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Veröffentlicht am 20.03.2026

Das war leider nichts

The Love-Life-List: (Un)Wahrheiten über das Leben und die Liebe
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In „The Love-Life-List: (Un)Wahrheiten über das Leben und die Liebe“ geleitet uns Kira Mohn nicht nur zurück in den gemütlichen Buchladen ,Unicorns, Starships & Bugs' und in die bereits aus „Note to myself: ...

In „The Love-Life-List: (Un)Wahrheiten über das Leben und die Liebe“ geleitet uns Kira Mohn nicht nur zurück in den gemütlichen Buchladen ,Unicorns, Starships & Bugs' und in die bereits aus „Note to myself: Liebe ist keine Option“ bekannte Clique, sondern wirft uns in einen Strudel von Unsicherheiten und existenziellen Fragen …

Ihr Weg zur Selbstfindung führt Rose Turner weg von Zuhause, weg von ihren Eltern, ihrem gebrochenen Herzen und raus aus dem Schatten ihrer Schwester. Statt in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und als Medizinstudentin Karriere zu machen, lektoriert die junge Frau in einer kleinen Wohnung inmitten der Freiheit New Yorks Bücher. Eine Tätigkeit, die Rose zufrieden, aber nicht glücklich macht. Als Freundin Zara ihr einen Minijob in deren Kinderbuchhandlung anbietet, stimmt die Katzenmom sofort zu. Hier trifft sie auf Zane Brooks, den neuen – unwillkommenen – Nachbarn des ,Unicorns, Starships & Bugs'. Denn seine, durchaus wunderschöne, Selbstständigkeit vergrault Zara und Tobey die KundInnen … Rose und Zane jedoch, die kommen sich schnell näher und gemeinsam versuchen die beiden, den Konflikt – Tattoos vs. Kinderbücher – und die Vorurteile der Kundschaft zu beseitigen. Und nebenbei schafft es Zane auch auf ganz andere Weise zu Rose durchzudringen …

Durch den attraktiven und aufmerksamen Tattoo-Artist wird Rose immer häufiger zum Hinterfragen animiert – ihrer Entscheidungen, die vielleicht mehr Rebellion und Wut waren als selbstbestimmt, ihrer Komplexe, sobald es um die perfekte Halley geht, der stillen Unzufriedenheit, die aufkommt, wenn sie den Blick auf ihre nebulöse Zukunft richtet. Wer will sie sein, wohin will sie gehen und wer ist sie jetzt?

Zuerst: Jedes Kapitel wird von einer Aussage, einer Lebens-Liebe-Regel, eingeleitet, die echt schön war. Mohn lässt uns das Geschehen aus Roses Perspektive verfolgen, sodass wir einen guten Einblick in deren Leben und Gedanken bekommen, ihre Reaktionen und Zweifel nachvollziehen können und Gründe finden, sie schütteln zu wollen. Denn die teeliebende Lektorin ist festgefahren – hauptsächlich darin, ihre Schwester auf ein Podest- und ihre Träume hinten anzustellen, sich mit anderen zu vergleichen, während ihre Meinung von sich selbst nicht die beste ist. Dabei konnte ich – als unsicherer und wenig Selbstliebe erübrigender Mensch – ihre verschiedenen Zwiespälte, ihre von Minderwertigkeitsgefühlen ausgelöste Impulsivität verstehen. Ihre Suche nach Identität und einem Platz, jemanden, der die echte Rose, ungefiltert, sieht. Ihren Drang, sich zu beweisen, unabhängig zu sein.

Zugegeben, es gab hier einiges, das ich entweder total lasch inszeniert oder aber absolut drüber fand – bspw. die ausbleibende Kundschaft eines Geschäfts für Kinderbücher, weil nebenan ein Tattoo-Laden eröffnet? Really? Die Klischees, in denen die KünstlerInnen und KundInnen angeblich gesehen werden, waren weit entfernt von zeitgemäß und dass „The Love-Life-List“ in einer bunten Metropole spielt, trägt hierbei auch nicht zur Authentizität bei. Ebenfalls fehlte mir die „romantische Komödie“ – die Geschichte glänzt weder mit skurrilen Szenen noch mit Witz oder humorvollen Schlagabtauschen. Obwohl ich die (neueren) Bücher der Autorin prinzipiell mag, wirkte das Gelesene dieses Mal unpassend distanziert und kühl. Statt mittendrin zu sein, hatte ich den Eindruck, die knapp bemessene Storyline, mehr nüchterne Erzählung als warmherzige Romance, von obendrauf zu verfolgen.

