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Lin8208

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.04.2026

Wie geht es dir wirklich?

Alle glücklich
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Der Schreibstil ist insgesamt sachlich, zugleich klar und flüssig gehalten. Bereits zu Beginn entsteht eine gewisse Spannung, die sich durch das gesamte Buch zieht.
Im Zentrum steht eine Familie, deren ...

Der Schreibstil ist insgesamt sachlich, zugleich klar und flüssig gehalten. Bereits zu Beginn entsteht eine gewisse Spannung, die sich durch das gesamte Buch zieht.
Im Zentrum steht eine Familie, deren Leben nach außen hin unauffällig und harmonisch wirkt. Es zeigt ein scheinbar ganz normales Familienleben.
Die Handlung ist in Kapitel gegliedert, die abwechselnd die jeweiligem Perspektiven von Mutter, Vater, Tochter und Sohn einnehmen. Erzählt wird dabei in einer personalen Er-/Sie-Perspektive, wodurch Einblicke in die jeweiligen Gedankenwelten entstehen, jedoch ohne wirklich tief in die Figuren einzudringen.
Gerade dieses nach außen hin glückliche Familienleben wird dabei hinterfragt. Die Figuren beginnen - bewusst oder unbewusst - aus dem Bild der „Vorzeigefamilie“ auszubrechen. Dennoch bleibt vieles an der Oberfläche. Wirkliche Nähe oder intensives Verständnis füreinander entsteht kaum. Interaktion ergibt sich meist nur aus dem monotonen, sich ständig wiederholenden Alltag.
Dabei heben sind insbesondere der Wunsch nach (erfahrbarer) Liebe, Selbstbestimmung, Akzeptanz hervor - sei es im Freundeskreis oder in Beziehungen. Gleichzeitig zeigen sich allerlei Ausflüchte.
Die Familie lebt nebeneinander her, gefangen in Routinen, ohne echte Kommunikation. Gespräche bleiben oberflächlich, vieles wird verdrängt oder mit sich selbst ausgemacht.
Gegen Ende verdichten sich die zuvor unterschwelligen Konflikte, bis sie schließlich geballt aufbrechen. Die angestaute Spannung entlädt sich, und die Probleme holen alle ein. Trotz dieser Zuspitzung bleibt das Ende offen, wirkt jedoch auf eine gewisse Weise dennoch stimmig und zufriedenstellend.
Im Gesamten beleuchtet Kira Mohn den Lauf der Zeit innerhalb einer Familie, wie sie jeder kennen könnte, und zeichnet dabei ein zurückhaltendes, nüchternes Bild von Entwicklung und Distanz im familiären Zusammenleben.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Absolut überzeugt!

Ein Ort, der bleibt
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Als ich das Buch ausgewählt habe, war mir zunächst nicht bewusst, dass ein Großteil der Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht. Umso faszinierender war es für mich zu sehen, wie die Autorin drei Erzählstränge ...

Als ich das Buch ausgewählt habe, war mir zunächst nicht bewusst, dass ein Großteil der Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht. Umso faszinierender war es für mich zu sehen, wie die Autorin drei Erzählstränge zu einer stimmigen Geschichte miteinander verwebt. Welche intensive Recherche dahintersteckt, wurde mir allerdings erst im Verlauf der Geschichte richtig klar.
Zu Beginn fiel es mir ehrlicherweise schwer, in das Buch hineinzufinden, da ich gedanklich nicht ganz bei der Sache war. Die Geschichte verlangte aufgrund der Komplexität der Thematik viel Konzentration. Mit einem „vollen Kopf“, wie Mehpare es so treffend formuliert, fehlte mir jedoch zunächst die nötige Aufnahmefähigkeit. Interessant war das Thema jedoch von Anfang an.
Dennoch gelingt es der Autorin von Beginn an, durch ihren klaren und passenden Schreibstil Struktur in die Geschichte zu bringen. Die wechselnden Perspektiven - überwiegend aus der Er-/Sie-Perspektive erzählt, mit Imke als Ausnahme in der Ich-Perspektive - sowie die präzisen Orts- und Zeitangaben zu Beginn der Kapitel helfen dabei, den Überblick zu behalten.
Auch aus historischer Sicht ist das Buch äußerst eindrucksvoll. Die Schilderungen des NS-Regimes in Deutschland, der Judenverfolgung und der damit verbundenen Übersiedelumg in die Türkei werden ebenso beleuchtet wie gesellschaftliche Entwicklungen innerhalb der Türkei selbst. Besonders das Leben in Istanbul wird anschaulich dargestellt, sodass ein lebendiges Bild der Stadt und ihrer damaligen umd heutigen Umstände entsteht.
Die Figuren, eingebettet in einen deutsch-türkischen Kontext, waren für mich von Anfang an spannend und gewannen im Verlauf der Geschichte immer mehr an Tiefe. Über mehrere Generationen hinweg entfaltet sich ein vielschichtiges Bild, das schließlich in der Gegenwart durch die Figur Imke ergänzt wird. Diese ist im Gegensatz zu den Heilbronns oder Mehpare als fiktiver Charakter auf, eröffnet eine zusätzliche Perspektive und verleiht der Erzählung eine persönliche, reflektierende Ebene. Dass ihre eigene Geschichte am Ende offen bleibt, empfand ich dabei nicht als störend, sondern eher als zum Verlauf passend.
Man merkt schon, dass es Unmengen an Worte braucht, um dieses Buch in richtiger Weise rezensieren zu können. Deshalb nur noch ein paar wenige Punkte zum Schluss: Der Botanische Garten fungiert gewissermaßen als Dreh- und Angelpunkt der Handlung, wobei die Geschichten der Menschen für mich noch stärker im Mittelpunkt stehen.
Abgesehen von den wechselnden Perspektiven über die Jahrzehnte hinweg, überzeugt auch der Aufbau des Buches. Dieses ist in neun übergeordnete Kapitel gegliedert, die die Entwicklungsphasen einer Pflanze vom Samen bis zur Ernte widerspiegeln und symbolisch mit den Lebenswegen der Figuren verknüpft sind.

Dieses Buch birgt keine leichte Geschichte für zwischendurch. Dafür regt es zum Nachdenken an, weckt neues Interesse und vermittelt wichtige Botschaften, die in der heutigen Zeit schnell in den Hintergrund geraten können.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Coming of age

Little Hollywood
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Der Schreibstil gefällt mir sehr gut. Er wirkt durch bildhafte Vergleiche, Ellipsen sowie Parataxen, die sich unter die Hypotaxen mischen, sehr natürlich und zeichnet sich durch eine umgangssprachliche ...


Der Schreibstil gefällt mir sehr gut. Er wirkt durch bildhafte Vergleiche, Ellipsen sowie Parataxen, die sich unter die Hypotaxen mischen, sehr natürlich und zeichnet sich durch eine umgangssprachliche Wortwahl aus. So entspricht die Geschichte literarisch genau meinem Geschmack.
Auch die Charaktere sind vielschichtig dargestellt. So bleiben sie keine flächigen Personen, sondern greifbare Menschen mit Gefühlen, Erfahrungen und Wünschen. Hierbei muss man jedoch anmerken, dass Nebencharaktere doch eher durchscheinbar sind und man tiefergehend weniger erfährt.
Die Charaktere trifft man in einer Kleinstadt in den 90ern an, was seinen nostalgischen Beitrag hat. Insbesondere die Videothek, das Little Hollywood, ruft dies in mir hervor, die der Schlüsselort der ganzen Geschichte ist. Alles dreht sich in irgendeiner Weise immer wieder um diesen Ort und dessen Bedeutung in Leos, aber auch in Jos Leben. So sind Kapitel auch passend mit Filmzitaten versehen. Die Videothek ist ein schöner Mittelpunkt und deren Name demnach auch ein gut gewählter Titel des Buches. 
Die Thematik selbst war für mich zuerst nicht ganz greifbar, auch wenn man direkt wusste,an welcher Stelle des Lebens dieses Buch ansetzt. Man ist schnell in der Geschichte versunken. Der rote Faden war klar, ohne ein richtiges Ziel zu erkennen. Und doch war mir lang nicht ganz bewusst, wo die Autorin hinmöchte. Und auch nach Beenden des Buches kann ich es nicht ganz fassen. Und doch weiß ich jetzt sicher, dass nichts dem Zufall überlassen wurde und ganz viel zwischen den Zeilen passiert ist, das jeder für sich selbst suchen und finden muss. Im Großen und Ganzen beginnt und endet alles bei Leo selbst, die ihren eigenen Weg nach dem Abi sucht, inklusiver aller Umstände, die diesen Prozess beeinflussen. In gewisser Weise geht es wohl also um Selbstfindung.

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Veröffentlicht am 04.04.2026

Ein erster Schritt!

Nimm den Zwängen die Macht
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Ich bin hin- und hergerissen. Zu Beginn werden Theorien aufgestellt, wieso man als Leser das Buch in die Hand genommen hat. Vermute ich bei mir selbst eine Zwangsstörung? Oder zeigt sich reines Interesse? ...

Ich bin hin- und hergerissen. Zu Beginn werden Theorien aufgestellt, wieso man als Leser das Buch in die Hand genommen hat. Vermute ich bei mir selbst eine Zwangsstörung? Oder zeigt sich reines Interesse? Das Buch ist vor allem auf ersteres ausgelegt. Es soll also als Ratgeber dienen. So wird man als Leser direkt angesprochen und auch kleine Übersichtsseiten helfen, um mit sich selbst arbeiten zu können und Gedanken zu verschiedenen Themen/Problematiken/Herangehensweisen etc. notieren zu können.
Ich habe dieses Buch jedoch nicht aufgrund genannter Befürchtungen gewählt, sondern wegen Berührungspunkten in meinem Bekanntenkreis. Ich wollte verstehen, meinen Blickwinkel erweitern und Wissen erlangen, wie ich mit einer solchen Störung bei anderen richtig umgehe.
Nun ist dieses Buch in erster Linie ein Hilfsbuch. Wenngleich natürlich auch allgemeine Informationen herangetragen werden, ist dieses Buch nicht ganz das, nach dem ich gesucht habe. Jedoch stechen die vielen, insbesondere breit gefächerten Beispiele schön hervor und gestalten das Erzählte und Erklärte anschaulich. Dazu tragen auch Schaubilder, Zusammenfassungen und eingeschobene Passagen, die Wissenwertes kurz anmerken, bei. Die Schaubilder tauchen dabei leider mitten im Kapitel auf, meist mitten im Text eines Abschnittes. Dies stört etwas meinen Lesefluss und würde mir persönlich jeweils am Ende eines Kapitels oder eines thematischen Absatzes besser passen.
Zudem fehlt mir an der ein oder anderen Stelle etwas die Tiefe. Mehrfache Wiederholungen derselben Szenarien wirken schließlich etwas oberflächlich, obwohl dem ja nicht so ist. Da ich selbst nicht in einer Situation stecke, einen solchen Ratgeber zu benötigen, kann ich schlecht einschätzen, ob mir die Tipps, Anwendungen und Erklärungen in einer solchen Situation helfen würden oder nicht. Aber inhaltlich erscheint es mir plausibel, und mag auch ein guter Anfang sein, um sich mit dem Thema erstmals persönlich auseinanderzusetzen, zumal das Thema vor allem durch den Aufbau und Schreibstil des Buches sehr greifbar ist. Besonders das Ende des Buches hat die Thematik für mich schön abgerundet. Hier wird darauf eingegangen, wie man sein Leben achtsamer gestaltet, insb. wenn der Zwang erstmals überwunden wurde und man wieder ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Dabei werden Methoden gezeigt, die vermutlich jeder Mensch, auch ganz ohne Zwangsgedanken, gerne anwenden kann und sich auf viele Lebensbereiche übertragen lassen. 

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Weg mit der To-Do-Liste!

Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pasta und Limoncello
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Das Buch habe ich aufgrund der Parallelen zwischen der Protagonistin und mir selbst gewählt. Und während des Lesens haben sich da definitiv mehr als nur ein paar Ähnlichkeiten gezeigt. Durch das Thema ...

Das Buch habe ich aufgrund der Parallelen zwischen der Protagonistin und mir selbst gewählt. Und während des Lesens haben sich da definitiv mehr als nur ein paar Ähnlichkeiten gezeigt. Durch das Thema des Buches treten die Charaktere sehr durchdacht auf. Besonders Protagonistin Lena zeigt sich äußerst vielschichtig und tiefgreifend.

Schon der Klappentext besagt, dass sich die Geschichte an jeden richte, die zu viel geben und sich selbst wiederfinden wollen. Diese Problematik des Überarbeitens, des Prefektionismus, der tausend To-Do-Listen etc. zeigt sich in der Protagonistin, die sich in einer malerischen Kleinstaft in Italien wiederfinden zu versucht. Zuerst strandet sie dort widerwillig (ihre Pläne werden schließlich durchkreuzt), und doch gibt ihr genau dieses 'Missgeschick' die Chance, sich mit sich selbst zu beschäftigen und zu erkennen, dass sie sich eigentlich etwas anderes für ihr Leben wünscht als den ständigen Druck, funktionieren und leisten zu müssen.

Der Aufbau des Buches gefällt mir in der Hinsicht sehr gut. Ich war vorbereitet auf einen fortlaufenden Roman mit dem Thema, sich selbst wiederzufinden. Jedoch beginnen Kapitel zusätzlich mit wunderschönen Gemälden und werden mit Affirmationen beendet. Ersteres setzt zusätzlich den italienischen Flair frei, während die Affirmationen die Hauptbotschaften der Kapitel zusammenfassen. Dies finde ich eine schöne Möglichkeit, um mit sich selbst und seinem positiven Mindset arbeiten zu können. Wobei für mich persönlich vor allem die Geschichte selbst sehr viel ausgemacht hat und bewirken konnte. Dadurch, dass ich mich selbst in der Geschichte und Lena schnell wiederfinden konnte, hat dies einige Gedankengänge angeregt. Dazu trägt auch der Schreibstil bei. Dieser ist sehr angenehm und beteiligt sich zudem am flüssigen Lesefluss. Schön ist vor allem auch, dass die Geschichte nicht einfach nur erzählt wird, sondern dass ganz viele Gedankengänge Lenas niedergeschrieben wurden. Auch der "innere Kritiker" kommt hier für Lena häufig zu Wort, und äußert an passender Stelle Zweifel.

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