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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.11.2020

Leider wieder nur Schema F

Die kleine Patisserie in Paris
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Es ist ein Liebesroman. Der darf wohl vorhersehbar, kitschig, klebrig-süß und gut oberflächlich sein. Der darf das.

Aber trotzdem hätte ich mich gefreut, wenn die Autorin aus ihrem Schema F - Liebesstrickmuster ...

Es ist ein Liebesroman. Der darf wohl vorhersehbar, kitschig, klebrig-süß und gut oberflächlich sein. Der darf das.

Aber trotzdem hätte ich mich gefreut, wenn die Autorin aus ihrem Schema F - Liebesstrickmuster ausgebrochen wäre. So wusste man leider schon nach wenigen Seiten, wie es weitergehen wird. Also musste nun die kleine Patisserie alles herausreißen und das war einfach zu viel für diesen kleinen Ort. Die Patisserie und seine Besucher waren leider etwas blass und wenig ansprechend und so schafften sie es nicht mich komplett zu überzeugen. Einzig Marcel mit seiner leicht arroganten Art, die er leider zum Ende zu immer mehr verliert, hat mir gut gefallen.

Ansonsten hat die Autorin jede Menge Klischees, besonders bei der Beziehung zwischen Sebastian und Nina, in die Geschichte gepackt und diese leider auch über viele Seiten gezogen. Ich glaube eine Kürzung um etliche Seiten hätte der Geschichte gut getan. So fühlte ich mich manchmal wie in einem Kreisverkehr, in dem man die Ausfahrt verpasst hat und unfreiwillig noch eine Runde drehen muss.

Veröffentlicht am 07.11.2020

Klare Leseempfehlung!

Beinahe Alaska
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Es gibt Bücher, die ziehen mich direkt an und in sich rein. Dieses Buch gehört dazu. Die Autorin hat einen unheimlich schönen Schreibstil, der mich ganz schnell eingehüllt hat. In dieser Hülle bin ich ...

Es gibt Bücher, die ziehen mich direkt an und in sich rein. Dieses Buch gehört dazu. Die Autorin hat einen unheimlich schönen Schreibstil, der mich ganz schnell eingehüllt hat. In dieser Hülle bin ich dann mit ihr beinahe nach Alaska gereist. Zu Beginn der Geschichte überwog noch die humorvolle-ironische Beschreibung der Situation und der Charaktere. Je weiter jedoch die Geschichte voranschritt, desto melancholischer wurde die Autorin.

Die Beschreibungen der Mitreisenden, deren Ansichten und Anspruchshaltung waren so realistisch, dass man sich schon fast ein wenig über sie (innerlich) aufregen konnte. Ich bin kein Freund von Schiffsfahrten und großen Kreuzern noch viel weniger. Die Autorin hat meine Bedenken, meine Vorurteile gegenüber diesen Reisen unbewusst bestätigt. Aber auch die Augen für die Natur im hohen Norden geöffnet und Lust gemacht mehr darüber zu lesen.

Die Autorin hat das Buch mit ein paar wenigen sehr schönen Bildern illustriert. Davon hätte ich mir etwas mehr gewünscht, da sie die Arbeit an den Illustrationen auch immer wieder im Buch erwähnt hatte. Vielleicht beim nächsten Buch?

Ganz klar eine Leseempfehlung (auch für Fans von Kreuzfahrtreisen).

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.11.2020

Ein Blick in die französischen Kochtöpfe

Dreck
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In der Spitzengastronomie und besonders in deren Küchen herrschen oft strenge Regeln und ein extrem hoher Leistungs- und Arbeitsdruck. Der Ton ist rauh und direkt und nicht wirklich für sensible Seelen ...

In der Spitzengastronomie und besonders in deren Küchen herrschen oft strenge Regeln und ein extrem hoher Leistungs- und Arbeitsdruck. Der Ton ist rauh und direkt und nicht wirklich für sensible Seelen geeignet. Aber jeder (mich eingeschlossen), der schon einmal in einem solchen Restaurant oder Hotel in der Küche gearbeitet und die Tage, Wochen, Jahre durchgestanden hat, kennt die Magie, die von diesen Ort ausgeht. Man wird angezogen und mitgerissen, durchgerüttelt und angeschrieen und doch geht man wieder dahin, um zu lernen, zu testen, die eigenen Grenzen auszuloten und sich einfangen zu lassen.