Dass die Drama-Komponente auf den letzten 100 Seiten zunimmt, sich durch Lügen und unerfreuliche Überraschungen, fehlende Kommunikation und Offenheit sowie divenhaftes (und echt undankbares) Verhalten – Letzteres zumindest nicht seitens der Protagonistin – zuspitzt, gab der bis dato gemächlichen Handlung zwar einen Bruch, traf bei mir aber nicht den richtigen Nerv, außer dieser sollte Augenrollen verursachen. Zane bleibt ein blasser Good Guy, der lediglich als Rose' emotionaler Support, als ihr Halt, fungiert. Er ist perfekt und wurde nahezu glatt gezeichnet. Seine durchweg fürsorglichen und verständnisvollen Antworten hinterließen eher einen konstruierten Beigeschmack. Mehr Facetten des Tätowierers und ernstzunehmende Diskussionen hätten der zwischenmenschlichen – insgesamt seichten – Beziehung, die von Anfang an komplikationslos, leider ohne ein wirkliches Kennenlernen und eine stimmige Entwicklung verlief, nicht geschadet. Zara erweist sich hingegen als tolle Freundin und einen tierischen Sidekick samt der Liebe zum geschriebenen Wort und der visuellen Kunst gibt's obendrauf.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Beklemmend, stark erzählt, wendungsreich

Voices. Ich kann euch hören
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Drei Jahre sind vergangen, seit ein unklarer Autounfall Tamsin Shaws Realität in nebulöse Dunkelheit hüllte und sie in einen hilflosen Zustand der Abhängigkeit versetzte.
Bewegungsunfähig und gezwungen, ...

Drei Jahre sind vergangen, seit ein unklarer Autounfall Tamsin Shaws Realität in nebulöse Dunkelheit hüllte und sie in einen hilflosen Zustand der Abhängigkeit versetzte.
Bewegungsunfähig und gezwungen, schlicht zu erdulden, wartet die „Koma“patientin darauf, dass ihr Körper endlich ihrem Geist folgt. Denn dieser ist längst wieder aktiv, analysiert die BesucherInnen und versucht bisher vergeblich, sich an die letzten Stunden ihres „alten Lebens“ zu erinnern. Denn als erfahrene und erfolgreiche Psychologin weiß Tamsin, dass manche Erinnerungen so traumatisch sind, dass das Gehirn sie unter allen Umständen verschlossen hält. Dabei sind es gerade diese fehlenden Teile, die ihr das Aufwachen verwehren.

Als ihr Ehemann kurz vor ihrem 40. Geburtstag die Entscheidung trifft, sie aus diesem Zustand zu erlösen, läuft Tamsin die Zeit weg. Wenn sie jetzt aufgibt, wird sie ihrer Tochter niemals ins Gesicht blicken können …



Natalie Chandler wirft uns in „𝐕𝐨𝐢𝐜𝐞𝐬 – 𝐈𝐜𝐡 𝐤𝐚𝐧𝐧 𝐞𝐮𝐜𝐡 𝐡𝐨𝐞𝐫𝐞𝐧“ in ein angsterfülltes, beklemmendes Szenario: ausgeliefert und bedürftig, jeglicher Chance beraubt, zu kommunizieren, zuzustimmen oder abzulehnen.

Durch Tamsin und Jamie – im Jetzt und im Davor – verfolgen wir das Geschehen, welches stetig auswegloser, endgültiger zu sein scheint. Dank dieser Erzählweise bekommen die LeserInnen die Möglichkeit, die beiden als Paar und als individuelle Persönlichkeiten kennenzulernen, Einblicke in ihre Leben und Gedanken, aber auch in ihr Umfeld und die bestehenden Konflikte zu erhaschen. Seit dem Unfall hat sich Jamies Situation in eine Richtung entwickelt, die nicht nur ihm Schuld und Angst abverlangt. Ihn vielleicht sogar in einen Zustand aus Resignation und perfider Vorfreude versetzt …

Chandler versteht es, mit ihrem gewählten Aufbau zum Miträtseln zu animieren, gibt uns die Autorin doch nach und nach Bruchstücke und Fragmente, die es zusammenzusetzen gilt. Sowohl das Bild, welches uns letztlich empfängt, als auch der hürdenreiche Weg dorthin waren überraschend und berührend. Verursachen Gänsehaut.


„𝗜𝗰𝗵 𝗵𝗮𝘁𝘁𝗲 𝗺𝗶𝗰𝗵 𝗱𝗮𝗳𝘂𝗲𝗿 𝗲𝗻𝘁𝘀𝗰𝗵𝗶𝗲𝗱𝗲𝗻, 𝗺𝗶𝘁 𝗱𝗲𝗺 𝗧𝗲𝘂𝗳𝗲𝗹 𝘇𝘂 𝘀𝗽𝗶𝗲𝗹𝗲𝗻, 𝘂𝗻𝗱 𝗷𝗲𝘁𝘇𝘁 𝘄𝗮𝗿 𝗲𝗿 𝗴𝗲𝗸𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻, 𝘂𝗺 𝘇𝘂𝗺 𝗳𝗶𝗻𝗮𝗹𝗲𝗻 𝗧𝗮𝗻𝘇 𝘇𝘂 𝗯𝗶𝘁𝘁𝗲𝗻.“


Tamsin lässt uns in der Gegenwart an ihren Überlegungen und ihren „Beobachtungen“, heißt dem, was ihr ihre überschaubaren BesucherInnen erzählen sowie durch Verhalten und Stimmung aussagen, teilhaben. Erinnerungen an ihren vorherigen Alltag und ihren Job geben der Storyline – neben den detailreichen Rückblenden – greifbare Informationen und weitere Mysterien, denn vor allem ihr letzter „Patient“ findet immer wieder einen Weg in Tamsins Gedanken – und in ihr Zimmer … Der Druck, den Jamies Entscheidung, die lebenserhaltenden Maßnahmen zu beenden, auslöst, treibt nicht nur Tamsins Verzweiflung, ihre Panik und Trauer in die Höhe, sondern auch das Tempo der Handlung, während parallel die Spannung steigt.

In „Voices“ zeichnet #NatalieChandler ein authentisch wirkendes, nicht minder bedrückendes Bild von Menschen, die in einem Halbleben – hier ,Syndrom reaktionsloser Wachheit' – gefangen sind, und schafft es, den Ablauf in einer Rehaklinik und die Verantwortung der PflegerInnen hintergründig einzufangen. Mit Lucia, Jamie und Elise, Dan, Milena und Richard Mandeville begrenzt sich die Anzahl der relevanten Figuren auf ein gutes Maß, sodass der Verlauf trotz Wirrungen, Twists und der Zeitwechsel verständlich bleibt. Stilistisch schwingt durchgängig eine Distanz mit, nur selten wird die pragmatische Nüchternheit von Emotionen durchbrochen und doch reicht die Ausgangslage, um von eigenen Gefühlen übermannt zu werden. Dass die Autorin zusätzlich gewichtige Themen aufgreift, Verrat, Lügen und grenzenlose Mutterliebe mit psychologischer Analyse verknüpft, lose Fäden gekonnt verbindet und Tamsins Geschichte zu einem durchdachten Ende führt, macht „Voices – Ich kann euch hören“ zu einem unblutigen, fesselnden und gewissermaßen faszinierenden Psychothriller.


