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Veröffentlicht am 07.09.2020

Sehr starker Einstieg, danach etwas ruhiger

Falling Fast
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Der Einstieg in die Geschichte rund um Hailee und Chase bereitet einfach Spaß! Es ist ein regelrechtes (Lese-)Erlebnis, die beiden Protagonisten, das kleine Örtchen Fairwood und die Begebenheiten kennen ...

Der Einstieg in die Geschichte rund um Hailee und Chase bereitet einfach Spaß! Es ist ein regelrechtes (Lese-)Erlebnis, die beiden Protagonisten, das kleine Örtchen Fairwood und die Begebenheiten kennen zu lernen und obwohl man meinen könnte, es wäre recht eintönig, sich erst einmal zurecht zu finden, wird durch „Falling Fast“ bzw. durch die ersten Seiten des Buches eines Besseren belehrt. Sofort – wirklich von ersten Buchstaben an – umgibt einen eine sehr einnehmende, mitreißende und packende Atmosphäre, in der man sich bedingungslos wohl und zuhause fühlt. Dabei steht das Kennenlernen nicht unbedingt an erster Stelle – stattdessen setzt die Autorin viel mehr auf einen emotional geladenen Sprung in die Geschichte und webt wichtige Infos über Hailee, Chase & Co. einfach nebenbei ein. Sie lässt bereits einige Fragen aufkommen, die nicht nur neugierig machten, sondern auch zum Miträtseln animieren konnten. So kommt ein gewisses Tempo zu Stande – und es wird, während den ersten Kapitel schlicht keine einzige Sekunde langweilig. Ganz anders sieht es da mit dem weiteren Verlauf aus; denn nachdem sich Hailee und Chase dann begegnet sind, schien das ganze etwas abzuflachen. Einige Klischees traten ans Licht und es passierte nicht mehr allzu viel, was fesseln konnte. Die offenen Fragen blieben offen; es gab weder Auflösung noch andere Anhaltspunkte, ob man mit seinen Spekulationen richtig lag oder völlig ins Blaue geschossen hatte. Nach diesem ergreifenden Start hätte nicht unbedingt eine so lange Durststrecke auftreten sollen. Die ersten 100 Seiten waren sehr stark und haben es mehrfach geschafft, zu Tränen zu rühren, die darauffolgenden 200 Seiten hingegen, erschienen im Vergleich dazu etwas blass und wenig spannend. Die heimelige Stimmung, die schönen Passagen und die authentischen Dialoge blieben, doch so recht voran ging es dabei nicht – weder kam man als Leser weiter, noch rückte das Ziel für die Protagonisten näher. Es fehlte schlicht was; denn selbst die wunderschönsten Momente, die mir ein breites, zufriedenes Lächeln ins Gesicht zauberten und so manch andere Emotion von Hailee oder Chase am eigenen Leib spüren ließen, täuschten nicht darüber hinweg, dass zu wenig geschah.
So ließ das Ende einfach gefühlt endlos auf sich warten. Immer wenn man meinte, jetzt könne sich das große Geheimnis endlich enttarnen, und die Fragen endlich beantwortet werden, verlor man sich wieder in einer recht unnötigen, wenig aussagekräftigen Szene. Erst kurz vor Ende – und zwar echt KURZ vor dem Ende – lichtete sich dann der Nebel und einiges wurde klarer und verständlicher. Leider gab es aber doch 2-3 Punkte, die in meinen Augen etwas vernachlässigt wurden und deshalb eine gewisse Unglaubwürdigkeit erzeugten. Auch dieses irrsinnig offene Ende stellte mich als Leser nicht 100% zufrieden. Es ist klar, dass Bianca Iosivoni damit dazu animieren will, Band 2 zu kaufen und zu lesen; aber eine gewisse Auflösung hätte auch hier stattfinden müssen. So bleibt man einfach fragend zurück und weiß im Grunde, wenn man es so nennen will, ratlos zurück.
Ein weiterer Punkt, den ich hier kurz ansprechen möchte ist die Triggerwarnung nach der Geschichte, auf die vorn im Buch hingewiesen wird, die aber spoilert. Wahrscheinlich ist sie allgemein gesehen schon zurecht in diesem Roman platziert – aber sie impliziert auch, dass da noch ein großer Knall kommen wird – ein Knall, auf den man vergeblich wartet. Es wird gewarnt vor Trigger, die meiner Meinung nach nicht aufgetreten sind. Zumindest nicht gänzlich. Man fragt sich von Anfang an, was so furchtbares passieren wird, dass so etwas wie eine Warnung nötig ist – aber für mich war sie überflüssig (und ich bin jemand, der selbst große Probleme in dem Bereich hat!)

Der Schreibstil von Bianca ist hingegen wieder komplett kritikfrei – diese Frau schreibt so wundervoll, so emotional, so herzerwärmend und ergreifend, so herzzerreißend und lebendig! Es war, durchweg ein Genuss, die Worte von ihr zu inhalieren und es bereitet größte Freude zu spüren, wie gut sie Gefühle transportieren kann. Es gab so viele Szenen, in denen man als Leser meint, den Wind in den eigenen Haaren spüren zu können, in denen man glaubt, das eigene Herz würde brechen und in denen man einfach nur wohlig seufzt und genießt. Dabei kommt man unheimlich schnell voran, eben weil die Atmosphäre sehr dicht ausfällt und einen mit Haut und Haaren in die Geschichte hineinziehen kann. Man vergisst alles um sich herum, kann sich fallen und treiben lassen und man kann mit Hailee und Chase lachen, schreien, verzweifeln und hoffen – und das macht diesen Stil in meinen Augen zu etwas ganz besonderem.
Dabei wird hier, wie in unzähligen anderen Romanen dieser Art, auf wechselnde Perspektiven gesetzt. Heißt, wir lesen nicht nur aus Hailee’s Sicht, sondern bekommen auch einen genauen Einblick in die Gedanken,- und Gefühlswelt von dem männlichen Protagonisten. Dies sollte uns beiden eigentlich näher bringen, doch so richtig geschafft hat es die Gliederung nicht. Wieso und weshalb folgt auf dem Fuße.

