Profilbild von Juanla

Juanla

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Juanla ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Juanla über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.07.2026

Eine Nacht vor 14 Jahren...

Das Knistern unserer Herzen
0

„Das Knistern unserer Herzen“ von Kathrin Samar ist ein Wohlfühlroman mit einem bunten Mix aus den Themenbereichen „Ersatzfamilie wider Willen“ und „unerfüllte Liebe aus der Vergangenheit“. Die Autorin ...

„Das Knistern unserer Herzen“ von Kathrin Samar ist ein Wohlfühlroman mit einem bunten Mix aus den Themenbereichen „Ersatzfamilie wider Willen“ und „unerfüllte Liebe aus der Vergangenheit“. Die Autorin verpackt die Story in die Kulisse einer Dorfgemeinschaft, wobei der Hauptschauplatz die ebenso idyllische wie fiktive Kleinstadt Rosewood ist.
Das Cover wirkt modern sowie verspielt und passt gut zum Stil des „New Adult“- bzw. „Romance“-Genres. Der Eindruck einer leichten, romantischen Sommerlektüre spiegelt die Geschichte perfekt wider. Die sanften Pastelltöne, die mit dezenten und romantischen Ornamenten im Herz- oder Blumenmotiv-Design auftreten, zieren das gesamte Cover. Die zarte Rose auf der Seite, die auch stets über jedem neuen Kapitel zu erkennen ist, passt sehr gut als Anspielung auf den fiktiven Schauplatz Rosewood. Die helle und fröhliche Wirkung lädt die Leserschaft ein, die gern Wohlfühlromane zu den Tropes „Second Chance Romance“, „Opposites Attract“ sowie „Grumpy meets Sunshine“ lesen. Letzteres tritt hier in vertauschten Rollen auf, da der männliche Hauptprotagonist den Part des „Sunshine“ übernimmt.
Die Geschichte startet mit dem stressigen Leben von Isabel (Izzy), die als Anwältin alles gibt, um Partnerin in ihrer Kanzlei zu werden. Für die Arbeit geht extrem viel Zeit drauf, sodass andere Belange stets in den Hintergrund rücken. Um ihrer langjährigen Freundin Sophie und deren Ehemann einen Gefallen zu tun, willigt sie ein, eine Woche lang auf deren drei Kinder im idyllischen Städtchen Rosewood aufzupassen, während die Eltern auf Kreuzfahrt sind.
Als sie mit den Kindern allein ist, scheint prompt alles schiefzugehen: Die Charaktere, von der trotzigen 14-jährigen Teenagerin Lisa über den wilden, circa 9-jährigen Fynn bis zur zweijährigen Alice, testen ihre Grenzen aus und machen Isabel das Leben schwer. Auch in logistischer Hinsicht ist die taffe Anwältin völlig überfordert. Wäre da nicht der freundliche Nachbar Rick, der stets zur Stelle ist, wenn die nächste Katastrophe ausbricht, wer weiß, was passiert wäre? Im Laufe der Geschichte stellt sich jedoch heraus, dass Isabel und Rick ein großes Geheimnis verbindet.
