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Veröffentlicht am 29.12.2022

Liebesgeschichte mit einem Hauch Magie

Astralliebe
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Als Hannah mitten in der Nacht von ihrem Bruder Ben einen Anruf bekommt, mit der Bitte ihn von einer Party abzuholen, zögert sie nicht lange, obwohl sie noch gar keinen Führerschein besitzt und macht sich ...

Als Hannah mitten in der Nacht von ihrem Bruder Ben einen Anruf bekommt, mit der Bitte ihn von einer Party abzuholen, zögert sie nicht lange, obwohl sie noch gar keinen Führerschein besitzt und macht sich mit dem Auto ihrer Mutter auf den Weg.
Doch kurz bevor sie ihren Bruder erreicht, endet ihre Fahrt mit einem Unfall. Als sie auf dem Parkplatz zu sich kommt und ihren Bruder am Unfallauto stehen sieht, spricht sie ihn an, doch Ben kann sie nicht sehen. Nur Liam, ein gutaussehender junger Mann, der nur mit einem Pyjama bekleidet am Straßenrand steht, nimmt sie wahr.
Während Hannah im Krankenhaus im Koma liegt, zeigt Liam ihr, welche Möglichkeiten das Astralwandern ihr gibt und es beginnt schnell zwischen den Beiden zu knistern. Doch was für ein Geheimnis verbirgt er vor ihr und was wird geschehen, wenn Hannah aus dem Koma erwacht? Wird sie sich noch an Liam erinnern können?

Das Cover gefällt mir sehr gut und es passt wunderbar zur Handlung.
Es ist für mich das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe. Sissis Schreibstil ist wunderbar lebendig, flüssig und sehr klar.
Ich wurde bereits nach wenigen Sätzen in die Geschichte hineingezogen und habe das Buch an einem Sonntag förmlich verschlungen.
Die Autorin hat es geschafft, Schottland, Paris und alle anderen Orte, die die beiden Nacht für Nacht besucht haben, vor meinen Augen zum Leben zu erwecken und ich hatte das Gefühl jedes Mal hautnah dabei zu sein.

Die Kapitel sind sehr kurz und wir verfolgen die Handlung abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Hannah und Liam. So bekam ich von beiden Seiten Einblicke in ihre Gefühlswelt. Ihre Emotionen und Gedanken waren so für mich immer greifbar und ich konnte mich gut in sie hineinversetzen. Ich habe Hannah und auch Liam schnell ins Herz geschlossen.
Hannah ist eine außergewöhnliche Protagonistin. Sie liebt nicht nur ihre Sheltiehündin sehr, sondern auch ihren Bruder. Für ihn geht sie sogar das Risiko ein, mitten in der Nacht, ohne Führerschein und mit dem Auto ihrer Mutter, durch die Straßen zu fahren, um ihn von einer Party abzuholen.
Auch Liam hat mir gut gefallen. Er ist sehr sympathisch, aber sein Geheimnis machte ihn für lange Zeit undurchschaubar. Ich habe lange gerätselt, was er vor Hannah verbirgt.
Allerdings entwickelte sich die Liebesgeschichte zwischen Liam und Hannah etwas zu unproblematisch. Da hätte ich mir etwas mehr Komplikationen gewünscht.
Mit Hannahs Bruder Ben hatte ich so meine Probleme. Ich weiß nicht, ob ich überlesen habe, wie alt er ist, aber mit seinem Verhalten konnte er keine Sympathiepunkte bei mir sammeln. Am besten gefallen hat mir jedoch eine Nebenfigur und das ist Suri. Sie ist Hannahs beste Freundin und würde wirklich alles für sie tun. Sie fährt nicht nur einmal ihre Krallen aus, um Hannah zu unterstützen. Wer wünscht sich nicht so eine Freundin?!

Fazit
Auch wenn es am Ende etwas schnell ging und ich mir etwas mehr Magie in der Geschichte gewünscht hätte, hatte ich einen tollen, entspannten Lesenachmittag mit „Astralliebe“.
Von mir gibt es deshalb eine Leseempfehlung und 4 Sterne.

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.12.2022

Eine tolle Mischung aus Fantasy-Story und einem Jugendbuch, das zum Nachdenken anregt

Das Silberlicht der Zeit
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„Das Silberlicht der Zeit“ von Susa Reichmann

Wichtig:
Es werden Themen behandelt, wie Mobbing in der Schule, Suizidgedanken und Vergewaltigung. Wer Probleme damit hat, sollte das Buch besser nicht lesen.

„Manche ...

„Das Silberlicht der Zeit“ von Susa Reichmann

Wichtig:
Es werden Themen behandelt, wie Mobbing in der Schule, Suizidgedanken und Vergewaltigung. Wer Probleme damit hat, sollte das Buch besser nicht lesen.

„Manche Erinnerungen sind den Schmerz wert, den sie in sich tragen – sei es, damit wir an ihnen wachsen, sei es für das Glück, das wir ohne sie verlieren würden. Manchmal sogar beides.“

Die sechzehnjährige Amber lebt zusammen mit ihrer Mutter im Schwarzwald.
Die meiste Zeit ist sie alleine, denn ihre Mutter ist eine gefeierte Fotografin und viel unterwegs.
Deshalb verbringt sie einen großen Teil ihrer Freizeit im Tierheim und unterstützt dort ehrenamtlich die Leiterin Sarah bei der Versorgung der Tiere. Freunde hat sie keine und in der Schule wird sie gemobbt.
Doch dann lernt sie Jo kennen und erfährt nicht nur, dass er ein Fei ist, sondern dass gerade sie auserwählt wurde, um das Uhrwerk, das der Zeit der Welten ihren Takt vorgibt und zu zerbrechen droht, zu reparieren.

Das Cover gefällt mir sehr gut, denn es harmoniert hervorragend mit der Geschichte.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und leicht und flüssig zu lesen.
Auch wenn diese Urban-Fantasy-Story eigentlich für die jüngere Generation ab 14 Jahren geschrieben ist, schaffte sie es, auch mich in den Bann zu ziehen.
Ich habe zwar etwas gebraucht, um in die Geschichte hineinzukommen, aber als ich dann richtig eintauchen konnte, fiel es mir schwer, dass Buch zwischendurch zur Seite zu legen.

„Das Silberlicht der Zeit“ ist viel mehr als nur eine Fantasy-Story für Jugendliche.
Susa Reichmann hat es geschafft, wichtige Themen, wie Mobbing in der Schule und Vergewaltigung sehr geschickt in eine spannende und magische Geschichte einzupflegen.

Die sechzehnjährige Amber hilft regelmäßig im Tierheim aus. Dort gibt es nur Sarah und die Tiere und für sie bietet dieser Ort die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und nicht ständig an all die Dinge erinnert zu werden, die sie tief in ihrem Inneren vergraben hat.
Als sie den ein Jahr älteren Jo kennenlernt, ist sie alles andere als begeistert von ihm. Sie hat das Gefühl, dass er ihr ihren Rückzugsort streitig macht, denn Sarah bietet ihm an, vorerst zu bleiben.

Während wir Amber und Jo auf ihrer abenteuerlichen Reise begleiten, gibt es immer wieder Rückblicke in Ambers Leben.
Wir verfolgen die Geschichte aus ihrer Sichtweise und so fiel es mir auch leicht, mich in die Hauptprotagonistin hineinzuversetzen.
Mit Jo bin ich am Anfang nicht so richtig warm geworden, denn ich konnte ihn, im Gegensatz zu Amber nur schlecht einschätzen. Auch Sarah und Ambers Mutter blieben als Charaktere leider etwas blass. Ich habe lange gerätselt, welche Rolle sie spielen.
Ohne Frage meine Lieblingsfiguren sind jedoch Hieronymus und Billie. Wenn Du nicht weißt, was ein Keinhorn ist – hier erfährst du es.

Die Geschichte spielt im Schwarzwald und Susa Reichmann hat die Schauplätze sehr anschaulich und detailliert beschrieben. Ich hatte die Landschaft immer bildhaft vor Augen.
Unvorhersehbare Wendungen sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt.

Gut hat mir auch gefallen, dass sich ganz langsam eine zarte Liebesgeschichte entwickelt, die sich perfekt in die Handlung einfügt, jedoch nicht übermäßig viel Raum einnimmt.
Der Plot verfügt über viel Tiefe, denn neben der spannenden Fantasy-Story zeigt die Autorin unverblümt die grausame Realität von Mobbing und welche Folgen sie hat.

Fazit
Susa ist es gelungen, eine Geschichte zu schreiben, die eine tolle Mischung aus einer spannenden Fantasy-Story und einem Jugendbuch, das zum Nachdenken anregt, ist.
Ich hoffe, dass viele Jugendliche es lesen. Von mir gibt es dafür 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.12.2022

Tolle Fortsetzung

Witches & Souls
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„Witches & Souls: Tödliche Treue“ von Janina Schneider-Tidigk

Eine Hexe und ein ehemaliger Hexenjäger. Kann das gut gehen?

Der Zirkel ist zerbrochen. Merope studiert mittlerweile an der Brown und versucht ...

„Witches & Souls: Tödliche Treue“ von Janina Schneider-Tidigk

Eine Hexe und ein ehemaliger Hexenjäger. Kann das gut gehen?

Der Zirkel ist zerbrochen. Merope studiert mittlerweile an der Brown und versucht Geistern den Weg ins Licht zu weisen. Denn sie besitzt die seltene Gabe, die verstorbenen Seelen sehen und mit ihren kommunizieren zu können. Allerdings ist sie alles andere als glücklich damit, denn sie rauben ihr so manche Nacht den Schlaf.
Als Merope ihre Freunde in Ashland zum Totenfest besucht, wird sie Zeuge, wie ein Geist die Seele ihrer Freundin Cat entführt. Sie tut alles, um Cat zu retten, selbst wenn sie dafür mit dem ehemaligen Hexenjäger Aiden zusammenarbeiten muss.
Doch dann überschlagen sich die Ereignisse, denn Merope entdeckt einen Riss zwischen ihrer Welt und dem Totenreich. Immer mehr Geister drängen sich durch den Spalt, verbreiten Chaos und sorgen für Unruhen in der Kleinstadt.
Gemeinsam suchen Merope und Aiden nach einem Weg, um in das Reich der Toten zu gelangen und Cats Seele zurückzuholen. Dabei kommen die Beiden sich langsam näher.

Das Cover wurde von Marie Graßhoff gestaltet und ist ein richtiger Eycatcher. Es passt wunderbar zum ersten Teil der Reihe. Aber genauso begeistert hat mich wieder die tolle Innengestaltung mit den wunderschönen Illustrationen von Jana Runneck.
Es war nicht von Anfang an klar, dass es eine Fortsetzung geben würde und um so mehr habe ich mich gefreut, als ich „Witches & Souls –Tödliche Treue“ entdeckt habe und die Möglichkeit bekam, dass Buch zu lesen.

Janina Schneider-Tidigk hat mich sehr schnell wieder in die Geschichte hineingezogen. Ihr Schreibstil ist jugendlich leicht, sehr flüssig und angenehm zu lesen.

In „Tödliche Treue“ liegt der Fokus auf den Hauptprotagonisten Merope und Aiden. Cats Seele wurde entführt. Ihr Körper kann ohne sie nicht lange überleben und ihr Freund Alistair weicht nicht von ihrer Seite. Merope und Aiden suchen gemeinsam nach einer Möglichkeit, um sie zu retten.

Die Charaktere waren mir bereits aus dem ersten Teil bekannt und es war toll, ihre Weiterentwicklung zu verfolgen.
Sie verfügen über ausreichend Tiefe und durch den Wechsel der Perspektiven zwischen Merope und Aiden, bekam ich von beiden Seiten Einblicke in die Geschehnisse. So fiel es mir leicht, mich in ihre Gedanken und Emotionen hineinzuversetzen.

Merope ist eine Protagonistin, die Ecken und Kanten hat.
Ich liebte ihre teilweise etwas bissigen und sarkastischen Kommentare und ihren trockenen Humor. Auch Aiden ist mir schnell ans Herz gewachsen und es war schön, bei ihm nach und nach hinter die Kulissen zu blicken. Man merkt, dass die Autorin viel Wert auf die Weiterentwicklung ihrer Hauptprotagonisten gelegt hat.
Die Liebesgeschichte entwickelt sich langsam und ist dadurch glaubwürdig und authentisch.
Besonders gefallen hat mir wieder der immer mürrische und schlecht gelaunte Rufus. Er hat mich so manches Mal mit seinen Sprüchen zum Lachen gebracht.

Im ersten Teil hat es mir etwas an Spannung gefehlt, doch die Fortsetzung punktet mit vielen actionreichen Szenen und unvorhersehbaren Wendungen.
Fazit
Janina Schneider-Tidigk konnte mich auch mit der Fortsetzung „Witches & Souls –Tödliche Treue“ überzeugen.
Es war wieder ein tolles Lesevergnügen und ich kann es Euch zu 100% Empfehlen. Dafür gibt es 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 17.12.2022

Jahreshighlight

Myrina
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Nachdem die Bruderschaft der „Ritter Zions“ die Macht übernommen hat, hat sich das Leben aller Frauen von einem Tag auf den anderen verändert. Sie dürfen nicht mehr ins Kino oder ins Cafe gehen. Keine ...

Nachdem die Bruderschaft der „Ritter Zions“ die Macht übernommen hat, hat sich das Leben aller Frauen von einem Tag auf den anderen verändert. Sie dürfen nicht mehr ins Kino oder ins Cafe gehen. Keine Bücher mehr lesen, keine Musik hören und kein Fernsehen schauen. Das Recht auf Meinungsfreiheit und Bildung ist plötzlich unerreichbar geworden.

Myrinas Vater und ihre Brüder teilen Gott sei Dank die Meinung der neuen Regierung nicht. Sie halten sich nur gezwungenermaßen an die Regeln und geben ihr alle Freiheiten, die möglich sind. Es ist trotzdem nicht einfach und so hofft Myrina, dass es für sie nach der Hochzeit mit ihrem Jugendfreund Alex besser werden wird.
Doch Nacht für Nacht holen merkwürdig reale Träume sie aus dem Schlaf und ihr begegnet immer wieder ein rätselhafter Mann, der ihre Gefühle ziemlich durcheinander bringt.

Als sie durch Zufall auf eine Gruppe Frauen trifft, die vom Untergrund aus versuchen, sich gegen das Regime zu wehren und für die Freiheit kämpfen, muss Myrina eine Entscheidung treffen. Doch wenn sie sich ihren anschließt, gefährdet sie damit ihre ganze Familie. Wie wird sie sich entscheiden? Wem kann sie überhaupt noch trauen?

Karen A. Moon hat mich mit ihrem Worldbildung und dieser fantastischen Geschichte sofort begeistert und in den Bann gezogen. Ihr Schreibstil ist sehr flüssig und ausdrucksstark, dynamisch und wunderbar lebendig. Durch ihre bildhaften Beschreibungen fiel es mir leicht in die Handlung einzutauchen.
Selten hat mich ein Buch so gefesselt und ich habe die 419 Seiten innerhalb von zwei Tagen förmlich verschlungen.

Doch beginnen wir bei diesem tollen Cover. Es zeigt eine Gesichtshälfte von Myrina und passt mit seinen Farben wunderbar zum Buch.

Kannst Du Dir vorstellen, dass es wieder eine Zeit geben könnte, in der Frauen nichts zu sagen haben, Eigentum des Vaters, der Brüder oder des Ehemanns sind und ohne ihre Erlaubnis nicht arbeiten dürfen?
Heute ist es kaum vorstellbar, doch Frauen dürfen erst seit knapp 100 Jahren wählen. Erst seit 1958 gibt es das Gesetz für die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die ihnen erlaubt, selbst über ihr Geld zu bestimmen und zum Beispiel ein eigenes Konto zu eröffnen.

Doch Myrina erlebt genau dieses Szenario und als hätte sie damit nicht schon genug Probleme, passieren in ihrem Umfeld auch noch unerklärliche und rätselhafte Dinge.
Sie ist eine unheimlich sympathische Hauptprotagonistin, die mutig ihrem Schicksalspfad folgt. Und auch wenn sie sich den Regeln der Ritter Zions nach außen hin beugt und man ihre Angst spürt, merkt man doch sehr schnell, dass diese weniger sie selbst betrifft, sondern das sie sich um ihre Familie sorgt und die Konsequenzen, die ihr Ungehorsam für sie hat.
Myrina entwickelt sich im Laufe der Handlung konstant weiter, beweisst Stärke und großen Mut.
Doch auch alle anderen Protagonisten sich sehr glaubwürdig und facettenreich gestaltet und waren für mich zu jeder Zeit greifbar.

Richtig gut haben mir auch ihr Vater, ihre Brüder und insbesondere ihr Bruder Chris und ihr Verlobter Alex gefallen, denn sie unterstützen Myrina soweit es in ihrer Macht steht.
Auch der Butler Stephan ist ein interessanter Charakter, hinter dem wahrscheinlich mehr steckt, als es im ersten Teil den Anschein macht.
Ich bin gespannt, was wir in der Fortsetzung noch alles von ihm erfahren werden.

Die Story ist von Anfang an sehr spannend und ich habe ständig mit Myrina gezittert und gehofft, dass alles gut geht. Am Ende lässt Karen A. Moon mich dann mit einem richtig gemeinen Cliffhanger, der mir förmlich das Herz zerrissen hat, zurück.