Die Charaktere in dem Buch überzeugen, keine Frage. Sowohl Hailee als auch Chase sind sympathisch, liebenswert und einfach unglaublich lebendig. Dieses Mal war es besonders der männliche Part, der mit Tiefgang, Authensität und Nachvollziehbarkeit glänzt; doch auch Hailee ist greifbar und echt und weiß mit ihrer Art für sich zu gewinnen. Lebensfroh, quirrlig und trotzdem mit jeder Menge Ecken und Kanten kommt die junge Frau absolut realistisch daher und begeistert durch Bodenständig und „Normalität“. Eine Person wie Hailee könnte man sicher irgendwann einmal auf der Straße kennenlernen und man würde sie sofort ins Herz schließen – da bin ich mir sicher. Leider schien Bianca Iosivoni ein wenig an ihrer eigenen Courage zu scheitern – denn der Plan der Handlung hatte eine Schwäche: dadurch, dass es gerade Hailee ist, die ein großes Geheimnis hütet, war es der Autorin einfach nicht möglich, sie tiefsinnige Gedankengänge verfolgen zu lassen. Sie blieb immer irgendwie eher oberflächlich und ihre Beweggründe waren an mancher Stelle einfach nicht glaubhaft – da die nötigen Infos schlicht fehlten. Trotzdem fieberte ich beinah bedingungslos mit ihr mit und sah, aufgrund der bestehenden Sympathie, über den fehlenden Tiefgang hinweg. Diese Problematik bestand bei Chase dagegen überhaupt nicht – er war von der ersten Sekunde an voll da, ließ uns Leser an seinen Gedankengängen und Gefühlen teilhaben und verhielt sich allem und jedem gegenüber absolut ehrlich und lebensnah. Allgemein war Chase einfach eine Figur, die einen darauf hinweist, dass es sie noch gibt: die Guten. Also ein Good Guy durch und durch! Eine gelungene Abwechslung zu all den Bad Boys, die man in solchen Romanen antrifft.
Chase schien auf den ersten Blick aalglatt und perfekt; doch schon bald offenbaren sich auch seine Baustellen und das verlieh ihm eine gehörige Portion Tiefe und Greifbarkeit. Allgemein verliert man unweigerlich sein Herz an diesen jungen Mann, weil er eben, wie man so schön sagt, perfekt unperfekt ist.
Auch Randfiguren sind hier enorm „nah“ ausgearbeitet und dargestellt! Es gab so viele Persönlichkeiten, alle unterschiedlich, aber gleichzeitig auch alle extrem sympathisch und liebenswert. Sie sind es letztlich auch, die dem ganzen Geschehen noch mehr Lebendigkeit einhauchen und den Wohlfühl-Faktor in die Höhe treiben. Kabbeleien, Streitereien, Neckereien, gemeinsames „in Erinnerung schwelgen“, sich näher kommen – es war jede Facette vertreten. Selbst der scheinbar unwichtigste Charakter, wie zum Beispiel der kleine Bruder von Chase, erreichte mein Herz mit einer Intensität die mich überraschte und verzauberte zugleich.

FAZIT:
„Falling Fast“ ist eine rund herum stimmige Geschichte, die besonders zu Beginn noch das Potential aufzeigt, ein Highlight zu werden. Leider flacht der Mittelpart etwas ab und zieht sich in die Länge. Zwar sind selbst in den ruhigsten Momenten ganz große Gefühle am Start und der Wohlfühl-Faktor kontinuierlich deutlich spürbar, doch täuscht das keineswegs über die zu wenigen Plots hinweg. Dafür ist das Ende, das zugegebenermaßen echt auf sich warten lässt, wieder deutlich spannender und emotionsgeladener; und mit einem richtig fiesen Cliffhanger versehen. Alles in allem war die Geschichte rund um Hailee und Chase wirklich zuckersüß, herzerwärmend, ergreifend und mit einer enorm einnehmenden Atmosphäre versehen – aber eben nicht ganz perfekt. Trotzdem ist die Vorfreude auf Band 2 ungebremst!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.09.2020

Leider nicht mehr das, was die beiden Vorgänger waren.

Scythe – Das Vermächtnis der Ältesten
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Ganz wie gewohnt splittete der Autor die Geschichte wieder in so einige Erzähl-Stränge; und jeder für sich hatte seine eigenen Protagonisten. Dementsprechend viele Hauptfiguren gilt es auseinander zu halten. ...