Rick ist der absolute „Sunshine“ in der Geschichte. Was auch passiert, er bleibt freundlich, zugewandt und ist immer hilfsbereit. Er ist ein bodenständiger Lehrer, der bei Eltern und Schülern sehr beliebt ist, sich für Musik begeistert und dessen treue Cocker-Spaniel-Hündin Cookie allen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Er besucht seine Mutter regelmäßig im Pflegeheim, was zeigt, dass er ein großes Herz hat. Cookie gelingt es zudem, das Eis bei den Kindern zu brechen. Wenn sie zur Begrüßung angestürmt kommt, sind die Probleme erst einmal vergessen und alle können nach angespannten Situationen wieder lachen.
Isabel ist das genaue Gegenteil von Rick. Sie ist stark in ihrem Job und eine Löwin im Gerichtssaal, aber auf menschlicher Ebene im echten Leben – vor allem im Umgang mit Kindern – ist sie komplett überfordert. Zudem ist sie zu stolz, um Hilfe anzunehmen, und tut dies nur, wenn es absolut keine andere Lösung mehr gibt. Ihre Überforderung ist ihr deutlich anzumerken, und die Kinder nutzen das zunächst schamlos aus.
Das Buch legt stellenweise ein echt hohes Tempo vor. Vor allem die alltagsnahen Dialoge mit den Kindern und die Schlagabtausche zwischen Isabel und Rick haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Bis zur Mitte zog sich die Handlung für mich allerdings ein bisschen. Es jagt zwar eine Katastrophe die nächste, während Isabel ständig vor ihren eigenen Gefühlen flieht, aber die Haupthandlung kommt dabei kaum vom Fleck. Richtige Wendungen und echte Spannung kamen für mich leider erst in der zweiten Hälfte auf.
Auch hatte ich gehofft, dass die Demenzerkrankung von Ricks Mutter der Geschichte mehr Tiefe verleiht. Das hätte Rick so viel emotionale Reife geben und gleichzeitig zeigen können, wo seine Belastungsgrenzen abseits der typischen Romance-Klischees liegen. Stattdessen nutzt die Autorin dieses ernste Thema leider nur als „Deko“ und lässt es erzählerisch einfach fallen. Man liest stattdessen seitenlang über das Wenden von Chicken-Nuggets oder wer als Nächstes rot anläuft. Der einfache Wohlfühlstil ist zwar super schnell wegzulesen, aber mir fehlte hier einfach der Tiefgang.
Der Perspektivenwechsel in jedem neuen Kapitel ist zwar eine gute Idee und zeigt das Geschehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln, aber für mich sind die Protagonisten nicht tiefgründig genug gezeichnet. Wir erfahren kaum etwas über die jeweiligen Vorgeschichten, was die Charaktere früher erlebt haben und warum sie in bestimmten Situationen genau so handeln. Die richtige Spannung kommt erst zum Schluss auf, als die Frage im Raum steht, wie ein Happy End aussehen kann.
Fazit: Wer eine leichte Geschichte sucht, die nicht zu tiefgründig ist, sich schnell liest und zum Wohlfühlen beiträgt, ist hier genau richtig. Die Story glänzt durch ihre alltäglichen Katastrophen und witzigen Dialoge.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.07.2026