»𝗨𝗻𝗱 𝗶𝗰𝗵 𝗵𝗮𝗯𝗲 𝗶𝗵𝗿 𝘃𝗲𝗿𝘀𝗽𝗿𝗼𝗰𝗵𝗲𝗻, 𝗱𝗮𝘀𝘀 𝗻𝗶𝗲𝗺𝗮𝗻𝗱 𝗷𝗲 𝗲𝗿𝗳𝗮𝗵𝗿𝗲𝗻 𝘄𝘂𝗲𝗿𝗱𝗲, 𝘄𝗮𝘀 𝗶𝗵𝗿 𝘇𝘂𝗴𝗲𝘀𝘁𝗼ß𝗲𝗻 𝗶𝘀𝘁 (…) 𝘄𝗲𝗶𝗹 𝘀𝗶𝗲 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝘀𝗼 𝗱𝗮𝗳𝘂𝗲𝗿 𝗴𝗲𝘀𝗰𝗵𝗮𝗲𝗺𝘁 𝗵𝗮𝘁 (…).«

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Bewegender Roman

Lautlos fallen wir
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“Und doch weiß ich: Wenn ich falle, wird er da sein. Nicht um mich zu richten, sondern um mich aufzufangen.”

„Lautlos fallen wir“ ist eine Erinnerung daran, dass die größten Liebesgeschichten selten die ...

“Und doch weiß ich: Wenn ich falle, wird er da sein. Nicht um mich zu richten, sondern um mich aufzufangen.”

„Lautlos fallen wir“ ist eine Erinnerung daran, dass die größten Liebesgeschichten selten die romantischen, selten die klassischen sind, eine Erinnerung daran, dass es manchmal kein Morgen gibt und nur das Jetzt zählt.

Maelia und Elira waren unzertrennlich, bis ihre Mutter eine Diagnose erhielt, die die Kindheit der beiden beendete und weitaus mehr aus den Fugen brachte als nur die Zwillinge.
Während Elira begann, zumindest das zu kontrollieren, was in ihrer Macht steht, Höchstleistungen zu bringen, nichts anderes als Ordnung und Perfektion, stetig weniger, Hauptsache keine Last wurde, und dabei immer mehr von sich, der Lebenslust, ihrer Freundlichkeit verlor, innerlich erfror, sah Mae hin, sah alles, und rettete sich selbst. Bei ihrer Tante und ihrem Onkel baute sich die Künstlerin etwas Neues auf – doch die Vorwürfe in ihrem Kopf, die Schuld in ihrem Magen, blieben. Aber nie hätte sie in London weilen, verwelken, können, dazu verdammt, tatenlos auszuhalten.

Heute arbeitet Elira in einer angesagten Eventfirma, fokussiert darauf, die Beste zu sein, effizient, nahe bei ihren Eltern und im Kopf doch weit weg. Als sie Noel kennenlernt, versucht die 21-Jährige gerade, ihren letzten emotionalen Fauxpas mit einem Bolzenschneider von der Brücke zu lösen, nicht ahnend, dass der aufmerksame Fotograf fortan Präsenz erhält, vor den Eisentüren ihrer Festung ausharrt, geduldig. Nur langsam schafft es die junge Frau, ihn an sich heranzulassen, wieder zu lächeln, einen Schritt in das bunte Treiben zu wagen. Bis ihr das Schicksal erneut einen Tiefschlag erteilt.
Und noch einen. Und noch einen.

Indes begann Maelia in Zürich eine Ausbildung bei einem Tätowierer, der ihren Input, ihr Talent und ihre Person schätzt. Auch Hannah begleitet ihr Neufinden in der Schweiz mit freundschaftlichem Rückhalt. Abgesehen von seltenen Telefonaten mit ihren Eltern hat Mae London hinter sich gelassen, nur nicht den Schmerz, nicht die Sehnsucht nach dem einen Menschen, der sie komplettiert. Erst die Tragik, der Zeitdruck, der Wunsch, doch noch da zu sein, drängen sie in den Flieger …

„Lautlos fallen wir“ ist so leise wie lärmend, ebenso ruhig wie tosend. Jessica Juni lässt uns aus den Perspektiven der Schwestern in die aktuellen Geschehnisse eintauchen, durchbrochen von Rückblenden, die ihre intensive Verbindung und den Wandel der Familie belegen – den Rückzug des Vaters, das Verblassen von Elira, Maelias Reaktion, die Distanz, die sich breitmacht, die Wut. In der Gegenwart bereichert Noel hin und wieder den Verlauf mit seiner zarten Hoffnung auf mehr. Der Künstler war Ruhe, Geduld, war Grenzen wahren und Halt geben. Es ist ein Missverständnis, das Elira zurücktreibt, fort von ihm, in das dichte Chaos ihrer selbst …

