Erschreckend Reslistisch
EDEN - Wenn das Sterben beginntIch bin zwiegespalten, wie ich das Buch bewerten soll. Thematisch sind es 5/5 Sternen, allerdings bin ich bis zum Schluss mit dem Schreibstil nicht warm geworden. Durch die zum Großteil sehr kurzen Kapitel ...
Ich bin zwiegespalten, wie ich das Buch bewerten soll. Thematisch sind es 5/5 Sternen, allerdings bin ich bis zum Schluss mit dem Schreibstil nicht warm geworden. Durch die zum Großteil sehr kurzen Kapitel (meist nur 1-2 Seiten) kommt man beim Lesen schnell weiter und die über 700 Seiten fühlen sich weniger an (umwelttechnisch sicher auch eine interessante Frage, wie viel Papier man hätte sparen können, wenn nicht so viele Seiten mit nur 3-4 Zeilen „gefüllt“ wären).
Die Erde steuert auf eine Katastrophe zu – viele verschiedene ökologische Krisen summieren sich und sich kaum noch zu stoppen. Wir erfahren die Geschichte aus zahlreichen Perspektiven: Polotiker:innen, Investor:innen, Bäuer:innen, Biolog:innen, Journalist:innen, und mittendrin ein schwedischer Influencer, der sich vom sorglosen Surferboy zum „Ökoterroristen“ mausert.
Die KI „Vysyon“ trifft zwar sehr genaue Vorhersagen und warnt vor den herannahenden Krisen, viele Protagonist:innen wollen das aber nicht so recht wahrhaben
Es fiel mir etwas schwer, alles zu behalten, weil es SO viele Schauplätze und Protagonist:innen gibt. Ich weiß nicht, ob ich ein Buch in der Art, mit so vielen verschiedenen Perspektiven schon mal gelesen habe, zum einen entsteht auf diese Weise ein richtiger Sog, weil man immer wissen möchte, wie es weitergeht, zum anderen bleiben die Menschen selbst recht blass, weil sehr "beschreibend" erzählt wird. Mir fehlte etwas die Innensicht der Menschen; welche Gefühle und Sorgen haben sie? Was geht ihnen durch den Kopf? Mir fiel es schwer, eine Bindung zu den Protagonist:innen aufzubauen.
Die Story selbst ist sehr interessant (und auch erschreckend), denn so ein Szenario könnte durchaus jederzeit passieren. Eine Umweltkatastrophe bahnt sich an, manche haben den Ernst der Lage verstanden und wollen davor warnen, andere nehmen es (noch) nicht ernst und wieder andere wollen davon profitieren ...
Es ist richtig frustrierend, zu lesen, wie die Leute, die die Gefahren richtig erkannt haben, kaum gehört werden. Die meisten versuchen, die sich anbahnende Katastrophe herunterzuspielen oder sogar die Warnenden zu diskreditieren.
Insgesamt ist das Buch schon sehr spannend, wenn auch kein Thrill in dem Sinne entsteht, dass man mit konkreten Protagonist:innen mitfühlt, sondern eher aufgrund des durchgehend beklemmenden Gefühls beim Lesen – vor allem, weil alles so realistisch ist. Ich habe mir nie bewusst gemacht, wie diese ganzen Dinge zusammenhängen und wie "leicht" es ist, dass solche Krisen sich gegenseitig verstärken. Hier zu wenig Plankton wegen Überfischung, da zu viel Nitrat im Wasser, verunreinigte Böden ... zack brechen die ganze Wirtschaft und Energieversorgung zusammen.
Und wem soll man als "normale Bürger:innen" glauben? Es wird auf jeden Fall deutlich, wie wichtig es ist, wen man wählt und wo man sich informiert.
Ich kann mir (leider) immer besser vorstellen, dass wir tatsächlich auf so eine Katastrophe zusteuern ... zu viele Menschen versuchen, sich mit "wird schon nicht so schlimm werden" selbst zu beruhigen (oder keine Wählerstimmen zu verlieren), während für die breite Bevölkerung ja kaum ersichtlich ist, welche Erkenntnisse wirklich glaubwürdig sind.
Generell fand ich alle Szenen, in denen Tiere sterben, schlimm. Diese ganze Massentierhaltung, egal ob Land- oder Wassertiere, ekelt mich einfach an. Was das angeht, hoffe ich andererseits fast, dass es mal soweit kommt und die Menschen kapieren, wie scheiße es ist, Tiere für den eigenen Konsum derart auszubeuten!