung und Vorankommen, wirkte es mehrfach, als verlöre das eigentliche Ziel an Bedeutung. Dass Japan und Mythologie nicht nur einen Rahmen bilden, sondern fest im Verlauf verankert sind, sich durch kleine wie große Details, durch Begriffe und Konventionen bemerkbar machen, verleiht dem Roman meiner Meinung nach jedoch etwas ganz Besonderes. Ich konnte mich gänzlich in das Geschehen fallen lassen, fieberte und hoffte mit, spürte den Zeitdruck, die Vorsicht. Chiaki ist ein relevanter, aufmerksamer Part, der mir von Kapitel zu Kapitel mehr ans Herz wuchs. Wer einen Bad-Boy sucht, wird hier nicht fündig, doch einen Mann fürs Herz, den gibt es. Sowohl seine Erfahrungen und Intentionen als auch die der Fuchsgöttin geben den Wiedergeburten und der Geschichte selbst Tiefe. Der eine oder andere, nicht durchschaubare Nebencharakter, Aikos Visionen sowie die Suche nach Artefakten aus urbanen (Horror-)Legenden sind, in Kombination mit all dem, was – und wen – Aiko und Chiaki aufdecken, Abwechslung und unterschwelliger Spannung zuträglich. Auch die prickelnde, romantische Dynamik, in der Aufregung und Unsicherheit, Humor, Respekt und Verständnis nicht zu kurz kommen, wurde greifbar und slow, nicht ohne brodelnde, ergreifende Gefühle inszeniert. Lediglich die expliziten Szenen fand ich in Anbetracht des traditionellen, authentischen Settings und der gegenwärtigen Gefahr schlicht unpassend und irrelevant. In den letzten Kapiteln fügen sich Puzzleteile, deren Fehlen man gar nicht wahrgenommen hat, stimmig in die dramatische Story. Wahrheiten, so unfassbare, drängen an die Oberfläche, dass auch die LeserInnen zum Innehalten und Verarbeiten gedrängt werden … „A Tale of Foxes and Moons“ ist reich an Wendungen, berührenden Empfindungen und leisen Emotionen, an Verlust und Geheimnissen, deren Offenlegung schmerzt. An Schicksalen, aus denen es kein Entkommen gibt, und an einer Liebe, die nicht sein sollte. Nicht heute. Für mich hat Humpert mit dieser mystischen Geschichte und ihren starken, mutigen Figuren etwas wirklich Wunderbares, Überraschendes geschaffen.

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Erkenntnisreicher Mittelteil

Midnight Circus - Requiem of Memories
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„Wir hatten uns in meinen Träumen so oft geküsst, aber das hier war anders. Tiefer. Sehnsüchtiger. Wie eine wortlose Liebeserklärung unserer Lippen.“

Die Handlung setzt nahtlos am Ende des Auftakts an, ...

„Wir hatten uns in meinen Träumen so oft geküsst, aber das hier war anders. Tiefer. Sehnsüchtiger. Wie eine wortlose Liebeserklärung unserer Lippen.“

Die Handlung setzt nahtlos am Ende des Auftakts an, sodass wir im eiskalten Regen mit Néeira zittern, auf unseren Schultern Zweifel und Schuld.
Von Vangelis getäuscht, hat sie Morpheus verraten und einem Schicksal überlassen, das den Tod bringt – wenn die Tänzerin ihren Fehler nicht schnell korrigiert … Doch wie, ohne Erinnerungen und die Kontrolle über Kräfte, die sich immer deutlicher manifestieren?
Gemeinsam mit Wyro geht sie den kryptischen Hinweisen des Erben des Dragonis-Clans nach, bekommt ebenso viele neue Fragen, wie sie Antworten findet. Die Zeit läuft. Nicht nur für Morpheus, sondern auch für die Welt der Träume und jene der Menschen.

In dem zweiten Band ihrer „Midnight-Circus“-Serie pocht Pfeiffer auf einen temporeichen Plot. Es schien, als würden sich ein Ereignis, eine neue Offenbarung, das nächste Unglück aneinanderreihen, und nur wenig Raum zum Ankommen, Begreifen, Durchatmen lassen. Zwar gab es dadurch keinen Stillstand, jedoch fehlt es dementsprechend auch an Tiefe. Interessant war es, auf den Spuren von Néeiras Vergangenheit zu wandeln, Erinnerungsfragmenten nachzujagen und das daraus entstehende Bild ihrer Herkunft zusammenzusetzen. Ihre Bedeutung in der Welt zu erkennen, ihre Macht und damit einhergehend: ihre Bürde.
Zusätzlich wird auch Morpheus’ Kindheit und Abstammung mit neuen Wahrheiten bestückt, die in ihm Rachedurst und Unsicherheiten schüren.
Erzählt wird erneut aus wechselnder Perspektive, sodass die Gefühle der Tänzerin und des Dämons, ihre vermeintlichen Fehler und Unsicherheiten, Ängste und Wut im Vordergrund stehen. Welche Art Verlust Morpheus ertragen muss, war ebenso überraschend wie all das, was Néeira findet.
Abgesehen von den beiden mischen auch Wyro und Vangelis wieder ordentlich mit – aber Pfeiffer stellt dem Fürstenpaar noch weitere wichtige Figuren, Nacht- und Traumwesen an die Seite – oder in den Weg. Die wechselnden Settings – vor allem das malerisch ausgearbeitete Weiße Schloss –, entscheidende Ereignisse und Informationen, die die einen oder anderen Gegebenheiten erklären und aufkommende Fragen beantworten, wurden stimmig platziert

„Requiem of Memories“ ist trotz der mitschwingenden Schwere und Melancholie, Verluste und Tragik eine typische Romantasy, die ich allen, die nach kurzweiligen Geschichten fürs Herz suchen, empfehlen kann – aber Vorsicht. Vielleicht bricht es am Ende …
Am 29. August dürfen wir zum letzten Mal in die Mysterien dieser Welt eintauchen – bereit für ein spektakuläres Finale?

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