Die Autorin setzt auf Authentizität und Poesie, auf (Ein)Dringlichkeit und Intensität, während sie von Loslassen und Weitergehen, den Hürden des Lebens, den Abschieden und Neuanfängen erzählt; von Trauer um die, die noch atmen, und um die, die gegangen sind. Verlustschmerz – bevor etwas verloren ist. Selbstschutz – wenn niemand anderes dich schützt. Hass, Schuld, Reue, Angst … Dieser New-Adult-Roman hat so unglaublich viele Facetten zu bieten, so tiefe Nuancen, treffen wir doch auf relevante Themen, reale Probleme, eine Bandbreite an Empfindungen und Gedanken, mit denen es sich identifizieren lässt, vor denen niemand sicher ist. Um die bewegenden Umstände, in denen sich die Schwestern verloren, ihr Wachsen und Ausharren, die sich im Sturm entwickelnden Persönlichkeiten und die Erkenntnisse, die manchmal erst mit der Tragik kommen, konzipierte die Autorin eine Geschichte voller Bilder und Emotionen. Dramatisch, wendungsreich, erschütternd. Denn nichts kommt, wie vermutet.

Mit wie viel Einfühlungsvermögen Jessica einzelne Punkte behandelt hat, ohne zu romantisieren, fand ich zusätzlich zur mitnehmenden Handlung und der stilistischen Leistung hervorragend: Beispielsweise kam anhand der Familie Frey der individuelle Umgang mit diversen Schwierigkeiten und die Dringlichkeit von Abgrenzung greifbar zur Geltung. Auch Elis Essstörung – inklusive ihres Dranges nach Kontrolle – erhielt Substanz, fernab vom Klischee, bekam Tiefe und wurde nach und nach genauso aufbereitet wie einige angestaute Konflikte. Ich fand mich in einigen der geschilderten Gedanken, Situationen und Empfindungen wieder, war gerührt, verstand. Litt. Und Noel? Der fungiert nicht als Ritter, nicht als hedonische Green Flag, sondern als »Ich bin da, wenn du willst!«. Denn keine Liebe der Welt – nicht die der Schwester, nicht die der Eltern oder der Kinder, nicht die romantische oder die freundschaftliche – kann eine psychische Erkrankung heilen, kann sie ausradieren. Juni bindet Therapie und den eigenen Willen gleichsam stark ein wie die Angst, zu viel zu sein, verlassen zu werden. Wie den Wunsch, endlich wieder mehr zu sein.
In Kombination mit der oft melancholischen Stimmung, der Traurigkeit in den Worten, der unterschwelligen Sorge, die von Kapitel zu Kapitel drängender, nur selten von Hoffnungsschimmern und Leichtigkeit abgelöst wird, entfaltet „Lautlos fallen wir“ eine nicht beschreibbare Wirkung, hinterlässt etwas, das bittersüß schmeckt, hallt nach. Laut. Manche Ereignisse und Wahrheiten tun weh, manches erschüttert, doch all das fügt sich perfekt in diesen lebensechten, tränennassen Roman.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Trotz Schwächen eine interessante Story

Evil Elite – Der Kodex der Ehre
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„Ist ein Mensch ein Monster, nur weil er einer Welt voller Monster entsprungen ist?“

Nach den Weihnachtsferien gerät das Leben von Francesca Sorrentino, der Tochter eines gnadenlosen Mafiosos, immer weiter ...

„Ist ein Mensch ein Monster, nur weil er einer Welt voller Monster entsprungen ist?“

Nach den Weihnachtsferien gerät das Leben von Francesca Sorrentino, der Tochter eines gnadenlosen Mafiosos, immer weiter aus dem Gleichgewicht: Ihr Vater schickt sie nicht nur mit einem gewagten Auftrag zurück nach Fort Rock, sondern auch mitsamt ihres Bruders, der zu unberechenbaren Persönlichkeitswechseln neigt. Aber als wären Mission Harmonika und Charlies Handhabe nicht schon genug, um das sich die Teenagerin während ihrer knapp bemessenen Freizeit in der elitären und hoch gesicherten Universität kümmern muss, soll sie unter allen Umständen den zweiten Neuzugang meiden: Hector Olmeda. Der Sohn des Mannes, den ihre Familie vor knapp zehn Jahren hinter Gitter befördert hat. Liegt sein plötzliches Auftauchen vielleicht in Rache begründet? Oder will er das Werk von El Tigre selbst beenden? Was auch immer hinter seinem Schulwechsel liegt, Frankie ist bereit. Ist sie doch diejenige, deren Herz nach Vergeltung dürstet.
Als sie plötzlich mysteriöse Nachrichten erhält und die Parallelen zu einem noch frischen Vermisstenfall größer werden, braucht Frankie Hilfe von dem Jungen, der ihr bei jeder Begegnung verdeutlicht, wie falsch das alles – dieses Leben, dieser Name, diese Bürde – ist. Mit ausgewählten Verbündeten kommen die beiden etwas auf die Spur, dass selbst Iggy den Eisernen aus der Fassung bringt und richtungsweisend für den gefährlichen Weg von Frankie und Hector ist.

„Evil Elite“ ist ein Dark-Academia-Suspense-Jugendroman von Aline Atman, der uns nach Fort Rock bringt, eine fast unmöglich einzunehmende Schule, eingebettet in die Kaskadenkette nahe der kanadischen Grenze. Hier lernen die Nachkömmlinge der berüchtigtsten Mafia-Clans ihr Handwerk, um eines Tages das Familiengeschäft fortführen zu können. Am besten, ohne im Knast zu landen. In Frankies Welt stehen Treue und Loyalität zum eigenen Fleisch und Blut über allem. Nur, dass Tommaso und seine Meute nicht ihr Fleisch und Blut sind …

Wir werden einzig aus der Sicht von Francesca durch das Geschehen geführt, erhaschen einen Blick in den strukturierten Alltag, den Unterricht und auf die SchülerInnen sowie die Lehrkräfte der Akademie. Diesen Aspekt fand ich interessant und die Idee originell. Jedoch wirkten nur wenige der Figuren, als gehörten sie in ein System, das von Kaltblütigkeit lebt, bar jeglicher Skrupel ist. Dennoch treffen wir auf findige Nachwuchs-Kriminelle, allen voran E.J. und Nastya, die Frankie nicht nur bei der Suche nach ‘Stalker-Shakespeare’ zur Seite stehen, sondern der misstrauischen Einzelgängerin ein Gefühl von Freundschaft und Zusammenhalt vermitteln. Ohne diese und andere Genies des zukünftigen organisierten Verbrechens wäre Frankie zudem niemals so weit gekommen … Hector, seine Intentionen, sein wahres Wesen, blieben lange im Dunkeln, doch der gutaussehende Mexikaner überraschte. Ein ums andere Mal. Schnell wird Francesca sich der Tatsache bewusst, dass sie Hector nicht für die Taten anderer verurteilen kann, dass sie ihn nicht hassen kann. Durch El Tigres Sohn hinterfragt Sorrentino die Strukturen, denen sie sich angepasst, die Regeln, denen sie sich gefügt hat. Untersucht die Werte, die Tommaso ihr eintrichterte, und die Zukunft, die vor ihr liegen soll. Wir werden mit Zorn und Wut ob all der Ungerechtigkeiten konfrontiert, mit Verzweiflung und nie verjährtem Verlust, mit einer Perspektive, die von Gewalt geprägt sein wird, von blutigen Händen. Doch wie soll die gebürtige Irin dem entkommen, was niemals ihr Schicksal hätte sein sollen?

Während die Clique den Zettelbotschaften und dem Verschwinden von Solana Garcia nachgeht, sich in riskante Manöver stürzt, ist es Charlie, der mit seiner wankelmütigen, penetranten Art für Gefahr sorgt. Und Hector, der Frankie mit Wahrheiten konfrontiert, die alles ändern, die zehn Jahre Dankbarkeit über ihr zusammenbrechen lassen.

Aline Atmans Stil ist verständlich und schnörkellos, wenn auch einige Formulierungen hier und da unrund schienen und so manch Gedanke/Erkenntnis aus einem Phrasen-Kalenderblatt stammen könnte.
Das Setting, dem eine beklemmende, dunkle Atmosphäre anhaftet, kam vorstellbar zur Geltung und auch die von Vorsicht durchzogene Stimmung war präsent. Frankies Entwicklung wurde griffig herausgearbeitet, genau wie ihr Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung. Der Enemies-to-Lovers-Romance sowie der Forbidden-Love fehlte es jedoch an Rivalitäten, an Konflikten, an Dramatik. So wirkte diese Komponente sehr einfach, dabei war das Ende richtig cool. Die relevanten Nebencharaktere bekamen ihre Rollen, waren gut integriert und brachten öfter Kreativität, Hirn und Humor ein. Besonders fand ich, dass diese Geschichte die eigenen Familienbande- und erwartungen sowie die Moral- und Wertvorstellungen infrage stellen lässt. Die Aussage, dass Monster nicht geboren, sondern erzogen werden, und sich jeder Mensch mit seinen Entscheidungen täglich neu positioniert, schwingt subtil mit.

Obwohl sich das Buch insgesamt unterhaltsam gestaltet, es der Handlung nicht an Gefühl, Zwiespälten und Twists mangelt, tritt die Storyline häufig auf der Stelle, dreht sich im Kreis. Einige Male hatte ich den Eindruck, dass nicht nur Frankie ihr Ziel aus den Augen verliert, sondern sich auch die Autorin in den sich stets vermehrenden „Hürden/Aufgaben/Verdächtigen“ verstrickt.
Ich habe über eine Woche gebraucht, um das Buch zu beenden, dabei lese ich 445 Seiten sonst binnen zwei Tagen. „Evil Elite“ ist definitiv nicht schlecht, basiert auf einer interessanten Idee, regt zum Nachdenken an, aber geizt an Tempo, an Spannung(en), Konsequenz und Fokus.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Mangelhaftes Worldbuilding, loses Ende

Steingladiole. Erde vergisst nie
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„Steingladiole. Erde vergisst nie.“ ist wider Erwarten nicht das Finale über „Die Bücher der Macht“, sondern lediglich Band drei, der auch gut als zweiter hätte durchgehen können. Denn erst jetzt erhielt ...

„Steingladiole. Erde vergisst nie.“ ist wider Erwarten nicht das Finale über „Die Bücher der Macht“, sondern lediglich Band drei, der auch gut als zweiter hätte durchgehen können. Denn erst jetzt erhielt der Plot – nach den eher schwammigen und monotonen Vorgängern – mehr Schwung und Tiefe, bekam Abwechslung und schien voranzukommen, wenn auch weiterhin vieles unklar bleibt. Gerade in Sachen Worldbuilding hätte ich mir mittlerweile mehr Substanz erhofft.

Liza Grimm führt die Geschehnisse aus „Feuerlilie“ fort – Nara wurde entführt und Katso bleibt nichts anderes übrig, als in Lort auszuharren, ruhelos. Immer wieder treten Gerüchte an den Sonnengebundenen heran, die sich um ihn als potenziellen Verdächtigen ranken und um Nara, die freiwillig mit der vermutlich rebellischen Gruppierung gegangen sein soll.
Aber die sanfte Mondgebundene eine Mitwisserin und Verräterin jenes Systems, das das ganze Land vor einem Krieg bewahrt?
Unvorstellbar.

Indes muss sich Nara in Geduld üben, mit Bedacht vorgehen, das Vertrauen ihrer EntführerInnen gewinnen und dabei ihre Enttäuschung, ihre Wut ob all der verlorenen Jahre, der Täuschungen verbergen. Durch die Gesandte aus Kori entdecken und erleben wir bisher unbekannte Gefilde der hier geschaffenen Welt, werfen vorgefertigte Meinungen über Bord, werden zum Umdenken gebracht. Zum Verstehen. Gleichzeitig sorgt ihre Perspektive für ein unbestimmtes Gefühl von Gefahr, entfacht Vorsicht. Denn haben wir bereits in der Academy und in Lort mit Intrigen und perfiden Plänen zu ringen, mit Missgunst und Zwietracht, mit der Frage, wer welches Ziel verfolgt, so treffen wir nun auf weitere undurchsichtige Figuren mit fragwürdigen Intentionen.
Dass sich Nara den Umständen und ihrem emotionalen Aufruhr, der Ungewissheit darüber, was mit ihr geschieht und welche Rolle sie spielt, zum Trotz respektvoll – Mensch, Magie, Natur und Tier gegenüber – und einfühlsam zeigt, macht sie zu einem eindrucksvollen Charakter, der selbst im Auge tosender Stürme Ruhe ausstrahlt, etwas Sanftes, und doch nicht schwächelt.

Obgleich seiner Sorgen und Selbstzweifel kann sich auch Katso dem Neuen, das auf ihn einprasselt, nicht entziehen: Tatsachen und Offenbarungen, die alles verändern, samt Ungereimtheiten und nagenden Fragen, die ihn immer wieder straucheln lassen. In diesem Teil kommt der introvertierte, vorsichtige Sonnengebundene endlich der komplizierten Verbindung zu seinem Seelenbuch auf die Spur, kommt der Erfüllung seiner heimlichen, verbotenen Vereinbarung nach und schließt Bündnisse, gar Freundschaften. Und hat weiterhin die Ehre, Anwärter des „Rituals des Lichts“ zu sein. Doch zu welchem Preis?

Wieder verfolgen wir aus der Sicht dieser beiden die Geschehnisse und fiebern durch sie der sich zuspitzenden Situation entgegen, gehen mit Nara und Katso unterschiedlichen Geheimnissen und Hintergründen auf den Grund und finden Puzzlestücke, die das Bild klarer erscheinen lassen. Zwar sind auch andere Figuren schemenhaft involviert, doch hauptsächlich bereichern Kaya, Pulta, Tris und Eurini den Verlauf, wobei Grimm es schafft, dass niemand ohne Misstrauen betrachtet werden kann. Die „gesichtslose Fußnote“ meldet sich seltener zu Wort, sorgt aber des Öfteren für ungute Vorahnungen, während der Wettkampf und die Magie weiterhin eine enttäuschende Komponente mimen.

Im Vergleich zu „Eislotus. Wasser findet seinen Weg.“ und „Feuerlilie. Asche spendet Leben.“ ist „Steingladiole. Erde vergisst nie.“ insgesamt spannender, unterhaltsamer und interessanter. Der bisher im Stillen brodelnde, sich langsam aufbauende Konflikt zwischen den Ländern und einzelnen Gruppierungen tritt immer mehr an die Oberfläche und auch die gesellschaftskritischen Themen werden genauer konturiert. Lizas Stil ist einfach zu lesen und zu verstehen, wird der anvisierten Komplexität mMn aber nicht gerecht. Ein wenig mehr Raffinesse, mehr Anspruch hätten der Geschichte gutgetan. Dafür kam das Setting bildreich zur Geltung und auch die Gefühle und moralischen Zwiespälte der Protagonisten, ihre Veränderungen und Einsichten wurden wiederholt griffig inszeniert. Außerdem gewinnt die Serie mit Tashi einen tierischen Sidekick.

Band drei über die „Bücher der Macht“ holt Unbequemes ans Licht, lässt die Überzeugungen und den Glauben der Elementgesandten wanken, stellt das bisher verehrte System, blinde Loyalität und die eigenen Motivationen infrage. Katso und Nara müssen sich entscheiden, ob sie jetzt, wo sie hingesehen haben, die Augen wieder schließen, einfach weitermachen, den bekannten Weg gehen können oder ob sie bereit sind, aktiv einem riskanten, opferfordernden Wandel beizuwohnen. Was sind ihnen die Freiheit und die Selbstbestimmung der wichtigsten Ressourcen ihrer Welt wert?

Das Ende kommt abrupt und lässt uns entweder in der Luft hängen oder … ist endgültig.
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