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Veröffentlicht am 19.11.2020

Leider gar nicht meine Geschichte..

Royal Blue
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Wo fängt man am besten an, wenn man nicht weiß, wo man anfangen soll? Fallen wir heute mal mit der Tür ins Haus und beginnen mit der Kritik. Casey McQuiston hat einen, für mich, sehr unangenehmen, holprigen ...

Wo fängt man am besten an, wenn man nicht weiß, wo man anfangen soll? Fallen wir heute mal mit der Tür ins Haus und beginnen mit der Kritik. Casey McQuiston hat einen, für mich, sehr unangenehmen, holprigen und chaotischen Schreibstil, der jede Form von Bildhaftigkeit im Keim erstickt. Während die Dialoge zum Teil noch sehr schön zu verfolgen sind und von sowas wie Lebendigkeit zeugen, und auch die eMails größtenteils überzeugen, ist das Drumherum einfach unendlich schwierig zu verstehen. Die Sätze sind zu verschachtelt, transportieren alles in allem zu wenig und sind schlicht zu wirr und chaotisch, um dem Ganzen flüssig folgen zu können. Beschreibungen oder Details sucht man vergeblich – oder man stolpert darüber und vergisst sie sogleich wieder. Dadurch leidet im Grunde die ganze Geschichte, denn wenn man immer wieder gewaltsam aus dem Geschehen gerissen wird, verschwindet der Lesespaß, trotz womöglich guter Storyline ziemlich schnell. Die Greifbarkeit fehlt.
In meinen Augen hätte sich die Autorin definitiv einen Gefallen getan, das Ganze in zwei unterschiedliche Perspektiven zu gliedern und in der Ich-Form zu erzählen. So aber sind endlos lange Kapitel von locker mal 50-70 Seiten entstanden, was sich zusätzlich unweigerlich auf das Lesetempo auswirkt. Ein letzter, nicht unerheblicher Grund, warum mir weder Stil noch Gliederung gefallen haben waren die unerwarteten Sichtwechsel und Kulissensprünge. Im einen Satz ist mit „er“ Henry in England gemeint, im nächsten dann wieder Alex in Amerika – und das alles ohne erkennbaren Hinweis darauf. Das Chaos in meinem Kopf schien perfekt. Sehr schade! Denn mit diesem Schreibstil, in den man selbst nach über 300 Seiten nicht richtig reinkommt bzw. mit dem man nie richtig warm wird, geht das gesamte Buch unter.

Und mit ihm natürlich auch die Besatzung in Form der Charaktere. Henry und Alex sind an und für sich sympathisch gestaltet, die hitzigen Wortgefechte und schlagfertigen Emails tun den beiden jedenfalls immens gut. Doch eine richtige Bindung konnte ich zu keinem der beiden aufbauen. Beide wirken sehr stereotypisch, besonders Henry hat bis auf sein Äußeres kaum etwas an sich, was ihn aus der Masse herausstechen lässt. Er ist sehr, trotz seines Titels, sehr normal, beinah schon ängstlich und irgendwie rückgratlos. Ich bin froh, dass sich das im Laufe der Geschichte etwas relativierte und er somit eine gewisse Entwicklung an den Tag legte. Daran mangelte es Alex nämlich wiederum umso mehr: Alex ist ein ganz typischer Bad Boy, mit einer großen Klappe und viel Selbstbewusstsein. Manchmal hinwegen scheint es, als würde er sich nur hinter dieser Fassade verstecken, denn im ihm schlummert so viel mehr als nur ein attraktiver Präsidentinnensohn. Doch auch er gewinnt immer mehr Einsicht, wenn es auch kein Vergleich zu Henry ist. Alex ist und bleibt der Partykönig, der Spaß am Leben hat und seine Probleme in Arbeit ertränkt.
Beide sind auf ihre eigenen Arten und Weisen glaubhaft in ihren Positionen. Es wurde durchaus ordentlich recherchiert und dargestellt, in was für Leben sie sich befinden und mit welchen Problematiken sie sich auseinandersetzen müssen. Trotzdem fehlte mir manchmal das Verantwortungsgefühl der beiden. Es schien keiner so richtig über das, was sie taten, nachzudenken. Folgen? Egal.
Die Chemie aber stimmte ganz eindeutig. Obwohl mich Henry’s und Alex’s Lovestory emotional nicht catchte, lässt es sich nicht abstreiten, dass die Funken nur so flogen zwischen ihnen. Besonders in Chats und Emails kam dies ganz deutlich durch und machte stellenweise wirklich großen Spaß zu verfolgen. Ansonsten verhielten sie sich aber oft wie pubertierende Teenies, bei denen Sex stets an oberster Stelle steht.
Die Nebencharaktere, die hier auftauchen, sind ebenfalls ein wenig blass, können aber doch irgendwie überzeugen. Allen voran gefielen mir die Schwestern der beiden Protagonisten wirklich extrem gut. So sind sie es, die in den entscheidenden Momente entweder die Schulter zum Anlehnen bieten, oder ihnen ins Gedächtnis rufen, welche Stellung sie haben. Bea und June sind, trotz der Distanz, die ich zu der Geschichte verspürte, die beiden, die mich am meisten für sich gewannen. Da konnten auch Henry und Alex nicht mithalten. Undurchsichtigkeit gab es dabei im Allgemeinen aber fast keine. Sie alle spielten, scheinbar, mit offenen Karten und große Überraschungen gab es (leider) nicht. Negative Gefühle hegte ich eigentlich auch zu kaum einem; lediglich einer stach ein wenig aus der Masse hervor, weil er doch sehr „gegen alles“ war und der wohl schlimmste Spießer, dem man in Büchern jemals begegnet ist.

