Profilbild von Franci

Franci

Lesejury Star
offline

Franci ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Franci über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.03.2026

Spice, Consens, Spannung und Humor

Brutal Vows
0

„Brutal Vows“ ist der vierte Teil der spicy Romance-Reihe um die „Queens and Monsters“. Auch in diesem Buch zeigt J. T. Geissinger sehr deutlich, dass selbst die härtesten Mafiosi nicht vor den Waffen ...

„Brutal Vows“ ist der vierte Teil der spicy Romance-Reihe um die „Queens and Monsters“. Auch in diesem Buch zeigt J. T. Geissinger sehr deutlich, dass selbst die härtesten Mafiosi nicht vor den Waffen der – ihrer – Frauen gefeit sind …

Um ihre Nichte zu retten, würde Reyna alles tun – auch ihre hart erkämpfte Freiheit aufgeben. Und so gleitet sie – mit hocherhobenem Haupt und bebendem Herzen – statt Lili zum Traualtar, um das Arrangement zwischen ihrem Bruder, dem Oberhaupt des Caruso-Clans, und der irischen Mafia zu erfüllen und keinen Krieg vom Zaun zu brechen.

Für Spider ist diese Eheschließung nicht mehr als eine zweckdienliche Pflicht, die er bereitwillig für seine Familie, die ihn auffing, als sein Leben gleich eines Infernos in Flammen aufging, erfüllt. Declan O'Donells rechte Hand ist überzeugt davon, nie mehr zu lieben, schon gar nicht eine Teenagerin. Aber als Reyna auf ihn zuschreitet, will er von der Viper alles.
Und ahnt dabei nicht, welche Waffe er sich ins Bett holt.

„Alle Frauen sind in derselben Situation wie ich und Lili. Wir werden wie Vermögenswerte an Männer versteigert, die nicht wissen, wie man liebt.“

„Brutal Vows“ wird aus wechselnder Perspektive erzählt, wobei uns hauptsächlich Rey durch das sich langsam aufbauende Geschehen und in sich auf unerwartete Weise zuspitzende Situationen trägt. Seit drei Jahren trägt die „Viper“ schwarz, hat der Liebe schon lange davor abgeschworen und war sich sicher, niemals wieder „Ja“ zu einem Mann zu sagen. Dass ihr Ruf – erbaut aus geflüsterten Vermutungen und Angst, aus ihrer eigenen Kälte – sie vor Avancen und Blicken schützt, kommt der „Schwarzen Witwe“ nur zugute.
Doch Mr. Quinn fordert sie mit seiner bloßen Präsenz heraus, mit seinem überlegenen Gehabe und mit seinem Verhalten, das nicht zu den Strukturen passt, die Reyna gewohnt ist.

Zwischen heftigen Diskussionen, unterschwelligen Drohungen, harten Verhandlungen und spritzigen Schlagabtauschen erwärmt die mysteriöse Bad-Ass-Hexe Spiders Herz, vereinnahmt seinen Verstand, seine Träume und seinen Schwanz. Quinn will die Geheimnisse der Viper, ihren Hass ergründen, will ihre Mauern einreißen, will ihre Wahrheiten, ihre Schreie – niemals hätte er zu hoffen gewagt, all das und mehr wirklich zu bekommen …

Wie gewohnt war Geissingers Stil sehr direkt und modern, emotional und nicht frei von Sarkasmus. Trotz blutiger und gewaltvoller, anschaulich dargelegter damn expliziter Szenen und der interessanten, in meinen Augen authentisch inszenierten Mafia-Komponente, der über allem liegenden Gefahr und des nie abklingenden Misstrauens ist die temporeiche Story reich an Humor und Witz. Ich habe die Wortgefechte und Reys Schlagfertigkeit genossen und mich wieder köstlich amüsiert. Zum hohen Unterhaltungsfaktor tragen zudem die Nebenfiguren bei, allen voran Reynas Mutter. Auch die bereits bekannten Couples – Natalie & Kage, Malek & Riley und Declan & Sloane – sowie Kieran und Gianni mischen mit, sodass Rivalität und Feindschaft zwar in der Luft lagen, aber nicht gegen die Stärke der taffen, sich ihres Einflusses bewussten Frauen ankamen. Hinter der Romance brodeln die Fehden zwischen der Bratwa, dem Irish Mob und der Cosa Nostra – und dieser schwelenden Bedrohung ist sich der Lesende stets gewahr.

