Eine kurze Meinung ohne Spoiler: Von Stil her schlecht geschrieben war es nicht, ältere Frauen als lesbisches Paar fand ich 'ne tolle Abwechslung, weil lese ich sehr selten, und angesichts der ganzen positiven Rückmeldungen ist es vielleicht eigentlich wirklich ein ganz gutes Buch, wer weiß, aber mein Persönliches Fazit ist: Mac, ich kann dich nicht leiden, aber du hast so viel besseres verdient, also bitte schaff dir ein Rückgrad und neue Freunde an, danke.
Und jetzt etwas ausführlicher mit eventuell doch ein paar Spoilern:
Dieses Hörbuch hatte zwar nur eine Länge von nicht einmal ganz 8 Stunden, was eindeutig eher kurz ist im Vergleich zu so einigen anderen Büchern, die ich schon gehört habe, ich muss aber dazu sagen, dass es sich wirklich viel länger angefühlt hat. Und das obwohl es sowohl gut gesprochen war, als auch nicht schlecht geschrieben, aber inhaltlich konnte mich die Geschichte leider so wenig abholen, dass ich wirklich kämpfen musste.
Im Klappentext/der Beschreibung wird von Schuldgefühlen und fehlendem Vertrauen gesprochen, weshalb ich irgendwie davon ausgegangen bin, dass wir einen Charakter kriegen, der versucht, alles von damals wieder gut zu machen, und einen, der was auch immer es war nicht vergessen kann, aber was wir stattdessen bekommen haben, sind nur Figuren, die sich fragen, warum etwas von vor 20 Jahren noch relevant ist, immerhin ist es so lange her ... dabei ist logisch, dass es noch relevant ist, wenn man so verraten wird!
Jamie geht kurz vor ihrer geplanten Hochzeit fremd, und kommt dann zwanzig Jahre später echt mit "wir waren so gut zusammen, kannst du nicht mal aufhören, mich aus Angst immer wegzustoßen?" um die Ecke, während Mac, die kurz vor ihrer Hochzeit einfach stehen gelassen wurde, wirklich fast ununterbrochen mit "für Jamie war es bestimmt auch schwer/Oh Gott, ich habe mich nie gefragt, wie schwer das wohl für Jamie gewesen sein muss/wenigstens Jamies Eltern hätten wirklich auf Jamies Seite sein sollen, nicht auf meiner, immerhin sind es Jamies Eltern" um die Ecke?! Bitte was? Ich dachte wirklich ich bin im falschen Film.
Es tut mir auch sehr leid, ich weiß, dass das Buch bei ganz vielen Leuten richtig gut ankommt, aber ich kam da einfach nicht drüber hinweg, dass Jamie zwar so tut als würde sie sich ständig entschuldigen, genau genommen macht sie's aber nie und 'ne wirkliche Begründung für ihre dumme Entscheidung damals gibt's auch nicht, Mac tut zwar so, als würde sie Jamie hinter sich lassen wollen, ist aber gleichzeitig überhaupt nicht in der Lage, auch nur eine Sekunde nicht übeer Jamie nachzudenken, und die "Freunde" sind die absolute katastrophe, weil selbst die Person, die Mac seit Jahren und Jamie seit zwei Wochen kennt, der Meinung ist, dass Mac jetzt wirklich langsam drüber weg sein sollte, Jamie ist jetzt ein anderer Mensch, und gib Jamie doch auch noch mal 'ne Chance ... und alle anderen Figuren natürlich sowieso, weil was sonst ... ?!
Ich hatte beim Lesen wirklich das Gefühl, dass Jamie und Mac eigentlich absolut nichts verbindet außer körperliche Anziehung und der Druck auf Mac von außen, Jamie noch mal 'ne Chance geben zu müssen. Mac war unentschlossen und ist ständig zwischen "ich will/ich will nicht" hin und her gesprungen, Jamie habe ich vom Verhalten her keinerlei Reue abgekauft, auch wenn sie immer mal drüber nachgedacht hat, und dafür, dass die beiden Protagonistinnen fast/schon über 50 sein sollten ... hätten 20 Jahre da nicht genug sein können, um nach so einem Verrat über Jamie hinwegkommen zu können? Leider habe ich keiner Figur ihre Gefühle so richtig abgekauft, und inhaltlich gab es mir zu wenig Verarbeitung dessen, was passiert ist, als dass ich es glaubwürdig gefunden hätte, wie sich die Geschichte entwickelt.
Mac hatte Momente, in denen ich voll bei ihr war, war gleichzeitig in anderen Momenten aber so unentschlossen, dass sie mir leider irgendwann auch auf die Nerven ging (was absolut nichts daran ändert, dass sie echt besseres verdient hätte, bitte such dir neue Freunde, meine Liebe), abgesehen davon war mir aber wirklich niemand je sympathisch, und ich fand auch niemanden gut genug geschrieben, als dass ich ihn als unsympathischen Charakter trotzdem gemocht hätte.
Der Fokus liegt in ganzen Buch gefühlt mehr auf der körperlichen Nähe, und ich bin mir sicher, die ist nicht schlecht geschrieben, aber sie ist leider so überwältigend oft vorhanden, dass sie komplett an Wirkung verliert. Ebenfalls war ich richtig begeistert von älteren Frauen als lesbisches Paar, weil liest man ja auch nicht oft, gleichzeitig hätte ich mir von denen aber eindeutig mehr Standfestigkeit gewünscht.