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Veröffentlicht am 17.02.2026

Zwischen Macht, Prägung und falschen Erwartungen

The Poet Empress
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Mit The Poet Empress – Eine Ballade von Liebe und Tod präsentiert keinen klassischen Fantasy-Liebesroman, sondern eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Macht, Verantwortung und persönlicher Prägung. ...

Mit The Poet Empress – Eine Ballade von Liebe und Tod präsentiert keinen klassischen Fantasy-Liebesroman, sondern eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Macht, Verantwortung und persönlicher Prägung. Wer mit der Erwartung an eine romantische Geschichte über zwei gegensätzliche Charaktere beginnt, wird schnell merken, dass der Fokus hier anders gesetzt ist.



Im Zentrum steht ein Herrscher über Terren, dessen Grausamkeit und Jähzorn nicht beschönigt werden, deren Ursprünge jedoch verständlich aufgearbeitet sind. Durch immer wieder eingestreute Rückblicke erhält man Einblicke in seine Kindheit, in das Verhältnis zu seiner Mutter und insbesondere zu seinem Bruder. Diese Passagen zeigen eindrücklich, wie viel von ihm verlangt wurde, wie wenig Raum für Menschlichkeit blieb und wie sich diese Erfahrungen über Jahre hinweg verfestigt haben.



Ein besonderes stilistisches Element sind die Tagebucheinträge des Bruders Maro. Sie eröffnen eine zusätzliche emotionale Ebene und geben der familiären Geschichte Tiefe, auch wenn sie naturgemäß nur eine Perspektive abbilden. Gerade dieses Ungleichgewicht macht die Tragik der Beziehung greifbar.



Die weibliche Protagonistin Wei wirkt zu Beginn bewusst schlicht, entwickelt sich jedoch zu einer Figur, die Verantwortung übernimmt und lernt, was es bedeutet, Einfluss zu haben. Ihr Weg ist geprägt von Mut, Verlust und dem Wunsch, für andere einzustehen auch gegen gesellschaftliche Regeln und Erwartungen.



Der Roman ist detailreich, politisch und (historisch) angelegt, was die Welt glaubwürdig macht, aber auch zu Längen führen kann. Dennoch ist jedes Detail sinnvoll eingebettet. Ergänzt wird das Leseerlebnis durch einen angenehmen Schreibstil, wechselnde Perspektiven und eine hochwertige Gestaltung mit besonders ansprechendem Cover und Farbschnitt.

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Veröffentlicht am 13.12.2025

Ein Kampf ums überleben

To Cage a Wild Bird
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Ein Kampf ums überleben
To Cage a Bird ist ein Roman, der einen nicht einfach nur mitnimmt er packt einen, schleift einen durch den Dreck dieser dystopischen Welt und zwingt einen, mit den Figuren zu fühlen. ...

Ein Kampf ums überleben
To Cage a Bird ist ein Roman, der einen nicht einfach nur mitnimmt er packt einen, schleift einen durch den Dreck dieser dystopischen Welt und zwingt einen, mit den Figuren zu fühlen. Es gibt Bücher, die liest man, und es gibt Bücher, die erlebt man. Dieses gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.



Eine Welt, die atmet und zwar Gift
Die Autorin erschafft ein Setting, das von der ersten Seite an beklemmend wirkt. Alles ist überfüllt, laut, kalt und gnadenlos. Man spürt die Armut, riecht die Verzweiflung, hört das Metall in den Gängen – und gleichzeitig baut sich ein bedrückendes System aus Kontrolle und Klassifizierung über allem auf. Besonders das spätere Arenagefängnis ist so bildhaft beschrieben, dass man sich unwohl fühlt, während man liest.

Nicht, weil es übertrieben wäre sondern weil es erschreckend real wirkt.

Figuren, die Fehler machen, kämpfen, wachsen
Raven überzeugt dadurch, dass sie nicht perfekt ist. Sie ist stur, mutig, traumatisiert, loyal und ständig hin- und hergerissen. Ihre Beziehung zu Jet ist eines der emotionalen Herzstücke des Buches. Es geht nicht nur darum, zu überleben, sondern darum, trotz allem Mensch zu bleiben.