Während die Autorin auf einen griffigen und vorstellbar ausgebauten Verlauf, der reich an Abwechslung und Wendungen ist, Wert legt, wurden die Protagonisten mit Fehlern gezeichnet, mit Abgründen und Schatten.
Die Dynamik zwischen der Witwe und dem Iren schwankt von heiß zu kalt, von Leidenschaft zu bodenloser Abneigung, quillt über vor Konflikten und Zärtlichkeit. Ihre Hintergründe – die traumatischen, sie gezeichneten Erlebnisse und ihre seelischen Narben – zu entdecken, war absolut bewegend. Und intensiv.
Von allen bisher kennengelernten Kämpferinnen der „Queens and Monsters“ war Reyna Caruso die Unberechenbarste, wurde sie doch in diese Welt, in ein System, in dem Männer die Macht und Frauen nichts haben, hineingeboren. Rey kennt die wahren Ungeheuer, ihren Verrat und die brüchigen Bündnisse, kennt ihren Platz und ist sowas von bereit, diesen zu verlassen und aufzusteigen …

Die Handlung ist von Anfang bis Ende mitreißend und spannend, spaßig und heiß. Hält Spicy-Szenen, Romantik und Überraschungen bereit.
Ich jedenfalls hätte nichts gegen mehr Geschichten über die Monster und ihre Königinnen. Kurz: absolute Suchtgefahr!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2026

Lebensnah, authentisch, berührend

You and Me - Die zweite erste Liebe
0

Jules und Adam sind in ihren 50ern, seit 25 Jahren verheiratet, Eltern von zwei erwachsenen Kindern und waren die erste große Liebe füreinander.
Doch wo früher Aufregung und Schmetterlinge waren, haben ...

Jules und Adam sind in ihren 50ern, seit 25 Jahren verheiratet, Eltern von zwei erwachsenen Kindern und waren die erste große Liebe füreinander.
Doch wo früher Aufregung und Schmetterlinge waren, haben sich längst Gewohnheit und Distanz eingenistet. Resignation und Unzufriedenheit haben Leidenschaft und Wertschätzung ersetzt. Ihre euphorischen Zukunftspläne wurden von der Monotonie des Alltags überschrieben, von Ängsten, Scheitern und Zögern. Die Ehe von Jules und Adam befindet sich in einem Zustand, der nach Stagnation schreit und nach Wehmut. Denn was wäre gewesen, wenn …
Welche Chancen haben sie verpasst, welche Fehler gemacht und was kommt noch? Was bleibt, wenn Nelly und Liam das Nest verlassen?

Als Adam sich nach einem Streit ein altes Mixtape anhört, ist er wieder 17 Jahre jung. Mit dieser unglaublichen Entdeckung verändert sich für das Paar alles – in dieser und in jeder Zeit zuvor. Was als Beobachtung beginnt, entwickelt sich zu einer Sucht, in der nichts unmöglich zu sein scheint. Aber jedes Eingreifen in die Vergangenheit hat unberechenbare Folgen.
Statt die Gegenwart besser zu gestalten, erkennen sich Adam und Jules, erkennen sie einander, schon bald nicht wieder. Und plötzlich droht, dieses Abenteuer zu entgleisen und all ihre Jahre, ihre Erinnerungen, ihre Familie zu zerstören …
Wie viel musst du ändern, um zufrieden zu sein?

