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Veröffentlicht am 27.04.2018

Ein wundervoller Roman über starke Frauen, die auch in Krisenzeiten zusammenstehen und dem Schicksal trotzen

Die Frauen von Savannah
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CeeCee hat keine leichte Kindheit, denn der Vater ist kaum zuhause, hat der Familie den Rücken gekehrt, und die Mutter ist psychisch krank. Man kann sich gut in das Mädchen hinein versetzen, die quasi ...

CeeCee hat keine leichte Kindheit, denn der Vater ist kaum zuhause, hat der Familie den Rücken gekehrt, und die Mutter ist psychisch krank. Man kann sich gut in das Mädchen hinein versetzen, die quasi auf ihre Mutter aufpassen muss und dabei ihre Kindheit verliert. Da sich die Mutter in der Öffentlichkeit oft daneben benimmt, was CeeCee peinlich ist, hat das Mädchen auch keine Freunde, sondern verkriecht sich in jeder freien Minute bei ihren Büchern. Ihre einzige Vertraute ist Mrs. Odell, eine alte Dame in der Nachbarschaft. Nach dem plötzlichen Unfalltod der Mutter wird CeeCee bei ihrer Großtante Tootie aufgenommen. Diese lebt in einem schönen alten Haus in Savannah. Tooties Köchin, die anfangs ein wenig ruppig wirkt, entpuppt sich als warmherzige Frau, die CeeCee schnell zur mütterlichen Freundin wird. Die ganze Geschichte ist aus CeeCees Sicht, in der 1. Person, erzählt, was man an der geradlinigen, schlicht gehaltenen Erzählweise merkt, die jedoch, trotz aller Einfachheit, sehr schön und bilderreich ist. Es ist die Poesie und Weltsicht eines jungen Mädchens, das viel zu schnell vernünftig und erwachsen werden musste.
Die Charaktere sind sehr lebendig beschrieben, und wie gesagt, CeeCee, Mrs. Odell, Tootie und die Köchin Oletta sowie auch die Nebenfiguren sind überwiegend sympathisch gezeichnet. Aber nicht alles ist so idyllisch wie es scheint, auch bei CeeCees neuer Familie gibt es Sorgen, denn eines Tages erlebt das Mädchen einen rassistischen Überfall mit, was sie erst verarbeiten muss. Insgesamt hat mir die Geschichte sehr gut gefallen, bis auf Kleinigkeiten, so kamen mir beispielsweise einige Charakterisierungen von Tooties Nachbarinnen etwas überspitzt vor. Aber das mindert keinesfalls die Lesefreude an diesem schönen Sommerroman, in dem CeeCee liebe Menschen und Freunde findet und ihr Schicksal eine glückliche Wendung nimmt, denn auch wenn es diverse Probleme gibt, die von den Protagonisten bewältigt werden müssen, so strahlt der Roman doch insgesamt eine positive, warmherzige Stimmung aus.

Veröffentlicht am 13.03.2018

Wahrheit oder Pflicht

Rosenstengel
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Dieser Roman ist außergewöhnlich, schon was die äußere Gestaltung angeht. Das pinkfarbene Cover mit einem Bild und Schriftzügen in kupfer-metallic fällt sofort ins Auge. Auf den inneren Buchdeckeln findet ...

Dieser Roman ist außergewöhnlich, schon was die äußere Gestaltung angeht. Das pinkfarbene Cover mit einem Bild und Schriftzügen in kupfer-metallic fällt sofort ins Auge. Auf den inneren Buchdeckeln findet man Karten der Schauplätze, vorne zur Handlung im 19. Jahrhundert und hinten zu den dokumentierten Ereignissen im 18. Jahrhundert. Es ist ein Briefroman, bestehend aus den Korrespondenzen der involvierten Personen, die im übrigen wirklich existierten. Der guten Übersicht halber sind die Briefe zur Zeit des Anastasius Rosenstengel in braun gedruckt, ebenso wie die dazu gehörende Landkarte. Die Korrespondenz zur Zeit Ludwigs II. und auch hier die passende Karte sind in blau gedruckt. Diese schöne Ordnung setzt sich auch im Anhang, bei der Bibliographie und den Kurzbiographien fort. Eine Übersicht aller 252 Briefe ist hier ebenfalls vorhanden, und auch da kann man genau sehen, welches Schreiben zu welchem Handlungsstrang gehört.
Es ist nicht einfach zu lesen, denn die Briefe sind sprachlich den entsprechenden Zeiten angepasst, in denen sie geschrieben wurden. Man benötigt etwas Geduld, um sich in die verschiedenen Sprachstile der beiden Zeitebenen hinein zu finden, und es ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Handlung erschließt sich dem Leser ausschließlich durch die Briefe, die zwischen den Persönlichkeiten hin und her gehen.
Den Rahmen des Romans bilden die letzten zwanzig Monate im Leben Ludwigs II., bis zu seinem mysteriösen Tod im Starnberger See. Ludwig ist einerseits fasziniert von den Forschungen seines Arztes Franz Müller, der sich mit dem Schicksal der Catharina Linck befasst, die unter dem Namen Anastasius Rosenstengel ein Leben als Mann führte. Durch den Briefwechsel wird einem auch bald klar, dass sich König Ludwig in seinen Arzt verliebt hat. Seine Briefe sprechen klare Worte, und auch Müller ist gefangen in dem Verhältnis zu seinem König und Geliebten. Schnell wird deutlich, dass dem König die Entmachtung droht, denn sein Streben nach Schönheit und Kunst, dem er immer wieder im Bauen teurer Schlösser nachgibt, ist einigen Staatsmännern ein Dorn im Auge.
Was an den Briefen der Realität entspricht und was die Autorin erfunden hat, ist nie so ganz zu durchschauen. Auf jeden Fall sind Wahrheit und Fiktion hier sehr geschickt und raffiniert miteinander verschmolzen. Einiges klärt die Autorin in den Kurzbiographien auf, anderes muss man eben einfach so stehen lassen, denn auch wenn die Protagonisten allesamt historische Persönlichkeiten waren, so ist die Handlung, trotz vieler realer Details, im Gesamten doch erfunden.
Die verschiedenen Briefwechsel geben tiefe Einblicke in die Sichtweise der Menschen zur damaligen Zeit. Zwischen den Schicksalen der Protagonisten auf beiden Zeitebenen gibt es gewisse Parallelen, so waren beispielsweise sowohl Catharina Linck als auch Ludwig II. homosexuell veranlagt, was in früheren Jahrhunderten als krankhaft galt. Die Einstellung der damaligen Ärzte Dr. Gudden und Dr. Westphal zu diesem Thema hat mir des öfteren eine Gänsehaut beschert. Auch die Behandlungsmethoden, die zum Teil in den Briefen thematisiert werden, lassen uns heute gruseln.
Wie gesagt, die 252 Briefe, die sich hier zu einem Ganzen fügen, lassen sich nicht einfach schnell nebenher lesen. Man sollte sich wirklich Zeit nehmen, um in die Handlung einzutauchen. Es lohnt sich auf jeden Fall. In den 384 Seiten dieses Buches steckt eine enorme Recherchearbeit und sehr viel Fingerspitzengefühl, denn die Art und Weise, wie hier schriftliche Fragmente zu einem harmonischen und verständlichen Ganzen zusammengefügt wurden, ist ein wahres Meisterstück.
Dass Angela Steideles Debütroman mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet wurde, kommt nicht von ungefähr!

Veröffentlicht am 12.03.2018

Winterblüte

Winterblüte
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Der größte Teil der Handlung spielt sich, während der Adventszeit im Jahr 1900, im Umfeld der Familie Baabe ab, die im Ostseebad Heiligendamm ein Gästehaus betreibt. Als Christian, der Sohn des Hoteliers, ...

Der größte Teil der Handlung spielt sich, während der Adventszeit im Jahr 1900, im Umfeld der Familie Baabe ab, die im Ostseebad Heiligendamm ein Gästehaus betreibt. Als Christian, der Sohn des Hoteliers, eine bewusstlose junge Frau am Strand findet, die offensichtlich Schiffbruch erlitten hat, wirft dies einige Fragen auf, denn die Gerettete kann sich an nichts erinnern, nicht einmal an ihren Namen. Die Mitglieder der Familie Baabe verhalten sich der jungen Frau gegenüber recht unterschiedlich. Christian fühlt sich von Anfang an für sie verantwortlich, weil er sie ins Haus gebracht hat. Er möchte ihr helfen, die Erinnerung wieder zu erlangen, und je öfter er mit ihr zusammen ist, umso stärker fühlt er sich zu ihr hingezogen. Johanna, Christians Schwester, sucht ihre Nähe, mit dem Wunsch, in der Fremden eine Freundin zu finden. Auch wenn diese nicht weiß, wie sie heißt oder woher sie kommt, so ist ihr aber ein Brauch in Erinnerung, der mit einem kleinen Zweig zusammenhängt, den die Schiffbrüchige in ihren Händen hielt, als Christian sie fand. Sie weiß sehr genau, dass es sich dabei um einen Barbarazweig handelt. Obstbaumzweige, die am 4. Dezember geschnitten und ins Wasser gestellt werden, sollen Glück bringen, wenn sie an Weihnachten blühen. Glück können beide jungen Frauen brauchen: Johanna, weil sie nach dem Willen ihrer Eltern eine Zweckheirat eingehen und eine gute Partie machen soll, obwohl sie in einen anderen Mann verliebt ist, den ihre Eltern jedoch nie und nimmer als Ehemann für sie akzeptieren würden, weil er einer Familie angehört, die seit Urzeiten mit den Baabes verfeindet ist.
Ihre neue Freundin, die von Johanna kurzerhand „Barbara“ genannt wird, wegen des Zweigs, den sie bei sich hatte, wünscht sich nichts sehnlicher als ihre Erinnerung zurück zu gewinnen.
Herr Baabe, der Vater des Geschwisterpaars, hat Mitleid mit Barbara und möchte alles versuchen, ihr zu helfen und etwas über ihre Herkunft in Erfahrung zu bringen, während seine Frau ganz und gar nicht mit dem neuen Hausgast einverstanden ist. Ihre Abneigung, die sie der jungen Frau entgegenbringt, kann man erst mit der Zeit ein wenig nachvollziehen, wenn man mehr über sie erfährt. In ihrem Bestreben, Barbara schnellstmöglich wieder loszuwerden, setzt sie Ereignisse in Gang, die sich bald als verhängnisvoll erweisen.
Die Charaktere des Romans sind alle sehr klar und gut ausgearbeitet. Johanna und Christian waren mir vom ersten Moment an sympathisch. Über die Eltern mit ihrem Standesdünkel konnte ich manchmal nur den Kopf schütteln, aber eine derartige Einstellung gab es sicher damals in vielen Köpfen. Obwohl Herr Baabe ein eher friedliebender, gerechter Mensch zu sein scheint, hat er so seine Probleme, was ein altes Familiengeheimnis angeht, mit dem auch die Feindschaft zu jener anderen Familie zusammenhängt, in deren Sohn Johanna verliebt ist.
Während die Geschwister Baabe darauf hoffen, ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen und ihre große Liebe heiraten zu dürfen, sieht es in der Gefühls- und Gedankenwelt ihrer Eltern ganz anders aus. Da gewinnen negative Gefühle die Oberhand, und so manche Handlung wird von Misstrauen und Eifersucht, von Neid und Hass angetrieben. Merete Brettschneider liest dieses Hörbuch sehr ausdrucksvoll und verleiht den Protagonisten mit verschiedenen Stimmlagen Charakter. Ich habe ihr nur allzu gerne zugehört, und das Hörbuch war leider viel zu schnell zu Ende. Neben der kurzweiligen, facettenreichen Handlung hat mir auch gefallen, dass man einiges über das damalige gesellschaftliche Leben des eleganten Ostseebads Heiligendamm erfährt.
Wie schon der Titel aussagt, spielt die Geschichte im Winter, genauer gesagt in der Adventszeit und endet an Weihnachten. Das ist ja auch schon in Hinblick auf die Barbarazweige klar, die im Roman ihre eigene, besondere Rolle spielen. Ob die Zweige bis Weihnachten blühen und ob sich damit die Hoffnungen der beiden jungen Frauen erfüllen, verrate ich natürlich hier nicht, denn das muss jeder Leser oder Hörer dieses schönen und stimmungsvollen Romans selbst herausfinden.

Veröffentlicht am 12.02.2018

Ein bezaubernder Roman, so richtig zum Genießen und Träumen

Der Duft von Rosmarin und Schokolade
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Nachdem Maylis von ihrem Mann verlassen wurde, stellte sich heraus, dass er sie mit ihrer besten Freundin betrogen hat. Diesen doppelten Verrat konnte Maylis nur schwer verkraften und lebte längere Zeit ...

Nachdem Maylis von ihrem Mann verlassen wurde, stellte sich heraus, dass er sie mit ihrer besten Freundin betrogen hat. Diesen doppelten Verrat konnte Maylis nur schwer verkraften und lebte längere Zeit sehr zurückgezogen. Nur wenn es um ihre Arbeit geht, blüht sie auf. Im Feinkostladen Radke ist sie die gute Seele, und ihre kompetente Beratung wird von den Kunden sehr geschätzt. Wenn es um Rezepte für feine Gerichte geht, um Gewürze oder passenden Wein, Maylis weiß Rat. Nicht selten gelingt es ihr, die Kunden glücklich zu machen, und sogar romantische Verbindungen hat sie schon gestiftet. Nur bei sich selbst hat sie alle Sicherheit eingebüßt und ist felsenfest der Meinung, auf sie würde kein Liebesglück mehr warten.
Aber mit 39 Jahren steht sie mitten im Leben, und einige besondere Begegnungen führen dazu, dass sie wieder Hoffnung schöpft und beschließt, wieder intensiver am öffentlichen Leben teilzunehmen und sich auch einmal etwas zu gönnen. Als sie Paul kennenlernt, der als Kunde zu ihr ins Geschäft kommt, merkt sie, dass ihr die Männerwelt doch nicht so egal ist wie sie meinte. Mit Paul hat Maylis die Liebe zum Kochen und zu gutem Essen gemeinsam, aber es ist wie verhext, jeder Versuch der Protagonisten, sich für ein Date zu verabreden, scheitert, nicht zuletzt an spontanen und nicht sonderlich klugen Aktionen, zu denen sich Maylis hinreißen lässt.
Die Atmosphäre in diesem Roman ist verführerisch, denn ein Großteil der Handlung spielt sich im Feinkostladen Radke ab, aber man begleitet Maylis auch nur allzu gerne in verschiedene Cafes und Lokale, wo einem schon beim Beschreiben der dort servierten Köstlichkeiten das Wasser im Mund zusammenläuft.
Dass Maylis sich so zurückgezogen hat, kann man einerseits verstehen, denn die Enttäuschung, dass ihr Ehemann sie mit der besten Freundin betrogen hat, sitzt tief. Andererseits ist die Protagonistin so ein herzlicher Mensch. Mit ihrer liebenswerten, gewinnenden Art erobert sie nicht nur die Herzen ihrer Kunden und der Leser! Mit Vergnügen habe ich die Dialoge im Roman verfolgt, denn manchmal kann Maylis auch ziemlich scharfzüngig sein. Auf jeden Fall ist sie nicht auf den Mund gefallen und stellt häufig ihre geistreiche Schlagfertigkeit unter Beweis.
Alles in allem ist dies ein richtiger Wohlfühlroman, die ideale Lektüre für Genießer. Man kann damit so richtig abschalten, denn die Geschichte um Maylis bietet jede Menge Material zum Träumen und auch zum Schmunzeln. Auch wenn das Verhalten der Protagonisten manchmal nicht so ganz nachvollziehbar ist, weil Maylis sich so richtig „daneben benimmt“ und Pauls Reaktion darauf anfangs ziemlich lahm ausfällt, hat mir der Roman insgesamt ausgesprochen gut gefallen.

Veröffentlicht am 05.02.2018

Das Haus der dunklen Träume

Das Haus der dunklen Träume
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Mit dem Kauf des Bodelhofs erfüllt sich Annika Burgdorfer einen Traum. Nachdem sie München den Rücken gekehrt und sich von ihrem langjährigen Freund getrennt hat, möchte sie in ihrem Heimatdorf, wo ihre ...

Mit dem Kauf des Bodelhofs erfüllt sich Annika Burgdorfer einen Traum. Nachdem sie München den Rücken gekehrt und sich von ihrem langjährigen Freund getrennt hat, möchte sie in ihrem Heimatdorf, wo ihre Eltern, Geschwister und Freunde wohnen, endlich ein richtiges Zuhause finden. Ich konnte Annikas Begeisterung an dem alten Anwesen gut verstehen, denn alte Häuser haben eine große Anziehungskraft und ihren besonderen Reiz. Gegen den Willen ihres Vaters, der ganz und gar nicht begeistert von den Plänen seiner Tochter ist, stürzt sich Annika in die Arbeit, um das alte Haus und das Grundstück wohnlich zu gestalten. Als der Student und Weltenbummler Victor Rautenstein bei ihr auftaucht und ihr kurz entschlossen seine Hilfe anbietet, lehnt sie nicht ab, denn sie ist froh um jede Unterstützung. Nur lässt Victor die junge Frau über seine wahren Beweggründe im Unklaren. Seit Annika auf den alten Hof gezogen ist, wird sie immer häufiger von seltsamen Träumen heimgesucht, in denen ihr eine Magd erscheint, die wohl früher auf dem Hof gewohnt hat. Immer mehr kommen Annika und Victor zu der Ansicht, dass es in dem alten Haus spukt, und sie beginnen, nachzuforschen, um den seltsamen Vorgängen auf dem Bodelhof auf die Spur zu kommen.

Annika und Victor wirken auf Anhieb sympathisch, und sie mögen sich auch gegenseitig sehr, obwohl sie sich manchmal selbst im Weg stehen, denn beide haben eine etwas aufbrausende Art und sind auf ihre Unabhängigkeit bedacht. Auch ergeben sich immer wieder neue Probleme, die diese junge Beziehung, sofern es eine solche ist, überschatten.
Die Atmosphäre auf dem Bodelhof und auch die Auswirkungen auf das junge Paar sind sehr gut und fesselnd beschrieben, ebenso die Rückblicke in die Vergangenheit, die sich durch Annikas Träume offenbaren. Die angesprochenen Themen faszinierten mich schon immer, und die Autorin hat tadellos recherchiert, was die paranormalen Phänomene angeht, die im Roman eine große Rolle spielen. Ich fand es absolut spannend, die Sache auf dem Bodelhof zu verfolgen, wie sich die Lage immer mehr zuspitzt. Aber nicht nur die Geister machen Probleme, sondern hinter so manchem Phänomen steckt dann doch ein Mensch aus Fleisch und Blut. Annika muss gegen Misstrauen und Skepsis ankämpfen, denn sie findet bei vielen Zeitgenossen keinen Glauben, was die Geistererscheinungen angeht, und sie wird mit einigen Enttäuschungen konfrontiert. So wie die Reaktionen der verschiedenen Charaktere beschrieben sind, empfand ich das sehr glaubwürdig, denn die Parapsychologie mit all ihren Facetten ist nicht jedermanns Thema. Die hier beschriebenen Szenarien könnten sich also jederzeit wirklich so oder ähnlich abgespielt haben. Was es mit den übersinnlichen Ereignissen auf sich hat und die Gründe dafür, dem kommt Annika erst langsam auf die Spur. Wie sich dieses Element der Handlung am Ende fügt, hat mir sehr gut gefallen. Allerdings kommen kurz vor Schluss dann plötzlich noch völlig neue Aspekte ins Spiel, die für mein Empfinden doch ziemlich an den Haaren herbeigezogen wirkten. Ich hatte dabei das Gefühl, hier sollte die Geschichte unbedingt noch etwas in die Länge gezogen werden. Auf diesen „Showdown“ hätte ich aber gerne verzichten können und dafür lieber noch ein paar andere Fragen geklärt, die im Lauf der Handlung zur Sprache kamen, aber am Ende dann offen gelassen wurden.
Da sich meine kritische Anmerkung nur auf die letzten drei Kapitel bezieht, wurde die Lesefreude und die Spannung für mich nicht gemindert, und insgesamt hat mir der Roman ausgesprochen gut gefallen.