Vale wiederum ist die Art Figur, bei der man nie weiß, ob man ihm vertrauen kann und genau das macht jede Begegnung spannend. Zwischen ihm und Raven entsteht eine spürbare Spannung, die nie kitschig wird, sondern immer auf dem Fundament von Gefahr, Überwachung und unausgesprochener Nähe steht.



Die Handlung: brutal ehrlich und gnadenlos spannend
Die vielen Prüfungen, Machtspiele und moralischen Entscheidungen bauen konstant Druck auf. Das Buch gönnt einem kaum Pausen. Ständig verändert sich etwas das System zieht die Schrauben an, neue Risiken entstehen, alte Geheimnisse holen einen ein.

Besonders im letzten Teil steigert sich die Spannung ins Unerträgliche, bis man mit klopfendem Herzen weiterblättert.



Ein Ende, das lange nachwirkt
Der Abschluss ist nicht gemütlich, nicht weich, nicht einfach. Aber er fühlt sich richtig an. Man schlägt das Buch zu und sitzt erstmal da erschöpft, traurig, hoffnungsvoll, wütend und beeindruckt zugleich.



Fazit:
Ein intensives, emotionsgeladenes Dystopie-Erlebnis mit starken Figuren, einer bedrückenden Atmosphäre und einem bitter-schönen Kern aus Menschlichkeit .

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Veröffentlicht am 05.11.2025

Mit wehenden Fahnen

Musenrausch (Nektar und Ambrosia, Band 1)
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Musenrausch ist ein Buch, das mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt. Die Idee hinter der Geschichte ist faszinierend und voller Potenzial, doch in der Umsetzung konnte sie mich nicht vollständig überzeugen.

Der ...

Musenrausch ist ein Buch, das mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt. Die Idee hinter der Geschichte ist faszinierend und voller Potenzial, doch in der Umsetzung konnte sie mich nicht vollständig überzeugen.

Der Einstieg fiel mir schwer, vor allem weil mir die Welt der Kunst, in der die Handlung spielt, sehr fremd ist. Die bildhafte Darstellung ist außergewöhnlich und kreativ, aber gleichzeitig auch fordernd manches blieb für mich schwer greifbar. Trotzdem gefällt mir die Grundidee, besonders der geheimnisvolle Aspekt rund um Neos Auftauchen und die dunkle Vergangenheit, die sich Stück für Stück enthüllt.

Mit den Hauptfiguren hatte ich allerdings meine Schwierigkeiten. Wanda wirkte auf mich oft distanziert, eigensinnig und regelbrechend, was sie zunächst unsympathisch machte. Im Verlauf zeigt sie jedoch eine deutliche Entwicklung und öffnet sich emotional, was sie greifbarer macht. Neo hingegen blieb für mich erstaunlich blass er spricht zwar von einem Plan, lässt sich aber leicht ablenken und wirkt insgesamt etwas flach für eine Hauptfigur. Die Verbindung zwischen den beiden wollte bei mir ebenfalls nicht richtig überspringen. Obwohl gegenseitiges Interesse da ist, entwickelt sich ihre Beziehung sehr schnell und bleibt für mich emotional oberflächlich.

Das große Highlight des Buches ist eindeutig das Worldbuilding. Die Autorin erschafft eine komplexe, magische Welt voller Details und Atmosphäre. Leider geht dieser Reichtum manchmal auf Kosten der Handlung, die dadurch an Klarheit verliert. Es gibt so viele Figuren und Schauplätze, dass man leicht den Überblick verliert was die emotionale Bindung erschwert.

Besonders positiv hervorheben möchte ich den Schreibstil. Er ist poetisch, feinfühlig und durch die wechselnden Perspektiven sehr abwechslungsreich. Das ermöglicht einen tiefen Einblick in verschiedene Charaktere wie Leukosia, Oidites oder Galatei die allesamt mit eigenen, liebevoll ausgearbeiteten Geschichten überzeugen. Auch der Falke, der später auftaucht, bringt eine spannende Wendung.

