College-Liebe mit Humor und Herz, aber wenig Tiefe
Night ShiftKendall hat wenig Interesse an Studentenpartys. Ihren Freitagabend verbringt sie lieber mit einem spannenden Liebesroman, während sie den Nachtdienst in der Universitätsbibliothek übernimmt. Doch plötzlich ...
Kendall hat wenig Interesse an Studentenpartys. Ihren Freitagabend verbringt sie lieber mit einem spannenden Liebesroman, während sie den Nachtdienst in der Universitätsbibliothek übernimmt. Doch plötzlich taucht Vincent Knight auf – Kapitän der Basketballmannschaft, wandelnder Herzschmerzmagnet, mit verletztem Handgelenk, schlechter Laune und einer dringenden Frage zu Poesie. Kendalls geordnete Welt gerät daraufhin völlig aus den Fugen. Groß, charmant und schlagfertig – Vincent scheint perfekt, um zum Helden in Kendalls ganz persönlicher Liebesgeschichte zu werden. Doch wie sich zeigt, führt der Weg zum Happy End im echten Leben über mehr als nur Klischees und Tropes.
Beim Lesen des Buches hatte ich zunächst andere Erwartungen als das, was mir letztendlich geboten wurde. Der Einstieg ist sehr intensiv und macht neugierig, doch im weiteren Verlauf fehlt es der Geschichte leider an Tiefe.
Die beiden Hauptcharaktere sind grundsätzlich sehr sympathisch. Kendall ist total bücherverliebt und lebt ihr Leben, als wäre sie selbst die Protagonistin eines Romans. Dadurch legt sie jedoch oft sehr unrealistische Erwartungen an den Tag und trifft stellenweise fragwürdige Entscheidungen. Obwohl sie als introvertiert beschrieben wird, ist sie sehr schlagfertig und alles andere als schüchtern.
Vincent wird zu Beginn als arroganter Basketball-Star des Colleges dargestellt, was sich meiner Meinung nach jedoch kaum bestätigt. Stattdessen wirkt er von Anfang an sehr freundlich und liebevoll – fast schon zu nett für den beliebten College-Typen, der von allen angehimmelt wird. Warum er sich ausgerechnet für Kendall interessiert, wird leider nicht näher erklärt. Da die Geschichte ausschließlich aus Kendalls Perspektive erzählt wird, lernt man Vincent insgesamt nur sehr oberflächlich kennen.
Die Dialoge zwischen den beiden sind größtenteils witzig, schlagfertig und humorvoll, auch wenn manche Wortwechsel in bestimmten Situationen etwas unpassend wirken. Was mir jedoch gefehlt hat, sind tiefere Gespräche und gemeinsame Momente, in denen sich die beiden wirklich kennenlernen. Vieles wird stark auf das Körperliche reduziert, wodurch die Beziehung für mich wenig Tiefe entwickelt. Zwar sind die Dialoge oft warmherzig, echte emotionale Nähe kommt jedoch kaum auf.
Ein weiterer Punkt ist das Verhalten der Charaktere: Obwohl Kendall und Vincent als College-Studenten dargestellt werden, wirken sie in vielen Situationen eher wie jüngere Teenager, was für mich nicht ganz stimmig wirkte. Die „spicy“-Szenen nehmen zudem sehr viel Raum ein, sind extrem detailliert beschrieben und ziehen sich teilweise über mehrere Kapitel. Besonders zum Ende hin zogen sich diese Passagen für mein Empfinden so sehr, dass mein Lesevergnügen deutlich nachließ.
Abschließend lässt sich sagen: Trotz sympathischer Charaktere und unterhaltsamer Dialoge fehlt es der Handlung an Tiefe und emotionaler Entwicklung. Wer jedoch eine schnelle Romance mit viel „Spice“ und humorvollen Dialogen sucht, wird hier vermutlich auf seine Kosten kommen.