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Franziska19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.06.2021

Auf der Suche nach dem Platz im Leben

Die Tanzenden
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"Die Tanzenden" ist ein sehr bewegender Roman über Frauen, die im 19. Jahrhundert mit psychischen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. Von der Gesellschaft verachtet und von ihren Familien verstoßen ...

"Die Tanzenden" ist ein sehr bewegender Roman über Frauen, die im 19. Jahrhundert mit psychischen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. Von der Gesellschaft verachtet und von ihren Familien verstoßen werden die Frauen mit unterschiedlichsten "Symptomatiken": depressiven Verstimmungen, übernatürlichen Fähigkeiten, spirituellen Gedanken, Einsatz für die Gleichberechtigung der Frau, Epilepsie, in ein Krankenhaus, dem Vorläufer der Psychiatrie, zusammengepfercht.
An ihnen werden zum Zwecke der Medizin und zur Erforschung der psychischen Zustände öffentliche Untersuchungen von Medizinern durchgeführt. Wehren können sich die Frauen dagegen nicht, weil sie mit dem Status einer "Schwachsinnigen" entmüdigt worden sind.
Und so kommt es, dass nicht nur Frauen mit psychischen Leiden im Krankenhaus ihr leben fristen, sondern auch Frauen, die von ihren Familien verstoßen werden, weil sie gesellschaftskritische Meinungen äußern.
Ein tolles Buch über ein Stück Zeitgeschichte, Gesellschaftskritik, menschliche Gleichberechtigung, familiären Zusammenhalt und Widerspruch. Vor allem wirft das Buch aber einen Blick darauf, welche Meinungen wir entwickeln und als gegeben hinnehmen, obwohl sie uns "nur" von der großen Masse der Gesellschaft vorgelebt werden - oft scheint ein Perspektivwechsel angemessen zu sein, um die Position des Gegenübers verstehen zu können.

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Veröffentlicht am 10.06.2021

Über die Bedeutung der Zeit

Momo
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Heutzutage ist wohl nichts kostbarer und zugleich so rar gesät wie Zeit. Und wenn man doch einmal "zu viel" davon hat, wird sie einem eher zur Last als das man den Freiraum genießt und in den Augenblick ...

Heutzutage ist wohl nichts kostbarer und zugleich so rar gesät wie Zeit. Und wenn man doch einmal "zu viel" davon hat, wird sie einem eher zur Last als das man den Freiraum genießt und in den Augenblick hineinspürt.

Umso faszinierende finde ich, dass Michael Ende diesen Roman bereits 1973 geschrieben hat und damit ein Thema bedient was seine Relevanz wohl nie einbüßen wird. Mit einer tollen Rahmenhandlung wird bewusst gemacht, was Zeit sein kann, wie wichtig sie eigentlich ist und wie lebenswert das Leben durch gemeinsame Zeit erst wird.
Obwohl ich dieses Buch erst jetzt im Erwachsenenalter gelesen habe, werde ich die Geschichte wohl schon meinen Kindern nahebringen, um ihnen zu vermitteln wie wichtig es ist sich Zeit für sich und seine Freunde und Familie zu nehmen. Das Buch ist für mich definitiv ein Literaturklassiker!

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Veröffentlicht am 23.05.2021

Maddie im Umerziehungscenter

Maddie - Der Widerstand geht weiter
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Als Maddie sich im letzten Band dem Widerstand gegen die Digital School um Justin Solvie angeschlossen hat, ist sie dem Umerziehungscenter nur knapp entkommen. Doch nachdem sie immer wieder versucht sich ...

Als Maddie sich im letzten Band dem Widerstand gegen die Digital School um Justin Solvie angeschlossen hat, ist sie dem Umerziehungscenter nur knapp entkommen. Doch nachdem sie immer wieder versucht sich gegen die digitale Lebensform aufzulehnen, wird sie schließlich doch von ihrem Bewährungshelfer erwischt und in das Umerziehungscenter in Los Angeles gebracht. Ausgerechnet ihr Bruder hat sie "verraten", weil er ihren Standpunkt und ihren Einsatz nicht verstehen kann.
Maddie ist zunächst nur unglaublich wütend und von ihrem Bruder enttäuscht, doch als sie zu spüren bekommt, welche brutale Vorgehensweise im Center eingesetzt wird, um ihren Verstand zu brechen, bekommt sie regelrecht Panik. Zum Glück lernt sie im Center Gabe kennen, der einen Kontakt zu Justin herstellen kann. Nur durch den regelmäßigen menschlichen Kontakt gelingt es Maddie nicht den Verstand zu verlieren und gemeinsam mit ihren Freunden eine Befreiungsaktion zu planen.

Der zweite Band schließt nahtlos in allen Punkten an den ersten Teil an: tolle Charaktere, ein großartiger Spannungsbogen und ein interessanter Plot. Auch wenn diesmal viel weniger Action passiert als im ersten Teil kommt doch überhaupt keine Langeweile auf, weil man als Leser erfährt mit welchen Tricks und Methoden versucht wird die Gesellschaft gefügig und folgsam zu machen.

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Veröffentlicht am 07.05.2021

Ein gelungener Abschluss

Eine Sehnsucht nach morgen
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"Eine Sehnsucht nach morgen" ist der letzte Band der Ruhrpott-Saga von Eva Völler und führt den Leser zum dritten Mal nach Fischlaken, einem südlichen Stadtteil in Essen.
Nach ihrer Mutter Katharina und ...

"Eine Sehnsucht nach morgen" ist der letzte Band der Ruhrpott-Saga von Eva Völler und führt den Leser zum dritten Mal nach Fischlaken, einem südlichen Stadtteil in Essen.
Nach ihrer Mutter Katharina und ihrer großen Schwester Inge steht diesmal Bärbel im Mittelpunkt der Handlung. War sie im letzten Buch noch in der Oberstufe und hat ihr Abi gemacht, kehrt sie jetzt nach ihrer Studienzeit in Hamburg als Assistenzärztin nach Essen zurück. Damals ist sie in die nördliche Großstadt geflohen, weil ihr Freund Klaus, der langjährige Nachbarsjunge der Familie, wegen einer anderen jungen Frau verlassen hat. Und auch ihre Rückkehr ist mit einer Art Flucht begründet: ihr Freund, Vorgesetzter und eigentlich medizinischer Mentor hat sie mit zwei Frauen des klinischen Personals betrogen. Als Bärbel das herausgefunden hat, verlässt sie Hamburg Hals über Kopf.
Doch kaum ist sie zurück, wird sie direkt wieder mit Klaus und ihren Gefühlen für ihn konfrontiert. Er ist mittlerweile verheiratet und hat eine kleine Tochter, doch seine Ehe läuft alles andere als gut. Damit müssen sich die beiden erneut mit ihren Gefühlen füreinander auseinandersetzen....

Was mir an den Büchern von Eva Völler besonders gut gefällt, ist, dass sie von dem ganz normalen Alltag einer Familie berichtet und dabei die historischen Erlebnisse schildert, die teilweise sehr bahnbrechend waren, aber so natürlich und normal dargestellt werden, wie eine Arbeiterfamilie sie in dieser Zeit wahrscheinlich sehr häufig wahrgenommen hat: manchmal eher nur beiläufig, manchmal mitten im Geschehen. So werden ganz unterschiedliche Themen der damaligen 60er Jahre wie die Studentenproteste, Flower-Power-Bewegung, der Contergan-Skandal, die Mondlandung, erste Organtransplantationen und natürlich als prominentestes Thema: die Rolle und Stellung der Frau in der Gesellschaft auf eher bescheidene Weise angesprochen. Allerdings habe ich dadurch viel mehr ein Gefühl für diese Zeit und den Alltag der Menschen dadurch gewinnen können.

Ein toller Abschluss einer sehr lesenswerten Trilogie.

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Veröffentlicht am 01.05.2021

Nanoroboter im Gehirn

Thalamus
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Timo ist ein junger Mann von 17 Jahren, der eines Abends seine Freundin besuchen und ihr ein Geschenk übergeben möchte. Als er sich mit dem Motorroller auf den Weg zu ihr macht, fängt es jedoch sehr stark ...

Timo ist ein junger Mann von 17 Jahren, der eines Abends seine Freundin besuchen und ihr ein Geschenk übergeben möchte. Als er sich mit dem Motorroller auf den Weg zu ihr macht, fängt es jedoch sehr stark an zu Regnen. In Folge des Unwetters erleidet Timo nach einem Verkehrsunfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. er liegt mehrere Wochen im Wachkoma und als er aufwacht kann er sich selbst kaum bewegen, hat deutliche motorische Koordinationsprobleme, benötigt Hilfe bei der Verrichtung der Selbstpflege und täglicher Aktivitäten und zeigt einen gravierenden Sprachverlust. Nachdem er einige Wochen im Krankenhaus verbracht hat, soll er in eine Spezialklinik verlegt werden, die in der Rehabilitation von Menschen nach Schädel-Hirn-Trauma erstaunliche Genesungsfortschritte erreichen.
Doch als Timo vor Ort ist, bemerkt er zunehmend merkwürdige Dinge: nachts scheint er sich besser bewegen zu können als am Tag. Zudem macht er sehr schnelle Fortschritte im muskulären Kraftaufbau und der motorischen Koordination. Allerdings scheinen nicht alle Rehabilitationsverläufe der Patienten einwandfrei zu laufen, da es auch unerwartete Rückschritte gibt. Und Schlafwandeln scheint ein Problem zu sein, mit dem vielen Patienten zu kämpfen haben. Neben diesen komischen Dingen lernt Timo aber auch neue Freunde kennen: allen voran den vorlauten und lebenslustigen Carl mit C. Gemeinsam versuchen sie das Rätsel der Klinik zu lösen.

Wer weiß, was mit dem medizinischen Fortschritt in in paar Jahrzehnten erreicht werden kann. Ursula Posnanzki hat mit diesem Jugendthriller ein bisher noch uptosches Szenario geschaffen, welches zukünftig vielleicht durchaus realistisch sein kann. Mit diesem Buch zeigt sie jedoch auch auf, dass bahnbrechende Erfindungen und deren verbrecherischer Einsatz wieder sehr nahe beieinander liegen. Der Schreibstil ist wieder sehr flüssig und gut leserlich und auch die Charaktere werden wieder sehr sympathisch angelegt. Einzig und allein einen kleinen Punktabzug gibt es in der Bewertung, da manche Szenen sich wiederholen und die Handlung im zweiten Drittel des Buches dadurch etwas langatmig wirkt. Ansonsten eine absolut empfehlenswerte Geschichte.

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