Spannender Kink
Willing PreySchreibstil:
Habe ihn geliebt! Ich bin durch die Seiten geflogen und war erstaunt, wie flüssig es sich lesen ließ. Denn obwohl ich keinerlei Erfahrungen mit dem Kink hatte und ihn erst vielleicht etwas ...
Schreibstil:
Habe ihn geliebt! Ich bin durch die Seiten geflogen und war erstaunt, wie flüssig es sich lesen ließ. Denn obwohl ich keinerlei Erfahrungen mit dem Kink hatte und ihn erst vielleicht etwas befremdlich fand, war es zu keiner Zeit komisch oder abwegig. Die Autorin hat es durch die Beschreibung der Gefühle und der Atmosphäre perfekt geschafft, mich mit ihren Figuren mitzunehmen und mitfühlen zu lassen, sodass es zu keiner Zeit weird war. Ich konnte mich total fallen lassen und einfach gebannt lesen.
Die Geschichte – 30 Tage, ein Wald hinter dem Haus und ein Gehalt, das die Schulden tilgt
Erzählt wird aus den Perspektiven von Shane und Claire. Das war besonders deshalb interessant, weil die beiden lange Zeit absolut unabhängig voneinander agieren und denken und fühlen. Durch die Zeitbeschränkung und die stete Bereitschaft, die von Claire verlangt wird, spielt die Geschichte hauptsächlich auf Shanes Grundstück und hauptsächlich zwischen Claire und Shane sowie seinem Hauspersonal. Das hat die Erzählung natürlich sehr auf den Spice verdichtet. Und dieser lässt auch nicht lange auf sich warten. So nahm die Handlung gleich Fahrt auf und baute sich nicht erst langsam auf. Suchtfaktor also sofort aktiviert.
Claire – Betrogene Lehrerin mit Kink, der alle Sorgen zu nehmen scheint
Claire muss man gar nicht lange kennen lernen, um sie zu mögen. Sie ist unkompliziert, naturverliebt, weiß, was sie will und was sie mag. Sie gibt sich keinen Gedankenstrudeln hin oder verkompliziert Dinge, sondern kennt ihre Schwächen und Vorlieben und agiert sehr strukturiert. Das mochte ich an ihr total, weil sie den Handlungsverlauf so nicht verlangsamt und nichts unnötig verkompliziert hat.
Dafür blieb Platz, um mit ihr zu fühlen, was ihr am Primal Play so gefällt, wie sie Shane immer besser kennen lernt und dabei langsam Gefühle entwickelt und wie sie teils überlegt, teils aber auch gefühlsgesteuert mit ihrem Ex-Freund umgeht. Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl, dass sie überdramatisiert oder irgendetwas total unlogisch angeht. Stattdessen ist sie authentisch und gibt ihre Gefühle an uns Leser:innen weiter.
Was mir außerdem an ihre gefallen hat, war, dass sie keinen Zustand als gegeben ansieht. So entwickelt der Kink sich zwischen ihr und Shane noch weiter. Irgendwie hat mir das auch dabei geholfen, diese sexuelle Vorliebe besser hinsichtlich meiner feministischen Einstellung verstehen zu können. Wäre es nämlich so gewesen, dass es nur darum gegangen wäre, dass der Mann das Sagen hat, wäre das zwar im sexuellen Bereich auch irgendwie in Ordnung gewesen (gemäß dem Falle, er benimmt sich sonst gut), allerdings fand ich es so einfach viel besser. Die beiden sind die ganze Zeit über sehr an Consent interessiert. Es geht nicht nur um ein Safeword, sondern auch darum, dass beide garantiert Spaß an allem haben. Durch die Entwicklungen hin zur Gegenseitigkeit wurde dies noch bestärkt. Ich glaube, genau diesen Content sollte man viel öfters in Dark Romance Büchern betonen, denn genau so wird ein Kink zum Kink und nicht zu einer Machtdemonstration oder einer sexuellen Vorliebe eines Einzelnen. Die beiden machen das hier zusammen. Haben zusammen Spaß. Sind zusammen?
Nur eine Mini-Anmerkung zu Claire: Sie beschreibt sich als totale People-Pleaserin, tatsächlich aber konnte ich das bei ihr nicht wahrnehmen. Ich denke, das bezieht sich auf ihre Zeit VOR Shane. Es gab aber keine Rückblicke oder Erinnerungen oder ähnliches, die das an der Stelle nochmal gezeigt bzw. erlebbar gemacht hätten. Schade eigentlich, denn für ihre Entwicklungskurve wäre es glaube ich ganz cool gewesen, wenn man diesen Wandel mehr mitbekommen hätte.
Shane – scheuer Anwalt, dominanter Jäger oder weirder Stalker?
Das krasseste an Shane: er wird als großer, eher stämmiger, muskulöser Mann beschrieben, der aber schüchtern, zurückhaltend und unsicher ist. Ich habe noch nie einen Love Interest kennengelernt, der so gegensätzlich war und gleichzeitig so authentischen. Denn ja, nicht jeder mit einem Kink muss gleich das oberkrasseste Machomonster sein. Man kann auch so sein wie Shane: jemand, der erst entdeckt, dass dieser Kink zu einem passt und der eigentlich sehr unsicher ist, wenn es darum geht, mit Frauen zu reden. Wenn er nicht gerade in seinem Element draußen im Wald war, dann merkte man diese Schüchternheit total und das fand ich zuckersüß. Er ist der Typ Nerd, den man mit ins Bett nehmen will. Jemand, der sich um alles Gedanken macht, recherchiert, um gut in dem zu sein, was er sich vornimmt und unbeholfen und schweigsam wird, wenn er unvorbereitet angetroffen wird. Es war cool zu sehen, wie sehr er sich um Claire bemüht, obwohl er augenscheinlich ein oberkrasser S**partner ist.
Was seine Figur dann noch spannender machte, war, dass es bei ihm quasi Liebe auf den ersten Blick war und er vielleicht leichte Stalker-Tendenzen zeigte. Zuerst dachte ich in diesem Moment so: oh ha, dass ist jetzt vielleicht doch etwas viel, im nächsten passte es irgendwie total zu ihm und nahm dann zum Glück auch nicht solche Ausmaße an, dass ich es hätte irgendwie mit mir ausmachen müssen. Er war einfach verliebt.
Wenn ein Vertrag endet – was passiert dann?
Die 30 Tage waren wirklich super geschrieben. Es wirkte dadurch authentisch, dass die Bedingungen zwar eingehalten wurden, dass Shanes Leben aber auch nicht einfach pausierte. Er musste dennoch arbeiten und hatte somit nicht jeden Tag Zeit, sie zu jagen. Dadurch konnten viele der Jagden erzählt werden und jedes Mal war ich wieder erstaunt, dass die Autorin es schaffte, die gleiche Prozedur wieder anders spannend zu erzählen. Manchmal ist es Claire, die erzählt, manchmal Shane, manchmal versteckt sie sich, manchmal versucht sie den Spieß umzudrehen, mal dauert sie lang, manchmal kurz und zwischendurch passieren dann noch andere Dinge. Es war echt faszinieren, wie ich jedes Mal mitgefiebert habe.
Schön war aber auch, dass sich schon innerhalb dieser 30 Tage mehr zwischen den beiden entwickelte. Sie redeten, machten sich Gedanken, verbrachten Zeit außerhalb der Jagd miteinander. Alles so, dass es nicht zu viel wirkte, nicht zu vanilla, sondern eben einfach so, dass man merkte, dass die beiden vielleicht noch mehr als ihren Kink teilten.
Dabei ist dann nicht nur Claires Ex-Freund Thema, der sehr nachvollziehbar immer mal wieder zum Thema wird und Gefühle heraufbeschwört, sondern auch Shanes Vergangenheit. Ich fand es gut, dass es irgendwie einen Grund gab, weshalb er so ist wie er ist, trotzdem hätte ich mir irgendwie noch ein paar mehr Details aus dieser Vergangenheit gewünscht. Kann sein, dass sich das für Caine aufgehoben wird, aber für Shane war es dann schade.
So, irgendwann waren die 30 Tage dann aber vorbei und ab dann fand ich es etwas schleppend. Es war süß, keine Frage und es war auch authentisch erzählt, aber es klang ein bisschen wie ein Epilog, nicht wie ein entscheidender Teil der Geschichte. Das Darke ging auf jeden Fall verloren. Ich fand es so zum Abschluss ganz schön, es hat der Geschichte aber definitiv ein wenig der Würze genommen.
Fazit:
Ein Kink, der die Geliebte zur Beute macht, sympathische Figuren, ein flüssiger Schreibstil und jede Menge Spannung. Dieses Buch hat wirklich Spaß gemacht und war super spicy. Zum letzten Viertel hin wurde es etwas süßer, nicht mehr so dark. Wen das nicht stört, wird hier eine wirklich schöne Dark Romance lesen. Mein einziger richtiger Kritikpunkt: ein bisschen mehr Tiefe hätte das Buch noch besser gemacht.
Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.
3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest:
- Ein ungewöhnlicher Kink, der überraschend authentisch dargestellt wird
- Spannende Dynamik zwischen schüchternem Nerd & dominantem Jäger
- Spice mit Fokus auf Consent & Gegenseitigkeit
Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!
Liebe Grüße
Tomke