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Veröffentlicht am 10.03.2020

Überraschend mitreißend und ausgeklügelt - und poetisch!

Wenn das Feuer ausgeht
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Schon während des Prologs schafft es Colin Hadler, eine sehr beklemmende, düstere und vor allem packende Atmosphäre aufzubauen. Die Neugier des Lesers wird definitiv geweckt und ordentlich angekurbelt, ...

Schon während des Prologs schafft es Colin Hadler, eine sehr beklemmende, düstere und vor allem packende Atmosphäre aufzubauen. Die Neugier des Lesers wird definitiv geweckt und ordentlich angekurbelt, sodass aus meinem „kurz mal reinlesen“ schnell über 100 Seiten wurden. Das spricht auch definitiv für den Stil des jungen Autors. Mit einer gelungenen Mischung aus Bildgewalt, Sarkasmus, Humor und Tiefgang erzählt er uns von Camp Summerlake und bringt uns dabei auch noch die Charaktere näher. Es war beeindruckend zu verfolgen, wie gut sich die Szenen und Begebenheiten ineinanderfügten, ohne dabei überladen zu wirken. So verlor die Geschichte nichts an Glaubwürdigkeit durch den auftretenden Sarkasmus und auch die Figuren waren trotz tiefsinnigen Gesprächen größtenteils authentisch. Allgemein lässt sich das Buch unwahrscheinlich leicht und vor allem schnell lesen – man rauscht, nicht zuletzt auch wegen der immensen Spannung, nur so durch die Seiten. Ich für meinen Teil hatte dabei auch stets ein klares Bild vor Augen und konnte mich gut ins Geschehen hineindenken.

Ein weiterer Punkt, der ins Auge sticht, sind oben genannte Figuren. Grob betrachtet treffen wir auf 15 Jugendliche und 3 Teamleiter; doch die Geschichte an sich dreht sich eher um ein paar wenige – trotzdem fällt auf, dass selbst der unwichtigste Charakter seine eigene Geschichte bekam und so einiges an Tiefgang gewann. Das Augenmerk liegt aber definitiv auf Lukas, der uns als Ich-Erzähler durch die Geschichte führt. Lukas, der von der ersten Sekunde an als sehr sympathsich erscheint und den Leser problemlos für sich gewinnen kann. Seine Eigenschaften, seien sie auch noch so komplimentär, harmonieren miteinander und er wirkt glaubhaft und lebendig. Mir gefiel vor allen Dingen sein Mut, den er immer wieder an den Tag legte und so die Führung übernahm. Sein Background ist gut ausgeleuchtet worden, sodass er greifbar und authentisch war und seine Handlungen bzw. Gedankengänge nachzuvollziehen nicht schwer fiel. Die Entwicklung, die er ohne Frage an den Tag legte, machte Spaß – so blöd es auch klingen mag. Doch zu beobachten, wie aus leichtgläubig und unbefangen plötzlich misstrauisch und unsicher wurde, tat der Geschichte definitiv gut.
Gleich verhielt es dabei auch mit den anderen Jugendlichen bzw. eher mit dem Leser selbst. Während man anfangs noch alle als sympathisch und vertrauensvoll betrachtet, kommen recht schnell erste Zweifel auf. Mir gefiel die Vielschichtig,- und Undurchsichtigkeit aller enorm gut und es war beeindruckend zu sehen, wie Colin Hadler mit uns als Leser spielt. Am Ende tat man dann wohl dem ein oder anderen Unrecht, doch auch hier wurde eindeutig alles richtig gemacht und ausreichend falsche Fährten gelegt um die Spannung möglichst hoch halten zu können.
An dieser allerdings ein kurzer Kritikpunkt. Wie schon einmal angeteasert, herrscht in dem Buch eine Menge Tiefsinnigkeit. Dies drückt sich vor allem durch die Dialoge zwischen den Charakteren aus. An der ein oder anderen Stelle empfand ich es aber als zu viel. Die philosophischen Gespräche, die zum Teil doch sehr poetisch ausfielen, häuften sich und gerade wenn man sich mal vor Augen führt, dass diese Philosophen gerade mal 16-18 Jahre alt sind, erscheint es fragwürdig, ob sich Jugendliche in dem Alter wirklich so unterhalten. Trotzdem tat es dem Buch an sich keinen Abbruch, es fiel mir nur auf und ich wollte es der Vollständigkeit halber erwähnt haben.