Genau das beschreibt Bill Bufords Buch. Er will sich einfangen lassen und muss so einiges dafür einstecken. Seine anfängliche Naivität hat mich etwas überrascht, aber er lernte schnell, dass die französische Küche nicht umsonst so hochgelobt wird. Ich musste schmunzeln über die Geschichten von Paul Bocuse, denn die kamen mir bekannt vor. Wer die Möglichkeit hat, sollte die Lehrvideos von Bocuse sehen. Da wird man schon vom Zusehen betrunken.

Die Beschreibungen aus der täglichen Küchenarbeit und das stetige Dazulernen, die vielen kleinen Küchentipps, die jeder Hobbykoch anwenden kann, die kleinen Gemeinheiten, die in jede Küche gehören und das Anbeten der ganz Großen waren interessant. Dank des schönen Schreibstils und einer guten Portion Humor konnten auch längere Passagen gut überstanden werden.

Die Geschichte gibt einen guten Einblick in die französische Küche mit ihren Eigenheiten, Einblicke in das Land und einen Blick in das Familienleben von Bill Buford.

Veröffentlicht am 31.10.2020

Das Buch hat mich leider etwas enttäuscht zurückgelassen

Der innere Gegenspieler
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Ich bin bei diesem Buch hin- und hergerissen. Es gab ein paar wenige Passagen, die ich gut fand. Bei diesen Abschnitten konnte ich ein paar Fakten und Anregungen für mich gewinnen. Jedoch waren es zu wenige, ...

Ich bin bei diesem Buch hin- und hergerissen. Es gab ein paar wenige Passagen, die ich gut fand. Bei diesen Abschnitten konnte ich ein paar Fakten und Anregungen für mich gewinnen. Jedoch waren es zu wenige, um begeistert zu sein und von diesem Buch zu schwärmen.

Denn die vielen anderen Abschnitte konnten mich nicht erreichen. Sie waren mir zu trocken und zu distanziert. Ich fühlte mich nicht abgeholt und mitgenommen. Ich hatte das Gefühl, der Autor hat das Buch für sich geschrieben und wollte seine Theorien und Ansätze einfach mal niederschreiben. Die LeserInnen standen dabei nicht im Mittelpunkt, was ich jedoch bei einem Sachbuch mit diesem Thema erwartet hätte. Die Theorien und therapeutischen Ansätze mögen gut sein, aber die LeserInnen sind in der Regel keine ausgebildeten Therapeuten, die diese Theorien sinnvoll umsetzen können. Für einen Laien waren die sogenannten Tipps und Anregungen zu theoretisch und dadurch leider nicht wirklich greif- und umsetzbar.

Veröffentlicht am 28.10.2020

Es lohnt sich...schaut in den Spiegel

Konsum - Warum wir kaufen, was wir nicht brauchen
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Vieles, was in diesem Buch steht, ist nicht neu. Aber Carl Tillessen rollt es noch einmal auf und bringt es auf den Punkt. Die Fakten sind hart und sehr deutlich. Das eigene Konsumverhalten wird von allen ...

Vieles, was in diesem Buch steht, ist nicht neu. Aber Carl Tillessen rollt es noch einmal auf und bringt es auf den Punkt. Die Fakten sind hart und sehr deutlich. Das eigene Konsumverhalten wird von allen Seiten beleuchtet und unter einer Lupe betrachtet. Er ist kritisch, er bohrt mit seinem Finger in der Wunde herum und hinterfragt alle und alles, was mit Konsum in Verbindung steht. Was mir gut gefallen hat, war seine Betrachtungen der digitalen Konsumwelt und unsere Reaktionen auf die geschickte Manipulation der Produzenten, aber auch der Neidfaktor als Antrieb wird angesprochen. Die Beispiele sind einleuchtend und wurden, nehme ich an, häufig schon selber oder im Familien- und Bekanntenkreis erlebt.

Selbst als kritischer Konsument erfährt man hier noch ein paar Fallen, die man vielleicht selbst noch nicht ausgemacht hat. Er geht auf Themen wie den ethischen Konsum, anlaoges Angeben vs. digitales Angeben oder psychische und qualitative Obsoleszenz ein.

Man muss keine Angst haben, dass hier die Moralkeule allzu sehr geschwungen wird, aber der Spiegel wird hochgehalten und je nachdem wie stark man bereit ist, kann man hineinschauen und sich einmal selbst reflektieren. Ich fand die Anregungen gut und die Masse an Quellen noch viel besser.

Es lohnt sich ein Blick in das Buch zu werfen und sich vielleicht im Anschluss mit dem einen oder anderen Thema näher zu beschäftigen.