Starke Idee, schwache Emotionen
The OrdealsZur Info: Dies ist der erste Band einer Reihe. Ihr solltet euch also an die Reihenfolge halten und damit rechnen, dass ihr weiterlesen wollt.
Schreibstil:
Ich muss gestehen, dass ich bis zum Ende nicht ...
Zur Info: Dies ist der erste Band einer Reihe. Ihr solltet euch also an die Reihenfolge halten und damit rechnen, dass ihr weiterlesen wollt.
Schreibstil:
Ich muss gestehen, dass ich bis zum Ende nicht mit dem Schreibstil warm geworden bin. Zwar ließ es sich flüssig lesen und ich konnte mir die Welt recht gut vorstellen, allerdings fehlten mir die Emotionen. Es wirkte die ganze Zeit auf mich sehr gewollt und unemotional. Statt dass Gefühle spürbar wurden, wurden sie nur erzählt, sodass ich sie einfach hinnehmen musste. Das machte es für mich zusätzlich noch schwierig, mich so richtig in die Figuren einzufühlen und mit ihnen mitzufiebern. Gerade in Bezug auf die Liebesgeschichte in diesem Buch war es sehr schwierig für mich, alles nachzuempfinden.
Die Geschichte – Magiebegabte flieht aus ihrem Alltag auf eine Academy und muss dort Prüfungen bestreiten
Erzählt wird aus Perspektive von Sophia, die anfangs bei ihrem Onkel lebt, für den sie Aufträge erfüllen muss. Diese bestehen daraus, dass sie Blut für ihn sammeln muss. Der Hintergrund? Magisch. Und damit nimmt die Geschichte ihren Lauf, denn Sophias Ziel ist es, ihrem Onkel zu entkommen und stattdessen auf die berühmte Killmarth-Academy zu gehen. Um dort studieren zu dürfen, muss man jedoch die Ordeals überleben – und das wortwörtlich, denn es wird ziemlich hart.
Der Einstieg in das Buch gelang mir erstmal ganz gut. Wie gesagt, hat mir der Schreibstil ein paar Schwierigkeiten bereitet, die Geschichte jedoch kam gleich zum Punkt. Sophias Ziel ist schnell klar, ebenso werden erste Hinweise auf Geheimnisse gegeben und es wird auch gleich blutrünstig. Quasi das volle Programm.
Sophia – Mädchen ohne Herkunft mit magischen Fähigkeiten
Sophia ist keine typische Fantasyheldin. Ihre Fähigkeiten sind eher schwach, ihr Wissen sehr begrenzt, sie ist nicht besonders beliebt und ist überaus argwöhnisch. Dazu hat sie sich eine sehr raue Schale antrainiert, um das Leben bei ihrem Onkel auszuhalten.
Ich mochte sie, weil sie immer sehr bei sich geblieben ist und genau wusste, was sie wollte. Allerdings hat mich etwas an ihr gestört, dass sie in allem Challenges sieht, die extra für sie konzipiert wurden. Es ging oft darum, was sie bewerkstelligen muss und was sie tief in ihrem Inneren doch so gut kann. Die Idee dahinter, dass es nicht nur um bloße magische Fähigkeiten an der Academy geht, war ja ganz nett und definitiv ein Aspekt, den ich ergänzend gut gefunden hätte, aber sie redet sich doch oft etwas ein, was dann etwas unbegründet von anderen Instanzen im Sande verlief.
Was ich an ihr außerdem schwierig fand war, dass sie nicht wirklich Nähe zu ihren Freunden herstellen konnte. Sie hat alle immer auf Abstand gehalten, ohne dass dies aber begründet wurde. Und dadurch, dass die Gefühle in der ganzen Geschichte etwas zu kurz kamen, konnte man das auch nicht auf anderer Ebene nachvollziehen. Das war sehr schade, denn im Prinzip konnte ich schon verstehen, dass man nach so einer Jugend nicht jedem gleich vertraut. Allerdings vertraut sie dann doch an einigen Stellen wieder, obwohl es keinen Sinn macht. Da war sie einfach inkonsistent.
Alden – Botaniker, gutaussehender Charmeur & Love Interest
Alden war mir sehr sympathisch. Im Vergleich zu Sophia blieb er für mich sehr konstant, auch wenn sie ihm gerne etwas anderes angedichtet hat. Er hat sein Ziel vor Augen, baut Vertrauen vernünftig auf und belohnt Vertrauen ebenso. Was ich bei ihm komplett nachvollziehbar fand war, dass er Sophie lange Zeit eben nicht vertrauen konnte, auch wenn sie das gefordert hat, weil er gespürt hat, dass sie Geheimnisse vor ihm hat. Ich konnte es ihm nicht verdenken und fand es super, dass er einfach feinfühliger war als sie.
Zudem mochte ich es, dass er als Love Interest noch eigene Geheimnisse hat und trotz seiner Verbindung zu Sophia noch sehr eigenständig blieb. So konnte ich ihn gut als eigenständige Figur wahrnehmen und habe total mit ihm mitgefiebert. Ich hoffe, im nächsten Band bekommt man dann noch etwas tiefgreifenderes Wissen über ihn.
