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Veröffentlicht am 05.10.2020

Interessanter Roman über Heimat, Herkunft und Familie

Zorn und Stille
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Inhalt:

Kurz nach Biljana Banadinowic Geburt wanderten ihre serbischen Eltern nach Österreich aus in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch das erhoffte Glück fanden sie in ihrer neuen Wahlheimat ...

Inhalt:

Kurz nach Biljana Banadinowic Geburt wanderten ihre serbischen Eltern nach Österreich aus in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch das erhoffte Glück fanden sie in ihrer neuen Wahlheimat nicht. Inzwischen, fast 40 Jahre später, ist die Familie zerrüttete. Billy, die früh gegen ihr Elternhaus rebellierte und mit 17 auszog, hat schon länger keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern. Sie hat sich als Fotografin "Billy Bana" einen Namen gemacht hat, reist durch die Welt und verweilt nie lange an einem Ort. Doch als ihr Vater stirbt, ist sie gezwungen, sich mit ihrer Vergangenheit und Herkunft und mit ihrer Familie auseinanderzusetzen. Was verbindet sie mit ihrem Heimatland? Wie konnte es soweit kommen, dass die Familie zerbrach? Und wo ist Billys vor Jahren spurlos verschwundener Bruder?

Meine Meinung:

Das Cover mit dem weißen Hasen hat mich auf Anhieb angesprochen und neugierig gemacht. Im Laufe des Buches erfährt man, was es mit dem Hasen auf sich hat, denn dieser ist nicht nur aus rein ästhetischen Gründen auf dem Cover zu sehen.

Unaufgeregt, aber eindrucksvoll erzählt Autorin Sandra Gugik die Geschichte von Billy und ihrer Familie. Der Schreibstil der Autorin ist eher speziell. Die Sätze sind zum Teil sehr lang und bestehen aus einer Vielzahl von Aufzählungen, was für mich persönlich leider etwas den Lesefluss gestört und mir den Einstieg in die Geschichte schwerer gemacht hat.

Schon vor Lesebeginn war mir bewusst, dass ich leider viel zu wenig über die Geschichte Jugoslawiens weiß. Daher hat es mir sehr gefallen und als interessant empfunden, dass der Leser im Laufe des Buches einiges darüber erfährt, beispielsweise über die Jugoslawienkriege und den damit einhergehenden Zerfall des Staates. Schon allein deshalb ist dieses Buch geschichtlich interessant und lesenswert.

Aber auch die Geschichte von Billys Familie hat mir gut gefallen. Die serbische Auswandererfamilie, die in Österreich ein neues, besseres Leben beginnen will, muss hart arbeiten, um in ihrer Wahlheimat überhaupt Fuß zu fassen, und wird doch dauernd mit ihrer Herkunft konfrontiert. Da die Kapitel aus Sicht der verschiedenen Familienmitglieder erzählt werden, lernt der Leser sie allesamt genauer kennen und bekommt einen umfassenden Einblick in ihre Gedanken, Gefühle und teils unterschiedlichen Ansichten. Gleichzeitig erfährt er immer mehr, wie es zum Bruch der Familie kam. Die Charaktere wirken sehr authentisch und sind vielschichtig. Vorallem Sima, Billys Vater, und sein innerer Konflikt haben mir gefallen. Über Billys Bruder und sein Verschwinden hätte ich gerne noch ein wenig mehr erfahren.

Neben dem geschichtlichen Hintergrund setzt sich das Buch auch mit einigen wichtigen Fragen des Lebens, wie beispielsweise mit der Frage "Was ist Heimat?", auseinander und regt zum Nachdenken über die eigenen Wurzeln an.

Fazit:

Lesenswerter, unaufgeregter Roman über eine zerrüttete Familie und den Zerfall Jugoslawiens.

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Veröffentlicht am 30.09.2020

Eindrucksvolles Buch basierend auf wahren Begebenheiten und Personen

Die Bibliothekarin von Auschwitz
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Inhalt

Dita ist 14 Jahre alt, als sie 1943 gemeinsam mit ihren Eltern aus dem Ghetto Theresienstadt in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und im Familienlager B IIb untergebracht wird. ...

Inhalt

Dita ist 14 Jahre alt, als sie 1943 gemeinsam mit ihren Eltern aus dem Ghetto Theresienstadt in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und im Familienlager B IIb untergebracht wird. Das Leben dort ist geprägt von Dreck, Hunger, Krankheit, Angst und Tod. Der einzige Lichtblick für die Kinder ist die in Baracke 31 untergebrachte Schule, die der Blockälteste Fredy Hirsch heimlich aufgebaut hat und deren wertvollster Besitz acht Bücher sind, die Inhaftierte in das Lager schmuggeln konnten.
Dita ist ein mutiges junges Mädchen, weshalb Fredy sie zur Bibliothekarin ernennt. Ihr Job ist es fortan, die Bücher im Auge zu behalten, zu schützen und zu reparieren und vor allem vor den Aufsehern zu verstecken. Dita, die schon in jungen Jahren ihre Liebe zu Büchern entdeckt hat, hütet die Bücher wie ihren Augapfel. Sie begleiten sie und auch die anderen Häftlinge durch Zeiten größten Verzweiflung und Angst und vermögen es, ihnen auch in den schwersten Stunden Hoffnung und Trost zu schenken.

Meine Meinung

Der Holocaust ist eine der wohl dunkelsten Kapitel in der deutschen Geschichte. Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau stellte dabei einen der Eckpfeiler der Tötungsmaschinerie dar. Das Buch führt dem Leser auf drastische Weise vor Augen, was es hieß, dort als Gefangener oder gar als Kind inhaftiert zu sein. Täglich sterben hunderte, wenn nicht gar tausende Menschen: Die, die nach ihrer Ankunft nicht direkt getötet werden, müssen hart arbeiten, leben in überfüllten, kalten, dreckigen Baracken und bekommen kaum etwas zu essen. Gleichzeitig erzählt das Buch die Geschichte bewundernswerter Leute wie Dita und Fredy, die den Mut und die Hoffnung nicht verlieren und für ihr Überleben und eine bessere Zukunft kämpfen.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, die Stimmung ist - wie zu erwarten war - sehr düster und bedrohlich. Es gab einige Szenen, die mir die Tränen in die Augen treten oder mich fassungslos den Kopf schütteln lassen haben, weswegen ich beim Lesen immer mal wieder pausieren musste.

Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, hauptsächlich aber aus Sicht der jungen Dita, die mir im Laufe der Buches sehr ans Herz gewachsen ist. Ebenso wie einige anderen Charaktere des Buches basiert sie auf einer realen Person und ist sehr authentisch dargestellt. Zudem gelingt es dem Autor, die Gefühle und Ängste der Charaktere realistisch rüber zu bringen, sodass man als Leser mit ihnen mitleidet und - bangt.

Die Handlung basiert auf wahren Begebenheiten und ist mit vielen Fakten und historischen Ereignissen wie beispielsweise die Nacht vom 8. auf den 9. März 1944, in der mehr als 1700 aus Theresienstadt deportieren Juden den Tod fanden, gespickt. Dadurch ist das Buch umso eindrucksvoller, aber auch schockierender. Mich hat es sehr bewegt und sprachlos zurück gelassen.

Fazit

Eindrucksvoller Roman basierend auf wahren Begebenheiten sowie mit vielen Fakten rund um Ausschwitz gespickt und dadurch umso schockierender und bewegender. Ein absolut lesenswertes Buch, für das man sich aber definitiv Zeit lassen sollte, da es alles andere als leichte Kost ist.

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Veröffentlicht am 21.09.2020

Spannender, sehr aktueller Dänemarkkrimi

Helle und der falsche Prophet
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Inhalt:
Die dänische Kommissarin Helle Jespers verbringt gerade ihren Urlaub in Südfrankreich, als sie erfährt, dass eine Freundin ihres Sohnes tot aufgefunden wurde. Kurz vor ihrem Tod machte die junge ...

Inhalt:
Die dänische Kommissarin Helle Jespers verbringt gerade ihren Urlaub in Südfrankreich, als sie erfährt, dass eine Freundin ihres Sohnes tot aufgefunden wurde. Kurz vor ihrem Tod machte die junge Frau Bekanntschaft mit einem jungen Paar, dass sich auf der Flucht befindet. Haben sie etwas mit ihrem Tod zu tun?
Für Helle ist klar: Diesen Fall übernimmt sie selbst. Mit dem nächsten Flieger kehrt sie nach Dänemark zurück und macht sich auf die Suche nach dem Mörder der jungen Frau.

Meine Meinung:
"Helle und der falsche Prophet" ist der dritte Teil der Reihe um die sympathische dänische Kommissarin Helle Jespers. Obwohl ich die beiden Vorgänger nicht kannte, habe ich sehr schnell in die Handlung hereingefunden und hatte nicht das Gefühl, dass mir zu viel Vorwissen fehlte.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen. Zunächst startet die Geschichte eher gemächlich, nimmt dann aber zunehmend Fahrt auf. Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was für Abwechslung und Spannung sorgt. Die Handlungsorte werden bildhaft beschrieben und die Gedanken und Gefühle der Charaktere sind authentisch dargestellt, sodass man als Leser in die Geschichte und Charaktere eintauchen und mitfühlen kann.

Die Charaktere sind sehr authentisch, allen voran Protagonistin Helle Jespers, die mir auf Anhieb sympathisch war. Sie ist eine kluge und engagierte Ermittlerin, der es manchmal schwer fällt sich unterzuordnen. Sie hat Ecken und Kanten, was sie menschlich wirken lässt. Ihre familiäre Situation spielt neben den Ermittlungen ebenfalls eine Rolle, bedient aber nicht die typischen Klischees, wie bspw. familiäre Probleme, Depressionen oder andere Krankheiten.

Der Plot ist spannend und fesselnd. Es werden einige aktuelle Themen mit aufgegriffen, wie beispielsweise fridays for future, was mir sehr gefallen hat. Dank einiger Wendungen hält die Geschichte bis zum Schluss einige Überraschungen für den Leser bereit. Mich hat das Buch von Anfang bis Ende sehr gut unterhalten und zum miträtseln annimiert.

Fazit:
Spannender, sehr aktueller Dänemarkkrimi mit einer sympathischen Protagonistin, der mich durchgängig sehr gut unterhalten konnte. Ich werde definitiv auch noch die anderen Teile der Reihe lesen!

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Veröffentlicht am 21.09.2020

Eindringliche und gefühlvolle Familiengeschichte

Das Haus in der Claremont Street
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Inhalt:
Der 9jährige Tom muss mit anhören, wie sein Vater erst seine Mutter und dann sich selbst tötet. Seine kinderlose Tante Sonja nimmt ihn bei sich auf, doch Tom ist schwer traumatisiert und weigert ...

Inhalt:
Der 9jährige Tom muss mit anhören, wie sein Vater erst seine Mutter und dann sich selbst tötet. Seine kinderlose Tante Sonja nimmt ihn bei sich auf, doch Tom ist schwer traumatisiert und weigert sich zu sprechen. Egal was Sonja versucht, sie kommt nicht an Tom heran und ist mit der Situation überfordert. Kurzerhand gibt sie den Jungen zu ihrer Schwester Rose in die Claremont Street. Die chaotische Tante Rose, ihr pubertierender Sohn Nick und der kindsköpfige Onkel Will sind eigentlich schon mit ihrem eigenen Leben vollkommen überfordert. Trotzdem versuchen sie Tom ein liebevolles neues Zuhause zu geben. Doch dabei müssen sie erkennen, wie wichtig und bedeutend Familie und Zusammenhalt sind und dass sie diese schwere Zeit nur gemeinsam durchstehen können.

Meine Meinung:
Dass es sich bei "Das Haus in der Claremont Street" um das Debüt der deutsch-kanadischen Autorin Wiebke von Carolsfeld handelt, merkt man beim Lesen des Buches nicht. Eindringlich und gefühlvoll erzählt die Autorin, wie eine schreckliche Tragödie Toms Leben und das seiner Familie von einen Tag auf den nächsten vollkommen auf den Kopf stellt.

Schon die ersten Seiten des Buches haben es in sich und zeigen, dass man es hier nicht mit einem locker-leichten Wohlfühlroman zu tun hat. Die Geschichte wird abwechselnd aus Sicht von Tom, den drei Geschwistern Sonya, Rose und Will sowie Roses Sohn Nick erzählt, wodurch der Leser einen umfassenden Einblick in die Gedanken und Gefühlswelt der sehr unterschiedlichen Familienmitglieder bekommt. Obwohl sie eine Familie sind, gibt es keinen großen familiären Zusammenhalt, stattdessen sind unausgesprochener Groll und Konflikte an der Tagesordnung. Jeder einzelne von ihnen ist bereits seit längerem viel zu sehr mit sich und seinen eigenen Problemen beschäftigt und kämpft nun auch noch mit Trauer und Selbstvorwürfen, sodass er dabei die Anderen und deren Sorgen und Nöte vollkommen aus den Augen verloren hat und sie sich immer mehr von einander entfremdet haben. Die gemeinsame Sorge um Tom zwingt sie schließlich dazu, sich mit sich selbst und ihrer Familie auseinanderzusetzen und sich zusammenzuraufen, denn nur gemeinsam können sie sich über den schweren Verlust hinweghelfen und Tom ein neues liebevolles Zuhause bieten.

Die Familienmitglieder sind auf ihre jeweilige Art und Weise sehr liebenswert und sympathisch. Deshalb kann man sich sehr gut in sie hineinversetzen und mitfühlen. Mir haben besonders die chaotische Rose, ihr Sohn Nick und Will, der einfach nicht erwachsen werden will, gefallen und mich - trotz der sehr bedrückenden, traurigen Stimmung - mit ihrer humorvollen Art immer mal wieder zum Lächeln gebracht. Trotzdem hat mir irgendwie das gewisse Etwas, das dieses Buch zu etwas ganz besonderem macht, gefehlt und die bereit gelegten Taschentücher blieben trocken. Daher gibt es von mir "nur" 4,5 Sterne.

Fazit:
Eindringliche und gefühlvolle Geschichte über eine zerrüttete Familie, die in einer ihrer wohl schwersten Stunden erkennen muss, was wirklich wichtig ist im Leben.

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Veröffentlicht am 20.09.2020

Blind Date mit Folgen

Die Nacht zuvor
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Inhalt:

Kurz nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatstadt kehrt Laura nach einem Blind Date nicht zurück. Ihre Schwester Rosie, bei der sie übergangsweise untergekommen ist, macht sich große Sorgen. Ist Laura ...

Inhalt:

Kurz nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatstadt kehrt Laura nach einem Blind Date nicht zurück. Ihre Schwester Rosie, bei der sie übergangsweise untergekommen ist, macht sich große Sorgen. Ist Laura etwas zugestoßen? Oder noch schlimmer: hat sie ihrem Date etwas angetan? Denn Laura stand in ihrer Jugend bereits unter Verdacht, ihren Exfreund getötet zu haben. Und obwohl es keine Beweise für ihre Schuld gab, sind die Zweifel an ihrer Unschuld geblieben...

Meine Meinung:

"Die Nacht zuvor" war mein erstes Buch der US-amerikanischen Autorin Wendy Walker. Obwohl ich mich zu Beginn mit dem Schreibstil etwas schwer getan habe, habe ich recht schnell in die Geschichte hereingefunden und konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Die Charaktere sind authentisch und glaubwürdig. Die beiden Schwestern Rosie und Laura, aus deren Sicht die Geschichte abwechselnd erzählt wird, sind sehr unterschiedlich. Beide waren mir aber auf ihre jeweilige Art schnell sympathisch, weshalb ich nicht glauben mochte, dass Laura wirklich getan hat, was ihr vor vielen Jahren vorgeworfen wurde und noch heute anhaftet.

Der Plot ist spannend und fesselnd. Einerseits begleitet der Leser Rosie, die sich - nachdem Laura nicht von ihrem Date zurückgekehrt ist - große Sorgen macht und zusammen mit ihrem Mann Joe und Gabe, dem gemeinsamen besten Freund aus Jugendtagen, auf die Suche nach ihrer Schwester macht. Andererseits erfährt der Leser aus Lauras Erzählungen nach und nach, was am Abend des Dates wirklich geschehen ist. Mir persönlich hat der Aufbau sehr gut gefallen, da der Leser den Verlauf des Abends so nur schrittweise nachvollziehen kann. Ich habe mich sehr lange Zeit gefragt, was wirklich geschehen ist, und war hin und hergerissen zwischen Vertrauen und Misstrauen, Hoffnung und Besorgnis. Darüber hinaus hält der Plot einige überraschende Wendungen bereit, die den Leser an der Glaubwürdigkeit der Charaktere zweifeln lassen und den Ausgang der Geschichte offen halten. Die schlussendliche Auflösung hat mich dann zwar nur zum Teil überraschen können, da ich so etwas in der Art schon befürchtet hatte, konnte mich aber trotzdem überzeugen. Ein gelungenes, nervenaufreibendes Ende!

Fazit:

Spannender Thriller, bei dem man als Leser lange Zeit nicht weiß, woran man ist, und deshalb packend bis zum Schluss

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