„You and Me: Die zweite erste Liebe“

Emlyn Rees und Josie Lloyd lassen uns aus wechselnder Perspektive, in einem direkten und modernen, lebendigen Ton, an dem Geschehen, das mich von Seite eins an gefesselt, ungeahnt berührt und interessiert hat, teilhaben. Zu Beginn erhalten wir Einblicke in die gegenwärtige Situation des Ehepaares, erhaschen Funken der brodelnden Konflikte, der vergeblichen Bemühungen, der monotonen Gleichgültigkeit. Es fehlt an Geld, neuen Perspektiven, Herausforderungen und frischem Wind. An dem Kribbeln, das der andere einst entfachte, an der glückstrunkenen Liebe ihrer Jugend. Auch der Blick in den Spiegel, die körperlichen Veränderungen – der nicht mehr ganz so straffe Körper, die Falten im Gesicht, die ersten grauen Haare –, einschneidende Erlebnisse, die ihren Weg steiniger werden ließen, sowie die Vergleiche mit FreundInnen, beißender Neid, stille Vorwürfe quälen Adam und Jules. Dass sich die Protagonisten um ihren grundverschiedenen Nachwuchs sorgen, kommt erschwerend hinzu. Das Autorinnenduo hat all diese Empfindungen, die Probleme und die Wut unglaublich authentisch dargelegt. Nahbar. Sich mit den Gefühlen der beiden zu identifizieren, gelingt mühelos, passiert einfach so.
Sobald die – anfangs hoffnungsvoll betrachteten – Mixtapes, diese verführerische Chance auf ein erfüllteres, leichteres Leben, ins Spiel kommen, steigt neben Tempo, Nervenkitzel und Euphorie auch die Verzweiflung an. Parallel hierzu wird die Vergangenheit des Paares mit relevanten, für uns hilfreichen Informationen ausgeschmückt. Denn während der Zeitreisen sind wir mittendrin: in den romantischen Anfängen, bei schweren Entscheidungen und den ersten Brüchen, entdecken Facetten und Träume, Sehnsüchte und Geheimnisse, Enttäuschung und Trauer. Adams und Jules individuelle Motivationen waren natürlich und nachvollziehbar, genau wie die wachsende Panik. Wie die langsam zunehmende Gewissheit, nicht mehr umkehren zu können, auf jeder Reise etwas zurückzulassen und einen Teil ihrer selbst, ihrer Beziehung, der Wahrheit auszuradieren …

Adam und Jules wurden mit viel Liebe zum Detail, mit Fehlern, ambivalenten Empfindungen und Eigenheiten gezeichnet, waren unfair und wütend, einsichtig und voller Bedauern. Beide entwickeln sich, gewinnen Erkenntnisse und wachsen an diesem fantastischen und zugleich gefährlichen Abenteuer. Die Story war bunt und echt, strotzt trotz der beklemmenden Umstände vor Unterhaltung und auch die Nebenfiguren – vor allem Darius, Nelly und Liam – bekommen den nötigen Raum und bereichern mit ihrer Präsenz, ihren Eigenschaften und Intentionen die Handlung.

Die Autorinnen haben in ihrem aussagekräftigen, ereignisreichen und spannenden Plot sich stetig wandelnde Charaktere, etliche Überraschungen und unvorhersehbare Wendungen platziert. Es gab bewegende Szenen, humorvolle Momente, Augenblicke, die schwer von Wehmut und Melancholie waren. Kapitel, die von einer bedrückenden Stimmung begleitet wurden, und solche, die vor Leichtigkeit sprühen.
Hier und da flossen die Übergänge zwischen Vergangenheit und (neuer) Gegenwart auf eine Art ineinander, die es schwierig machte, den Überblick zu behalten, doch abgesehen davon hatte ich unglaublich viel Spaß mit dem Roman, der zum Innehalten und Nachdenken, zum Mitfiebern und -fühlen drängt. Der Nostalgie und Vorfreude, Verständnis und Wiedererkennen weckt. Mut macht.

Rees und Lloyd schrieben mit „You and Me: Die zweite erste Liebe“ eine turbulente, realitätsnahe Geschichte, die daran erinnert, dass wir jetzt die beste und einzig richtige Version unserer selbst sind und jede Entscheidung, mag sie noch so klein sein, Veränderungen birgt. Dass es nie zu spät ist, seine Träume zu leben. Und die Liebe von gestern auch in einem neuen Morgen bestehen kann, wenn man sie wirklich will.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2026

Emotional Scars meets Boys Love

Go Luck Yourself
0

𝐆𝐨 𝐥𝐮𝐜𝐤 𝐲𝐨𝐮𝐫𝐬𝐞𝐥𝐟

Die Magie von Weihnachten, die Freude, wurde gestohlen, dabei brauchen die Clausens jeden Funken, um ihre Schulden bei den anderen Feiertagen zu tilgen. Diese Nachricht würde nach dem ...

𝐆𝐨 𝐥𝐮𝐜𝐤 𝐲𝐨𝐮𝐫𝐬𝐞𝐥𝐟

Die Magie von Weihnachten, die Freude, wurde gestohlen, dabei brauchen die Clausens jeden Funken, um ihre Schulden bei den anderen Feiertagen zu tilgen. Diese Nachricht würde nach dem kürzlich aufgedeckten Skandal um die mächtige Winterfamilie nicht gut ankommen und so beschließen die Erben der Weihnacht, dem einzigen Hinweis, den sie am Tatort gefunden haben, nachzugehen. Da Coal mit politischen Verhandlungen, diplomatischem Kram und der Planung seiner baldigen Krönung beschäftigt ist, stürzt sich Kris in die Aufklärung der … Rache? Vergeltung? Oder des Karmaschlags?