Wiener Charme, Herzblut und Rock´n Roll

Das rocken wir auch noch!
0

Mit ihrem Buch "Das rocken wir auch noch!" hat Angelika Schwarzhuber "fast einen Liebes Roman" geschrieben. Teilweise ist es ein Roadtrip, auf jeden Fall ein absoluter Wohlfühlroman mit einer Story, die ...

Mit ihrem Buch "Das rocken wir auch noch!" hat Angelika Schwarzhuber "fast einen Liebes Roman" geschrieben. Teilweise ist es ein Roadtrip, auf jeden Fall ein absoluter Wohlfühlroman mit einer Story, die tiefgründig ist und zum Nachdenken anregt.
Angelika Schwarzhuber ist es im zweiten Band ihrer Reihe rund um die Seniorenbetreuerin Tilda gelungen, auf der einen Seite eine lustige Komödie sowie auf der anderen Seite eine sehr emotionale Liebesgeschichte zum Leben zu erwecken. Zunächst bekommt man beim Lesen das Gefühl, dass dies eine lockere und leichte Urlaubslektüre wird, die in Venedig beginnt. Aber das ist weit gefehlt, denn die rüstige, aber eigensinnige Witwe Clementina bekommt von ihrer Familie eine Kreuzfahrt zum 75. Geburtstag geschenkt, hat jedoch ganz andere Pläne. Was zunächst noch als Zufall durchgehen könnte, deckt bald einen raffiniert entwickelten Plan auf: Sie hatte zu keiner Zeit vor, die Kreuzfahrt anzutreten und versucht somit ihr Geburtstagsgeschenk zu boykottieren. Doch als Tilda droht, ihr einen Strich durch die Rechnung zu machen, erzählt Clementina ihre eigene sehr besondere Liebesgeschichte, die 1974 in München beginnt.
Der Autorin gelingt es in besonderer Weise, in atmosphärisch Rückblenden den Geist der 70er-Jahre zwischen strengen sowie konservativen Vermietern und den rauchigen Schwabinger Clubs, mit nostalgischen Sinalco-Flaschen und dem Lebensgefühl der Rockmusik einzufangen. Dabei gelingt es ihr, das Knistern zwischen der jungen Clementina und einem Musiker in wunderschöner Art und Weise sehr glaubwürdig rüberzubringen. Beim Lesen konnte ich in Erinnerungen aus meiner Kindheit schwelgen, was ein etwas wehmütiges Gefühl hinterlassen hat.
Die Leserschaft erkennt, dass es sich um eine großartige Dynamik der Generationen handelt, denn die harmonische Chemie zwischen der pflichtbewussten und zugleich leicht panischen Tilda und der fest entschlossenen Clementina ist sehr eindringlich geschrieben. Teilweise habe ich mitgelitten, wenn Tilda vor einer wichtigen Entscheidung stand, während ich auch die“ mit dem Kopf durch die Wand“-Mentalität von Clementina bewundert habe.
Die Autorin schreibt angenehm flüssig, modern und in einem sehr bildhaften Stil. Sie macht das Urlaubsflair Venedigs mit allen Sinnen greifbar, so dass ich beim Lesen fast schon die italienische Pizza gerochen habe, das Plätschern der Gondeln hören konnte und die warme Frühlingssonne auf der Haut gespürt habe.