Die Handlung. Okay. Die Idee, die hinter diesem Buch steckt ist jedenfalls schon mal sehr vielversprechend und interessant! Nicht zuletzt auch wegen all der positiven Stimmen, die im Netz bereits laut wurden, war ich doch voller Hoffnungen, dass mich „Royal Blue“ komplett vom LGBTQ-Genre überzeugen kann. Letztlich war es aber ein eher steiniger Weg. Angefangen damit, dass ich aufgrund des Stils keine Chance hatte, überhaupt so richtig in die Geschichte abzutauchen. Ich fühlte mich immer „so weit weg“ – manches konnte ich nur verschwommen wahrnehmen und ich bin mir sicher, dass mir unglaublich viel auch entgangen ist, ohne dass ich es gemerkt habe. Der weitere Verlauf war nicht das, was ich mir versprochen habe. Die Handlung war süß, teilweise sogar richtig spannend, aber alles in allem sehr klischeehaft und standardmäßig. Dieses typische „vom Erzfeind zum Love Interest“, dies auch noch recht instalove-mäßig abgehandelt und mit viel zu vielen Sexszenen gespickt. Tiefgründe Dialoge findet man nicht im direkten Gespräch der Protagonisten, sondern lediglich, hin und wieder, über die Chats und Emails, die Henry und Alex austauschen. Ansonsten wird sehr oft erwähnt, wie heiß der eine den anderen findet und umgekehrt und wie sie übereinander herfallen. Da blieb einfach keine Zeit für große Wortwechsel. So kam es leider zu gewissen Längen, weil sich Plots schlicht wiederholten. Ich fühlte mich dennoch oftmals recht gut unterhalten, wenn man mal den Schreibstil außen vor lässt und gerade wenn sich Casey McQuiston dann auf die Politik bzw. den Kampf für Gleichberechtigung von Homosexuellen etc. konzentriert, wird die Message, die das Buch ausdrücken soll, deutlich. Dafür gab’s auf jeden Fall einen großen Pluspunkt, weil mir die Umsetzung davon wiederum sehr gut gefiel und mich sogar von Punkt zu Punkt fesseln konnte. Ebenso verhielt es sich mit den offenen Fragen, die sich auftun. Intrigen und Verrat sind in der Politik keine Seltenheit und wurden von der Autorin auch hier geschickt platziert und sorgten für eine kleine Portion Spannung im großen Chaos
Das Ende war dann schließlich rund, auch wenn ich mich frage, wieso man einen 50-seitigen Epilog braucht. Trotzdem gefiel mir der Abschluss der Geschichte, war stimmig und hob die Message nochmal klar und deutlich hervor. Überraschungen gab’s auch hier zwar wieder keine, doch rückblickend war es doch verhältnismäßig spannend und nochmal sehr temporeich.

FAZIT:
„Royal Blue“ von Casey McQuiston war so ganz anders, als ich es mir erhofft oder erwartet habe. Die Geschichte rund um die beiden Söhne der Staatsoberhäupter von Amerika und England ist nicht wirklich überraschend und noch weniger temporeich. Es ist ein stereotypischer New Adult Roman mit einem eher ungewöhnlichen, für mich auch unangenehmen Schreibstil. Lässt man den allerdings mal außen vor, kann das Buch dennoch unterhalten. Zwar gibt es einige Plot-Wiederholungen, sehr viel Sex und nur wenig spannende Gespräche, doch so richtig enttäuscht bin ich trotzdem nicht. Ich würde sagen, wer gern mal ins LGBTQ-Genre schnuppern möchte und die Erwartungen nicht allzu weit oben ansiedelt, der könnte Henry und Alex auf jeden Fall eine Chance geben und sich vielleicht in das homosexuelle Pärchen verlieben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.11.2020

Der schönste Band der Reihe

Liebe mich. Für immer (Finde-mich-Reihe 3)
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Sam und Amy kennen wir als Leser ja bereits aus den vorherigen Bänden und der Eindruck, den ich während Band 1 und 2 von ihnen gewann, hatte nicht getäuscht. Sam ist ein durch und durch liebenswerter, ...

Sam und Amy kennen wir als Leser ja bereits aus den vorherigen Bänden und der Eindruck, den ich während Band 1 und 2 von ihnen gewann, hatte nicht getäuscht. Sam ist ein durch und durch liebenswerter, charmanter Charakter, dessen Äußeres ihn nicht nur bei seinen Studentinnen (ja er ist Dozent an einer Universität) ziemlich gut ankommt, sondern auch bei mir. Durch seine offene, sympathische Art fühlte ich mich direkt zu ihm hingezogen und hatte derweil große Freude daran, ihn zu begleiten. Sam ist humorvoll, großherzig und hin und wieder sorgt er mit seiner unbeholfenen, nervösen Art, die er nur in Amy’s Nähe an den Tag legt, für das ein oder andere Schmunzeln. Seine Lebendigkeit und Greifbarkeit haben mich des öfteren überrascht und überzeugt. Man könnte sagen, Sam wäre perfekt, immerhin ist er aufmerksam, romantisch und kann wunderbar mit Kindern umgehen . Außerdem ist er ein loyaler bester Freund, äußerst ehrgeizig und trotzdem unheimlich sensibel und einfühlsam. Gott.. ich glaube, Sam ist wirklich perfekt gewesen, so wie er war.
Ganz im Gegensatz zu Amy. Amy durchläuft während des Romans so einige Höhen und Tiefen und was man bisher nicht von ihr wusste ist, dass sie eine unheimlich schwierige Vergangenheit hinter sich hat, die sie immer wieder einholt. Amy ist hochgradig sensibel, hat ein regelrechtes Trauma von ihrem früheren Leben davongetragen und ist deshalb äußerst zurückhaltend und vorsichtig; fast schon panisch. Und obwohl die Thematik so schwerwiegend und kompliziert ist, hat es Kathinka Engel geschafft, es sehr glaubhaft und realistisch zu verpacken – zumindest meistens; denn gerade im mittleren Teil des Buches gab es öfters Momente, in denen Amy’s Verhalten zu übertrieben und zu dramatisch auf mich wirkte. Sie verletzte Menschen, ohne sich darüber im Klaren zu sein und verhielt sich zum Teil sehr rücksichtslos, was ihr Umfeld betraf. Auch ihre kurzen Aussetzer waren nicht unbedingt das, was ich mir gewünscht habe. Trotzdem empfand ich diesen Part an ihr dennoch als interessant, da ich mich kaum in ihre Lage versetzen kann und deshalb umso interessierter daran war, wie ihr Verhalten dabei erklärt wurde. Alles in allem war Amy nicht perfekt, durchlebte aber eine deutliche Entwicklung, was wiederum komplett für sie spricht. Ebenso positiv stach dabei auch ihr großes Herz ihren „Klienten“ gegenüber ins Auge und im Groben und Ganzen passte sie dennoch gut zur Handlung und brachte einiges an Zündstoff mit.
Randfiguren durften wir nur wenige „neue“ kennenlernen. Gerade die Protagonisten aus Band 1 und 2 kennen wir ja bereits in aller Ausführlichkeit und auch die quirrlige Jeanny ist keine Unbekannte. Trotzdem empfand ich es als spannend zu sehen, wie sich der Leben derer, die wir bereits ziehenlassen mussten, entwickelte und gerade in Bezug auf Jeanny gab es noch einmal eine deutlich tiefere Einblicke in deren Charakter und Lebensweise. Hach Jeanny.. dich werde ich wohl am meisten vermissen. Doch ebenso merkte ich auch, wie sehr mir die anderen fehlen würden: Zelda mit ihrer lebensfrohen, bunten Art, Malik mit seiner Bodenständigkeit, Rhys mit seiner Zurückhaltung und Scheu, und Tamsin, die so herrlich normal und trotzdem was Besonderes für mich war.

