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Lariko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.05.2025

Sally Rooneys Meisterwerk

Intermezzo
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Sally Rooney ist unanfechtbar im Beschreiben zwischenmenschlicher Beziehungen. Niemand anderem geling es so gut, diese unsichtbare Ebene zu materialisieren. Mit Intermezzo hat sie sich dabei ...

Sally Rooney ist unanfechtbar im Beschreiben zwischenmenschlicher Beziehungen. Niemand anderem geling es so gut, diese unsichtbare Ebene zu materialisieren. Mit Intermezzo hat sie sich dabei selbst übertroffen. Denn neben den so brillant gezeichneten Beziehungen der Charaktere zueinander, sind diese selbst auch faszinierend und außergewöhnlich. Dabei gibt es noch solche Figuren, die eigentlich gar keine sind, wie Schach oder der Hund der Brüder.
Der Roman ist nacheinander je aus der Sicht Ivans und Peters geschrieben, was uns stärkere Einblicke in ihre sehr gegensätzlichen Leben gibt und der Autorin die Möglichkeit, weitere Charaktere auszuspinnen, die nicht von Beginn an mit beiden von ihnen interagieren müssen.
Nach den letzten Seiten war ich so traurig, die Figuren verlassen zu müssen, wie ich es lange nicht war. Das Buch schließlich zuzuschlagen und in mein Regal zu stellen, gab mir das Gefühl eines Abschieds von Freunden. Wenigstens kann ich die erste Seite jederzeit wieder aufschlagen um mein liebstes Rooney-Buch noch einmal zu lesen.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.04.2025

Über Krieg und Liebe, Erinnern und Vergessen

Hiroshima mon amour
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Das Skript von Marguerite Duras zum Film. Ich kannte den Film vorher nicht, hatte aber schon von der Autorin gehört. Auch ohne den Film geschaut zu haben, habe ich das Lesen genossen. Eine namenlose Französin ...

Das Skript von Marguerite Duras zum Film. Ich kannte den Film vorher nicht, hatte aber schon von der Autorin gehört. Auch ohne den Film geschaut zu haben, habe ich das Lesen genossen. Eine namenlose Französin ist für Dreharbeiten an einem Friedensfilm in Hiroshima und erlebt eine Liebesgeschichte mit einem namenlosen Japaner. Dabei werden die Auswirkungen von Krieg beleuchtet und auch die Französin hat in Nevers (Frankreich) als junges Mädchen wegen ihrer Liebe zu einem deutschen Soldaten stark gelitten. Ein bemerkenswertes Drehbuch.

Er: Was bedeutete das für dich, Hiroshima, dort in Frankreich?

Sie: Dass der Krieg aus war, ich meine, ganz und gar. Die Betäubung … bei dem Gedanken, dass man es gewagt hatte… Die Betäubung bei dem Gedanken, dass man Erfolg gehabt habe. Und dann auch, für uns, der Beginn einer bislang unbekannten Furcht. Und dann die Teilnahmslosigkeit, die Furcht vor der Teilnahmslosigkeit auch…

Veröffentlicht am 15.04.2025

Atemberaubendes Heldenepos

Beowulf. Ein altenglisches Heldenepos
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Ein fantastisches Heldenepos aus dem Angelsächsischen, verfasst um 730… Inspirationsquelle für zahlreiche Bestseller. Man muss sich zwar mit der Sprache zurechtfinden, es ist jedoch leichter als gedacht. ...

Ein fantastisches Heldenepos aus dem Angelsächsischen, verfasst um 730… Inspirationsquelle für zahlreiche Bestseller. Man muss sich zwar mit der Sprache zurechtfinden, es ist jedoch leichter als gedacht. Gelungene Übersetzung!

Veröffentlicht am 21.03.2025

Ein Leben zwischen Kunst und Krieg

Was ich von ihr weiß
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Wie erinnert man sich an eine Frau, die nicht vergessen werden will? Wie erzählt man ihre Geschichte, die sich jeder Definition entzieht?
Jean-Baptiste Andrea verwebt in „Was ich von ihr weiß“ die Geschichte ...

Wie erinnert man sich an eine Frau, die nicht vergessen werden will? Wie erzählt man ihre Geschichte, die sich jeder Definition entzieht?
Jean-Baptiste Andrea verwebt in „Was ich von ihr weiß“ die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts mit dem sehr persönlichen Rückblick eines im Sterben liegenden Mannes, der liebte, bewunderte und vielleicht nie ganz verstand.

Mimo Vitaliani wird in Frankreich geboren, aber noch als Junge zu seinem Onkel nach Italien geschickt. Er wird Bildhauer und arbeitet sich in hohe gesellschaftliche Kreise hoch, unterstützt und geprägt durch die Familie Orsini. Dabei entsteht zwischen ihm und Viola Orsini eine außergewöhnliche Beziehung, die sich so oft wandelt und von den Unruhen des beginnenden 20.Jahrhunderts überschattet wird. Während Mimo seinen Weg an Konkurrenten und etlichen Hindernissen vorbei bahnt, versucht Viola mit ihrer Rolle als Frau fertig zu werden. Außergewöhnlich begabt wie sie ist, lässt sie sich von nichts und niemandem aufhalten und kämpft in einer Zeit, die Frauen wenig Raum lässt.

Besonders spannend ist, dass diese feministische Ader des Romans objektiv aus der Perspektive eines Mannes geschildert wird.

Andrea fängt das historische Setting meisterhaft ein. Das Italien des Faschismus ist nicht nur Kulisse, sondern allgegenwärtige Bedrohung. Die politischen Spannungen, die Repressionen, der Schatten der Kriege, all das spiegelt sich in den Figuren und ihrem Schicksal wieder. Doch statt einer reinen historischen Erzählung ist der Roman auch eine intime Reflexion darüber, wie Geschichte persönliche Schicksale formt. Mimo muss am eigenen Leibe erfahren, dass es gar unmöglich ist, in solchen Zeiten unpolitisch zu bleiben, selbst die Kunst vermag dies nicht.

Jedoch hat die Geschichte einen langen Anlauf gebraucht und die zentrale Figur der Viola kam für meinen Geschmack viel zu spät in die Handlung. Ähnlich langatmig war der Roman auch gegen Ende, auch wenn das Ende selbst dann sehr plötzlich und abrupt eintraf.

Jean-Baptiste Andrea zeichnet eine Geschichte, die mit ihrer erzählerischen Wucht und den lebendigen Charakteren an Isabel Allende erinnert – eine Mischung aus Poesie, Geschichte und einer starken Frauenfigur, die sich über jede Schublade hinwegsetzt. Empfehlenswert für Liebhaber von historischen Romanen.

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