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Veröffentlicht am 09.02.2021

Die Wurzeln aller Ungleichheit?

Die Wahrheit über Eva
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Carel van Schaik und Kai Michel suchen hier nach den historischen Wurzeln für die Diskriminierung der Frauen.
Bereits in einem früheren Buch haben die Autoren demonstriert, wie die Bibel als „Tagebuch ...

Carel van Schaik und Kai Michel suchen hier nach den historischen Wurzeln für die Diskriminierung der Frauen.
Bereits in einem früheren Buch haben die Autoren demonstriert, wie die Bibel als „Tagebuch der Menschheit“ dienen kann, und auch diesmal nehmen sie eine biblische Geschichte zum Ausgangspunkt.
Ihre Überlegungen ziehen jedoch viel weitere Kreise. Sie unternehmen eine Tour durch einige Jahrhunderttausende der Menschheitsgeschichte und zeigen, dass der weitaus größte Teil dieses Zeitraums von einem (wenn auch delikaten) Gleichgewicht der Geschlechter geprägt war, ja, dass starke Frauen und die Kooperation der Geschlechter sogar ein Erfolgsgeheimnis unserer Spezies war.

Die heutige Ungleichheit habe also keine biologischen Ursachen, sondern liege in kulturellen Überlieferungen (unserer „zweiten Natur“) begründet.
Auf der Suche nach deren Herkunft werden zahlreiche Etappen unserer Vergangenheit besucht – beispielsweise die Anfänge von Sesshaftigkeit und Landwirtschaft, deren Ausbreitung in Europa und Mesopotamien (mit durchaus unterschiedlichen Folgen), die ersten größeren Reiche mit Kehrseiten wie Ungleichheit, Gewalt und Sklaverei, die Ursprünge des Judentums als Religion eines kleinen Volkes, das im Schatten seiner mächtigeren Nachbarn stand, das Aufkommen des Christentums als frauenfreundliche und egalitäre Bewegung – und seine Transformation in eine Kirche, die an der Seite der Mächtigen steht.
Anders als viele ähnliche Werke identifiziert dieses hier nicht DEN einen Faktor – Landwirtschaft, Pflug, Städte, ... -, von dem die Benachteiligung der Frauen ihren Ausgang genommen habe, sondern es werden vielgestaltige und sich über Jahrtausende erstreckende Prozesse geschildert, die zusammen dazu führten, dass wir heute in einer zutiefst ungerechten Welt leben.

Der Inhalt ist gründlich recherchiert, das Buch weist ein umfangreiches Literaturverzeichnis mit Werken aus unterschiedlichen Epochen und Fachbereichen auf. So fließen hier diverse Erkenntnisse aus Evolutionsbiologie, Geschichtswissenschaften, Psychologie und weiteren Disziplinen ein.
Dennoch sind die Ausführungen allgemein verständlich und oftmals richtig fesselnd. Sie enthalten viele interessante Informationen und werfen spannende Fragen auf. Deren Beantwortung wirkt stellenweise vielleicht ein bisschen zu stark vereinfacht bzw setzt ein etwas zu optimistisches Menschenbild voraus, ist insgesamt aber doch nachvollziehbar und könnte einen guten Ausgangspunkt für weitere Forschungen zu diesem Thema bilden.

Einziges Manko: Die Darstellung beschränkt sich auf die Regionen und Kulturen, die letztlich von der christlichen Religion beeinflusst wurden. Warum Frauen auch in anderen Weltgegenden benachteiligt wurden und werden, wird dagegen nicht angesprochen. Auch wenn eine ausführliche Behandlung natürlich den Rahmen gesprengt hätte, wären ein paar diesbezügliche Überlegungen doch schön gewesen.

  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 09.02.2021

Inkompetentes Ermittlerteam

Pralinen des Todes
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Der Kriminalfall als solches hätte durchaus ein gewisses Potential: Marc Bergmann hat ein abwechslungsreiches Liebesleben. Dennoch fällt seine Frau aus allen Wolken, als er ihr eines Morgens mitteilt, ...

Der Kriminalfall als solches hätte durchaus ein gewisses Potential: Marc Bergmann hat ein abwechslungsreiches Liebesleben. Dennoch fällt seine Frau aus allen Wolken, als er ihr eines Morgens mitteilt, dass es sich scheiden lassen möchte. Am selben Abend trifft er sich mit seiner Verlobten zu einem romantischen Abendessen, bei dem er ausgerechnet von seinen Schwiegereltern gesehen wird. Nur Stunden später wird seine Leiche auf einer Parkbank gefunden – offenbar vergiftet. Dies ruft Inspektor Quentin Neuner, seine Kollegin Charlie Renner und den Staatsanwalt Dr Lukas Steiner auf den Plan.

Und hier beginnen die Probleme: Ich habe selten einen Krimi mit einem so inkompetent wirkenden und unlogisch agierenden Ermittlerteam gelesen.
Beispiel: Obwohl auf Seite 71 erstmals erwähnt wird, dass sich das Gift wohl in Pralinen befand, kommt erst auf Seite 239 jemand auf die Idee, dass man mal herausfinden sollte, welche Pralinen Marc Bergmann besonders gerne gegessen hat.
Dafür sind die Ermittler die ganze Zeit über geradezu zwanghaft darauf fixiert, die Alibis sämtlicher Verdächtigen wieder und wieder durchzugehen und zu überprüfen. Ohne dabei zu bedenken, dass das Opfer die vergifteten Pralinen bereits Stunden, wenn nicht Tage oder Wochen vor seinem Tod erhalten haben kann. Und dass bei vergifteten Lebensmitteln immer die Möglichkeit besteht, dass es sich letztlich um ein zufälliges Opfer handelt, dass der Anschlag beispielsweise der ganzen Familie galt oder eventuell sogar dem Hersteller der Pralinen. Weswegen gar noch weitere vergiftete Pralinen im Umlauf sein könnten.
All dies wird jedoch nicht einmal in Erwägung gezogen.
Stattdessen finden sich seitenlange Gespräche, die sich mehr oder weniger im Kreis drehen oder nur bereits Bekanntes noch mal rekapitulieren.

Dass ich dennoch zwei Sterne vergebe, liegt daran, dass doch etwas Spannung aufgebaut wird und es in Familie und Umfeld des Opfers interessante Dynamiken gibt. Man hätte aber wie gesagt mehr daraus machen können.
Auch der Schauplatz Salzburg wird im Vergleich zu anderen Regionalkrimis nicht besonders gut in Szene gesetzt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2021

Sammelsurium interessanter Informationen rund um das Thema Sprachen

Sprachen der Welt
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Der Autor, ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft, gibt hier einen breit gefächerten Überblick über sein Fachgebiet. Unter anderem verdeutlicht er anhand von Statistiken die unterschiedliche ...

Der Autor, ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft, gibt hier einen breit gefächerten Überblick über sein Fachgebiet. Unter anderem verdeutlicht er anhand von Statistiken die unterschiedliche Verteilung großer und kleiner Sprachen in verschiedenen Weltgegenden, stellt die wichtigsten Sprachfamilien vor, beschreibt, welche Auswirkungen Bevölkerungswanderungen auf Entstehung und Verbreitung von Sprachen hatten, überlegt, welche Universalien allen Sprachen gemeinsam sind und zeigt auf, welch große Unterschiede zwischen Sprachen dennoch bestehen können.
Dabei kann man sehr gut beobachten, wie vielfältig die Welt der Sprachen ist.
Schön ist weiters, dass auch Gebärdensprachen immer wieder erwähnt und als den Lautsprachen gleichwertige Kommunikationsmittel anerkannt werden.

Mir hat allerdings ein bisschen der rote Faden gefehlt, die einzelnen Kapitel wirken zufällig aneinandergereiht. Dies liegt vermutlich auch daran, dass es kein Vorwort gibt, in dem der Autor erläutert, welche Idee hinter diesem Buch steckt und worauf er daher mit seinen Ausführungen eigentlich hinaus will.
Auch ist mit nicht klar, an welche Zielgruppe er sich überhaupt richtet. Zwar ist der Text weitgehend allgemein verständlich gehalten. Andererseits kommen aber auch relativ viele linguistische Fachbegriffe vor, von denen manche aber immerhin in einem der letzten Kapitel doch noch näher erklärt werden. Hinsichtlich des generellen Aufbaus dieses Werkes gäbe es folglich Verbesserungspotential.

Insgesamt kann ich es dennoch jedem empfehlen, der sich für Sprache(n) mit allem Drum und Dran interessiert. Obwohl ich doch schon einiges zu diesem Thema gelesen habe und mir viele Fakten daher bereits bekannt waren, gab es doch noch einiges Neues zu entdecken.

Veröffentlicht am 09.02.2021

Kein großer Wurf

Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit
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In seinem neusten Roman beschreibt Ken Follett, wie aus einem kleinen Weiler mit gerade mal fünf Häusern und einer Fähre eine florierende Stadt mit einer Brücke, einem Markt und einer Priorei wird – das ...

In seinem neusten Roman beschreibt Ken Follett, wie aus einem kleinen Weiler mit gerade mal fünf Häusern und einer Fähre eine florierende Stadt mit einer Brücke, einem Markt und einer Priorei wird – das aus „Die Säulen der Erde“ und seinen Nachfolgern bekannte Kingsbridge.
Die wichtigsten Protagonisten dabei sind der handwerklich begabte Edgar, der in seinem Liebesleben jedoch weniger Glück hat, Ragna, die aus der fortschrittlichen Normandie ins düstere England übersiedelt, um den Mann zu heiraten, in den sie sich Hals über Kopf verliebt hat, und der Mönch Aldred, der sich für die Einhaltung der kirchlichen wie weltlichen Regeln einsetzt und dabei immer wieder Rückschläge erleidet. Als wichtigster Bösewicht tritt der Bischof Wynstan auf, welcher ständig um mehr Macht und Reichtum für sich und seine Familie kämpft.

Diese Geschichte spielt in den Jahren 997 bis 1007 also während des „dunklen Zeitalters“ des englischen Mittelalters. Der Autor hatte aufgrund fehlender Überlieferungen hinsichtlich der damaligen Verhältnisse viel Interpretationsspielraum und wie er in der Danksagung am Ende zugibt, ist er dabei nicht immer der Meinung der Experten gefolgt.
Ein Nachwort, in dem aufgeschlüsselt wird, was Dichtung und was Wahrheit ist, fehlt leider. Ich habe jedenfalls den Verdacht, dass einige Handlungselemente nicht wirklich der historischen Realität entsprechen.

Dazu kommt noch, dass die Denkweisen der auftretenden Figuren zu modern wirken.
Auch sonst hatte ich Schwierigkeiten, mit den Protagonisten warm zu werden. Ragna soll wohl eine Sympathieträgerin sein, auf mich wirkten all ihre noblen Gesten und ihr Interesse an den „Untertanen“ jedoch aufgesetzt. Viele ihrer Gedanken und Handlungen konnte ich ohnehin nicht nachvollziehen. (Kein seltenes Problem, wenn ein männlicher Autor aus Sicht einer Frau erzählt.) Mit Edgar konnte ich schon mehr anfangen und leichter Mitgefühl für ihn aufbringen. Durch seine großen Talente, mit denen er jedes (handwerkliche) Problem lösen kann, wirkt er allerdings zu perfekt. Aldred ist etwas farblos und Wynstan ein langweiliger Böser, weil er in Wirklichkeit vor allem durch die Schwäche seiner Gegner gewinnt, weniger durch eigene Schläue.

Ich möchte das Buch allerdings auch nicht zu schlecht machen. Die Handlung schreitet immerhin ganz flott voran und wenngleich die Grundzüge vorhersehbar sind, wird doch einige Spannung aufgebaut. Der Erzählstil ist einfach, aber stellenweise fesselnd, was es leichter macht, über ein paar Ungereimtheiten hinwegzusehen.

Fazit: Dies ist sicher nicht Folletts bestes Werk und innerhalb des Genres der historischen Romane generell nur mittelmäßig. Als Ergänzung zu dem Rest der Reihe kann es dennoch interessant sein. Man versäumt aber auch nicht viel, wenn man es nicht liest.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.01.2021

Etwas unausgewogene Tour durch Europas Vergangenheit und Gegenwart

Das europäische Geschichtsbuch
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Die Idee hinter diesem Werk ist interessant: Es wurde von 15 Historikern aus 13 europäischen Ländern gemeinsam verfasst. Dass nicht ausgewiesen ist, wer welchen Abschnitt geschrieben hat, lässt wohl auf ...

Die Idee hinter diesem Werk ist interessant: Es wurde von 15 Historikern aus 13 europäischen Ländern gemeinsam verfasst. Dass nicht ausgewiesen ist, wer welchen Abschnitt geschrieben hat, lässt wohl auf ein echtes Gemeinschaftswerk schließen. Auffällig ist jedoch, dass fast alle Autoren Männer sind.
Der Bericht beginnt in grauer Vorzeit mit der ersten Besiedelung Europas und folgt dem Lauf der Geschichte bis hin zum Brexit. Auch die Entwicklungen und Herausforderungen der letzten Jahre nehmen dabei einigen Raum ein.

Obwohl die Autoren offensichtlich um Ausgewogenheit bemüht sind und auch Zeiten und Länder ausführlicher behandelt werden, die sonst nicht so im Fokus populärer Geschichtsbücher stehen (beispielsweise Byzanz oder manche osteuropäischen Länder), bewegt er sich weitgehend doch entlang der üblichen Pfade. Die Gebiete des heutigen Frankreich, England, Deutschland, Italien und bisweilen auch die Iberische Halbinsel und Russland werden häufig besucht, auf andere Gegenden nur kurze Blicke geworfen.
Immerhin werden dabei vielfältige Themen angesprochen. Neben Herrschern, Kriegen und Machtkämpfen finden auch immer wieder Kunst und Kultur und gelegentlich auch der Alltag der einfachen Menschen Erwähnung.
Einige Aussagen finden sich jedoch wiederholt an verschiedenen Stellen und es dürften sich ein paar Fehler oder zumindest Ungenauigkeiten eingeschlichen haben.
Außerdem müssen die Ausführungen aufgrund des langen Zeitraums und des begrenzten Platzes natürlich oberflächlich bleiben.

Der Stil ist ganz angenehm und leicht lesbar. Viele Bilder und Grafiken lockern die Sache auf. Gefallen haben mir vor allem die relativ zahlreichen und gut gestalteten historischen Landkarten, durch welche die Inhalte veranschaulicht werden.
Letztlich wird aber doch nur eine Information an die andere gereiht, sowas wie „Spannung“ kommt nicht auf. Mit der Zeit wird die Lektüre daher etwas eintönig.

Was ich ebenfalls störend fand, ist die übertrieben zur Schau gestellte Begeisterung für die Europäische Union bzw die tendenzielle Gleichsetzung „Europa = EU“. Zwar ist dies bis zu einem gewissen Grad verständlich. Die Grundhaltung „Alles was zu mehr Vereinheitlichung führt ist gut, und jeder, der dagegen ist, ist böse“ – vergleiche beispielsweise auf Seite 428: „Die vornehme gemeinsame Verpflichtung zur friedlichen Neuordnung Europas und egoistische nationale Sonderinteressen ...“ – wird aber doch zu penetrant vertreten.

Fazit: Vor allem für Einsteiger in die Materie kann ich dieses reich bebilderte Buch durchaus empfehlen. Es bietet einen interessanten Überblick und kann vielleicht auch dazu anregen, das eine oder andere Thema weiter zu vertiefen. Etwas mehr Ausgewogenheit und Objektivität hätten ihm aber gutgetan.