Ereignislose Reise durch die Wüste
Die Truhe der Schamanin„Die Truhe der Schamanin“ überzeugt zunächst durch ihren Perspektivenwechsel: Nach jedem Kapitel rückt eine andere Figur in den Fokus, was grundsätzlich für Abwechslung sorgt und unterschiedliche Blickwinkel ...
„Die Truhe der Schamanin“ überzeugt zunächst durch ihren Perspektivenwechsel: Nach jedem Kapitel rückt eine andere Figur in den Fokus, was grundsätzlich für Abwechslung sorgt und unterschiedliche Blickwinkel eröffnet. Allerdings gelingt es der Geschichte nicht, alle Figuren gleichermaßen interessant zu gestalten. Nur Llewelyns Kapitel sind für mich hervorgestochen.
Spannend ist die Kombination aus historischem Roman und übernatürlichen Elementen. Sprechende Tiere, geheimnisvolle Schädel und spirituelle Motive verleihen der Welt eine besondere Atmosphäre und heben den Roman von klassischen historischen Erzählungen ab. Auch die zahlreichen beschriebenen Bräuche sind ein Pluspunkt: Sie wirken gut recherchiert und bieten interessante Einblicke in kulturelle Praktiken.
Mir hat ein klarer roter Faden gefehlt: die Figuren scheinen größtenteils ziellos zu reisen. Zwar hat Rana mit der Suche nach ihrer Truhe ein eigentlich zentrales Anliegen, doch wird dieses kaum als dringliches Problem inszeniert. Dadurch fehlt es der Handlung an Spannung und Dynamik.
Insgesamt bleibt die Erzählung ruhig und oft ereignisarm. Man begleitet die Figuren eher auf einer gleichmäßigen Reise, als dass man von einer packenden Handlung mitgerissen wird. Trotz interessanter Ansätze und atmosphärischer Elemente hätte dem Roman mehr Struktur und Spannung gutgetan.