Lebensnah, authentisch, berührend
You and Me - Die zweite erste LiebeJules und Adam sind in ihren 50ern, seit 25 Jahren verheiratet, Eltern von zwei erwachsenen Kindern und waren die erste große Liebe füreinander.
Doch wo früher Aufregung und Schmetterlinge waren, haben ...
Jules und Adam sind in ihren 50ern, seit 25 Jahren verheiratet, Eltern von zwei erwachsenen Kindern und waren die erste große Liebe füreinander.
Doch wo früher Aufregung und Schmetterlinge waren, haben sich längst Gewohnheit und Distanz eingenistet. Resignation und Unzufriedenheit haben Leidenschaft und Wertschätzung ersetzt. Ihre euphorischen Zukunftspläne wurden von der Monotonie des Alltags überschrieben, von Ängsten, Scheitern und Zögern. Die Ehe von Jules und Adam befindet sich in einem Zustand, der nach Stagnation schreit und nach Wehmut. Denn was wäre gewesen, wenn …
Welche Chancen haben sie verpasst, welche Fehler gemacht und was kommt noch? Was bleibt, wenn Nelly und Liam das Nest verlassen?
Als Adam sich nach einem Streit ein altes Mixtape anhört, ist er wieder 17 Jahre jung. Mit dieser unglaublichen Entdeckung verändert sich für das Paar alles – in dieser und in jeder Zeit zuvor. Was als Beobachtung beginnt, entwickelt sich zu einer Sucht, in der nichts unmöglich zu sein scheint. Aber jedes Eingreifen in die Vergangenheit hat unberechenbare Folgen.
Statt die Gegenwart besser zu gestalten, erkennen sich Adam und Jules, erkennen sie einander, schon bald nicht wieder. Und plötzlich droht, dieses Abenteuer zu entgleisen und all ihre Jahre, ihre Erinnerungen, ihre Familie zu zerstören …
Wie viel musst du ändern, um zufrieden zu sein?
„You and Me: Die zweite erste Liebe“
Emlyn Rees und Josie Lloyd lassen uns aus wechselnder Perspektive, in einem direkten und modernen, lebendigen Ton, an dem Geschehen, das mich von Seite eins an gefesselt, ungeahnt berührt und interessiert hat, teilhaben. Zu Beginn erhalten wir Einblicke in die gegenwärtige Situation des Ehepaares, erhaschen Funken der brodelnden Konflikte, der vergeblichen Bemühungen, der monotonen Gleichgültigkeit. Es fehlt an Geld, neuen Perspektiven, Herausforderungen und frischem Wind. An dem Kribbeln, das der andere einst entfachte, an der glückstrunkenen Liebe ihrer Jugend. Auch der Blick in den Spiegel, die körperlichen Veränderungen – der nicht mehr ganz so straffe Körper, die Falten im Gesicht, die ersten grauen Haare –, einschneidende Erlebnisse, die ihren Weg steiniger werden ließen, sowie die Vergleiche mit FreundInnen, beißender Neid, stille Vorwürfe quälen Adam und Jules. Dass sich die Protagonisten um ihren grundverschiedenen Nachwuchs sorgen, kommt erschwerend hinzu. Das Autorinnenduo hat all diese Empfindungen, die Probleme und die Wut unglaublich authentisch dargelegt. Nahbar. Sich mit den Gefühlen der beiden zu identifizieren, gelingt mühelos, passiert einfach so.
Sobald die – anfangs hoffnungsvoll betrachteten – Mixtapes, diese verführerische Chance auf ein erfüllteres, leichteres Leben, ins Spiel kommen, steigt neben Tempo, Nervenkitzel und Euphorie auch die Verzweiflung an. Parallel hierzu wird die Vergangenheit des Paares mit relevanten, für uns hilfreichen Informationen ausgeschmückt. Denn während der Zeitreisen sind wir mittendrin: in den romantischen Anfängen, bei schweren Entscheidungen und den ersten Brüchen, entdecken Facetten und Träume, Sehnsüchte und Geheimnisse, Enttäuschung und Trauer. Adams und Jules individuelle Motivationen waren natürlich und nachvollziehbar, genau wie die wachsende Panik. Wie die langsam zunehmende Gewissheit, nicht mehr umkehren zu können, auf jeder Reise etwas zurückzulassen und einen Teil ihrer selbst, ihrer Beziehung, der Wahrheit auszuradieren …
Adam und Jules wurden mit viel Liebe zum Detail, mit Fehlern, ambivalenten Empfindungen und Eigenheiten gezeichnet, waren unfair und wütend, einsichtig und voller Bedauern. Beide entwickeln sich, gewinnen Erkenntnisse und wachsen an diesem fantastischen und zugleich gefährlichen Abenteuer. Die Story war bunt und echt, strotzt trotz der beklemmenden Umstände vor Unterhaltung und auch die Nebenfiguren – vor allem Darius, Nelly und Liam – bekommen den nötigen Raum und bereichern mit ihrer Präsenz, ihren Eigenschaften und Intentionen die Handlung.
Die Autorinnen haben in ihrem aussagekräftigen, ereignisreichen und spannenden Plot sich stetig wandelnde Charaktere, etliche Überraschungen und unvorhersehbare Wendungen platziert. Es gab bewegende Szenen, humorvolle Momente, Augenblicke, die schwer von Wehmut und Melancholie waren. Kapitel, die von einer bedrückenden Stimmung begleitet wurden, und solche, die vor Leichtigkeit sprühen.
Hier und da flossen die Übergänge zwischen Vergangenheit und (neuer) Gegenwart auf eine Art ineinander, die es schwierig machte, den Überblick zu behalten, doch abgesehen davon hatte ich unglaublich viel Spaß mit dem Roman, der zum Innehalten und Nachdenken, zum Mitfiebern und -fühlen drängt. Der Nostalgie und Vorfreude, Verständnis und Wiedererkennen weckt. Mut macht.
Rees und Lloyd schrieben mit „You and Me: Die zweite erste Liebe“ eine turbulente, realitätsnahe Geschichte, die daran erinnert, dass wir jetzt die beste und einzig richtige Version unserer selbst sind und jede Entscheidung, mag sie noch so klein sein, Veränderungen birgt. Dass es nie zu spät ist, seine Träume zu leben. Und die Liebe von gestern auch in einem neuen Morgen bestehen kann, wenn man sie wirklich will.