Ein erfrischender Mix aus RomCom, beruflicher Emanzipation und modernem Dating-Chaos
Worst Date Ever (Knisternde RomCom von der erfolgreichen Autorin Kasie West)Kasie West ist bekannt für ihre herzerwärmenden Jugendbücher. Mit „Worst Date Ever“ hat sie für sich eine neue Herausforderung angenommen, die ihr brillant gelungen ist. Das Buch ist eine spritzige New-Adult-Romantic-Comedy, ...
Kasie West ist bekannt für ihre herzerwärmenden Jugendbücher. Mit „Worst Date Ever“ hat sie für sich eine neue Herausforderung angenommen, die ihr brillant gelungen ist. Das Buch ist eine spritzige New-Adult-Romantic-Comedy, die nicht nur mit einer extremen Anziehungskraft zwischen den Protagonisten punktet, sondern auch wichtige Themen wie berufliche Ausbeutung und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben behandelt.
Die 27-jährige Margot arbeitet seit ein paar Jahren als Assistentin in einer Literaturagentur. Ihr Chef Rob setzt sie für die gesamte Drecksarbeit ein, hält sie emotional hin und verweigert ihr die versprochene Beförderung zur Junioragentin. Auch ihr Liebesleben ist eine Katastrophe, denn sie träumt von ihrem persönlichen "Meet-Cute", greift jedoch verzweifelt zu Dating-Apps, nachdem ihr der Erfolg versagt bleibt.
Oliver war vor drei Jahren ihr „Worst Date Ever“ im Restaurant. Als die beiden im Chat und am Telefon wieder aufeinandertreffen, sprühen sofort die Funken. Doch während sie sich digital immer näherkommen, muss Margot auch im echten Leben endlich lernen, für sich selbst einzustehen – sowohl gegenüber ihrem toxischen Chef als auch gegenüber ihrer scheinbar perfekten Schwester Audrey. Was ein wenig vorhersehbar klingt, bringt jedoch neben einer Menge Schmetterlingen im Bauch auch eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit sich, wobei die Leserschaft im Verlauf des Buches immer wieder ins Zweifeln gerät, ob es ein Happy End geben wird.
Margot ist eine hoffnungslose Romantikerin, ihr Traum, zufällig den richtigen Mann zu treffen, nimmt ihr teilweise die Wahrnehmung für die Realität. Sie leidet unter dem Druck, mit ihrer perfekten Schwester Audrey mithalten zu müssen, und flüchtet sich bei Stress in das Lesen von Liebesromanen zur Beruhigung. Sie neigt zur Selbstsabotage und lässt sich anfangs zu oft von anderen kontrollieren.
Oliver, der männliche Hauptprotagonist, ist durch seine bodenständige, rationale Art der richtige Gegenpol zur verträumten Margot. Er ist 30 Jahre alt und wird mit seinen markanten, tiefen braunen Augen, dichten Wimpern und einer leicht gebogenen Nase als gutaussehend und sportlich beschrieben. Er kann bei Margots Neckereien mühelos mithalten, stellt eigene humorvolle „Chat-Regeln“ auf und es gelingt ihm, über sich selbst zu lachen. Er ist erfolgreicher Softwareentwickler, der selbstständig ist und im Homeoffice arbeitet.
Rob ist Margots älterer Chef, Mitinhaber der Literaturagentur und der klassische Antagonist der Geschichte. Mit ihm hat Margot über zwei Jahre hinweg immer wieder Liebschaften, die jedoch - genauso wenig wie sein Versprechen, sie zur Junioragentin zu machen - wenig vielversprechend sind. Als Meister der psychologischen Manipulation nutzt er Margot gegenüber seine Machtposition schamlos aus.
Sloane ist Margots beste Freundin und Mitbewohnerin. Sie ist in „Worst Date Ever“ absolut loyal ihrer Freundin gegenüber und bringt jede Menge Humor und dringend benötigte Bodenhaftung in Margots oft chaotisches Leben.
Margots Familie ist eine liebevolle, aber kontrastreiche und fordernde Einheit. Dadurch erlebt sie das klassische Dilemma zwischen bedingungsloser familiärer Unterstützung und dem permanenten Druck, den hohen Erwartungen zu entsprechen. Audrey ist Margots ältere Schwester und das absolute Musterbeispiel für Perfektion, wobei Margot das Gefühl hat, nie ihre Maßstäbe zu erreichen. Ihr Vater hingegen ist ein herzlicher Familienmensch, der sich einfach freut, wenn seine Lieblingstochter Margot mal wieder Zeit für ein gemeinsames Abendessen findet. Auch die Mutter wird als warmherzig und fürsorglich dargestellt, neigt jedoch stark zur typischen mütterlichen Besorgnis.
Das absolute Highlight des Buches sind die Chats, Telefonate und Gespräche zwischen Margot und Oliver. Die Dialoge sind schlagfertig, humorvoll und voller liebenswerter Insider-Witze. Die Dynamik der beiden ist von der ersten Seite an greifbar. Das sorgt für ein hohes Erzähltempo und lässt die Chemie zwischen Margot und Oliver sehr lebendig und echt wirken. Die Chat-Nachrichten lesen sich genauso, wie junge Erwachsene heute digital kommunizieren, so dass für mich ein großer Teil der Geschichte nicht nur durch die Dialoge getragen, sondern die Geschichte zu einem Highlight machen. Die Autorin nutzt hier kurze, pointierte Sätze und ein schnelles Hin und Her und es gelingt ihr auf diese Art, das Prickeln einer modernen App-Romanze einzufangen, bei der aus digitalem Zeitvertreib echte, tiefe Vertrautheit wird.
Die Geschichte wird aus Margots Perspektive erzählt. Der Schreibstil ermöglicht es, dass die Leserschaft einen ehrlichen Einblick in ihre Gedankenwelt erhält. Dabei wird auch Margots innere Zerrissenheit sehr gut eingefangen. Es entsteht ein Kontrast zwischen ihrem sarkastischen Humor nach außen und ihren tiefen Versagensängsten sowie auch der Scham über die Affäre mit ihrem Chef nach innen gerichtet. Man ertappt sich als Leser oft dabei, Margot gleichzeitig bemitleiden und anfeuern zu wollen.
Die Erzählweise der Autorin ist besonders bildhaft. Szenen wie zum Beispiel das Verstecken hinter dem Backsteingebäude im Restaurant oder das wütende Hin- und Her-Schwingen auf dem Bürostuhl sind so präzise beschrieben, dass man die Situationen sofort vor Augen hat. Dabei sind langatmige Naturbeschreibungen und ähnliches wenig zu finden, denn sie setzt den Fokus eher auf Mimik, Gestik und die Atmosphäre im Raum.
Fazit: Für eine Liebeskomödie findet das Buch eine sehr gute Balance: Es gibt knisternde, erotische Momente, wobei die Story sich jedoch nie auf den reinen „Spice“ konzentriert. Der Schreibstil bleibt bodenständig genug, um auch die ernsten Themen, wie zum Beispiel die toxische Dynamik am Arbeitsplatz, die Suche nach einer beruflichen Alternative oder auch familiäre Erwartungen – mit dem nötigen Respekt und Feingefühl zu transportieren. Das Buch bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung, die vom Alter her nach oben hin keine Grenzen kennt!