Romancesuspense die bewegt
The Storm in Our HeartsEin Jahrzehnt ist vergangen, seit Jane McCaffrey ihre Heimatstadt und damit auch ihren besten Freund, ihre erste Liebe, wortlos verlassen hat. Statt den perfekten Neuanfang inmitten der Großstadtanonymität ...
Ein Jahrzehnt ist vergangen, seit Jane McCaffrey ihre Heimatstadt und damit auch ihren besten Freund, ihre erste Liebe, wortlos verlassen hat. Statt den perfekten Neuanfang inmitten der Großstadtanonymität zu erhaschen, sich als Musikerin einen Namen zu machen, verfängt sie sich schon bald in einem Netz aus Angst und Gewalt – etwas, das sie doch so dringend hinter sich lassen wollte …
♡ „𝘝𝘪𝘦𝘭𝘭𝘦𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘸𝘢𝘳 𝘴𝘪𝘦 𝘻𝘶 𝘦𝘪𝘯𝘴𝘢𝘮 𝘶𝘯𝘥 𝘷𝘦𝘳𝘻𝘸𝘦𝘪𝘧𝘦𝘭𝘵 𝘨𝘦𝘸𝘦𝘴𝘦𝘯, 𝘶𝘮 𝘮𝘦𝘩𝘳 𝘻𝘶 𝘦𝘳𝘸𝘢𝘳𝘵𝘦𝘯 𝘢𝘭𝘴 𝘥𝘢𝘴, 𝘸𝘢𝘴 𝘴𝘪𝘦 𝘢𝘮 𝘌𝘯𝘥𝘦 𝘣𝘦𝘬𝘢𝘮. 𝘝𝘪𝘦𝘭𝘭𝘦𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘴𝘤𝘩𝘪𝘦𝘯 𝘦𝘴 𝘪𝘮𝘮𝘦𝘳 𝘯𝘰𝘤𝘩 𝘣𝘦𝘴𝘴𝘦𝘳 𝘻𝘶 𝘴𝘦𝘪𝘯 𝘢𝘭𝘴 𝘥𝘢𝘴, 𝘸𝘢𝘴 𝘴𝘪𝘦 𝘷𝘰𝘯 𝘻𝘶 𝘏𝘢𝘶𝘴𝘦 𝘬𝘢𝘯𝘯𝘵𝘦.“
Jetzt sieht Jane endlich die – womöglich einzige – Chance, zu flüchten, hoffentlich zum letzten Mal. Raus aus der Isolation, raus aus dem Leben auf Zehenspitzen. Sich der Risiken ihres Plans bewusst, setzt die heute 28-Jährige alles daran, Scarlett vor Trauma und Schmerz, vor jenen Erfahrungen zu bewahren, vor denen ihre eigene Mutter sie nie beschützen konnte. Linden Falls wird zu einer Zwischenstation – die Jane mit einer Flut aus Erinnerungen und Gefühlen willkommen heißt. Mit verdrängten Momenten voller Pein, Vorsicht und Tränen. Aber auch mit Augenblicken, an die sie sich so lange verboten hat, zu denken: Erdnussbutter Brownies. Auftritte im Grassroots Café. Abende auf der Aussichtsplattform. Ali, Hannah, Nik. Schmetterlinge und Küsse. Dass Jane trotz ihrer damaligen Entscheidungen auch Herzlichkeit entgegenschwappt, Umarmungen von alten FreundInnen, ist für die junge Mutter ebenso überraschend, wie sie die Liebe, die noch immer in Nik Andinos Augen liegt, überfordert …
„The Storm in Our Hearts“ ist ein bewegender Roman, in dem wir mit sensiblen Themen, lückenhaften Systemen und realen Situationen konfrontiert werden. Mit Szenarien und Emotionen, die wehtun. Mit Figuren, deren Gedanken, Empfindungen und Verhaltensweisen so nahbar gezeichnet waren, so schmerzhaft echt, dass es mir den Hals zuschnürte. Denn wo Zärtlichkeit sein sollte, ein Gemeinsam und Verbundenheit, herrschen bei den McCaffrey Frauen Unsicherheit und Schrecken. Sozial abgeschieden, unterdrückt und in Abhängigkeit gezwungen, erpresst und auf verschiedene Arten misshandelt … – Ergebnisse, die Narben hinterlassen, falsche Scham und Vorsicht. Aber auch Wut.
Erzählt wird hauptsächlich aus Janes Perspektive, sodass wir Teil ihres inneren Aufruhrs werden, ihres Chaos, ihrer Zweifel und ihres Plans. Da uns Melissa Wiesner in einem einfachen, schnörkellosen Stil – aber durchaus in bildreichen Worten – durch die Handlung führt, war es leicht, sich mit Jane in Linden Falls zu verlieren, sich zu erinnern. Inmitten von Angst, Melancholie und Schwermut flimmern nach und nach Hoffnung auf, begrabene Leidenschaft. Aufgrund intensiver Schilderungen und Einblicke in die Zeit vor und während Los Angeles waren der stete Schulterblick zurück, das Misstrauen, Sorge und Unruhe ein präsenter Bestandteil der Protagonistin und der Storyline, genau wie Janes Distanz, ihre Kälte. Wie die still in ihr brodelnden Vorwürfe, wenn sie ihrer Mutter in die Augen sieht – dieselben, die auch in ihr toben, wenn sie ihrem eigenen Spiegelbild entgegenblickt. Denn eigentlich wollte die Flüchtige, die alles und jeden verlassen hat, um dem Kreislauf zu entfliehen, nie so sein, nie so werden …
Durchbrochen werden Janes Vergangenheit und Gegenwart von Nik, dessen Träume mit den Jahren andere wurden, der seine Bestimmung fand, aber nie aufhörte, seine beste Freundin zu suchen, sie zu vermissen, sich nach ihr zu sehnen. Jane McCaffrey jetzt zu begegnen, reißt dem Assistenzarzt den Boden unter den Füßen weg und doch ist er nicht gewillt, Jane noch einmal ohne Antworten gehen zu lassen.
Als er ihren Geheimnissen näher kommt, taucht plötzlich eine weitere Frage in seinem Kopf auf. Eine, dessen Antwort er vielleicht nicht ertragen kann.
Wiesner hat hier eine aufwühlende Geschichte geschrieben, die das Denken und Fühlen, den Alltag, zu vieler Menschen aufgreift und damit mitten ins Herz trifft. Eigenen Zorn entfacht. Das winterliche Setting einer Kleinstadt wurde im Heute gemütlich inszeniert, während dem Elternhaus der Protagonistin ein Stillstand, Trostlosigkeit, anhaftet. Obgleich die Stimmung angespannt ist, wankend, subtil von Bedrohung durchtränkt, sorgt Scarlett – einerseits mit unbedarfter Kindlichkeit, andererseits zu erwachsen, sich der Umstände bewusst – für Leichtigkeit. Für Normalität. Auch Janes Mom ist relevant, eine Frau, die ihr Leben in die Hände eines Monsters gelegt hat. Bereut. Und so ambivalente Emotionen diese Figur auch auslöst, so … authentisch ist sie. Zerbrochen, aber nicht am Boden. Frei, jedoch nicht losgelöst von den ihr über Jahre hinweg eingebläuten (Denk)Mustern.
Nik ist ein absoluter Greenflagboy, einer, der trotz der Tatsache, dass er mit einem gebrochenen Herzen und vielen, vielen nagenden Fragen zurückblieb, zugänglich, verständnis- und rücksichtsvoll agiert. Fürsorglich. Und Jane … die jetzt für so viel mehr kämpft als für sich. Mut, Bewunderung und Mitgefühl sind Dinge, die ich ihr auf ihrem beschwerlichen Weg, während der unerwarteten Veränderungen, entgegenbrachte. Ihr Halt in Linden Falls entwickelt sich vollkommen anders als von der Endzwanzigerin, von dieser starken Mutter, erhofft – der Verlauf spitzt sich zu, schlägt Haken und mündet in eine unerwartete Richtung.
Melissa Wiesner widmet sich in „The Storm in Our Hearts“ ungemein wichtigen Themen, generiert Aufmerksamkeit für die Opfer von häuslicher Gewalt und bannt Empfindungen und Handlungsweisen realistisch auf Papier. Zudem weist die Autorin in ihrer Romance darauf hin, dass sich selbst unter dem Deckmantel eines Retters, eines Charmeurs, ein Ungeheuer verbergen kann … und ein ganzes Dorf täuscht. Du bist nicht allein und du hast mehr verdient.