Es fällt mir bei solchen Büchern immer schwer, für meine Begeisterung die richtigen Worte zu finden. Schon Band 1 „Revelation of Darkness“ ist für mich nicht nur eine tolle dystopische Geschichte, die von der ersten bis zur letzten Seite undurchschaubar und geheimnisvoll ist, sondern ein echter Pageturner, der auf meiner Highlightliste des Jahres 2022 ganz oben steht und gelesen werden muss.
Dafür gibt es hochverdiente 5 Sterne

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Veröffentlicht am 09.12.2022

Durchaus lesenswert

Feldpost
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Die Anwältin Cara hat es sich einem kleinen Cafe gemütlich gemacht und schreibt Weihnachtskarten, als sich eine fremde Frau zu ihr an den Tisch setzt. Sie beginnt von einer Bekannten namens Adele Kuhn ...

Die Anwältin Cara hat es sich einem kleinen Cafe gemütlich gemacht und schreibt Weihnachtskarten, als sich eine fremde Frau zu ihr an den Tisch setzt. Sie beginnt von einer Bekannten namens Adele Kuhn zu erzählen, die in Kassel gewohnt hat und nicht mehr auffindbar ist. Als sie geht, hinterlässt sie Cara eine Aktentasche mit einem Stapel voller Liebesbriefe, sowie einigen Fotos und Unterlagen über den Verkauf einer Villa zu einem symbolischen Preis. Die Neugier von Cara ist geweckt und so beginnt sie zu recherchieren, ohne zu ahnen, dass sie alte Wunden wieder aufreißen wird, die nie verheilt sind.

Der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht.
Mechtild Borrmann erzählt die Geschichte von Adele, Albert und Richard auf zwei Zeitebenen.
In der Vergangenheit beginnt die Handlung im Jahr 1935 und zieht sich durch die Zeit des zweiten Weltkrieges.
Die 15-jährige Adele und der 16-jährige Albert leben gemeinsam mit ihren Eltern in einer Villa in Kassel, wo der Vater eine kleine Spedition betreibt. Sie sind mit den Kindern des Apothekers Martens befreundet und die Familien unternehmen viel gemeinsam. Doch dann tritt der regimetreue Hermann Martens in die NSDAP ein und die Freundschaft der Eltern kühlt merklich ab. Gerhard Kuhn kritisiert Hitler immer wieder und bringt sich und seine Familie mit seinen Äußerungen in Gefahr. Letztendlich wird Gerhard verhaftet und wandert für zwei Jahre ins Gefängnis. Doch auch anschließend gerät er immer wieder ins Visier der Nationalsozialisten und schließlich bleibt den Eltern nur die Flucht nach Frankreich. Adele, die einen Job bei den Fieseler-Werken bekommen hat und Albert, der in Göttingen studiert, bleiben in Deutschland zurück. Die Villa wird zum Schein an die Familie Martens verkauft, damit sie nicht von den Nazis gepfändet wird.
Viele Jahre später versucht Cara Licht in die Vergangenheit zu bringen.
Bei ihren Nachforschungen trifft sie schnell auf Richard Martens, dem Absender der Feldpostbriefe und erfährt nach und nach, was damals passiert ist.

Im Laufe der Geschichte fügen sich beide Handlungsstränge zusammen und enthüllen eine tragische Liebes- und Familiengeschichte.
Die Kapitel sind kurz gehalten und der Schreibstil der Autorin ist sehr nüchtern und schnörkellos. Als Leser habe ich so zwar einen guten Überblick über das Geschehen erhalten, aber ich hatte nicht das Gefühl, in der Geschichte anzukommen und die Emotionen der Charaktere zu spüren.
Die Protagonisten blieben meiner Meinung nach etwas zu blass. Besonders von einigen der Nebenfiguren, wie zum Beispiel Gerhards Frau Katharina, Marianne, Grazyna und Dietlind hätte ich gerne etwas mehr erfahren.
Was den Verbleib von Adele betrifft, war mir ziemlich schnell klar, wie die Geschichte enden würde.
Es werden viele unterschiedliche Themen behandelt. Gut gefallen hat mir, wie die Autorin die Zeit des Nationalsozialismus, die Demütigung und Verfolgung bestimmter Gruppen, sowie die Enteignung von Vermögen und Grundbesitz glaubwürdig und authentisch beschrieben hat.
Ein wenig gestört hat mich, dass durch die vielen Schicksalsschläge und Tragödien, über der Geschichte eine doch sehr depressive Grundstimmung lag.
Generell hätten ein paar Seiten mehr dem Buch gutgetan.
Fazit
Die Protagonisten konnten mich emotional nicht so richtig berühren und es fehlte der Geschichte etwas an Spannung. Trotzdem ist es aufgrund des Themas ein Buch, das ich durchaus als lesenswert empfehlen würde.
Deshalb gibt es von mir 3,5 Sterne aufgerundet auf 4 Sterne

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