Starke Atmosphäre und Sprache, dramaturgisch etwas überfrachtet
Der Fährmann„Der Fährmann" hat mich mit den ersten Seiten durch seinen dunklen, geheimnisvollen Schreibstil, die teils poetische Sprache und die atmosphärische Dichte mitnehmen können. Denk gelingt es, mit bildhaften ...
„Der Fährmann" hat mich mit den ersten Seiten durch seinen dunklen, geheimnisvollen Schreibstil, die teils poetische Sprache und die atmosphärische Dichte mitnehmen können. Denk gelingt es, mit bildhaften Worten das Gesellschaftsporträt einer jungen Generation zu Beginn des Ersten Weltkriegs im deutsch-österreichischen Grenzgebiet nachzuzeichnen – insbesondere die eingeschränkten Lebensmöglichkeiten von Frauen.
Weniger überzeugt haben mich die Figurenzeichnung und das Finale. Die Hauptfiguren bleiben leider etwas eindimensional – klare Sympathieträger stehen einem bösen Gegenspieler gegenüber, Grautöne fehlen. Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse geradezu, was mich emotional nicht mehr richtig hat mitnehmen können. Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen.
Trotz dieser Schwächen ein lesenswerter Roman, der durch seine sprachliche Kraft und die Darstellung der Lebensrealität junger Frauen zu Beginn des Ersten Weltkriegs berührt.