Auch Kathinka Engel’s Schreibstil kann wieder auf ganzer Linie punkten. Ihre Art zu Erzählen ist nichts, was man nicht öfters vorfindet, aber die Geschichte liest sich so wunderbar leicht und flockig und die Seiten fliegen, ohne es zu merken, nur so dahin. Die Worte der Autorin erzeugen ein klares Bild der Szenerien vor dem inneren Auge und sind allgemein sehr bildhaft, ohne dass zu viele Beschreibungen einfließen und der Lesefluss ins Stocken gerät. Auch die beiden unterschiedlichen Perspektiven in Form von Amy’s und Sam’s Sicht, passen hier perfekt zur Handlung. Sie verleiten den Leser immer wieder dazu, nochmal ein Kapitel dran zu hängen.
Ebenso gefiel mir auch die Auswahl der Sprecher. Es ist ja an und für sich schon was besonderes, dass alle drei Bände der Reihe von jeweils unterschiedlichen Sprechern gelesen wird, doch dass ale drei einen so guten Job machen, ist noch überraschender. Auch Karoline Mask von Oppen und Oliver Wronka sind wie für Amy und Sam gemacht. Sie hauchen den Figuren Leben ein, bringen Tiefe mit und machen das Hörbuch extrem unterhaltsam und packend. Dabei könnte ich noch nicht einmal benennen, welcher von den beiden Parts mir besser gefallen hat – sie hatten beide ihre Höhen, aber Tiefen konnte ich dabei nicht erkennen. Kurz um: perfekt!

Inhaltlich betrachtet gab es allerdings Tiefen; zu denen kommen wir gleich. Vorerst möchte ich über den sehr gelungenen Einstieg sprechen. „Liebe mich. Für immer“ zu beginnen war so ein bisschen wie Nachhause zu kommen. Sam und Amy wiederzutreffen, erfüllt einen mit unerwartet großer Freude und ich hab mich sofort wieder pudelwohl in Pearly gefühlt. Als dann auch die anderen Figuren wieder ihre Gastauftritte hatten, war es in Sachen Wohlfühlfaktor komplett um mich geschehen und ich konnte mich komplett fallen lassen. Es beginnt, recht rasant, sehr emotional und es tun sich eine Fragen auf, auf die man unbedingt schnellstmöglich eine Antwort bekommen möchte. Leider fällt die Spannungskurve dann etwas ab, nicht zuletzt auch weil Amy sich manchmal etwas sehr dramatisch benimmt und in manchen Situation so fern ab jeglicher Erwartungen benimmt. So war ich besonders im mittleren Teil recht genervt und fühlte mich nur noch semi gut unterhalten. Als ich die Hoffnung auf Besserung dann beinah aufgegeben hatte, erfüllte mich das Geschehen plötzlich mit immens intensiven Emotionen. Es geschah plötzlich wieder so einiges und man konnte manches, was Amy tat und sagte – oder nicht tat – besser nachvollziehen, weil endlich die lang ersehnten Erklärungen eingeflossen sind. Und dann, von einem Moment auf den anderen berührte mich dieser dritte Band so sehr, dass ich sogar das ein oder andere Tränchen verdrücken musste. Da Band 1 und 2 emotional eher locker waren, war die Überraschung hier umso größer, dass mich Amy’s und Sam’s Geschichte derart berührte und mitnahm.
Ein weiterer, positiver Aspekt war für mich das Tempo, in dem sich die ganze Handlung abspielte. Alles ging weder furchtbar langsam, noch zu schnell und fühlte sich im Allgemeinen einfach glaubhaft und realistisch an. Kathinka Engel gab den Protagonisten Zeit, sich und ihre Gefühle zu entfalten und zu entwickeln. Es gab mehr als genügend Rückschläge, die dem Leser zwar äußerst wehtaten, doch dem Ganzen noch zusätzliche Lebendigkeit einhauchten. So war es auch keine große Überraschung, dass das Ende absolut rund und stimmig wirkte. Die Autorin beantwortete alle Fragen, ließ den emotionalen Nervenkitzel nochmal aufleben und man fragt sich kurzzeitig, ob sie es tatsächlich wagen würde, auf das Happy End zu verzichten. Ob das wirklich der Fall war, oder ob Sam und Amy doch noch glücklich zusammen werden, müsst ihr selbst lesen.