Was der vermeintliche „Ersatzprinz“ nicht weiß: 𝗟𝗼𝗰𝗵𝗹𝗮𝗻𝗻 𝗣𝗮𝘁𝗿𝗶𝗰𝗸 ist nicht nur der Kronprinz des St. Patrick’s Days, sondern auch der arrogante Student, mit dem er erst kürzlich eine in einem Lamettastrom ausartende Konfrontation ausgetragen hat …


𝑬𝒎𝒐𝒕𝒊𝒐𝒏𝒂𝒍 𝑺𝒄𝒂𝒓𝒔 𝒙 𝑯𝒂𝒕𝒆𝒓𝒔 𝒕𝒐 𝑳𝒐𝒗𝒆𝒓𝒔


Positiv vorweg: Ich mag die originelle Idee der „𝗥𝗼𝘆𝗮𝗹𝘀 𝗮𝗻𝗱 𝗥𝗼𝗺𝗮𝗻𝗰𝗲“-Reihe, in der Sara Raasch den Feiertagen ein Gesicht gibt und Liebe über den eigenen Horizont hinaus erschafft. Dass die sensiblen Themen, die in die Geschichten einfließen, mehr sind als Beiwerk, sondern tragend für die Entwicklung der Figuren, der Beziehungen und der Storyline, sorgt für überraschend viel emotionale Tiefe.
Jedoch fehlt es beiden Teilen an der angepriesenen Gemütlichkeit sowie dem Witz.

Erzählt wird aus der Sicht von 𝗞𝗿𝗶𝘀𝘁𝗼𝗽𝗵𝗲𝗿 𝗖𝗹𝗮𝘂𝘀, der seine Energie und Fürsorge seit Jahren aufwendet, um den Menschen um sich herum zu gefallen, ihnen zu helfen – es einfach allen recht zu machen, mit der Intention, einem weiteren Verlust entgegenzuwirken. Kris schreibt über Happy Ends, wagt es aber nicht, von seinem eigenen zu träumen.
Nun, da sein Bruder das Weihnachtsimperium führt und mit dem Prinzen von Halloween auf Wolke sieben schwebt, er nicht für eine Koalition mit Ostern Sorge tragen kann und ihn auch sein eingeschlagenes Studium nicht erfüllt, driftet der Christmas-Prinz in einen Strudel aus sich verstärkenden Selbstzweifeln und dem Gefühl, nutzlos zu sein. Und seine Eltern? Die machen ihm sein Dasein nur noch schwerer.
Somit kommt die neue Aufgabe Kristopher nur recht. Getarnt als diplomatisches Friedensangebot und Publicity-Session reist er – angriffslustig und siegesgewiss – nach Irland. Aber schnell fällt ihm die unverhältnismäßige Lebenssituation der hiesigen Royals auf: keine Bediensteten, kein Prunk, keine Magie. Und wo ist eigentlich der König?

Obwohl Kris weder seinen Ärger ob der Dreistigkeit noch sein Misstrauen loswird, lässt er sich auf die St.-Patrick's-Day-Family, die so gar nicht in glückstrunkener Feierlaune zu sein scheint, ein. Zwischen saftigen Schlagabtauschen, unangenehmen Fragen und zu viel Whiskey, Wohltätigkeitsveranstaltungen, heimlicher Spionage und subtiler Provokation kommen sich die Royals näher, offenbaren einander ihre Bürde, ihren Schmerz. Der Weihnachtsprinz sieht hin, zu Loch, dem arroganten Künstler, der kalt wie Eis ist und für schlechte Presse sorgt. Der im Hintergrund die Strippen zieht, organisiert und arrangiert und alles versucht, um den grünen Feiertag am Leben zu halten. Dabei hat Kris nicht vor, sich von seinen unangebrachten Gefühlen ablenken zu lassen und mit seinem Versagen Coal zu enttäuschen … Denn irgendjemand stiehlt die unabdingbare Freude und Weihnachten muss wissen, wieso.

