Profilbild von LeseHexe87

LeseHexe87

Lesejury Profi
offline

LeseHexe87 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit LeseHexe87 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.04.2026

Feinsinnige Gesellschaftssatire in unaufgeregtem Gewand

In einem Zug
0

Eduard Brünhofer ist ein bekannter Autor – oder war er es? Irgendwie scheint er beides gleichzeitig zu sein. Jedenfalls sitzt besagter Brünhofer nun im Zug von Wien nach München und wird von einer Mitreisenden ...

Eduard Brünhofer ist ein bekannter Autor – oder war er es? Irgendwie scheint er beides gleichzeitig zu sein. Jedenfalls sitzt besagter Brünhofer nun im Zug von Wien nach München und wird von einer Mitreisenden in ein Gespräch verwickelt, das er eigentlich gar nicht führen möchte – behauptet er jedenfalls. Doch vielleicht rührt diese Unbekannte genau an den Stellen in seinem Inneren, die schon lange darauf warten, erkundet zu werden.

Die beiden unterhalten sich über eine geraume Weile sehr angeregt. Während Brünhofer das Gespräch mit eigenen, oft bissigen Gedanken garniert, die er nicht mit seiner Reisegefährtin teilt, steuern beide auf ein Geheimnis zu, das erst in München gelüftet wird. Auf den ersten Blick passiert wenig, doch auf den zweiten Blick offenbart sich die ganze Meisterschaft der Erzählung.

Die Magie des Buches liegt in den Zwischentönen und der unterschwelligen Gesellschaftskritik. Glattauer lässt Brünhofer herrlich ehrlich über seine Ehe, seine Karriere und die mysteriöse Mitreisende reflektieren. Besonders gelungen: Die vom Wein gefärbte Stimmung Brünhofers spiegelt sich meisterhaft in der Sprache wider. Man mag darüber streiten, wie positiv der Alkohol hier wegkommt, aber Glattauer nutzt ihn auf charmante Weise als Katalysator für die Auflösung der Geschichte.

Sicherlich ist dieses Buch, das fast ausschließlich aus einem Dialog besteht, nicht für jeden Geschmack geeignet. Wer äußere Action und klassische Spannung sucht, wird hier weniger fündig. Wer sich jedoch an präziser, differenzierter Sprache und psychologischen Nuancen erfreuen kann, findet in dieser Geschichte eine echte Bereicherung.

Fazit: Kurzweilige, kluge und amüsante Unterhaltung für alle, die das Abenteuer im Alltäglichen suchen. Mir hat es sehr gefallen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2026

50 inspirierende Fragen – Leichtigkeit mit einer Prise Exklusivität

50 Fragen, die das Leben leichter machen
0

Karin Kuschiks aktuelles Werk steht seinem Vorgänger in nichts nach: Eine unnachahmlich „gesprochene Schriftsprache“ trifft auf hohen Nutzwert und wertvolle Impulse für die innere Ausgeglichenheit und ...

Karin Kuschiks aktuelles Werk steht seinem Vorgänger in nichts nach: Eine unnachahmlich „gesprochene Schriftsprache“ trifft auf hohen Nutzwert und wertvolle Impulse für die innere Ausgeglichenheit und ruhige Schlagfertigkeit im Alltag.

Wie sehr die einzelnen der 50 Fragen mit dem eigenen Charakter resonieren, darf jede:r selbst entscheiden. Ich persönlich konnte mich mit den allermeisten Impulsen sehr gut anfreunden und habe einige davon direkt dankbar umgesetzt. Das Buch lässt sich zudem wunderbar „stückeln“, ohne dass der Lesefluss oder die Qualität leiden.

Einziger Stolperstein: Die Autorin schreibt aus einer sehr privilegierten Welt heraus. Wenn Schauplätze wie Dachterrassen auf Mallorca oder Berliner Designerlofts den Rahmen für ihre Erkenntnisse bilden, ist das zwar inspirierend zu lesen, schafft aber eine Distanz zum eigenen Erleben und Wiedererkennen.

Es geht mir dabei ausdrücklich nicht um Missgunst. Vielmehr treibt mich die Frage um, wie alltagstauglich diese Tipps für den „Normalo“ sind, wenn die Rahmenbedingungen und das soziale Umfeld der Autorin so exklusiv sind. Die gedankliche Hürde, diese Konzepte der Leichtigkeit in einen weniger exklusiven Arbeits- und Lebensalltag zu übertragen, ist dadurch mitunter hoch.

Fazit: Ein absolut gelungenes und bereicherndes Buch, das zum Nachdenken anregt – sofern man bereit ist, die Transferleistung aus der „Kuschik-Welt“ in das eigene Leben selbst zu erbringen. Ein lesenswertes Vergnügen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.04.2026

"Alle glücklich" – ein Roman, der unter die Haut geht

Alle glücklich
0

Kira Mohn zeigt in ihrem neuen Roman eindrucksvoll, wie meisterhaft sie die Dynamiken und das Schweigen innerhalb einer Familie einfangen kann. Auf weniger als 300 Seiten entfaltet sie ein Familiendrama, ...

Kira Mohn zeigt in ihrem neuen Roman eindrucksvoll, wie meisterhaft sie die Dynamiken und das Schweigen innerhalb einer Familie einfangen kann. Auf weniger als 300 Seiten entfaltet sie ein Familiendrama, das so authentisch und schmerzhaft ist, dass es beim Lesen förmlich den Brustkorb zuschnürt.

Eine Vorzeigefamilie am Abgrund
Die Geschichte wird aus vier Perspektiven erzählt: Mutter Nina, Vater Alexander, Tochter Emilia und Sohn Ben. Nach außen hin wirken sie wie die perfekte Einheit, doch im Inneren hat sich jede:r in einem eigenen Gefängnis aus Erwartungen, Enttäuschungen und blinden Flecken isoliert.

Alexander: Der erfolgreiche Arzt, dessen Selbstgefälligkeit fast physisch greifbar ist. Er merkt in seiner Ignoranz nicht einmal, wie herablassend er agiert, während er den Status quo seiner Karriere auf dem Rücken seiner Familie auskostet.
Nina: Einst ambitioniert, heute im Schatten ihres Mannes verschwunden. Sie funktioniert als Mutter und Zuverdienerin, hat sich selbst aber schon vor langer Zeit verloren.
Emilia: Die Tochter, die sich in ihrem Streben nach Perfektion und Gefälligkeit für ihren Freund mehr und mehr aufgibt – bis hin zum Verlust der eigenen Würde.
Ben: Der Sohn, der von seinem Vater als "Loser" abgestempelt wurde und diese Rolle schmerzhaft verinnerlicht hat.

Ein literarisches Kunststück auf engem Raum
Es ist ein wahres Kunststück, wie Kira Mohn es schafft, diese vier Charaktere mit all ihren Stärken und Schwächen auf so wenigen Seiten zum Leben zu erwecken. Die Sprache ist dabei einfach, nahbar und unheimlich eingängig. Gerade diese Unaufgeregtheit im Stil macht die Wucht der "Eklats", die das mühsam aufrechterhaltene Kartenhaus schließlich zum Einsturz bringen, umso intensiver.

Warum dieses Buch so nachwirkt
"Alle glücklich" ist mehr als nur eine fiktive Geschichte; das Buch ist ein Sinnbild für unzählige Familienstrukturen unserer Zeit. Die zentrale Frage nach dem echten Glück – und der Erkenntnis, dass viele Menschen schlicht vergessen haben, wie man glücklich ist – entfaltet eine unglaubliche Kraft, die auch nach dem Zuklappen des Buches lange nachhallt.

Mein Fazit: Ein absolut lesenswertes Buch mit enormem Tiefgang. Einen winzigen Abzug gibt es für das recht abrupte Ende – ich hätte die vier Charaktere gerne noch ein Stück weiter begleitet, auch wenn der gewählte Schlusspunkt konsequent und nachvollziehbar gesetzt ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.04.2026

Herbe Enttäuschung statt atemloser Spannung - "Die Ehefrau" hält nicht, was sie verspricht

Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen?
0

Sylvia steckt in der Klemme und braucht dringend einen Job. Da scheint der attraktive Adam wie ein Geschenk des Himmels: Er sucht eine Pflegekraft für seine Ehefrau Victoria, die seit einem Unfall schwer ...

Sylvia steckt in der Klemme und braucht dringend einen Job. Da scheint der attraktive Adam wie ein Geschenk des Himmels: Er sucht eine Pflegekraft für seine Ehefrau Victoria, die seit einem Unfall schwer beeinträchtigt ist. Doch was wie ein Glücksgriff beginnt, entwickelt sich schnell zu einem undurchsichtigen Geflecht aus Lügen und Intrigen.

Ein klassisches Muster ohne Überraschungen
Wer bereits „Wenn sie wüsste“ oder „Sie kann dich hören“ gelesen hat, wird hier ein sehr bekanntes Muster vorfinden: Eine junge Frau in Geldnot trifft auf einen gutaussehenden „Retter“. Leider krankt die Geschichte für mich an mehreren Stellen.

Die Kritikpunkte im Detail:
Wenig authentische Charaktere: Sylvia (oder Sylvie) wirkt als Protagonistin leider extrem einfältig und teilweise sogar dreist – etwa wenn sie ernsthaft beleidigt ist, dass ihr Chef sie nicht frisch bekocht, sondern ihr „nur“ ein Mikrowellengericht serviert. Insgesamt blieb nur ein einziger Charakter sympathisch, der lediglich eine Nebenrolle spielte; alle anderen wirkten plump, oberflächlich oder psychotisch gezeichnet.
Stereotype Rollenzeichnung: Erfolgreicher, wohlhabender Mann mit gutaussehender Frau als Anhängsel – so die Rollenaufteilung im Kern. Den Verlauf der stark stereotyp gezeichneten Story zu lesen und auch, wie wenig emanzipiert Victoria und Sylvia sind, ist schwer erträglich, wenn man sich als Leserin mit diesem Bild einer Frau nicht (mehr) identifizieren kann.
Unglaubwürdige Erzählweise: Insbesondere die Tagebucheinträge von Victoria wirkten auf mich völlig unglaubwürdig und nicht authentisch. Weder der ausufernde Schreibstil noch der Inhalt passten zu einer nicht im Überfluss mit Freizeit gesegneten Krankenschwester oder zu den Personen, für die diese Zeilen ursprünglich gedacht waren.
Gleich zu Beginn wird das Alter der Hauptfigur thematisiert, es fällt ein Satz in der Art „als ich noch jünger war“, welcher mich eine etwas reifere Frau vermuten ließ, nur um dann zu erfahren, dass sie erst Mitte 20 ist.
Sprachliche Redundanz: Die ständigen Wiederholungen darüber, wie unglaublich attraktiv und sexy Adam ist, waren kaum zu ertragen. Überhaupt zieht sich die Story auf über 400 Seiten unnötig in die Länge. Viele Szenen wiederholen sich inhaltlich, ohne die Handlung voranzutreiben.
Vorhersehbarkeit statt Thrill: Da die Autorin selbst Ärztin ist, überrascht die medizinisch für mich eher unglaubwürdige Darstellung von Victorias Zustand. Das Ende war zudem in weiten Teilen vorhersehbar. Der Versuch, durch eine Aneinanderreihung von hanebüchenen Zufällen noch einen Plot-Twist zu erzwingen, konnte das Ruder für mich nicht mehr herumreißen.