FAZIT:
Der dritte und somit finale Band der Finde Mich-Reihe konnte mich wieder größtenteils überzeugen. Zwar gab es stellenweise gewisse Durchhänger, doch erklärten sie sich im Laufe der Zeit ausreichend gut, um beinah gänzlich darüber hinwegsehen zu können. Amy und Sam sind authentische, liebenswerte Charaktere und während er absolut perfekt wirkte, wies sie so einige Problemchen und „Schwächen“ auf, die sie jedoch umso interessanter machten. Besonders das angenehme Tempo, in dem sich die Lovestory abspielt und die heimelige Atmosphäre spielten dem Roman einige Pluspunkte ein. Alles in allem eine schöne Unterhaltung, die Spaß macht und zum Teil erstaunlich intensiv berührt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.11.2020

Eine ruhige, aber tief bewegende Geschichte

Über mir der Sturm
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Der Einstieg in diesen Roman war äußerst geschickt gewählt. Dadurch, dass wir Hanna in den letzten Zügen ihres alten Lebens kennenlernen und erfahren, wie ehrgeizig und leidenschaftlich sie an ihrer Lauf-Karriere ...

Der Einstieg in diesen Roman war äußerst geschickt gewählt. Dadurch, dass wir Hanna in den letzten Zügen ihres alten Lebens kennenlernen und erfahren, wie ehrgeizig und leidenschaftlich sie an ihrer Lauf-Karriere feilt, ist es umso grausamer, den Autounfall, der im Klappentext erwähnt wird, hautnah mitzuerleben. Es schmerzt, und öffnet einem auf sehr eindringliche Weise die Augen dafür, wie schnelllebig unser Dasein tatsächlich ist. Von jetzt auf gleich kann alles ein Ende finden und dies so klar und deutlich vorgeführt zu bekommen, animiert zum nachdenken und lässt einen mal kurz innehalten. Und es bleibt nicht bei dieser einen einnehmenden Szene. Das gesamte Werk lässt einen immer wieder aufhorchen, animiert dazu, Selbstreflektion auszuüben und jede einzelne Passage berührt auf eine sehr lebendige, authentische Art und Weise.
Die Thematiken, die die Autorin hier aufgreift, sind außergewöhnlich und mutig, bringen Potential mit und es wäre eine Untertreibung zu behaupten, sie wären „nur“ ausgeschöpft worden – hier wurde alles aus den Ereignissen herausgeholt und mit viel Gefühl auf Papier gebracht. Die Geschichte ist schwer, die Atmosphäre oft gedrückt, doch Sarah fängt die Emotionen der Protagonisten sehr geschickt ein und gibt sie mit viel Intensivität wieder. So fühlt man enorm mit Hanna und David mit und kann sich in die einzelnen Geschehnisse wunderbar hineindenken.
Obwohl es nach dem Autounfall etwas ruhiger wird, verliert die Storyline nichts an Geschwindigkeit und noch viel weniger an Emotionen. Das hier ist kein actiongeladenes Selbstfindungs-Abenteuer. Es ist eine Geschichte voller Höhen und Tiefen, voller Kummer, Schmerz und Leid – aber auch voller Hoffnung, Mut und schöner Momente. Das Drama, das hier stattfindet, unterscheidet sich so deutlich von anderen Jugendromanen: es ist viel weniger überzogen, dafür umso echter und realistischer. Es ist bodenständiger und trotzdem irgendwie viel dramatischer durch die herben Schicksalsschläge, die die Protagonisten verkraften müssen. Mitzuerleben, wie Hanna lernt, mit dem Handycap zurecht zu kommen wurde toll eingefangen, und die stetigen Rückschläge sind zwar, für mich, sehr bedrückend gewesen, aber sie zeigen auch auf, wie es im echten Leben abläuft. Da ist es genau so wenig ein stetiger Anstieg, sondern ein Auf und Ab. Immer wieder ertappte ich mich dabei, wie ich Tränen aus den Augenwinkel wischen musste – nur weil ich so sehr mit Hanna und David mitlitt und mitfühlte
Das Ende kam dann, doch recht abrupt. Während ich noch komplett von der Geschichte gefesselt war, endete es doch sehr plötzlich und fühlte mich, trotz des runden Epilogs, nicht so recht zufriedengestellt. Das mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass ich beim eBook noch einige Prozent übrig hatte – oder dass ich dermaßen „in to it“ war, dass ich gar nicht merkte, wie schnell ich „im Ziel“ war; aber mir ging es am Ende irgendwie zu flott. Ich hätte gut gern nochmal ein paar Kapitel mehr über Hanna und David gelesen. Trotzdem gefiel mir der Schluss sehr gut. Es war harmonisch, keineswegs kitschig oder überzogen und in sich komplett stimmig.

Als noch stimmiger empfand ich die Protagonisten. Hanna ist eine so lebensfrohe, muntere, junge Frau gewesen, ehe sie durch den Unfall nicht nur ihr Bein, sondern beinah auch sich selbst verlor. Die Autorin hat die Charakterzüge der 19-jährigen wirklich toll eingefangen und sie als sehr glaubhafte Persönlichkeit dargestellt. Ihre Emotionen und Gedankengänge waren zwar manchmal sehr düster und drückend, aber eben auch auf ganzer Linie nachvollziehbar. Sich mit ihr zu identifizieren fiel mir unheimlich leicht, und das obwohl ich mir nicht mal im Ansatz vorstellen kann, so viel Kraft und Stärke zu haben, bei einem solchen Verlust. Aber eben gerade weil Hanna auch mal zweifelt und droht aufzugeben, war sie so authentisch und lebensecht. Ich bin mir nahezu sicher, dass man den Kampf nicht besser hätte darstellen können, als Sarah Nierwitzki es hier bei Hanna getan hat.
Aber weswegen ich einen besonders starken Draht zu der Protagonistin spürte, waren ihre Panikattacken. Manche wissen es bereits, für andere mag es neu sein, aber ich selbst bin auch stark davon betroffen. Und die Autorin hat die Minuten „davor“, die Empfindungen während und die Nachfolgen dieser Attacken derart genial ausgearbeitet und dargestellt, dass durchaus die Gefahr bestand, dass ich davon getriggert werden konnte – wurde ich allerdings nicht; im Gegenteil. Hanna gab mir Kraft, ermunterte mich mutiger zu sein und brachte mir so manch neues bei. Hanna’s Mantra wurde zu meinem Mantra und deshalb werd ich dieser fiktiven Figur auf ewig dankbar sein und sie für immer tief im Herzen tragen. Danke Hanna! Danke dass du mir gezeigt hast, dass nicht alles schlecht ist, wenn man mal einen miesen Tag hat. Danke dass du mir gezeigt hast, dass es noch mehr „von uns“ gibt und danke, dass du so viel Mut und Kampfgeist bewiesen hast, dass ich es dir gleichtun möchte.
Doch genug von Hanna geschwärmt – auch David war eine ganz wundervolle Figur, die meinen tiefsten Respekt verdiente. Trotz Handycap schien er so lockerleicht durchs Leben zu gehen. Dabei lag von Anfang an die Vermutung nahe, dass diese Lockerheit nicht über Nacht kam – er musste sie sich erarbeiten und manchmal schien der Schein auch zu trügen. Auch er musste bereits einiges hinnehmen und verkraften, und ihn trotz all dem so zu ehen war einfach wunderschön. David war mir, vom ersten Moment an sympathisch, doch erst als er durch seine Geschichte Tiefgang bekam, schloss ich ihn so richtig ins Herz. Ich bewunderte ihn während der gesamten Handlung und konnte mich auch nicht dagegen wehren, Hanna’s Gefühle für ihn nachzuempfinden. David ist ein Segen, für Hanna – aber auch für diesen Roman und er tat so vieles unbewusst, oder so viele Kleinigkeiten, die mich manchmal sogar zu Tränen rührten.
Die Randfiguren sagten mir hier ebenfalls extrem zu! Manche von ihnen waren sofort sympathisch, andere brauchten Zeit, um aufzutauen. Manche waren von Anfang an Idioten, andere entwickelten sich dazu. Und jeder einzelne war einzigartig in seiner Person. Vom fürsorglichen Vater über die herzlose Mutter bishin zum feindseligen Konkurrent – die Autorin hat von allem ein bisschen eingebracht und die Geschichte so noch lebendiger und vielfältiger werden lassen.

Diie Art und Weise, wie Sarah diese Geschichte erzählt lässt sich wohl am besten mit „ruhig“ beschreiben. Obwohl der Autounfall sehr explosiv und rasant dargestellt wurde, überwiegt doch eher die Gediegenheit. Doch eben jene Ruhe ist es auch, die die Emotionen umso mehr an die Oberfläche spülen. Sarah Nierwitzki findet hier exakt die richtigen Worte, um die einzelnen Szenen möglichst eingehend, bildhaft und gefühlsmäßig packend darzustellen. Ich kam, trotz oder gerade wegen der eher „leisen“ Erzählweise sehr zügig und flüssig voran und auch am Verständnis scheiterte es nicht. Die Autorin hat einen ganz wunderbaren, berührenden und lebendigen Schreibstil, der einfach mitreißt und überzeugt.
Besonders positiv fiel in diesem Buch auch die Perspektive ins Gewicht. So gibt es immer wieder lobende Worte für mehrere Perspektiven, doch hier empfand ich die eine als völlig ausreichend und absolut passend für die Geschichte. So blieben gewisse Geheimnisse auch für den Leser eine zeitlang ungeaufgedeckt, was die Spannung schlicht nochmal etwas nach oben trieb. David’s Vergangenheit erfahren wir so erst dann, wenn er bereit dazu ist, sie uns und Hanna zu erzählen und das war in meinen Augen ein echter Gewinn für die Authensität und die Lebendigkeit innerhalb des Buches.

FAZIT:
„Über mir der Sturm“ von Sarah Nierwitzki ist eine sehr berührende, authentische Geschichte über zwei Menschen, die vom Schicksal hart getroffen wurden und trotzdem nicht aufgeben, egal wie dunkel die Wolken am Himmel auch mal sein mögen. Hanna und David sind unheimlich sympathisch und echt, sehr greifbar und wirken dauerhaft wie aus dem realen Leben entsprungen. Die Autorin hat es geschafft, diesen Roman so unglaublich emotional und ergreifend zu erzählen, dass man sich als Leser nur schwer gegen die Tränen wehren kann. Aber neben all dem Kummer und dem Leid gibt es auch einzigartig schöne Momente, die einfach ans Herz gehen. Fürs absolute Highlight hat mir, vor allem in Hinblick auf den Schluss, noch eine Brise Wow-Effekt gefehlt, doch alles in allem bin ich mir sicher, dass ich alles, was Sarah noch auf den Markt bringt, lesen werde. Großartig und absolut lesenswert!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.11.2020

Eine der besten Geschichten der letzten Jahre!

Wie die Ruhe vor dem Sturm
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Brittainy C. Cherry entführt uns hier nach Illionois – zumindest der Großteil der Geschichte spielt sich dort ab. Eleanor, die Protagonistin ist in einer Stadt im mittleren Westen der USA geboren und aufgewachsen, ...

Brittainy C. Cherry entführt uns hier nach Illionois – zumindest der Großteil der Geschichte spielt sich dort ab. Eleanor, die Protagonistin ist in einer Stadt im mittleren Westen der USA geboren und aufgewachsen, zur Schule gegangen, ihrer ersten großen Liebe begegnet. Einen Teil dieser Jugend dürfen wir miterleben, und auch das erste Aufeinandertreffen mit Greyson East. Die Liebesgeschichte entwickelt sich ganz zärtlich, fast zaghaft und unterscheidet sich in so vielen Belangen von allem, was man bisher so gelesen hat. Durch einen Schicksalsschlag werden die beiden schließlich getrennt und verlieren nach und nach den Kontakt zueinander. Erst Jahre später ist es dem Zufall zu verdanken, dass sie wieder aufeinandertreffen.

Der Aufbau der Geschichte ist sehr typisch für die Autorin, aber dafür nicht weniger gut. Der Einstieg und auch noch einiges danach spielt sich in der Vergangenheit ab, ehe es dann den besagten Zeitsprung gibt und sich die Karten neu mischen. Beide Zeitebenen sind äußerst eingehend und mitreißend erzählt, voller Gefühl und Tiefe. Und genau das ist es, was BCC ausmacht: Sie erzählt unheimlich lebendig und realistisch; trifft mit ihren Worten immer mitten ins Herz. Die banalsten Szenen sind so herzzerreißend und emotional, dass es kaum zu glauben ist. Tränen über Tränen haben mich während des Lesens begleitet, doch immer wieder konnte sich auch ein Lächeln auf mein Gesicht stehlen. Und trotz der sehr schweren Thematik, liest sich das Buch wunderbar leicht und schnell weg, ist verständlich und unheimlich bildhaft. Ich fühlte mich, durchgängig, als Teil des Geschehens und nicht nur als einfacher Leser, der alles aus der Ferne beobachten muss. Die Autorin erschafft mit ihren Worten einen Sog, der einen von der ersten Sekunde an mitreißt und berührt und erst dann wieder loslässt, wenn man das Buch zuschlägt und darüber nachgedacht hat – lange darüber nachgedacht hat. Wie kann man nur immer die richtigen Worte für eine Szene finden? Wie kann man mit Buchstaben solche Emotionen erzeugen? Wie kann man so perfekt schreiben? Ein wahnsinniges Talent, was Brittainy C. Cherry da an den Tag legt. Insgesamt also ein Schreibstil, der für mich beinah als unantastbar gilt – weil er schlicht perfekt ist und so kein zweites Mal auf dem Buchmarkt zu finden ist.

Selbst die Charaktergestaltung sticht extrem positiv hervor. So ist Eleanor schon von Anfang an etwas anders; ein Außenseiter wie er im Buche steht. Statt auf einer Party zu trinken, feiern und tanzen, verschanzt sie sich lieber inmitten der Menge in einer Ecke und liest. Und auch ihr Schicksal ist nicht gerade sacht zu ihr: sie muss schon früh mit einem herben Verlust klarkommen und droht danach, sich selbst zu verlieren. Eleanor, oder Ellie, wie sie oft genannt wird, ist durchweg authentisch und mit so viel Glaubwürdigkeit gesegnet, dass es mir wunderbar leicht fiel, mit ihr mitzufühlen. Sie ist auf ihre Art sympathisch, durch und durch liebenswert und einfach eine riesengroße Bereicherung für die Handlung. Selbst nachdem viele Jahre ins Land gezogen sind, strahlt sie noch immer von innen heraus und besitzt so viel Charisma, um sie problemlos auch als erwachsene Frau ins Herz schließen zu können. Und trotz aller Eigenschaften an ihr, die gleich geblieben sind, legte sie eine beeindruckende Entwicklung an den Tag, ohne sich selbst aus den Augen zu verlieren. Ellie ist stärker geworden, mutiger und trotzdem noch immer verletzlich. Ihre Großherzigkeit und ihre schier endlose Geduld sprechen ebenfalls für sie und man ertappt sich immer wieder dabei, wie man ein bisschen so sein möchte wie sie. Kurz um: Ellie ist die perfekte Besetzung für „Wie die Ruhe vor dem Sturm“ und tut mit ihrer Art und ihrem Auftreten so einiges für den Verlauf der Geschichte. Außerdem ist sie ein wirklich tolles Gegenstück zu Greyson, zu dem wir jetzt kommen:
Greyson durchlebte wohl die krasseste Entwicklung, die man je an einem Buchcharakter sehen konnte. So war er, zu Beginn der Geschichte (also während des Vergangenheit-Parts) ein unheimlich einfühlsamer, sympathischer und offener Teenager, der sich wirklich ins Zeug legte für Ellie und ihr eine wahre Stütze sein konnte. Endlich mal ein typischer Good Guy, der einfach überzeugt indem er gefühlvoll, ehrlich und einfach liebenswert rüber kommt. Doch auch mit ihm meinte es das Schicksal ganz offensichtlich nicht gut – das verrät ja schon der Klappentext – und aus dem sympathischen Jungen wurde ein eiskalter Mann, der nicht mehr in der Lage ist, Emotionen zuzulassen, geschweige denn zu zeigen. Kontinuierlich fragt man sich als Leser, was den einst so nahbaren Jungen zu diesem distanzierten Mann gemacht hat. Als dieses Geheimnis gelüftet wird, wird so einiges klar und jede Zurückweisung und jede Flucht wird plötzlich verständlich. Ich konnte Greyson, trotz dessen, dass ich niemals in einer solchen Situation war, bedingunglos nachempfinden und litt Höllenqualen mit ihm. Brittainy C. Cherry hat den Wandel, den Greyson East durchmacht, einfach perfekt eingefangen und sehr emotional und berührend, und vor allem authentisch, wiedergegeben. So war es kein Wunder, dass Greyson mir fast noch eine Spur besser gefallen hat, als Ellie es getan hat.
Und weil es stets auch was zu BCC’s Nebencharakteren zu sagen gibt, hier eine kurze Liebeserklärung an alle Randfiguren, die hier eine Rolle gespielt haben. Jeden – ich wiederhole – jeden einzelnen von ihnen ist mir unsagbar ans Herz gewachsen und wird, jetzt nach der Beendigung des Buches, eine große Leere zurücklassen. Shay, Landon, Claire, Karla und Lorelai – sie alle waren so ausgereift und in sich stimmig, dass man nicht anders kann als sie ins Herz zu schließen. Ich habe mich verliebt, in Karla, die ein so schweres Los zu tragen hat. Und in Lorelai, die mit ihren 5 Jahren so lebensfroh, quirrlig und wunderbar ist. Danke liebe Autorin, dass ich diese Persönlichkeiten kennenlernen durfte – und ich hoffe sehr auf ein Wiedersehen in Band 2 der Reihe.

Bevor ich explizit auf die Handlung eingehe, möchte ich einmal schnell den Titel würdigen, den der Verlag ausgesucht hat. Noch nie erschien mir ein Titel derart passend zum Inhalt eines Buches. Das großes Kino, lieber Lyx-Verlag – ehrlich!
Jetzt aber wie versprochen, noch fix zur Handlung: Die Idee ist großartig – und die Umsetzung noch viel mehr. Allein die Tatsache, dass uns Brittainy C. Cherry stets die Chance gibt, die Vorgeschichte mitzuerleben, anstatt sie nur aus Erzählung zu erfahren, ist eine Wohltat für ihre Geschichten. Dabei setzt die Autorin immerzu auf schwere Themen, befasst sich mit Verlust, Tod und Krankheiten – so auch hier und verbaut damit einiges an „Drama“, was in jedem anderen Fall schnell als „to much“ bezeichnet werden könnte. So aber nicht bei ihr. Sie schafft es, die schlimmsten Schicksalsschläge völlig authentisch und bodenständig rüber zu bringen, und packt dabei noch derart viele Emotionen mit in die Handlung, dass die Gefühlsachterbahn und ein in tausend Scherben zerfallenes Herz vorprogrammiert sind.
Ich litt – von der ersten Seite an war es kein Lesen, es war ein Leiden. Und trotzdem kann man nicht behaupten, das Buch würde einen runterziehen – im Gegenteil! Es sind so viele, so wunderschöne Passagen eingebaut, die all den Schmerz problemlos auffangen, ohne ihm seine Intensität zu rauben. Es ist durchweg abwechslungsreich und durch die vielen, offenen Fragen, die entstehen, stets spannend und mitreißend. Unzählige Plots, manche eher nebensächlich, andere tragend, wird es zu keiner Sekunde langweilig und es gibt dauerhaft etwas, woran man sich festhält. In dem Buddyread haben wir über beinah jede Szene einzeln gesprochen; davon geschwärmt, wie schön oder wie schmerzhaft es war und uns ging der Gesprächsstoff nie aus. Jede Szene für sich war perfekt, aber in Kombination durchbrachen sie alle Grenzen.
Selbst das Ende, das man gut und gern als etwas übertrieben bezeichnen könnte, war so voller Normalität und Leben, dass man über diesen winzigen Kritikpunkt gern hinwegsieht. Das Ende war einfach der perfekte Schluss für diese Geschichte und dabei nicht weniger emotional. Allein die einzelnen Ideen, die BCC hier nochmal hat einfließen lassen, waren wunderschön und einzigartig in ihrer ganzen Pracht.
Um das ganze Lob jetzt nochmal zusammen zu fassen: diese Geschichte hat mich tief bewegt, schwirrte ständig in meinen Gedanken umher und brachte mich unzählige Male zum Lachen und zum Weinen. Es sind die kleinen Dinge, die hier die Perfektion ergeben und das Ende begeistert, trotz einer gewissen Portion Vorhersehbarkeit und Übertreibung.

FAZIT:
„Wie die Ruhe vor dem Sturm“ von Brittainy C. Cherry ist ein durch und durch gelungener, emotional tief bewegender und emotionaler Roman über Verlust, Tod, Trauer und die Bewältigung all dessen. Es ist aber auch ein Roman über Liebe, Freundschaft, Zusammenhalt und Familie. Für mich ist diese Geschichte, durch den einzigartig gelungenen Schreibstil, der wundervollen Protagonisten und noch wundervolleren Nebenfiguren und durch die gesamte Handlung, wieder ein Highlight durch und durch und die Autorin bleibt die unangefochtene Nummer Eins im YA/NA-Bereich. Wer gern gefühlvolle Bücher liest und dabei von einer ganz besonderen Wortwahl und traumhaft schönen wie schmerzhaften Szenen überrascht werden will, der MUSS dieses Buch lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.11.2020

Ich versteh nicht, wo der Hype herkommt..

Spark (Die Elite 1)
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Die dystopische Welt, die wir hier betreten, ist eigentlich gar nicht so weit entfernt von der unseren. Zumindest von den Begebenheiten unterscheidet sich die Zukunft kaum von der heutigen Zeit. Die Technik ...

Die dystopische Welt, die wir hier betreten, ist eigentlich gar nicht so weit entfernt von der unseren. Zumindest von den Begebenheiten unterscheidet sich die Zukunft kaum von der heutigen Zeit. Die Technik etc. scheint kaum weiterentwickelt zu sein, im Vergleich zu den heutigen Verhältnissen und auch die Städte und Regierungsformationen findet man auch im Jahr 2020 schon genau so oder so ähnlich vor. Sicher, manches ist vielleicht etwas weit hergeholt, aber keineswegs zu abgehoben, um wirklich einmal so zu sein. Dafür hat die Autorin einiges an Magie einfließen lassen und so einige interessante Elemente eingebaut, die dafür sorgen, dass die Handlung anregend bleibt. Schon der Einstieg in die Geschichte gelingt wunderbar leicht und man kann dem Geschehen, als Leser, problemlos folgen. Durch die Tatsache, dass wir erst einmal ein wenig Zeit bekommen, Malia kennenzulernen, beginnt dieser Auftakt noch verhältnismäßig ruhig, aber keineswegs langweilig. Malia zu ihrem Gentest zu begleiten, lässt uns gleich tief in den weiteren Verlauf des Buches blicken. Leider stellt sich dann aber doch recht schnell Ruhe ein und alles wirkt ein wenig in die Länge gezogen. Obwohl der Einstieg so vielversprechend schien, kamen dann doch sehr viele stereotypische Passagen, bekannte Elemente und ich verlor nach und nach ein wenig das Interesse an dem, was geschah. Besonders im mittleren Bereich wiederholten sich die Geschehnisse zum Tel und es war wenig spannend. Zwar keimte immer wieder kurz ein Spannungsfunke auf; besonders in Hinblick auf die Undurchsichtigkeit eines bestimmten Charakters, doch verglommen die stets recht schnell wieder. Sehr schade, ich bin mir sicher, da hätte man mehr rausholen können.
So wie zum Beispiel zum Ende hin. Die gesamte Handlung nahm noch einmal Fahrt auf und es kam zu der ein oder anderen unerwarteten Wendung. Vivien Summer hat das Finale dieses ersten Bandes sehr schön insziniert, denn auch wenn vieles wieder sehr bekannt wirkte, schaffte sie es doch, mich an die letzte Stunde zu fesseln. Es gab Spannung, Action, überraschende Wendungen und einen Cliffhanger, der mich persönlich dazu animiert, dem zweiten Band auf jeden Fall noch eine Chance zu geben.

Malia als Hauptfigur passt soweit ganz gut in die Geschichte. Sie ist sympathisch, liebenswert und es fällt einem nicht schwer, mit ihr mitzufiebern und mitzufühlen. Sie ist loyal und hilfbereit, ehrgeizig und mutig. Besonders in Hinblick auf ihre Familie gefiel sie mir umheimlich gut. Leider legt sie aber auch eine gewisse Naivität und Gutgläubigkeit an den Tag, was es stellenweise etwas schwer macht, sich so richtig mit ihr zu identifizieren. Ich hätte mir eine deutlichere, hervorstechendere Entwicklung gewünscht, sodass sie zwar am Ende immer noch Malia ist, aber eben reifer und in gewisser Form auch klüger. Nichts desto trotz waren ihre Handlungen und Gedankengänge in den meisten Fällen absolut doch nachvollziehbar und sie im allgemeinen eine liebenswürdige Persönlichkeit.
Anders verhielt es sich bei Chris. Er war zwar auf seine eigene Art und Weise interessant und der einzige Charakter, der eine gewisse Undurchsichtigkeit an den Tag legt, doch so richtig erreichen konnte er mich nicht. Sein Verhalten wollte mir nicht immer einleuchtend und das Hin und Her, das nicht nachvollziehbar war, steigerte die Distanz, die ohnehin zwischen uns herrschte, nur noch mehr. Er wurde als der talentierte Ausbilder beschrieben, verhielt sich aber zumeist wie ein pubertärer Jungspund, der selbst nicht weiß, was er will.
Dadurch blieb auch die Lovestory, die sich hier einen recht großen Platz in der Geschichte reservierte, eher blass und erreichte mich gefühlsmäßig nicht sonderlich. Da hätte mehr passieren sollen, um so richtig mitzufühlen und mitzuleiden zu können.
Nebenfiguren, sofern sie überhaupt eine etwas tragendere Rolle spielten, waren ausreichend ausgearbeitet und größtenteils detailliert genug dargestellt, um sich ein Bild von ihnen machen zu können. Wie so oft war es dann einer der Nebenfiguren, der sich zu meinem Favorit mauserte und das wiederum spricht ja dann auch dafür, dass die Nebenrollen gut besetzt waren.

Zum Schreibstil lässt sich im Allgemeinen nicht besonders viel sagen. Das Buch hat sich wunderbar lesen/hören lassen und wie oben bereits erwähnt, trifft man auf keinerlei Verständnisprobleme. Allerdings hebt sich der Stil auch nicht großartig von anderen ab, sondern wirkt sehr alltäglich und normal. Vivien Summer hat es dennoch geschafft, mir die Szenen bildhaft vor Augen zu führen und mich mit der erschaffenen Atmosphäre, die ohne jeden Zweifel spürbar ist, zu erreichen.
Die Gliederung, in Form der recht kurzen, aber knackigen Kapitel spricht ebenfalls für die Autorin. Da die Geschichte rein aus Malia’s Sicht erzählt wird, bleiben die anderen Figuren eher undurchsichtig, was ich in diesem Fall aber wesentlich positiver wie negativer empfand. Die Spannung blieb dadurch aufrecht erhalten und als Leser fragte man sich ständig, was den anderen Figuren bei ihren Handlungen wohl durch den Kopf ging.
Weitaus mehr Lob gibt’s dafür für die Sprecherin Lydia Herms. Sie liest die Geschichte sehr einnehmend, abwechslungsreich und authentisch. Ihre Stimmfarbe ist extrem angenehm und ihre Art zu Sprechen sehr zugänglich. Ich mochte die verschiedenen Tempi genau so wie die verschiedenen Spannungsgrade, die sie sehr deutlich herausgelesen hat. Damit hat sie, meiner Meinung, der Geschichte jede Menge Gutes getan und ihr zusätzliches Leben eingehaucht.

FAZIT:
Der erste Band der Elite-Reihe „Spark“ von Vivien Summer ist eine gelungene, unterhaltsame und zum Teil magische Geschichte. Trotz einiger stereotypischer Elemente und eines bekannten Aufbaus kann die Handlung, vor allem zum Beginn und gen Ende durchaus überzeugen. Leider wurde ich weder mit dem Hauptcharakter Chris noch mit der Liebesgeschichte so richtig warm, was dem Ganzen ein wenig den Wind aus den Segeln nahm. Dennoch kann ich mir, nicht zuletzt wegen des Cliffhangers an Ende, durchaus vorstellen, dass mich Band 2 mehr begeistern kann – versuchen werde ich es auf alle Fälle. Falls ihr gern dystopische Fantasy-Geschichten lest und auch mal über ein wenig „Standard“ hinwegsehen könnt, könnt ihr ruhig mal einen Blick auf diesen Auftakt werfen.

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