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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.05.2026

Interessante Sichtweisen

Das Licht der letzten Tage
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Mich hat der Roman von Emily St. John Mandel (was für ein Name!), welcher in einer Zeit 20 Jahre nach dem Ausbruch einer äußerst tödlichen sowie sich schnell verbreitenden SARS-Mutation als auch auch mithilfe ...

Mich hat der Roman von Emily St. John Mandel (was für ein Name!), welcher in einer Zeit 20 Jahre nach dem Ausbruch einer äußerst tödlichen sowie sich schnell verbreitenden SARS-Mutation als auch auch mithilfe von Rückblicken in unserer prä-corona-Gegenwart spielt, durch seine teilweise überraschende Unkonventionalität überzeugen.

Zum einen finde ich den gewählten Zeitraum von 20 Jahren Abstand zur Apokalypse einen bisher selten bis gar nicht beluchteten. Wenn man nicht nur wissen will, was akut in dem Moment passiert, wenn eine Zivilisation zusammenbricht oder wie es ihr erst Jahrjunderte später geht, so erhält man hier einen guten Eindruck davon. Auch wirken die Rückblicke zunächst wie Null-Acht-Fünfzehn-Geschichten, entwickeln mit zunehmender Seitenzahl jedoch auch einen zunehmenden Sog und eine unerwartete psychologische Tiefe. Die Autorin tut natürlich den Lesenden einen Gefallen, wenn sie sorgfältig alle Erzählstränge im Blick behält und diese am Schluss auch gekonnt zusammenführt. Die Charaktere sind glaubwürdig konstruiert und man begibt sich gern mit ihnen auf die Reise durch eine neue, vielleicht gar nicht so düstere Zeit. Übrigens finde ich es sehr erfrischend, dass die Autorin in diesem Endzeitroman mal nicht ausnahmslos Hoffnungslosigkeit verbreitet noch die Schilderung von Gewalt zum Schockeffekt verkommen lässt.

Die zweite Hälfte des Romans, nachdem ich vollkommen in die Geschichte eingetaucht war, las sich wie Butter runter und war unglaublich spannend geschrieben. Damit bekommt dieser post-apokalyptischer Roman insgesamt eine klare Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Na toll... jetzt möchte ich auch einen Daemon haben.

His Dark Materials 1: Der Goldene Kompass
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Der erste Band dieser dreiteiligen Fantasy-Abenteuer-Saga spielt in einer Welt, welche zwar als "unserer sehr ähnlich" benannt wird, jedoch eher einem Steampunk-Universum um die Jahrhundertwende 1900 ähnelt. ...

Der erste Band dieser dreiteiligen Fantasy-Abenteuer-Saga spielt in einer Welt, welche zwar als "unserer sehr ähnlich" benannt wird, jedoch eher einem Steampunk-Universum um die Jahrhundertwende 1900 ähnelt. Lyra muss mit ihrem Daemon - einem tierischen Begleiter und Seelenfreund - viele Abenteuer bestehen und dafür weit in den Norden reisen. Die Freundschaft mit einem kräftigen Bären, lässt den geneigten leser sich nicht nur einen Daemon wünschen, sondern auch gleich noch einen tollen Eisbären mit dazu.

Pullman schreibt eindeutig nicht nur für Kinder und Jugendliche. Sein Schreibstil, die Figuren sowie die Inhalte können definitiv auch Erwachsene in ihren Bann ziehen. Dieses Buch wollte ich kaum aus der Hand legen. Es ist von Beginn an spannend geschrieben und entführt die Fantasie der Leser bis zum Schluss in eine interessante Welt.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Gute Idee, schlecht übersetzt.

Anatomie eines Soldaten
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Harry Parker, selbst ein Irak-Krieg-Veteran, welcher Teile beider Beine im Einsatz verlor, beschreibt in diesem "Roman" die Erlebnisse eines Soldaten im Irak-Krieg. Sicherlich führt die Erzählform zum ...

Harry Parker, selbst ein Irak-Krieg-Veteran, welcher Teile beider Beine im Einsatz verlor, beschreibt in diesem "Roman" die Erlebnisse eines Soldaten im Irak-Krieg. Sicherlich führt die Erzählform zum Etikett "Roman", wobei im Vorsatzpapier darauf hingewiesen wird, dass der Roman auf einer wahren Geschichte beruht. So wirkt es eher wie eine biografische Erzählung des Autors.