Stilistisch erleben wir die verzwickte Situation in einem direkten und modernen, oft lockeren Ton, der in einem starken Kontrast zu den aufgegriffenen Themen und der vorherrschenden tristen, melancholischen Stimmung steht. Im Verlauf werden wir mit der Suche nach der eigenen Identität konfrontiert, mit der Angst vor dem Scheitern und Verlassenwerden, mit manipulativen und toxischen Beziehungen und dem harten Schritt, endlich loszulassen. Zwar verstreut die Autorin hier und da Informationen, die dem politischen und magischen Verständnis zugutekommen, aber ein großer Teil der Handlung besteht aus Kristophers kreisenden Überlegungen, seinem Abwägen und ausgedehnten Monologen, was den Schwung der Urban-Fantasy ausbremst und auch den Auftrag, mehr über die Familie von St. Patrick heraus- und ggf. den Dieb zu finden, in den Hintergrund drängt. Die Autorin versucht mit Lochlanns Bemühungen, dem St. Patrick's Day Gewichtung abseits des Klischees zu verleihen, schafft dies jedoch nur bedingt, da es dem Aspekt an Tiefe fehlte. Ebenfalls schade war, dass Loch hinten runterfällt. Dabei hätte sein gesamtes, von der Presse und seinem Onkel klein gehaltenes Wesen definitiv für Abwechslung sorgen können.

Wie schon in „Nightmare before Kissmas“ erhielt der familiäre und freundschaftliche Strang hingegen ausreichend Raum – mit Hex, Iris, Fionnuala, Siobhán, Coal und Wren (…) bekam die Handlung einige warmherzige Momente, die von Zusammenhalt und Witz geprägt waren. Ich mochte die Figuren, ihre Eigenheiten, Rollen und ihre Unverblümtheit wieder sehr gern.

Bis Loch und Kris über ihre Rivalitäten und den Argwohn springen, vergeht viel Zeit. Ihr aufeinanderzubewegen verläuft holprig, nicht ohne spritzige Neckereien und erkenntnisreiche Gespräche, nicht ohne Lügen und Enttäuschungen. Nicht ohne Geheimnisse, die vielleicht jeden persönlichen und zwischenmenschlichen Fortschritt zunichtemachen könnten … Kurz: im angemessenen Slow-Burn-Modus. Aber: Die Spicy-Szenen empfand ich in Relation zu dem (eigentlichen/vorherigen) Plot als zu ausschweifend – wären diese Intimitäten das i-Tüpfelchen einer ereignisreichen und lebendigen Storyline, hätten sie sicher gut funktioniert, aber da der Roman trotz Deep Thoughts, berührenden Sequenzen und Überraschungen größtenteils unspektakulär und seicht dahin schreitet, hat mich die Aufmerksamkeit an dieser Stelle genervt. Ob wir dem Dieb der Feiertagsmagie auf die Schliche kommen? Das findet ihr heraus, wenn ihr euch in „Go luck yourself“ stürzt.

Aller Kritik zum Trotz: Aufgrund der Originalität und der relevanten, nahbaren Probleme sowie der charmanten Figuren empfehle ich die Royal und Romance Reihe allen, die nicht vor mit Ernst gesprenkelten Urban-Fantasy Geschichten zurückschrecken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2026

Leider nicht die erhoffte bewegende Romance

Can't Stop Thinking About You
0

„Can't stop thinking about you“ ist die neue Romance von Bella Paasch, in der wir in das Showbusiness mit all den Schattenseiten ab- und in eine Liebe, von der niemand wissen darf, eintauchen.

Esthеr ...

„Can't stop thinking about you“ ist die neue Romance von Bella Paasch, in der wir in das Showbusiness mit all den Schattenseiten ab- und in eine Liebe, von der niemand wissen darf, eintauchen.

Esthеr Kenneth ist die rechte Hand, der personifizierte Terminkalender und vielleicht so etwas wie eine Freundin von Sienna Cartwright. Stets an der Seite der berühmten Schauspielerin zu sein, heißt auch, dass Begegnungen mit der Prominenz, mit den Sternchen Hollywoods für sie nichts Neues sind. Doch als Esthеr plötzlich Owen Everson gegenübersteht – dem neuen Fake-Freund ihrer Chefin – reißt ihr sein charmantes Auftreten, seine provokante, flirty Art den Boden unter den Füßen weg. Schnell weckt er Gefühle in der sonst so professionellen Assistentin, die weit über reines Verlangen hinausgehen. Aber Esther weiß, dass sie dieser Anziehung unter keinen Umständen nachgeben sollte, denn eine Schlagzeile à la »Cartwrights treue Angestellte spannt ihr den umtriebigen Mann aus!« wäre aktuell die absolut falsche Publicity für Sienna und ihre Karriere.