Das Grundkonstrukt hinter „Wenn das Feuer ausgeht“ ist sicher bekannt – Sommercamp, Wald, ein paar Jugendliche, mysteriöse Vorkommnisse. Doch die Umsetzung, die glänzt! Nicht nur, dass sich der Plot enorm vielversprechend entfaltet und von Seite zu Seite mehr fesselt – er besticht durch jede Menge einfallsreiche Elemente. Immer wieder geschah unerwartetes, Wendungen an den unvorhersehbarsten Stellen und eine Atmosphäre, die einen mit Haut und Haaren umhüllt und nicht mehr loslässt. Die Spannung war also permanent, vom packenden Prolog bis zur überraschenden Auflösung, durchweg auf einem immens hohen Niveau gehalten und Ruhephasen wurden hier mit etwas ganz besonderem gefüllt: mit Dialogen, die an Tiefgang und Tiefsinnigkeit nicht zu überbieten sind. Immer wieder projezierte ich Gesagtes auf mich selbst und reflektierte; dachte nach und spürte den Nachhall des Ganzen. Während manche recht philosophisch ausfielen, waren manche einfach nur wunderschön und so aussagekräftig. Dazu kam, dass mich Colin Hadler mit seinen sarkastischen Beschreibungen immer wieder zum Schmunzeln brachte und so die Beklemmung kurzzeitig lösen konnte. Allerdings auch nur, um dann doppelt so hart zuzuschlagen und mich wieder erschrocken zusammenzucken und mit schreckgeweiteten Augen weiterhetzen zu lassen.
Neben der Spannung und dem sehr zügigen Erzähltempo gab es aber auch gruselige Momente, Horror-ähnliche Szenen, die mich, genau so wie der Rest auch, komplett abholen konnte. Die Gänsehaut die immer wieder entstand, spricht eindeutig dafür. Ein kalter Schauer jagte den nächsten und als Leser freute man sich einfach, wenn man wieder eine Nacht überstanden – oder sollte ich sagen überlebt – zu haben.
Nochmal alles etwas kompakter zusammengefasst: die Handlung baut sich sehr schnell und sehr einnehmend auf. Immer wieder kommen neue Fragen auf, die Zündstoff mit Miträtseln liefern. Fragen, die teilweise beantwortet, teilweise aber durch neue Fragen in den Hintergrund gerückt werden. Die dabei herrschende Atmosphäre spielt dem Buch ebenfalls in die Karten, denn loslassen tut sie einen während all den 328 Seiten keine einzige Sekunde. Man erwartet immer schlimmstes, erlebt dann aber einen noch viel schlimmeren Alptraum mit dem Figuren.
Letztlich gipfelt dieser Jugendthriller in einem atemberaubenden Showdown, der es definitiv in sich hat. An Überraschungen kaum zu überbieten, passiert plötzlich alles Schlag auf Schlag und schnürt dem Leser im wahrsten Sinne die Luft ab. Plötzlich scheint alles klar; wieso ist man nicht viel früher drauf gekommen – wieso ging man denn so blind durch das Buch? Ich verrate es euch: weil man viel zu sehr mit mitfiebern, mitzittern und mitdenken beschäftigt ist. Eine Auflösung, die überzeugt und ein würdiges Ende für diesen gelungenen Roman ist.

FAZIT:
„Wenn das Feuer ausgeht“ von Colin Hadler ist ein Jugendthriller, den jeder – wirklich jeder – gelesen haben sollte! Neben all der Spannung, der Action, dem Horror und den Geheimnissen, birgt die Geschichte so viel Tiefgang, so viele neue Ansichten und so viel Stoff zum Nachdenken. Auch Charaktere, Setting und Atmosphäre überzeugen! Außerdem ist der Stil des jungen Autors definitiv ein weiteres Highlight des Buches. Für mich eine riesige Überraschung, die noch lange – sehr lange – in mir nachhallen wird. Danke für dieses großartige Erlebnis – von mir zurecht die volle Punktzahl.

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Veröffentlicht am 10.03.2020

Geniale Charaktere verfeinern eine interessante Handlung

Todesfrist
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Oft heißt es „eine Geschichte steht oder fällt mit ihren Figuren“ – doch selten hat es so sehr gepasst wie hier bei diesem Thriller. Andreas Gruber hat mit Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder ein Ermittlerduo ...