Das Spannendste am Buch ist tatsächlich die gewählte Erzählform. Die einzelnen Kapitel werden nämlich jeweils aus der Sicht eines anderen Gegenstandes erzählt, welcher sich im Kriegsgeschehen befindet. Das kann ein Stiefel sein, aber auch ein Verband oder der Rucksack. Etwas Ähnliches habe ich noch nie gelesen. Leider verliert das Konzept dadurch, dass ausschließlich schildernd formuliert wird. Das alles in einem anstrengenden Präteritum-Stil. Das ermüdet mir der Zeit. Sprachlich gibt es einige Schwächen im Buch, wobei ich vermute, dass viele davon in der Übersetzung entstanden sind. Diese ist tatsächlich grottenschlecht. Viele Wörter scheinen ohne Sachverstand bezüglich des Gegenstands der Geschichte schlicht mit der erst besten Variante aus dem Wörterbuch/Programm übersetzt worden zu sein. Das tut beim Lesen weh.

Insgesamt überhöht hier der Klappentext, der den vorliegenden Roman mit Erich Maria Remarques Klassiker "Im Westen nichts Neues" vergleicht (!), ganz frech die Realität. Aber das sind wir Leser ja mittlerweile gewöhnt. Es handelt sich beim englischen Original sicherlich um einen guten, soliden Roman. In der deutschen Ausgabe würde ich ihn nicht weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Ein moderner Klassiker

Von dieser Welt
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Baldwin erzählt in seinem Roman nicht nur die Geschichte des 14jährigen, afroamerikanischen Jungen John, der in einer für Schwarze unerbittlichen Zeit im New York der 1930er Jahre aufwächst, getragen von ...

Baldwin erzählt in seinem Roman nicht nur die Geschichte des 14jährigen, afroamerikanischen Jungen John, der in einer für Schwarze unerbittlichen Zeit im New York der 1930er Jahre aufwächst, getragen von der Liebe der Mutter und fast zerstört durch die tyrannischen Religiösität des predigenden Stiefvaters. Der Roman erzählt auch in Rückblenden Geschichten aus einer gesellschaftlich noch viel schwereren Vergangenheit der Elternteile im Süden Amerikas.

Der Autor findet dafür eine einmalige Sprache, die für mich die größte Stärke des Buches ausmacht. Sie wirkt fast durchgängig wie eine Predigt, ein Gospel, niedergeschrieben, um die Kämpfe der verschiedenen Familienmitglieder mit sich und mit Gott darzustellen. Selbst - und gerade - als atheistischer Mensch bekommt man dadurch ein Gefühl davon, wie stark sich manche christliche Gemeinden in den USA an die Erzählungen der Bibel klammern und durch Heraufbeschwören der ewigen Sünde gebannt nach einem gnädigen Gott suchen. Diese Suche mündet nicht selten in fast hysterisch anmutendem Rausch eines Gottesdienstes mit Erweckungsorgien. Ohne auf weitere der vielen inhaltlichen Facetten dieses Buches einzugehen, macht für mich diese Einheit von Inhalt und Sprache auf der Metaebene dieses Buch zu einem modernen - 1953 erschienenen - Klassiker.

In diesem Zusammenhang ein besonderes Lob möchte ich an die Übersetzerin Miriam Mandelkow aussprechen. Ihr gelingt die Sprache Baldwins in ihrer Besonderheit ins Deutsche zu überführen. Das Vorwort von Verena Lueken rundet das literarische Erlebnis ab.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Auf diesem "Feld" gibt es viele großartige Geschichten zu ernten

Das Feld
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Dieser Roman ist eigentlich eine Sammlung kurzer Geschichten, welche alle durch ein Band zusammengehalten werden. Es kommen verschiedene Verstorbene eines Ortes zu Wort, welche auch dem sogenannten "Feld", ...

Dieser Roman ist eigentlich eine Sammlung kurzer Geschichten, welche alle durch ein Band zusammengehalten werden. Es kommen verschiedene Verstorbene eines Ortes zu Wort, welche auch dem sogenannten "Feld", dem Friedhof, begraben liegen. So entspinnt sich ein Geflächt aus Beziehungen zueinander, welches sich erst nach und nach für den Leser öffnet.

Meines Erachtens liegt die Stärke dieses Buches in den hervorragenden sprachlichen Fähigkeiten von Robert Seethaler in Kombination mit seinen ganz fein eingewebten philosophischen Gedanken zum Leben, der Liebe, Verlusten und dem Sterben. Es handelt sich dabei jedoch nicht, wie vielleicht zu erwarten wäre, um einen tottrurigen Roman. Nein, an vielen Stellen blitzten durchaus amüsante Sätze durch, die einem ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Insgesamt lässt sich der großartige Lesegenuss inhaltlich mit einem Zitat aus dem Roman unterstreichen: "Als Lebender über den Tod nachdenken. Als Toter vom leben reden. Was soll das? Die einen verstehen vom anderen nichts. Es gibt Ahnungen. Und es gibt Erinnerungen. Beide können täuschen." Ich hätte am liebsten noch mehr von diesen Ahnungen und Erinnerungen gelesen, doch darin liegt die Würze bei Seethaler, er hält sich kurz und lässt nicht den Hauch von Langatmigkeit aufkommen.

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