Fazit
Nach dem großen Hype um Freida McFadden war dieses Buch für mich eine herbe Enttäuschung. „Die Ehefrau“ ist ein Thriller, dem es an Originalität, sympathischen Figuren und einem glaubwürdigen Spannungsbogen fehlt. Wer McFadden-Neuling ist, findet hier vielleicht kurzweilige Unterhaltung, für Kenner ihrer Werke ist es jedoch nur ein müder Aufguss bekannter Motive.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.03.2026

Träume aus Salz – Zwischen Urlaubs-Poesie und sprachlicher Barriere

Träume aus Salz
0

Flo und Matty sind ein junges Paar, dem das gemeinsame Glück aus allen Poren dringt. Damit hätten beide nicht gerechnet, haben sie doch eher bewegte Erfahrungen in ihrer Vergangenheit gesammelt, was Beziehungen ...

Flo und Matty sind ein junges Paar, dem das gemeinsame Glück aus allen Poren dringt. Damit hätten beide nicht gerechnet, haben sie doch eher bewegte Erfahrungen in ihrer Vergangenheit gesammelt, was Beziehungen anbelangt. Im ersten gemeinsamen Griechenland-Urlaub beginnt die heile Fassade jedoch mehr und mehr zu bröckeln, nachdem sich die Wege der beiden Turteltauben mit dem der mysteriösen jungen Hellseherin Sofia kreuzen. Etwas steht zwischen Flo und Matty – und Sofia spürt das. Wird Flo den Mut finden, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen? Und auch Sofia trägt ein schmerzliches Geheimnis hinter ihrer coolen und teils abweisenden Fassade. Wird auch sie noch ihr Glück finden?

Was mich begeistert hat
Anika Landsteiner beweist in weiten Teilen ein fantastisches Gespür für Atmosphäre. Die Sprache ist angenehm flüssig, stellenweise geradezu zutiefst poetisch. Das Setting der Insel ist so bildhaft und greifbar beschrieben, dass man die „Urlaubsvibes“ und die salzige Luft förmlich riechen kann. Besonders hervorzuheben ist die Figur der Sofia: Sie verlieh der Geschichte eine mystische Tiefe, die mich fasziniert hat und einen schönen Kontrast zum restlichen Geschehen bildete.

Kritikpunkte
Leider gab es einige Aspekte, die den Lesegenuss für mich getrübt haben:

• Das Sprach-Dilemma: Die Dialoge waren oft ein verwirrender Mix aus Deutsch und Englisch. Dass Gespräche, die eigentlich auf Englisch stattfinden, auch so abgedruckt werden, ist Geschmackssache – hier wirkte das „Denglisch“ jedoch oft irritierend und schwer klar greifbar.

• Störende Elemente: Die eingebetteten WhatsApp- und sonstigen Chats haben für mich weniger Mehrwert geboten als vielmehr den Lesefluss gestört.

• Fehlende Tiefe und Vorwissen: Die Geschichte versprach ein großes, schwerwiegendes Geheimnis, doch die Auflösung blieb für mich hinter den Erwartungen zurück. Ich fand leider keinen echten Zugang zu den Charakteren; sie blieben für mich seltsam oberflächlich. Zudem hat die Autorin viel gewagt: Wer keine Kenntnisse in griechischer Mythologie, Astrologie oder Tarot besitzt, verpasst etliche kluge Querverweise. Das macht das Buch für Kenner sicher zu einem Fest, lässt „Laien“ aber ein wenig im Dunkeln stehen.

Fazit
Ich hatte mir ein Buch erhofft, das mich emotional mitreißt. Trotz der wunderschönen Kulisse und der poetischen Sprache blieb die Geschichte für mich leider etwas fahl. Die Vielzahl an Themen und die Distanz zu den Charakteren haben mir den Zugang bis zum Ende erschwert. Ein atmosphärischer Roman, der mich letztlich aber eher enttäuscht zurücklässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere