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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2025

Auf Spuren der Vergangenheit

Wir dachten, das Leben kommt noch
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Der Roman "Das Leben kommt noch" hat mich besonders angesprochen, weil mich Geschichten über Frauen im Widerstand besonders interessieren und ich es wichtig finde, dass ihre Schicksale erzählt werden. ...

Der Roman "Das Leben kommt noch" hat mich besonders angesprochen, weil mich Geschichten über Frauen im Widerstand besonders interessieren und ich es wichtig finde, dass ihre Schicksale erzählt werden. Das Buch berichtet von Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs als Agentinnen für Churchills Spezialeinheit (SOE) in Frankreich tätig waren. Diese historische Ebene wird mit einer Gegenwartshandlung verknüpft, in der die BBC-Reporterin Gwen den Auftrag erhält, über die mutigen Frauen zu recherchieren. Dabei stößt sie auf Spuren, die auch mit der Geschichte ihrer eigenen Großmutter verbunden sind.

Die Idee, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verknüpfen, fand ich grundsätzlich sehr spannend. Besonders die Rückblenden in die 1940er Jahre haben mir gut gefallen. Pats Erlebnisse als Agentin und ihre Erinnerungen an diese Zeit wirken authentisch und berührend. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie gefährlich und belastend diese Arbeit gewesen sein muss und wie schwer es den Frauen nach dem Krieg fiel, darüber zu sprechen. Etwas schwierig fand ich allerdings den Aufbau des Romans. Die Wechsel zwischen den Zeitebenen sind teilweise nicht klar erkennbar, wodurch ich gelegentlich den Überblick verloren habe. Auch die Verbindung zwischen den historischen und den journalistischen Teilen wirkt manchmal etwas holprig. Der Roman ist sehr gut recherchiert, aber durch die vielen sachlichen Passagen kommt die eigentliche Spannung und Nähe zu den Figuren ein wenig zu kurz.

Trotzdem hat mir gefallen, dass die Autorin auf das Thema aufmerksam macht und die Frauen würdigt, die im Widerstand gekämpft haben. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und vermittelt die Emotionen meist auf eine ruhige, unaufdringliche Weise. Insgesamt ist es für mich ein solides Buch, das interessante Einblicke gibt, aber erzählerisch nicht ganz überzeugt.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Zwischen Fakten und Anekdoten

Organisch
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Nachdem mir Giulia Enders "Darm mit Charme" ausgesprochen gut gefallen hatte, war meine Vorfreude auf ihr neues Buch entsprechend groß. Umso überraschter war ich, dass mich "Organisch" nicht in gleichem ...

Nachdem mir Giulia Enders "Darm mit Charme" ausgesprochen gut gefallen hatte, war meine Vorfreude auf ihr neues Buch entsprechend groß. Umso überraschter war ich, dass mich "Organisch" nicht in gleichem Maße überzeugen konnte. Vieles, was sie beschreibt, war mir bereits bekannt und die Leichtigkeit sowie der Humor, die ich im ersten Buch so geschätzt habe, fehlten mir hier deutlich.

Inhaltlich nimmt Enders ihre Leser:innen mit auf eine Reise durch den menschlichen Körper. Kapitelweise widmet sie sich einzelnen Organen und Themen wie der Lunge, dem Immunsystem, der Haut, den Muskeln und dem Gehirn. Den Auftakt bilden meist Anekdoten oder persönliche Geschichten aus ihrem familiären Umfeld, bevor sie auf die Funktionsweise und Besonderheiten der jeweiligen Organe eingeht. Ergänzt werden diese Abschnitte durch kleine Alltagstipps, die den Inhalt greifbarer machen.

Die persönlichen Einblicke der Autorin haben bei mir einen gemischten Eindruck hinterlassen. Einerseits lockern sie die vielen Fakten auf, andererseits reißen sie den roten Faden immer wieder auf. So wirken die Übergänge zwischen den privaten Geschichten und den sachlichen Erklärungen stellenweise wenig bis kaum stimmig.

Insgesamt ist "Organisch" ein informatives Buch, das sicher viele Leser:innen neugierig macht. Für mich persönlich konnte es aber nicht an die Frische und den Charme des Vorgängers anschließen.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Vielversprechender Klappentext, aber enttäuschende Umsetzung

Zeitbrand: Genesis
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Der Klappentext hat mich sofort neugierig gemacht. Die Vorstellung einer düsteren Fantasywelt mit Drachen und komplexen Machtstrukturen klang spannend und ich wollte unbedingt erfahren, wie der Autor diese ...

Der Klappentext hat mich sofort neugierig gemacht. Die Vorstellung einer düsteren Fantasywelt mit Drachen und komplexen Machtstrukturen klang spannend und ich wollte unbedingt erfahren, wie der Autor diese Ideen umsetzt. Leider hat mich die Umsetzung nicht überzeugen können.
Die Geschichte beginnt mit einem interessanten Prolog und führt ein Magiesystem sowie religiöse Strukturen ein, die zusammen mit der Idee, Lebensjahre als Währung einzusetzen, durchaus Potenzial bergen. Doch im weiteren Verlauf verliert sich die Handlung in einer Vielzahl von Perspektiven und Figuren, die mir überwiegend unsympathisch und schwer nachvollziehbar erschienen. Besonders problematisch empfand ich den hohen Grad an Brutalität. Folter, Missbrauch und Erniedrigung nehmen in vielen Szenen großen Raum ein und haben mich als Leserin nicht abgeholt. Gleichzeitig wirken manche Passagen überladen, während andere wichtige Aspekte kaum ausgearbeitet werden, was das Lesen mitunter mühsam machte.
Positiv hervorzuheben sind der insgesamt flüssige Schreibstil sowie das ansprechende Coverdesign. Doch die konsequent düstere Tonlage und die fehlende emotionale Bindung ließen mich letztlich enttäuscht zurück. Für Leser:innen, die kompromisslos düstere Fantasy mit verstörenden Elementen suchen, könnte es interessant sein für mich war es jedoch nichts.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Eine liebevolle Hommage an das Leben mit Büchern

Einfach Literatur
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Dieses Buch war für mich eine ganz besondere Lektüre und ich habe mich sehr über das Rezensionsexemplar gefreut. Nicht nur, weil es das erste und leider auch das letzte Buch von Klaus Willbrand ist, sondern ...

Dieses Buch war für mich eine ganz besondere Lektüre und ich habe mich sehr über das Rezensionsexemplar gefreut. Nicht nur, weil es das erste und leider auch das letzte Buch von Klaus Willbrand ist, sondern weil es so persönlich, liebevoll und authentisch geschrieben wurde. Man spürt auf jeder Seite, wie sehr Bücher sein Leben geprägt und begleitet haben.
Ich kannte Klaus Willbrand bereits durch seine Videos auf TikTok und war überrascht, wie viel Neues ich in seinem Buch noch entdecken konnte nicht nur inhaltlich, was seine Buchtipps angeht, sondern auch über sein bewegtes Leben. Die Verbindung aus biografischen Einblicken und literarischen Empfehlungen ist auf eine ganz besondere Weise gelungen. Manche Passagen haben mich tief berührt, weil sie so lebendig erzählt sind, dass man beim Lesen beinahe vergisst, dass der Mensch hinter diesen Zeilen schon nicht mehr lebt...
Besonders beeindruckt hat mich, wie er über seine Liebe zu Büchern spricht nie belehrend, nie abgehoben, sondern immer aus der Perspektive eines leidenschaftlichen Lesers, für den Literatur Teil des Alltags und des Lebens ist. Seine Empfehlungen wirken dadurch umso nahbarer und laden dazu ein, selbst neugierig zu werden vielleicht sogar alte Klassiker oder längst vergessene Werke wiederzuentdecken.
Für alle, die Bücher nicht nur lesen, sondern mit ihnen leben, ist dieses Buch eine klare Empfehlung. Es ist nicht nur ein liebevolles Porträt eines außergewöhnlichen Menschen, sondern auch eine stille, tief empfundene Hommage an die Literatur selbst.

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Viel gewollt, wenig verbunden

Reset
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"Reset" hat mich leider nicht überzeugt. Die Grundidee fand ich eigentlich spannend und der Einstieg lässt erahnen, dass hier ein komplexes, dystopisches Szenario aufgebaut werden soll. ABER genau da fängt ...

"Reset" hat mich leider nicht überzeugt. Die Grundidee fand ich eigentlich spannend und der Einstieg lässt erahnen, dass hier ein komplexes, dystopisches Szenario aufgebaut werden soll. ABER genau da fängt für mich das Problem auch schon an... es ist einfach zu viel auf einmal.
Die Kapitel sind kurz gehalten, was grundsätzlich Tempo bringen könnte, jedoch führt es hier aber eher dazu, dass ständig zwischen Schauplätzen und Figuren hin- und hergesprungen wird. Gerade am Anfang war das ziemlich verwirrend. Es werden viele Charaktere eingeführt, aber keiner bleibt wirklich greifbar. Ihre Geschichten werden nur angerissen und nicht zu Ende erzählt. Das war für mich als Leserin frustrierend, weil ich ständig das Gefühl hatte, auf etwas hingeführt zu werden, das dann nicht aufgelöst wurde. Auch wenn einige Figuren gut beschrieben sind, blieb mir keiner wirklich nahe. Sie wirkten auf mich eher wie Mittel zum Zweck und nicht wie echte Menschen. Teilweise fand ich auch die Entwicklungen oder Beschreibungen eher unrealistisch als hätte man die Handlung zu stark zugunsten der Dramatik oder Symbolik konstruiert. Im weiteren Verlauf wird die Struktur zwar etwas klarer, aber viele lose Enden bleiben offen. Das hinterlässt bei mir den Eindruck eines überladenen, nicht ganz zu Ende gedachten Romans.
Letztlich ist "Reset" sicher kein durch und durch schlechtes Buch. Man merkt, dass viel Konzept und eine klare Vision dahinterstehen. Aber die Umsetzung hat für mich einfach nicht funktioniert. Zu viele Figuren, zu viele Handlungsfäden, zu wenig Klarheit. Deshalb gibt’s von mir nur 2 von 5 Sternen.

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