Zwischendurch hatte ich Gänsehaut – und zwar nicht die gute
The Night We MetSchreibstil:
Wie immer ist der Schreibstil der Autorin super lesbar gewesen. Locker und flüssig und unheimlich amüsant. Ich musste immer wieder schmunzeln, aber auch andere Gefühle kamen fast schon zu ...
Schreibstil:
Wie immer ist der Schreibstil der Autorin super lesbar gewesen. Locker und flüssig und unheimlich amüsant. Ich musste immer wieder schmunzeln, aber auch andere Gefühle kamen fast schon zu gut bei mir an. So wurde mir zum Beispiel eng in der Brust, wenn die Situation komisch wurde. Das erste Mal gab es für mich aber auch ein paar längere Passagen, in denen die Autorin sich ein wenig in ihren Ausführungen verlor.
Die Geschichte – eine ausweglose Situation, die gar nicht gut ausgehen KANN
Ich bin richtig gut in die Geschichte reingekommen, denn man lernt gleich zwei unheimlich sympathische Figuren kennen: Larissa, die irgendwie mit dem klarkommen muss, was ihr das Leben gegeben hat und Chris, der seinen besten Freund in den Schutz nimmt und gleich versteht, was in Larissa vorgeht. Ich war einfach gleich verzaubert: von Larissas Kämpferwillen und Chris‘ aufmerksamen Verhalten. Zudem gibt es gleich eine super süße Szene und ich war nicht nur sofort neugierig, wie die beiden jemals zusammen kommen sollten, sondern auch darauf, wie Larissas Leben weitergehen würde. Der Grundstein für eine gute Geschichte war also gelegt.
Larissa – Wenn sich das Leben nur noch aufs Überleben beschränkt
Sie fand ich im ganzen Buch durchweg sehr cool. Als Selfmade-Frau ist sie es gewohnt, dass nichts sich von alleine einrenkt und dass am Ende sie es ist, die etwas tun muss, damit sich etwas ändert. So ist sie aber auch leider daran gewöhnt, dass sich keiner um sie kümmert. Dadurch kommt es, dass sie sich vor allem anfangs ziemlich schlecht behandeln lässt. Es fällt ihr gar nicht auf, wenn jemand nicht ehrlich, nicht aufopferungsvoll ist, stattdessen wälzt sie alles immer gleich auf sich selbst um. Trotzdem war sie für mich keineswegs eine schwache Figur. Neben all ihren Jobs, behielt sie stets gute Laune, war bereit, hart zu arbeiten, wollte sich nichts schenken lassen und hat das Beste aus dem gemacht, was sie sich leisten konnte. Ganz ohne zu überschwänglich oder zu unrealistisch zu werden.
Ich gebe zu, manchmal habe ich mich gefragt, wie sie all diese Dinge schafft, ohne dabei den Kopf zu verlieren. Wie viele Stunden ihr Tag überhaupt hat und wie sie es dann noch schafft, sich um einen Hund zu kümmern. Gefühlt hat sie auf jeden Fall nie geschlafen.
Zu ihrer Entwicklung kann ich sagen, dass sie sich eigentlich, was ihr Privatleben angeht, eher mittreiben lässt. Mit Mike ist alles geregelt, also läuft es weiter. Mit Chris ist alles einfach, also kann es doch auch so weiterlaufen. Die Jobs dagegen müssen wechseln, mehr Geld einbringen. Manchmal hatte ich während des Lesens das Gefühl, dass Larissa eigentlich gar nicht in dieser Phase ist, in der sie einen Freund haben will. Vielmehr jemanden, der sie unterstützt und sie ansonsten nicht so viel Zeit kostet. So wunderte es mich auch überhaupt nicht, dass bei ihr nicht unbedingt erotische Gedanken aufkommen. Dafür hat sie einfach keine Zeit.
Chris – Liebe bis zur Selbstaufgabe?
Bei Chris war ich die ganze Zeit zwiegespalten, denn einerseits ist er aufmerksam und unheimlich nett und versucht alle zu unterstützen (vor allem Larissa), andererseits aber hatte ich bei ihm auch so leichte cringe-Vibes wie in einem Film, in dem man den Stalker dabei beobachtet, wie er sich in sein Opfer „verliebt“. Er hat Larissa komplett studiert, ihr jeden Wunsch von den Augen abgelesen, konnte nicht mehr schlafen und hatte ständig Angst um sie. Und das, ganz ohne wirklichen Grund, denn eigentlich hatte es ihn nichts anzugehen.
Ich finde, bei ihm muss man „Verliebtsein“ wirklich hinterfragen, denn bedeutet das wirklich, dass ich so sehr in das Leben meines Love Interests eingreifen will? Ab wann mische ich mich zu viel ein? Bei Chris habe ich mir diese Frage die ganze Zeit gestellt, denn er lässt Larissa quasi keine Wahl, selbst zu entscheiden. Er nimmt ihr Dinge ab, bevor sie weiß, dass sie sie erbeten möchte, aber gleichzeitig auch, bevor sie ihre Einwilligung dazu geben kann. Ich empfand es so stellenweise als sehr übergriffig und konnte ihn deshalb leider nicht als das sehen, was er eigentlich sein sollte und was auch Larissa irgendwann in ihm sieht: einen aufmerksamen, liebevollen Mann, der für seine Partnerin alles geben würde.
Er selbst geht so völlig verloren. Was sind seine Ziele? Was belastet ihn? Warum kann er nicht schlafen? Es wird zwar angeschnitten, aber nicht richtig aufgearbeitet. Schon gar nicht mit Larissa, mit der er so viel teilt, aber nicht wirklich seine Gedanken. Dadurch kommt es stellenweise immer wieder zu Passagen, in denen er einfach gar nichts sagt und die anderen aus seinem Leben aussperrt. Es ist, als wäre sein Leben einzig auf Larissa ausgerichtet (davor auf Mike), sodass er selbst gar keinen Inhalt mehr hat.
Eine Liebesgeschichte, die zum Thriller werden will?
Zusammen sind Chris und Larissa wirklich süß. Chris macht alles für sie und lässt sich auch echt süße Sachen einfallen, außerdem sorgen die Szenen mit ihrem gemeinsamen Hund immer wieder für Lacher. Gleichzeitig weiß man aber natürlich von vorne herein, dass ihre Situation eigentlich auswegslos ist und die beiden nicht so eng miteinander sein sollten. Chris versucht, Grenzen einzuhalten, Larissa dagegen versteht lange Zeit gar nichts. Auch das bestärkte meine Theorie, dass sie noch gar nicht bereit ist. Denn sie springt nicht so richtig auf Chris und ihre gemeinsame Zeit an, genauso wenig wie auf die Probleme, die unter der Oberfläche brodeln. So übersieht sie auch Mike und seine Probleme. Erst, als es richtig deutlich wird, reagiert sie. Beinahe schon zu spät.
Letztlich weiß ich so gar nicht, ob ich hier von einer Lovestory oder eher einer Friendstory reden möchte. Mit Hinblick auf Chris‘ Übergriffigkeit hat beides aber einen komischen Beigeschmack. Was wäre passiert, wenn Larissa irgendwann „nein“ gesagt hätte? Wenn es doch Mike gewesen wäre? Was hätte Chris dann gemacht? Ich habe das Gefühl, es hätte auf einen Thriller hinauslaufen können und sollte das bei solch einem Liebesroman wirklich so sein?
Dazu passte dann leider auch, dass Larissa sich in Bezug auf Chris eher naiv gibt und ihm wahnsinnig schnell verzeiht. Auch da zeigt sie nicht unbedingt, dass das, was sie bisher über Männer gelernt hat, sie irgendwie skeptischer gemacht hat. Vielmehr verstößt sie gegen ihre eigenen Prinzipien und gibt sich ihm einfach hin. Da hätte ich mir doch sehr gewünscht, dass das noch tiefgreifender bearbeitet worden wäre. Gerade auch im Hinblick auf das Ende des Buches
Was die eigentliche Situation angeht: Ich fand es super interessant, mit welcher Idee sich dieses Buch beschäftigt. Denn ich denke, jede/r von uns oder ein Freund/eine Freundin von uns war bereits in einer Situation, in der es schien, als hätte man den falschen gewählt. Oder (wenn man es nicht unbedingt auf zwei Typen polen möchte), als hätte man zu früh den nächsten Freund, den Freund aus dem falschen Umfeld (Mitbewohner:in) oder irgendetwas anderes, was dazu geführt hat, dass die Beziehung gesellschaftlich nicht (sofort) anerkannt wurde).
Ich glaube, Kommunikation hätte dieser Geschichte definitiv nicht geschadet. So wäre die Situation am Ende vielleicht auch etwas befriedigender ausgefallen, denn so wie es ausgegangen ist, fand ich es etwas utopisch.
Letzten Endes muss ich sagen, dass ich das Buch zwar gelesen habe, ab und zu schmunzeln musste (Schreibstil top, die Situationen, in denen Tiere zu Schaden kamen, waren aber schlicht drüber) und stellenweise zumindest Larissa auch echt toll fand, ich das Buch aber einfach seeeehr problematisch finde. Hier wird eine Beziehung gezeigt, die nicht gesund ist. Die am Ende nicht für beide positive Aspekte bringt. Die eigentlich nur darauf wartet, dass etwas schief geht. Wenn man selbst wie Larissa ist und sich einfach nur verzweifelt nach jemandem sehnt, der sich endlich mal kümmert, dann kann man das glaube ich schlecht differenzieren und lässt sich von Chris einlullen. Auch die anderen Figuren sind zweifelhaft: die besten Freunde denken einfach nur gesellschaftskonform, die Mutter zeigt keinerlei Gefühle und Mikes Probleme werden ziemlich schnell nur zu einem Problem für die Beziehung von Chris und Larissa, nicht zu einem Problem, das vielleicht Unterstützung seines besten Freundes bedarf.
Fazit:
Ich liebe die Bücher der Autorin normalerweise und wollte auch dieses Buch lieben. Der Anfang war echt stark, die Story klang interessant, weil sie etwas ungemütlicher als gewohnt ist. Nach und nach wurde es aber immer komischer. Die Figuren waren unsympathisch, das Verhalten der Hauptfigur war übergriffig und damit schwer einordbar. Diese Geschichte muss man wirklich mit Vorsicht genießen und selbst dann gibt es einige Längen, in denen sich die Autorin verliert. Ich kann es leider nicht empfehlen.
2 von 5 Sterne von mir.