Oft heißt es „eine Geschichte steht oder fällt mit ihren Figuren“ – doch selten hat es so sehr gepasst wie hier bei diesem Thriller. Andreas Gruber hat mit Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder ein Ermittlerduo geschaffen, das es in sich hat. Diese mehr als gelungene Kombination aus der jungen Kriminaldauerdienst-Polizistin und dem verschrobenen BKA-Ermittler ist mehr als unterhaltsam, äußerst interessant und sorgt stellenweise sogar für den ein oder anderen Schmunzler und bringt so eine völlig neue Facette mit in den Thriller.
Sabine Nemez glänzt in erster Linie durch Bodenständigkeit und Authensität. Es fällt einem nicht weiter schwer, sie als sympathisch zu betrachten und mit ihr mitzufiebern. Sie ist durch und durch Polizistin und lebt für ihren Job. Doch verschafft uns der Autor auch einen tiefen Einblick in ihr Privatleben und zeigt somit auf, dass Polizisten eben doch nichts anderes sind als ganz gewöhnliche Menschen, die an ihre Grenzen stoßen können. Sabine Nemez ist zielstrebig, mutig, eine Kämpferin und trotz dieser gewöhnlichen Charaktereigenschaften sticht sie für mich aus der breiten Masse heraus – einfach weil sie ist, wie sie ist und mich komplett von sich überzeugte. Alleine ihre Handlungen und Gedankengänge sind zu 100% nachvollziehbar und glaubhaft; ganz zu schweigen von ihren Emotionen, die zur Gänze auf mich abfärbten.
Was aber das Highlight in Sachen Charaktergestaltung war, war der BKA-Ermittler Maarten S. Sneijder aus Rotterdam. Ich habe diesen Kerl von der ersten Sekunde an vergöttert. Weder ist es besonders attraktiv noch nennenswert charmant – aber er ist einzigartig. Nie zuvor bin ich einem so skurilen, seltsamen aber gleichzeitig so sympathischen, unterhaltsamen Mann begegnet. Hier gilt ganz klar: Sneijder kann man nicht beschreiben; man muss ihn erleben. Ich habe jede Sekunde mit ihm zutiefst genossen und mich am Ende so sehr an ihn gewöhnt, dass ich ihn inzwischen schon schmerzlich vermisse. Sein Sarkasmus war göttlich, seine Eigenheiten eine Attraktion und seine Entscheidungen manchmal echt fragwürdig – doch im Endeffekt überraschte er wieder mit ganz neuartigen Einfällen und trägt dabei sein Herz definitiv am rechten Fleck – auch wenn er das nie zeigen oder zugeben würde. Ein bahnbrechender Charakter, der dem Buch die Einzigartigkeit verleiht.
Selbst die Randfiguren erreichen den Leser auf einem ganz neuen Niveau. Die unwichtigste Zeugin scheint einem so ans Herz zu wachsen, dass man sie kaum mehr gehen lassen will. Der Kollege aus Wien ist auf einmal der Love-Interessed des Lesers und die Psychologin ist plötzlich die beste Freundin, die man nie hatte. Hier zeigt Andreas Gruber ganz klar auf: er weiß was er tut und hat in Sachen Charaktergestaltung ein mehr als feines Händchen bewiesen! Großartig und für mich eins von vielen Highlights des Buches.

Das zweite große Highlight ist schlicht der Sprecher. Achim Buch hat diesen Thriller auf geniale Art und Weise vertont und den Figuren noch einmal so viel Greifbarkeit eingehaucht. Mit seiner angenehmen Stimmfarbe erzählt er uns in unterschiedlichsten Akzenten die Dialoge und schaffte es, mich komplett und ohne Vorbehalte zu begeistern. Maarten S. Sneijder wäre niemals der gewesen, der er war, ohne den grandiosen niederländischen Akzent, den Achim Buch so unverkennbar drauf hat! Ganz großes Kino und alle erdenklichen Daumen nach oben.
Doch auch Andreas Gruber’s Schreibstil ist beeindruckend. Er schafft es, mit ganz kurzen, aber stimmigen Beschreibungen ein glasklares Bild der Figuren, Settings & Co. zu zaubern und sog mich mit seiner Art und Weise zu schreiben, restlos in seinen Bann.
Erzählt wird übrigens aus mehreren Sichten; bzw. ist das Buch in mehrere Erzählstränge unterteilt, die alle für sich sehr spannend und ausgeklügelt ausgearbeitet wurden. So lernen wir also dank der gewählten Gliederung nicht nur das Ermittlerteam besser kennen, sondern auch (zu Beginn noch) unscheinbar wirkende Randfiguren – die vielleicht ja später noch eine ganz andere Rolle einnehmen werden.

Der Grundgedanke hinter „Todesfrist“ war auch für mich nichts Neues; irgendwo irgendwann irgendwie hat man das Schema schon einmal gelesen; doch Andreas Gruber hat den Aufbau für mich doch sehr neuartig gestaltet. Während wir in den meisten Thrillern die Chance bekommen, mitzurätseln, wer letztlich der Täter ist, war es hier recht früh klar. Dafür kommen ganz andere Fragen auf, auf die man als Leser unbedingt sofort und auf der Stelle eine Antwort haben möchte. Und auch hier kann uns der Autor komplett aufs Glatteis führen und in etliche falsche Richtungen locken. Jedes Mal, wenn ich dachte, die Sache durchschaut zu haben, wendete sich die Geschichte und ich stand wieder komplett ratlos da. Das, und nur das, ist es, was einen guten Thriller für mich aufmacht. Ich möchte mitfiebern, miträtseln, ich möchte atemlos durch die Seiten preschen und ich möchte mich irren – am besten so oft wie möglich – und all das bietet Todesfrist!
Es ist von der ersten Sekunde an mitreißend, der Spannungsbogen fällt nur selten mal kurzzeitig ab und die Neugier des Lesers wird ordentlich angekurbelt.
Trotzdem glaube ich, dass mich die Idee bzw. die Handlung längst nicht so begeistert hätte, wenn ich nicht so eins mit den Figuren gewesen wäre. Es macht solch unbeschreiblichen Spaß, Nemez und Sneijder zu beobachten und zu begleiten und ist darüber hinaus unterhaltsam, sarkastisch und dazu sogar streckenweise richtig humorvoll und skuril. Kurz: man will einfach am Ball bleiben.
Keine Frage, die Auflösung war nicht wahnsinnig überraschend; aber das Finale war enorm gut in Szene gesetzt und sehr temporeich und actiongeladen abgehandelt. Es gab sogar nochmal eine kleine Wendung, mit der ich so nicht gerechnet hätte; aber alles in allem doch ein wenig vorhersehbar alles. Aber rund – absolut rund und alle offenen Fragen wurden zufriedenstellend beantwortet. Und die Lust auf Band 2 lässt sich nicht ignorieren.



FAZIT:
„Todesfrist“ von Andreas Gruber ist ein mehr als gelungener Auftakt der Nemez und Sneijder-Reihe und bietet alles, was das Thrillerfanherz begehrt: Spannung, Action, stellenweise Brutalität, interessante Ermittlungsarbeit und, ganz wichtig: die wohl großartigsten Figuren, die ich bisher in diesem Genre kennenlernen durfte. Wer sich gern in die Irre führen lässt, über verschrobene Protagonisten schmunzeln will und Bock auf verschiedene Erzählstränge hat – der wird Todesfrist lieben. Ich für meinen Teil möchte euch allen da draußen, ob nun Thrillerleser oder nicht, dieses Buch ans Herz legen. Es war ein wahres Erlebnis, das Ermittlerduo kennen zu lernen und zu begleiten und ich kann es kaum erwarten, Band 2 zu hören – denn in Anbetracht dessen, dass Achim Buch mein neuer Stern am Sprecher-Himmel ist, kommt lesen nicht in Frage. Riesige Empfehlung von meiner Seite – auch wenn die Handlung noch ein wenig Spielraum nach oben hat; das machen Nemez und Sneijder wieder wett.

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Veröffentlicht am 26.02.2020

Wechselhafte Gefühle, aber interessant und lesenswert

Bunte Graue Welt
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Bereits der Klappentext macht Lust auf mehr. Meine Erwartungen waren allerdings eher durchwachsen, schließlich wusste ich nicht recht, was auf mich zukommt. Gedanken und Gedichte über Emotionen können ...

Bereits der Klappentext macht Lust auf mehr. Meine Erwartungen waren allerdings eher durchwachsen, schließlich wusste ich nicht recht, was auf mich zukommt. Gedanken und Gedichte über Emotionen können niemals alle erreichen; dafür sind das Verständnis, die Auffassung und die Gefühle eines jeden einzelnen zu unterschiedlich. Die Chance, dass man enttäuscht wird, ist also nicht gering. Und mit dieser Einstellung ging ich an „Bunte graue Welt“ heran.

Schon sehr früh wird klar, dass es nicht nur Gedichte und Gedankenansammlungen sind, die die Seiten füllen, sondern auch fiktive, fast phantastische Geschichten, die aber mindestens genau so viel Tiefgang besitzen. Ohne erkennbares Schema aufgebaut switchen wir als Leser in unregelmäßigen Abständen zwischen den beiden Autoren und sind auch thematisch betrachtet immer auf dem Sprung. Während sich Navika eher auf Liebe, Trennung und den Schmerz konzentriert, gibt es bei Robyn die unterschiedlichsten Möglichkeiten, seine Parts zu verstehen. Der Interpretationsspielraum war beeindruckend groß und man konnte seine Worte auf so vielerlei Situationen projezieren. Dafür erst einmal ein großes Lob. Ob da aber dann politische Ansichten wirklich etwas zu suchen haben, und das gleich auf den ersten Seiten, bleibt fragwürdig. Für mich war es eher störend – ganz gleich ob wir nun eine Meinung teilen oder nicht – und wenig motivierend weiterzulesen. Letztlich beschränkt sich die Thematik aber auf eine einzelne, kurze Geschichte, wodurch man dann doch darüber hinweg sehen kann.

Stilistisch betrachtet schenken sich die Autoren nichts, obwohl Navika Deol’s Wortwahl manchmal harmonischer wirkt, erzeugt Robyn Skye ein deutlicheres Bild – greifbarer und intensiver. Insgesamt gab es aber auch mehrere Gedichte, die mich persönlich nicht erreichten. Zu klischeehaft und banal; teilweise zu bekannt und abgedroschen. Manche Gedichte waren verworren, ergaben in meinen Augen keinen Sinn oder erzeugten den Eindruck, das alles schon mal irgendwo gehört oder gelesen zu haben. Dafür hab ich aber auch mehrere Seiten markiert; Stellen notiert, die mir enorm zusagten und mich dabei auch zum Nachdenken anregten. So wie die beiden streckenweise ein wenig im Nebel rumschreiben, so finden sie mindestens genau so oft haargenau die richtigen Worte, um den Leser – oder besser gesagt: mich – zu berühren.

Alles in allem sind Gedankensammlungen nichts, was lange nachklingt. Sie sind kurzweilig, unterhaltsam, teilweise sogar sehr emotional, tiefgründig und bewegend. Doch so sehr man es sich vielleicht wünscht: man nimmt nichts davon mit. Zumindest erging es mir so. Um noch einmal kurz zusammen zu fassen: es tat gut, man in das Genre zu schnuppern und die Gedankengänge und poetischen Gedichte der beiden Autoren lesen zu dürfen. Es ist war neues; was anderes und kann größtenteils gut unterhalten. Ich kann mir also durchaus vorstellen, dass solche Werke noch öfters den Weg in mein Regal finden, obwohl sie mir dann doch wahrscheinlich zu kurzweilig sind.

FAZIT:
Bunte graue Welt“ ist eine schöne Ansammlung an Gedanken, Gedichten und Geschichten. Wie es bei solchen Texten oft so ist, trifft man auch mal auf Passagen, die einem nichts geben; andere wiederum überzeugen durch Gefühle, Tiefgang und einer aussagekräftigen Message. Für mich ein kurzweiliger Spaß, der nicht ganz ohne Kritik auskommt. Stilistisch zwar gut geschrieben, aber definitiv noch ausbaufähig – inhaltlich sehr unterschiedlich; wobei der politische Zug nicht unbedingt hätte sein müssen. Trotzdem kann ich euch dieses dünne Büchlein durchaus empfehlen, vor allen Dingen denjenigen unter euch, die selbst vielleicht gern solche Texte schreiben oder einfach mal einen Ausflug in ein ganz neues Genre machen möchten.

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Veröffentlicht am 26.02.2020

Sozialkritisch, unterhaltsam und einfach echt.

Too good to be true
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Der Einstieg in die Geschichte war denkbar einfach. Schon der Prolog regt die Neugier an und animiert dazu, unbedingt weiterlesen zu wollen. Doch auch die eigentliche Handlung startet interessant und vielversprechend ...

Der Einstieg in die Geschichte war denkbar einfach. Schon der Prolog regt die Neugier an und animiert dazu, unbedingt weiterlesen zu wollen. Doch auch die eigentliche Handlung startet interessant und vielversprechend und ich konnte mich dem Sog, den die ersten Momente innerhalb des Buches, auf mich ausgewirkt haben, kaum entziehen. Das lag nicht unbedingt daran, dass viel passierte – im Gegenteil – es ist eher ruhig erzählt; ein sanfter Einstieg, der einen behutsam an den weiteren Verlauf heranführt. Das, was mir so Spaß machte, war das Kennenlernen der Charaktere, des Settings und den allgemeinen Begebenheiten.

Wo wir auch prompt beim nächsten großen Punkt wären: den Figuren. Eine jede Geschichte steht und fällt mit den Protagonisten. Hier treffen wir auf gleich vier Persönlichkeiten, die uns durch das Buch führen. Marcella Fracchiolla hat sich mit der Charaktergestaltung größte Mühe gegeben und das sticht deutlich heraus. Die vier Teenager, alle im Alter von 17 Jahren, sind unglaublich detailliert und authentisch ausgearbeitet und sehr lebendig dargestellt. Außerdem unterscheiden sich Allie & Co. ganz erheblich voneinander und bringen so eine Menge Vielschichtigkeit und Zündstoff mit ins Geschehen. Das Highlight an den Figuren war aber kein einzelner, sondern die Kombination ganz allgemein. Da treffen nicht nur zwei Welten aufeinander, sondern gleich vier und die Abwechslung, die dadurch entstand, beeindruckte und begeisterte mich gleichermaßen. Sehr gut gemacht; wie ich finde!
Zugegeben, ein jeder der vier hatte auch Seiten an sich, die man vielleicht nicht zwingend mögen muss, doch genau das machte sowohl die Zwillinge Allie und Leah als auch die Trailerpark-Jungs Ethan und Logan so glaubhaft und realistisch. Trotzdem komme ich nicht umhin zu erwähnen, dass es gerade die Protagonistin Allie war, die manchmal einfach anstrengend ist. Ihre Unerfahrenheit in allen Ehren; doch an der ein oder anderen Stelle wirkte sie fast schon kindlich, begriffstutzig und naiv. Das vereinzelte Augen verdrehen ließ sich also nur schwer vermeiden. Dafür aber konnte sie mit anderen Wesenszügen glänzen: wie zum Beispiel Bodenständigkeit, Hilfsbereitschaft und Offenheit. Außerdem trug sie ihr Herz eindeutig am rechten Fleck und zeigte stets, was sie dachte und fühlte. Selbst den Mut, den sie an den Tag legt, hätte ich ihr anfangs überhaupt nicht zugetraut.
Ethan und Logan waren einfach die heißen Bad Boys aus der Wohnwagensiedlung. Unglaublich attraktiv, super sexy und dann auch noch geheimisvoll – die perfekte Mischung um männlichen Hauptfiguren interessant und begehrenswert werden zu lassen. Nichts desto trotz, waren die beiden eigentlich gar nicht mal so „bad“ – wie es eben immer so ist. Mir gefielen sie jedenfalls durchgehend sehr gut und ich konnte mit ihnen mitfiebern und mitfühlen und nur das ist es doch letztlich, was zählt. Vielleicht ein wenig klischeehaft, aber darüber kann man bei solchen Kerlen definitiv hinweg sehen. Auch hier hat die Autorin ein Händchen dafür bewiesen und Ethan wie Logan zwar unterschiedlich, aber doch mit dem nötigen (gleichen) Background ausgestattet.

Der Schreibstil ist wohl, neben meinen kleinen Problemchen mit Allie, mein größter Kritikpunkt. Keine Frage, er ließ sich wunderbar leicht, flüssig und vor allem Dingen schnell und verständlich lesen. Auch das klare Bild, das erzeugt wurde, fällt positiv ins Gewicht. Leider aber gab es Momente, da geriet ich durch zu plumpe Sätze ins Straucheln. Es ist umgangssprachlich, ja, aber zum Teil wirkten die Sätze beinah ein wenig abgehackt und wahllos aneinander gereiht. Der Fluss fehlte dann; auch innerhalb von Dialogen. Ich hätte mir da noch eine Spur mehr „mehr“ gewünscht; doch vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich der Zielgruppe eigentlich längst entwachsen bin. Nichts desto trotz eine beachtliche Leistung von Marcella Fracchiolla, die ihr Debüt wirklich erstaunlich gut erzählt und verpackt hat.
Entschieden hat sie sich übrigens für die die Ich-Perspektive und wechselt von Kapitel zu Kapitel die Sichten. So lesen wir nicht nur aus Allie’s Sicht, sondern bekommen auch einen Einblick in die Gedankenwelten der anderen drei Protagonisten. Fand ich sehr passend – da gibt’s nichts zu meckern.

Und vom größten Kritikpunkt kommen wir nun noch flux zum größten Pluspunkt: die Handlung. Marcella Fracchiolla hat eine Geschichte erschaffen, die vielleicht nicht vor Innavtion und Kreativität sprüht; dafür aber wirkt sie, als wäre sie dem echten Leben entnommen. Die Teenager auf dem Internat sind exakt so, wie man sich pubertierende Jugendliche eben vorstellt und dazu gehören auch Intrigen, Gezicke, Streitereien, Partys, Versöhnungen und erste große Lieben. Das alles bedient die Autorin sehr glaubhaft und realistisch, ohne den Bogen zu überspannen. Sie schuf dabei nicht nur, die von mir so sehnlichst erhoffte Internats-Atmosphäre, sondern auch Spannung. Bereits nach wenigen Seiten nimmt die Geschichte an Fahrt auf und glänzt dadurch, dass auch die ruhigeren Passagen alles andere als langweilig sind. Es wurde geschafft, den Alltag von Internatsschülern sehr lebendig einzufangen und noch authentischer wiederzugeben. Mitreißend erzählt und spannend aufgebaut kann die Handlung also sowohl in Bezug auf Tempo und Spannung, als auch auf Gefühlen überzeugen. Besonders beeindruckend ist dabei aber die Message, die hinter allem steckt und klar hervortritt: Toleranz! Ein so wichtiges Gut in der heutigen Gesellschaft. Die Kluft zwischen arm und reich wird ohnehin permanent größer und es ist schön zu sehen, wie Marcella mit ihrem Werk aufzeigt, dass der Reiche nicht automatisch besser und der Arme nicht schlechter ist als andere.
Der Twist, dem der Spannungsbogen zu verdanken ist, besticht durch eine glaubhafte Auflösung, die ihre Zeit braucht und endlich mal nicht über Nacht vonstatten geht. Die Figuren stoßen auf Hindernisse, an ihre Grenzen und manchmal sich gegenseitig vor den Kopf – und es läuft deswegen alles andere als rund. Probleme treten auf; Zeit wird verschwendet, falsche Gedankengänge führen in die Irre; das alles machte das Ende für mich dann gänzlich rund und es gibt, inhaltlich betrachtet, nichts, was ich irgendwie bemängeln müsste. Wie gesagt; kein Highlight – aber deutlich mehr als nur „unterhaltsam“.

FAZIT:
„Too good to be true“ ist ein starker Auftakt der Woodland Academy Trilogie. Mittels einfachen Elementen, die durchaus schon bekannt sind aus anderen Jugendbücher, erzeugt Marcella Fracchiolla eine mitreißende Handlung voller Teenie-Alltag, Spannung und verbotenen Verbindungen. Ich jedenfalls fühlte mich wunderbar unterhalten und gefesselt und auch wenn die Protagonistin nicht komplett überzeugt, sind die vier Beteiligten doch wunderbar ausgearbeitet, abwechslungsreich und in Kombination miteinander ein geniales Team! Ich freu mich auf Band 2, der ja schon am 14.02 erscheint.

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Veröffentlicht am 26.02.2020

Wahnsinnig atmosphärisch und überraschend spannend

Um mich herum stehen bekannte Gesichter
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Was als erstes ins Auge sticht ist die unheimlich packende Atmosphäre, die einen umgibt und direkt in die Szenen hineinzieht. Marc Kemper hat einen sehr eingehenden, bildhaften und leicht zu lesenden Schreibstil ...

Was als erstes ins Auge sticht ist die unheimlich packende Atmosphäre, die einen umgibt und direkt in die Szenen hineinzieht. Marc Kemper hat einen sehr eingehenden, bildhaften und leicht zu lesenden Schreibstil und weiß mit Tiefgang und Emotionen umzugehen. Damit schafft er es problemlos, die Geschichte lebendig werden zu lassen und den Leser abzuholen. Für mich war es ein wahrer Genuss in den leisen, aber doch gewaltigen Stil einzutauchen und konnte ihn wundebrar auf mich wirken lassen. Besonders die tiefgreifende Momente hat der Autor sehr schön eingefangen und wiedergegeben, sodass sie ihre volle Wirkung entfalten können und zutiefst berühren und zum Nachdenken anregen. Lediglich die nebensächlich einfließenden Erklärungen und Fachbegriffe hätte ich persönlich nicht gebraucht – es hielt mich nicht auf und störte auch nicht besonders; aber es passte meiner Meinung nach nicht 100% zur Geschichte.
Ganz am Rande: es wurde sich für die dritte Person Perspektive entschieden, was ich hier mehr als passend finde. Zwar steht es ein wenig im Kontast zum Titel, doch die „Ich-Form“ hätte hier einfach nicht richtig mit der Geschichte harmoniert. Sehr gut gelöst also und stilistisch eine herrausragende Leistung von Marc Kemper.

Diejenige, die uns durch ihr Leben führt ist Camilla, eine junge Frau, deren Leben bereits während des Einstiegs eine dramatische Wendung nimmt. Der von ihr verschuldete Unfall wurde erstaunlich detailliert dargestellt und lässt einen die Veränderung von Camilla viel besser nachvollziehen. Allgemein fiel es mir, trotz ihrer Depressionen, nicht weiter schwer, mich in sie hinein zu versetzen und sie zu verstehen. Es war eigentlich ganz einfach: ich schloss sie ins Herz und schwankte ständig zwischen „bemitleiden“ und „bewundern“. Camilla ist unbeschreiblich mutig; eine wahre Kämpferin und das trotz dessen, was sie bereits alles erleben musste in ihrem Leben. Denn auch davon erfahren wir als Leser einiges; nämlich in Form von Rückblicken bzw. Träumen. So vertiefte sich mein Eindruck stetig und ich spürte, wie ich ihr trotz bereits bestehender Bindung immer näher kam und sie noch lebendiger wurde. Ihre Handlungen und Gedankengänge spielten eben jenem Punkt ebenso in die Karten: sie handelte und dachte logisch, nachvollziehbar und glaubhaft. Kurz nochmal zusammengefasst: Camilla tat enorm viel für die Geschichte, hauchte ihr Lebendigkeit ein und brachte nicht nur einiges an Potential mit, sondern schöpfte es auch gänzlich aus um mich zu überzeugen zu können.
Die Nebenfiguren konnten mich dabei aber mindestens genau so überraschen. Die Truppe ist bunt gemischt, jedes Alter ist vertreten und alle gängigen Wesenszüge gleichmäßig verteilt. Es gab die, mit denen man sofort sympathisiert, doch genau so trifft man auf Figuren, denen man erstmal eher misstrauisch begegnet. Was sie aber alle gemein hatten: sie brachten Tiefgang mit und reife, überlegte Handlungen und Gedanken. So waren es vor allem die Randcharaktere, die mich mit ihren Aussagen für sich gewannen und nachdenklich machten.

Als letztes widmen wir uns der Idee und deren Umsetzung. Zugegeben, aufgrund der geringen Länge des Buches und der großen Schrift war ich nicht ganz sicher, ob die Handlung wirklich ausreichend genau geschildert wird, um es als glaubwürdig durchzugehen. Mein erster Gedanke war „na das wird ein kurzes Vergnügen“ – womit ich zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht gerechnet hatte, war die Intensität, auf die ich traf. Die Idee hinter dem Buch ist beeindruckend und für mich was völlig neues gewesen. Sie glänzt durch eine spannende Umsetzung, auf einige Plots und auf oben erwähnte Atmosphäre. Von der ersten Sekunde an war ich gefangen, fieberte mit und konnte meine Neugier, wie Camilla sich in Sibirien so schlägt, nur schwer in Zaum halten. Dieses kurze, unscheinbare Buch wurde zu einem wahren Pageturner, zu einem Werk, das berührt und nachdenklich macht und etwas in mir bewegte. Es war durchweg spannend, es gab sogar die ein oder andere actionreiche Szene – aber es vor allem gab es Camilla, die alles tat, um alle am Leben zu halten. Stellenweise spürte ich die eisige Kälte am eigenen Leib und kann nur immer wieder die einhüllende Amtosphäre erwähnen und wertschätzen – denn mitunter davon lebte die Geschichte.
Der große Twist am Ende schockiert, anders lässt es sich nicht benennen. Niemals hätte ich mit dieser Auflösung gerechnet und ich war überrascht und entsetzt zugleich, dass der Überlebenskampf längst nicht das Highlight des Buches war. Für mich hat Marc Kemper nicht nur eine mitreißende Geschichte geschrieben, sondern eine Reise zu sich selbst, zu Einsicht, innerem Frieden und zu Genesung.

FAZIT:
„Um mich herum stehen bekannte Gesichter“ von Marc Kemper ist ein beeindruckend tiefgründiges, aufklärendes Buch voller Spannung, interessanten Plots und einer einnehmenden, um nicht zu sagen, alles verzehrenden Atmosphäre. Die eisige kälte des russischen Nordens übertrug sich immer wieder wie durch Zauberhand auf meinen eigenen Körper und ließ mir in regelmäßigen Abständen einen Schauer über den Rücken jagen. Glaubhafte, detaillreiche und greifbare Charaktere rundeten dieses Werk dann letztlich ab. Für das absolute Highlight fehlte mir noch eine Spur – vielleicht lag es an der Länge; vielleicht an den unpassenden Fachbegriffen – aber letztlich schrammen wir knapp an den 5 Sternen vorbei. Trotzdem ein absolut lesenswertes Buch, das sich noch länger in mir nachklingen wird.

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