Ganz wie gewohnt splittete der Autor die Geschichte wieder in so einige Erzähl-Stränge; und jeder für sich hatte seine eigenen Protagonisten. Dementsprechend viele Hauptfiguren gilt es auseinander zu halten. Gerade zu Beginn fällt das noch extrem schwer und auch im Laufe der Geschichte verliert man immer wieder den Überblick. Dadurch, dass die Anzahl an wichtigen Personen in diesem dritten Band um ein vielfaches ansteigt, rücken Rowan und Citra dementsprechend in den Hintergrund.
Es fällt schwer, sich wirklich über eine Entwicklung oder dergleichen zu äußern, denn obwohl beide Akteure weiterhin sympathisch sind und man problemlos mit ihnen mitfiebern kann, lässt sich nicht mehr der gewohnte Zugang zu ihnen finden. Die Treffen mit ihnen sind einfach zu rar um überhaupt noch sagen zu können, sie seien Protagonisten. Außerdem haben sowohl Citra als auch Rowan nur noch wenig mit den Figuren zu tun, die man in Band 1 kennenlernte. Damals empfand ich sie noch als sehr realistisch, greifbar und lebendig – in Band 3 hingegen erschienen sie mir wie eine höhere Macht, zu denen man kaum noch durchdringen kann als Normalsterblicher. So komme ich auch nicht umhin zu sagen, dass die in meinen Augen sehr stark nachgelassen haben – aber das könnte natürlich auch daran liegen, dass man plötzlich statt zwei, gleich (gefühlt) 15 Figuren begleitet. Es drängen sich andere Charaktere in den Vordergrund: so war es zum Beispiel Jerry und Grayson, die eine wesentlich größere Rolle spielen – und während wir Grayson bereits kennen, ist uns Jerry zu Beginn an noch fremd. Hier muss man allerdings zugeben, dass Neal Shusterman in Sachen Charaktergestaltung wieder einen wunderbaren Job macht. So sind es also gerade Personen wie Jerry, Grayson oder Loriana, die dieses Finale ausmachen. Einige andere Protagonisten brachten die nötige Undurchsichtigkeit mit, um Zweifel und Zwietracht zu erzeugen und die gesamte Story am Laufen zu halten. Denn während man in Band 1 noch sehr genau wusste, wer auf der guten, wer auf der bösen Seite steht, verschwimmen hier die Grenzen in einem Ausmaß, dass man sich nie sicher sein konnte, was die Absichten eines jeden einzelnen waren.
Randfiguren gab es dafür recht wenige, doch die, die es gab, überzeugten größtenteils. Sie verfügten alle über den nötigen Tiefgang und genügend Greifbarkeit, um sie sich gut vor Augen führen zu können. Letztlich riss dies für mich das Ruder nicht mehr herum – es war schlicht zu viel von allem: von Charakteren, von „Seitenwechseln“ einiger, von Drama und von allgemeinem Input – aber dazu komme ich noch.

Der Schreibstil unterscheidet sich hingegen kaum von den Vorgängern – sehr einnehmend und atmosphärisch erzählt der Autor von einer zukünftigen Welt, die immer mehr aus den Angeln gerückt wird. Neal Shusterman erzeugt mit bloßen Worten einen absolut greifbaren Actionfilm mit allerlei unterschiedlicher Bilder. Sein Erzähltempo ist extrem rasant, die Spannung stets auf höchstem Niveau gehalten und sein Worldbuilding ist nicht von dieser Welt. Hier glänzt der Autor wieder auf ganzer Linie und zeigt, dass er unglaubliches Talent – und eine irrsinnig raumgreifende Kreativität – hat. Gegliedert in zahlreiche, verschiedene Stränge, wechseln die Perspektiven stets zu den richtigen Momenten, um fiese Cliffhanger zu erzeugen und den Leser zu zwingen, am Ball zu bleiben. Außerdem gibt es wieder diese Passagen aus den Tagebücher alter, bereits verstorbener Scythe oder gar dem Thunderhead, was wunderbar passt und der Geschichte noch mehr Nachvollziehbarkeit einhaucht. Alles in allem perfekt erzählt und top unterteilt in kurze, aussagekräftige Kapitel voller Action, Spannung und Atmosphäre.

Die Idee, wie der Autor die Geschichte rund um Citra und Rowan weiterführt ist definitiv überraschend. Das ganze Konstrukt der Handlung besteht aus unzähligen Twists, Nebenplots und unerwarteter Ereignisse. Schon zum Ende des zweiten Bandes hin, nahm die Storyline eine unvorhersehbare Wendung und exakt dieser Faden wird hier weitergeführt. Es ist also wieder von der ersten Seite an immens spannend gewesen und an Brillianz kaum zu überbieten. Allein das Worldbuilding und der Aufbau der Reihe haut einen regelrecht um. Immer neue Einfälle und Geschehnisse kommen ans Licht und obwohl die ganze Sache so komplex ist, ergibt doch alles stets einen Sinn und besitzt Hand und Fuß.
Leider gefiel mir persönlich die Richtung nicht, in die die Geschichte ging. In meinen Augen sah es so aus, als würde Neal Shusterman viel zu viel in diesen einen letzten Band packen wollen – dann wäre es wohl klüger gewesen, doch noch einen vierten Band oben drauf zu setzen, ehe dann ein derartiges Labyrinth an Erzählsträngen entsteht. Denn genau so fühlte ich mich – wie in einem Irrgarten an roten Fäden. Und obwohl jeder Faden für sich allein problemlos zu verfolgen war, verlor ich immer wieder kurzzeitig den Überblick, welcher Charakter nun wo ist; welche Geschehnisse welche Charatere beeinflussen usw. Da hätte man mehr Klarheit schaffen sollen; mehr Durchblick für den Leser und die ein oder andere Figur weniger. So erschien mir so manche davon nämlich als ziemlich unnötig – denn auch wenn derjenige am Ende einiges für die Handlung tat, hätte man das ganze Chaos auch problemlos umschiffen können.
Das Ende – das große Finale der genialen Scythe-Trilogie war dabei sehr ausgeweitet, nahm locker die letzten 100 Seiten des Buches in Anspruch und war actionreicher als alles, was man bisher erlebt hat innerhalb dieser Welt. Während ich den Schluss von Band 2 noch als Feuerwerk und fulminant bezeichnet hatte, empfand ich es hier eher als ein bisschen absurd und nicht als das, was ich mir vorgestellt und gewünscht hätte. Das ganze nahm sehr skurrile Züge an und hatte nicht mehr dieses typische Flair, was ich so vergöttert hatte. Außerdem schienen sich die Ereignisse derart zu überschlagen, dass man schlicht nicht mehr mitkommen konnte. Zu viel auf einmal – das ist einfach das, was dieses Finale wohl am besten beschreibt. Denn stellt man sich mal vor, dass die Charaktere ohnehin schon zu zahlreich innerhalb ihrer Erzählstränge waren, so hatte man am Ende, wenn alles zusammen läuft einen regelrechten Ameisenhaufen an Figuren, die alle irgendwas taten und entschieden, ohne dass dies großartig greifbar gewesen wäre. Sehr schade.