Am Ende bleibt bei mir das Gefühl, dass Musenrausch viel wollte und dabei ein wenig zu viel auf einmal getan hat. Zwischen all der Schönheit, der Kunst und der Poesie ging für mich der emotionale Kern etwas verloren. Dennoch ist es ein besonderes Buch, das vor allem Leserinnen und Leser ansprechen dürfte, die detailreiche Welten und kunstvolle Sprache lieben.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Zwei Schwestern

The Blackgate Invitation
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Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal so in einem Buch mitgerätselt habe wie bei The Blackgate Invitation. Ich war komplett drin in dieser düsteren, geheimnisvollen Welt voller Hexenlinien, unausgesprochener ...

Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal so in einem Buch mitgerätselt habe wie bei The Blackgate Invitation. Ich war komplett drin in dieser düsteren, geheimnisvollen Welt voller Hexenlinien, unausgesprochener Wahrheiten und über Generationen verstrickter Schicksale.

Am Anfang? Ich war ehrlich gesagt überfordert. So viele Namen, Familien, Linien und dann noch jemand mit they/them-Pronomen, was mich erst aus dem Lesefluss gebracht hat. Aber irgendwann machte es klick, und plötzlich kannte ich sie alle: Ruby, Wren, Auden, Winter, Evander … sie wurden lebendig.

Ich mochte besonders, dass man als Leser*in genau so viel wusste wie die Figuren selbst. Man stolpert mit ihnen durch das Unbekannte, entdeckt nach und nach, was wirklich passiert, und versteht langsam, wie all diese Menschen miteinander verbunden sind.

Wren und Ruby haben mich tief berührt Schwestern, die sich gegenseitig tragen, auch wenn alles um sie herum zusammenbricht. Und Auden? Eine Figur, die so viel mehr Tiefe hat, als man am Anfang denkt.

Das Worldbuilding war für mich genau richtig nicht überladen, aber klar und magisch.

Und Ursula … wow. Eine Figur, die gar nicht richtig da ist, aber trotzdem alles bewegt.

Am Ende blieb ich mit diesem Gefühl zurück, als hätte ich ein großes Puzzle gelöst eines, das sich erst kurz vor Schluss vollständig zeigt.

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Veröffentlicht am 12.09.2025

Nicht ganz mein Fall

Blossoms of Fire
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Ich habe mich auf dieses Buch gefreut, weil ich Geschichten mit Drachen, alten Mythen und einer Prise Romantik eigentlich sehr schätze. Doch je weiter ich gelesen habe, desto mehr war ich hin- und hergerissen ...

Ich habe mich auf dieses Buch gefreut, weil ich Geschichten mit Drachen, alten Mythen und einer Prise Romantik eigentlich sehr schätze. Doch je weiter ich gelesen habe, desto mehr war ich hin- und hergerissen zwischen guten Ansätzen und Dingen, die mich eher enttäuscht haben.

Positiv hervorheben möchte ich die Figur Briar. Sie ist mir von Anfang an sympathisch gewesen: klug, mutig und mit einem Herzen am richtigen Fleck. Auch die Grundidee mit dem verwundeten Drachen fand ich reizvoll das bot zunächst eine schöne Ausgangslage für Spannung und Nähe. Die Reiter, die sie dazu bringen, den Drachen zu heilen, haben in meinen Augen nicht gerade einen eleganten Weg gewählt, aber im Kontext war es wohl die einzige Möglichkeit.

Das Zusammenspiel mit den Nebenfiguren, insbesondere Jamie, hätte meiner Meinung nach mehr Raum verdient. Er wirkt interessant, aber bleibt eher im Hintergrund. Auch die Dynamik im Clan ist grundsätzlich überzeugend, weil man das Gefühl hat, dass Briar dort Schutz und Unterstützung findet.

