Mit "Sonne, Glück und Blaubeerduft" hat der Oetinger Verlag passend zur Sommerzeit eine gelungene Zusammenstellung kurzer schwedischer Kindergeschichten veröffentlicht. Die Geschichtensammlung wird ab ...
Mit "Sonne, Glück und Blaubeerduft" hat der Oetinger Verlag passend zur Sommerzeit eine gelungene Zusammenstellung kurzer schwedischer Kindergeschichten veröffentlicht. Die Geschichtensammlung wird ab einem Alter von 4 Jahren empfohlen. Ich schließe mich dieser Empfehlung an.
Enthalten sind insgesamt acht Geschichten von verschiedenen AutorInnen. Vor allem Astrid Lindgren ist vertreten - mit gleich fünf Erzählungen, die aus ihren "Bullerbü"-, "Krachmacherstraße"-, "Michel"- und natürlich "Pippi"-Büchern stammen. Daran kann man gut erkennen, welchen Stellenwert die Lindgren-Bücher für den Oetinger Verlag immer noch haben.
Mir hat die Zusammenstellung insgesamt gefallen: Die Geschichten selbst sind sehr niedlich und versprühen sommerliche Gefühle. Die Auswahl ist also passend. Richtig gut sind auch die Bilder zu den Geschichten. Nach jeder Geschichte gibt es außerdem ein Rezept bzw. verschiedene Spiele- und Bastelideen, die sich leicht umsetzen lassen und super für die Zielgruppe geeignet sind.
Fazit: Auch wenn die Zusammenstellung sehr Lindgren-lästig ist, bietet das Buch eine ganz wunderbare Mischung aus schwedischen Kindergeschichten, einem Rezept sowie Bastel- und Spielideen, die sich allesamt leicht umsetzen lassen. Die Illustrationen laden zu gemeinsamen Betrachtungen ein und es kommen wunderbare sommerliche Gefühle beim Lesen und Betrachten des Buches auf.
Micke Bayarts "Als Pippi nach Deutschland kam" richtet sich zwar vor allem an (erwachsene) Pippi-Fans, ist aber auch gut für Menschen geeignet, die wie ich nur die Fernsehserie kennen, Pippi also durchaus ...
Micke Bayarts "Als Pippi nach Deutschland kam" richtet sich zwar vor allem an (erwachsene) Pippi-Fans, ist aber auch gut für Menschen geeignet, die wie ich nur die Fernsehserie kennen, Pippi also durchaus wahrgenommen haben, aber ansonsten eher wenig Berührungspunkte mit ihr hatten.
"Als Pippi nach Deutschland" kam behandelt unglaublich viele Aspekte, die ich so nicht erwartet hatte. Natürlich erfahren wir einiges über Astrid Lindgren und die Entstehungsgeschichte von Pippi. Wir erfahren ein bisschen über die Geschichte des Oetinger-Verlages und - natürlich - wie es der Oetinger-Verlag schaffte, sich die Rechte an Pippi zu sichern. Das allein ist schon spannend und sehr interessant.
Micke Bayart erzählt aber nicht nur, wie die "Pippi"-Bücher ihren Weg nach Deutschland fanden, sondern auch, was daraufhin folgte. Es wird auf die Serie, die Filme und den Einfluss von Pippi Langstrumpf eingegangen - und damit auch darauf, wie revolutionär dieses Mädchen sowohl im Nachkriegs-Schweden als auch im Nachkriegs-Deutschland war.
Micke Bayart hat offenbar sehr gut recherchiert und lässt auch einige der damals beteiligten Personen bzw. ihre Nachkommen zu Wort kommen. Das war für mich besonders interessant.
Mir hat zudem gefallen, dass auch Menschen, die sonst nicht oder kaum erwähnt werden - die Übersetzerin zum Beispiel, die IllustratorInnen, eben viele Menschen, die im Hintergrund agierten und agieren - im Buch nicht nur nebenbei erwähnt werden, sondern gebührend vorgestellt werden.
"Als Pippi nach Deutschland kam" bietet neben allerlei bekannten Fakten auch viel Neues und dürfte damit auch für LeserInnen eine Bereicherung sein, die schon alles über Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf zu wissen meinen.
Einziger Kritikpunkt meinerseits ist, dass das Buch auffallend viel Lobhudelei enthält. Es muss nicht gleich ins Kritische abgleiten, aber für mich war es teilweise zu viel des Guten, so dass es manchmal wie eine Werbemaßnahme für "Pippi Langstrumpf" und den Oetinger Verlag wirkte.