FAZIT:
„Scythe – Das Vermächtnis der Ältesten“ von Neal Shusterman ist, in meinen Augen, kein würdiges Finale für die geniale Trilogie. Hier herrschte zu viel Durcheinander und Chaos, um dem Ganzen problemlos folgen zu können. Viel angebrachter wäre da eher ein vierter Band gewesen, der die zahlreichen Plots aus Band 3 auffängt. Dies hätte zwar die Spannung wohl gemindert, doch in Anbetracht, dass es davon ohnehin immens viel gab, wäre das nicht weiter ins Gewicht gefallen. Zudem fehlten mir Citra und Rowan, denn obwohl die anwesend waren, erschienen sie viel zu selten auf der Bildfläche und verschwanden viel zu schnell wieder. Kurz um: der dritte und finale Band kann für mich längst nicht mit den Vorgängern mithalten, doch schlecht war er definitiv auch nicht. Eine tolle, actionreiche und rasante Entwicklung der Geschichte, massiv überraschende Plots und Ideen und ein Worldbuilding, das alle anderen blass aussehen lässt, vertröstet den Leser doch sehr. Aber eben nicht ganz.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.09.2020

Zu hohe Erwartungen oder einfach schwache Leistung?

Das Flüstern der Magie
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Laura Kneidl hat einen sehr einfachen, verständlichen Schreibstil, der dem Geschehen eine gewisse Leichtigkeit einhaucht. Man kommt problemlos voran und merkt oft nicht, wie die Seiten (oder wie in meinem ...

Laura Kneidl hat einen sehr einfachen, verständlichen Schreibstil, der dem Geschehen eine gewisse Leichtigkeit einhaucht. Man kommt problemlos voran und merkt oft nicht, wie die Seiten (oder wie in meinem Fall die Minuten) dahinfliegen. Atmosphärisch erzählt sie uns von den Erlebnissen der Protagonisten und führt uns geschickt durch die Geschichte. Die passende Wortwahl und die gut platzierten Beschreibungen lassen alles sehr bildhaft und greifbar, und auf die Thematik abgestimmt, erscheinen. Stellenweise wirkte aber so manch Darstellung fast ein wenig zu einfach – fast ein wenig zu jugendlich. Vielleicht lag das aber schlicht daran, dass ich meiner Jugend längst entwachsen bin und eigentlich gar nicht mehr die eigentliche Zielgruppe für diese Geschichte bin. Dies hatte aber gleichzeitig den Vorteil, dass es wirklich keinerlei Probleme gab, sich zurecht zu finden.
Mehr Sorgen bereitet dafür die Sprecherin. Ich hatte schon einmal ein Hörbuch von Katja Sallay, wo sie mir auch echt sehr gut gefallen hat. Auch hier ist ihre Stimmfarbe wieder sehr einzigartig und kann durchaus begeistern. Das tat sie auch noch über die erste Hälfte, doch je länger man ihr lauscht, desto monotoner wirkt alles. Es wurde größtenteils sehr emotionslos heruntergeleiert und das Tempo blieb, egal ob Liebes-Szene oder Action-Passage, stets gleich lahm. Besonders negativ stechen allerdings die Szenen heraus, in denen sich die Figuren Nachrichten zusenden. Das war schlicht und ergreifend extrem schlecht gemacht – so leid es mir auch tut. Leider hat Katja Sallay hier nicht überzeugt, und hat der Geschichte einiges an Geschwindigkeit und Lebendigkeit geraubt.

Die Charaktergestaltung von Laura Kneidl versetzte schon so manches Mal in Entzücken, hier jedoch fehlte dies komplett. Sowohl Fallon als auch ihr männliches Gegenstück Reed sind zwar nicht schlecht ausgearbeitet, verblassen aber neben Ceylan & Co aus „Die Krone der Dunkelheit“ total. Man kann durchaus mit ihnen mitfiebern, doch mehr als nette Bekanntschaften sind nicht entstanden. Wünscht man sich nicht, mit den Figuren mitzufühlen, mitzuleiden? Eine Freundschaft zu ihnen aufzubauen? Vor allem die Protagonisten sollten einem doch soweit ans Herz wachsen, dass man sie am Ende dann vermisst, wenn man das Buch zuschlägt. Das war weder bei Fallon noch bei Reed der Fall. Beide sind auf ihre Art und Weise sympathisch, liebenswert und in gewisser Weise auch authentisch – aber eben sehr durchschnittlich. Charaktere, wie man sie an jeder Straßenecke findet. Trotzdem, und das möchte ich nochmal betonen, waren alle Figuren – vor allem die beiden Hauptakteure wirklich keinesfalls schlecht oder unsympathisch, sondern einfach in Anbetracht der recht hohen Erwartung etwas blass.
Die 19-jährige Fallon ist trotz ihrer Gabe sehr bodenständig, handelt glaubhaft und bedacht, wirkt aber stellenweise ein wenig naiv in dem, was sie tut. Es fällt schwer, sich so richtig mit ihr zu identifizieren, weil so manch Handlung doch ein wenig fragwürdig erschien und lediglich im Zusammenspiel mit der weiteren Geschichtige Sinn ergab. Trotzdem mochte ich die junge Frau gerne und konnte in der meisten Zeit mit ihr mitfiebern. Sie ist munter, mutig und sehr zielgerichtet. Zwar nicht immer besonders verantwortungsbewusst, aber doch irgendwie ganz süß. Und genau da liegt wohl auch das große Problem: Fallon, wie auch einige andere, waren nichts weiter als „süß“ .. man verfolgt sie gerne, wenn sie aber sterben, ist das auch irgendwie ok. Außerdem hätte ich mir, besonders zum Ende hin, einfach ein wenig Entwicklung ihrerseits gewünscht. Mehr Einsicht und Klarheit und mehr Verantwortungsbewusstsein.
Reed, der Love Interest der Geschichte, war deutlich reifer in seinem Benehmen, wirkte gefestigter und weniger jugendlich. Auf ihn traf „süß“ also nur im entferntesten Sinne zu. Er war mir, genau so wie Fallon auch, sympathisch und außerdem definitiv passend für Handlung – wies aber auch nicht diesen Besonderheits-Faktor auf, den man von den Figuren der Autorin einfach kennt. Er war einfach gefühlt komplett überflüssig. Ständig war er da, brachte aber nichts wirklich zu stande. Jedoch konnte er zumindest mit einer gewissen Undurchsichtigkeit glänzen, die doch noch ein wenig Spannung ins Spiel bringen konnte.
Alle anderen Beteiligten blieben dagegen wiederum etwas oberflächlich und nur wenig greifbar. Am Ende war es wohl Jess, der unter all den Nebenfiguren doch noch ein wenig hervorstach. Fallon’s Eltern hingegen, die durchaus wichtig für den Verlauf waren, hätten noch die ein oder andere Protion Tiefgang gebraucht, um mit ihnen mitzufiebern bzw. ihnen nur das Beste zu wünschen.