Schwieriger wurde es für mich beim Tempo der Handlung. Die Beziehung zwischen Briar und ihrem Gegenpart entwickelt sich aus meiner Sicht zu schnell und wirkt dadurch wenig glaubhaft. Schon nach wenigen Begegnungen scheinen sie unzertrennlich, was mir gerade als jemand, der viele Jahrzehnte Ich habe mich auf dieses Buch gefreut, weil ich Geschichten mit Drachen, alten Mythen und einer Prise Romantik eigentlich sehr schätze. Doch je weiter ich gelesen habe, desto mehr war ich hin- und hergerissen zwischen guten Ansätzen und Dingen, die mich eher enttäuscht haben.

Positiv hervorheben möchte ich die Figur Briar. Sie ist mir von Anfang an sympathisch gewesen: klug, mutig und mit einem Herzen am richtigen Fleck. Auch die Grundidee mit dem verwundeten Drachen fand ich reizvoll das bot zunächst eine schöne Ausgangslage für Spannung und Nähe. Die Reiter, die sie dazu bringen, den Drachen zu heilen, haben in meinen Augen nicht gerade einen eleganten Weg gewählt, aber im Kontext war es wohl die einzige Möglichkeit.

Das Zusammenspiel mit den Nebenfiguren, insbesondere Jamie, hätte meiner Meinung nach mehr Raum verdient. Er wirkt interessant, aber bleibt eher im Hintergrund. Auch die Dynamik im Clan ist grundsätzlich überzeugend, weil man das Gefühl hat, dass Briar dort Schutz und Unterstützung findet.

Schwieriger wurde es für mich beim Tempo der Handlung. Die Beziehung zwischen Briar und ihrem Gegenpart entwickelt sich aus meiner Sicht zu schnell und wirkt dadurch wenig glaubhaft. Schon nach wenigen Begegnungen scheinen sie unzertrennlich, was mir gerade als jemand, der viele Jahrzehnte Lebenserfahrung mitbringt etwas unrealistisch vorkommt. Auch die Sexszene hat mich eher irritiert als berührt, weil sie ohne Tiefe und mit merkwürdigen Unterbrechungen geschildert wird.

Beim Worldbuilding hatte ich ähnliche Schwierigkeiten. Drachenreiche stelle ich mir anders vor als Schlösser oder Mischungen aus moderner und alter Architektur da fehlte mir eine klare Linie. Hekates Auftauchen empfand ich wie ein loses Puzzlestück, das nur eingefügt wurde, um die Handlung weiterzuschieben, ohne dass es wirklich integriert wirkte.

Unterm Strich muss ich sagen: Mich hat das Buch leider nicht gepackt. Es fehlte mir an Spannung, an Tiefe in den Figurenbeziehungen und an einem Worldbuilding, das mich hätte mitreißen können. Nach einer Weile habe ich mich beim Lesen eher gelangweilt und bin an den Punkt gekommen, an dem ich es lieber zur Seite legen möchte. Schade, denn die Grundidee hatte Potenzial. Lebenserfahrung mitbringt etwas unrealistisch vorkommt. Auch die Sexszene hat mich eher irritiert als berührt, weil sie ohne Tiefe und mit merkwürdigen Unterbrechungen geschildert wird.

Beim Worldbuilding hatte ich ähnliche Schwierigkeiten. Drachenreiche stelle ich mir anders vor als Schlösser oder Mischungen aus moderner und alter Architektur da fehlte mir eine klare Linie. Hekates Auftauchen empfand ich wie ein loses Puzzlestück, das nur eingefügt wurde, um die Handlung weiterzuschieben, ohne dass es wirklich integriert wirkte.

Unterm Strich muss ich sagen: Mich hat das Buch leider nicht gepackt. Es fehlte mir an Spannung, an Tiefe in den Figurenbeziehungen und an einem Worldbuilding, das mich hätte mitreißen können. Nach einer Weile habe ich mich beim Lesen eher gelangweilt und bin an den Punkt gekommen, an dem ich es lieber zur Seite legen möchte. Schade, denn die Grundidee hatte Potenzial.

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