Owen Everson hat seinen Ruf als Aufreißer, Frauenheld und Partyhengst längst weg. Dass sein Management ihn nun eine Fake-Frau an die Seite pinnt, passt dem Musiker so gar nicht. Und doch bleibt ihm nichts anderes übrig, als mitzuspielen. Zumindest ist Esther, die fortan immer in der – in seiner – Nähe zu sein scheint, ein Lichtblick, der das zeitintensive Arrangement für den Rockstar mit einer Prise Aufregung und Nervenkitzel bestückt …

Je mehr sie einander kennenlernen, je alltäglicher heimliche Treffen und scheue Blicke, verruchte Lächeln, flüchtige Berührungen in der Öffentlichkeit werden, je häufiger sie ihre Geheimnisse und Sehnsüchte teilen, umso stärker steigt das Risiko, aufzufliegen. Doch weder Esther noch Owen können sich gegen ihre Gefühle, gegen den Reiz wehren …

Positiv vorab: Paasch verzichtet auf Starallüren und abgehobene Egos und bestückt ihre Celebrity-Romance mit realistischen, strategischen Inszenierungen. Von Versuchen, die Schlagzeilen zu beeinflussen und von Skandalen abzulenken, ein Scheinbild zu kreieren, bis zu jenen, dem Trend und den Erwartungen hunderttausender Fremder zu entsprechen. Die LeserInnen spüren den Zwang von Owen und Sienna, das darzustellen und zu leben, was andere fordern, spüren den Druck, die Flüchtigkeit des Ruhms. Die seichte Angst. Tief drinnen der Wunsch: für Talent geliebt zu werden. Mehr zu sein als eine Marke.
Und leider war es das für mich auch schon.
Die romantische Komponente fand ich unspektakulär und lasch. Aufgrund der sofortigen (körperlichen) Reaktionen und beidseitiger Bereitschaft fehlte es mir an Prickeln und einer spannenderen Entwicklung. Bedauerlicherweise gefiel mir auch der Stil nicht, wirkte das Gelesene auf mich doch durch und durch „wie einfach runtergeschrieben“, frei von Raffinesse oder Eleganz. Ohne Authentizität. Unrunde Sätze und Wortwiederholungen gab's obendrauf. Dementsprechend waren die Gefühle für mich nicht greifbar, ebenso wenig wie mich der „Humor“ oder das Geplänkel unterhalten konnten. Im Gegenteil: Die „Neckereien“, das Verhalten und auch die ausschweifenden, sich kreisenden Monologe waren nervig. Einen Pluspunkt gibt es zumindest für Ella und Valentina, die echt cool waren. Hierbei handelt es sich um meine persönliche Meinung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2026

Das war leider nichts

The Love-Life-List: (Un)Wahrheiten über das Leben und die Liebe
0

In „The Love-Life-List: (Un)Wahrheiten über das Leben und die Liebe“ geleitet uns Kira Mohn nicht nur zurück in den gemütlichen Buchladen ,Unicorns, Starships & Bugs' und in die bereits aus „Note to myself: ...

In „The Love-Life-List: (Un)Wahrheiten über das Leben und die Liebe“ geleitet uns Kira Mohn nicht nur zurück in den gemütlichen Buchladen ,Unicorns, Starships & Bugs' und in die bereits aus „Note to myself: Liebe ist keine Option“ bekannte Clique, sondern wirft uns in einen Strudel von Unsicherheiten und existenziellen Fragen …

Ihr Weg zur Selbstfindung führt Rose Turner weg von Zuhause, weg von ihren Eltern, ihrem gebrochenen Herzen und raus aus dem Schatten ihrer Schwester. Statt in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und als Medizinstudentin Karriere zu machen, lektoriert die junge Frau in einer kleinen Wohnung inmitten der Freiheit New Yorks Bücher. Eine Tätigkeit, die Rose zufrieden, aber nicht glücklich macht. Als Freundin Zara ihr einen Minijob in deren Kinderbuchhandlung anbietet, stimmt die Katzenmom sofort zu. Hier trifft sie auf Zane Brooks, den neuen – unwillkommenen – Nachbarn des ,Unicorns, Starships & Bugs'. Denn seine, durchaus wunderschöne, Selbstständigkeit vergrault Zara und Tobey die KundInnen … Rose und Zane jedoch, die kommen sich schnell näher und gemeinsam versuchen die beiden, den Konflikt – Tattoos vs. Kinderbücher – und die Vorurteile der Kundschaft zu beseitigen. Und nebenbei schafft es Zane auch auf ganz andere Weise zu Rose durchzudringen …

Durch den attraktiven und aufmerksamen Tattoo-Artist wird Rose immer häufiger zum Hinterfragen animiert – ihrer Entscheidungen, die vielleicht mehr Rebellion und Wut waren als selbstbestimmt, ihrer Komplexe, sobald es um die perfekte Halley geht, der stillen Unzufriedenheit, die aufkommt, wenn sie den Blick auf ihre nebulöse Zukunft richtet. Wer will sie sein, wohin will sie gehen und wer ist sie jetzt?

Zuerst: Jedes Kapitel wird von einer Aussage, einer Lebens-Liebe-Regel, eingeleitet, die echt schön war. Mohn lässt uns das Geschehen aus Roses Perspektive verfolgen, sodass wir einen guten Einblick in deren Leben und Gedanken bekommen, ihre Reaktionen und Zweifel nachvollziehen können und Gründe finden, sie schütteln zu wollen. Denn die teeliebende Lektorin ist festgefahren – hauptsächlich darin, ihre Schwester auf ein Podest- und ihre Träume hinten anzustellen, sich mit anderen zu vergleichen, während ihre Meinung von sich selbst nicht die beste ist. Dabei konnte ich – als unsicherer und wenig Selbstliebe erübrigender Mensch – ihre verschiedenen Zwiespälte, ihre von Minderwertigkeitsgefühlen ausgelöste Impulsivität verstehen. Ihre Suche nach Identität und einem Platz, jemanden, der die echte Rose, ungefiltert, sieht. Ihren Drang, sich zu beweisen, unabhängig zu sein.

Zugegeben, es gab hier einiges, das ich entweder total lasch inszeniert oder aber absolut drüber fand – bspw. die ausbleibende Kundschaft eines Geschäfts für Kinderbücher, weil nebenan ein Tattoo-Laden eröffnet? Really? Die Klischees, in denen die KünstlerInnen und KundInnen angeblich gesehen werden, waren weit entfernt von zeitgemäß und dass „The Love-Life-List“ in einer bunten Metropole spielt, trägt hierbei auch nicht zur Authentizität bei. Ebenfalls fehlte mir die „romantische Komödie“ – die Geschichte glänzt weder mit skurrilen Szenen noch mit Witz oder humorvollen Schlagabtauschen. Obwohl ich die (neueren) Bücher der Autorin prinzipiell mag, wirkte das Gelesene dieses Mal unpassend distanziert und kühl. Statt mittendrin zu sein, hatte ich den Eindruck, die knapp bemessene Storyline, mehr nüchterne Erzählung als warmherzige Romance, von obendrauf zu verfolgen.

Dass die Drama-Komponente auf den letzten 100 Seiten zunimmt, sich durch Lügen und unerfreuliche Überraschungen, fehlende Kommunikation und Offenheit sowie divenhaftes (und echt undankbares) Verhalten – Letzteres zumindest nicht seitens der Protagonistin – zuspitzt, gab der bis dato gemächlichen Handlung zwar einen Bruch, traf bei mir aber nicht den richtigen Nerv, außer dieser sollte Augenrollen verursachen. Zane bleibt ein blasser Good Guy, der lediglich als Rose' emotionaler Support, als ihr Halt, fungiert. Er ist perfekt und wurde nahezu glatt gezeichnet. Seine durchweg fürsorglichen und verständnisvollen Antworten hinterließen eher einen konstruierten Beigeschmack. Mehr Facetten des Tätowierers und ernstzunehmende Diskussionen hätten der zwischenmenschlichen – insgesamt seichten – Beziehung, die von Anfang an komplikationslos, leider ohne ein wirkliches Kennenlernen und eine stimmige Entwicklung verlief, nicht geschadet. Zara erweist sich hingegen als tolle Freundin und einen tierischen Sidekick samt der Liebe zum geschriebenen Wort und der visuellen Kunst gibt's obendrauf.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere