Eine Nacht vor 14 Jahren...
Das Knistern unserer Herzen„Das Knistern unserer Herzen“ von Kathrin Samar ist ein Wohlfühlroman mit einem bunten Mix aus den Themenbereichen „Ersatzfamilie wider Willen“ und „unerfüllte Liebe aus der Vergangenheit“. Die Autorin ...
„Das Knistern unserer Herzen“ von Kathrin Samar ist ein Wohlfühlroman mit einem bunten Mix aus den Themenbereichen „Ersatzfamilie wider Willen“ und „unerfüllte Liebe aus der Vergangenheit“. Die Autorin verpackt die Story in die Kulisse einer Dorfgemeinschaft, wobei der Hauptschauplatz die ebenso idyllische wie fiktive Kleinstadt Rosewood ist.
Das Cover wirkt modern sowie verspielt und passt gut zum Stil des „New Adult“- bzw. „Romance“-Genres. Der Eindruck einer leichten, romantischen Sommerlektüre spiegelt die Geschichte perfekt wider. Die sanften Pastelltöne, die mit dezenten und romantischen Ornamenten im Herz- oder Blumenmotiv-Design auftreten, zieren das gesamte Cover. Die zarte Rose auf der Seite, die auch stets über jedem neuen Kapitel zu erkennen ist, passt sehr gut als Anspielung auf den fiktiven Schauplatz Rosewood. Die helle und fröhliche Wirkung lädt die Leserschaft ein, die gern Wohlfühlromane zu den Tropes „Second Chance Romance“, „Opposites Attract“ sowie „Grumpy meets Sunshine“ lesen. Letzteres tritt hier in vertauschten Rollen auf, da der männliche Hauptprotagonist den Part des „Sunshine“ übernimmt.
Die Geschichte startet mit dem stressigen Leben von Isabel (Izzy), die als Anwältin alles gibt, um Partnerin in ihrer Kanzlei zu werden. Für die Arbeit geht extrem viel Zeit drauf, sodass andere Belange stets in den Hintergrund rücken. Um ihrer langjährigen Freundin Sophie und deren Ehemann einen Gefallen zu tun, willigt sie ein, eine Woche lang auf deren drei Kinder im idyllischen Städtchen Rosewood aufzupassen, während die Eltern auf Kreuzfahrt sind.
Als sie mit den Kindern allein ist, scheint prompt alles schiefzugehen: Die Charaktere, von der trotzigen 14-jährigen Teenagerin Lisa über den wilden, circa 9-jährigen Fynn bis zur zweijährigen Alice, testen ihre Grenzen aus und machen Isabel das Leben schwer. Auch in logistischer Hinsicht ist die taffe Anwältin völlig überfordert. Wäre da nicht der freundliche Nachbar Rick, der stets zur Stelle ist, wenn die nächste Katastrophe ausbricht, wer weiß, was passiert wäre? Im Laufe der Geschichte stellt sich jedoch heraus, dass Isabel und Rick ein großes Geheimnis verbindet.
Rick ist der absolute „Sunshine“ in der Geschichte. Was auch passiert, er bleibt freundlich, zugewandt und ist immer hilfsbereit. Er ist ein bodenständiger Lehrer, der bei Eltern und Schülern sehr beliebt ist, sich für Musik begeistert und dessen treue Cocker-Spaniel-Hündin Cookie allen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Er besucht seine Mutter regelmäßig im Pflegeheim, was zeigt, dass er ein großes Herz hat. Cookie gelingt es zudem, das Eis bei den Kindern zu brechen. Wenn sie zur Begrüßung angestürmt kommt, sind die Probleme erst einmal vergessen und alle können nach angespannten Situationen wieder lachen.
Isabel ist das genaue Gegenteil von Rick. Sie ist stark in ihrem Job und eine Löwin im Gerichtssaal, aber auf menschlicher Ebene im echten Leben – vor allem im Umgang mit Kindern – ist sie komplett überfordert. Zudem ist sie zu stolz, um Hilfe anzunehmen, und tut dies nur, wenn es absolut keine andere Lösung mehr gibt. Ihre Überforderung ist ihr deutlich anzumerken, und die Kinder nutzen das zunächst schamlos aus.
Das Buch legt stellenweise ein echt hohes Tempo vor. Vor allem die alltagsnahen Dialoge mit den Kindern und die Schlagabtausche zwischen Isabel und Rick haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Bis zur Mitte zog sich die Handlung für mich allerdings ein bisschen. Es jagt zwar eine Katastrophe die nächste, während Isabel ständig vor ihren eigenen Gefühlen flieht, aber die Haupthandlung kommt dabei kaum vom Fleck. Richtige Wendungen und echte Spannung kamen für mich leider erst in der zweiten Hälfte auf.
Auch hatte ich gehofft, dass die Demenzerkrankung von Ricks Mutter der Geschichte mehr Tiefe verleiht. Das hätte Rick so viel emotionale Reife geben und gleichzeitig zeigen können, wo seine Belastungsgrenzen abseits der typischen Romance-Klischees liegen. Stattdessen nutzt die Autorin dieses ernste Thema leider nur als „Deko“ und lässt es erzählerisch einfach fallen. Man liest stattdessen seitenlang über das Wenden von Chicken-Nuggets oder wer als Nächstes rot anläuft. Der einfache Wohlfühlstil ist zwar super schnell wegzulesen, aber mir fehlte hier einfach der Tiefgang.
Der Perspektivenwechsel in jedem neuen Kapitel ist zwar eine gute Idee und zeigt das Geschehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln, aber für mich sind die Protagonisten nicht tiefgründig genug gezeichnet. Wir erfahren kaum etwas über die jeweiligen Vorgeschichten, was die Charaktere früher erlebt haben und warum sie in bestimmten Situationen genau so handeln. Die richtige Spannung kommt erst zum Schluss auf, als die Frage im Raum steht, wie ein Happy End aussehen kann.
Fazit: Wer eine leichte Geschichte sucht, die nicht zu tiefgründig ist, sich schnell liest und zum Wohlfühlen beiträgt, ist hier genau richtig. Die Story glänzt durch ihre alltäglichen Katastrophen und witzigen Dialoge.