Angelika Schwarzhuber zeigt nicht nur ein großartiges Gespür für das richtige Timing, sondern entwickelt auch sehr tiefgründige Charaktere. Tilda ist bodenständig, wirkt sehr empathisch und kommt als professionelle Seniorenbetreuerin verantwortungsbewusst rüber. Nach einem für sie sehr harten Jahr hat sie sich erfolgreich in die Selbstständigkeit gekämpft. Sie braucht in ihrer Arbeit unbedingt eine Struktur, sorgt sich dabei rührend um ihre Klienten und versucht, stets einen kühlen Kopf zu bewahren. Durch ihre noch relativ frische Liebe zu dem liebevollen Tontechniker Philip bekommt die Story eine extra Prise Romantik.
Clementina ist 75 Jahre geworden und für mich die heimliche Heldin der Geschichte. Auf den ersten Blick wirkt sie als verwitwete, leicht gehbehinderte Seniorin auf Tilda wie eine umgängliche ältere Dame. Doch die Seniorin hat einen sehr klaren und scharfen Verstand, weiß genau, was sie will, und sie lehnt die Abhängigkeit von Social-media und Smartphones ab. Ihre Pudeldame Layla verleiht mit ihrem roten Halstuch und ihren Knopfaugen der Geschichte einen besonderen Charme und sorgt als treueste Gefährtin von Clementina für tolle und lustige Slapstick-Momente. Durch Layla bekommt die Geschichte einen sehr persönlichen und angenehmen Touch.
Die Spannung lebt von den lebendigen Dialogen, welche auch die Geschichte immer weiter fortführen, Probleme ansprechen, aber auch Lösungen präsentieren. Während Angelika Schwarzhuber das große Ziel mit immer wieder kleinen Hemmnissen infrage stellt, entsteht beim Lesen eine emotionale Achterbahnfahrt. Man freut sich mit den beiden Hauptprotagonisten, wenn es scheint, als würde ab jetzt alles gut laufen und wird genauso mit zurückgeworfen, wenn der eingeschlagene Weg in einer Sackgasse endet. Es ist der Autorin gut gelungen, ein passendes Wechselspiel zwischen der Außen- und Innenwelt der Charaktere zu schaffen. So bewegt sich der Spannungsbogen von äußerer Action hin zu inneren Konflikten und auch der Nebenstrang lässt ein tiefes Verständnis für die Handlungen und Motivationen der Protagonisten aufkommen und das bereitet ebenso viel Spannung, wie die über allem stehende Frage.
Beim Lesen ist mir jedoch auch klar geworden, dass ein wichtiges Thema, welches hier angesprochen wird, die Selbstbestimmung im Alter ist. Clementina ist zwar 75 Jahre alt und auch, wenn sie ein wenig gehbehindert ist, im Kopf ist sie völlig klar. Wahrscheinlich besteht tatsächlich oftmals ein Konflikt darin, dass die Kinder von älteren Menschen sich Sorgen machen und meinen, zu wissen, was für die Eltern das Beste ist. Aber: Keiner weiß es! Und in diesem Fall weiß Clementina genau, was sie will und was nicht. Also ist es an Tilda, zu entscheiden, ob sie Clementina die Möglichkeit gibt, ihren Wunsch zu erfüllen - oder ob sie sich an den Auftrag des Sohnes gebunden sieht. Es ist in der Realität oftmals keine leichte Entscheidung und so finde ich es gut, dass dieses Buch neben einer schönen und romantischen Geschichte im Wohlfühlstil dieses wichtige Thema in den Fokus nimmt!

Fazit: Zwar ist es manchmal ein schmaler Grat, in welchem die Geschichte sich zwischen "es ist theoretisch möglich" und "stark geschönt" bewegt. Trotzdem berührt mich die Story sehr und reißt mich mit. Es ist auch nicht der Sinn, dass die Geschichte in das Genre „Dokumentation einer Liebesgeschichte“ abgleiten soll, sondern für mich wirkt sie wie ein modernes Märchen. Zufall, Schicksal und an der richtigen Stelle ein wenig Glück, eine Geschichte, die Hoffnung gibt. In unserer heutigen Zeit brauchen wir alle Hoffnung, ein Quäntchen Glück und ein "es könnte doch so schön sein"-Gefühl. Und das Gefühl gibt mir dieser Roman, was auch der Grund ist, warum ich dieses Genre lese und liebe Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen und ich kann es guten Gewissens weiterempfehlen und mit 5 Sternen bewerten!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.06.2026

Ein herrlich absurder Lese-Klamauk ohne jeden Realismus

00-Laschet
0

Ganz anders als „Miss Merkel“ – aber herrlich verrückt! Ich muss zugeben, ich hatte mir von David Safiers neuem Roman über Armin Laschet, „00-Laschet“, etwas Ähnliches erhofft wie von seiner „Miss Merkel“-Reihe. ...

Ganz anders als „Miss Merkel“ – aber herrlich verrückt! Ich muss zugeben, ich hatte mir von David Safiers neuem Roman über Armin Laschet, „00-Laschet“, etwas Ähnliches erhofft wie von seiner „Miss Merkel“-Reihe. Aber ich habe mich geirrt, denn genau das ist hier absolut nicht der Fall. David Safier hat die Story stattdessen in einen wilden Mix aus Fantasy und Science-Fiction verwandelt. Beim Lesen hatte ich weniger das Gefühl, ein normales Buch vor mir zu haben, als vielmehr durch einen Comic zu blättern, der einfach nur in Worte gefasst wurde. Alles ist überspitzt und es wimmelt nur so von Technologien, die es in unserer Realität überhaupt nicht gibt.
Die Charaktere sind durch die Bank weg total überzeichnet. An manchen Stellen musste ich unwillkürlich an „Asterix und Obelix“ denken, weil die Tonalität so stark daran erinnert. Armin Laschet selbst kommt mit seiner gutmütigen, manchmal etwas tollpatschigen und leicht naiven Art aber eigentlich super weg. Seine Familie ist ihm das Wichtigste, er sehnt sich total nach seinem Aachener Reihenhaus zurück und hat im Grunde kein Interesse daran, in geheimer Mission unterwegs zu sein. Das krasse Gegenteil von ihm ist Kimmi, die von ihren Kollegen bloß „Nummer 12“ genannt wird. Sie ist eine echte Spionin: phasenweise eiskalt, athletisch und absolut jeder Herausforderung gewachsen. Und dann ist da noch der eher zurückhaltende Waffenmeister „Nummer 7“. Wenn man ihn so sieht, traut man ihm die genialen technischen Erfindungen, die er da zusammenbastelt, erst mal gar nicht zu. Man unterschätzt ihn als Leser total. Aber er hat einen guten Grund, warum er seine Kollegin so verbissen beschützt und dafür sorgt, dass sie aus jeder brenzligen Situation heil wieder rauskommt. Der Autor baut übrigens einige Promis ein, König Charles III. zum Beispiel, seine völlig wild gewordene Ehefrau Camilla oder auch Brad Pitt. Die tauchen alle als pointierte Karikaturen auf und sorgen für echten Slapstick-Humor.
Richtig gut gefallen haben mir die Schauplätze, die einen megastarken Kontrast bilden und wie visuelle Bühnenbilder für die völlig überdrehte Handlung wirken. Auf der einen Seite das politische Berlin, welches sich aufgeteilt in die verstaubte, bodenständige Fassade des Schlosses Bellevue oben und eine hypermoderne, sterile Science-Fiction-Zentrale tief unter der Erde befindet. Auf der anderen Seite das Schloss Windsor in England. Das glänzt unten in royalem Prunk, verwandelt sich im ersten Stock aber blitzschnell in ein absurdes, fast schon gruseliges Waffenarsenal. Diverse Veranstaltungen innerhalb Europas, aber auch in Grönland werden besucht, die auch meistens vor imposanten Kulissen spielen.
Nach einem recht gemütlichen Start zieht das Tempo beim Lesen rasant an. Safier schreibt sehr direkt und zugänglich, treibt das Ganze durch kurze, knackige Dialoge voran und verteilt am laufenden Band popkulturelle Seitenhiebe. Die Spannung kommt hier allerdings nicht durch einen logisch durchdachten Kriminalfall auf. Man fragt sich eher, welche absolute Eskalation kommt wohl als Nächstes? Immer wenn man denkt, dümmer oder krasser kann es nicht mehr werden, setzt die nächste turbulente Comic-Action-Sequenz noch einen drauf. Das Buch ist ohne Frage super unterhaltsam und echt lustig. Mein größter Kritikpunkt ist aber, dass die Story einfach extrem unrealistisch ist. David Safier driftet hier in einen total klamaukigen Extrem-Slapstick ab. Wenn aus einer Luxusuhr plötzlich ein integriertes Drahtseil herausschießt, oder ein Wahrheitsserum versteckt ist, bricht das für mich jeden Anspruch auf Glaubwürdigkeit. Und genauso ging es mir bei den Asterix-Sprüchen zwischendurch. Wer einen cleveren, realitätsnahen Spionagethriller sucht, wird von diesem permanenten „Over-the-Top“-Irrsinn definitiv enttäuscht sein. Das Ganze funktioniert wirklich nur, wenn man bereit ist, sich voll und ganz auf dieses kalkulierte, cartoonhafte Chaos einzulassen.

Fazit:„00-Laschet“ ist lustig, kurzweilig, rasant und extrem bildhaft geschrieben. Die Maus, die auch auf dem Cover zu sehen ist und stets mit Armin im Bett liegt und sie sich den Käse teilen, ist sehr süß. Aber es bleibt eben Slapstick pur. Wegen der krass überzeichneten Effekte und dem bewussten Verzicht auf jeglichen Realismus ist das Buch am Ende absolute Geschmackssache. Für mich ist es ein humorvoller Comic in Textform für zwischendurch – besticht durch seine Absurdität, lässt aber in Sachen Tiefgang und Glaubwürdigkeit ordentlich Federn.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.06.2026

Strandkorbpommes mit Majo & Ketchup und eine tierische Umarmung

Der kleine Sanddornhof - Träume im Muschelstieg
0

Als ich „Der kleine Sanddornhof – Träume im Muschelstieg“ von Julia Reymers aufgeschlagen habe, dachte ich erst, mich erwartet die klassische, ein bisschen seichte Ponyhof-Romantik. Aber weit gefehlt! ...

Als ich „Der kleine Sanddornhof – Träume im Muschelstieg“ von Julia Reymers aufgeschlagen habe, dachte ich erst, mich erwartet die klassische, ein bisschen seichte Ponyhof-Romantik. Aber weit gefehlt! Das Buch hat mich ab der ersten Seite gepackt und ist für mich ein absolutes Lese-Highlight des Sommers.
Die Story dreht sich um Svea, eine 35-jährige Marketing-Expertin aus Hamburg, die eigentlich voll im strukturierten Großstadtleben steckt. Als der Pächter des alten Gutshofs ihrer verstorbenen Eltern stirbt, fährt sie ins beschauliche Dorf Muschelstieg. Ihr Plan ist es, in drei Wochen Urlaub alles schnell neu zu verpachten und dann zurück in ihr Leben nach Hamburg zu fahren. Doch dann wird ein traumatisiertes Pferd namens Fiete auf dem Hof ausgesetzt, und Sveas perfekt durchgeplante Welt bricht komplett zusammen. Muschelstieg ist einfach ein Ort zum Verlieben, auch wenn er fiktiv ist und irgendwo bei Timmendorf an der Ostsee liegt.
Julia Reymers beschreibt die Kulisse so lebendig, dass ich beim Lesen fast den Salzgeruch in der Nase und das Meeresrauschen im Ohr hatte. Im Dorf kennt jeder jeden und genau das, hat beim Lesen etwas total Gemütliches und Warmes, bringt aber natürlich auch die typische soziale Kontrolle eines kleinen Nestes mit sich. Der Hof selbst ist anfangs völlig heruntergekommen und von wildem Sanddorn überwuchert. Es war wunderschön zu verfolgen, wie sich dieser Ort im Laufe der Story von einer schmerzhaften Erinnerung in eine lebendige Zuflucht für Tiere verwandelt. Wenn der Küstenwind draußen peitschte, habe ich mich mit den Dorfbewohnern in der „Muschelklaus“ oder am Kiosk gefühlt.
Svea als Hauptfigur war mir sofort sympathisch, weil sie eben nicht perfekt ist. Sie leidet seit einem schweren Jugendunfall unter heftigen Schuldgefühlen und Panikattacken. Ihre Entwicklung vom Kontrollfreak hin zum Loslassen ist der Autorin richtig gut gelungen. Sie schreibt feinfühlig, authentisch und ohne in den typischen Liebesroman-Kitsch abzudriften.
Und Jannes, der Meeresförster, ist mal kein glattgelackter Traumprinz, sondern ein bodenständiger, naturverbundener Typ mit dem Herz am rechten Fleck. Das Prickeln zwischen den beiden hat mich echt mitgerissen.
Mein heimliches Highlight waren aber die Tiere. Das sensible Pferd Fiete und das freche Shetlandpony Willi stehlen den menschlichen Charakteren zwischendurch glatt die Show! Was mir besonders gut gefallen hat, war die Spannung. Es gibt einige Geheimnisse im Buch, wie zum Beispiel, wer Fiete ausgesetzt hat oder was die quirlige Camperin Lina verbirgt, die mich bis zum Schluss zum Weiterblättern gezwungen haben.
Das Sommerfest im Buch ist dann der absolute Wendepunkt, an dem die Emotionen und das Drama rund um Sveas Trauma richtig hochkochen. Julia Reymers schreibt wunderbar flüssig, modern und baut tolle Bilder im Kopf auf. Sie schafft den Spagat, ernstere Themen anzusprechen, fängt das Ganze aber immer im richtigen Moment mit einer gehörigen Portion trockenem, norddeutschen Humor wieder auf. Die Dialoge klingen einfach echt und lebendig. Auch die Zeitsprünge in Sveas Vergangenheit passen perfekt und machen ihr Handeln absolut greifbar.

Fazit: „Der kleine Sanddornhof“ ist die perfekte Sommerlektüre, die aber auch ans Herz geht. Ein Buch über Mut, Vertrauen und den Mut zur Veränderung. Ich habe jetzt richtig Lust auf eine Fortsetzung! Und als kleines Schmankerl gibt es ganz hinten im Buch sogar noch Sveas Erdbeerkuchen-Rezept zum Nachbacken. Unbedingte Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2026

Rebellion, Tattoos und ein rockender „Hornochse“

Spätsommerglück
0

Mit ihrem Roman "Spätsommerglück" hat Heike Abidi einen herzerwärmenden Wohlfühlroman im Stile von "Grumpy meets Sunshine" in Schweden erschaffen.
Hannah Berger ist Ende fünfzig, seit fünf Jahren verwitwet ...