Aber das ist Jammerei auf hohem Niveau. Letztlich überwiegt der Informationsgehalt, und ich bin dankbar für die vielen Einsichten, die die Veröffentlichung uns bietet.
Ich bin durch Zufall auf "Das große Boden-Handbuch" von Jesse Frost gestoßen. Jesse Frost ist unter anderem auf Instagram vertreten. Er ist ein Vertreter des so genannten "No till farming". Im Prinzip ...
Ich bin durch Zufall auf "Das große Boden-Handbuch" von Jesse Frost gestoßen. Jesse Frost ist unter anderem auf Instagram vertreten. Er ist ein Vertreter des so genannten "No till farming". Im Prinzip geht es darum, auf das Umgraben (per Pflug) weitgehend zu verzichten.
"Das große Boden-Handbuch" richtet sich vor allem an professionelle Landwirte, eignet sich aber auch für Hobby-GärtnerInnen. Für letztere ist das Buch allerdings an vielen Stellen nicht so unterhaltsam aufbereitet wie viele andere Gartenbücher. Jesse Frost liefert nämlich auch viele theoretische (chemische) Hintergrundinformationen, um zum Beispiel näher zu erläutern, wie ein gesunder Boden zusammengesetzt ist. Das ist wichtig und interessant, aber teilweise auch sehr trocken. Der Boden ist nun einmal ein sehr komplexes Thema und das spiegelt sich in diesem Buch wider.
Mir hat vor allem Jesse Frosts ehrliche Art gefallen: Er gibt offen eigene Fehler zu und gesteht auch uns LeserInnen zu, Fehler zu machen. Aus Fehlern lernt man - gerade auch beim Gärtnern bzw. in der Landwirtschaft. Das insbesondere, wenn man ein System umstellen möchte. Zudem ist Jesse Frost kein Dogmatiker und lädt zu pragmatischen Lösungen ein.
Letztlich sind es drei Grundpfeiler, die besonders wichtig sind beim "No till farming". Auf diese weist Jesse Frost wiederholt hin:
1. den Boden so wenig wie möglich stören,
2. den Boden so weit wie möglich bedecken,
3. den Boden so weit wie möglich bepflanzen.
Neben einem hohen theoretischen Anteil liefert Jesse Frost aber auch viele praktische Tipps. Diese beziehen Mischkultur (wenn auch weniger ausführlich als von mir erwartet bzw. erhofft), die richtigen Werkzeuge, die Wahl und Aufbewahrung des Saatguts und vieles mehr ein.
Alles in allem ist "Das große Boden-Handbuch" ein sehr interessanter Vertreter, der für mich als Hobby-Gärtnerin zwar streckenweise arg trocken daher kam, aber alles in allem ausgesprochen interessant war.
Für mich war Uketsus "HEN NA E - Seltsame Bilder" ein Erlebnis. Das Buch bietet einen Kriminalroman der etwas anderen Art: Uketsu erzählt seine Geschichte nicht nur, sondern er liefert auch noch Bilderrätsel, ...
Für mich war Uketsus "HEN NA E - Seltsame Bilder" ein Erlebnis. Das Buch bietet einen Kriminalroman der etwas anderen Art: Uketsu erzählt seine Geschichte nicht nur, sondern er liefert auch noch Bilderrätsel, Diagramme und noch einiges mehr, die zur Lösungsfindung beitragen (können). Der Verlag bezeichnet das Ergebnis durchaus treffend als Sketch-Mystery-Roman.
"HEN NA E - Seltsame Bilder" ist - ich gebe es zu - eins der wenigen Bücher, bei denen ich es bereue, mich für das E-Book entschieden zu haben, denn ich kann mir gut vorstellen, dass es gedruckt noch einmal das Erlebnis steigert.
Gleich am Anfang werden wir mit dem ersten Bilderrätsel konfrontiert. Es ist der Aufhänger für den Roman, der aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Es ist alles ein bisschen so, als würde man die unterschiedlichsten Schnipsel zusammensetzen. Das ist eine ganz eigenartige und interessante Leseerfahrung. Mir hat das zumindest sehr gefallen. Vor allem die ersten beiden Teile des Romans laden zum Miträtseln ein, während der dritte Teil die Auflösung(en) liefert.
So, wie der Roman konzipiert ist, müssen sich LeserInnen allerdings darauf einlassen können, dass es sehr viele Wiederholungen gibt. Das kann man als nervend empfinden oder als belehrend, für mich hat es zum allgemeinen Stil des Romans gepasst. Ich kann aber verstehen, dass sich LeserInnen daran stören.
Den Schreibstil von Uketsu habe ich als angenehm empfunden. Es ist eher ein Berichtsstil - auch bei Dialogen -, was dazu führt, dass sprachlich wenig Emotionen transportiert werden. Diese Ergeben sich mehr aus dem Inhalt des Gesagten bzw. Geschriebenen und weniger aus dem Wie.
Das Miträtseln bei den Fällen hat mir viel Spaß bereitet und genau das ist der Sinn der ganzen Sache. Die ersten beiden Teile erfüllen ihren Zweck diesbezüglich hervorragend: Die LeserInnen machen automatisch mit, es gibt allerlei Aha-Momente und vor allem entsteht nach und nach ein Bild, dass schon einige Antworten gibt, aber noch nicht alle.
Die werden im dritten Teil geliefert. Und genau da fangen für mich die Probleme an. Die ersten beiden Teile sind grandios. Sie sind super konstruiert, sie haben trotz vieler Wiederholungen ein klasse Tempo, sie sind eine Einladung an die LeserInnen. Ich war und bin echt begeistert. Der dritte Teil fällt dagegen deutlich ab.
Wir bekommen alles, wirklich alles bis ins kleinste Detail erklärt. Nichts gegen Details. Nichts gegen Erklärungen. Aber nicht so. Nicht in dieser Menge, nicht in dieser Ausführlichkeit, nicht in dieser Langatmigkeit. Zumal einfach zu viel an den Haaren herbeigezogen ist. Im dritten Teil wird in dem Bemühen, jedes noch so kleine Detail aufzuklären, völlig unnötig zumindest teilweise der Pfad einer wie auch immer gearteten Plausibilität verlassen. Es ist wirklich schade!
Gelungen ist dagegen, dass im dritten Teil der Bogen zum Anfang geschlagen wird, so dass sich am Ende der Kreis schließt. Das fand ich persönlich wieder toll.
Fazit: "HEN NA E - Seltsame Bilder" ist definitiv ein Erlebnis. Auf einiges - wie zum Beispiel viele Wiederholungen - muss man sich einlassen können. Schwachpunkt ist aus meiner Sicht der letzte Teil, der ohne Grund langatmig und teilweise unrealistisch geraten ist. Toll fand ich aber die ersten beiden Teile des Buches, in denen wir LeserInnen fleißig miträtseln konnten und sich nach und nach eine spannende Kriminalgeschichte entspann.
Amira Ben Saouds "Schweben" ist einer der Romane, die ihre LeserInnen schnell in die Geschichte hineinziehen. Dank eher kurzer Kapitel und eines erfreulich unprätentiösen Schreibstils lässt sich der Roman ...
Amira Ben Saouds "Schweben" ist einer der Romane, die ihre LeserInnen schnell in die Geschichte hineinziehen. Dank eher kurzer Kapitel und eines erfreulich unprätentiösen Schreibstils lässt sich der Roman flüssig und dadurch schnell lesen. Zumindest ich dachte mir immer wieder: "Ach, komm, ein Kapitel noch." Und dann war das Buch auch schon ausgelesen.
Amira Ben Saoud verwebt in ihrer Dystopie ganz alltägliche Fragen: Zum einen ganz offensichtliche Fragen wie "Wer bin ich?", aber auch Fragen, wo Gewalt beginnt und wo sie endet, die Dynamik toxischer Beziehungen und so weiter und so fort werden behandelt.
Das alles geschieht vor dem Hintergrund einer Siedlung, in der dem Anschein nach alles prima funktioniert. Aber unter der Oberfläche brodelt es.
Die Protagonistin und Ich-Erzählerin ist nicht unbedingt die sympathischste Person, aber sie ist ein interessanter Anker für die LeserInnen des Romans. Durch ihre Augen erleben und erfahren wir viel über das Leben in der Siedlung. Durch sie stellen sich auch die oben bereits erwähnten Fragen. Einfache Antworten gibt es nicht. Damit muss man leben können.
Zum Ende hin wird auch klar, warum der Titel des Romans "Schweben" lautet. Das fand ich sehr schön. Für mich war es ein bisschen zuviel des Guten, zumal auch darauf keine erlösenden Antworten geliefert werden. Immerhin wird im Epilog die Perspektive gewechselt. Das fand ich zur Einordnung des Vorangegangenen super, zumal er auch noch bissig-komisch war - zumindest habe ich ihn so empfunden.
Alles in allem ein Roman, der sicher nicht für alle geeignet ist - insbesondere wegen des tendenziell ziemlich "abgefahrenen" Endes, das so gar nichts mehr mit Realismus zu tun hat. 3,5 Sterne gibt's von mir.