Die Handlung. Ja die Handlung. Also erstmal das positive vorweg: die Idee gefällt! Allein der Klappentext macht neugierig und man möchte als Leser wirklich gerne erfahren, was Fallon alles erlebt und welche gravierenden Auswirkungen solche magischen Gegenstände auf „normale“ Menschen haben. Leider wars das dann auch schon mit den Pluspunkten – denn schon auf den ersten Seiten merkt man, dass man hier nicht auf die erhoffte Innovation stößt, die der KT vermuten lässt. Leider ist schon der Einstieg sehr klischeehaft, wenn auch noch ganz spannend und rasant. Ist dann aber die Start-Szene gelesen/gehört, wird es sehr stereotypisch und ziemlich „bekannt“. Es mangelte an erfrischenden Plots, spannenden Wendungen und allgemein interessanten Geschehnissen. Die Handlung dümpelt extrem ruhig dahin, ohne dass groß etwas passiert. Man fühlt sich schon auf während des ersten Drittels an zig andere Jugend/Fantasy-Bücher erinnert, die man schon gelesen hat. Dazu kam dann auch noch so manch fragwürdige Handlung von Seiten der Figuren, die dem Ganzen dann auch noch das letzte Fünkchen Glaubwürdigkeit raubten. Und liebe Laura Kneidl – du schreibst Bücher wie Someone New, Berühre mich. Nicht und Co – wieso ist die Liebesgeschichte hier dann so platt und nichtssagend? Mich konnte nichts, wirklich nichts an Fallon und Reed und ihre vermeindlich ach so tiefen Gefühle zueinander erreichen. Im Gegenteil! Ich fragte mich ständig, was die beiden eigentlich miteinander wollten. Reed der irgendwie immer da war, aber nichts brauchbares zur Handlung beitrug und Fallon, die komplett geblendet und verantwortungslos durchs Leben schreitet. Schwierige Kombination. Wäre die Hauptstory dann wenigstens noch spannend gewesen, hätte man gut und gerne über die nicht ganz so geglückte Lovestory hinwegsehen können, doch so verschlimmerte sie das alles nur noch mehr.
Nichts passiert, kaum Lebendigkeit innerhalb des Geschehens und von dem Tempo und des Vorrankommens keine Spur. Stattdessen zieht sich die Suche nach dem gestohlenen Gegenstand ewig hin und dieser eine, gezwungen wirkende Spannungsmoment verpuffte dann auch innerhalb von Sekunden wieder.
Vom Ende will man deswegen kaum anfangen. Es war zwar durchaus eine Überraschung, wie sich das Blatt wendete, doch da der Rest eh nicht fesseln konnte, verblasste auch das viel zu sehr. Dazu die emotionslose Sprecherin und die plumpe Liebesgeschichte – wirklich kein Genuss. Ich hätte mir an der Stelle einfach mehr gewünscht – mehr von allem! Allgemein wäre die Handlung gut bedient gewesen, wenn einfach mehr da gewesen wäre, was zum Mitfiebern einlädt. Aber vielleicht – ja wirklich nur vielleicht, ist das Buch doch einfach zu jugendlich für mich; das möchte ich nicht ausschließen. Trotzdem schade.

FAZIT:
Das Flüstern der Magie“ von Laura Kneidl ist leider überhaupt nicht das, was ich mir davon versprochen habe. Eine lahme, stereotypische 0-8-15-Handlung ohne nennenswerte Plots, mindestens genau so klischeehafte Figuren und eine komplett emotionslose, nicht nachvollziehbare Lovestory machen das Buch zu einer Tortur. Lediglich Idee und Schreibstil können noch irgendwie punkten, obwohl die Sprecherin den Stil ganz schön nach unten zog. Alles in allem eine herbe Enttäuschung – da ist man viel viel viel viel viel Besseres von der Autorin gewohnt. Schade.

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Veröffentlicht am 07.09.2020

Schwerer Start, aber es lohnt sich!

Speak Up
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Laura Steven entschied sich dafür, diesen Roman in Form von Blogeinträgen zu erzählen. Kurze, knackige Posts animieren so immer wieder dazu, jedes Zeitgefühl zu vergessen und am Ball zu bleiben. Die einzelnen ...

Laura Steven entschied sich dafür, diesen Roman in Form von Blogeinträgen zu erzählen. Kurze, knackige Posts animieren so immer wieder dazu, jedes Zeitgefühl zu vergessen und am Ball zu bleiben. Die einzelnen Kapitel sind durch die Angabe des entsprechenden Tages voneinander getrennt, innerhalb aber nochmal durch die verschiedenen Uhrzeiten, zu denen Izzy ihre Einträge veröffentlichte. In meinen Augen eine eher weniger gängige Art, eine Geschichte zu erzählen, doch im Großen und Ganzen mal eine gelungene Abwechslung und definitiv passend zur Thematik. Dabei schreibt die Autorin sehr jugendlich und einfach, nicht aber plump oder im Slang. Sie schafft es problemlos, Izzy eine Stimme zu geben und sie allein durch ihr Auftreten innerhalb des Blogs authentisch werden zu lassen. Laura Steven beherrscht es enorm gut, einen lockeren Lesefluss zu erzeugen, ohne dass die Message darunter zu leiden hätte. Sehr schön formuliert und noch schöner abgehandelt überzeugt der Schreibstil also auf ganzer Linie und die Gliederung noch mehr.

Die Charaktere hingegen hatten es etwas schwieriger. Besonders zu Beginn herrscht eine gewisse Distanz, die stellenweise unüberbrückbar erschien. Zum Glück besserte sich das Verhältnis zu Izzy und Co und man findet nach und nach einen Draht zu den Figuren. Spätestens nach dem ersten Drittel waren meine Bedenken dann beinah völlig ausgemerzt. Warum nur beinah? Dazu kommen wir gleich.
Izzy als Protagonistin ist taff, mutig und eigentlich ein völlig normaler Teenager. Sie bringt eine Menge Selbstvertrauen, Sturheit und Eigensinn mit ins Spiel, wirkt manchmal etwas naiv, manchmal etwas blauäugig, ist im großen und ganzen aber sympathisch. Sie ist eigentlich die ideale Besetzung für diesen Roman, denn sie geht mit ihrer Intimität sehr locker um. Dass ihr das irgendwann zum Verhängnis werden würde, ahnte sie bereits, doch mit diesem Ausmaß hatte sie, und auch ich, nicht gerechnet. Es fällt einem nicht schwer, mit ihr mitzuleiden und mitzufiebern; man wollte sie stets in Schutz nehmen und den anderen fast mit Gewalt die Augen öffnen. Nicht jede Entscheidung und nicht jeder Gedanke ist 100% authentisch oder nachvollziehbar, aber im Endeffekt war das auch nicht nötig, um mich bei Laune zu halten.
Was mir allerdings, während der gesamten Geschichte ein Dorn im Auge, und das bezieht sich auf das oben erwähnte „beinah“: Izzy’s Humor. Leider erreichte mich der Witz einfach überhaupt nicht, sondern entlockte mir viel eher ein Stirnrunzeln, wenn nicht sogar ein Augenrollen. Es gab ein paar kleine Momente, in denen ich schmunzeln musste, doch die waren so rar gesäht, dass sie in der Masse schlicht untergingen. Wäre der Humor ein anderer gewesen, so hätte die Wirkung der Handlung eine ganz andere, noch viel intensivere und tiefere sein können. Aber man will ja schließlich nicht meckern.
Nichts zu meckern gab’s auch in Bezug auf die Nebenfiguren. So war es Anjita, die einen mit ihrer Art einfach anstecken konnte. Spritzig, lebensfroh und eine durch und durch herzliche Persönlichkeit. Oder Danny, der den wohl größten Vielschichtigkeitsfaktor an den Tag legte. Bei ihm konnte man sich nie sicher sein, worauf er abzielt und was er mit seinem Tun bezweckt – das hat Laura Steven sehr schön herausgearbeitet. Alle anderen, wie Betty, Sharon usw. gefielen ebenfalls sehr gut und überzeugen.

Das Grundgerüst der Geschichte weist schon von Hause aus einen gewissen Tiefgang auf. Die Message, die schon aus dem Klappentext hervorgeht äußerst wichtig und meiner Meinung nach eine Seltenheit. Umso schöner, dass sich Laura Steven der Thematik angenommen hat. Leider fühlte sich der Einstieg doch schwerer an, als erhofft. Alles beginnt etwas zäh und der skurile Humor macht es ebenfalls schwierig, sofort Fuß zu fassen. Doch gewöhnt man sich erst einmal an die Begebenheiten und die Erzählweise, wird es merklich besser. Die Geschichte nimmt an Fahrt auf, es wird zunehmend spannender und interessanter. Das Tempo wird angezogen und die Plots beginnen allmählich damit, zu schockieren. „Speak Up“ öffnet einem die Augen, zeigt mit ausgestrecktem Finger auf die Probleme in der Gesellschaft und nimmt kein Blatt vor den Mund. Laura Steven behandelt hier ein Tabu-Thema und schafft es mit Leichtigkeit die entsprechenden Messages auszudrücken. Nie, wirklich niemals hätte ich damit gerechnet, dass mich das Buch, nach dem eher holprigen Start, noch dermaßen mitreißen und in seinen Bann ziehen kann. Durch die ganze Lebendigkeit, die hier herrscht, fühlt man sich oft unwohl in der eigenen Haut – nicht zuletzt auch weil man die Augen bisher ungewollt verschlossen hat.
Die ganze Handlung spitzt sich immer weiter zu, wird rasanter und die ganzen Nebeneinflüsse, die hier verbaut sind, rücken immer weiter in den Vordergrund. Denn neben den offensichtlichen Themen, wie Sexismus und Feminismus kommt zusätzlich noch Rassismus, Mobbing, Cyber-Kriminalität und noch einiges mehr ans Licht. Man kann nicht glauben, wie sich alles entwickelt, doch es ist, wenn man mal genau darüber nachdenkt, schlicht Alltag. Für mich hat Laura Steven hier beinah ein Meisterwerk geschaffen, das noch ganz viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat. Denn sie hat auch Izzy als Protagonistin so handeln lassen, wie es ein Opfer nun einmal tun würde. Im ersten Moment wehrt sie sich nicht, lässt sich so einiges gefallen und auch wenn dabei ihr Krönchen nicht fällt, tut es weh, das alles zu beobachten.
Das große Finale und die damit einhergehende Auflösung setzen dem Ganzen nochmal ein oben drauf und vermitteln ganz klare Botschaften! Ein rund herum gelungenes Buch darüber, wie ein einziger Fehltritt einer Frau ihr ganzes Leben zunichte machen kann – während der Mann ungeschoren und ohne mit Vorwürfen bombadiert zu werden, davon kommt. Sehr sauber ausgearbeitet, insziniert und dargestellt und dafür gebührt der Autorin ein riesiges Lob und jede erdenklich Anerkennung!

FAZIT:
„Speak Up“ von Laura Steven ist ein außergewöhnlicher Jugendroman, der sich mit einer Thematik beschäftigt, die viel zu selten angesprochen wird. Durch Izzy vermittelt uns die Autorin in was für einer Welt wir eigentlich leben und öffnet uns Lesern nach und nach die Augen. Auch wenn mir der Humor innerhalb des Buches und der Einstieg ins Geschehen nicht 100% zusagten, möchte ich dennoch, dass dieses Buch ganz viel mehr Aufmerksamkeit erhält und möglichst viel und oft gelesen – und vielleicht auch im Netz gezeigt und rezensiert wird. Von mir gibt’s ne klare Lese-Empfehlung, weil dieses Buch einfach unglaublich wichtig ist. Fürs Highlight gab’s letztlich zu viel Kritik, aber 4 starke Sterne für den Mut und das Können von Laura Steven.

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  • Handlung
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Veröffentlicht am 07.09.2020

Dat war nichts :(

V is for Virgin
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Kelly Oram erzählt auch die Geschichte von Val wieder sehr greifbar und lebendig. Durch ihren flüssigen, angenehmen Schreibstil rauscht man nur so durchs Geschehen, kann sich dabei aber alles wunderbar ...

Kelly Oram erzählt auch die Geschichte von Val wieder sehr greifbar und lebendig. Durch ihren flüssigen, angenehmen Schreibstil rauscht man nur so durchs Geschehen, kann sich dabei aber alles wunderbar leicht vor Augen führen. Auf großartige Beschreibungen wird verzichtet, dafür wird auf Atmosphäre und ein zügiges Tempo gesetzt. Zuletzt habe ich den Stil der Autorin mit dem von Brittainy C. Cherry und Colleen Hoover verglichen – um dem stimme ich auch heute noch größtenteils zu. Gefühlvoll, echt und voller Emotionen – aber dabei trotzdem nicht zu anspruchsvoll. Selbst die Dialoge glänzen wieder, in dem sie glaubhaft und realistisch gehalten sind, ungezwungen wirken und Spaß machen. Allgemein gibt es nichts, was man in Bezug auf den Schreibstil und die Wortwahl, die passend für die Zielgruppe ausfiel, kritisieren könnte. Gut gemacht! Wieder einmal!
Corinna Dorenkamp als Sprecherin macht dabei auch einen wunderbaren Job. Ihre Stimme klingt jung und frisch, sehr dynamisch und sie verleiht der Geschichte zusätzlich Lebendigkeit und Authensität. Die verschiedenen Tonlagen und Geschwindigkeiten sind ideal gewählt und sorgen für das Auf und Ab während des Lesens. Die Dialoge sind spritzig und durch die Ich-Perspektive erschien es oft so, als würde Val tatsächlich selbst zu uns Lesern sprechen. Obwohl ich Corinna Dorenkamp bisher nicht kannte, konnte sie mich doch gleich auf Anhieb überzeugen und bleibt positiv in Erinnerung. Es hätten wohl nicht viele so gut gepasst, um Val’s Geschichte so realistisch zu vertonen.

Und genau hier endet das Lob. Die Idee an und für sich hätte noch Potential gehabt, um so richtig einzuschlagen – doch die Umsetzung scheiterte kläglich. Anfänglich kann die Handlung definitiv noch neugierig machen, doch es schien fast so, als würde sie sich schon nach wenigen Seiten selbst verlieren. Kelly Oram konnte sich wohl nicht so recht entscheiden, ob aus „V is for virgin“ nun ein tiefgründiger, aussagekräftiger Roman mit einer starken Protagonistin werden soll, oder doch lieber eine seichte Rockstar-Lovestory mit möglichst heißem Protagonist. So schwankte das Augenmerk immer wieder hin und her – und beides wirkte dementsprechend unausgereift. Die Kampagne rund um das Thema Jungfräulichkeit war grundsätzlich nämlich keineswegs schlecht! Kelly Oram hat es geschafft, dass Val trotz ihrer Radikalität kein Slutshaming betreibt. Sie animiert lediglich dazu, sich Gedanken darum zu machen, wem man „sein erstes Mal“ schenkt oder wen man allgemein an sich heranlässt; mit wem man so intim werden möchte. Und dass man es nicht tun muss, wenn man nicht bereit dafür ist. Trotzdem verurteilt die Story niemanden, der anderer Meinung ist und das ist in meinen Augen ein riesiger Pluspunkt! Die Message dahinter ist also top, blieb aber irgendwo zwischen nervigen Protagonisten, sexsüchtigen Teenagern, fehlenden Emotionen und zu viel Zickenkrieg zurück. Es wäre deutlich klüger gewesen, aus Kyle einen ganz normalen Kerl zu machen, anstatt eines Rockstars. Es gab keinen richtigen Spannungsbogen, das Interesse an der Handlung verblasst automatisch durch zu viel Teenie-Drama und die eigentlich schöne Aussage hinter dem Buch wirkt immer unwichtiger. Ich hätte mir klarere Linien gewünscht, weniger Liebe, weniger Rockstar und dafür mehr Ausdruck. Mehr „on point“, wenn ihr versteht, was ich meine. Mehr Tiefe innerhalb der Umsetzung und mehr Realität hätte so einiges rausreißen können, doch so war es manchmal ganz okay, manchmal einfach nervtötend. Vieles erschien unwirklich, überzogen und wenig glaubhaft. Zu viele Zufälle und zu viel Glück nahmen der Geschichte den Wind aus den Segeln.
Und das Ende.. ja das Ende. Schon kurz zuvor geschahen 2-3 Dinge, die zwar recht überraschend kamen, aber eher negativ ins Auge stachen. Und dann passierte alles so schnell und so aprupt, dass man kaum glauben konnte, dass es nun vorbei ist mit dem Buch. Wo bitte blieben die Emotionen? Das Mitfiebern? Der große Showdown. Es fühlte sich viel mehr so an, als wäre gerade eine Seifenblase geplatzt: plopp – weg.

In Sachen Charaktere kann „V is for virgin“ leider auch in keinster Weise mit Cinder und Ella mithalten. Während man sich damals wie im Sturm Hals über Kopf in die Protagonisten verliebte, ist es hier allenfalls ein laues Lüftchen, was da aufkommt. Keiner, wirklich keiner in dieser Geschichte hier überzeugt bedingungslos – außer vielleicht Jason (hieß er so?) aber es sind ja schließlich immer die Guten, die letztlich verlieren. Wie dem auch sei – Valerie jedenfalls konnte mich nicht für sich gewinnen. Sie schien stellenweise sehr radikal, ihre Beweggründe waren in keinster Weise nachvollziehbar und ihr Verhalten oft genau so wenig. Sie ging regelrecht mit Scheuklappen durchs Leben und reagierte oft seltsam innerhalb der Handlung. Blindlinks lief sie ohne Nachzudenken immer weiter ins Verderben und beschwerte sich dann letztlich darüber, was sie da alles erleben musste. Sie war sympathisch, das lässt sich nicht leugnen, doch viel mehr passierte da nicht. Eine Verbindung zu ihr herzustellen, gelang mir trotz aller Mühen leider überhaupt nicht – und das kann durchaus der Tatsache geschuldet sein, dass wir einfach grundverschieden ticken und ich das „Wieso und Warum“ überhaupt nicht verstand. Trotzdem hätte durchaus sowas wie ein Draht zueinander entstehen können, wenn sie einfach greifbarer gewesen wäre. An manchen Stellen glaubte man kurzzeitig mal mit ihr mitzuleiden, aber das verpuffte so schnell wieder, das es gut und gerne auch Einbildung hätte sein können. Auch die Entwicklung fehlte auf ganzer Linie. Keiner verlangt, dass sie ihre Prinzipien über Bord wirft und mit dem nächstbesten Kerl ins Bett springt! NEIN! Aber ein gewisses Maß an Verständnis für ihr Umfeld hätte irgendwann aufkommen sollen.
Kyle erschien mir währendessen etwas normaler (nein, nicht deshalb, weil er Valerie’s Ansichten nicht teilt, sondern weil er für einen Rockstar ein erstaunlich bodenständiger Charakter war). Trotzdem konnte er mein Herz lange Zeit genau so wenig erobern, wie Val. Dafür hätte einfach mehr da sein müssen als sein heißes Aussehen und sein sarkastischer Humor (der wiederum echt gut getroffen wurde). Was er aber definitiv aufwies, was die Weiterentwicklung, die man bei Valerie so schmerzlich vermisst hatte. Er wandelte sich und irgendwann wurde er dann doch noch zu einem akzeptablen Protagonisten für die Geschichte.
Ein paar Worte muss ich allerdings auch über Val’s beste Freundin loswerden. Cara war wirklich der Inbegriff von furchtbar. Was genau stimmte mit diesem Mädchen nicht? Völlig ichbezogen und selbstverliebt, ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer zieht sie ihr Ding durch und stößt jeden vor den Kopf, der nicht schnell genug in Deckung gehen kann. Also ehrlich: hätte ich eine solche Freundin.. obwohl nein, so eine Freundin hätte ich nicht, weil solche Menschen keine Freunde verdienen. Eine absolut katastrophale Figur, die der Geschichte nicht gut tat sondern immer wieder dafür sorgte, dass man tief durchatmen musste.
Alle anderen Figuren, wie Schulkameraden, Band-Mitglieder und Eltern sind aber wenigstens gut getroffen worden und ergeben insgesamt eine schöne Auswahl. Ihre Charakterzüge und Persönlichkeiten unterscheiden sich deutlich voneinander und die Abwechslung passte sehr gut ins Geschehen. Jeder trug seinen Teil zur Handlung bei und bereicherte sie mit seinem Auftreten.

FAZIT:
„V is for virgin“ von Kelly Oram zählt wohl zu den größten Enttäuschungen des Jahres – und warum? Weil die Erwartungen an die Geschichte derart weit oben lagen, dass sie eigentlich kaum zu erfüllen waren. Ich bin mir sicher, die Geschichte ist nicht schlecht, aber sie ist um Längen schlechter als „Cinder und Ella“. Da ich die beiden aber nicht großartig vergleichen möchte, konzentriere ich mich auf die Kritikpunkte, die mir hier begegnet sind: absolut schwache Charakter-Gestaltung bei den Protagonisten, eine schwammige Handlung und ein zutiefst enttäuschendes Ende. Und wo bitte waren die Emotionen?? Die fehlten leider komplett. Das alles überwiegt leider deutlich über den doch sehr angenehmen Stil, die gute Idee und die tolle Sprecherin. Schade. Ich hab mir viel mehr versprochen.

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