Interessante Sichtweisen
Das Licht der letzten TageMich hat der Roman von Emily St. John Mandel (was für ein Name!), welcher in einer Zeit 20 Jahre nach dem Ausbruch einer äußerst tödlichen sowie sich schnell verbreitenden SARS-Mutation als auch auch mithilfe ...
Mich hat der Roman von Emily St. John Mandel (was für ein Name!), welcher in einer Zeit 20 Jahre nach dem Ausbruch einer äußerst tödlichen sowie sich schnell verbreitenden SARS-Mutation als auch auch mithilfe von Rückblicken in unserer prä-corona-Gegenwart spielt, durch seine teilweise überraschende Unkonventionalität überzeugen.
Zum einen finde ich den gewählten Zeitraum von 20 Jahren Abstand zur Apokalypse einen bisher selten bis gar nicht beluchteten. Wenn man nicht nur wissen will, was akut in dem Moment passiert, wenn eine Zivilisation zusammenbricht oder wie es ihr erst Jahrjunderte später geht, so erhält man hier einen guten Eindruck davon. Auch wirken die Rückblicke zunächst wie Null-Acht-Fünfzehn-Geschichten, entwickeln mit zunehmender Seitenzahl jedoch auch einen zunehmenden Sog und eine unerwartete psychologische Tiefe. Die Autorin tut natürlich den Lesenden einen Gefallen, wenn sie sorgfältig alle Erzählstränge im Blick behält und diese am Schluss auch gekonnt zusammenführt. Die Charaktere sind glaubwürdig konstruiert und man begibt sich gern mit ihnen auf die Reise durch eine neue, vielleicht gar nicht so düstere Zeit. Übrigens finde ich es sehr erfrischend, dass die Autorin in diesem Endzeitroman mal nicht ausnahmslos Hoffnungslosigkeit verbreitet noch die Schilderung von Gewalt zum Schockeffekt verkommen lässt.
Die zweite Hälfte des Romans, nachdem ich vollkommen in die Geschichte eingetaucht war, las sich wie Butter runter und war unglaublich spannend geschrieben. Damit bekommt dieser post-apokalyptischer Roman insgesamt eine klare Leseempfehlung von mir.