Mit ihrem Roman "Spätsommerglück" hat Heike Abidi einen herzerwärmenden Wohlfühlroman im Stile von "Grumpy meets Sunshine" in Schweden erschaffen.
Hannah Berger ist Ende fünfzig, seit fünf Jahren verwitwet und steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Bereits auf den ersten Seiten wird eine tiefe emotionale Resonanz erzeugt, denn als sie beschließt, ihren Job als Übersetzerin von düsteren skandinavischen Krimis an den Nagel zu hängen, da sie immer mehr frustriert ist, erreicht sie eine erfreuliche Nachricht. Sie wird Oma und sieht es sofort als ihre neue Lebensaufgabe, sich um ihr Enkelkind zu kümmern. Doch sie wird bitter enttäuscht und entschließt sich zu einem radikalen Schritt: Sie bricht ihre Zelte in Frankfurt ab und reist als "Granny Au-pair" nach Schweden. Dort zieht sie bei der quirligen Familie Persson in der malerischen Küstenstadt Varberg ein und erfährt von den Gasteltern sowie deren Kindern absolute Wertschätzung. Aber es gibt eine Person, welche ihr ablehnend entgegensteht, und zwar ist das der Opa der Kinder. Aber Hannah beschließt, sich nicht unterkriegen zu lassen.
Die Story glänzt mit wunderschönen Metaphern. Das beginnt schon sehr früh, nämlich als Hannah Ihre lange Autofahrt nach Varberg antritt, wird diese zu einer regelrechten inneren Zeitreise. Sie startet morgens um vier Uhr in die stockfinstere Frankfurter Nacht. Als sie im Vogelsberg ankommt, erlebt sie wie sich der Himmel in ein magisches Gold verwandelt. Es ist ein schönes Bild davon, wie die Dunkelheit in ihrem Leben dem Licht weicht. Während ihrer Fahrt hört sie die alten Fleetwood-Mac- und Eagles-Songs, auf ihrem Weg überquert sie große Brücken, was sinnbildlich dafür steht, dass sie wieder die volle Kontrolle über ihren Weg erlangen möchte. Als sie schwedischen Boden betritt, spürt man als Leser eine unbändige Erleichterung, denn sie fährt nicht mehr vor etwas davon, sondern endlich auf etwas zu.
Das Buch wird durch die authentischen Charaktere der Generation 50+ sehr besonders. Dabei stellt Heike Abidi unter Beweis, dass sie ein wunderbares Gespür für Protagonisten in der zweiten Lebenshälfte hat. Hannah ist keine „langweilige, alte Frau“, wie sie selbst zu glauben scheint, sondern eine dynamische Persönlichkeit, die Heldin in diesem Buch, die sich sogar traut, sich ein Tattoo stechen zu lassen, auf einem Festival zu singen und im Alter noch einmal beruflich ganz von vorn anzufangen.
Statt seichter Romantik sind es die tiefgründigen Themen, mit denen dieser Roman glänzt, denn er verweilt nicht nur bei romantischen Schweden-Klischees. In den Dialogen geht es um emotionale Hürden, wie Trauer, Angst und einem inneren Konflikt. Menschen, die die 50 bereits überschritten haben, können noch genauso gut ihre Ziele und Wünsche verwirklichen, wie die jüngere Generation. Unter anderem ist es diese Erkenntnis, welche das Buch zu einem Quell der Motivation macht.
Auch der Humor kommt hier nicht zu kurz, was nicht zuletzt innerhalb der Freundschaft zwischen der taffen Verlegerin/Businessfrau Miriam und der feinfühligen Hannah bewiesen wird. Zudem fließt dadurch eine tolle Dynamik in die Geschichte ein. Besonders charmant sind die Neckereien – wie Anders' humorvolle Versuche, ein paar Brocken Deutsch zu sprechen („Ich bin ein Hornochse“), oder Miriams scherzhafter Alternativvorschlag für Hannahs Buchtitel.
Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und geht direkt ins Herz. Die Autorin schafft es mühelos, die skandinavische Gemütlichkeit, von idyllischen Terrassenabenden mit Apfelwein bis zu Ausflugstipps wie Fjällbacka, spür- und erlebbar zu machen. Ein besonders gutes Stilmittel sind die inneren Dialoge, welche Hannah mit ihrem verstorbenen Mann Fred führt. Der humorvolle und leichte Schluss rundet die Geschichte perfekt ab und bildet zugleich das literarische Äquivalent zu einer warmen Decke an einem kühlen Sommerabend – hochemotional, ein bisschen rebellisch und voller Herzenswärme.

Fazit: Heike Abidi ist es gelungen, einen sehr feinfühligen, psychologisch präzisen Roman über einen späten Neuanfang zu schreiben. Damit zeigt sie auf humorvolle und gleichzeitig tiefgründige Art, dass Selbstfindung und Rebellion in jedem Alter möglich sind. Das Buch bekommt eine absolute Leseempfehlung von mir, und ich denke, dass die Story noch ganz lange bei mir nachhallen wird!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere