Platzhalter für Profilbild

LindaRabbit

Lesejury Star
offline

LindaRabbit ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit LindaRabbit über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.04.2023

Imposibil

Tod in Siebenbürgen
0

Im Prolog, mit dunkler Ahnung, wartet eine Frau unterhalb von Draculas Schloss auf ihren Liebsten...und ein ebenso dunkles Wesen kriecht aus einem Fenster vom Schloss...

Ein Brief kommt an, just in dem ...

Im Prolog, mit dunkler Ahnung, wartet eine Frau unterhalb von Draculas Schloss auf ihren Liebsten...und ein ebenso dunkles Wesen kriecht aus einem Fenster vom Schloss...

Ein Brief kommt an, just in dem Moment, als Paul Schwartzmüller (freier Journalist und Autor) das Jobangebot seines Lebens erhält – er soll fest angestellter Redakteur werden. Und nun dieses Einschreiben mit einer rumänischen Briefmarke. Darauf abgebildet die Lügenbrücke von Sibiu, (Hermannstadt).
Paul erbt unerwarteter Weise den Hof seiner Tante Zinzi und macht sich sofort auf den Weg nach Siebenbürgen. Er war früher oft da, in Hermannstadt, im Dorf seiner Tante. Als Heranwachsender. Doch seit Jahrzehnten war er nicht mehr in seiner Heimat. Denn Paul und sein Vater sind aus Rumänien geflüchtet und sein Vater hatte immer behauptet, Tante Zinzi sei tot.
Außer seinem früheren besten Freund Sorin erscheinen Paul alle anderen vor Ort recht unfreundlich und nicht willkommend heißend. Auch für Paul ist die Reise – in seine Vergangenheit – nicht einfach.

Sorin arbeitet auf Schloss Bran als Touristenführer. Paul begleitet ihn. Das angebliche Draculaschloss Bran ist mit schaurigen Dingen ausgestattet. Und Sorin macht Witzchen dazu... Nach einer durchzechten Nacht mit Sorin wird Paul morgens von der seltsamen Maia geweckt. Im Schloss starb ein Mann, grausam... Und Sorin verhaftet die Polizei als Verdächtigen. Jetzt beginnt der Krimi! Doch gleichzeitig passieren mysteriöse Dinge... ein Schatten, das Mädchen, Maia... Paul ist etwas komisch, dafür sind andere umso sympathischer, z.B. Maia. Und nicht vergessen, das Land hat einer der schlimmsten Diktatoren erlebt...

Als Paul auf die Frage „was wollen Sie denn in Rumänien“ antwortet - ich stamme von dort, ich bin ein Siebenbürger Sachse. Es ist so herzzerreißend wie Menschen ihre Herkunft verleugnen mussten. Und es ist so schön mitzubekommen wie Paul wieder seine Heimat entdeckt, etwas, was ihm doch fehlte.

Das Titelbild: Schloss Bran (was als Draculas Schloss bezeichnet wird) mysteriös umschwabbelt von Nebelschlieren. Ein sehr schönes, landschaftliches Bild - aufregend. Aber eben typisch für Krimis...
Das Buch ist informativ, zur Region, zum Schloss, zur Legende von Graf Dracula, zum Land Rumänien, zur fiktiven Lebensgeschichte von Paul und vor allem macht es Appetit auf die kulinarischen Genüsse, es liest sich gut und weckt Neugierde auf Rumänien.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2023

Das Dorf Koppelried und seine Affären...

Salzburger Männerherzen
0

Anfänglich ein Verkehrsunfall, wenn auch ein ungewöhnlicher, und ein Einbruch, weiter passiert vorerst nichts. Ein 'cosy crime'... Doch dann legt die Geschichte an Tempo zu: Raphi, der Ich – Erzähler dieser ...

Anfänglich ein Verkehrsunfall, wenn auch ein ungewöhnlicher, und ein Einbruch, weiter passiert vorerst nichts. Ein 'cosy crime'... Doch dann legt die Geschichte an Tempo zu: Raphi, der Ich – Erzähler dieser Geschichte, stellt sich vor, sein Leben, seine nicht gerade einfach zu durchblickenden Familienverhältnisse... Und dann die 'crime' Situation:

Ein Lackaffe (der auch zu einer ominösen neuen 'Volks'partei gehört und mit Geld nur so um sich wirft), der Lanner, der schwimmt mit einem Loch im Herzen in seinem Pool. Und wenn findet man im Bett bei ihm? Einen der Polizisten, völlig bedeppert, und natürlich die obersexy Claire, aka Klara, die Tochter des Bürgermeisters. Der ist auch deppert und vor allem geizig. Jetzt überstürzen sich die Vorfälle...

Das Volksfest mit der feschen Prügelei - so richtig aus dem Leben gegriffen. So sin sie halt, die Bueben, wenn der Bierpegel ein wenig steigt... doch die Polizei beendet die Prügelei ganz einfach – mit ein wenig Pfefferspray...Und weil ein Polizist involviert ist (ist er der Mörder?), muss natürlich auch das LKA mitmischen. Frau Breitarsch, äh, Entschuldigung, Gscheitmeier, die sich nicht unbedingt zu benehmen weiß, nebst weiteren eigentümlichen Typen...Ich hoffe, die österreichische Polizei fühlt sich nicht auf den Schlips getreten...(ist ja nur ein Roman, lebende Vorbilder sind ausgeschlossen...).

Sprachlich mag ich den Text einfach, weil ich so gerne Dialekt lese – ist ja nicht durchgängig, aber an den wichtigen Stellen und damit wird witzig Lokalkolorit verbreitet (ich verstehe die Begriffe gut, wer Probleme damit hat - hinten im Buch gibt es ein Glossar dazu). Und die ein wenig dappigen Polizisten schmälern nicht das Lokalkolorit, sondern im Gegenteil. Auch wenn es wegen der vielen Protagonisten ein wenig schwierig ist den Überblick zu behalten – sind so viele –, aber die flotte Schreibe macht das wieder wett. Und dazu kommt die freche Beschreibung der Dorfbewohner (mit dem haarigen Bauch, fehlenden Hirschknöpfen... etc.) Ich kann es mir leibhaftig vorstellen und habe auch so ein paar Exemplare im Kopf bzw. zu oft vor meinen inneren Augen... Dazu kommen noch solche Typen wie der Faltenbügler.

Der Plot ist unglaublich und ungewöhnlich, und das genau mag ich – eine neue Idee, eine neue Heransgehensweise...Zudem habe ich etwas Neues gelernt (also mit 'Gullwings' kenne ich mich nicht aus, aber das Wichtigste – Salzburg heißt nicht nur die Stadt Salzburg, sondern das Land drumherum ebenfalls)... und es gibt kauzige, aber herzerfrischend nette Leute dort. Zumindest im fiktiven Koppelried.

Die Schreibe ist rotzfrech und so sollte es sein, sehr gute Unterhaltung (ein Glück von einer Frau geschrieben, sonst gäbe es wegen einigen Ausdrücken gleich einen kleinen Aufstand). Das Umschlagsbild zeigt die Burg in Salzburg, doch extrem abgesetzt gegen einen blutroten Himmel. Und der Titel 'Salzburger Männerherzen' bezieht sich wohl auch auf die ewig verschmusten und so ziemlich auf Sex programmierten Salzburger Männer... (ist das so? Na' dann wäre das ja ein guter touristischer Aufhänger... )

An die Autorin den dringenden Rat – Weiterschreiben!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.04.2023

kurzweiliger Jugendroman

Der Rabe ist 8
0

Ein Buch ganz anderer Art:

Zwei Jugendliche, Maja (Biene) und Klebe (Rabe), die sich eigentlich nicht viel zu sagen haben, aber dann doch zusammenfinden...Maja, die Klassenbeste, die eigentlich vom ganzen ...

Ein Buch ganz anderer Art:

Zwei Jugendliche, Maja (Biene) und Klebe (Rabe), die sich eigentlich nicht viel zu sagen haben, aber dann doch zusammenfinden...Maja, die Klassenbeste, die eigentlich vom ganzen System nichts hält. Sie ist voller unterdrückten Aggressionen (Milchflaschen!). Denn gelegentlich geht sie in Schulkeller und zerdeppert Milchflaschen an den Wänden.... Klebe, der sie nicht bewundert... und das zieht sie irgendwie an, weil sie die Nase voll hat immer diese liebe süße Biene Maja zu sein (wo sie doch Bienen hasst).

Sprache ist ziemlich rotzfrech gut! Sehr gut zu lesen, auch aufgrund der großen Schrifttype... Das Inhaltsverzeichnis passt zu der rotzfrechen Schreibe. Simplicity at its best!

Als 'Type' sind die beiden, Maja & Klebe, sehr eigen... Klebe könnte so der Rebell per se sein, er weiß es besser, doch die Zahlenfaszination deutet in Richtung Störung. Wird dieses seltsame Verhältnis zwischen Maja und Klebe zu etwas Positivem? Können sie sich gegenseitig stützen auf der Suche nach sich selbst? Es passieren zum Ende hin einige Dinge, unerklärlich auch...

Die Autorin versucht eine Sicht in Jugendliche von heute zu geben, die gebremst werden in ihrer Entwicklung (Von der Schule? Der Gesellschaft? Den Familien?) und etwas ausrasten... Woher kommen diese Gewaltgefühle? Sich nicht verstanden fühlen?

Da ich viel mit Jugendlichen zu tun habe – in Gruppen, und die Dynamik solcher Gruppen erlebe, denke ich (und das ist auch die Aussage des interessant geschriebenen Büchleins) – zum Einen sie machen lassen, ihre Grenzen ausloten lernen, zum Anderen Stütze bieten, aber ohne dass sie sich bevormundet fühlen... Also respektvoll miteinander umgehen, es ist möglich und wird auch gut angenommen!

Der Sprachstil der Autorin ist erfrischend, aber vermutlich würden das nicht viele so ausdrücken... Das Umschlagsbild macht auf jeden Fall neugierig und ist gut gewählt! Titel: Der Rabe ist 8; hat mich sehr angezogen... einfach weil ich so einen Titel noch nie in der Hand hatte. Die Autorin hat schon gut Preise für den Roman erhalten. Jetzt die überarbeitete Version.

Wer sich auf etwas ganz Anderes einlassen will – ist mit diesem Roman ganz gut bedient..


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2023

Smyrna (heute Izmir), historisch und poetisch

Tochter einer leuchtenden Stadt
0

Mit lyrisch zarter Sprache entführt Defne Suman nach Smyrna (dem heutigen türkischen Izmir): Als erstes wird von der Geburt von Edith gesprochen. Mit der Zeit treten Geheimnisse ans Tageslicht, schön verschleiert...Ein ...

Mit lyrisch zarter Sprache entführt Defne Suman nach Smyrna (dem heutigen türkischen Izmir): Als erstes wird von der Geburt von Edith gesprochen. Mit der Zeit treten Geheimnisse ans Tageslicht, schön verschleiert...Ein indisch - britischer Spion, getarnt als Juwelenhändler, doch hervorragend trainiert durch den britischen Geheimdienst, spielt eine gewichtige Rolle. Er kommt zur gleichen Zeit in Smyrna an wie Edith geboren wird... Schicksalsverknüpfung?

Ein Roman über die Geschichte der Stadt Smyrna: Zur Zeit als die griechisch – türkischen Kriege in ihrer gesamten Brutalität abliefen, Konflikte, die tatsächlich bis heute andauern (was ist der Mensch für ein wenig wandelbares Wesen?)

Detailliert werden Ereignisse beschrieben, manchmal fast schon ein wenig zu detailliert. Doch der Alltag in Smyrna wird lebhaft und so duftend beschrieben, dass ich glaube gewisse Düfte tatsächlich beim Lesen zu riechen.
Es ist eine historische Geschichte (Roman!) zu einer Epoche, die mir fremd ist, zu einer Gesellschaft, mit der ich wenig Kontakt hatte, aber der Roman macht neugierig auf diese ganz andere Welt (die heute so nur noch in gewissen Ansätzen existiert).

Das Umschlagsbild ist sehr schön und anziehend! Die dezenten Farben und Pastelltöne und die daraus gebastelte Frau wirken wie … Tausendundeine Nacht. Auf jeden Fall zieht dieses Bild magisch an. Ebenfalls besitzt auch der Klappentext dazu solch eine Sogwirkung und macht neugierig auf eine höchst interessante Geschichte zu einer unbekannten Historie. Über die Fakten des Türkisch-Griechischen Krieges und Sieges der Türken sowie der Konsequenzen hatte ich noch nie gelesen. Somit ist das Buch Aufklärung wie auch poetische Dichtung und Unterhaltung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2023

Krimi & Kunst

Der Bojenmann
0

Ein Serienmörder macht Hamburg unsicher... Kommissar Thies Knudsen, LKA, und sein Team haben es mit einem einfallsreichen Serienmörder zu tun, der hölzerne Skulpturen durch plastinierte, kunstvoll positionierte ...

Ein Serienmörder macht Hamburg unsicher... Kommissar Thies Knudsen, LKA, und sein Team haben es mit einem einfallsreichen Serienmörder zu tun, der hölzerne Skulpturen durch plastinierte, kunstvoll positionierte Leichen ersetzt. Knudsen sucht (und findet) Rat bei seinem Freund Oke 'La Lotse' Andersen, ein ehemaliger Kapitän und weil er pensioniert ist - Zeit hat, belesen ist und zudem scharfsinnig. Der Lotse a.D., der den Hamburger Hafen einmalig gut kennt und ein großartiges Gedächnis besitzt, kann seinem Freund Thies helfen, um ihn auf die richtige Spur zu bringen.

In den Hauptrollen spielen interessante Charaktere. Benehmen sich wie im realen Leben, zweifelnd und verzweifelt, ob ihr Job das Richtige ist; ob ihr Lebensweg in die richtige Richtung geht, beruflich wie privat. Die Handlung hört sich nach einer sehr brutalen Angelegenheit an – vermutlich am Meisten für diejenigen, die sich das ansehen müssen. Allein diese Idee mit der Plastinierung – ich könnte mir diese Plastinierungen nie anschauen.

Umschlagsbild – dieses Mal wieder klassisch, ein Landschaftsbild, aber passend eben Wasser, die Elbe, ein Steg, ein Rettungsring.

Schreibstil – ziemlich realistisch, Kino im Kopf läuft gleich los und die Bilder wirbeln durcheinander, auch ironisch, gelegentlich philosophisch und trotzdem locker zu lesen.

Resumee:
Sehr gut lesbarer Text, interessant und nachvollziehbar geschrieben. Auch mit gutem Wissen über die Abläufe an der Elbe...und das Allerwichtigste - die Bojenmänner gibt es tatsächlich (das habe ich davon nicht mehr in HH zu leben... bekomme nichts mehr mit...beim nächsten Hamburg - Besuch sind sie dran, aufsuchen!)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere