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Veröffentlicht am 20.03.2025

Ein Klassiker der japanischen Literatur

Nicht länger ein Mensch. Roman. Das Kultbuch aus Japan
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Yōzō Ōba ist schon als Kind der Außenseiter in seiner Familie. Er kann die Welt um sich herum nicht recht begreifen und überspielt seine Ängste mit Clownereien, weshalb ihn niemand ernst nimmt. So wird ...

Yōzō Ōba ist schon als Kind der Außenseiter in seiner Familie. Er kann die Welt um sich herum nicht recht begreifen und überspielt seine Ängste mit Clownereien, weshalb ihn niemand ernst nimmt. So wird aus einem unsicheren Jungen ein ebenso unsicherer Mann, der zu viel Alkohol trinkt, Prostituierte aufsucht und nie Geld hat. Als er dann die Hostess Tsuneko kennenlernt, nimmt das Unglück seinen Lauf.

„Nicht länger ein Mensch“ von Osamu Dazai ist ein Klassiker der japanischen Literatur und wurde im Original 1948 als dreiteilige Serie veröffentlicht. Im Anaconda Verlag ist nun eine Neuübersetzung von Sabrina Wägerle in einer schönen gebundenen Ausgabe erschienen. Erzählt wird die Geschichte in insgesamt drei Notizbüchern, die der Protagonist Yōzō selbst verfasst hat. In einer kurzen selbstreflexiven Rahmenhandlung erfahren wir, wie der Schriftsteller über eine Bekannte an die Notizbücher und drei zugehörige Fotos gekommen ist und daraus einen Roman machen konnte.

In der Geschichte wird mehrmals die Ansicht vertreten, Yōzōs Vater sei der Grund, warum sein Sohn im Leben gescheitert sei. Und zugegeben: der Junge fürchtet seinen strengen Vater und fühlt sich zuhause nicht wohl. Doch auch, als er zum Studium wegzieht, kann er sich aus der Abhängigkeit von seinen Verwandten nicht befreien. Die Vorstellung, einer geregelten Arbeit nachzugehen, schreckt ihn ab und so ist er oft auf finanzielle Hilfe anderer angewiesen. Dem japanischen Arbeitsethos kann er nicht entsprechen.

Yōzō Ōba ist ein Paradebeispiel für die Frage, ob der Mensch ein Opfer seiner Umstände ist oder ob er sich von seinem Schicksal befreien kann. In gewissem Maß kann ich Mitleid mit ihm haben, auf der anderen Seite ist er aber auch ein Mensch, der andere mit in den Abgrund reißt, der Frauen ohne jeglichen Respekt behandelt und seine Partnerinnen im Stich lässt. An diesen Stellen liest sich der Text schwer, dabei muss aber wohl auch beachtet werden, dass er ein Produkt seiner Zeit und in Teilen autobiografisch ist. Da der Autor nach Erscheinen des letzten Teils Selbstmord beging, wird „Nicht länger ein Mensch“ als sein Abschiedsbrief verstanden.

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Veröffentlicht am 19.03.2025

Schöne Fortsetzung der Reihe

Wenn es Nacht wird in Frau Yeoms kleinem Laden
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Es ist mitten in der Corona-Pandemie und Frau Yeoms kleiner 24-Stunden-Laden in Seoul muss kämpft sich durch. Seit kurzem ist Oh Seon-suk die Geschäftsführerin und muss sich nicht nur mit dem Juniorchef ...

Es ist mitten in der Corona-Pandemie und Frau Yeoms kleiner 24-Stunden-Laden in Seoul muss kämpft sich durch. Seit kurzem ist Oh Seon-suk die Geschäftsführerin und muss sich nicht nur mit dem Juniorchef – Frau Yeoms Sohn Min-sik – herumschlagen, sondern auch noch einen Nachfolger für die Nachtschicht finden. Da stellt sich Hwang Geun-bae bei ihr vor: 43 Jahre alt und eine lange Liste an Gelegenheitsjobs – warum will er ausgerechnet in dieser Filiale arbeiten?

„Wenn es Nacht wird in Frau Yeoms kleinem Laden“ ist bereits der zweite Band rund um den kleinen Laden aus der Feder von Kim Ho-yeon, die deutsche Übersetzung stammt erneut von Jan Henrik Dirks. Die Geschehnisse setzen einige Zeit nach dem Weggangs Dok-gos ein, der im erstem Band eine große Rolle gespielt hat. Erzählt wird erneut aus der Perspektive unterschiedlichster Figuren, seien es Angestellte oder auch Kund*innen. Auf diese Art und Weise können auch Ereignisse geschildert werden, die sich nicht direkt im Laden abspielen und es entsteht ein kleiner eigener Kosmos.

Durch die vielen Charaktere können die verschiedensten Themen angesprochen werden. Vordergründig geht es vor allem um die Corona-Pandemie und wie sowohl kleine Betriebe als auch Privatpersonen unter den finanziellen und seelischen Folgen leiden. Ein großes Thema sind jedoch auch Generationenkonflikte: Frau Yeom und Frau Oh haben ein schwieriges Verhältnis zu ihren Söhnen. Während bei Frau Oh schon erste Schritte zu einer Verbesserung feststellbar sind, scheint zwischen Frau Yeom und Min-sik (und auch seiner Schwester) alles festgefahren.

Für mich persönlich war gerade das Kapitel aus Min-siks Perspektive das spannendste. Zuvor sehen wir ihn immer nur durch die Augen anderer Figuren, doch dann wird deutlich, wo seine Verletzungen und Unsicherheiten liegen. Dem Autor ist es, meiner Meinung nach, in diesem zweiten Band besser gelungen, die Charaktere, ihre Sorgen und Träume sowie ihre Beziehungen zueinander einzufangen. Zudem ist die Auflösung, was Hwang Geun-bae eigentlich in den Laden geführt hat, ein echter Schmunzler, der den Kreis zu Band 2 schließt.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Zu viel Haustierbericht, zu wenig Persönlichkeit

Die Magnolienkatzen
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Eines Tages findet Noriko im Garten des Hauses, in dem sie mit ihrer Mutter lebt, eine Katzenmutter mit insgesamt fünf Jungen. Zunächst sind beide nicht begeistert, da sie eigentlich keine Katzenfreundinnen ...

Eines Tages findet Noriko im Garten des Hauses, in dem sie mit ihrer Mutter lebt, eine Katzenmutter mit insgesamt fünf Jungen. Zunächst sind beide nicht begeistert, da sie eigentlich keine Katzenfreundinnen sind und bisher nur Hunde gehalten haben. Doch dann lassen sie sich erweichen und ziehen mit Hilfe von Familienmitgliedern und Freundinnen den Wurf liebevoll groß. Bald folgt jedoch schon die nächste Herausforderung: die Kleinen müssen in ein neues Zuhause vermittelt werden und Mutter und Tochter, denen sie wirklich an Herz gewachsen sind, fällt der Abschied sehr schwer.

„Die Magnolienkatzen“ ist ein – vermutlich – autobiografisch gefärbter Roman der Schriftstellerin Noriko Morishita; aus dem Japanischen übersetzte Charlotte Scheuer. Die Handlung wird aus der Sicht der Protagonistin in der Ich- und Vergangenheitsform erzählt. Wer jedoch Spannung oder große Ereignisse erwartet, sollte hier besser nicht zugreifen, denn das Buch liefert genau das, was der Klappentext verspricht: einen Text über den Alltag mit (jungen) Katzen. Noriko schildert alle Sorgen rund um Katzenklo, die richtige Fütterung und den Charakter der Tiere, was ich – ehrlich gesagt – etwas dröge fand.

Die eigentliche Motivation, die Katzen bei sich aufzunehmen, zog Noriko aus einer Erinnerung ihres verstorbenen Vaters. Dieser fand als Kind selbst einen Karton mit Straßenkätzchen, durfte diese aber nicht bei sich aufnehmen. Tage später fand er nur noch ihre Knochen – eine Tatsache, die in bis ins Erwachsenenalter begleitet hat. Auch die Protagonistin plagt nach Tod mehrerer Familienhunde die Angst vor dem Verlust. Wie soll sie es verkraften, wenn die Kätzchen bald wieder ihr Zuhause verlassen müssen?

Ich hätte mir gewünscht, dass Noriko mehr über sich selbst erzählt hätte und welchen Einfluss die Katzen auf ihr Leben hatten. Es wird zwar dargestellt, dass das gemeinsame Aufziehen des Wurfs das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter verbessert hat, es wird aber nicht wirklich gezeigt. Weniger Haustierbericht, dafür mehr Persönlichkeit und echte Emotion, das hätte „Die Magnolienkatzen“ für mich gebraucht. Schade!

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Veröffentlicht am 13.03.2025

Roman über Depressionen und vererbte Traumata

Kankos Reise
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Die 17-jährige Kanko leidet unter Depressionen. Sie würde am liebsten nicht mehr zur Schule gehen und dafür in ihrem Bett bleiben. Von ihrer Familie hat sie keine Unterstützung zu erwarten. Seit einem ...

Die 17-jährige Kanko leidet unter Depressionen. Sie würde am liebsten nicht mehr zur Schule gehen und dafür in ihrem Bett bleiben. Von ihrer Familie hat sie keine Unterstützung zu erwarten. Seit einem Schlaganfall ist ihre Mutter, eine Alkoholikerin, halbseitig gelähmt und eine völlig andere Person geworden. Mit dem Vater ist so lange gut auszukommen, bis ihn die Wut packt und er zuschlägt. Als seine Mutter im Sterben liegt, macht die Familie sich gemeinsam im Auto auf den Weg. Auf engem Raum spitzt sich die Situation immer weiter zu und droht zu eskalieren.

Mit ihrem Debütroman „Idol in Flammen“ gab die heute 25-jährige Rin Usami bereits einen tiefen Einblick in die Psyche einer jungen Frau. In „Kankos Reise“ ist ihr das, meiner Meinung nach, noch besser gelungen. Aus dem Japanischen übersetzte auch dieses Mal Luise Steggewentz. Die Handlung wird völlig aus der Sicht der Protagonistin Kanko erzählt, was das Geschehen umso eindringlicher wirken lässt. Im Zentrum steht dabei die Fahrt zur Großmutter, es wird aber auch das Davor und Danach geschildert.

Kanko lebt in einer völlig dysfunktionalen Familie. Ihre beiden Brüder haben bereits das Elternhaus verlassen, der ältere mit einem großen Knall, der jüngere eher unauffällig und leise. Zurück bleibt Kanko, die immer wieder vermittelt. Zwischen den Eltern, den Eltern und ihren Brüdern – dabei ist sie diejenige, für die sich jemand einsetzen müsste. Ihre Depressionen haben ihr schwer zugesetzt, sie hat bereits versucht, sich das Leben zu nehmen. Doch in Kankos Familie scheint jeder nur mit sich selbst beschäftigt. Alles gipfelt in einer folgenschweren Autofahrt, deren Ausgang schockiert.

„Kankos Reise“ ist ein Roman über Depressionen, aber vor allem einer über ungesunde familiäre Beziehungen und vererbte Traumata. Im Verlauf der Handlung wird deutlich, dass nicht nur Kanko sich verloren fühlt, sondern auch Vater und Mutter. Ein fataler Kreislauf, aus dem es auszubrechen gilt, aber wie soll das gehen, wenn Eltern ihre Kinder im Stich lassen und auch die Geschwister nicht füreinander da sind? Ein emotionaler, teilweise schwer zu ertragender Roman.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Spannende Dystopie mit etwas Queerness

The Last Bookstore on Earth
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Ein apokalyptischer Sturm ist über die Erde gezogen und hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die 17-jährige Liz hat ihre Familie verloren und harrt allein in der Buchhandlung aus, in der sie früher ...

Ein apokalyptischer Sturm ist über die Erde gezogen und hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die 17-jährige Liz hat ihre Familie verloren und harrt allein in der Buchhandlung aus, in der sie früher als Aushilfe gearbeitet hat. Dort tauscht sie Gegenstände mit anderen und dient als eine Art Postamt für Nachrichten, die Menschen auf der Durchreise hinterlassen. Dann tritt Maeve in ihr Leben und mit ihr eine Warnung: ein weiterer Sturm zieht auf und eine Gruppe von Flüchtlingen will die Buchhandlung einnehmen. Liz weigert sich, ihren sicheren Hafen zu verlassen, auf der anderen Seite ist sie nun endlich nicht mehr allein. Soll sie Maeve an einen anderen Ort folgen? Oder die Buchhandlung mit ihrem Leben verteidigen?

„The Last Bookstore on Earth“ ist das Debüt der 20-jährigen US-Amerikanerin Lily Braun Arnold, die selbst in einer unabhängigen Buchhandlung arbeitet; die deutsche Übersetzung stammt von Mareike Weber. Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive der Protagonistin Liz in der Ich- und Gegenwartsform, ganz so als würde sie uns gegenübersitzen und uns selbst von den Ereignissen berichten. Dabei ist ihre Einsamkeit aus jeder Zeile herauszulesen – umso schwerer fällt es ihr, wieder jemandem zu vertrauen, aus Angst, verlassen zu werden.

Liz hat mit dem Verlust ihrer Familie viel durchgemacht, sich aber dennoch eine gewisse Hilfsbereitschaft und Naivität bewahrt. Das wird vor allem deutlich, als Maeve in der Buchhandlung auftaucht, die so viel praktischer und wehrhafter ist. Die beiden freunden sich an und schließlich scheint sogar mehr daraus zu werden. Wenn da nur nicht der große Konflikt wäre: Maeve will fortgehen, Liz in der Buchhandlung bleiben. Wie soll sich das auflösen?

Als ich den Titel gelesen habe, musste ich das Buch unbedingt lesen. Leider ist der Buchladen reine Kulisse und auch Literatur spielt keine wirklich Rolle, schade! Ansonsten ist „The Last Bookstore on Earth“ jedoch eine spannende Dystopie mit ein wenig Queerness. Ich bin gespannt, was wir von der Autorin in Zukunft noch lesen werden!

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