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Veröffentlicht am 25.07.2025

Absolut lesens- und wissenswert!

Afropäisch
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Schon gewusst? Alexandre Dumas war Afropäer. Sein Namensvetter Alexander Puschkin ebenso. Aber was ist überhaupt ein "Afropäer"? Ein Mensch, der sich als Europäer versteht und Wurzeln in Afrika hat. Die ...

Schon gewusst? Alexandre Dumas war Afropäer. Sein Namensvetter Alexander Puschkin ebenso. Aber was ist überhaupt ein "Afropäer"? Ein Mensch, der sich als Europäer versteht und Wurzeln in Afrika hat. Die beiden Beispiele sind dabei nur die Speerspitze, denn in Europa leben mittlerweile unzählige Nachfahren von Afrikanern. Dass dieses Leben leider meist ungewollt getrennt von anderen Bevölkerungsanteilen in fernen Satelliten-Städten unter schlimmsten sozio-ökonomischen Bedingungen stattfinden muss, ist Folge einer massiven Fehlplanung vieler ehemaliger Kolonialmächte, die bis heute mit ihrem Erbe mehr schlecht als recht umgehen. Den Folgen des schrecklichen Kolonialismus geht Johny Pitts in seiner sehr persönlichen Reisereportage nach.

Pitts, Journalist und Fotograf, geboren als Kind eines Afroamerikaners und einer weißen Arbeiterin in Sheffield, Großbritannien, macht sich auf zu einer Spurensuche. Nicht der eigenen Wurzeln, sondern er sucht die Spuren von anderen Afropäern im heutigen Europa. Er begibt sich auf eine fünfmonatige Reise von seinem Geburtsort nach Paris, Brüssel, Amsterdam, Berlin, Stockholm, Moskau über Marseille bis nach Lissabon, um dort persönlich das afropäische Leben kennenzulernen. In seiner literarisch auf höchstem Niveau verfassten Reportage beleuchtet er dabei nicht nur persönliche Begegnungen sondern legt anschaulich die Kolonialgeschichten bzw. -verbindungen der einzelnen bereisten Länder dar und leitet schlüssig mit soziologischen Zusammenhängen her, warum afropäisches Leben immer noch und immer mehr getrennt von weißen Europäern stattfindet. Sehr passend fasst Pitts zusammen: "Ich reiste im Namen derer, die nicht reisen konnten oder wollten: der Community schwarzer Arbeiter und Kinder von Immigranten, und machte mich auf die Suche nach einem Europa, das sie und ich womöglich als unser eigenes erkennen könnten. So kam es, dass ich mich als ein extrem selterner Vogel auf den Weg machte: als schwarzer Backpacker."

So verbindet Pitts die verschiedenen Menschen und Lokalitäten des schwarzen Europa in einem einzigen Narrativ und verschafft jedem Gebiet und jeder Community die Möglichkeit, zueinander zu "sprechen". Dabei lernt man als weiße/r Mitteleuropäer/in unglaublich viel zu den unzähligen, gewollt unerzählten Geschichten der genannten Städte und Länder. Die Geschichte wird ja von den Siegern erzählt und, wenn man die Reiseabteilung in einer beliebigen Buchhandlung studiert, von den Nachkommen der Sieger geschrieben. Pitts beleuchtet so viele unge(be-)schriebene historische Geschehnisse und erweitert den Horizont bezüglich unzähliger literarischer Werke aus der Feder afrikanischer, afroamerikanischer und afropäischer Schriftsteller*innen. All dies wirkt nie llehrbuchhaft oder trocken. Immer nimmt der die Lesenden mit auf seine Reise des Erkenntnisgewinns. Dabei irrt er auch, korregiert sich bezüglich seiner Ansichten zu ersten Eindrücken und macht die Lektüre immer authentisch.

In diese Reportage bin ich versunken und habe die Informationen eingesogen, werde weitere Recherchen anstellen und bin tief bewegt von den Schilderungen des Autors. Ein uneingeschränkt empfehlenswertes Werk, welches hoffentlich viele Menschen erreichen wird und ihnen damit die Augen öffnen kann.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Nach der Lektüre möchte man in die Schweiz ziehen...