Die Killmarth Academy – ein Ort voller Grauen
Ich hatte anfangs natürlich keine Vorstellung davon, was Killmarth ist. So bin ich völlig unvorbereitet mit Sophia an diesen Ort gereist, an dem Magiebegabte aus den vier Kategorien (Botanik, Alchemie, Illusion, Maskiererei) geprüft und danach geschult werden. Wild ist nur, wie rabiat die Academy auswählt, wer dort studieren darf. Schon beim Zugang zur Akademie gibt es die ersten Toten und auch danach wird es nicht weniger. Es ist quasi, als wären die Begabten gar nichts wert. Das hat mich die ganze Zeit über von der Logik her sehr gestört, denn gleichzeitig spricht man davon, dass die Zahl der Magiebegabten kleiner wird und die Bedrohung größer. Warum also nicht an einer Akademie die Fähigkeiten, die sogar trainierbar sind), trainieren, statt die Schüler:innen wortwörtlich ins offene Messer laufen lassen?
Das war nur eine der Fragen, über die ich im Laufe der Geschichte gestolpert bin. Immer wieder gab es meiner Meinung nach Logiklücken, die die Academy und die Geschehnisse dort betrafen. Warum beispielsweise die stärksten Schüler:innen finden wollen aber gleichzeitig nichts dagegen tun, dass jemand innerhalb der Schüler:innenschaft die stärksten ermordet?
Die Prüfungen dagegen fand ich recht cool. Sie waren spannend, die Figuren wuchsen zusammen, es wurden neue Hinweise gegeben und Erzählfäden gesponnen. Endlich mal Prüfungen, die eine wirkliche Herausforderung sind und bei denen nicht alles nach Schema A abläuft.
Das Magiesystem dahinter fand ich ebenfalls cool. Durch die Verschachtelungen zwischen den Familien und Begabungen boten allein diese schon viele Überraschungen. Alle Begabungen waren zudem noch recht individuell, sodass man mit den Figuren zusammen lernen konnte, was alles möglich ist. Ich fand es nur etwas schade, dass Sophia sich da eher ausruht, weil sie sich von Anfang an nicht für fähig genug hält und die anderen dies bestärken. Dadurch konzentriert sie sich sehr auf andere Dinge.
Die Struktur – zwischen Zeitsprüngen & geheimnisvollen Wesen
Neben dem Schreibstil fand ich auch die Zeitstruktur etwas interessant. So hat sie mich nicht gestört, aber öfters mal irritiert. Denn tatsächlich erzählt dieses Buch hauptsächlich die Ordeals, was ja auch im Rahmen der Handlung durchaus Sinn macht. Teilweise vergeht aber sehr viel unerzählte Zeit zwischen den einzelnen Prüfungen, was dann manchmal einfach verwirrend wirkte, weil es keinen ersichtlichen Grund dafür gab. Zum Beispiel trainieren Alden und Sophia dann eine Woche lang jeden Tag zusammen (unerzählt) und dann sagt Sophia auf einmal, sie hätte dann jetzt schon wieder zwei Wochen lang nicht mit ihm trainiert aufgrund eines Gesprächs. Das ist ja durchaus okay so, hat bei mir aber Fragezeichen nach dem Grund aufgeworfen. Zumal es für die Gefühlen zwischen den beiden in diesem Fall sehr gut gewesen wäre, wenn sie noch etwas Zeit miteinander gehabt hätten. Zum Ende hin geht es mir mit der Tiefe ihrer Gefühle nämlich etwas fix.
Genauso interessant verteilt ist das eigentliche Geheimnis dieses Buches. Ich möchte jetzt nicht spoilern, deshalb versuche ich, nicht zu viel zu sagen, aber die Academy und die Figuren dort arbeiten gegen etwas Größeres an, das aber im Verborgenen liegt. Sophia kommt dem nach und nach auf die Spur, am Ende bleibt man aber immer noch total im Dunklen. So werden oft Fragen unbeantwortet gelassen, einfach in dem eine beteiligte Figur aus dem Gespräch rennt. Das zieht natürlich die Spannung noch weiter in die Länge, es fühlte sich aber auch etwas gekünstelt an. Als hätte das eigentliche Geheimnis nicht genug Inhalt, um schon jetzt Brocken preiszugeben.
Auch am Ende hat man gemerkt, dass die Geschichte dahin lenken wollte, es aber nicht ganz geschafft hat, weil es alles eben schon so früh klar war bzw. sehr auffällig vertuscht wurde. Auch da fehlte mir wieder die Logik hinter all dem. Zwar gab es irgendwo Sinn, aber ganz logisch betrachtet hätten die Verantwortlichen das Ganze eigentlich anders angehen müssen. So jedenfalls würde ich nicht auf ihrer Seite stehen wollen, weil ich Angst hätte, mich im Kampf für das zu schwache Team entschieden zu haben.
An allen Ecken und Enden läuft es hier also auf einen nächsten Band hin, der hoffentlich nochmal mehr Emotionen und gepflegte Komplexität bringt.
Fazit:
Ein Buch, das viel will und eigentlich mit den Figuren, der Idee und dem Setting auch genug Stoff bietet. Schwierig fand ich nur die Umsetzung. Der Schreibstil ist eher unemotional und kann keine Gefühle rüberbringen, die Figuren zeigen nicht, sie erzählen und die Logik bleibt an einigen Stellen der Handlung etwas zurück, sodass ich oft mit einem verwirrten Stirnrunzeln dasaß. Ich habe das Buch trotzdem gerne gelesen, habe aber sehr lange gebraucht, um es zu lesen.
Von mir gibt es 3 von 5 Sterne.