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Veröffentlicht am 08.08.2025

Unterhaltsam regt dieses Virus-Chaos zum Nachdenken an

All Better Now
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Neal Shustermans Bücher überzeugen mich immer wieder mit ihren, irgendwie skurrilen, und gesellschaftlich kompakten Grundideen. So auch "All better now". Ich mag die Art, wie moralische, philosophische ...

Neal Shustermans Bücher überzeugen mich immer wieder mit ihren, irgendwie skurrilen, und gesellschaftlich kompakten Grundideen. So auch "All better now". Ich mag die Art, wie moralische, philosophische und irgendwo auch politische Fragestellungen angeschnitten werden. Hier merke ich den US-Kontext, (neue) religiöse Bewegungen zb sehe ich im europäischen Kontext selten überhaupt und schon gar nicht so interessant eingearbeitet. Durch das Roadtrip Format kommen wir immer wieder in Kontakt mit neuen und anderen Umgebungen, Umständen, Voraussetzungen und Menschen, die genau diese Fragestellungen aufwerfen und/oder ausdifferenzieren. Die Überlegungen und Positionen, sowohl der Charaktere, als auch von uns Lesenden werden immer wieder herausgefordert.

Dabei folgen wir drei (jungen) Protagonist*innen, die alle Seiten des Konflikt abdecken. Ich fand es manchmal schwierig, den Charakteren emotional nahe zu kommen, mein Eindruck ist, dass sie schon sehr in ihrer Rolle zur Auslotung der gesellschaftlichen Fragen geschrieben wurden. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Tiefe gewünscht. Gleichzeitig sind die Rollen, insbesondere auch der Nebencharaktere so gut gewählt und so clever eingesetzt, dass die Lesefreude bei mir stets hoch war.

Dazu kommt so mancher Twist, so manche Wendung, so dass das Buch sowohl kurzweilig bleibt, als auch in der Rückschau lang und voll erscheint. Zumal mit einem Ende, was ich nicht vorhergesehen habe, trotzdem sehr logisch und passend finde und das mich mit viel Neugier und Vorfreude auf Band zwei schauen lässt.

Insgesamt ein sehr gutes Buch, auch wenn mir zum Highlight ein wenig gefehlt hat.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Nicht meins

Frauen im Sanatorium
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Meins wars leider nicht.
Zu Beginn dachte ich, dass ich mir Setting und Thema aus den Bruchstücken ganz gut zusammen gepuzzelt hätte, hatte etwas Mitleid und Verständnis und gute Wünsche. Mit der Zeit ...

Meins wars leider nicht.
Zu Beginn dachte ich, dass ich mir Setting und Thema aus den Bruchstücken ganz gut zusammen gepuzzelt hätte, hatte etwas Mitleid und Verständnis und gute Wünsche. Mit der Zeit wurde aber alles nur verworrener, ich hatte Mühe dem Chaos aus Personen und Geschichten zu folgen und die emotionale Distanz der Erzählung begann mich anzustrengen. Dazu kam der umständliche Schreibstil, bei dem gern mal Wörter und Satzteile an unerwarteten Stellen standen, was meinen Lesefluss immer öfter unterbrochen hat. Ich hatte keine Freude an dieser Erzählung, habe keine nachhaltige Verbindung zu den Charakteren aufbauen können und mich oft nur gefragt, warum mir nun dieses oder jenes Detail überhaupt erzählt wird.
(Vielleicht ist es eines dieser Bücher, dass nur vor dem Hintergrund einer eigenen solchen Migrations- und Familiengeschichte verstanden werden kann, ich weiß es nicht.)
Ich weiß auch nicht, ob die Enthüllung am Ende, dass es sich um einen unzuverlässigen Erzähler handelt irgendetwas besser macht, es kommt weder wirklich überraschend, noch gibt es der Erzählung eine neue Ebene.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

echt und ehrlich und süß

The Darlington - Henry & Kate
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Ein junger Mann, der inmitten eines Skandals das high society Hotel der Familie übernehmen soll und eine junge Frau, die nach einigen Schicksalsschlägen obdachlos ist. Im ersten Band des „the Darlington“ ...

Ein junger Mann, der inmitten eines Skandals das high society Hotel der Familie übernehmen soll und eine junge Frau, die nach einigen Schicksalsschlägen obdachlos ist. Im ersten Band des „the Darlington“ schaffen diese beiden sehr unterschiedlichen Realitäten es, mit Authentizität und Feingefühl zusammen zu treffen. Bei allem herzerwärmenden Schnulz und Kitsch bleibt die Erzählung ehrlich, die Herausforderung groß und die Liebe echt. Diese Balance hat die Autorin ganz wunderbar hinbekommen, das gefällt mir gut.

Unsere Hauptpersonen, Henry und Kate, sind einfach zu mögen und die Dynamik zwischen den Beiden von Anfang an unterhaltsam. Dass die Erzählstimme hin und her wechselt fand ich gut, ich habe beide Perspektiven gern gelesen. Den Schreibstil insgesamt fand ich sehr angenehm, ich konnte flüssig lesen und ganz in die Emotionen der Geschichte eintauchen. Dieses Unverkünstelte hat mir insbesondere im high society Setting gefallen, obwohl das „the Darlington“ ohne Frage prunkvoll ist und das auch beim Lesen ankommt, lernen wir das Hotel doch hauptsächlich aus sehr menschlichen Perspektiven kennen und lieben, etwa, wenn Henry über seine Kindheit im Hotel spricht. Genauso ist es aber auch mit Kates Vergangenheit, ich hatte nicht den Eindruck hier eine reißerische, dehumanisierende Darstellung von Obdachlosigkeit zu lesen. Und obwohl Henry das Geld hat und Kate hilft fühlt sich ihre Beziehung in keinster Weise einseitig an. Da ist sehr viel Reflexion und „erwachsen sein“ der Beiden, ohne, dass es uns Lesenden die Freude an der wunderbar cuten Liebesgeschichte nehmen würde. Denn das ist diese Liebesgeschichte: zuckersüß und malerisch und traumhauft und eben auch ein bisschen wie im Märchen.

„the Darlington: Henry und Kate“ war für mich eine runde Geschichte zum Mitfühlen, genau das richtige für ein paar gemütliche Leseabende.

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Disability pride month read

Where I Left My Heart
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Was mir wirklich gut gefallen hat, ist die disability rep mit Yunas Skoliose. Ich mag, wie die Facetten so miteinander interagieren. Yunas Selbstzweifel und die tatsächlich Blicke und Kommentare. Die fehlende ...

Was mir wirklich gut gefallen hat, ist die disability rep mit Yunas Skoliose. Ich mag, wie die Facetten so miteinander interagieren. Yunas Selbstzweifel und die tatsächlich Blicke und Kommentare. Die fehlende Leichtigkeit, wenn Behinderung immer mitgedacht werden muss und der internalisierte ableismus sich hilfreiche Anpassungen zu verweigern. Die Aktzeptanz, dessen, was ist und trotzdem Schmerzen und Symptome haben. Ich fand die Darstellung sehr authentisch und gut.

Die Idee mit dem Museum of broken hearts ist klasse umgesetzt. Ich finde, das Museum gibt der Geschichte einen Rahmen und ein Vorwärtskommen, beides fehlt der Geschichte sonst ein wenig. Gerade in der ersten Hälfte ist viel Wiederholung und eher ein dahin plätschern, was zwar schöne Momente beinhaltet, aber mich nicht begeistert hat. Im letzten Drittel hingegen, kam die Geschichte für mich zusammen, das war gut.

Das Ganze spielt in Kiel und die Vibes von Norddeutschland fließen angenehm in die Erzählung ein. Auf mich wirkte es alles bodenständig schön. Mit Spieleabend und Picknick im Park. Das passte für mich gut zu Yuna und Link.
Ich brauchte ein wenig, um mit ihnen warm zu werden, lustigerweise habe ich dafür die Nebencharaktere sehr schnell gemocht.
Die Hauptfiguren sind alle kreativ veranlagt, was mir gefallen hat, sie haben ihre Momente des künstlerischen Schaffens, in denen ich das Gefühl hatte ihnen ganz nahe kommen zu dürfen. Die Vertrautheit und die Entwicklung zum Mehr zwischen Yuna und Link hat toll mit der friends to lovers trope funktioniert. Auch, wenn es in der ersten Hälfte nicht danach aussah, Dinge veränderten sich für die und zwischen den Charakteren.

Insgesamt eine new Adult Geschichte, die das Dabeibleiben belohnt. Mit nicht ganz so viel Enthusiasmus und eher komplizierten Gefühlen, leisen Veränderungen, und einer tollen Prämisse.

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Die Frage nach der Macht

The will of the many
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"the will of the many" ist gutes high fantasy: mit spannenden Charakteren und einem komplexen Worldbuilding, das zum Ende perfekt für einen zweiten Band aufgebaut ist. Es gibt politische Intrigen, Vertrauens- ...

"the will of the many" ist gutes high fantasy: mit spannenden Charakteren und einem komplexen Worldbuilding, das zum Ende perfekt für einen zweiten Band aufgebaut ist. Es gibt politische Intrigen, Vertrauens- und Loyalitätsproben und einen interessanten Gesellschaftsaufbau in dessen Geschichte die Hauptperson Vis mehr als vielschichtig integriert ist. Gerade seine Interaktion mit den verschiedenen Gruppen und Akteuren und seine Verstrickungen, Lügen und die Bedrohungen von allen Seiten, machen die Geschichte spannend. Das Erzähltempo und der Spannungsaufbau über immerhin gut 777 Seiten funktioniert wunderbar. Die Ortswechsel und Settings der Geschichte sind alle gut nachvollziehbar und bereichern die Erzählung. Das Magiesystem blieb für mich zwar inhaltlich etwas unkonkret, wird dafür aber in seiner gesellschaftlichen Auswirkung ausführlich besprochen. Die Frage nach der gesellschaftlichen Ordnung, Macht und Fairness, sind die Kernthemen des Buches.

Leider ist die Übersetzung oft holprig und teilweise offensichtlich fehlerhaft. Wörter und Satzteile, die fehlen oder sich sinnlos wiederholen. Ich hätte das Buch wohl lieber auf englisch lesen sollen, denn diese Fehler haben mir manchmal den Lesefluss und die Freude genommen. Das erwarte ich von einem Verlagsbuch besser.

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