Was wir scheinen
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Die Schweiz scheint der Roman von Hildegard E. Keller über Hannah Arendt einem ja schon einmal näher zu bringen, aber schafft der Roman dies auch mit Arendt? Ja, definitiv nur die Frage ist unter welcher ...

Die Schweiz scheint der Roman von Hildegard E. Keller über Hannah Arendt einem ja schon einmal näher zu bringen, aber schafft der Roman dies auch mit Arendt? Ja, definitiv nur die Frage ist unter welcher Prämisse.

Aber ganz zum Anfang zurück. Keller begleitet in ihrer fiktionalisierten Biografie Arendt auf eine letzte Reise ins Tessin 1975, kurz vor dem Tod Arendts. Dort lässt sie sie noch einmal ihr Leben ab 1940 in Erinnerungsepisoden Revue passieren. Wichtig an dieser Stelle: Arendt ist 1906 geboren! Das heißt, das Buch lässt die frühen Jahre der Autorin aus. Vermutlich da sich die Autorin stark auf Briefwechsel aus dem Nachlass stützt, welche eventuell erst ab der Zeit nach ihrer Flucht über Paris und Lissabon nach New York erhalten sind. Keller legt ihr dabei Gedanken in den Mund, die sie eventuell an anderer Stelle geschrieben oder gesagt hat, um eine Innenansicht dieser häufig zitierten Personen zu erschaffen.

Dies gelingt der Autorin wirklich sehr gut. Sie schafft einen Roman, der die Leserinnen in den Bann zieht und eine persönliche Sicht auf die Journalistin und Philosophin freigibt. Nun gibt es damit jedoch meines Erachtens ein bzw. zwei Probleme. Die Autorin setzt an vielen Stellen eine Grundkenntnis der Biografie Arendts bei den Lesenden voraus. Hat man diese nicht, und möchte sich durch diese Romanform erstmals an die Denkerin heranwagen, fehlen viele Hintergrundinformationen, um das Gelesene einordnen zu können. So werden zum Beispiel die Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen etc. Arendts in ihren Gedanken lange nur mit Vor- oder Spitznamen angesprochen. Bis man dann realisiert, dass es sich bei "Benji" um den Zeitgenossen Walter Benjamin handelt, vergeht zu viel Lesezeit. Bei diesem Beispiel ist dies noch einfach zu merken über die fast 580 Seiten hinweg. Bei all den anderen Karls, Kurts, Marys, Gertruds und so weiter verliert man einfach den Überblick. Da sich die Autorin wirklich ausgezeichnet in Arendt hineindenkt und den Roman tatsächlich so geschrieben hat, als ob Arendt sich selbst erinnert, ist dies nur nachvollziehbar, da unsere Erinnerung nun mal so funktioniert. Nur leider funktioniert dies für die Leserinnen nicht unbedingt. Wenn Keller hier also die Leserinnen nicht ganz abholen kann, so versucht sie es an anderen Stellen manchmal zu stark. Und dabei handelt es sich um meinen zweiten Kritikpunkt. Es existieren ein wenig zu häufig im Buch Dialogszenen, die nur dafür gemacht zu sein scheinen, Arendts Gedanken den Leserinnen zu erklären. Man merkt beim Lesen, dass diese einzelnen Gespräche in der geschriebenen Form stark konstruiert und künstlich wirken. Dadurch zieht sich ab der Hälfte das Buch dann doch manchmal ganz schön in die Länge.

Besonders in der Verbindung von fiktionalen Anteilen und überlieferten Quellen, in denen Keller die Gedankenwelt aber eben auch das Hadern Arendts heraufbeschwört (und nicht zu viele Weggefährten mit Vornamen auftauchen) ist das Buch am stärksten. Mir hat es definitiv Hannah Arendt näher gebracht, wodurch ich mich zur Biografie weiter belesen werde. Und ganz nebenbei hat der Roman ein Tessin in der Schweiz abbilden können, in welches man - wie von Arendt im Buch geplant - auch am liebsten gleicht umsiedeln möchte. Ein einfacher Einstieg in die Biografie Arendts wird einem hier also nicht ganz geboten, aber wer bereits die biografischen Eckpunkte kennt, wird viel Persönliches um Hannah Arendt entdecken können. Letztlich hervorzuheben ist die massive Rechercheleistung der Autorin und ihr Können dies in einen solch umfassenden Roman zu verarbeiten.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Ein Psychotherapeut erzählt kurz und knackig aus seinem Berufsleben

Sie müssen da nicht allein durch!
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Den Buchuntertitel "... oder warum unkonventionelle Methoden oft die wirksamsten sind" würde ich direkt aufgrund der pauschalisierenden Aussage hinterfragen. Aber kommen wir erst einmal zu den "unkonventionellen" ...

Den Buchuntertitel "... oder warum unkonventionelle Methoden oft die wirksamsten sind" würde ich direkt aufgrund der pauschalisierenden Aussage hinterfragen. Aber kommen wir erst einmal zu den "unkonventionellen" Methoden des Autors und sein Buch über diese. Rauh-Köpsel berichtet nach einer kurzen Einleitung zum Berufsalltag eines Psychotherapeuten, welche wahrscheinlich viele Kolleginnen so unterschreiben können, auf diesen 318 Seiten innerhalb von 13 Themengebieten von jeweils vier Fallbeispielen zum entsprechenden therapeutischen Thema. Das mach nach Adam Riese ganze 52 (!) Einzelfallbeispiele aus seiner therapeutischen Praxis. Von Verhaltensmustern über Depression bis zu radikaler Akzeptanz. Damit ist das Buch zumindest schon einmal eins: vielseitig, wenn auch auch verhältnismäßig wenigen Seiten.

Diese vielen Fallbeispiele sind wirklich schnell runtergelesen, da Rauh-Röpsel (oder die Co-Autorin Manuela Runge) das locker fluffige Schreiben beherrscht und somit den Leser
innen eine süffige Lektüre anbietet. Nie wird die Lektüre thematisch noch fachlich schwer oder langweilig. Alles ist leicht verständlich, auch für Laien.

Nun muss ich zugeben, dass ich kein Laie bin, sondern selbst vom Fach, was ein paar Kritikpunkte am Buch aufkommen lässt. Ich empfand es besonders zu Beginn der Lektüre wirklich störend, dass die Schilderungen zu einem Fall mitunter nur eine Seite umfassen. Hier wird ein ausgeklügelter psychotherapeutischer Prozess äußerst verkürzt wiedergegeben. Das ist sicherlich leicht zu lesen, vereinfacht in seiner Darstellungsform dann aber für Laien eventuell doch den mitunter sehr langen hinführenden Erkenntnisprozess im Kontakt mit Patienten. Gerade die ausführliche Herstellung einer therapeutischen Beziehung bis ein/e Therapeut/in dazu in die Lage versetzt wird, risikoreichere unkonventionelle Methoden anzuwenden, geht hier etwas verloren. Zum Glück erwähnt Rauh-Köpsel dann doch immer mal wieder, dass die Umsetzung dann "einige Stunden später" oder eine Psychodramasitzung nach "drei Stunden" zu ihrem Höhepunkt kommt. So wird zumindest ein grober zeitlicher Rahmen und damit auch eine Orientierung zum Umfang einer Psychotherapie vermittelt.

Sehr gut hingegen kann der Autor kurz und verständlich psychodynamische Zusammenhänge und Grundmechanismen unseres Handelns zusammenfassen. Jedem Unterthema ist ein kurzer etwa halbseitiger, kursiv gedruckter Abschnitt vorangestellt, in dem der Autor eine Einleitung zum Thema gibt. Leider fehlt mir hier die Stringenz, denn in manchen dieser 13 Einführungen baut der Autor bereits ein konkretes Ultrakurzbeispiel im Sinne von: "Ich hatte mal eine Patientin, bei der..." über fünf Zeilen ein. Was in Summe dazu führt, dass im Buch nicht "nur" 52 Beispiele sondern tatsächlich sogar noch mehr vorgestellt werden. Hier hätte eine klare Unterscheidung zwischen theoretischem Hintergrund und Fallbeispielen getroffen werden müssen. In der Menge der Fallbeispiele wird für mich auch die Frage laut, ob noch eine gewisse Nachhaltigkeit gegeben ist, wenn man so unglaublich viele, kurze Schicksale präsentiert bekommt.

Zuletzt führt für mich die Kürze der Falldarstellung zu einer tatsächlich berufsethisch sehr fragwürdig dargestellten "unkonventionellen" Methode. Direkt im zweiten Fall berichtet der Autor von einer sehr selbstunsicheren, traumatisierten Patientin, der er durch den Vorschlag, sich eine Schreckschusspistole anzuschaffen, schafft die Selbstsicherheit wiederzugeben. Einfach gesprochen. Das Ende mit der Schreckschusspistole, die die Patientin seitdem immer in der Manteltasche mit sich trägt, ist in vielerei Hinsicht fragwürdig. Hier würde ich nicht von einer "unkonventionellen" sondern einer "gefährlichen" Intervention sprechen. Eine ausführlichere Darstellung hätte vielleicht gezeigt, dass die Patientin die Pistole nur als sogenanntes Übergangsobjekt verwenden sollte und nach und nach diese dann wieder abgibt. Durch die starke Verkürzung gehen sollte Feinheiten, die jedoch wichtig sind, verloren.

Insgesamt finde ich das Buch in seiner Einfachheit für Laien gut verständlich und auch psychotehrapeutisch tätige Kolleg*innen können durchaus noch den ein oder anderen guten Spruch oder eine interessante Intervention kennenlernen. Wichtig ist hier jedoch, dass man dazu in der Lage ist, das Gesagte richtig einordnen zu können.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Darf eine hysterische Furie (aka "eine Frau") ein Linienflugzeug fliegen?

Freiflug
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Wer an die 70er denkt, hat vielleicht am ehesten Hippies, freie Liebe und progressive Offenheit im Hinterkopf. Leider sah die Realität für die breite Masse (ausgenommen weiße, gesunde Männer mittleren ...

Wer an die 70er denkt, hat vielleicht am ehesten Hippies, freie Liebe und progressive Offenheit im Hinterkopf. Leider sah die Realität für die breite Masse (ausgenommen weiße, gesunde Männer mittleren Alters) ganz anders aus. Dass Vergewaltigung in der Ehe zu dieser Zeit immer noch straffrei war, sollte vielen bekannt sein. Folgendes vielleicht nicht: "Die Frau genügt ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit, dass sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen lässt. Wenn es ihr [...] versagt bleibt, im ehelichen Verkehr Befriedigung zu finden, so fordert die Ehe von ihr doch eine Gewährung in ehelicher Zuneigung und Opferbereitschaft und verbietet es, Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen." Das Bundesgericht stellte also fest, dass eine Ehefrau sich nicht nur von ihrem Ehemann vergewaltigen lassen durfte, sondern auch noch Freude daran vorzuspielen hatte. Diese und viele weitere Informationen erhält man beim Lesen des Romans "Freiflug" von Christine Drews neben der Haupthandlung um die angehende Linienflugpilotin Rita Maiburg. Die wahre Geschichte dieser Frau, die es sich wagte, die große Lufthansa zu verklagen, bildet hier eindeutig nur den Rahmen für ein Manifest zur Geschlechterdiskriminierung in der Nachkriegs-BRD.

Die Profession der Drehbuchautorin von Drews merkt man diesem Roman deutlich an. Bereits der Auftakt des Buches schafft mit seinem Prolog eine spannende Grundstimmung für die Geschichte mehrerer mutiger, starker Frauen in den 1970ern. Das Buch ist so leicht und fließend geschrieben, dass man es trotz der Thematik durchaus an einem Tag verschlingen kann. Das will man am liebsten auch, da die Autorin durch den Wechsel der Perspektiven von Rita zu ihrer (fiktiven) Anwältin Katharina Berners gekonnt die Leserinnen an die Geschichte bindet. Und nebenher erfährt man gleich noch unglaublich viele Fakten zum Zustand der Wahrnehmung von Frauen in Familie und Öffentlichkeit dieser Zeit. Stets wird man dazu angeregt, nicht nur den Kopf über diese Unverschämtheiten und Misogynie im Alltag aller Frauen zu schütteln, sondern eben auch den Blick in das Heute zu werfen und zu hinterfragen, was sich noch immer ändern muss, um eine wirkliche Gleichberechtigung erreichen zu können. Literarisch stellt sich die Lektüre durchaus anspruchsvoll dar, verliert jedoch durch den Drang der Autorin wirklich alles eindeutig auszusprechen. Hier bleibt nichts ungesagt, wenig bleibt der Fantasie der Leserinnen überlassen. Dass dann auch noch die toughe Anwältin besonders verschiedene private Belange betreffend unglaubwürdig naiv angelegt ist, bremst die Begeisterung für den Roman ein wenig aus. Auch nimmt sich die Autorin vielleicht ein oder zwei Missstände der damaligen Zeit zu viel an. Weniger hätte hier vielleicht (noch) mehr Eindruck hinterlassen.

Insgesamt stellt dieser sehr gute Roman jedoch eine äußerst empfehlenswerte, weil in der Romanform leicht verdauliche, Lektüre zum Thema Geschlechterdiskriminierung und Feminismus dar.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Verwirrendes Spiel in der post-kommunistischen Walachei

Die nicht sterben
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Dana Grigorcea verbindet in ihrem Roman die historische Geschichte von Fürst Vlad dem Pfähler (Vlad Dracula), die Darstellung eines post-kommunistischen (ländlichen) Rumäniens und seiner Bewohner sowie ...

Dana Grigorcea verbindet in ihrem Roman die historische Geschichte von Fürst Vlad dem Pfähler (Vlad Dracula), die Darstellung eines post-kommunistischen (ländlichen) Rumäniens und seiner Bewohner sowie den wilden Ritt einer Nachfahrin von Vlad als Vampirin.

Die in einem kleinen Ort in der Walachei angesiedelte Geschichte, wird von der weiblichen Erzählerin wie in einem Roman aus dem 19. Jahrhundert eingeläutet, nämlich indem sie die Leser*innen direkt durch die dritte Wand hinweg anspricht und darlegt, wie sie gleich versuchen wird, die unheimlichen Geschehnisse, welche sich zutrugen, zu erzählen. Alles was danach kommt, wirkt dann weniger klassisch, als viel mehr wild und verwirrend. Nie kann man wissen, was hier geschieht oder geträumt wird. Bald bekommt die Erzählerin die Fähigkeiten einer Vampirin und gleitet fliegend durch ihre alte Heimat. Die Sprache der Autorin, ihre Erzählweise war dabei für mich häufig sehr zäh, schwafelnd. Teilweise musste ich mich durch das Buch kämpfen. Inhaltlich interessant wurde es, wenn es um einzelne Beschreibungen des post-kommunistischen Zustandes oder die Historie um Vlad den Pfähler ging. Warum es für diese Erzählung jedoch den kuriosen Erzählstrang, welcher in Form vom Vampirdasein Fantasy-Anteile enthält, braucht, ist mir nicht klar geworden.

Schlussendlich bleibe ich mit ein paar wenigen, eindrücklichen Darstellungen der Walachei und ihrer Bewohner zurück, aber eben auch mit viel Verwirrung und Enttäuschung um das unausgeschöpfte Potential. Mich konnte das Buch insgesamt leider nicht begeistern.

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